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1.4.1931
 
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Hr.ZZ Erstes viatt

18b Jahrgang

Mittwoch, April 193 (

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Die Scholle

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Bismarck und unsere Zeit.

3tt V.SmarckS Geburtstag am 1. April.

Von Lans von (Scecf, Generaloberst a. O., Mitglied des Reichstags.

Himmt man heute DiSmarcksGedanken und Gr inne run gen" in die Hand in einer Feierstunde des^ politischen Tageslebens. so wirb man zuerst das bittere Gefühl verlorener nationaler Große ilberwinden muffen. 2e älter der Leser ist, je mehr die große Vergangenheit Teil sei­ne« eigenen Erleben« wurde, um so tiefet empfindet er d ie Tragik, die dem Wcr.e Bismarcks und damit seiner Gestalt an» Haftei. Denn diese Tragik ist die unseres DollS- sch cksals. ist die des eigenen Lebens.

InS Riesengroße ebhebt sich BiSmarcks Ge­stalt, wenn man aus diesen seinen Erinnerungen und seinen Veden und Triefen das oft unbewußt Geherhafte heraus empfindet, das in ihnen ver­borgen ist. Ueoerblictt man heule sein Werk, das doch lebendig in unsere Tage hineinreicht, so er'che.nt seine Gestalt, die schon so viele Züge trägt, vergleichbar den Helden der griechischen Tragödie wie den Propheten des Alten Testa­ments. De Kafsandrallage:Warum gibt du mir zu sehen, was ich doch nicht wenden kann" Ringt aus den Aeuherungen seiner alten Tage.

Eine müßige Frage ist die nach dem. was er jetzt ge'.an hätte, ein fruchtloses Beginnen, von ihm Rezepte der Tagespolitik zu for­dern und doch, alles weniger wollen wir heule, wenn die Feuer von den Höhen und Türmen im deutschen Lande zu seinem Gedächt­nis lohen, al- verachten und verzweifeln. Un­serer Zeit und uns selbst ist es nicht gegeben, nach Goethes g:ruhsarnen Worten zu leben:

Wohl dem. der seiner Väter gern gedenkt, D:r froh von ihren Taten, ihrer Größe Den Hörer unterhält und still sich freuend Ans Ende dieser schönen Reihe sich Geschloßen sieht.

Wir sind hineingestellt in eine Zeit des Kampfes, wie nie zuvor in deutscher Geschichte, v. wohl das mancher gar nicht sieht und sehen will. Sine schöne Sitte gläubiger Christen ist es. sich täglich aus der Tuet Losungsworte und mit ihnen 6t "r'img. Trost und Wegweiser für den Tag zu holen. Schlafen to t heute am Dtsmarck- Tag das große Buch seines Lehens und seiner Taten auf und sehen nach, ob wir nicht für uns einige Losungsworte finden, auch und vor allem für die Tugend. Sie muß nicht und will nicht allzuviel wissen von demalten" Bismarck und möchte lieber allein den unbekannten Göt­tern in der eigenen Brust folgen, aber trotzdem scheint c-8 unsere, derauch Alten" Aufgabe zu fein, aus diesem er aßen Hcldenleben einige ewige nationale Wahrheiten herarrszuhr/en.

Ich schlage d e ..Gedanken und Erinnerungen" auf und finde ein Wort:

Es liegt hier ein bedauerlicher Beweis, bis zu welchem Maße von rlnchr :d)Ieit und Vater­landslosigkeit die politischen Parteien bei uns auf dem Wege d c s Parteihasses gelangen. Es mag Aehnl iches ander wo vor­gekommen sein, doch weil; ich kein Land, wo das allgemeine Rat'onalgesühl und die Liebe zum gesamten Vatcrlande den Ausschrei­tungen der Parteileidenschaft so geringe Hindernisse bereitet wie bei uns." Ist eine Anwendung auf unsere Tage wirklich noch besonders zu begründen? Wir leben tn einer Zeit der größten wirtschaftlichen und po­litischen Kämpfe. Ich bin kein Pazistst und weiß, daß solche Kämpfe ausgefochten worden müssen, nnd weiß auch, daß im Kampf wenig Schonung gilt. A'er ich habe gelernt, daß es im Kampf zwei Seiten, zwei Var'eien gibt, nicht iwan'ig, und daß Uneinigkeit in den eigenen Re:hen der Anfang der Riederlage ist.

In nie gmhntem Maße hat seit Bismarcks Zeit die Zcrilüftung der staatserhaltenden Schich­ten des Volkes angenommen. Immer w.edcr ver- h'ndorn Parteigeist und Rechthaberet die Zusammenfassung in thron Motiven und ihren End'ielen gar nicht allzu verschiedener Kräfte. Die Unduldsamkeit gegen jede andere Meinung und am meisten gegen die des innerlich Rahestehendon wächst von Tag zu Tag. Wenn schon der Große nicht immer den Parteihader zu meistern vermochte, wie ist auf Einigkeit einer Ration zu hoffen, der solche Führer die Vorsehung nur in einer Feierstunde schenkt? Er anerlann'e kein Parteiprogramm, keinen Parteistempel für sich an; er arbeitete mit jedem, der mitheNen wollte beim Bau und Ausbau des Staates. Er gibt ein erschütterndes Bild der Fürsten in einer der letzten Reichs- tagSsihungen. der er beiwohnte. In seinem Aus- dr.:ck liegt die Erkenntnis, daß in dem gancn Haus nicht einer ist, der ihn gam versteht und ihm ganz treu ist. Er macht die Erfahrung Caesars, von der Mommsen in seiner römischen Geschichte spricht daß der große Führer sich sicherer auf die Masse der Ramenlosen als auf die ehrgeizigen Häuptlinge stützte.

Es zieht eine neue Zeit herauf. Wir werden sie nicht überstehen, sondern in ihr untergehen wenn es uns nicht gelingt, aus uns selbst heraus ohne einen Bismarck, auf dessen Er­scheinen wir nicht rechnen können den Weg zur Einheit nationalen Wollens und nationalen Handelns zu finden

3d) zitiere noch einmal ein Wort aus den Gedanken und Erinnerungen":

Trotz allem hoffe ich. daß in Kriegszeiten das Rationalgefühl stets zu der Höhe anschwcl- len wird, um das Lügengewebe zu zerreiHen,

ßuriius antwortet den Gegnern der Zollunion.

Der Zwang zur Erweiterung des Wütschafismarktes. Die Idee regionaler Zusammen­schlüsse. Zweierlei Maß in der internationalen Wirtschaftspolitik.

Berlin. SI. März. <DD».> 3m «eichsrnl hielt Reichsminister deS Auswärtigen Dr Cur- t i u s die angetünbigle Rede über die . utsch- ö st erreicht schen Zoll Vereinbarungen. Der M.nister führte aus: D.e internationale Diskussion des deutsch-österreichischen Vertrages zur Angleichung der zoll- und handelspolitischen Verhältnisse der beiden Länder ist an einem gewissen Abschnitt angelangt, insbesondere, seitdem feststeht, daß sich der Dölkerbundsrat demnächst mit der Angelegenheit befassen wird. Ich sehe meine Auf­gabe darin, einmal die wirtschaftliche Be­deutung des Vertragswerkes klar her- auSzustellen und feine Einfügung in d ie Pläne einer besseren Organisation der europäischen G e s a m t w i r t s ch a f t zu betonen, sodann die hier und da aufgetauchten Zweifel an derEinhaltungderVerträge und an der Loyalität unseres Vorgehens zu xerftreuen. Wi r t sch af t s s o rg e n sind es, die Die österreichische und deutsche Regierung zu- sarnmengeführt haben.

Deutschland mit einer Arbeitslosigkeit von fünf Millionen Arbeitswilligen, mit drückenden poli­tischen Verpflichtungen, mit gänzlich unzurei­chender Kapitaldecke bei tieser Rotlage seiner Landwirtscha'l ist von schweren wirtschaftlichen und sozialen Gefahren bedroht. Reben der Sa­nierung und Hebung des Binnenmarktes stehen w'.r unter dem Zwange der Markterweiterung, der Ausweitung unseres Außenhandels.

O e ft e r r e i rf>, das aus einer großen Wirtschafts­einheit ßcraudgeriifen ist, das eine zu schmale Grundlage für seinen Wirtschaftsapparat be­sitzt und dessen Bevölkerung seit einem Iahrzehnt unter ihrem Kulturniveau lebt, muß die gleichen Ziele verfolgen. Wir erwarten beide, durch An­gleichung unserer zoll- und handelSpolttisch-n Verhältnisse, durch freien Wirtschas tsverkrhr, beide Vo.'kswirtschafien zu beleben, zu heben und zu erweitern, ilnfer Vorgehen bewegt sich in den Bahnen der gesamten europä­ischen Kooperation Wir halten an dieser gesamteuropäischen Kooperation fest. Aber zu der Beeinflussung der europäischen Wirtschaft durch Gesamtp'.äne und Richtlinien sowie Anstrengun­gen, die von der Zusammenarbeit aller, gewisser­maßen von oben, ausgehen muß ein Aufbau von unten her, eine Zusammenfassung von Teilkrästen treten. Erst aus dem Zusammen­wirken dieser beiden Tendenzen kann wirklicher Fortschritt entspringen

E» ist in den internationalen Diskussionen der letzten Jahre oft dargelegt und anerkannt wor­den, daß die wirtschaft Europas in erster Linie auf seine Zerstücklung zurückzuführen ist. was not tut, ist die Vereinigung zu größeren Wirtschaftsgebieten, die Riedcrlegung von Zoll­mauern, die Schaffung größerer widerstands­fähigerer Binnenmärkte. Das Ziel ist nicht der Abschluß solcher größeren Binnenmärkte nach außen. Ich bin vielmehr überzeugt, daß die Tendenz nach Erweiterung und freierem wirt- schastsverkehr über sie hinaus naturgesetzlich ist.

Die Idee regionaler Verständigun­gen und Zusammenschlüsse tritt immer mehr in den Vordergrund. Der Gedanke regionaler Wirt- schastsvereinbarungcm beherrschte die Zusammen­künfte der südo st europäischen Agrar- ft a a t c n. Er führte zu grundsätzlichem Einver­ständnis über gemeinschaftliches Vorgehen zwi­schen den skandinavischen Staaten, Holland und Belgien Ihm entspringt t>or Plan einer Zoll-LInion zwischen Iugosla- wien und Rumänien, wie auch ihm heraus schon vor Iahren Estland und Lettland eine Zoll-Union erwogen haben. In einer Linie liegen die Vorarbeiten wirtschaftspolitischer Or­ganisationen, die im vorigen Herbst in Lüttich

eine sranzösisch-belgischeZvll-Union angeregt haben.

Alle diese Bestrebungen und Pläne erforderten Einfügung in die gesamteuropä­ische Solidarität und Gemeinschaftsarbeit. Die deutsche und österreichische Regierung sind sich bewußt, mit ihrem Plan in Der glei­chen Richt ung vorwärts zu ftreben. Ihre Erklärung Der Bereitschaft zu Verhau, lungen mit

anderen Ländern über eine gleichartige Rege­lung entspringt Der Ueberzeugung. Damit den europäischen Wirtschaftsgesetzen zu folgen.

Ihre Pläne find weniger exklusiv al» d'.e de» tschechoslowakischen Außenminister», der unser Angebot im voraus ablehnte und eine Zoll- union der kleinen Lnlente mit Einbeziehung

Schwele ErdbedenkaWophe in Maram. LXe Hauptstadt Managua fast ganz zerstört. Lieber tausend Tote. Viele Nordamerikaner umgekommen.

Lin schweres Erdbeben hat in Rikarogua großen Schaden angerichlet. Die 27 000 Einwohner zählende Hauptstadt des Landes, Managua, soll schwer gelitten haben. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht zu übersehen, da die dichten Rauchschwa­den, die über der Stadt hängen, es unmöglich machen, einen Ueberblick zu gewinnen. Auch die Zahl der Toten und verletzten läßt sich nicht an- nähernd festskellen. Die in der Mitte der Stadl gelegene Markthalle, in der kur; nach dem Lrdslur; $ euer ausbrach und die m.t Frauen und Kindern überfüllt war, stürzte infolge des Brandes zum Teil ein, wobei 35 Personen unter den Trümmern begraben wurden und verbrannten. Auch auf den Straßen liegen zahlreiche Tote, und verletzte.^ Die in Managua stationierten amerikanischen Marinesol­daten tun ihr Möglichstes, um die verletzten zu retten. Der Erdstoß dauerte im ganzen nur vier bis fünf Sekunden, war jedoch von solcher Hellig­keit, daß er fast alle Gebäude der Stadt in Trümmer legte, versuche, durch Dynamit- sprengungen den Brand einzudämmen, sind erfolg­los geblieben, weil die Dynamitvorräle fast alle aufgebraucht waren. Auch die Löscharbeiten sind unmöglich, da die Wasserleitungen durch das Erdbeben zerstört wurden. Die Straßen sind mit Flüchtlingen angefüllt, d'.e, von

einer Panik ergriffen, aus der brennenden Stadt zu flüchten suchen. Infolge der Trümmermassen sind die Straßen jedoch kaum pafsierbar.

wie Asfocialed Preß meldet, befinden sich u n - le r den Toten, deren Zahl jetzt auf 10 0 0 geschäht wird, viele Amerikaner, dar­unter auch ein höherer amerikanischer Marineoffi­zier. Eine größere Anzahl Leichen amerikanifchee Frauen und Kinder ist noch nicht identifiziert. Dio Zahl der verletzten wird auf mehrere tausend geschätzt. D'.e Gesandtschaftsgebäude, Regierung»- gebäude, Banken, Geschäfte sind sämtlich zer­stört und niedergebrannt. Ls herrscht ernster Mangel an Wasser und Rah- rungvmittel n. Am schlimmsten scheinen da­nach die großen Gebäude de» Stadtzentrum» gelitten zu haben. In dem völlig zerstörten Gcsängni» kamen allein 150 Menschen um. Bon dem größten Hotel steht nur noch eine Mauer. In den Trüm­merhaufen sind überall Tote und verletzte sichtbar. Der Gesamtschaden wird auf 40 Millionen Dollar geschäht. Die Bahnlinien sind in einem Umkreis von 10 Meilen zerstört, was die Heran­bringung der Lazarettzüge von Lorinto erschwert. Die Zahl der Opfer wäre wahrscheinlich noch größer gewesen, wenn nicht 40 v. h. der Bevölkerung d i e Stadt verlassen gehabt hätte, um da» Osler- sest am Meeresslrand zu verbringen.

Sie Smchsiihmng der liototrorbnung in Hessen.

Innenminister Leuschner lehnt jede kle

Darmstadt, 31.März. (MSR.) Der hessische Innenminister Leuschner erklärte der presse, aus außen- und innenpolitischen Gründen sei es notwendig geworden, gegen die sich immer mehr breitmachenden Balkansitlen radikaler Llemenle einzufchreiten. wenn auch in Hessen die be­stehenden Maßnahmen in den meisten Fällen zur Sicherung Der Ordnung und Sicherheit von Leben und Eigentum ausreichend wären, so mache sich doch das Fehlen von gesehlichen Unterlagen für manche Delikte unangenehm bemerkbar, weil die Radikalen diese Lücke sofort verstärkt ausnuhten. Dazu käme, daß die Poli­zeibeamten beinahe unentwegt in Alarm­bereitschaft ständen und zum Schutze von Ver­sammlungen und Demonstrationen eingesetzt werden müßten. Sehr wahrscheinlich wird allem schon das Bestehen der Rotverordnung die Arbeit ter Polizei erleichtern. Eine Einsck)ränkung des politischen Ledens tritt nicht ein, soweit es sich sachlich und anständig vollzieht. Die Parteien müssen sich bewußt sein, daß sie im Interesse des Staates, des Volkes und der Wirtschaft gewisse Verpflichtungen haben und Zurückballung üben müssen. Dann haben sie auch keinerlei Maß­nahmen aus der Rotverordnung zu gewärtigen.

Gliche und schikanöse Handhabung ab.

Ls geschieht nichts gegen die Freiheit, sondern nur gegen den Mißbrauch der Freiheit. Hessen war stets so liberal und tolerant wie möglich und es wird auch in Zukunft fo tolerant wie mög­lich fein. Ich werde allen behördlichen Organen genaue Anweisungen erteilen, um von vornherein jede kleinliche und schikanöse Handhabung der Rotverordnung zu unterbinden. Ich bin allerdings fest entschlos­sen, die Verordnung überall da anzuwenden, wo es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit notwendig ist; denn die Beruhigung unseres öffentlichen Lebens liegt gleicherweise im Interesse unseres Volkes wie unserer Wirtschaft."

Ministerialrat Baßhuysen gab Erläuterungen zu der Handhabung der Verordnung in Hessen. Da» verbot von Lastwagentransporten bleibt bestehen, ebenso das der Ankündigung von Versammlungen durch Sprechchöre von Lastwagen herunter usw. Das Verfahren vor dem Schnellrichter wird in verstärktem Maße durchgesührt werden. Für Plakate wird ein be­sonderer Stempel übet verbot oder Zulassung erteilt werden, so daß die Zeitungen bei Annahme von Anzeigen oder Hinweisen gesichert sind.

in dem Fraktionsführer, strebsame Redner und Parteibläi.er in Friedenszeiten die Massen zu halten wissen."

Diesem Zitat möchte ich gleich ein anderes anschl.eßen. Es stammt nicht von ihm selbst, son­dern aus einem Dries, den der stcr.ende Kaiser Friedrich am 25. März 1858 an Bismarck zu seinem bdjähr gen Militärjubiläum richtet:

Das eine muß ich hervorheben: daß. wo es gilt, das Wohl des Heeres, seine Wehrlraft und Schlagfertigkeit zu vervoll­kommnen, Sie nimmer fehlten, den Kampf auszusechlen und durckzuführen." Der Anfang von Bismarcks Ministerzeit steht unter Dem Zeichen der Konflikte mit der Volks­vertretung um die Heeresorganisation. In dieser Zeit legte er Den Grund zu der Politik, die später Deutschland zum Kaisertum führte. Heute gilt es wieder, den Grund zu legen, auf dem sich Deutschlands 6 cTung in der Welt neu auf- bauen läßt. D e Wiederherstellung der Wehrkraft Deutschlands ist keine militärische, sondern eine eminent pi^itische Frage. Auf niemand Bes­seren können sich unsere Politiker berufen, wenn sie in den Kamps um b ie militärische Sicherheit Deutschlands eintreten als auf Den Mann, der es verstand, das Feuer zu

entfachen, an dem das Schwert geschmiedet wurde, dessen gluck.iche Führung feine Staatslunst er­möglichte.

Aus Der Fülle der Kraft und Hof'nung. War­nung und Mahnung bergenden B.smarckfchen Worte und Handlungen fei noch ein Ged an le heraus gegriffen, der heute besonders am Platze scheint. Ich finde für feine Wiedergabe kein er­schöpfendes Zitat: denn durch Die Arbeit seines ganzen bebens zieht sich die Sorge um unsere Ost grenze. Diese verkörpert sich in seinen Bestrebungen um das Verhältnis zuRuß* land. Seit Bismarcks Zeit haben sich Die Vor­aussetzungen Der deutsch-russischen Beziehungen, die politischen wie die territorialen, fo gründlich geändert, daß es schwer fällt, aus jener Zeit Richtlinien für die Gegenwart und Die Zukunft abzuleiten, obwohl das Gewicht Der großen Öst­lichen Macht unD seine Einwirkung auf uns sich wenn auch in veränderter Form nicht ge­mildert, eher verstärkt hat. Rußland bleibt, wie zu Bismarcks Zeiten, in welchen Sinne es auch fei, von maßgebendem Einfluß auf die Wege unserer Politik und nicht nur Die Der äußeren. Von geradezu Divinatorischer Gabe ist feine Stellung zu Der polnischen Frage. Immer wieder taucht fie in feinen ileberlegun-

gen auf, balD in Den Beziehungen zu Petersburg, bald bei Der Beurteilung Oesterreichs, bald in den Verhandlungen mit Rapoleon III. Aich IS fürchtet er mehr, als Die Errichtung eines selb ständigen Polen: in ihm sieht er Die fchwerste Bedrohung des Bestan­des Preußens: denn mit den Russen kann man sich verlragen, niemals mit Den Polen, Deren Länder gier an leinet Grenze Halt machen würde. So steht er stets im Kampf mit dem polnischen Einfluß am Hof und im Parlament, so sucht er das Deutschtum in den Grenzbezirken zu stärken und lehnt jeden Gedanken an eine Vermehrung slawischer Bevölkerung, wie sie Der Rikolsburger Friede bot, ab.

Die trüben Ahnungen Bismarcks haben sich in unseren Tagen zu trauriger Wirklichkeit er­füllt. Weit sind wir zurückgeworfen im Osten, und drohend steht Der FeinD zu einem neuen Raubzug an unseren offenen Grenzen. Wozu uns Das heute verheimlichen? Bismarck-Tage haben nur Wert, wenn sie nicht Der Erinnerung allein getoiDmet sind, sondern zur Mahnung Dienen. Fassen wir das ganze Bismatcksche Leben in die Worte zusammen, Die auch Die einzige Hoff­nung für eine bessere Zukunft für unS in sich tragen: Durch Einheit zur Macht!

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