Ausgabe 
31.3.1931
 
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maligen österreichischen Oberstleutnant» Ha­ntel, dessen an sich schon außerordentlich großes Vermögen durch seine Verheiratung mit der als Wohltäterin bekannten Witwe Sophie Baum­gart noch erheblich vermehrt wurde und eine Vermögensverwaltung notwendig machte. Vach dem Tode des Oberstleutnants Hamel beließ Frau Sophie Baumgart-Haniel den Rechtsanwalt Sala in seiner Stellung als Dermögensverwalter. Sala hat das ihm cntgcgengebrachte Vertrauen gröblich mißbraucht. Auf Grund des Testaments der im Sommer 1930 gestorbenen Frau Daurn- gart-Haniel sollte Rechtsanwalt Sala am 25. März die Auszahlung der Erbschaftsbeträge vor- nehm-.m. Die Erben waren teilweise schon ein­getroffen. Als die Nachricht von dem Selbstmord SalaS cintraf, hat sich nun herausgestellt. daß das ganze ihm zur Verwaltung überlassene Ver­mögen re st los verbraucht worden ist. Eine Stiftung für arme Kinder, die Frau Voumgart-Hanicl testamentarisch bestimmt hatte, und die ihr besonders am Herzen lag, ist un­möglich geworden. Auch der Verein für Krüppelhilfe in Dresden, die Kinderheil­anstalt und sehr viele andere Wohltätigkeitsvcr- eine, die mit ähnlichen Legaten bedacht waren, gehen leer aus.

Aus Oer Prvvmzmlkauptsiad«

Gießen, den 31. März 1931.

Dor 25 Jahren ....

Projekte einer elektrischen Straßenbahn.

Bor 25 Jahren, Ende März 1906, ergriffen der Gießener Bürgerverein und der Verkehrs- verein die Initiative zur Schaffung einer elektrischen Straßenbahn an Stelle des Omnibus-Betriebs. Damals fand im Cafe Leib eine große Bürgerversammlung statt, in der ein entsprechender Beschluß gefaßt, bzw. Anregungen gegeben werden sollten. In dieser Versammlung, die sehr gut besucht war und die das brennende Interesse der Bevölkerung an einem anderen Verkehrsmittel innerhalb der Stadt bewies, hielt ein Ingenieur der Allgemeinen Elektrizitätsgesell- schaft (AEG.) namens Frerich ein ausführliches Referat, in dem er alle die Dinge aufrollte, die man mit der Schaffung einer elektrischen Straßen­bahn in Zusammenhang bringen konnte. Der Redner legte seinerzeit fix und fertige Kosten­voranschläge und Rentabilitätsberechnungen vor, die nicht ungünstig lauteten, er erwog die tech­nische Seite der Angelegenheit in erschöpfender Weise und fand mit seinen Ausführungen auch die Zustimmung der meisten Zuhörer.

In jener Versammlung wurde das Projekt einer elektrischen Straßenbahn das erstemal ernst­haft diskutiert. Natürlich fiel der Baum nicht auf einen Hieb, der damalige Oberbürgermeister Mecum äußerte Bedenken und glaubte, daß man mit Autoornnibufsen vorteilhafter wirtschaf­ten könnte. Die Stimmung war jedoch für die elektrische Bahn, und auf Betreiben der da­maligen Stadtverordneten Kirch, Gabriel. Krumm und anderer (auch Professor Dr.Som­mer beteiligte sich an der Diskussion), wurde in jener denkwürdigen Versammlung eine Entschlie­ßung gefaßt, in der dringend die Inangriffnahme der Vorarbeiten für die zu schaffende Strahen-

"»fordert wurde. Das war vor 25 Jahren.

Indessen floß viel Wasser die Lahn hinab. Es vergingen auch noch etliche Jahre, bis die Straßenbahn tatsächlich zur Wirklichkeit wurde. Die Entwicklung vollzog sich zwar nicht so restlos befriedigend, wie sie der Vortragende optimistische Ingenieur Frerich darstellte, insbesondere die Frage der Rentabilität der Straßenbahn war ein ständiger Kummer und blieb es bis auf den heutigen Tag. Die Dahn war von jeher ein Zu­schußbetrieb, aber entbehren möchte sie heute nie­mand mehr, und wenn man überlegt, welchen Rückschritt die Auflösung unsererElektrischen" bedeuten würde, dann sollte man sich vor Augen halten, mit wieviel Energie und mit wieviel gutem Willen sie seinerzeit geschaffen wurde.

Taten für Mittwoch, 1 April.

1732: der Komponist Joseph Hahdn in Rohrau geboren (gestorben 1809): 1815: Fürst Otto von Bismarck in Schönhausen geboren (gestorben 1898); 1866: der Musiker Feruccio Busoni in Empoli geboren (gestorben 1924): 1910: der Maler Andreas Achenbach in Düsseldorf gestor­ben (geboren 1815).

Vefsuchsfahrien der Reichsbahn.

Seit mehreren Jahren haben der Verkehrsbund Oberhessen und der Verkehrs- und Derschöne- rungS-Vcrein Gießen die Reichsbahnverwaltung wiederholt gebeten, die großen Pausen zwischen den jetzt bestehenden Zügen auf den Strecken GießenGelnhausen und GießenFulda, ins­besondere im Bereiche des Kreises Gießen, durch geeignete Beförderungsmittel auszufüllen. Leider «konnten diese Wünsche bisher nicht erfüllt werden, da leichte Dampfzüge oder Triebwagen nicht bereitgestellt werden konnten. Veranlaßt durch diese Wünsche, die gleichartige Begehren wohl auch in anderen Reichsbahnbezirken gehabt haben mögen, hat die Reichsbahnvcrwaltung in aller Stille ein Beförderungsmittel konstruieren lassen, das nunmehr in verschiedenen Reichsbahndirek­tionsbezirken gleichzeitig seine Probefahrten vor­nehmen wird. Im Bereiche der Reichsbahndirek- tion Frankfurt werden die Dersuchsiahrten mor­gen zwischen 10 und 12 Llhr auf der Strecke Gieyen Lich Hungen Nidda und morgen nachmittag auf der Strecke Gießen Grünberg Alsfeld durchgeführt. Das neue Fahrzeug, das die ReichsbahnProb a" genannt hat, weil es mit Propellern aus- gcstattet ist und äußerlich ungefähr die Form eines Bahnwagens hat, bewegt sich nicht auf Rädern fort, sondern ist auf eine Art Schlit­tenkufen gesetzt, die auf den Schienen dahin­gleiten, während zugleich durch einen sinnreichen Mechanismus am vorderen Ende der Schlitten­kufen ein Schmierölapparat die Schienen glättet und am Hinteren Ende der Kufen eine Auf­fangvorrichtung das Schmiermittel wieder auf­nimmt. Das Fahrzeug besitzt sechs Propeller, die durch elektrische ^Rotoren angetrieben werden. Da der Wagen nicht so viel elektrischen Strom mit sich führen kann, wie die Motoren bean­spruchen, auch keine Leitung vorgesehen ist, soll die elektrische Antriebskraft auf radio-elektrischem Wege durch Kurzwellensender in die Motvre ge­leitet werden. Im Wagen können etwa 20 Per­sonen Platz nehmen, so daß man in dieser Schöpfung wohl das langersehnte Kleinbe­förderungsmittel der Reichsbahn haben dürfte. DerPrvba" wird auf seinen

morgigen Versuchsfahrten auf allen Zwi­schenstationen halten, damit die Be­völkerung Gelegenheit hat, sich dieses neuartige Beförderungsmittel anzusehen. Auf diese Weise will die Reichsbahnverwaltung, deren Einnahmen aus dem Pcrsonenverkcchr ohnehin ein Gegen­stand ständiger Sorgen sind, zugleich werbend für ihr Unternehmen wirken. Die Ankunfts- und Abfahrtszeiten dieses Bersuchsfahrzeugs können Interessenten auf den Bahnhöfen der beiden genannten Strecken erfahren.

Gicszcncr Wochcnmarktpreisc.

Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Kochbutter von 1 Mk. an: Butter 120 bis 130; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 35; Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 12 bis 15: rote Rüben 12 bis 15; Spinat 40 bis 45; Unter-Kohl­rabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 150 bis 200; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Kartoffeln 4 bis 5; Aepfel 40 bis 50; Dirnen 30 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 90 bis 110; Suppenhühner 90 bis 110; Nüsse 60 bis 70; das Stück: Tauben 70 bis 80; Eier 9 bis 10; Dlumenkohl 30 bis 70; Salat 35 bis 40; Endivien 15 bis 35; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50; das Bund: Radieschen 20 bis 25 Pfennig; der Zent­ner: Kartoffeln 3 bis 4; Weißkraut 10 bis 12; Wirsing 20 bis 25; Rotkraut 12 bis 15 Mark.

Borriotizen.

TageskalenderfürDienstag. Stadt, theater:Lady Windermeres Fächer", 20 bis 22.30 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Wiener Liebschaften".

"Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, Gastspiel von Auguste Prasch-Grevenberg inLady Winder­meres Fächer', Gesellschaftskomödie von Oslar Wilde, Spielleitung Walter Bäuerle. Am Samstag, 4. April, 19 30 Uhr (im Freitag- Abonnement). Uraufführung von Arthur Schnitzlers3m Spiel der Sommerlüste". Die Spielleitung der Urausführung liegt in den Hän­den von Oberspielleiter Walter Bäuerle. Ostersonntag, 18.30 Uhr, als Fremdenvorstellung außer Abonnement bei ermäßigten Preisen Gast­spiel von Auguste Prasch-Grevenberg, in der Rolle der Herzogin in Oskar WildesLady Windermeres Fächer". Ostermontag, 15 Uhr, als Fremdenvorstellung zum letzten Male Kla- bunds Spiel zu DreienXYZ", unter der Spiel­leitung von Dr. Karl Ritter; kleine Preise. Mittwoch, 8. April, und Donnerstag. 9. April (Dienstag-Abonnement!), zweimaliges Gastspiel der (Bereinigten Operettentheater Bo­chum-Hamborn mit der OperetteVictoria und ihr Husar". Die Intendanz macht darauf auf­merksam, daß diese beiden Gastspiele die letzten Operettengastspiele dieser Spielzeit sind.

Die N a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Deutsche Arbeiterpartei veranstaltet morgen abend im Caf6 Leib eine öffentliche Versammlung. (Siehe heutige Anzeige.)

** Universitäts-Personalien. Der Pro­fessor an der Philosophischen Fakultät der Landes- unioersität Dr. Friedrich Engel tritt mit Wirkung ab 1. April in den Ruhestand. Der Werkmeister

Justus Haas von der Augenklinik wirb zum gleiche» Zeitpunkt in den Ruhestand versetzt.

" Die u ß b a l l m a n n s ch a f t d e r..He s - fen wieder in Gießen. Man schreibt uns: An den Osterseiertagen weilt die Fußballmann­schaft des LinienschiffesHessen" wieder in Gießen, als Gast des Marmevereins und deS Vereins für Vewegungsspiele. Eie wird an den Feiertagen, von Neuwied kommend, auf dem Waldspvrlplay gegen die Liga des VfB. spielen. Die Mannschaft wird von dem Eportoffizier, Leutnant zur See Wittich, begleitet, der aller Voraussicht nach am 3. Feiertag einen Lichtbilder­vortrag über die letzte MiUelineerreise der deut­schen Flotte, an der auch dieHessen" teitgenom* men hat, halten wird.

* Ä e 11 c r b r a n b. Gestern um 15.47 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert und nach dem Anwesen Frankfurter Straße 11 gerufen. Dort war im Keller der Weinhandlung Austerlitz Verpackungsmaterial- Stroh. Körbe, Papier in Brand geraten. Die Feuerwehr konnte bald des Feuers Herr werden. Die Arbeiten wurden allerdings durch starke Rauch­entwicklung erheblich erschwert. Gegen 16.22 Uhr konnte die Feuerwehr wieder einrücken. Der ent­standene Sachschaden ist gering.

Bürgermeister-Tagung in Büdingen.

bd. Büdingen, 30. März. 3m Hotel Füc- stenhof" Hierselbst hielt der Kreisverein Büdingen deS LandesverbandesHe- fischer Bürgermeister eine zahlreich be­suchte Tagung ab. Freiherr von Löw sprach überDie land- und forstwirtschaftliche DerufS- genosfenschaft", Regierungsrat Dr. Lotz hielt einen Vortrag über ., Fürsorgeangelegenheidm".

Weiter beschäftigte sich die Versammlung mit einer Kundgebung der Sozialdemo­kratischen Partei in Büdingen, in der zum Ausdruck gebracht wurde, daß man zu dem Vorstand des Kreisamts Büdingen, Kreisdirektor Dr.Gähner, kein Vertrauen mehr habe und daß von dem Minister des Inneren baldige Ab­hilfe verlangt werde. Damit solle gesagt sein, daß der Minister den Kreisdirektor deS Kreises Düdingen seines Amtes entheben möge. Von der Versammlung der Bürgermeister des Kreises Düdingen wurde e i n ft i m - m i g eine Entschließung, der auch derKreis- rechnerverband zustimmte, angenommen, in der erklärt wird:Die Dürgermeister des Kreise« Düdingen, welche ohne politische Doreingenom- menheit handeln, sind sich wohl bewußt, daß der Herr Minister des Innern auf eine solche An­regung hin nicht handeln wird, sie fühlen sich aber dennoch verpflichtet, einstimmig, als die berufenen Vertreter der gesamten Gemeinden des Kreises, gegen eine solche Stellung­nahme Front zu machen. Sie erklärten hier­mit in aller Offenheit, daß Herr Kreisdirektor Dr. Gähner das volle Vertrauen derBevöl- ke run g des Kreises besitzt. Sein unpolitische« Pflichtgefühl, sein großer Fleih und feine Un­parteilichkeit sind Eigenschaften, welche als Vor­bild dienen. Die Bevölkerung des Kreises Bü­dingen weih es besonders zu schätzen, daß dis große Sparsamkeit des Herrn Kreisdirektors sie vor höherer steuerlicher Belastung bewahrt hat. Die Bürgermeister des Kreises Düdingen bringen diesem ftaatStreuen Beamten volles Ver­trauen entgegen und hoffen, dah er noch lange dem Kreis erhalten bleiben möge."

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