Ausgabe 
31.3.1931
 
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Wie stehl England zur Zoll-Union?

Henderson gibt im Llnterhauö Auskunft.

London, 30. März. (WTD.) 3m Unterhaus wurden fünf Ans ragen an den Staatssekretär des Aeußern über die geplante ö st e r r e i - chisch-deutsche Zollunion gerichtet, da­von zwei von Chamberlain. Die eine bezieht sich darauf, daß Deutschland und Oesterreich vor dem Abschluß der Zollvereinbarungen der eng­lischen Regierung keine Mitteilung mach­ten. Die zweite ersucht um Mitteilung über den Inhalt des Präliminarabkommens und um Mit­teilung, was die britische Regierung nun zu tun beabsichtigt, um festzustellen, ob das Lieberein­kommen den Bestimmungen des Ver­trags von St. Germain und des Gen fer Protokolls vom Jahre '1922 entspricht und in welcher Weise die Zoll­union, wie sie von der österreichischen und der deutschen Regierung erklärt wird, die Meist­begünstigungsklausel der br'.ti'chrn Han­delsverträge mit Deutschland und Oesterreich be­rühren würde.

Staatssekretär Henderson antwortete:

Deutschland und Oesterreich haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß ihr Vorschlag sich mit dem Genfer Protokoll von 1922 in Liebereinstim­mung befindet. Oesterreich erhebt keinen Ein­wand dagegen, daß die rechtlichen Seiten von den Regierungen geprüft werden, die das Protokoll unterzeichnet haben. Es erhebe Ein­wand gegen eine Prüfung des politischen Standpunktes, stelle jedoch jede Absicht, England vor eine vollendete Tatsache zu stellen, in Ab­rede.

Die deutsche Antwort könne dahin ausgelegt werden, daß eine rechtliche Prüfung der Frage möglicherweise ohne ihre Mitwirkung werde ge­führt werden müssen, sie drücke auch die Absicht aus, in der Zwischenzeit Verhandlungen mit Oesterreich zu führen. In der Annahme, daß die deutsche Regierung seine Anregung vielleicht mißverstanden habe, habe er nach Berlin telegraphiert, sein Vorschlag sei einfach dahin­gegangen, daß, bevor die beiden Regierungen weiter fortschreiten, dem Völkerbundsrat eine Gelegenheit gegeben werde, sich zu versichern, daß der vorgeschlagcne Vertrag nicht im Gegen­satz zu dem Protokoll vom Jahre 1922 steht. Die deutsche Regierung habe geantwortet, die Verhandlungen zwischen Oesterreich und Deutsch­land dürften voraussichtlich mindestens zwei bis

drei Monate in Anspruch nehmen und die deutsche Regierung sehe keinen Anlaß, den vor- gcschlagencn Vertrag dem Völkerbund zu unter­breiten, da sie überzeugt sei, daß er dem Proto­koll von 1922 nicht zuwiderlaufe. Den Signatar­mächten des Protokolls sei es freigestellt, in der Vertragsangelegenheit sich an den Völkerbundsrat zu wenden, jedoch müsse sich die deutsche Regie­rung völlige Handelsfreiheit bezüglich des Verhaltens Vorbehalten, das etwa vorge­schlagen werden sollte. Ferner habe die deutsche Regierung ihre Einwände gegen eine Prüfung der Vereinbarung vom politischen Standpunkt aus in dieser Antwort auf sein Telegramm wiederholt.

Es ist beabsichtigt, so fuhr Henderson fort, den Generalsekretär des Völkerbundes davon in Kenntnis zu sehen, daß der Wunsch be­steht, bei dcr nächsten Sitzung des Völkerbunds- rats die Frage zur Debatte zu st eilen, ob die geplanten Zollvcreinbarungen mit den Oesterreich durch die Verträge uns insbesondere durch das Protokoll von, 1922 auferlegten Ver- pflichtungen vereinbar sind. Sollte ein allge­meiner Wunsch sich bemerkbar machen, daß der VölkerLundsrats durchdieRatschlägedes Internationalen Gerichtshofs unter­stützt wird, so werde ich sicher die Heranziehung des Internationalen Gerichtshofes unterstützen. Die österreichische Regierung würde natürlich ein­geladen werden, an der Besprechung der Rats- mitgliedcr teilzunehmen. Cs freut mich, feststellen zu können, daß die Mitteilung der ö st erreicht- s 6) e n Regierung den Schluß zuläßt, eine der­artige Einladung werde von ihr als annehm­bar betrachtet werden. Die Erwiderung der deutschen Regierung erkenne, soweit er sie verstehe, die Schicklichkeit einer Verweisung an den Völlerbundsrat an, während sie sich ihre Rccbte mit Bezug auf jedes Verfahren, dessen Verfolgung dort vorgeschlagen wird, vorbe­hält. Ich hoffe ernstlich, daß, wenn die Zeit kommt, gefunden wird, daß die Verhandlungen zwischen der österreichischen und der deutschen Regierung nicht soweit fortgeschritten sind, daß die freundschaftliche Atmosphäre, in der Fragen normalerweise vom Dölkerbundscat be­handelt werden, beeinträchtigt wird. Zum Schluß möchte ich wiederholen und betonen, daß das von dcr britischen Regierung vorgeschlagene Ver­fahren die einzige Lösung einer Episode bietet, die eine bedauerliche Beunruhigung in Europa erzeugt hat.

FraiÄeW plan eines EinmaMes in Belgien.

Neues aus der französischen Aktenpublikation. Wichtiges Material zur Widerlegung der Versailler Kriegsschuldthese.

Paris, 30. März. (EBR.) Der fünfte Band des großen französischen Llrkuirdenwerkes ist heute zur Ausgabe gelangt. Er behandelt die Mo­nate Felruar bis Mai 1912, eine Periode, in der sich d ie Tätigkeit Poincares airs- zuwirken begann, der kurz zuvor das Präsidium Les Kabinetts und das Porlefeuille des Aus­wärtigen, übernommen hatte. Der mit der Ver­öffentlichung betraute Verlag hat in einer Vor­anzeige Andeutungen gemacht, die vermuten lie­ßen, daß Frankreich 19 12 an einen C i n- marsch in Belgien gedacht have. Die Publikation selbst zeigt die Angelegenheit jedoch doch in einem gairz anderen Licht. Allerdings fjnö die wichtigsten Dokumente nicht in dem Werk enthalten. Die Herausgeber haben sich darauf beschränkt, die ersichtlich zahlreichen Doku- snente über das wichtigste Geschehnis der Dor- kriegsgeschichte in einer Fußnote von we­nigen Zeilen zusammenzufassen, die folgen­den Wortlaut hat:

3n einer Unterredung, die Ministerpräsident p o i n c a r e am 21. Februar 1912 mit dem Lriegsminister, dem Marineminister, dem Chef des Generalstabs und dem Direktor der poli- tischen Abteilung des Außenministeriums hatte, legte General 3 o f f r e dar, welche Aussichten der französische Operationspion in einem Kriege mit Deutschland biete. Er glaubte hinzusügen zu sollen, daß die Aussichten auf einen Sieg größer wären, wenn das französische Heer die Freiheit hätte, die Offensive auf belgisches Gebiet zu

tragen. Der Ministerpräsident erwiderte, daß ein solches Vorgehen mit der Gefahr verbunden sei, nicht nur Europa, sondern auch die Belgier gegen Frankreich einzunehmen. Er erklärte, die Offensive mühte mindestens auf die positive Drohung eines deutschen Einmarsches begründet sein. Er fügte hinzu: Uebrigens war doch gerade die Furcht vor einem deutschen Einfall in Bel­gien die Ursache unseres Geheimabkommens mit England. 3edenfalls müßte man sich ver­gewissern, daß ein plan dieser Art die britische Regierung nicht veranlassen würde, uns ihre Unterstützung zu entziehen. Einige der im fünften Band abgedruckten Dokumente zeigen, wie Poincare alles aufbot, um die Zustimmung der britischen Regierung zum Einmarsch in Bel­gien zu erhalten. Aus seinen Weisungen wird ersichtlich, daß die britische Regierung den fran­zösischen wünschen widerstand entgegengesetzt hat, doch fehlen jene Dokumente, die vorhanden sein mühten, um die Haltung des britischen Staatssekretärs Grey über jeden Zweifel zu kennzeichnen.

Lerschiedene Umstände lassen deutlich erkennen, mit welchen Schwierigkeiten die wissenschaftliche Kommission bei der Berösfentlichung dieser Doku­mente zu kämpfen hatte, soweit überhaupt irgendeine Berösfentlichung erfolgt ist. Allerdings ge­nügen selbst die wenigen veröffentlichten Stücke, uih die französische These von der Kriegsschuld ein für allemal restlos zu widerlegen.

Oie junge Generation in Elsaß-Lothringen.

Bon unserem Straßburger Mitarbeiter. Straßburg, März 1931.

Rach den Enttäuschungen, die Frankreich bald nach dem Wafsenstillstand mit denbefreiten Brüdern" in Elsaß-Lothringen erlebt hat, wurde man sich im stillen Kämmerlein darüber klar, daß die Wirklichkeit dem Bilde von dem sehn­süchtig nach der Rückkehr zur OHutter Frankreich schmachtenden Kinde durchaus nicht entsprach. Man hat nach einiger Zeit sogar darauf verzich­tet, diese Generation für den französischen Gedanken zu gewinnen. Im vergangenen Herbst, aus dem prunkvollen Poincare-Bankett zu Kay- sersberg, hat es einer der Maßgebenden der französischen Propaganda offen zugegeben, daß nach dem allmählichen Wegsterben der treuen alten Garde eine gefährliche Lleber- gangsperiode komme, wo diefranzösischen Elsässer" aufs energischste von Paris gestützt wer­den müßten, bis in ihre Rethen d ie in der Rachkriegs-Schule ausgewachsene junge Generation eintreten werde.

Cs durfte da in starkem Maße eine weitere Enttäuschung herannahen. Gewiß hat die gewaltsame Sprachendressur schon jetzt erreicht, daß eine Schicht verwelschter elsässischer Bour- aeoissöhnchen zur Llebernahme führender Stellen bereitsteht. Aber das Volk selbst wird auch künftighin nicht in entscheidendem Maße zur Gefolgschaft für deren Parolen bereitstehen. Auch der Dienst in Heer und Marine hat bisher durchweg eher ernüchternd gewirkt; in der Ka­serne haben die jungen Elsässer und Lothringer erst recht gemerkt, daß sie doch sehr viel anders sind als ihreinnerfranzösischen" Kameraden.

Ein hiesiges Blatt hat dieser Tage auf einen merkwürdigen Fall aufmerksam gemacht. In einer

höheren Schule entdeckte der französische Lehrer an der Klassentafel die Aufschrift:V i v e 1 A 1 s a c c autonome!" (Cs lebe das auto­nome Elsaß!) Die sofort angestellte Llntersuchung hat ergeben, daß dieses hochverräterische Bekennt­nis angeschrieben war vom Sohn eines nam­haften StraßburgerPatrioten". Das Verfahren ist daraufhin ohne jedes Aufsehen als erledigt behandelt worden. Das war sicherlich nur ein Symptom, aber man darf hinzunehmen, daß die einzige I u ge ndbe i l a g e, die überhaupt in der elsässischen Presse besteht, die der autono- mistischenElsah-Lothringer-Zeitung" ist. Sie führt den TitelIungmannschaft", worin ein mit der Polizei zusammenarbeitendes Blatt sofort etwas gewittert hat, was pangermanistisch oder nachHitlerei" rieche. Es ist auch gesagt worden, daß die in dieser Beilage zu Worte kom­menden Jungen in keiner Weise als Wortführer des kommenden Elsaß gelten könnten. Aber wenn dem so wäre, hätte sich das französischeJournal d'Alsace" sicherlich nicht auf eine ernstliche Dis­kussion mit dieserIungmannschaft". eingelassen, als darin gleich anfangs unverhüllt angedeutet wurde, daß Elsaß-Lothringen sich von Frank­reich trennen müsse, wenn es sich zeige, daß cs nicht daran denke, den kulturellen Bestand und die freie geistige Entwicklung des boden­ständigen Clsässertums zu sichern. Wenn die fran­zösischen Kreise wirklich so stolz auf die Erzie- hungsprodutte der von ihnen verherrlichten Schulmethode sein könnten, müßte doch irgendwo und irgendwie einmal diesesnationale" Jung» Elsaß-Lothringen in Erscheinung treten. Da es für derartige Zwecke nie an Geld gebricht, hätte man sicherlich längst zum Beispiel dem gou- vernementalenElsässer Boten" eine Iugend- b ei läge angegliedert, da dieses Blatt ja auch all­jährlich amtlich geförderte Schülerwettbewerbe durchführen darf. Wenn von der für Frankreich gewonnenen Jugend nichts vorgezeigt wird, so ist sie eben nicht vorhanden, jedenfalls nicht in einem

geistigen Zustand, mit dem man sichan den Laden legen könnte.

Die junge ©eneration in Elsaß-Lothringen ist trotz der unelsässischen Schuldressur ihrer Hei­mat nicht untreu geworden. Sie wird Seite an Seite mit der zu deutscher Zeit gereiften

Generation b:n Kampf gegen die Derwelschung führen, und die ihr aufgepfropften französischen Sprachkenntnisse werden ihr dabei noch von Ruhen sein, um sich gegen dieinnerfranzosischen Gegner erfolgreich zur Wehr zu sehen.

Aus aller Well.

Das Flugzeug Elly Beinhorns nicht zu bergen.

Die Afrikafliegerin Elly Beinhorn, die zur Zeit in Timbuktu weilt, teilt mit, daß ihr FlugzeugD 1713 nicht mehr zu retten ist. Elly Beinhorn kehrte nach einer kurzen Er­holungspause vom Fußmarsch mit einer Hilss- farateanc zu ihrem im felsigen Wüstengelände zurückgelassenen Flugzeug zurück, um für den Abtransport zum Startplatz zu sorgen. Rach vie­ler Mühe mußte die Fliegerin erkennen, daß jeder Erdtransport durch die Sand- massen der Sahara unmöglich ist. Schweren Herzens wurde nunmehr der Bergungs- Versuch auf gegeben. Das Flugzeug wurde v ö l - lig unversehrt in der Wüste zurück- gelassen. Elly Beinhorn baute lediglich den wertvollen Motor aus, um diesen in die Heimat zurückzusenden. Sie wird nunmehr mi t einer Auto­kolonne der Saharalinie nach Algier und von dort nach Europa zurückkehren. Damit endet der Flug, den die Fliegerin trotz aller Wider­stände so hervorragend durchgeführt hat. Rach fast 8000 Kilometer Flug und sechswöchiger Expedi­tionsarbeit hat ein O e l r o h r b r u ch, der an sich in einer knappen Stunde behoben werden könnte, alle weiteren Pläne der Fliegerin zunichte ge­macht.

Wegen Landesverrats zu zehn 3ahren Zuchthaus verurteilt.

Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat am Samstag das ilrteil im Spionagepro­zeß Ruhstrat gesprochen. Der 1895 in Stettin geborene Leutnant a. D. Heinrich Ruhstrat wird wegen Verrats militärischer Geheimnisse in Tat­einheit mit Llnterschlagung zu zehn Jah­ren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Verurteilte hat danach einen im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhalten­den Gegenstand sich rechtswidrig angeeignet und ihn einem Fremden, nämlich dem französi­schen Rachrichtendien st in Mainz, ausgeliefert. Außerdem hat er organi­satorische Maßnahmen der Reichs­wehr dem fremden Rachrichtendienst bekannt gegeben. Bei der Strafzumessung war zu berücksichtigen, daß der Angeklagte nicht nach Paragraph 51 des Reichsstrafgesetz­buches unzurechnungsfähig ist, wie er in seiner Verteidigung hatte behaupten wollen. Allerdings ist bei der Bemessung der Strafe eilte vermin­derte Zurechnungsfähigkeit berück­sichtigt worden. Mildernde Llmstände mußten dem Angeklagten versagt werden, da er das Schlimmste getan hat, was ein Offizier überhaupt tun kann: militärische Dinge an eine fremde Macht verraten. Der Angeklagte Ruhstrat ist ein Mensch ohne jeden Charakter. Er hat eine Gesinnung von unerhörte rEhr- lof igfei t bewiesen. Aus diesem Grunde muß­ten ihm auch die bürgerlichen Ehrenrechte ab­gesprochen werden. Das Urteil ist rechtskräftig.

BeimAnhängen überfahren worden.

Der 10jährige Sohn des preußischen Kultusministers Grimme, der in Zeh­lendorf von einem Lastauto überfahren wurde, ist an den Folgen des Unfalls gestor­ben. Ekkehard Grimme und ein 13jähriger Freund des Knaben fuhren zu Rad von der Schule nach Hause, als der Lastkraftwagen sie überfuhr. Auch der andere Knabe ist sehr schwer verletzt. Kultusminister Grimme, .der zur Zeit nicht in Berlin weilt, wurde von dem Unglück tele­graphisch verständigt. Die Schuld an dem Un­glück trifft, wie es scheint, die beiden Knaben, die sich an den Kraftwagen angehängt hatten.

Schweres Autounglück.

Bei Plauen ereignete sich ein schweres Auto» Unglück. Der 37jährige Lehrer Frotscher woUte mit seiner Wirtin, der Witwe Heinzmann, und dem Ehepaar Rammler zu einer Konfir­mationsfeier nach Mittweida fahren. Das von dem Lehrer gesteuerte Auw geriet bei einer scharfen Kurve in der Rähe von Thohfell in­folge des frischgefallenen Schnees ins Schleudern und fuhr in voller Fahrt an einen Baum, so daß die Insassen hinaus- geschleudcrt wurden. Fraiu Rammler war sofort tot, während Frau Heinzmann schwere Ver­letzungen erlitt und im Plauener Krankenhaus bald ihren Verletzungen erlag. Frotscher uriö Rammler trugen gleichfalls Verletzungen davon.

Tödlicher Stur; von der Kellertreppe.

In Koblenz öffnete eine in einem Hause in der Wöllergasse wohnende Frau im Alter von 65 Jahren irrtümlicherweise die verkehrte Tür im Hausflur. Sie stürzte die Keller­treppe herunter und blieb mit einer gefährlichen Schädelverlehung liegen. Die Schwerverletzte wurde in das Krankenhaus gebracht, wo sie starb.

Mord in Dortmund.

In Dortmund wurde eine schwere Mordtat verübt. Der 36jährige Bäcker Walter Feldhaus wurde erschossen, während er sich ra­sierte. Von der Tür her sind zwei Schüsse auf ihn abgegeben worden. Der erste ging in die Zimmerdecke, der zweite traf ihn in die Stirn. Die Kugel blieb im Kopse stecken. Der Schwer­verletzte wurde sofort ins Krankenhaus geschafft, wo er mehrere Stunden später starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Feldhaus war im Begriff, zum zweiten Male zu hei­raten, doch trat er im letzten Augenblick von der Heirat zurück, weil er Llngünstiges über feine Braut gehört hatte. Der Verdacht der Täterschaft lenkt sich gegen die Braut.

Schwere Zuchthausstrafen gegen Vahnpofträuber.

Das Schweidnitzer Schöffengericht verurteilte die beiden Eisenbahnposträuber Witzig und Römern) wegen Raubes unter erschwerenden Umständen und Bergehens gegen das Schußwaffengesetz zufesie - b e n Jahren und zwei M o 'n a t e n Zucht­haus, sechs Jahren Ehrenrechtverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die beiden Angeklagten hatten zwischen Rohnstock und Grübest einen verwegenen Ueberfall auf den Bah npo st wagen eines P e r s o n e n z u a e 2 unternommen, den einzigen im Wagen anwesenden Beamten gefes­selt und einen Betrag von 9500' Mark geraubt. Sie waren geständig.

Die Frauen im Reichstag.

In Kürschners Volkshandbuch Deutscher Reichs­tag 1930. das dcr Verlag Hermann Hillger, Berlin W 9, zum Preise von 1,25 Mark her­ausgibt, finden wir neben vielen anderen Liebe r- sichten auch folgende über die Frauen im Reichs­tag Im Reichstag 1928 sahen 31 Frauen, in dem eben gewählten von 1930 ab 39. Sie haben also prozentual stärker zugenommen als die männlichen Mitglieder des Reichstags. 16 ge­hören den Sozialisten an und 12 den Kommu­nisten. Die Deutschnationalen haben 3, das Zen­trum hat 4 weibliche Abgeordnete entsandt, und der Christlich-soziale Volksdienst, die Deutsche Staatspartei, die Deutsche Volkspartei und die Bayerische Volkspartei je eine Frau, J^e Ra­tionalsozialisten unter ihren 107 Abgeordneten keine weibliche. Der Bildungsgang dieser weib­lichen Abgeordneten ist sehr unterschiedlich; wir finden 11 mit akademischer Vorbildung, sechs führen Len Doktortitel, davon drei ehrenhalber; 16 haben Volksschulbildung.

Der Strahenhilfsdiensk.

Der Ausbau des Strahenhilfsdienstes auf den deutschen Landstraßen hat weiterhin gute Fort­schritte gemacht. Soeben ist mit dem Ausbau dec letzten Berliner Ausfallstraße auf der Strecke Berlin Hamburg begonnen worden.Wäh­rend schon vorher die Straße zunächst bis Perle­berg mit Streckentelephonen ausgerüstet war, soll die Strecke jetzt von Berlin bis Hamburg vollkommen in den Dienst der Autohilfe gestellt werden. Im übrigen macht auch der Ausbau der Ausfallstraße von München weiterhin gute Fortschritte. Das Programm der Autohilfe fie)t darüber hinaus den Ausbau aller großen deutschen Derkehrsstrahen mit dem Autohilfs­dienst vor, doch ist es im Augenblick bei der schweren wirtschaftlichen Lage noch nicht möglich, das großzügige Programm nach großen Gesichts­punkten in Angriff zu nehmen. Immerhin rechnet man damit, daß bis zum Jahre 1933 der Ausbau des großen deutschen Fernstraßennehes durch­geführt sein wird.

Große Dammbaufen am Eolorado-Fluß geplant

Der amerikanische Minister des Innern hat das Angebot von sechs Gesellschaften, zum Preise von 48 890 000 Dollar am Colorado-Fluh einen großen Damm und eine Kraft st ation von einer Million PS zu bauen, zur Annahme empfohlen. Der Damm, dessen Errichtung zehn Jahre beanspruchen soll, würde einer der größ­ten der Welt sein. Man hofft, daß er Tau­sende von Acres unfruchtbaren wü­sten Landes in Ob st gärt en und frucht­bare Felder umwandeln wird. Viele Tausende von Arbeitslosen haben bereits ihre Dienste angeboten, und der Minister gab bekannt, daß weitere Gesuche zwecklos seien, da die zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte den Bedarf schon weit übersteigen.

Line Riesenerbschaff veruntreut.

In München hat am 24. März Rechtsanwalt Bernardo Sala Selbstmord verübt. Er war viele Jahre Vermögen sverwalter des ehe-

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Llnvermindert hat die Kaltluftzufuhr weiter angehalten, so daß noch keine Aenderung der Luftdruckverteilung eingetreten ist. Rach wie vor verläuft der hohe Druck von Rorden nach Süden, mit seinem Kern über Skandinavien. Infolge­dessen wird auch die Wetterlage noch keine Aen­derung erfahren. Vorläufig kommt es weiter zu Rachtfrost und während des Tages bleibt es kühl-

Aussichten für Mittwoch: Leicht wolkig und vorübergehend trocken, Nachtfrost, tagsüber noch kühl.

Aussichten für Donnerstag: Uebergang zu etwas milderem Wetter wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 30. März: mittags 4,4 Grad, abends 1,3 Grad; am 31. März: morgens 1,9 Grad. Maximum 5 Grad, Minimum3,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. März: abends 6,6 Grad; am 31. März: morgens 1,4 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 5% Stunden.