„Quer durch die Seine" in Paris. Dio meisten Teilnehmer gaben wegen der großen Kälte auf.
Der DFB. h a t jetzt endgültig bestimmt. daß das Bundespokalspiel Süddeutschland gegen Norddeutschland am 10. Januar in Saarbrücken stattzufinden hat. Die Berliner Einsprüche wurden also abgelehnt.
Ladoumögue geht zu den Waldläufern.
Jules LadoumLgue, Frankreichs größter und erfolgreichster Leichtathlet nach dem .Kriege, hat Launen wie eine Filmdiva. Nachdem sein Versuch als Rugbyspieler daneben gegangen ist, will er jetzt im Winter an den in Frankreich so populären Querfeldeinläufen teilnehmen. Allerdings beschränkt sich Ladoum^gue damit wenigstens auf sein Spezialgebiet. Bei seiner großartigen Veranlagung dürften auch hier Erfolge nicht ausbleiben. Mit Ladoumögue, Michot und Raymond besitzt der CAST. Paris eine der stärksten französischen Eroscountry-Mannschaften.
Senkung des Frankfurter Straßenbahn arifs.
Frankfurt a. M., 29. Dez. (WSN.) Die Verkehrsdeputation hat gestern beschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, um die S e n k u n g d e s Straßenbahntarifs beschleunigt durchzuführen. Vor allen Dingen soll der Tarif für Kurzstreckenfahrer gesenkt werden. Künftig soll eine Straßenbahnfahrt über vier Teilstrecken mit Umsteiaeberechtigung nur 20 Pf. kosten und für die gleiche Fahrtstrecke sollen auch Fahrschcinheftchen mit fünf Fahrscheinen für 90 Pf ausgegeben werden, wenn die Fahrt ohne Umsteiaen durchgeführt wird. Bisher hatten Kürzstreckenfahrer nur die Möglichkeit, unter Benutzung von Fahrscheinheften drei Teilstrecken für 20 Pf. zurückzulegen. Weitere Senkungen sind vorgesehen für Netzkarten und für Monatsstreckenkarten. Der Tarifsenkungsvorschlag soll dem Reichskommissar für Preisüberwachung eingereicht werden, um den Erlaß der Reichsbeförderungssteuer, die etwa 900 000 Mark im Jahre beträgt, mit Hilfe des Reichskommissars zu erreichen.
Zur Zeit nicht akut.
WSN. Darmstadt, 29. Dez. Das Regierungsblatt meldet zu den Gerüchten über den Verkauf von Staatswaldungen: „Wie bekannt, hat sich seinerzeit die hessische Regierung vom Landtag ermächtigen lassen, Staatswoldungen in beschränktem Umfange zu verkaufen. Es haben deswegen auch verschiedene Verhandlungen stattgefunden. Ein Verkauf von Staatswald ist aber entgegen anderen Darstellungen zur Zeit nicht akut.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
B. 3- Der Grundstückswert im Sinne der §§ 1 bis 3 des dritten Teiles der III. Notverordnung, der mit sieben Zehnteilen bei der Zwangsversteigerung eines Grundstücks erreicht werden muß, ist vom Vollstreckungsgericht nach Maßgabe der folgenden Vorschriften festzusetzen: Bei der Festsetzung ist von dem für den 1. Januar 1931 festgesetzten Einheitswert und, soweit dieser noch nicht festgesetzt ist von dem sonstigen für die Steuern maßgebenden Wert auszugehen. Veränderungen des Wertes, die in der Beschaffenheit oder in sonstigen Verhältnissen des Grundstückes ihren Grund haben, sind zu berücksichtigen, ebenso etwaige Wertverschiebungen infolge der allgemein-wirtschaftlichen Entwicklung in angemessenem Umfange. Auswirkungen einer nur vorübergehenden Krise kommen nicht in Frage. Es können Sachverständige gehört werden. Der hiernach festgesetzte Wert ist vor der Aufforderung der Abgabe von Geboten bekanntzugeben. Der Zuschlag oder seine Versagung kann nicht mit der Begründung angefochten werden, daß der Wert unrichtig festgesetzt worden sei.
Ich hab dir verzieh«! Vornan von <Notilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Dor ihrem hohen Ankleidespiegel stand Birgit Sibelius und prüfte mit sorgenden Blicken immer wieder die Gestalt, die das glänzende Glas ihr zurückgab. Ein weißes, duftiges Tüllkleid umschloß ihre schlanken Glieder wie eine zarte weihe Winterwolke. Alles an ihr war weiß und zart. Gesicht und Racken hatten die weihe Blässe edler Dosen. Das Blond des Haares wirkte fast wie Silber und lag in einem schweren, schlichten Knoten auf dem schmalen Mädchennacken.
Ihre feinen Brauen waren streng gerunzelt, wie sie sich mitleidsvoll und prüfend betrachtete. Sie wußte, daß sie nicht schön war. Sie war viel zu bescheiden, als daß sie die versteckte, aber um so rührendere Anmut ihres feinen, strengen Profils, ihrer scheuen, seelenvollen grauen Augen, die liebliche Herbheit ihres blaßrosa Mundes schön gefunden hätte.
Lind was hätte Birgit darum gegeben, gerade am heutigen Abend schön zu sein, hinreißend schön, wie jene Frauen, deren betörendem Zauber alle Männer erlagen?! Wenn sie sich auch nicht nach so dämonischer Schönheit sehnte, wie sie etwa die berühmte Tänzerin Dolores del Fonza aufzuweisen hatte, deren Bilder in allen Schaufenstern prangten — etwas von jenem leidenschaftlichen Reiz dieser Frau hatte sie wohl ihr eigen nennen mögen.
Sie errötete vor sich selbst und ihren Gedanken. Rie wäre ihr früher ein solcher Wunsch gekommen. Aber seit dieser Me n, dem sie jetzt wieder begegnen sollte, in ihr Leben getreten, war alles in ihr wie umgewandelt. Lind zum ersten Male empfand sie mit jähem Schmerz, daß sie ihre Mutter nie gekannt hatte. Die Mutter wäre die einzige gewAen, zu der sie hätte flüchten mögen mit ihren Wünschen, ihren Träumen, der Llnruhe ihres Herzens.
Jetzt nahm sie den vollerblühten Strauß duftiger Maiglöckchen aus der niedrigen Kristallvase, und wollte sie gerade mit einer Brillantagraffc am Ausschnitt des weihen Tüllkleides befestigen, als es klopfte.
Das Stubenmädchen trat herein.
„Der Wagen für das gnädige Fräulein ist voraefahren", meldete sie ehrerbietig — und sie reichte Qöirgit einen großen Strauß, in Seiden- papier gewickelt.
„Er ist eben für das gnädige Fräulein abgegeben worden."
„Keine Karte dabei?" fragte Birgit mit einem
Wirtschaft.
Llni die Senkung der Bankzinsen.
Berlin, 29. Dez. (WTD.) Die Berhandlun- gen, die zwischen den Spihenorganisationen der Banken und Sparkassen einerseits und dem Dan- kenkommissar anderseits über die Senkung der Bankzinsen jetzt wieder ausgenommen worden sind, müssen noch in diesem Jahre zum Abschluß gebracht werden, da in der 4. Rotverord- nung die Herbeiführung von entsprechenden Ber- einbarungen bis zum 31. Dezember verlangt wird. Während in dcr Frage der Senkung der Habenzinsen bereits eine weitgehende Klärung erreicht werden konnte, ist dies bei den Sollzinsen noch nicht der Fall. Hier haben sich insofern Schwierigkeiten ergeben, als davon ausgegangen werden muß, daß für alle Institute bei gleichartigen Geschäften auch gleiche Zinsen gelten sollen. Das Zustandekommen einer festen Vereinbarung ohne einen Eingriff des Bankenkommissars hängt also von der Klärung der Frage der Senkung der Sollzinsen ab.
*■
* Die Indexziffer der Großhandelspreise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 23. Dezember berechnete Indexziffer der Großhandelspreise ist mit 103,2 gegenüber der Vorwoche um 0,4 v. H. gesunken. An deni Rückgang sind mit Ausnahme der Indexziffer für Agrarstoffe alle Hauptgruppen beteiligt: Agrarstoffe 93,6 (plus 0,1 v. H.), Kolonialwaren 90,5 (minus 0,7 v. H.), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 96,3 (minus 0,6 v. H.), industrielle Fertigwaren 129,7 (minus 0,6 v. H.).
"Gegen die Llrngehung derDevisen- b e st i m m u n g c n. WTB. meldet: Neuerdings versuchen ausländische Firmen, ihre deutschen Lieferanten zu veranlassen, für gelieferte Waren deutsche Wertpapiere in Zahlung zu nehmen. Die Ausländer wollen aus diese Weise die Dorschrift der Devisenbestimmungen umgehen, wonach ihnen der Erlös von Effektenverkäufen in Deutschland nur auf Sperrkonto gutgebracht wird. Es wird gewarnt, derartige Abschlüsse mit ausländischen Firmen zu tätigen. Der deutsche Vertragspartner setzt sich der Gefahr aus, wegen Beihilfe zu einem Bergehen gegen die Devisenvorschriften strafrechtlich belangt zu werden. Auch ist damit zu rechnen, daß die Devisenbewirtschaftungsstellen solchen Zirmen etwa erteilte Genehmigungen wegen Llnzuverlässigkeit entziehen und daß die Reichsbank gegen sie mit Kreditrestriktionen vorgeht.
* Starker Rückgang der Einfuhr englischer Kohle. Die stark rückläufige Bewegung der Doraufgegangenen Monate in der Einfuhr englischer Kohle hält an. Während im November vorigen Jahres 422 000 t englische Steinkohle nach Deutschland eingeführt wurden, ist der Import im November d. I. auf 361000 t zurückgegangen, d. h. um rund 15 v. H. Im Zeitraum Januar/No- vember ist die Einfuhr von 4,4 Millionen auf 3,4 Millionen t oder um rund 25 v. H. gesunken. Ein stärkeres Vordringen in diesem Monat und in den nächsten Monaten sei infolge der Restriktionsmaßnahmen des Reichskohlenkommissars und der Vorschriften auf dem Gebiet der Devisenzuteilung ziemlich unmöglich gemacht.
Sranffurf leicht abgeschwächt.
Frankfurt a. M., 29. Dez. 3m heutigen Efsektensreiverlehr herrschte großeGeschäfts- l o f i g f e i t, da Anregungen so gut wie nicht Vorlagen. Die Tendenz neigte nach der gestrigen Aufwärtsbewegung leicht zur Schwäche, da auf einzelnen Marktgebieten einige Berkauss- orders vorgelegen haben, denen infolge der Lustlosigkeit keine Aufnahmeneigung gegenüberstand. Eine gewisse Verstimmung bereiteten die unsichere Tendenz der gestrigen Reuyorker Börse, ferner die internationalen Presse-Diskussionen wegen
der Reparationsfrage. Die Kurs Veränderungen hielten sich in engen Grenzen und gingen kaum über 1 v. H. nach beiden Seiten hinaus. 3G.- Farben, Elektro-, Bank-, Schiffahrts- und Kunstseideaktien lagen im Angebot, während sich für Montanwerte auf kleine Käufe für rheinische Rechnung etwas Interesse bemerkbar machte. Gelsenkirchen, Stahlverein und Rheinstahl zogen etwa um bis zu 1 v. H. an.
Der Rentenmarkt lag auf kleine Käufe zum Anlagetermin gut behauptet. Die Llm- sätze blieben jedoch auch hier eng begrenzt. Gegen Mittag neigten achtprozentige Goldpfandbriefe leicht zur Schwäche. Durch weiter feste Haltung fielen Reichsaltbesihqnleihe auf, die erneut etwas anzogen. Don Stadtanleihen waren achtprozentige Ludwigshafen gesucht.
Deoifenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZR.
Banknoten.
29 Dezember
30. Dezember
Amtliche Meld
Notierung
Brief
Amtliche Dotierung
Geld
Brief
Velftngfotl .
5.894
5,906
5,994
6.006
Wien....
49.95
50.05
49,95
50,05
Prag . . .
12.47
12,49
12,47
12,49
Budapest . .
64.93
65,07
64,93
65,07
Sofia . . .
3.057
3,063
3.057
3,063
Holland . .
169,23
169,57
169,03
169,37
OSIo. . . .
78.92
79.03
78,42
78,58
Kopenhagen.
79.72
79,88
79,17
79,33
Gtorfholm .
80,32
80,44
79,82
79,98
London. . .
14,44
14.48
14,36
14,40
Buenos AIre«
1.068
1.072
1,068
1,072
Neunorl . .
4.209
4.217
4,209
4.217
Brügel. . .
58,66
58,78
58,59
58,71
Italien. . .
21,42
21,46
21,42
21.46
Paris . . .
16,52
16,56
16,51
16,55
Schweiz . .
62,10
82,26
82,07
82.23
Spanien . .
35.76
35,84
35.76
35.84
Tanzig . . .
82,22
82.38
82,12
82.28
Japan . . .
1.548
1,552
1 ,498
1.502
ffito de Ian..
0,255
0,257
0,249
0,251
Jugoslawien.
7,393
7,407
7.393
7,407
Lissabon . .
13,14
13,16
13,04
13,06
Reichsbankdiskont 1 v. h.» Lombardzinsfuß S v. h.
Berlin. 29 Dezember
Geld
Beles
Ämertlannche Noten.......
4,20
4.22
Belgische Noten.........
58.50
58.74
Dänische Noten.........
79.54
79.86
Englische Noten.........
14.40
14,46
irranzösische Noten........
16,48
16,54
Holländische Noten........
168.86
169,54
Italienische Noten........
21,35
21.43
Norwegische Noten........
78,74
79.06
Deutsch-Oesterreich, t 1OO Schilling
——
—
Rumänische Noten........
2,48
2,50
Schwedische Noten........
80,14
80,46
Schweizer Noten. ........
81.92
82,24
Spanische Noten. ........
35,63
35,77
Ungarische Noten .......
Besserung des KurSniveauö in Berlin.
Berlin, 30. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon in den gestrigen Abendstunden eine E r - holung des Kursniveaus eingetreten war, die nicht allein durch Deckungen der Spekulation verursacht sein konnte, sondern sicherlich auch reelle Anlagekäuse der Kundschaft zur Voraussetzung hatte, machte diese sog. Jahresultimo-Hausse im heutigen Freiverkehr weitere Fortschritte. Eigentlich ist es doch in diesem Jahre unnötig, wie sonst eine Extrabewegung zu inszenieren, da bekanntlich diesmal die Bilanzkurse nach anderen Gesichtspunkten festgesetzt werden. Der Jahresultimo spielt aber in- sofern eine Rolle, als das durch Kuponzahlungen frciwerdende Kapital Anlage sucht. Das Geschäft war daher sowohl am Aktien-, als auch am Pfand-- briesmarkt lebhafter als an den Vortagen zumal über die englisch - französischen M o - ratoriums-Vorbcsprechunaen günstige Nachrichten Vorlagen. Nach diesen Meldungen sei mit ziemlicher Sicherheit damit zu rechnen, daß bas augenblicklich bestehende Moratorium um 3 Jahre verlängert wird. Eine solche Kompromißlösung würde die bestehenden Schwierigkeiten zwar nur verschieben, ohne sie zu beseitigen, ließe jedoch die Möglichkeit einer weiteren Regelung offen.
leisen Zittern in der Stimme, während eine heiße Elutwelle ihr aus dem Herzen in das zarte Gesicht stieg.
„Rein", gab das Mädchen zur Antwort.
Birgit nahm die Gabe und nickte dem Mädchen zu.
„Ich komme sofort, warben Sie in der Diele!" Kaum war das Mädchen draußen, riß Birgit mit zitternden Fingern das Papier auseinander.
Ihr entgegen blühte ein Strauß glutroter üppiger Rosen, auf denen Wassertropfen wie silberner Tau im Licht der großen elektrischen Krone auffunkelten. Birgit verbarg ihr glühendes Gesicht einen seligen Augenblick in der duftenden Schönheit. Dann wandte sie sich noch einmal zum Spiegel und hielt die purpurnen Blumen an das schneeige Weiß ihres Kleides. Aber wie erschrocken von der feurigen Glut der schwer duftenden, voll erschlossenen Blüten nahm sie sie hastig wieder fort und stellte sie sorgsam in den schlanken, silbernen Blumenkelch auf ihren Schreibtisch.
Sie ergriff wiederum den Maiglöckchenstrauß, den sie vorhin, als der duftende Blumengruß ihr überbracht wurde, achtlos beiseite gelegt hatte. „Ihr paßt besser zu mir“, dachte sie.
Rasch ging sie hinaus und die Treppe hinunter. Das Mädchen wartete mit dem weichen blond- farbenen Breitschwanzmantel. Birgit schlüpfte hinein, und das Mädchen wollte ihr die Tür öffnen.
„Einen Augenblick“, sagte Birgit. Sie ging durch die Diele zum Hausflur, von dein aus sich die Kontorräume abzweigten. Vorsichtig öffnete sie die Doppeltür zum Privatkontor des Vaters. Er war allein.
Mit einem „Da bin ich, Väterchen!“ trat sie näher und umschlang den Schreibenden zärtlich. Sein emftee Gesicht überflog ein Schimmer stolzester Vaterfreude.
„Laß dich einmal anschauen, Liebling", sagte er. „Sollen dich nur die anderen sehen? Hat nicht dein Vater als erster das Recht, dein größter Bewunderer zu fein?“
Sie öffnete mit leichtern Erröten den Pelz. „Da, Väterchen! Bist du zufrieden mit deiner Tochter?“
Der Konsul lächelte: „Mehr als das — ich bin verliebt."
Sie seufzte ein wenig. „Mit dieser Verliebtheit wirst du wohl der einzige bleiben, Väterchen!"
„Das möchte ich mir ausgebeten haben", sagte er mit drolligem Ernst, „ich möchte meine Tochter noch lange nicht an einen fremden Mann verlieren."
„Warum verlieren, Väterchen? Würdest du nicht noch einen Sohn dazu gewinnen?"
„Wie ernsthaft du mir antwortest, mein Kind?" sagte der Konsul und sah feine Tochter forschend an, die unter feinem Blick errötete.
Statt einer Antwort, drückte Birgit dem Vater rasch einen Kuh auf die Wange und eilte hinaus.
Der Konsul sah ihr gedankenvoll nach. Diese Antwort, die keine Antwort war, gab ihm zu denken. Vor feinem geistigen Auge erstand noch einmal jene Mittagsstunde, in der seine stolze, scheue Birgit sich nach einem Manne urngeschaut hatte, den er noch nicht kannte. Lind ein Gefühl von Llnruhe und Erwartung drängte sich noch lange in seine stille Arbeit hinein.
Währenddessen rollte der Wagen durch die abendlich stillen Straßen bis in die Villenvorstadt hinaus und hielt vor dem Hause der alten Exzellenz von Wildburghausen, die für ihre Enkelin, Birgits beste Freundin, die Wintersaison mit einem Hausball eröffnete.
Birgit kam fast als letzte. Ihre Blicke durchflogen das festliche Gewühl und suchten nach einer bestimmten Männergestalt.
„Endlich, liebes Kind", erklang eine warme, gütige Stimme hinter ihr.
Sie drehte sich hastig um und beugte sich über die Hand ihrer mütterlichen Freundin, der Exzellenz von Wildburghausen.
„Reizend sehen Sie aus, Kindchen", meinte die alte Dame und musterte Birgit, die unter ihrem Blick heiß errötete, „und wenn Sie so rot werden wie eben jetzt, sind Sie noch hübscher. Aber lassen Sie sich diese Komplimente lieber von jungen Kavalieren als von alten grauen sagen"
Sie wehrte lächelnd Birgits Widerspruch ab. „Ich glaube, da drüben ist schon einer, der daraus brennt, Ihnen noch größere Komplimente zu machen."
Sie winkte Hans Egon von Rauenstein. der in einem scheinbar langweiligen Gespräch mit einem Herrn in der Ecke des großen Zimmers stand.
Birgits Wangen wurden noch um eine Schattierung roter. Sie warf einen hilfesuchenden Blick auf die alte Exzellenz, die sich mit freundlichem Lächeln einem anderen Gaste zuwandte, der in der Tür des Cmpfangsraumes erschien.
Gleich darauf stand Hans Egon vor ihr. Er warf einen forschenden Blick auf die unscheinbaren Blumen an ihrer Brust.
„Zürnen Sie mir, gnädiges Fräulein?" fragte er. „Oder hat vielleicht der Gärtner feine Mission nicht ausgeführt?“
Sie wich mit einer leisen Angst feinen sengenden Blicken aus.
„Zürnen? Wie könnte ich“, erwiderte sie leise, „wenn Sie mich mit so schönen Blumen erfreuen.“
„Lind warum", fragte er drängend, „warum gönnen Sie nicht meinen Rosen den Platz an Ihrem Hexzen? War die Frage, die die Blüten aussprechen sollten, zu kühn?"
Birgit senkte die langen, dunklen Wimpern über die grauen Augen, damit sie nicht das verrieten, was auszusprechen ihr Herz sich scheute.
Er trat näher an sie heran, aber im gleichen Augenblick kam Waltraut von Wildburghausen, Birgits Freundin, erhitzt und lachend, aus dem
Markttechnisch von Einfluß war auch das Fehlen neuer Auslandverkäufe, die gestern wieder einzusetzen schienen, bann aber plötzlich aufhörten, und die feste Haltung der gestrigen Neu Yorker Börse. Am Bankenmarkt waren Reichsbankanteile wieder bevorzugt und im Verlaufe etwa vier Prozent höher, während sich bei den übrigen Werten dieses Marktes die Besserungen im Rahmen von 1 bis 1,5 Prozent hielten. Auch für Montanpapiere machte sich etwas verstärktes Interesse bemerkbar, ebenso waren Elektrowerte etwas mehr gefragt und bis zu 2 Prozent fester. JG.-Farben zogen gegen ihren gestrigen Mittagskurs bis zu 4 Prozent an, Schiffahrtsaktien konnten sich ebenfalls etwas erholen, während die sonstigen Neben- und Svezial- werte heute eher vernachlässigt waren. Am Anlagemarkt standen wieder Liquidationspfandbriefe im Vordergrund des Interesses, auch Goldpfandbriefe etwas fester, während Reichsschuldbuchforderungen nur gut behauptet lagen. Auch Neubesitzanleihe war wenig verändert, die Altbesitzanleihen setzten ihre Aufwärtsbewegung um etwa 1,5 Prozent fort. Reichsbahnvorzugsaktien und Farbenbonds gewannen etwa 1,5 bis 2 Prozent.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 30. Dez. Auftrieb: 110 Rinder, 782 Kälber, 103 Schafs, 836 Schweine, darunter 268 Litauer. Beste Mast- und Saugkälber 40 bis 45, mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 39, geringe Kälber 27 bis 33 Mark: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Wcidemast, 22 bis 27, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 17 bis 21 Mark: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 44 bis 45, von etwa 200 bis 240 Pfund 43 bis 45, von etwa 160 bis 200 Pfund 41 bis 45, von etwa 120 bis 160 Pfund 38 bis 42 Mark. — Marktverkauf: Schweine ruhig, ausverkauft, Kälber schleppend, Schafe mittelmäßig, geräumt.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 30. Dez. Es wurden notiert: Weizen 1, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 227,50 bis 228,50, Roggen 215, Sommergerste für Brauzwecke 175, Hafer, inländischer 150 bis 157,50 Mark pro Tonne: Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, mit Austauschweizen 35,75, Son- dcrmahlung 33 bis 34, Weizenmehl, niederrh. mit Austauschweizen 34,75 bis 35,50, Sondermahlung 33 bis 33,75, Roggenmehl 30 bis 31, Weizenkleie 7,90, Roggenkleie 8,75 Mark pro 50 Kilogramm. Tendenz stetig.
Ruhige Devisenmärkte.
An den internationalen Devisenmärkten blieb das Geschäft gestern weiter sehr ruhig, die Qkränberungen hielten sich in sehr engem Rahmen. Das englische Pfund setzte unverändert zu feinem vorgestrigen Schlußkurs in Reuyork mit 3,4350 ein, um sich bann mittags abzuschwächen, auf 3,43. Gegen ben Gulden stellte es sich auf 8,54, gegen Paris auf 87,59, gegen Zürich auf 17,5650 und gegen die Reichsmark auf 14,4250. Der Dollar war unverändert, die Reichsmark konnte leicht anziehen, in Amsterdam notierte sie 59,15, in Zürich 121,60, in Paris zog sie auf 605 an. Der französische Frank tendierte eher etwas leichter, die Rord-Devisen sowie die Südamerikaner behaupteten sich gut.
Am Rachmittag war das Geschäft etwas lebhafter. Das englische Pfund gab unter kleinen Schwankungen leicht nach, und ging auf 341 bis 341,75 gegen den Dollar zurück, gegen den Gulden schwächte es sich auf 8,5350, gegen Paris auf 87,31, gegen Zürich auf 17,5850 und gegen die Reichsmark auf 14,38 ab. Der Dollar lag dagegen an allen Plätzen etwas fester, nur in Kopenhagen war er niedriger. Die Reichsmark wurde etwas gefragt, sie zog in Amsterdam auf 59,1650 an, in Zürich auf 121,90, in Reuyork stellte sie sich auf 23,77. Der holländische Gulden tendierte etwas leichter. Auch der französische Frank war etwas rückgängig.
zu einem Tanzsaal umgewandelten Rebenraum auf sie zu.
„Birgit, du hier, anstatt zu tanzen?! Lind das bei dem himmlischen Tango? Sie sind mir ein schöner Kavalier, Graf Rauenstein.“
„Komtesse haben ganz recht, mich an meine Pflicht zu mahnen“, erwiderte Graf Hans Egon lachend.
„Darf ich bitten, gnädiges Fräulein?“
Er reichte Birgit den Arm, sie legte, leise bebend, ihre Hand auf feinen Frackärmel
Sie gingen in den Tanzsaal. Die Kapelle spielte noch immer ihre bald schmachtende, bald feurig aufreizende Melodie des Tango Argentino. Mit einer heißen, fast herrischen Bewegung zwang Hans Egon Birgit in den Rhythmus seiner Schritte. Er war ein ausgezeichneter Tänzer, und Birgit, die sonst so scheue, folgte willig jeder feiner Bewegungen.
Dichter und dichter schmiegten sich die Körper der beiden jungen Menschen aneinander, bezaubert von den verführerischen Klängen der Musik. Heißer und heißer klopfte das Blut in den Adern des Mädchens. Ein nie gekanntes Gefühl der Seligkeit und Hingebung durchströmte sie. Selbstvergessen blickte sie zu dem schönen Gesicht ihres Tänzers auf, der sie um Haupteslänge überragte. Lind scheinbar ebenso selbstvergessen gab der Mann dem erschauernden Mädchen seinen Blick voll Liebe und Hingebung zurück.
Die letzten Geigentöne des Tangos verklangen in der blumendurchdufteten Luft des Ballsaales. Birgit, noch im Rausch des Tanzes befangen, taumelte leicht, als Hans Egon plötzlich aufhörte. Ohne ein Wort zu sagen, zog er ihren Arm durch den seinen und führte sie durch eine kleine Tür in den Wintergarten des Hauses, der vollkommen verlassen in rosigem Licht einer verschleierten Lampe träumte.
Stillschweigend geleitete Hans Egon Birgit zu einem tiefen Korbsessel und blieb hinter ihr stehen, seine schöne, geschmeidige Gestalt leicht über die Lehne gebeugt.
„Birgit", sagte er, „die Antwort, die Sie mir durch meine Rosen nicht geben wollten, hier werden Sie mir diese Antwort selbst geben.“ Lind als sie eine Bewegung der Angst machte, als wollte sie fliehen, ergriff er ihre Hand und drückte sie an sein Herz. Seine leise, schmeichelnde Stimme klang dicht an ihrem Ohr.
„Rein!", flüsterte er heiß, „ich lasse dich nicht eher fort, ehe du mir gesagt hast, daß du mich liebst, wie ich dich liebe.“
Birgit sah still da und erzitterte unter dem heißen Ottern, der ihren Racken streifte. Sie fühlte sich wehr- und willenlos diesem leidenschaftlichen Ausbruch gegenüber, der sie ebenso beseligte wie erschreckte.
(Fortsetzung folgt.)


