Ausgabe 
1.4.1931
 
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Oesterreichs unter ausdrücklichem Ausschluß Deutschlands anstrebt.

Der rein wirtschaftliche Charakter des dcutsch- österrcichischen Planes steht nicht in Wider - spruchzuvölkerrechtlichen Verpflich- tungen und Bindungen. Wir habcm gehört, daß Frankreich den Abschluß des in Aussicht genommenen deutsch-österreichischen Vertrages als rechtswidrig ansehe, weil er insbesondere mit den Abmachungen in Widerspruch stehe, die England, Frankreich, Italien und die Tschecho­slowakei im Jahre 1922 mit Oesterreich getroffe'n haben. Es versteht sich von selbst, daß wir auch unsererseits diesen Pakt nicht unberück­sichtigt lassen konnten und ihn gemeinsam mit der österreichischen Regierung auf das Gewissen­hafteste geprüft haben. Wir waren uns darüber klar, daß auch der bloße Anschein einer Verletzung der Llnabhängig- keit Oesterreichs vermieden werden müsse. Gerade das ist für den ganzen Aufbau des Paktes, wie er in den vereinbarten Richtlinien skizziert worden ist. maßgebend gewesen.

ES ist angesichts dieser Struktur der Verein­barungen schwer, zu verstehen, inwiefern durch sie die ^Unabhängigkeit Oesterreichs angetastet werden konnte. Man behauptet zwar die Dertragswidrigkeit des Planes, hat aber bisher iroch niemals versucht, sie zu begründen. Wenn Luxemburgs Zollunion mit Belgien, die doch eine ungleich stärkere Bin­dung des kleinen Landes mit sich bringt, keine Schmälerung seiner Souveränität und älnabhän- gigkeit zur Folge hat, so kann dies unmöglich bei der deutsch-österreichischen Zoll-Anion der Fall sein, deren innerer Aufbau die politische, administrative und wirtschaftliche Selbstän­digkeit beider Länder gleichermaßen ge­währleistet.

Man kann sich kaum der Befürchtung erwehren, als ob hier nicht mit dem gleichen Maße ge- messen würde, als ob die Konstruktion der ' Vertragsverletzung auf einer Auslegung der

Verträge und des Genfer Protokolls beruht, die nicht mehr auf die Wahrung der Unabhängig­keit Oesterreichs, sondern im Gegenteil auf seine Herabwürdigung zu einem Staatswesen zweiter Klasse hinausläuft. Es geht überhaupt nicht an. die Basis der Gleichberechtigung zu verschieben, ohne die ein konstruktiver Ausbau Europas undenkbar ist.

Sie wissen, daß die englische Regierung mit dem Vorschläge an uns herangetveten ist. vor wei­terer Entschließung die rechtliche Seite der Frage im Völkerbundsrat zur Erörte­rung zu bringen. Es ist klar, daß wir unserer­seits eine Erörterung der Rechtsfrage nicht für erforderlich erklären können, es versteht sich aber von selbst, daß wir uns einer solchen Be­handlung der Sache im Völkerbundsrat seitens der Signatarmächte des Genfer Protokolls von 1922 nicht entziehen. Wir brauchen sie ja in keiner Weise zu scheuen, Linser politischer Ein­wand bezog sich darauf, daß im Völkerbunds- rat etwa unsere rein wirtschaftliche Vereinbarung als eine Gefährdung deS Friedens zur Diskussion gestellt würde. Eine solche A^umentation wäre unzulässig.

Ich komme zu dem zweiten Hauptpunkt der ge­gen unser Vorgehen geübten Kritik, nämlich der Beanstandung, unserer diplomati­schen Schritte. Ich habe mir im vorliegenden! Falle nichts vorzuwersen. Erst am Donners­tag, dem 19. März, war die übereinstimmende Auffassung des Berliner und des Wiener Kabi­netts gesichert, und schon am übernächsten Tage sind die Demarchen der deutschen und öster­reichischen Missionschefs in London, Paris und Rom erfolgt.

» Man kann vom internationalen Standpunkt .nicht loyaler handeln, als wenn man vor dem * Abschluß eines Vertrages die Absichten und Grundgedanken dieses Vertrages vor aller Welt sozusagen auf den Tisch des Hauses legt, wir wären froh, wenn man uns immer mit gleicher Loyalität und Offenheit behandelte.

Wir wollen im Rahmen der gel ten- den Verträge mit möglichster Beschleunigung unseren beiden in schwerer Rot befindlichen Län­dern die Vorteile verschaffen, die sich aus der

Gießener Konzertverein.

Orgel-Konzert Günther Ramin: Bach-Abend

Bachs Orgelwerke bedeuten für jeden Orga­nisten das Hauptgebiet seines Studiums. Mit Bach erreichte die Entwicklung des Orgelspiels einen Höhepunkt, der in der Folgezeit nicht Über­boten werden konnte, und der erst, nachdem die moderne Musik aus neuen Ansätzen heraus zu neuen Ausdruckwerten und Ausdrucksmitteln ge­langt war, zu einer Aeubelebung des Orgelschaf­fens durch Max Reger hinführen konnte.

Dach faßt die Entwicklungslinien in der Aus­bildung der verschiedensten Formäußerungen für die Orgelmusik zusammen und meistert sie mit höchster Stufe der Vollendung und Vergeistigung. Wenn wir auch bei vielen seiner Orgelwerke fest­stellen können, an welches Vorbild er sich jeweils anlehnt, so bedeutet das doch keinesfalls, daß er sich in der Rachbildung der Vorlagen erschöpft, sondern er weiß das, was seinen Vorgängern und -Zeitgenossen als formale Errungenschaft gilt, mit dem Plus seiner Persönlichkeit zu erfüllen und jedem einzelnen Werk damit eine gesteigerte Be­deutung zu verleihen. Zumal in diesem Aus­wirken des Persönlichen liegt der überzeitliche Wert seiner Werke begründet.

Die Einstellung des ausübenden Musikers zu Dachs Orgelwerken hat namentlich in den letzten Jahren eine bedeutungsvolle Wendung erfahren. Es gab eine Periode, wo man die moderne Orgel mit ihren orchestralen Klängen und differenzierten Klangnuancierungen, wie sie etwa den Regerschen Orgelkompositionen zu steht, auch für die Wieder­gabe Dachscher Werke ausnuhen wollte. Gewiß ließen sich dadurch mannigfache Klangschattie­rungen und neuartige Wirkungen auch bei Bach erzielen: aber die Klarheit des thematischen Aus­baues und die charakteristische Eigenart der ba­rocken architektonischen Struktur kam nicht zur vollen Geltung.

So ist es um so erfreulicher, daß man sich jetzt bei der Orgel wieder dem Klangideal der Barock­zeit zuwenoet und durch die typisch ausgeprägten Register eine Wiedergabe Dachscher Orgelwerke mit den Klangfarben ermöglichen will, die Bach seinerzeit bei der Abfassung der Werke zur Ver­fügung standen.

Der denkende ausübende Künstler wird als Grundlage für die Wiedergabe Dachscher Orgel­

Erweiterung des Wirtschaftsgebie­tes ergeben. Wir wollen zugleich den Demü- hungen um eine Reuorganisierung der europäi­schen Wirtschaft einen neuen Impuls geben. Wenn der deutsch-österreichische Plan Erregung verursacht hat, so geben die wirklichen Absichten Deutschlands und Oesterreichs dazu keinen An­laß. Daß das deutsch-österreichische Vorgehen wirtschaftliche Fragen dieser oder jener Art auf­wirft, läßt sich verstehen. Richt verständlich er­scheint cs mir aber, dabei von einer Störung des guten Einvernehmens unter den Rationen oder wohl gar von einer Gefähr­dung des Friedens zu sprechen. Ich kann deshalb auch nicht zugeben, daß der deutsch- österreichische Plan zu einem Hemmnis für die Abrüstungskonferenz des nächsten Jahres werden könnte. Kein Land in der Welt ist an dem Frieden Europas und seinem ge­meinsamen Wiederaufbau mehr interessiert als Deutschland und Oesterreich. Wird der den'.sch- österreichische Plan so verstanden und gewürdigt, wie er von beiden. Partnern gedacht ift; so wird sich die Erkenntnis durchsetzen, daß er sich in die allgemeinen europäischen Bestrebungen ein­ordnet.

Erstes Presseecho.

Wo sind die wahren Friedensstörer?

D e r l i n, 31. März. (®lt) Ein Teil der Abend­presse sowie, der Reichsausgaben der Berliner Zeitungen nahmen bereits zu der Rede Eurtius Stellung. DieGermania" (Zentr.) begr ßt es, daß sich der Außenminister nicht darauf ge­schränkt habe, in eine polemische Auseinander­setzung mit der Gegenseite einzutreten, sondern den Sinn und die letzten Ziele einer Zollunion in Europa umrissen habe. Mit seiner Erklärung, daß die Frage der Zollunion vor» den: Völkerbundsrat nur nach ihrer juristi­schen, nicht aber nach ihrer politischen Seite hin geprüft werden könne, weise er die Dlöglichkeit einer Einbringung auf Grund des Völkerbunds­paktes ausdrücklich zurück. Von Friedens­gefährdung könne nur jemand reden, für den ein Jahrzehnt der Vertragsentwicklung in Europa ein leeres Spiel mit Begriffen war, und heute noch genau so wie 1919 Gewehr bei Fuß den ungehemmten Ausbruch eines neuen euro­päischen Konfliktes erwarte. Daß in Europa mit ungleichem Maße gemessen werde, beweisen die Vorwürfe gegen die angebliche un- diplomattsche Handlungsweise der Regierungen in Berlin und Wien. DieDorsen-Zei- tung" (Konserv.) halt es für erforderlich, noch deutlicher zu werden: Seit Monaten sei Frankreich, teilweise mit beachtlichem Erfolg, be­müht, in Verhandlungen, an denen Deutschland ebensowenig beteiligt sei, wie es über sie unter­richtet werde, eine Einheitsfront gegen den deutschen Wunsch nach Erfüllung de r Abrüstungsbedingungen deS Dik­tates von Versailles herzuftellen und die Ab­rüstungskonferenz vor vollendete Tatsachen zu stellen. DerT a g" (Hugenberg) pflichtet den Ausführungen Eurtius im wesentlichen bei. Man müsse draußen verstehen, daß es in der Frage des deutsch-österreichischen Zollbundes in Deutsch­land nur eine Meinung gebe und es dec größte Fehler wäre, in diesem Punkte auf deutsche Zwie­tracht zu zählen, oder den Versuch zu machen, Wien und Berlin gegeneinander auszuspielen. Ob allerdings der jetzige Außenminister unter Ausnutzung der für Deutschland sehr günstigen Rechtslage den deutschen Standpunkt in Genf mit Erfo.g durchfechlen werde, bleibe dahingestellt. Oie pariser presse hetzt weiter

Behauptungen ohne Beweise.

Paris, 1. April. (WTB. Funkspruch.) Zur Rede des Reichsaußenministers erklärtEcho de Paris", wenn die Anregung des Ministers, die Angelegenheit rein juristisch zu unter­suchen, angenommen werde, dann sei es nicht schwierig, vorauszusehen, was sich abspielen werde. Zunächst werde Deutschland oder irgendein unter seinem Einfluß stehendes Land Gelegenheit haben, die notwendige Einstimmigkeit des Völker­bundsrates zum Scheitern zu bringen. Roch beunruhigender sei, daß Deutschland und Oester­reich, indem sie in Genf rein formalen Abände­rungen zustimmten, in der Lage seien, ihren

Willen mit Zustimmung der gesam­ten Welt durchzusehen. Was Dr. Eurtius auch sagen möge, die österreichisch-deutsche Zoll­union sei ein Ereignis politischer Art. Deutschland wolle getreu seiner Tradition seine historische Kolonisation in Mittel- und Osteuropa wieder aufnehmen.

DerTemps" schreibt, Dr. Eurtius habe das leichte Thema gewählt, von der Rotwendigkeit zu sprechen, unter dem Druck des wirt- schaftlichenElendszr han.e n. Kein Elend könne aber ein Vorgehen rechtsertigc.c, wie sie das Berliner und das Wiener Kabinett gewählt hätten, um unter Verletzung der Ver­träge die Zollunion zu verwirklichen. Die Ar­gumente Dr. Eurtius' müßten sehr genau nach- geprüst werden; denn das Vertrauen zur Loyalität Deutschlands sei allzu­sehr erschüttert. Somit könne man sagen, daß die Beweisführung des deutschen Ministers,

daß das deutsch-österreichische Zollabkommen kak- sächlich die Zusammenarbeit in Europa anbahne, völlig irreführend sei. Gerade die Be­dingungen, unter denen öaS Berliner und das Wiener Kabinett über ihre grundsätzliche Ver­ständigung verhandelten und diese geschaffen, hät­ten hinreichend bewiesen, daß sie jeder europä­ischen Zusammenarbeit zuvorkommen woll­ten, um einen ausgesprochen österreichisch-deutschen Plan zu verwirklichen. Auch dasJournal d e s D e b a t s" erklärt, die Rede von Dr. Eurtius zeige, daß Deutschland systcmattsch einen großen Plan we'ckewerfolgen und gleichzeittg zu allen Winkelzügen Zuflucht nehmen wolle, um durch geschickte Formeln diejenigen irrezu­zuführen, die sich täuschen lassen wollten. Man müsse diese Opposition sogleich im Keime er­sticken. Der größte Dienst, den Frankreich Eng­land leisten könne, sei, ihm nicht zu folgen.

Kamps um die Notverordnung.

Notverordnung nicht gegen das Volksbegehren des Stahlhelms. Rücknah l e dcöTortmunderPlakalverbo es

Berlin, 1. April. (ERB.) 3m Einklang mi( der am Montag verössenllichten Erklärung der Reichs­regierung hat der preußische Innenminister Seoe- ring gegenüber Vertretern des Stahl­helm gestern in einer Besprechung ausdrücklich zum Ausdruck gebracht, daß sich die Rotoerordnung der Reichsregierung vorn 28. März nicht gegen das Volksbegehren des Stahlhelm richte. Gleichzeitig hat er mitgeleilt, daß er die Beschlagnahme eines Plakates durch den Dortmunder Polizeipräsidenten Lübbrlng nicht billigt. Es ist Anordnung getroffen, daß die Beschlagnahme zurückgezogen wird. Außerdem hat der preußische Innenminister zum Ausdruck gebracht, daß er gegen die bisher erschienenen Auf­rufe und Plakate des Stahlhelm keine Ein­wendungen zu erheben habe.

Oie Nationalsozialisten klagen beim Staats erichtshof.

Adolf Hitler fordert strikte Befolgung der Notverordnung

M ü n ch e n, 31. März. (TU.) Wie Adolf Eit­ler imVölkischen Beobachter" mitteilt, wird die RSDAP. durch Klage beim Staatsge­richtshof Gelegenheit geben, die rechtliche Un- haltbarkeit und Llnzulässigkeit der Rotverordnung vom 28. März 1931 festzustellen. Bis zur Auf­hebung der Rvtverordnung im Rechtsverfahren hat die Reichsleitung der Partei verfügt, daß der gesamte Parteiapparat mit sofortiger Wir­kung darauf eingestellt wird, jeder Ver­letzung der Rotverordnungsvorschriften mit allen Kräften vorzubeugen. Jeder Partei­genosse, der sich beikommen läßt, entweder be­wußt gegen die Bestimmungen der Rotverord­nung zu verstoßen, oder solche Verstöße zu dul­den, l^w. zu billigen, wird ohne Rücksicht auf seine Parteistellung sofort aus der Partei ausgeschlossen. Jede Versammlung ist der zuständigen Polizeibehörde mindestens 24 Stun­den vor Beginn der Veranstaltung anzumelden. Der für eine Versammlung verantwortliche Par­teifunktionär hat vor Anmeldung eine schrif t- liche Bestätigung des Redners vorzu­legen, ijt der der Redner anerkennt, daß er dar­auf hingewiesen wurde, seine Ausführungen im Rahmen der Rotverordnung zu halten und daß er dies auch erfüllen werde. Auch für die Lastwagenfahrten, Flugblätter, Plakate usw. ist die Anmeldepflicht genauestens einzuhalten. Adolf Hitler erläßt gleichzeittg einen Aufruf, in dem er fordert, daß die Rotver- ordnung von allen Parteigenossen und Partei­funktionären, SA- und SS.-Leuten auf das schärfste und genaue st e einzuhalten ist. Diese Festigkeit fei heute mehr denn je die

Grundlage der organisatorischen Sicherheit der Partei.

Kommunistisches Gpreü "stoss - tager beschlagnahmt.

Ter Vberreichsanwalt aus der Suche nach weiteren Funden.

Breslau, 31. März. (TU.) Die Breslauer Kriminalpolizei hat am Freitagabend in einer Ga­rage in der Ottostraße, in der ein Auto der kommunistischenArbeiterzeitung" untergebracht ist, große Mengen Sprengstoffe mit Sprengkapseln und Zündschnu­ren beschlagnahmt. Die Sprengstoffe hät­ten, wie mitgeteilt wird, genügt, um größere Häuserblocks in die Luft zu sprengen. Ein Be­amter der Breslauer Kriminalpolizei hat sich nach Berlin begeben, um mit dem dortigen Vertreter des Oberreichsanwalts über diese Ange­legenheit Rücksprache zu nehmen. Auf Ersuchen des Oberreichsanwalts dürfen keinerlei nähere Angaben gemacht werden, da in einer gan­zen Reihe von Städten ebenfalls kommu­nistische Sprengstofflager aufgedeckt worden sind und man annimmt, daß die Ermittlungen durch eingehende Veröffentlichungen gefährdet würden. Die Kriminalpolizei hat in Breslau erst jetzt nach längerer Beobachtung zugegriffen, da man im Interesse der Oeffentlichkeit nicht länger warten zu können glaubte. Wie bekannt wird, hätten auS dem vorhandenen Material ohne Schwierigkeit sofort verwendungsfähige Bomben hergestellt werden können. Der Autvführer, der offenbar mit der Verwaltung des Spreng­stofflagers betraut war, ist verhaftet worden. Die polizeilichen Ermittlungen insbesondere dar­über, woher das beschlagnahmte Material kommt, sind noch nicht abgeschlossen.

Keine Einigung in Thüringen. Die Bottspartei für die Mißtrauensantr ge gegen Frick und Marschler.

Weimar, 31.März. (TU.) Obwohl nach den bisherigen Erklärungen der Deutschen Volks­partei kaum noch an eine Beilegung des Koali- ttonsstreits zu denken war, haben doch am Diens­tag nochmals eingehende Vermittlungs­verhandlungen, die vom Vorsitzenden des Staatsministeriums, Minister Baum, geführt wurden, stattgefunden. Dieser letzte Versuch einer Einigung ist gescheitert. Die Deutsche Volks­partei wird am Mittwoch gemäß ben bereits gefaßten Beschlüssen den Mißtrauensan­trägen gegen Staatsminister Frick und Staatsrat Mar schier ihre Zustimmung . geben. Damit ist das Schicksal der Thüringer Koalition besiegelt. Rachdrücklichst weist die Volkspartei abermals den Verdacht zurück, daß sie den Streit auf Anweisung Berliner Stellen mit Rücksicht auf die Reichspolitik der Deutschen Volkspartei heraufbeschworen habe. Die Frak- tton der thüringischen Volkspartei habe die Selb­ständigkeit ihrer Entschlüsse gegen andere Mei­nungen innerhalb und außerhalb der Partei immer auf das entschiedenste gewahrt. Der

werke nicht zu den verschiedentlich vorliegenden Ausgaben greifen, in denen die Herausgeber je nach ihrem persönlichen Geschmack und ihrem Ermessen, die Dortragszeichen (ob zu Recht oder Utzrecht, soll hier nicht entschieden werden), hin­zu gesetzt haben. Bach selber gibt nur wenige Hinweise über den musikalischen Vortrag. In seiner Zeit war die Vortragsart jedem gebildeten Musiker geläufig, und sie wird sich auch jedem jetzt noch in ihrer Gegebenheit erschließen, der durch eine gründliche Vertiefung und persön­liches Studium zu einer eindringenden Erkenntnis des Wesensgrundes Dachscher Musik vorgeschrit­ten ist. Alics also, was sich auf spieltechnische Einrichtung bzw. die musikalische Durcharbeitung und Auffassung der Werke bezieht, muß darum bei unfern prominenten Orgelspielern als be­sonderer Teil ihrer Arbeit und Auseinander­setzung mit dem Werk gewürdigt werden. Erst von diesem Gesichtspunkt aus wird man erken­nen können, welch starkes Maß an Verantwor­tung gerade hier der ausübenden Musiker- Persönlichkeit zugeteilt ist.

Unter dem Eindruck des letzten Orgelkonzertes wie auch in Erinnerung an die starke Auswir­kung des Orgelabends von Günther Ramin vor zwei Jahren verdient es ganz besonders hervor- gehoben zu werden, daß wir in diesem Künstler sicher eine der stärksten, wenn nicht gar die be­deutendste Organistenpersönlichkeit sehen müssen, die wir zur Zeit in Deutschland haben. Denken wir an Wolfgang Graeser, der DachsKunst der Fuge" zu klanglichem Leben erweckt hat, so bestätigt es sich auch in Günther Ramin, daß unsere junge Musikergeneration dutch überaus starke Bindungen mit Bachs Werk verknüpft ist, und daß sie gerade berufen erscheint, unser Musikerleben mit größter Unmittelbarkeit an Bach heran- und hineinzuführen.

Bachs Partita (Variationen) über den Pas­sionschoralSei aearüßet, Jesu gütig", die in ein­zelnen Teilen auf Georg Böhm, mit dem Bach in Lüneburg in Verbindung trat, und auf Dietrich Buxtehude hinweist, wurde von Günther R a ° min in den elf verschiedenen Sätzen jedesmal charakteristisch in Phrasierung und Registrierung und Tempoauffassung in vorbildlicher Art durch- gestaltet, sie gipfelte in der letzten Variation für polle Orgel. Welche Ausdruckswerte in dem Bach- ichen Orgelchoral ruhen, der nicht etwa Begleitung des Gememdegesanges fein, sondern mit musikali­

schen Mitteln dem geistigen Gehalt des Textes nahe- kommen will, das konnte man an den beiden ChoralstrophenD Haupt voll Blut und Wunden" ermessen. Die 6-Dur-Fantasie, umrahmt von kühnem Figurenwerk, entfaltet in ihrem großangelegten Mittelsatz eine Fülle klang­licher Prachk, die durch verkettete Vorhalte, Der- foppelun^en in der Stimmführung besonders inten­siviert mrrb; überwältigend sind die Steigerungen gegen Ende des Grave, wo der Baß zwei Oktaven stufenweise durchschreitet und ein Orgelpunkt zu einer machtvollen Ballung fuhrt. Groß war der Aufbau des ODur-Prä Indiums zu nennen; üoer- aus eindringlich und klar wirkte sich die Fuge aus; das zwischen beiden stehende Largo führte m eine gegensätzliche Klangwelt. Als eines der reifsten Stücke unter den Bachfchcn Orgelkompofitionen muß man die Fantasie und Fuge in Q - M o l l bezeichnen. Die einleitende Fantasie gliedert sich in verschiedene Entwicklungsgruppen, die einander korre­spondierend angeordnet sind; hier besonders bewies sich Ramins Gestaltungsfähigkeit, indem cr jeder einzelnen Episode ein besonderes klangliches Gepräge und charakteristisch disterenzierte Zeitmaße verlieh. Mit wuchtigen Akzenten leitete er die Fan­tasie zur Fuge hin, deren Thema, durch die charak­teristische Vortragsart plastisch und scharf profiliert, wie ein goldener Faden in der Durchführung her­vortrat. Wie Ramin die einzelnen thematischen Entwicklungen aufbaute und die einzelnen Zwischen­sätze in ihrer Bedeutung zum Gesamtaufbau heraus- ftevte, das wird jedem unvergeßlich bleiben.

Dr. H.

Sochschulnachrichten.

Der durch das Ableben von Professor A. Zimmer­mann an der Universität Kiel erledigte Lehrstuhl für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten ist dem ao.Professor Dr. Alfred Selffcrt an der Uni­versität Berlin angeboten worden.

Ernannt wurden: Professor Dagobert Frey in Wien zum ordentlichen Professor der Kunstgeschichte an der Universität Breslau als Nachfolger von Professor A. Grisebach; Professor Dr. Max Baur von der Universität Kiel zum ordentlichen Professor der Pharmakologie in Marburg als Nachfolger von Professor 21. Gärber.

Der durch den Weggang von Professor R. Siebeck nach Heidelberg an der Universität Bonn erledigte

Lehrstuhl der Inneren Medizin, verbunden mit der Leitung der Medizinischen Poliklinik, ist dem Direktor der Inneren Abteilung des Stadtkrankenhauses in Osnabrück, ao. Professor in der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel, Dr. Max Bürger, angeboten worden.

Zliegertaiein.

In einer Zeitschrift seines Faches erzählt ein eng­lischer Flieger folgende Erlebnisse von Kollegen, die einmalzu niedrig geflogen" sind:

Der eine, ein gebürtiger Deutscher, überfliegt in wenig Metern Höhe ein Wästengebiet in Nordafrika, um topographische Aufnahmen von Klippenstrichen und Dünenverwehungen zu machen. In der Nähe wandert eine Löwengruppe, deren Führer kaum das Flugzeug herannahen sieht, als er sich mit einem heiseren Gebrüll' daraus wsstürzt, mit einem mäch­tigen Satz es annimmt und mit feinem Sprunge auch den linken Flügel erreicht, an dem er sich festkrallt. Das schwere Gewicht des alten Burschen behindert natürlich das Flugzeug in feiner Manöve- rierfähigkeit, und um den armen Flieger wäre es geschehen gewesen wenn nicht zufällig (!) am selben Ort ein zweites Flugzeug aufgetaucht märe, dessen Insassen den Bedrängten durch einige wohlgezielte Schüsse von seinem Gegner befreit hätten

*

Derselbe Flieger war eine Stunde später ge­zwungen, infolge der vom Wüstenkönig verursachten Schäden an seinem linken Flügel am Rande der Wüste in einer Art Oase zu notlanden. Dort wurde er von einem Rhinozeros angegriffen, das sich aber glücklicherweise an dem noch auslaufenden Propeller den Schädel einrannte

*

Ebenfalls zu niedrig, dabei noch im Dunkel der Nacht, flog eine französische Fliegerin in der Nähe von Paris. Plötzlich geriet sie in eine wahre Wolke non Fledermäusen (!), die sich in ihren Schal und in ihre Kleidung festsetzten, während andere verwirrend ihren offenen Führerstand umflatterten, so daß die Heldin der Luft einer Ohnmacht nahe war, einen Fehlgriff machte und mit ihrem Apparat stürzte. Wie gesagt, war sie sehr niedrig geflogen, so daß sie selbst bei dem Sturz mit einem Armbruch davonkam

So berichtet der englische Flieger. Das Jägerlatein hat einen Bruder bekommen!