Ausgabe 
30.12.1931
 
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bet daher über den Umfang der reichsrechtlichen Regelung das oflichtmäßige Ermessen des Reichs- aesetzgebers. Dessen Ermessen isl grundsätzlich für das Gericht bindend, es sei denn, daß ganz offensichtlich eine Ermessensüberschreitung oder ein Ermessens- mißbrauch vorliegt. 3n Fällen der letzteren Art steht den Gerichten die Befugnis zu, die Gültigkeit von Notverordnungen zu verneinen. Prüft man unter

IV.

Frankreich und sein Kolonialreich.

Don unserem tz-Derichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Pari-, Dezember 1931.

DaS Jahr 1931 sollte einen Wendepunkt in der französischen Kolonialpolitik bedeuten. Die mit ungeheurer Anstrengung organisierte ko­loniale Ausstellung war dazu bestimmt, den .Empiregedanken" in Frankreich zu einer Realität werden zu lassen. DaS .gröbere Frankreich" sollte in dieser Ausstellung sei­nen Ausdruck erhalten und der einsache Bürger dazu gebracht werden, sich als diesem gröberen Frankreich angehörig zu fühlen. DaS Schicksal wollte anders: DaS Jahr 1931 ist daS 2 ahr der Enttäuschungen geworden. Und nicht nur Enttäuschungen materieller Ratur. Der lief in der französischen Volksseele schlummernde Skep­tizismus ist wieder wach geworden. daS .w o - z u* , daS jeder französische Kolonialpolitiker mehr zu befürchten hatte als alle sachlichen Entgeg­nungen, klingt aus dem gespenstischen Schweigen, mit dem man heute in Paris alle kolonialpoliti­schen Fragen umhüllt, heraus.

Die Krise der Rohstoffe bedeutet not- wendiaerweise die Krise der Kolonien. Lind diese Krise schnitt so tief in die Gedankenwelt der Gegenwart ein, dab auch eine Krise deS kolonial- polltischen Gedankens unvermeidlich war. Frank­reich kann dem britischen Beispiel nicht folgen und sich samt seinen Kolonien zu einem wirt­schaftlichen, sich selbst genügenden Ganzen erklä­ren. Cs tann weder die Produkte seiner Kolonien ganz ausnehmen, noch für ihre wirtschaftlichen Be­dürfnisse voll aufkommen. Bon einer einheitlichen Zollpolitik für alle Kolonien sprechen nur 5rau­mer; für die praktischen Politiker sind solche Ideen nur gegenüber anderen Staaten da, mit denen man eben verhandelt...

Richt nur auS wirtschaftlichen Gründen ist es aber um die Kolonien still geworden. Die fran­zösische Außenpolitik» steht jetzt nicht im Zeichen der Entente cordiale. 3m Gegenteil, man ist davon weiter entfernt alS je feit dem Kriege., DaS französisch-englische Zusammengehen war von Europa her nie ganz zu verstehen, denn sein We­sen machte zur Halste immer di e kolonial- politische Zusammenarbeit aus. 3hr Fehlen wirkt notgedrungen auf die französische Kolcnialpolitil zurück. Dimmt man noch zu die­sen Faktoren den Umstand, dab die Radikale Par­tei, die ihren Doktrinen entgegen die besten Ko­lonialpolitiker liefert, seit Jahren in der Oppo­sition ist, so wird man die gegenwärtige Situation noch besser verstehen. Doch nach den Wahlen kann daS ander« werden...

Die reichste der Kolonien, 3ndochina, ist durch die Wirtschaftskrise am härtesten ge­troffen. Der Erpvrt ging um ein Drittel zu­rück, der Import um die Hälfte. Die Lage des Reisbaus ist katastrophal. Der Hauptabneh­mer für den indochinesischen Reis war China. Und China kann wenn überhaupt nur mit Silber zahlen. Und das Silber gilt in Indo­china nicht mehr als Währung. Der Reis ist zu annehmbaren Preisen u n v e r k ä u f l i ch ; die Re­gierung muf) der Landwirtschaft Kredite gewäh­ren, um den Reisbau vor dem gänzlichen Der- fall zu retten. Mit dem Kautschuk steht es noch schlechter; trotz der Subventionen gehen die Plantagen zu Grunde. Den Todesstoß versetzte ihnen die Entwertung der englischen Währung, Kautschukpreise werden nämlich in Pfund kal­kuliert. Der Kohlenbergbau leidet unter der

Zugrundelegung dieser Ansicht die Bllrgersteuerrege- lung der Verordnung vom 26. Juli 1930, so kann nicht festgestellt werden, daß solche Umstände klar oorlicgen, die für eine Ermessens Überschreitung sprechen.

Die Regelung der Bürgersteuer in der Notverord­nung vom 26. Juli 1930 widerspricht daher nicht dem Art. 11 der Reichsverfassung.

Stagnicrung der lokalen Industrie, die Zinn- minen. die den gröhten Reichtum des Landes bildeten, muhten zum Teil den Betrieb einstel- len. Dab unter solchen Verhältnissen die poli­tische Lage sich nicht bessern konnte, ist selbstver­ständlich. Die kommunistische Propa­ganda, die im Vorjahre ihren Höhepunkt er­reichte, ist noch nicht übertounben, sie hat das Vertrauen auch finanziell tief erschüttert. Indochina ist heute die Kolonie Frankreichs, die politisch die meisten Sorgen verursacht. Don einer Klärung ist man noch weit.

Was für Indochina die chinesischen Unruhen bedeuten, ist für Französisch-Hinterin­dien die antieuropäische und nationalistische Agi­tation in Indien. Dab Gandhi in Paris von den offiziellen Kreisen so 'rostig empfangen wurde, ist Damit zu erklären. Die wirtschaftliche De­pression macht sich in Französisch-Hinterindien sehr stark fühlbar, der Verkehr in dem Hafen von Pondichery, der einmal ernstlich mit Madras rivalisierte, ist bedeutend zurückgegangen. Aller­dings soll dafür auch die schlechte Verwaltung verantwortlich fein.

Madagaskar fühlt die Rohstoff- und Ge­treidekrise in allen Zweigen seines Wirtschafts­lebens. Doch war dort die Entwicklung in Ver­gleich zu Indochina außerordentlich langsam, und das erweist sich jetzt als ein Glücks all. Immer­hin muhte man in einem bestimmten Augenblick

10 Lektionen Fußball.

Von Otto Aerz IX*). Torwächter, hilf!

Wer die vorigen Abschnitte gelesen hat, wird säst nicht glauben, dah jemals ein Ball sich durch so viel Sperrketten und Scharfschützenreihen hin- durchschlängeln kann. Aber niemand ist vollkom­men mal versagt ein Verteidiger, mal ein Läufer, sogar versagende Slücmer soll cs gegeben haben, und dann stetzt plötzlich ein Mensch mit dem Ball vor dem Tor und will ihn über die Torlinie bringen. Da heißt es:Tormann, hilf!"

Daß das keine leichte Ausgabe ist, steht schon in den Fußballregeln; denn danach ist es dem Tor­wächter und nur ihm gestattet, den Fuhball mit der Hand zu spielen. Und davon soll er denn auch reichlich Gebrauch machen. In den Regeln steht aber auch, daß der Tormann gerempelt werden darf, und davon machen eben die anderen Ge­brauch. Robust muß er also sein, und lang, sonst fliegen ihm die Bälle über den Kopf unhaltbar ins Tor; 1,75 bis 1,85 Meter ist die richtige Gröhe. Das stundenlange Stehen in der Sonne ist auch nicht jedermanns Sache, ost regnet es dazwischen dafür hat der Torwächter das Recht, statt des Mannschaftstrikois eine besondere Aus­rüstung zu tragen. Eine Schirmmütze soll er immer aussehen; mit Dem Kopf stößt er nie.

Der Torwart muß es sich $um Leitsatz machen, alle Bälle mit den Händen aazuwehren oder aus. zufangen; Stöhe mit dem Fuß hat er nur aus­zuführen, wenn er den Ball ins Feld zurückbeför- bem will. Grundsätzlich soll der Tormann ferner zur Abwehr beide Hände nehmen.

Kommt der Ball angerollt, so ist das Ausneh- men einfach. Man kann dabei auf ein Knie her-

*) Dgl. die Hummern 165, 170, 178, 185, 199, 226, 260 und 277 des(Siebener Anzeigers".

bevor man die Anleihe erhielt sämtliche öffentlichen Arbeiten einstellen.

Am besten widerstanden der Wirtschaftskrise die nordafrikanischen Kolonien. Ihr wirtschaftlicher Aufbau erwies sich alS ausfal­lend solid. Gerade in Rordasrika kommt der politische Zug des fränkischen ÄolonialtDcfcnd am stärksten zur Geltung. Während die Aktivi­tät fast überall erlahmte, setzten die französischen Truppen in Südmarokko ihre Eroberungen fort. Die .Pazifizierung" geht weiter, trotz aller Roh» stosfkrisen. ES geht dort nicht um Geld, sondern um Macht. Kolonialpolitik ist für Frankreich keine reine Wirtschaftspolitik und die politischen Werte erwiesen sich diesmal fester al« die wirt­schaftlichem Womit noch nicht gesagt werden soll, dah in Marokko die Lage endgültig stabilisiert fei. Don den noch nicht unterworfenen Stämmen, deren Kühnheit sprichwörtlich ist, sind immer mili­tärische lieberrafd)ungcn zu erwarten.

Das Wirtschaftsleben in 2lgier hat sich ver­langsamt, wenn dort auch die Verhältnisse rela­tiv günstig liegen. Die Zink- und Eisenausfuhr nach England und der PhoSphaterport haben stark nachgelassen. Zentral- und Aequatorialafrika so­wie Senegal leiden stark unter der Krise des ArachidenölS. Es kam so weit, dah alle Danken zugrunde gingen und sogar die Emissionsban­ken in Gefahr gerieten. Doch ist in diesen Län­dern die Wirtschaft elastifch. Und die Subven­tionen der Regierung bedeuten sehr viel.

Die Pariser Börse zeigt ein traurige« Bild von dem Zusammenbruch der kolonialen Wirtschaft. Die Kolonialpapiere sind gröhtenteils unverkäuilich, große Aktienpakete werden für lächerliche Summen angeboten. Man wagt es kaum, wirtschaftlich die Bilanz für 1931 zu stel­len, politisch ist die Lage auch traurig, wenn auch nicht verzweifelt. Da gibt eS wenigstens günstige Aussichten, doch kann man die bevorstehende Gen­fer Auseinandersetzung über Syrien nicht zu ihnen rechnen... Fazit: Auch an die goldenen Wälle Frankreichs schlägt die Flut der von Frankreich hauptsächlich verschuldeten Weltkrise...

untergeben, muß aber beachten, dah zwischen den Deinen keine Lücke entsteht, durch die der Dali gemütlich in« Tor rollt. Desser ist es, man beugt sich mit geschlossenen Knien herunter; sobald näm­lich der Tormann den Dail berührt hat, darf ihn der Gegner anrempeln, und dann kann er den Dall aus dem Stand schneller wegwerfen oder stoßen, als wenn er sich erst erheben muh. Der Körper muh immer in der Richtung stehen, aus welcher der Dall erwartet wird. Das ist eigentlich ganz klar, und doch wird praktisch viel dagegen gesündigt. Halbhohe Dälle fängt man am Kör­per. Das Fangen ist technisch nicht schwer, wenn man genügend Hebung hat, aber es muh bei Däl- len in Schulterhöhe besonders geübt werden: kommt der Dall rechts, dann saht die rechte Hand den Dall oben und die linke ihn unten, und um­gekehrt.

Hohe Dälle werdenn mit beiden Händen im Flug angehalten, notfalls indem man hochspringt Beim Sprung reiht man ein Knie hoch, das schützt bei körperlichen Angriffen. Der Dali wird dann gleich vor die Drust gezogen. Ebenso hält man Dälle in die Torecken, mögen sie nun hoch oder flach kommen. Der Torwächter muß mit einem mehr oder minder schrägen Hechtsprung sofort jede Ecke des Torvierects erreichen können. Der Hechtsprung sieht sehr schön aus und entzückt alle Zuschauer; aber es ist zu bedenken, daß der Tormann danach ziemlich unsanft auf dem Doden landet Ab- schützen mit den Händen gibt - nicht, dazu sind die Hände in dem betreffenden Moment nicht da! Die nötige Kurage muh angeübt werden von Ra­tur aus hat sie selten jemand, der Anfänger strebt immer unwillkürlich danach, sich vor dem Aufprall zu schützen.

Sehr, sehr oft ist zum Fangen de« Dails keine Zeit mehr, weil die Gegner heronsaufen oder schon rempeln. Dann wird der Dali gefaustet, und zwar mit beiden Fäusten. Dei ganz hohen Dällen oder in sehr großer Dedrängni« kann man auch mit

Die Welt an der Jahreswende.

SjLrfpOtt

Historisches vom Silvester-Punsch.

Mcrktvürdiste alle Rezepte.

Seitdem E. T. A. 5) o f f in a n n in feinenAben­teuern der Silvesternacht" aus dem Dampf der Punsch-Terrine den bunten Geisterreigen des Neu- jahrs nuffteigen ließ, ist der Punsch das Lieblings- getränt geworden, mit dem wir das neue Jahr grühen und dessen herzerwärmende .straft uns des alten Zahres Leiden und Nöle vergessen läßt. Aber die Geschichte des Punsches reicht weit über die Zeit der Romantik zurück, tonnte vielleicht sogar bis in ferne Urzeiten verfolgt werden. In einem Papyrus, der über 4000 Jahre alt ist, hat man das erste Punschrezept ausfinden wollen, und jedenfalls ist es ein punschähnliches Getränk, das hier ein trinffreu- feiger Aegypter aus feer Zeit fees Königs Menes seinen Zeltgenossen empfiehlt.Zerquirle mehrere Eier mit flüssigem Honig und im Saft frischer Trauben", heißt es da.Dann koche starten roten Wein und gieße, sobald er zu sieden beginnt, das Gemenge hinein; rühre alles solange, bis es Schaum geworden, und nimm es danach vom Feuer. Bor dem Austischen füge dem Trant noch seingestoßene Granat-Apfelterne hinzu." Diesem altägyotischen Neujahrsgelrant fehlt aber noch die schone Einfach- beit, die dem Punsch eigen ist und die einem andern uralten Kulturland entstammt. Der NamePunsch" tommt nämlich von dem indischenPantscha", das die Zahl ä bedeutet. Es find also fünf Elemente, nicht nier, wie Schiller dichtete, die innig gesellt die 'Welt des Punsches aufbauen: eine Säure (Zitronen- faft), ein Süßes (Zucker), ein Gewürz (Muskatnuß ober fegl ) eine geistige Flüssigkeit (Rum, Arrak usw.) und Wasser Zum erstenmal wird dieser Trank des Orients in untrem Schrifttum von Adam Olea- r i u s in seiner 1661» erschienenenorientalischen Reisebeschreibung" erwähnt. Er berichtet, daß ein Schleswiger, namens Särgen Andersen 1634 feie Kunde von diesem Getränk, daß erPalipuntz" nannte, nach seiner Heimat gebracht habe. Aber viel Erfolg bat es zunächst an der Waterkant nicht ge­habt, sondern erst viel später haben die Deutschen die Rezepte des Punsches von den Engländern ge­lernt.

Die britische Punsch Wissenschaft hat als dasjenige Werk, dem die Engländer das Re,cpt des Punsches verdanken, da» 1697 erschienene ReilewerkNeuer Bericht aus Ostindien und Persien" von Fr nur festgestellt. Zu Anfang fees 18. Zabrhunderts wurde der Punsch dann auch in feen Hafenstädten der Nord see heimisch, drang aber weiter in Deutschland erst

nach dem Siebenjährigen Krieg vor. Die Engländer hatten unterdessen den Punsch zu ihrem National getränk erhoben, wie die Rolle zeigt, die dieser im englischen Roman des 18. Jahrhunderts spielt. Be­sonders die alten Seebären erlabten sich gern an Riesenvünschen", die in einem wahrhaft ungeheuren Ausmaß bereitet wurden. So wird von einer Punsch. Orgie berichtet, die der Admiral Rüssel am Jah­resende 1710 veranstaltete. Er ließ im Garten von Eadix in einen mit holländischen Ziegeln aufgelegten Springbrunnen sechs Kufen Wasser, ein Haides Orhost Malaga, 200 Gallonen Branntwein, 600 Ptund Zucker, 12 000 Zitronen und die genügende Menge Muskat hineintun und lud das ganze Dffi- zierkorps feiner Flotte nebst allen englischen Kauf­leuten zu einem (Belage, bei dem ein Knabe, der in einem Boot auf dem Punschsee herumfuhr, unab­lässig die Becher füllte. Aber diese Riesenpunsch, bowle wurde noch in den Schatten gestellt durch die, die der Admiral Boscaven 1760 den Offizieren feiner Flotte zum Besten gab. In einem marmornen Bassin befanden sich 600 Flaschen Rum, 600 Fla- scheu Kognak, 1200 Flaschen Malaga und 4 Tannen kochenden Wassers: dazu kamen noch 200 Stück ge riebene Nüsse, 600 Pfund Zucker und 15 000 Zi- fronen. Auf dem Punsch.See ruderte- eine junge JÖebe in einem zierlichen Kahn von Akajou-Holz, die die Gäste bediente. Der Riefenpunsch soll 12 684 Dollars gekostet Haden. Ein andermal tranken eng­lische Seeleute ihren Silvesterpunsch auf der Säule dec- Pornpejus im Hafen von Alexandria, auf die sie mit Lebensgefahr geklettert waren. Die (Einbürge­rung des Punsches in Deutschland wird gern mit dem Alten Dessauer verknüpft, aber das scheint eine Verwechslung mit dem Fürsten Franz von Anhalt- Dessau zu sein, der sich besonders bemühte, die Trinksitten der Engländer auf deutschen Boden zu verpflanzen. Es war ein natürlicher Sohn des Alten Deffauer, der Oberhofmeister Heinrich Georg von B a r e n h o r st, der die Punschgelage, die logenann. tenPuuschiaden", nach 1769 in die deutsche Gesell­schaft einfuhrte, und nun findet der Trank auch Eingang in feie deutsche Dichtung. DieBarden" schlugen ihre Harfe zu Ehren desstolzen Briten- Punsches" und besonders hat Johann Heinrich Voß feen Göttertrank gefeiert, in dem er feen direkten Nachkommen fee» altgermanischen Met» sah.Schlür­fen wir gestählten Punsche» volles Maß!" ruft er au» und greift fo denStahl-Punsch", der kalt an- gerichtet und durch Hineintauchen eine» glühenden etable» erwärmt wurde. Nicht minder berühmt war derFeuerzangen-Punsch", bei dem über da» fie- feenb heiße Getränk eine Feuerzange gelegt wurde.

auf der ein großer Zuckerhut thronte; der Zucker wurde mit Rum oder Kognak durchtränkt, bann an- gezündet, und nun ließ man den gebrannten Zuckcr in den Punsch tropfen. Goethe und Schiller haben dem Punsch weisheitsvolle Verse gewidmet, und den Romantikern war er das Lieblingsgetränk, bei dem sie sich ihren phantastischen Visionen hin­gaben.

Was her Taucher erlebt.

Eine der romantischsten Schahbergungen vom Meeresgründe, die Wiedergewinnung des Goldes aus dem gefundenen DampferEgypt", steht nun­mehr vor der glücklichen Vollendung. Dabei muh die Tätigkeit der Taucher besondere Bewunde­rung erwecken, die daS schwere und gefährliche Derk unter den schwierigsten Umständen voll­bracht haben. Das Taucherhandwerk hat ja seine eigene Romantik, und nicht jeder eignet sich zu diesem Beruf. Richt nur Mut und Körperkräfte sind dazu notwendig, sondern vor allem auch etne bestimmte seelische Einstellung, die man wohl am besten alSoptimistischen Fatalismus" bezeichnen kann. Wer nicht seinem Stern vertraut, darf sich nicht in die geheimnisvollen Tiefen des nassen Elementes hinabwagen. Bekonder- der erste Abstieg eines Tauchers ist ein merkwürdiges Erlebnis, daS uns bet englische Taucher Jack Heming anschaulich schildert: ..Mit den schwer belasteten Füßen im Dassel', schreibt er,sinkt man rasch, und im ersten Augenblick hat man da- sichere Gefühl, dah dieser Abstieg zu schnell vor sich geht und zu nichts Gutem führen kann. Aber wenn man mit der Hand an der letzten Sprosse der Leiter sich hinabläht, bann fühlt man plötzlich bie Tragkraft bet luftgefüllten Taucherrüstung und gewinnt wieder Vertrauen. Man oergetoiffert sich, daß alles an dem Luft- sch'auch und dec Siznalle.ne in Ordnung ist. Man tastet in feinem Gürtel nach dem Messer und den andern Werkzeugen, die man bei sich führt, und man läht sich getrost sinken. Zunächst geht alle- gut und glatt Doch je mehr das Licht de« Tage- verblaßt und bie Dämmerung einen um­fängt, je stärker das unheimliche Gefühl voll- lomincre. E n'amkeit au t i.t, desto unsicherer fühlt man sich, ohne noch btc körperlichen Veränderun­gen richt g wahrzunehmen. Wenn man sich bann rasch herabfallen läßt, dann fühlt man plötzlich den schweren Druck und muh die Geschwindigkeit wieder verringern. Ist man schließlich glücklich

einer Faust arbeiten Dälle Dem vom faustet man zu den Seiten, Flankenbälle lenkt man in ihrer Richtung weiter. Rachdem der DaN gehalten ist, ftöht ihn der Tormann sobald wie möglich zu fei­ner Partei ins Feld zurück; ein Spaziergang mit dem Dall mag den Zuschauern imponieren, in Wahrheit ist es schlechte Technik. In der Rot kann der Torwart den Dall auch mit der Hand ins Feld schleudern. Aber der Dall ist schließ­lich kein glühendes Eifen, man muh zunächst sehen, wo man ihn hinbefördem will.

Im Umkreis von elf Meter vor dem Tor soll der Torwart jeden Ball abfangen. Das Tor selbst darf er verlassen, wenn er den Dall sicher be­kommen wird ober wenn ein Tor auf andere Wei e unvermeidlich ist. Sonst muh der Torwart na­türlich immer zu der Seite laufen, auS welcher der Dall kommen kann aber nicht zu leichtsinnig, denn vielleicht paßt der Gegner von links nach rechts, und von rechts knallt die Dombe ins Tor. Einen Elfmeter kann der beste Torwart nur mit Dlück und Psychologie halten: er muß erraten, in welche Ecke der andere den Ball schießen wird. Roch ein paar goldene Regeln für den Torwächter Rach einem Ausflug ins Feld schnell ins Tor zurück! Rasse Dälle nicht fauften, sondern fangen, nie sich verblüffen lassen.

Wir haben uns jetzt mit allen Spielern einzeln beschäftigt. Aber es fehlt noch der letzte Schliff, das. waS die Mannscha t Aufammenbält die Kom- binationSformen beim Zusammenspiel. Davon soll der letzte Abschnitt handeln.

öpielüereintgung 1900 Gießen.

Die schlechten Wetterverhällnisie an feen Feiertagen brachten es mit sich, daß zahlreiche Absagen erteilt würben und nicht immer rechtzeitig für Ersatz ge­sorgt werben konnte. Die 4. Mannschaft weilte in Büblingshausen (1. E;s) mit 10 Spielern und verlor nach spannendem Spiel 4:1 (Halbzeit 3:0). Eine Um- slcllung erhöhte den Widerstand der Blauweihen vorteilhaft.

Zur Begegnung in Steinfurth waren gar nur neun Spieler zur Stelle. Da» Ergebnis (3:1 für Steinfurth) ist noch recht schmeichelhaft zu nennen.

Das Treffen 1900 III Wieseck I würbe abgesagt, um bie Spieler zum Verbanbsspiel gegen bie 3. fee» Lokalgegners intakt zu halten.

Eine kombinierte Mannschaft spielte gegen Bieber» 1. Elf in Bieber und siegte erwartungsgemäß mit 4:1 nach ansprechenben Leistungen.

Die 2. unb bie 4. Mannschaft (kombiniert) schloßen bie Wettspielreise nach Muschenheim mit einem 6:4- Sieg ab. Die Gießener waren auch hier nicht kom­plett unb spielten außerbem leichtsinnig.

DfB.-Gießen.

DfB. III Spog. 1900 III (cehrmannschafk) 2 J (2:1).

Da» fällige Verbanbsspiel sah feie Lehrmannschast als erwarteten Sieger. Das Spiel war ziemlich ver­teilt und VfB. konnte überraschend in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit setzten sich bie 1900er, als homogenere Elf, durch und wurden überlegen. Sie vermochten auszugleichen unb gegen Schluß den Siegestreffer zu erzielen. Der Gegner feer 2. Mannschaft (Ligareserve) trat nicht an. Die Iugenbspiele fielen aus.

Kurze Gportnottzen.

Mit Max Schmeling zusammen werden auch die beiden deutschen Tennis-Professionals No man Najuch und Hans Nüßlein bei feer nächsten Ausfahrt des deutschen Schnelldampfer»Europa" die Ueberfahrt nach Amerika antreten.

Tennis-Dor uff i a Berlin wurde burA einen 6:0-Sieg über Wacker 04 Berliner Pokalfie^ c und qualifizierte sich damit als erster Teilnehmer für die Endspiele um die Berliner Meisterschaft.

Im Berliner Sportpalast trugen an den Festtagen die kanadischen Eishockeyspieler von Ottawa zwei Spiele gegen den Berliner Schlittschuhklub aus In beiden Spielen siegten die Kanadier 6:1.

17 Nationen (einschließlich Deutschland) haben für die Olympischen Spiele In Lake Placid ihre Mel­dungen abgegeben.

Bei 4GradKälte gewann am zweiten Festtag der Belgier M a l f a t bas traditionelle Schwimmen

auf dem Meeresboden angelanpt, dann fühlt man sich eine Minute oder auch langer ganz hilf­los, wie wenn man daS Gewicht des Universum« allein tragen müßte Aber biefc lähmende Schwere weicht, und plötzlich empfindet man. wie sich die MuSkeln den auhergewöhnsichen Forde­rungen angepaßt haben, wie der Körper seine Dewegungsfrcihcit wicdercrlangt, unb nun aeht man, wenn auch zunächst langsam, an die Arbeit. Das Licht von oben ist je nach der geographi­schen Lage sehr verschiedenartig. An manchen Orten deS Ostens bringt das Tageslicht so hell herein, dah der Taucher auch in der größten Tiefe xu sehen vermag Aber in den nordischen Gewässern ist es nur eine unsichere und un­heimliche Dämmerung. Im allgemeinen hat der Taucher wenig zu fürchten, besonders in den nördlichen Breiten, wenn der Luftschlauch und die Signalleine in Ordnung sind, aber in den östlichen Meeren fehlt es nicht an aufregenden Abenteuern, von denen unS Taucher unter Wasser berichtet haben. Siner fühlte sich plötz­lich völlig umhüllt von einer dicken, gallert­artigen Meeralge, die seinen Tclephondraht ab- rih unb seinen Lustschlauch zuprehte. Er konnte sich erst nach einem furchtbaren, fast halbstündi­gen Kampf mit feinem Messer befreien, als er die schaurige Masse von seinem Kopf wegge- schnitten hatte, schloß sich die Alge an der ver­wundeten Stelle sofort wieder zusammen. Häu­figer werden Taucher von Tintenfischen angegrif­fen. Ein solches Untier preßte einen neflgen Fangarm um einen Taucher, bevor er noch die Gesahr erkannt hatte, fo daß er seine Signal­leine verlor. Er befreite sich mit dem Meller, wäre aber beinahe noch einmal von dem Untier gepackt worden, als er die Leine wiederzuerlangen suchte. Die größte Gefahr für den Taucher bilden wohl bie Haifische; fie find imstande, blitzschnell mit ihren scharfen Zähnen Telephondraht, Luft­schlauch und Signalleine zu zerstören, und den Mann in den Meerestiefen in eine furchtbare Lage zu bringen.

Hockschulnacknchlen.

Der durch die (Emeritierung des Geheimen Rats Profesior Lenard an der Universität Heidelberg frei gewordene Lehrstuhl der Physik ist dem orbent- liehen Professor Dr. phil. Dr -Ing. h. c Robert Pohl, Direktor des ersten Physikalischen Institut» in (Böt­tingen, angeboten worden.