Sie deutsche Landwirtschaft in der Krisis.
14. Hauptversammlung der preußischen Hauptlandwirtschastskammer.
Berlin, 31. März. (ERB.) I», Mittelpunkt der 1-1. Hauptversammlung der Preußischen Haupt- landwirtschaftskanuucr standen Referate über die Lage der preußischen Landwirtschaft. Präsident Dr. Brandes stellte fest, daß sich rund 60000 Ost betriebe unter S i ch c r u n g s s ch u ß begeben mußten. Es bestehe ein Mißverhältnis zwi- idwn den Preisen landwirtschaftlicher und industrieller Erzeugnisse. Die Förderung der deutschen Exportindustrien habe, so betonte der Redner, immer im Vordergrund der Reichspolitik gestanden. Bei allen Maßnahnicn müsse die Wiedcrhcrstcl- l u n g d c r R e n t a b i l i t ä t in der landwirtschast- lichcn Betriebsführung maßgebend fein; Kredite könnten die Rentabilität nicht ersetzen. Der deutschen Landwirtschaft sei in der letzten Zeit immer die Unistellung nach dänischem Vorbild empfohlen worden. Jetzt befinde sich aber auch Dänemark in einer Agrarkrise, die gerade durch die einseitige E i n st c l l u n g auf die Vieh - und Milch Produktion hervor- gerufen worden sei. Der Behauptung, daß sich die Rot auf den Großgrundbesitz beschränke, müsse man aufs schärfste cntgegentreten; auch die Bauernwirtschaft leide aufs schwerste.
Landrat v. Reden-Reden gab eine Darstellung über die Lage der nordwestdeutschen Landwirtschaft. Die Viehzucht sei absolut unrentabel. Etwa 70 Prozent der Einnahmen der Ackerbau- betriebe stammten aus der Viehwirtschaft, und deshalb seien auch die Ackcrbaubetriebe trotz der nor- malen Preise für Weizen und Roggen in große Schwierigkeiten geraten. Besonders erschwerend habe sich noch die Absatz- und Preisentwicklung auf dem Zucker- und dem Holzmarkt ausgewirkt.
Frhr. von L ü n i n ck ('Bonn) erklärte: Ganz katastrophal habe sich im Laufe der letzten anderthalb Jahre in Westdeutschland die Lage der Geflügel- wirtschaften und insbesondere der Farmbetriebe entwickelt. Der Gemüsebau leide schwer unter der Auslandskonkurrenz. Die Auslandskonkurrenz werde noch dazu durch die deutsche In- dustrie gefördert, da sie billiger beliefert werde, als die deutsche Landwirtschast. Das gelte sowohl für Baumaterialien für Treibhäuser, als auch insbesondere für Düngemittel. Be- sonders schwer habe der Weinbau zu leiden. Die Weinpreise deckten gerade die Darauslagen für
die Betricbsführung. Ein Betrag für die Arbeit des Winzers und feiner Familie bliebe dagegen nicht übrig.
Die Hauptversammlung nahm eine Entschließung an, in der u. a. gefordert wird, daß den Vorschlägen der Grünen Front auf Kontingentierung der Einfuhren schleunigst Rechnung getragen werde und daß insbesondere die Butter- und K ä s e z ö l l e so zu gestalten seien, daß eine dauernde Rentabilität der Milchwirtschaft gewährleistet werde.
Vorbildliche Milchwirtschaft in Württemberg.
Stuttgart. 31. März. (WTD.) Reichs- crnährungsminister Schiele weilte zum Besuch verschiedener landwirtschaftlicher Einrichtungen in Württemberg. Verschiedene Molkereien im Hinterland wurden besichtigt, worauf eine Aussprache mit Vertretern der Landwirtschaft, der Industrie und der Behörden stattfand. Der Präsident der Landwirtschaftskammcr, Adorno, dankte dabei dem Minister für seine Bemühungen zum Schuhe der Landwirtschaft im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten und bedauerte, daß andere landwirtschaftliche Berufsvertretungen im Reiche dem Mini st er in den Rücken gefallen seien. Der 1. Vorsitzende des Vereins Württcmbergischer Industrieller, Geheimer Kommerzienrat Dr. Bruck- mann, anerkannte die ausglcichendc Art des Ministers in der Behandlung der großen Probleme der Landwirtschaft. Reichsministcr Schiele äußerte sich sehr anerkennend über das Gesehene. besonders über die Organisation der Milchwirtschaft in Württemberg, die ihm sehr imponiere und vorbildlich für das ganze Deich sei. Die Rcichsregierung erkenne die ernste Arbeit der württembergischen Milchwirtschaft, vor allem der mustergültigen Durchrationalisierung der Molkereibetriebe, an. In der Anwendung des viel kritisierten Milchgesetzes hoffe er bei den kommenden Verhandlungen eine solche Regelung treffen zu können, daß daraus das Beste für die Produzenten wie für die Konsumenten entstehe.
Schweben unb die Kreuger-Krisis.
Oie verhängnisvolle Tribulpolitik.
Bon unserem Dr. G.-Dcrichterstatter.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I) Stockholm. Ende März 1932.
..Als der Telegraph die Rachricht von Ivar Kreugers Selbstmord nach London, Reuhork, Berlin und Rom brachte, schaute man sich an. als ob man erwartete, daß der Himmel einstürzen und die Erde zittern würde — gerade wie man es bei Caesars Ermordung glaubte." Die Sähe stammen nicht aus einer lokalpatriotischen schwedischen Provinzzeitung, sondern aus dem Daily Expreß. Tatsächlich ^fürchtete man im ersten Augenblick für alle Meltbörsen und die Weltwirtschaft schwerste Erschütterungen — ganz besonders aber für Schweden, das man am Rande des Abgrunds wähnte. Der Tod des Zündholzkönigs und die damit einsetzende Krise war für Schweden ein schwerer Schlag. Die Finanztransaktionen Ivar Kreugers gingen ja nicht nur in die Hunderte von Millionen, sondern in die Milliarden; noch vor weniger als einem Jahre wurden die Aktiva auf drei Milliarden Kronen — damals Goldkronen — bewertet; die Reingewinne wurden mit über 200 Millionen Kronen ausgewiesen und mehrere Jahre lang über 100 Millionen Kronen Dividende verteilt. Ünb das alles in einem Lande, das nur sechs Millionen Einwohner hat!
Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, hat die Kreugerkrise auf Schweden geringeren Gin - f l u h gehabt, als man erwartete. Erstens einmal war ja Schweden nur die juristische Heimat und Stockholm nur die administrative Residenz des weltumspannenden Konzerns. Weitaus der Hauptteil des Kapitals war im Auslande, besonders in Amerika beschafft und von den Verlusten — deren Höhe sich vorläufig noch nicht übersehen läßt — wird in erster Linie d a s A u s - land betroffen. Zweitens hat Schweden in langen guten Jahren so große Reserven aufsammeln können, daß auch dieser Schlag überwunden werden kann. Das Bankwesen, das naturgemäß mit an erster Stell- betroffen wird, ist gesund und die Staatsfinanzen sind beneidenswert gut. Obwohl die schwedische I n d u - st r i e unter der Weltdepression zu leiden hat, so kommt ihr doch zugute, daß im besonderen die Exportindustrie Warengattungen umfaßt, die zu den notwendigsten Gebrauchswaren und Rohstoffen gehören — keinerlei Luxusartikel —, und daß, wie aus dem von Handelsbanken berechneten Import- und Exportindex hervorgeht, Schweden für seine Ausfuhr verhältnismäßig sehr viel mehr bezahlt bekommt, als es für die Einfuhrwaren zu entrichten braucht.
Ganz besonders hat aber der schwedische Rationalcharakter dazu beigetragen, eine katastrophale Auswirkung der Kreugerkrise zu verhindern. In den Tagen nach Dekanntwerden von Kreugers Selbstmord und den Schwierigkeiten seines Konzerns rechnete man mit einem Ansturm auf die schwedischen Banken. Dieser blieb jedoch aus;^ die ausländischen Prcssephotographen, die lich besonders aus den nordischen Rachbarländern eingefunden hatten, um die „Abheberschlanaen" vor den Banken aufzunehmen, die dem Zündholztrust besonders nahe stehen, muhten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Offensichtlich war die Rervosität in Stockholm geringer als in Paris oder London. Trotzdem ist man sich über den Ernst der Lage durchaus klar. Man weiß, daß für den Fortbestand des Kreugerkonzerns nicht die Frage ausschlaggebend ist, wie große Werte vorhanden sind, sondern die Frage, ob und wie die notwendigen flüssigen Geldmittel beschafft werden können. Bis weit in die Kreise der Mittel- und sogar Arbeiterklasse hinein besitzt die schwedische Bevölkerung Kreuger- paprere, für die jetzt nur noch ein geringer Bruchteil von dem erhältlich ist, was man noch vor wenigen Wochen an der Börse dafür bekommen konnte. An mehreren führenden Wirtschaftsunternehmungen Schwedens war der Krcuger-
konzern ausschlaggebend beteiligt. Auch für die öffentlichen Finanzen bedeutet der Ausfall oder die Verminderung der Zahlungsfähigkeit des größten schwedischen Steuerzahlers einen bösen Schlag.
In Rechnung gestellt werden massen auch die psychologischen Einwirkungen der Erschütterung des Riesenbaus, der im letzten Jahrzehnt die sprichwörtliche Blüte und den einzigartigen Aufstieg des schwedischen Wirtschaftslebens in der ganzen Welt verkörperte. Kein Wunder also, daß auch die schwedische Valuta hierdurch in Mitleidenschaft gezogen wurde, zumal wenige Monate zuvor die Gvldbindung aufgehoben war. Die letzten Tage haben jedoch bewiesen, daß das Vertrauen auf die Widerstandsfähigkeit und Solidität des schwedischen Wirtschaftslebens auch im Auslande zurückgekehrt ist.
Die Kreugerkrise hat neben der wirtschaftlichen auch eine politische Seite. Richt nur deswegen, weil der Bankier einer großen Anzahl von Ländern und Regierungen aus dem Leben geschieden und sein Bankhaus illiquide geworden ist. Richt nur deswegen, weil mehr als ein Finanzminister sich bange fragt, was jetzt aus seinem Kreugerdarlehen wird lund wie sich etwaige Zwangsverkäufe auf die übrigen Staatspapiere und die ganzen Staatsfinanzen auswirken können. Die unerwarteten Schwierigkeiten des Kreuger- trusts sind zweifellos letzten Endes auf politische Faktoren zurückzuführen. Das Darlehen, das Kreuger die meisten Änannehm- lichkeiten bereitet hat. war die 125-Millio- nen-Dollaranleihe an Deutschland. Da der Konzern außerdem einen bedeutenden Posten Vounganleihe übernommen und anderweitige deutsche Interessen besitzt, muh die ilnx gewiß hei t, in der der Zündholzkönig über die Möglichkeit schwebte, diese Mittel flüssig machen zu können, als Hauptursache der Krise angesehen werden.
Ohne Aebertreibung kann man behaupten, daß die Geschicke des Kreugerkonzerns in den letzten Jahren unlösbar mit Deutschland verbunden waren. Man kann getrost einen Schritt weitergehen und sagen, daß die Liquidität und Existenz des Schwedentrusts zuletzt mit in erster Linie von der Lösung der Tributfrage abhing. Die Mächte, «die die rechtzeitige Streichung der deutschen Tributzahlungen verhinderten, tragen indirekt die Hauptschuld an der Kreugerkatastrophe. Zweifellos wäre die Bewertung der deutschen Engagements von Ivar Kreuger im gleichen Augenblick erheblich gestiegen, wo die Ungewißheit über die Tribute aufgehört hätte.
1928 hatte der Zündholztrust der französisch e n R e g i c r u n g ein Darlehen von 75 Millionen Dollar gewährt, womit die Stabilisierung des französischen Franken durchgeführt werden konnte. Vier Jahre später klopfte Ivar Kreuger in Paris an, um selb st ein Darlehen zu erbitten, für das trotz der Verschärfung der Weltwirtschaftskrise noch immer gute Deckung vorhanden war. Weit über eine Milliarde Reichsmark hatte er an 15 Regierungen ausgeliehen; ein Bruchteil von dem, was er infolge von Moratorien ober Transferschwierigkeiten nicht verwenden konnte, hätte genügt, den Schwedentrust flott zu erhalten. Als die französische Hochfinanz Ivar Kreuger abwies, war sein Schicksal besiegelt.
Die schwedische Wirtschaft ist durch die Schwierigkeiten des Kreugerkonzerns nicht in den Abgrund gezogen worden. Man muh jedoch auf der Hut sein, um nicht den Zündholztrust, die Telephon-, Zellstoffindustrie und die übrigen mächtigen Tochtergesellschaften unter ausländi- schenEinfluh geraten zu lassen. Gewisse Vorgänge auf den Weltbörsen deuten darauf hin, daß Hyänen bereit stehen, um sich auf die geschwächte Beute zu stürzen. Wenn die von der Regierung eingesetzte Kommission die Lage der Kreugerhin-
terlassenschaft geklärt hak, werden auch die tieferen Llrsachen der Krisa ans Tageslicht kommen. Sicher wird man auf politische Zusammenhänge stohen, die für die Zukunft manches lehren können.
Zum Ausscheiden Wnistenalbireltor Lrstadts.
EinAbschiedsschrciben dcsKttttnsministcrS
Darmstadt. 31. Marz. (WSR.) Dem am 1. April in den Ruhestand tretenden Ministerialdirektor des Landesamtes für das Bildungswesen Arstadt hat Staatspräsident Dr. Adelung folgendes Abschiedsschreiven übermittelt:
Auf Ihren Wunsch scheiden Sie zum 1. April d. I. aus dem Staatsdienst aus und treten nach einer fast 40jährigen, überaus ersprießlichen Tätigkeit i nt Dienste der hessischen Schule in den wohlverdienten Ruhestand. In schwerster Rotzeit des deutschen und des hessischen Volkes, als es galt, auch in der Schule die Llmstellung auf die in der demokratisch-republikanischen Verfassung gegebenen Grundlagen des Dolksstaates vorzunehmen, haben Sie sich dem Lande zweimal zur Verfügung gestellt und sind nahezu elf Jahre in der besonders arbeitsreichen und verantwortungsvollen Stellung des Präsidenten und Ministerialdirektors i in Landesamt für das Vildungswesen und danach im Kultusministerium der fachliche Leiter des hessischen Schulwesens und mein Berater gewesen. Mit Geschick und in kluger Besonnenheit ist es Ihrer reichen Sachkenntnis gelungen, die hessische Schule durch Klippen und Fährnisse dieser Kampf- und Rotzeit hindurchzulenken und sie in den Organismus des republikanischen Staates einzugliedern, um ihr die Grundlage einer neuzeitlichen Entwickelung zu sichern. Ihr Rame wird für immer mit diesem bedeutungsvollen Zeitabschnitt der hessischen Schulgeschichte verbunden bleiben. Beispielgebend, wie seinerzeit Ihre Bereitschaft zur Uebernahme der Verantwortung, ist auch jetzt IhreDereitwilligkeitzum vorzeitigen Scheiden aus dem Amt, womit Sie sich in vorbildlicher Weise an die Spitze jener älteren Lehrer stellen, die durch Verzicht auf liebgewordene Arbeit Schule und Staat ein dankenswertes Opfer bringen. Es ist mir aufrichtiges Herzensbedürfnis, Ihnen, sehr geehrter Herr Ministerialdirektor, am Tage des Ausscheidens aus dem Staatsdienst warmen, tiefempfundenen Dank und höchste Anerkennung auszusprechen für Ihre langjährige, erfolgreiche Tätigkeit als Leiter des hessischen Schulwesens, als treuer Diener des hessischen Volkes. Ich verbinde mit diesem Dank den lebhaften Wunsch und die freudige Hoffnung, daß der ÄDschied vom Amt für Sie nicht zugleich ein endgültiges Abschiednehmen von uns sein möge, daß sie vielmehr auch fernerhin der Schulverwaltung sich für Sonder aufgaben zur Verfügung halten möchten, so daß Ihre Sachkenntnis und Ihre reichen Erfahrungen noch viele Jahre der
Entwickelung unseres hessischen VchulwesenS gutekommen können
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident v.Hindenburg empfing den neuernannten spanischen Botschafter LuiS Araquistain h Quevedo zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens. Der Botschafter, der in Deutschland studiert hat und sich der deutschen Sprache bediente, erklärte, daß das neue Spanien ganz besondere Gründe zur Freundschaft und Erkenntlichkeit gegenüber Deutschland besitze. — Reichspräsident v. Hindenburg erwähnte in seiner Erwiderung. Deutschland habe die Gesinnung der Gerechtigkeit und der Achtung, die ihm Spanien in der schweren Zeit des Weltkrieges und der Rachkriegszeit entgegen- gebracht habe, stets dankbar empfunden.
Die Haushaltsführung des Reichs für öte Zeit vom 1. April 1932 bis 30. Juni 1932 ist durch Verordnung des Reichspräsidenten dahin gc- regelt worden, daß die persönlichen Ausgaben im Rahmen des Hanishaltspla- n e s 19 31 geleitet werden dürfen, und daß im übrigen, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, in diesem Vierteljahr nur bis zu einem Fünftel der für 1931 bewilligten Beträge aus- gegeben werden darf. Als Reichszuschuß an d i e G e m e i n d e n für die Erleichterung der Wohl- fahrtslasten ist ein Betrag von 75 Millionen Reichsmark vorgesehen.
*
Das tschechische Bezirksgericht in Böhmisch-Leiva hatte im Januar 1932 den Studenten H. W. Ja en sch aus Berlin zu acht Tagen Gefängnis deshalb verurteilt, weil er auf dem Bahnhof in Rumburg ohne Erlaubnis eine alte Lokomotive p h o- tographiert hatte. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte gegen dieses Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde eingelegt. Das Oberste Gericht hat nunmehr das Urteil aufgehoben.
Die französische Kammer hat mit 446 gegen 60 Stimmen einen Antrag des Wahlrechtsausschusses angenommen, der den Frauen das allgemeine Wahlrecht für die Wahlen nach 1933 gewährt.
*
Für die schleunige Einbringung des Gesetzentwurfs über den Bau der Sahara -Bahn setzen sich 250 Abgeordnete ein. Die Gesamtkosten sind auf 2,5 Milliarden Franks veranschlagt. Man glaubt, daß die Bahn in vier Jahren fertiggestellt sein könnte. Die Durchführung soll auch der Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit dienen.
Die ^Regierung des irischen Freistaates hat beschlossen, einen allgemeinen Zolltarif von 33z v. H. auf alle Artsn der Einfuhrwaren zu legen, die im Freistaat selbst hergestellt werden können. Waren aus Groß-Britannien und den anderen Teilen des britischen Reiches werden eine Vorzugsbehandlung von 8* v. H. genießen, also mit einem Zoll von 25 v. H. belastet werden.
Aus aller Welt.
Der Reichspräsident als pale beim 16. Kinde.
Reichspräsident von Hindenburg hat die Ehrenpatenschaft bei dem 16. Kinde des Arbeiters S t o b b e in Arnsfelde (Kreis Deutsch- Krone) übernommen und dem Vater eine Glück- wunschurkunde übersenden lassen.
Verstoß gegen die Devisenordnung.
Beamte der ZoUfahndungsstelle Berlin haben unter dem dringenden Verdacht des Verstoßes gegen die Devisenordnung den Direktor der Aus- landabteilung der Bergmann - Elektrizitätswerke A. Haßler und den Prokuristen einer Berliner Bank Arnheim festgenommen. Haßler und Arnheim sollen deutsche Wertpapiere im Betrage von etwa 225 000 Mk. unerlaubterweise für Rechnung von Ausländern verkauft und ihren Auftraggebern den Gegenwert ausgeliefert haben, statt ihn auf Sperrkonto zu legen. Weder die Bergmann-Elektrizitätswerke noch die betreffende Bank sollen mit diesen Privatgeschäften der beiden etwas zu tun haben.
Familienstreit Caro-Petschek.
Der Familienstreit der beiden Großindustriellen Caro-Petschck ist insofern in ein neues Stadium getreten, als eine gerichtliche Klärung der von Dr. Ernst P e t s ch e k, dem Sohn des tschechischen Kohlenmagnaten Ignatz Petschek, gegen seinen früheren Schwiegervater Geheimrat Caro, Generaldirektor der Bayerischen Stickstoffwerke, erhobenen Vorwürfe erfolgen wird. Die Strafkammer hat das Hauptverfahrcn gegen Geheimrat Caro wegen des Verdachtes des Betrugsversuches und der Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung eröffn^. Es soll sich dabei um die Behauptung Dr. Petscheks handeln, daß ihm sein früherer Schwiegervater keine Mitgift gezahlt und daß er in bezug auf diese Angelegenheit eine nicht zutreffende eidesstattliche Versicherung abgegeben habe.
Lin 13jähriger Knabe verschwunden.
Seit dem 19. März wird der 13 Jahre alte Schüler Ludolf Algermissen aus Harsum (Han- noocr) vermißt. Dor einigen Tagen ist nun ein Erpressungsversuch unternommen worden, wobei Personen in einem Bries d i e Zahlung von 1 0 00 Mark forderten, wenn die Eltern ihr Kind lebend wiedersehen wollten. Ein Beamter, der etwa die Statur des Vaters des Knaben hatte, hinterlegte auf dem genannten Platz einen Umschlag, der allerdings keine echten Scheine enthielt, sondern altes Notgeld. Man wartete etwa eine Stunde, als plötzlich aus einem Straßengraben ein Mann auftauchte. Ein Landjäger rief ihn an. Der Unbekannte lief jedoch rasch zu dem Umschlag und entfloh dann in der Dunkelheit. Die Beamten feuerten eine Anzahl von Schüssen hinter dem Fliehenden her. Man hörte mehrere Aufschreie und nimmt daher an, daß der Erpresser getroffen worden ist.
Massenhinrichtung mexikanischer Banditen.
In Celaya (Staat Guanajuato) erfolgte die Hinrichtung von 48 Räubern, die an dem Eisenbahnüberfall bei Mariscala am 19. März beteiligt waren. Von der ursprünglich 65 Köpfe starken Bande wurden siebzehn teils bei dem äleberfall selbst getötet, teils unmittelbar nach ihrer Fe st nähme standrechtlich erschossen. Durch die Massenhinrichtung, die gleichfalls durch Erschießen erfolgt, wird d t e gesamte Räuberbande ausgerottet. Minister Calles hat persönlich den Vorsitz
des Kriegsgerichts geführt, das daS Todesurteil über die letzten 48 Mitglieder der Bande aussprach.
Der Massenmörder von Drontheim geisteskrank.
Der Massenmörder E. Larsen hat vor den Behörden ein umfassendes Geständnis abgelegt und eine eingehende Darstellung des furchtbaren Dramas in Verdat Gegeben. Die Aerzte haben heute erklärt, daß Larsen geisteskrank ist.
Raubüberfall auf ein Skeueramt.
In Dresden wurde auf das städtische Steueramt an der Kreuzstrahe ein Raubüberfall verübt. Dabei wurden zwei ältere ©teuer- b e a m t e, die sich zur Wehr setzten, durch Schüsse verletzt. Der eine hat einen Kopf-, der andere einen Schulterschuß davongetragen, doch soll bei keinem der Verletzten Lebensgefahr bestehen. Der Räuber, der ein Taschentuch vor das Gesicht gebunden hatte, soll ein Paket Banknoten an sich gerissen haben und ist unerkannt entkommen.
Drei Todesopfer einer Alkoholvergiftung.
In Charleroi tranken vier polnische Bergarbeiter, die während der drei Osterfeiertaq« durchgezecht Haien, schließlich noch zwei Liter Brennspiritus aus. Drei starben, der Zustand des vierten ist hoffnungslos.
Der Hund als Lebensretter.
In der Rähe von Jassy (Rumänien) wurde in einem 25 Meter tiefen Steinbruch ein völlig erschöpfter Soldat gefunden, der vor elf Tagen hineingestürzt war, jetzt v o n einem Hund entdeckt wurde und noch lebend gerettet werden konnte.
Line internationale Rauschgiftschmugglerbande unschädlich gemacht.
Auf Veranlassung der Berliner Kriminalpolizei wurde der griechische Bankier Eliopolous i n Mannheim verhaftet, als er mit dem Nheingoldexpreß nach Basel fahren wollte. Mit seiner Verhaftung hat man eine ganze Bande internationaler Rauschgiftschmuggler für längere Zeit unschädlich gemacht. Anfang Dezember 1931 wurde durch die Verhaftung des Amerikaners del Grazio, der in einem Luxuszug von derSchweiz nach Berlin aufgefallen war, im Hamburger Freihafen ein riesiges Rausch- giftlager mit 650 Kilogramm Heroin und 250 Kilogramm Morvhium entdeckt. Trotz dieser 13er- Haftung blühte aber der Rauschgiftschmuggel weiter. Schließlich wurden auf dem Dampfer „Havelland" in Tientsin zwei große Koffer mit doppeltem Boden entdeckt, die 72 Kilogramm Heroin enthielten. Die Polizei ermittelte sie als Eigentum eines Afghanen, da aber zum Kauf solcher Mengen von Rauschgift viel Geld gehört, der Afghane selbst aber ziemlich unbemittelt ist, mußte noch ein unbekanntes Mitglied der Bande den Schmuggel fortsetzen. Die Ermittlungen der Polizei führten schließlich zu der Festnahme des jetzt in Mannheim verhafteten Griechen.
(Eine Greisin bei lebendigem Leibe verbrannt.
Die älteste Einwohnerin älrfelds (Eifel), Witwe Bitz, wurde in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Teile einer verbrannten Steppdecke lagen neben der verkohlten Leiche. Vermutlich wollte sich die Bedauernswerte am Herd- feuer wärmen und hatte dabei die Decke umgehängt, die bann Feuer fing. Bei dem Versuch, aus dem Haus zu kommen, verbrannte die Frau.


