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Samstag, 2. Januar 1952

182. Jahrgang

lotwendig, um seine entwickeln, sie schien

t

ten würde.

Unzweifelhaft sind in dieser Zeit auchFehl- Verwendungen von Kapital innere halb der kapitalistischen Wirtschaft in der Ausweitung des Derwaltungsavvarats wie auch in volkswirtschaftlich nicht zweckmäßiger Erweiterung mancher Produkttons- und Verteil lungsanlagen erfolgt. Aber ebenso fehlerhaft wie solche Fehlleitungen völlig zu verneinen wäre es, sie aus der jetzigen Krisenlage zu beurteilen. Man darf nicht vergessen, daß viele _ Anlagen, di, heule hohe Zinse» ioften, zugleich die 21

rischen Rüstungen ausrichtiger und stärker her­beiwünschen als das deutsche Dolf. Ls wäre sür die Welt verhängnisvoll, und es darf deshalb nicht sein, daß die Erwartungen in der Frage der Abrüstung nochmals enttäuscht werden. Auch auf diesem Gebiet kann in Zukunft kein verschiedenes Recht für die einzelnen Dölker gel­ten, wenn das Dertrauen, die Grundlage oller Völkerbeziehungen, wieder Hergestell| werden soll. Möchte da» neue Jahr in ollen diesen Schicksalsfragen endlich befreiende Taten bringen!

Anschließend empfing der Reichspräsident den Reichstagspräsidentcn Lüde und den Reichstags- Vizepräsidenten d Mardorfs und eine Abord­nung des ' chsrates. Die Glückwünsche der Wehrmacht sprachen aus der Chef der Marineleitung, Admiral Rader, zugleich im Namen des beurlaubten Reichswehrministers sowie General der Infanterie -ässe. Weitere Glück­wünsche überörachte Vizepräsident D r e y s e für das Reichsbankdircktorium, ferner Ge- neraldirettor Dr. D. o r p m ü 11 e r für die Reichs­bahnhauptverwaltung.

Anspruch auf gleiche Sicherheit ist fo klar, dah er nicht bestritten werden kann.

Unwillkürlich denke ich zurück an Tannen­berg. Unsere Lage war damals gleichfalls schwie­rig. Sehr gewagte Entschlüsse muhten gesaht und hohe Anforderungen an die Truppe gestellt werden, um des Erfolges nach Möglichkeit gewiß zu fein. Da mag mancher innerlich Bedenken ge­hegt haben, aber das Band gegenseitigen Dertrauens. treuer Kameradschaft, inniger Vaterlandsliebe und der Glaube an uns f e I b ft hielten uns fest zusammen, so dah die Ent- scheidung nach mehrtägigem heihen Ringen zu unse­ren Gunsten ausfiel.

Auch heute rufe ich. abermals in ernster Zeit, und zwar ganz Deutschland, auf zu gleicher treuer schicksalsoerbundener Einigkeit. Lassen Sie uns Hand in Hand unverzagt der Zukunft mit ihren sorgenschweren Entscheidungen entgegengehen. Möge keiner dem Kleinmut unter­liegen, sondern feder unerschütterlichen Glauben an des Daterlandes Zukunft behalten. Gott hat

Vertin, 31. Dez. (WIB.) Reichspräsi­dent von Hindenburg hielt am Silvester- abend im deutschen Rundfunk folgende Reujahrr- ansprache:

Deutsche Männer und deutsche Frauen!

Aus meinem Amt als Reichspräsident und aus der Tatsache, daß ich als hochbetagter Mann einen vcrhältnismähig großen Abschnitt deutscher Ge- schichte miterlebt habe, folgere ich die Berechtigung, heute am Abschluß eines schicksalsschweren Jahres, wenige, aber treu gemeinte Worte an Sie zu richten, um Ihnen zu helfen, die Rot der Zeit zu tragen.

Jch bin mir voll bewußt, weichegewaltigen Opfer von jedem von uns verlangt werden, damit wir es versuchen können, durch eigene Kraft die gegenwärtige Rotzeit zu überwinden. Dem deutschen Volke gebührt aufrichtigster Dank und hohe Anerkennung für die bisher be­wiesen« Opferbereitschaft und für die Geduld, mit der es in Erkenntnis der harten Rotwendigkeit alle Leiden und alle Lasten getragen hat. Das fei

Wirtschaftskraft wieder zu nicht minder den Gläubigern zur Entwicklung öct Zahlungskraft des Schuldners und zur Unter­bringung überschüssiger eigener Kapitalien erfor­derlich. Dieser weltwirtschaftliche Optimismus dec Gläubiger traf zusammen mit einem gewal­tigen Aufschwung techn isch - w i r t- sch östlich en Unternehmungsgeistes in Deutschland und mit einem gewaltigen sozial­wirtschaftlichen Optimismus der Regierungen, Volksvertretungen und der öffentlichen Meinung. Warum sollte der deutsche Arbeiter weniger gut leben als der in andern Ländern, warum sollten den aus dem Kriege Heiingekehrten nicht aus heimischen Baustoffen Wohnungen und Heim­stätten bereitet werden, die Lust und Licht zu­liehen und Heimat- und Staatsgefühl steigerten, warum sollte für die Arbeitszeit nicht eine Re­gelung gesunden werden, die dem Einzelnen mög­lichst viel Zeit zum Leben für sich selbst bot? Vieles davon war begreiflich aus der seelischen Lage eines Volkes, das eben aus ungeheuren Anstrengungen und Entbehrungen des Krieges im Felde und zu Hause zurückgekehrt war. Und dennoch war vieles, allzu vieles davon nicht richtig, waren ebensowohl die Gesetze des weltwirtschaftlichen Wettbewerbs verkannt wie die des Verhältnisses von Kapital und Arbeit, wie es sich in Zeiten der Kapitalarmut und des Ueberandranges von Arbeitskräften erweist. So wurden die Kosten der Produktion übersteigert, unmittelbar in ihrem eigenen Bereich wie mittelbar durch die steigenden Auf­wendungen der öffentlichen Hand. 2lllzu lange schien es. als wenn eine Vermehrung des öffent­lichen Aufwandes und demzufolge steigende Be­steuerung von Einkommen. Vermögen. Gewerbe, Hausbelitz notwendigerweise eine volkswirtschaft­lich unschädliche, ja nützliche Ertragsverlagerung zugunsten der wirtschaftlich Schwächeren bedeu-

fjier zuerst gesagt.

Aber die Größe dieser Opfer, die wir bringen, berechtigt uns dem Auslande gegenüber gleichzeitig zu der Forderung, sich unserer Gesun­dung n i ch t du r ch Z n m u t u n g u n m ö g l ich er Leistungen entgegenzustellen Auch in tes neues 3 atm der Abrüstungsfrage darf Deutschland sein Nachdem der Herr Reichspräsident seine Rede 4 ootmlijau« ---den. Un|ei 1 teenfct Saite. (pW Ms OTufU to -Eteadüed.

Oie Neujahrsempfänge beim Reichspräsidenten Oer päpstliche Nuntius überbringt die Glückwünsche des Diplomatischen Korps. Reichsregierung, Parlament und Wehrmacht beim Reichsoberhaupt.

Oie Hoffnung für 1932.

Der Nuntius warnt die Ltaatslcnker, die Erwartungen der Pötter erneut

zu enttäuschen.

Berlin, 1. 3an. (TU.) Arn Reujahrstag fanden beim Reichspräsidenten die üblichen Emp­fänge statt. Sie wurden um 10.45 Uhr durch das Aufziehen der Wache eingeleitet, de­ren Meldung der Reichspräsident an der Tür feines Hauses entgegennahm. Eine große Menschenmenge, die sich vor dem Reichs­präsidentenpalais eingefunden hatte, begrüßte den Reichspräsidenten mit lebhaf­ten Rusen. Um 11 Uhr erfolgte zunächst der Empsangeiner Abordnung derHal­loren", der alien Salzwirker-Bruderschaft im Thale zu Halle, die zum ersten Male seit dem Weltkrieg wieder dem Reichsoberhaupt nach altem Brauch Salz, Soleier und Schlackwurst sowie ein Gedicht darbrachte, in dem dem Reichspräsidenten ein frohes Glückauf zugerufen und ihm und dem Vaterland Treue gelobt wird. Das Gedicht schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das Reich bald wieder reichen Aufschwung neh­men möge.

Um 12 Uhr fand im Großen Saal des Reichs- präsidentenhauses der Empfang des Diplo­matischen Korps statt, dessen Glückwünsche der Apostolische Runtius O r s e n i g o darbrachte. In seiner Ansprache erklärte der Runtius u. a.: Das Jahr, das soeben abgelaufen ist. war zwei­fellos eines der schwierigsten und härtesten für alle Völker, aber In ganz besanderem Mähe für Ihr deutsches Volk. In den Plänen der Vorsehung kommt dieser herben Prü­fungszeit gewih auch eine besondere m a h - n e n ö e Mission zu. Sie hat der Welt mit tragischer Eindringlichkeit geeffenbart, tote eng und unlösbar d i e wirtschaftlichen Bande sind, welche die Völker miteinander verknüpfen. Bande, so eng, dah bie fahrt jedweder Ration, ob Siegerin oder Besiegte, heute nicht mehr vorstellbar ist. es sei denn im Rahmen einer gewissen, die ganze Welt umfassenden Gesamtwohlfahrt. Bande, so unlöslich, dah der Zusammenbruch auch nur eines Grohstaates heute unvermeid­lich seine störenden Rückwirkungen aus viele andere Staaten ausüben mühte. Belehrt und aufgerüttelt durch die Gröhe solcher Gefahr haben endlich alle Völker die Rotwendigkeit einer aufrichtigen und allseitigen Verständigung zu begreifen begonnen. Sollen alle schönen Erwartungen nochmals enttäuscht werden? Mit Bewußtsein näh- ten wir den Gedanken, dah die Sorge um das Wohl der Menschheit stark genug fein wird, sich gegenüber der Besorgnis für die Sonderinter- essen der Staaten geistig durchzusehen. Wir haben das Empfinden, dah die Lenker der Volker, angetrieben von den hohen Idealen der Gerech- Hgteit und Liebe, mit denen jede weife Politik immerfort verbunden ist, dahin gelangen werden, sich in einer edelmütigen und aufrichtigen Soli­darität zusammenzufinden, einer Solidarität, die nicht nur für alle die Grundlage des Wieder- aufblühens der Weltwirtschaft sondern auch und vor allem ein Unterpfand einer vollen und end­gültigen Befriedung der Völker sein wird.

Reichspräsident von Hindenburg antwortete hierauf u. a. mit folgenden Worten: Herr Runtius! Mit eindrucksvollen Worten haben Sie die furchtbaren Schwierigkeiten gekennzeich­net, mit denen an dieser Jahreswende alle Dölker, am schwersten wir Deutschen, zu ringen ha^n. Aber mit dankbarer Genugtuung kann ich Ihre Worte bestätigen, in denen Sie davon sprachen, dah die bittere Rot nicht vermocht hat. dem deutschen Volk seine Willensstärke und seinen Mut zu nehmen. Das hat es der deut­schen Regierung ermöglicht, die äußerste Kraft einzusetzen, um Volk und Staat vor der Katastrophe zu bewahren. Deutschland hat zu ungewöhnlichen, tief eins dj_n eiben- ben Maßnahmen greifen müssen, die jedem Deutschen die schwer st en Opfer auf­erlegen. In unerschüttertem vaterländischem Be­wußtsein hat das ganze Volk diese Opfer auf sich genommen.

Auch die höchsten Anstrengungen des einzelnen Volks reichen jedoch allein nicht aus, um der kritischen Lage Herr zu werden. Mit vollem Recht haben Sie, Herr Runtius, betont, wie eng die Wohlfahrt jedes Landes heute mit der Wohlfahrt der anderen Länder verknüpft ist. Die ernsten Ereignisse de» vergangenen Jahres haben diese Wahrheit der ganzen Welt auf dos eindringlichste vor Augen geführt. E s g i t t, diese Erkenntnis jetzt ohne Zögern in die Tat umzusehen, wenn es gelingen soll, noch rechtzeittg einen Ausweg aus der Rot anzubahnen. 3n verständnisvollem Zusammen­wirken müssen von den Regierungen Lösungen gesunden werden, die der unerbittlichen Wirk­lichkeit Rechnung tragen und so die Gesundung von Wirtschaft und Finanzen in der Welt er­möglichen. kein Voll kann das Ende der kriege-

Jahreswende - Schicksalswende?

Don Dr Eduard Hamm, ebem. Michswirtschaftsminister.

Das deutsche Volk hat viel trübe Zeiten erlebt, aber noch nie leit es in einer breiten Gemein­schaft feines Volkstums und Schicksals bewußt Geschichte erlebte, war Reujahr so umschattet tote jetzt. Oft sprach man früher davon, daß der Blick in die Zukunft grau verhangen sei. Solche Un­gewißheiten scheinen fast ein freundliches Geschick gegenüber dem Heute: denn, soweit den Men­schen es überhaupt gegeben ist, in die Zukunft zu blicken, scheinen zunächst Zwangsläufigleiten zum Verharren in politischer und wirtschaftlicher Rot gegeben zu sein. Die gegenwärtige Erschütterung der Volkswirtschaft trifft das deutsche Volk im Unterschied zu früheren Krisen als ein hoch­industrialisiertes Volk der Arbeits­teilung, der Großstädte, der Trennung des Ein­zelnen von Grund und Boden und dem Eigen­tum an Produkttonsmitteln, trifft es in einem solchen Zustand notwendiger engster Ver­flechtung mit der Weltwirtschaft und trifft damit Millionen in ihrem Rahrungsstand, ihrem sozialen und sittlichen Standort schwerer und tiefer als dies je der Fall war, soviel Um­schichtungen auch die schwere Krise am Anfang des vorigen Jahrhunderts, namentlich im land­wirtschaftlichen Grundbesitz, brachte.

Rach den Wirkungen eines solchen Ge­schehens braucht nicht gefragt zu werden. Sie liegen in der Bitterkeit und Hoffnungslosigkeit weiter Volksteile und in dem Drang zu radi­kalen politischen Forderungen deutlich genug vor den Augen derer, die sehen wollen. Schwere^ aber nicht minder notwendig, ist die Frage nach den Ursachen. Vieles toirtt hier zusammen. Die ungeheure Entwicklung der Technik, die Aus- I Weitung der Produktionskrast würden, auch wenn I der Krieg nicht gekommen wäre. Spannungen her­beigeführt haben. Aber bei fortschreitender Er- I schließ un g neuer Erd gebiete für die moderne | Güterveriorgung, bei fortdauerndem Austausch der Völker untereinander würden diese Epan- I nun gen auf einer höheren Ebene von Erzeugung I und Verbrauch zu überwinden gewesen sein. | Der Krieg und seine Fortsetzung ft * t - I gerten sie zu Ueberspannungen. Die I natürliche Entwicklung wurde unterbrochen, hier I zurückgeworfen, dort überhastet, der Ausbau von Industrien in neuen Ländern übersteigert, de« I Zusammenhang der Völker in wirtschaftlichem I Geben und Rehmen zerrissen.

Hindenburgs Silvesterbotschast an das deuische Volk.

Dank und Anerkennung für Opfer und Leiden. Ernste und eindringliche Mahnung an das Ausland, den Bogen nicht zu Überspannen. - Erinnerung an Tannenberg und Aufforderung zu gleicher vertrauensvoller und sch,Mals« verbundener Einigkeit im neuen Jahr.

Die politischen Zahlungen verschärf­ten diese Störung. Sie zwangen das tief er­schöpfte Deutschland, statt daß ihm Zeit zur Ent­wicklung seiner Wirtschaftskraft gegeben wurde, zu Leistungen, die es aus eigener Kraft nicht bewirken konnte, und damit zu einer ^Über­steigerung der Kreditaufnahme über das Maß dessen hinaus, was für Verzinsung und Tilgung erarbeitet werden konnte. Als der Dawes- Plan fertiggestellt war, ging eine Welle von Optimismus durch alle Länder. Kredit­aufnahme in großem Maße schien nicht E,dem unterlegenen Deutschland notwendi

GietzeimAnzeiger

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Deutschland schon oft aus tiefer Rot errettet; er wird uns auch jetzt nicht verlaßen!

And nun wünsche ich dem deutschen Volke in seiner Gesamtheit und jedem einzelnen Deutschen aus vollem, treuem Herzen ein gefegne-

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