Ausgabe 
30.12.1931
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 30. Dezember 1931.

Silvester-Aberglauben.

Die Menschenkinder, die neugierig vor dem dunklen Vorhang der Zukunft stehen, versuchen immer dann ein Zipfelchen des Vorhangs zu lüften, wenn In der willkürlich vor ihnen aufge­stellten Zeitenuhr ein neuer Abschnitt sich an­kündigt. Ganz konsequent gilt die Silvesternacht als eine Zeitspanne, in der eine Frage an das Schicksal frei ist. Ein bißchen Aberglaube ist fast mit allem verbunden, was mit der Silvesternacht zusammenhängt. Die Hausfrau wird beim Karpfenkauf einen rogenen verlangen, denn je mehr Rogenkorner der Silvesterkarpfen hat, um so mehr Geld gibt es im nächsten Jahr. Eine Schuppe des Silvesterkarpfens in den Geldbeutel getan, soll ebenfalls Wunder wirken, vorausge­setzt, daß man sie das ganze neue Jahr aufve- wahrt.

Die große Schicksalsfrage nach dem ersehnten Mann beantwortet ein einsaches Orakel. Die sorg­fältig geschälte und zusammenhängende Schale eines Apfels wird über den Kopf nach hinten ge­worfen. Die Form der auf dem Voden liegenden Schale zeigt den Buchstaben des Erwählten an. Allerdings ist sestgestellt worden, daß die Apfel­schale sich lieber zu C, G, O oder S formt, als zu T, F oder K.

Das sicherste Orakel ist aber immer noch das Bleigießen um die Mitternachtsstunde. Die beim Bleio eßen gewonnenen Figuren zeigen das Schic, sal des Gießers im neuen Jahre an. Wie die Augu.en aus den Gedärmen der Schlachttiere das Schicksal weissagten, so muß jetzt der Vleigießer aus den ähnlich bizarren Formen der Vleiklum- pen sein Schicksal für das kommende Jahr ent­rätseln. Ein Kniff sei zum Schluß verraten, wie man das Blei orakel wunschgemäß beeinflussen kann. Wenn man viel Geld fürs neue Jahr er­sehnt, also vielMoos" haben möchte, so muh man den Vleigiehlöffel recht nahe über das Wasser halten, dann zerspritzt das Blei in eine breite Masse. Vorausgesetzt, daß man die nötige Anzahl Gläser Punsch intus hat, wird es einem nicht schwerfallen, zu glauben, daß trotz Rotver- vrdnung der Zaster im Jahre 1932 wachsen, blühen und gedeihen wird.

'^vrilvuzen.

-- Tageskalender f ü r Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Königin Luise".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute bleibt das Theater geschloffen. Die 12. Abonnementsoorstellung für die Mittwoch- Abonnenten findet morgen Donnerstag. 19.30 Uhr, statt. Wer das alte Jahr stimmungsvoll verabschie­den und für die letzten Jahresstunden aufs ange­nehmste unterhalten sein will, dessen Augenmerk richte sich auf die Erstaufführung der Zauberposse: Lumpaci vagabundus von Nestroy. Auch in diesem Jahre wird die Spielleitung (Karl Heyser, Fritz Cuj6. Ewald Bäulke) für eine geschmackvolle Aus­gestaltung dieses Werkes sorgen. Eine ganze Reihe bunter und gefälliger Programmdarbietungen eigner Art ist organisch in die Handlung eingesetzt worden. Es dürfte kein schlechter Rat stin, den Silvesterabend im Theater zu beginnen. Erstausführung zu gewöhn­lichen Preisen. Ende der Silvesteraufführung 22 Uhr. Für Freitag, 1. Januar, hat die Intendanz infolge der regen Nachfrage eine nochmalige Werbeveran­staltung zu kleinen Preisen angesetzt. Zur Auffüh­rung gelangt 19.30 Uhr das LustspielMargue­rite : 3" von Fritz Schwiefert.

** Fahrplan Linderungen auf der Kraftpoftlinie Gießen W i e s e ck A l - t e n ° B u s e ck. Vom Postamt wird uns mitgeteilt: Ab 1. Januar 1932 treten auf der Kraftpostlinie GießenWieseckAlten-Buseck folgende Aenderun- gen ein: Die werktäglichen Fahrten ab Gießen Bhf. 6.50 Uhr, ab Gießen Walltor 9.48, ab Wieseck 6.25 und 10.00 Uhr, sowie die sonntäglichen Fahrten ab Gießen Walltor 16.45, 20.15, 21.20, ab Wieseck 17.01, 21.32, ab Alten-Buseck 16.12 und 20.38 Uhr fallen aus. Die bisher nur werktäglich verkehrenden Fahr­ten ab Gießen Walltor 20.20, ab Wieseck 16.40, 21.25 und ab Alten-Buseck 20.42 Uhr verkehren für die Folge täglich. Die werktägliche Fahrt ab Wieseck 7.00 Uhr wird nur noch bis zum Walltor, diejenige ab Gießen Bhf. 17.05 Uhr nur noch bis Wieseck durchgeführt. Die werktäglichen ab Wieseck 17.44 und ab Gießen Bhf. 18.45 Uhr fallen Sonntags aus. Für die wegfallende sonntägliche Fahrt ab Alten- Buseck 16.12 Uhr wird ein Wagen ab Alten-Buseck 16.30 Uhr an Sonntagen eingelegt, der bis zum Bahnhof Gießen durchläuft.

Gute Sport Möglichkeiten im Vogelsberg. Die Schneeverhältnisse im Vogelsberg sind nach dem erneuten Schneefall in der Rächt zum Dienstag recht günstig. Es liegen 1523 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, der gute Sportmöglichkeiten bietet. Die Temperatur lag heute morgen 7 Grad unter Rull. Das Wetter ist leicht dunstig. Der hohe Vogelsberg dürfte zum bevorstehenden Jahreswechsel wieder das Ziel vieler Skisportler sein.

" Der Frühjahrsmarkt in Gießen findet in der Zeit vom 3. bis 10. April statt. Die Plätze für Fahr- und Schaugeschäfte, sowie für Schieß- und Verkaufsbuden find zu vermieten. Räheres ist aus der heutigen Bekanntmachung er­sichtlich.

** Reuse st sehung des Ortslohnes. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigen­teil wird der vom Oberversicherungsamt neu fest­gesetzte Ortslohn für den Stadtbezirk Gießen zur Kenntnis gegeben. Interessenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht.

** Einsendung der Lohnsteuerbe- l e g e. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Lohnsteuerbelege ,ür das Kalenderjahr 1931 an die Finanzämter einzusenden sind. Interessen­ten seien besonders darauf hingewiesen.

** Der Kurzschriftverein von 1861, der am 13. August auf ein siebzigjähriges Be­stehen zurückblicken konnte, eröffnet am Donners­tag, 7. Januar, in der Goetheschule (Westanlage) wieder einen Anfängerlehrgang in der deutschen Einheitskurzschrift. Am gleichen und am nächsten Tage beginnen weitere Ausbildungskurse zur Er­reichung höchster Geschwindigkeiten. Das Unter- richtsgeld ist, wie man uns mitteilt, wesentlich herabgesetzt, außerdem erhalten Erwerbslose eine weitere Ermäßigung. Man beachte die heutige Anzeige.

Der Verein ehemaliger 116er be­ging auch in diesem Jahre wieder am zweiten Weihnachtsfeiertag sein traditionelles Weih­nachtsfest. In Anbetracht der schwierigen wirt- fchaftlichen Verhältnisse wurde in diesem Jahre von einer Feier in der üblichen.Form abgesehen.

DerJagdschuh in Preußen.

Wichtige Ergänzungen zur preußischen Tier- und Pflanzenschuhverordnung.

Die preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, sowie für Landwirt­schaft, Domänen und Forsten haben am 8. De­zember eine Ergänzungsverordnung zur Tier- und Pflanzenschuhverordnung vom 16. Dezember 1929 erlassen, die für das ganze preußische Staats­gebiet gilt und am 1. Januar 1932 in Kraft tritt. Ihre wichtigsten Bestimmungen sind für die Pächter preußischer Jagden von größter Bedeutung.

Zum .Schuh. gegen Wilddiebstähle und ge­werbsmäßiges Wildern wird angeordnet, daß jedes Stück Elch-, Rot-, Dam-, Reh- oder Schwarzwild, das unzerlegt feilgeboten wird, mit einem Ursprungsschein versehen fein muh (Aus­nahme Wiederverkauf durch berufsmäßigen Wild- Hände:). Ferner.fen alle Cewerbetre.benden, die Wild verarbeiten, ein Wildhandelsbuch füh­ren, aus dem sich ersehen läßt, vom wem das verwertete Wild bezogen wurde (Ausnahme beim Bezug vom Händler).

Cs wird ferner verordnet, daß jedes Stück Wild oder jedes Tier, das entgegen den Bestimmungen der Tier- und Pflanzenschuhverordnung oder des Jagdgesetzes erbeutet worden ist, beschlagnahmt werden muh (nicht mehrkann"). Es ist zur Verwertung je nach Art entweder einer wissen­schaftlichen Sammlung oder bei genießbarem Wild einem Krankenhaus, kurz einem gemeinnützigen Zwecke, zu überweisen. Dies trifft auch zu für

alles Schalenwild, das mit Schrot- oder Posten- schuß beim Erleger, Jagdpächter oder Wildhänd- ler fest gestellt wird.

Schließlich wird erfreulicherweise die Schon­zeit für männliches Rot- und Damwild geändert, und zwar wie folgt: Damwild: männliches, Schußzeit 16. August bis 31. Dezember: weib­liches und Kälber, Schuhzeit 16. Oktober bis 31. Januar. Rotwild: wie oben.

Es endigt also bereits in diesem Jahr die Schußzeit für Hirsche am 31. Dezember, und zwar im ganzen preußischen Staatsgebiet, d. h. die in den früheren kurhessischen Gebieten gelten­den Sonderbestimmungen, gegen die eine weid­gerechte Jägerei schon lange Sturm lief, haben aufgehört. Da ein Teil der Rotwildreviere un­seres engeren Gebietes zum Bezirk Kassel ge­hört, seien ihre Inhaber auf den Inhalt der Verordnung besonders aufmerksam gemacht.

Es sei auch darauf hingewiesen, daß am 15. De­zember eine Polizeiverordnung betreffend Sonn« tagdjagden in Preußen in Kraft getreten ist. Danach sind während des ganzen Tages Treib­jagden verboten, bei denen mehr als vier Schuhen oder sechs Treiber beteiligt sind, oder bei denen Getreideselder abgeklingelt werden. Die damit erlaubten Treibjagden sind aber während der Hauptzeit des Gottesdienstes auch verboten. Dar­unter ist zu verstehen: von 9 bis 11.30 Uhr. H.

Die Leitung des Vereins bot dagegen den Mit­gliedern zum ersten Male ein Militärkonzert. Die Kapelle des 1. Bataillons RJR. 15 konzer­tierte unter der Leitung von Obermusikmeister Stauf« in der bekannten vorzüglichen Weise. Alle Darbietungen wurven von dem vollbesetzten Hause dankbar und beifällig auf genommen; be­sonders gefiel ein meisterhaft zu Gehör gebrach­tes Weihnachtstongemälde. Die Kapelle mußte sich zu mehrfachen Zugaben entschließen. Der an- schließende Tanz hielt die Teilnehmer noch lange beisammen.

** Der GesangvereinConcordia" feierte wie man uns berichtet am zweiten Weihnachtsfeiertag in den Räumen desFrank­furter Hofes" sein Weihnachtsfest. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einigen einleiten­den Musikstücken begrüßte der 1. Vorsitzende Frick die Teilnehmer. Er gab in seiner Ansprache gleich­zeitig einen Ueberblid über das Jahr 1931, in dessen Verlauf der Verein wiederum bewies, daß er trotz der schweren Zeit bestrebt ist, den Gesang zu pflegen und auf der heutigen Höhe zu halten. Die zum Vor­trag gebrachten Gesangschöre legten von einer vor­trefflichen Schulung Zeugnis ab. Der Chor steht unter der Leitung des bewährten Dirigenten Philipp Groß (Wieseck), dem in anbetracht seiner Verdienste um den Verein durch den Vorsitzenden ein Geschenk überreicht wurde. Neben theatralischen Aufführungen füllten musikalische Darbietungen die restlichen Stun- den der Veranstaltung. Einigen Sängern wurde für fleißigen Besuch der Gesangsstunden eine Anerken­nung in Form der Sängernadel zuteil. Verlosung und Tanz beschlossen den Abend.

** Diebstähle. Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 23. d. M. wurden aus einem Garten im Schiffenberger Weg drei silbergraue Stallhasen und in der Nacht zum 24. d. M. aus einem Hühner­pferch im Wiesecker Weg drei Hühner gestohlen. Sachoienliche Angaben zur Täterermittlung erbittet die Kriminalpolizei.

Oberbeffen.

Stadtrats-Sihung in Buhbach.

pb. Butzbach, 28. Dez. Wie der Stadt- r a t in feiner jüngsten Sitzung beschloß, soll der Gemeinnützige Bauverein bei Beschaf­fung der erforderlichen Gelder insofern unter­stützt werden, als die Stadt gegen erststellige Sicherheit die Bürgschaft für weitere 20 000 Mk. übernimmt.

Der Stadtrat nahm Kenntnis von der neuen Marktordnung für die Schweine- Märkte in Butzbach. Gleichzeitig wurde be­schlossen, das Standgeld für Ferkel bei den Dchweinemärkten von 20 auf 10 Pf. zu er­mäßigen.

Sodann nahm der Stadtrat die Wahl des Bürgermeisters Dr. Jansen zum ersten Bürgermeister der Stadt Gronau i.W. zur Kenntnis und erklärte sich mit seinem Aus­scheiden aus dem hiesigen Dienst einverstanden. Stadtratsmitglied I o u tz widmete dem am 15. Ja­nuar 1932 ausscheidenden Bürgermeister aner­kennende Worte für seine Verwaltungstätigkeit. Ihm antwortete Bürgermeister Dr. Jansen, der betonte, daß ihm noch die Pflicht obliege, dem bisherigen Stadtrat sowohl als auch nachträglich den bereits ausgeschiedenen Beigeordneten P l o ch und Wittig den Dank der Stadt für ihre vier- bzw. sechsjährige Tätigkeit auszudrücken. Anschließend fand ein gemütliches Zusammen­sein im GasthausZur Eule" statt, wo dem schei­denden Bürgermeister ein Photographie-Album mit Ansichten der Stadt und einer von Fräulein Margret Kranz geschriebenen Widmung durch Stadtrat I o u h überreicht wurde.

Landkreis Gießen.

8 Alten-Buseck, 29. Dez. Die Weihnachts­feier des GesangvereinsGermania" sand am zweiten Feiertage im SaaleZur Waldlust" statt. Für die Aufführung einiger Theaterstücke hatten sich wieder mehrere Mitglieder des Vereins, so­wie einige Jungfrauen des Ortes zur Verfügung gestellt. Die Aufführungen sanden starken Bei­fall. Gut zu Gehör gebrachte Musik- und Ge­sangsvorträge füllten die Pausen.

y. Lollar, 29. Dez. Am Sonntag hielten die Siebziger des Kirchspiels Kirchberg bei ihrem Alterskameraden Konrad Moos, dahier, eine Zusammenkunft ab, zu der aus allen fünf Gemeinden, sowie auch von Alten-Buseck und Gie­ßen Teilnehmer erschienen waren. Gute Bewirtung und Austausch von Kindheitserinnerungen hielt die Alterskameraden einige Stunden freundschaftlich bei­sammen. Der Turn- und Gesangverein, dem ein stattlicher Frauenchor angegliedert ist, hielt in seinem VereinslokalZum Schwanen" seine Weihnachtsfeier ab, die zahlreich besucht war und unter Leitung des Dirigenten, Lehrer Eberle, einen befriedigenden Verlauf nahm. Ein fünfstimmi­ger gemischter Chor aus dem 17. Jahrhundert und ein Frauenchor mit Violinbegleitung, die auch im Festgottesdienst zu Kirchberg gesungen worden waren, erfreuten die Familienangehörigen des Ver­

eins. Ansprechende Theaterstücke und gemütliche Unterhaltung füllten die übrigen Abendstunden.

* Lang-Gons, 29. Dez. Arn Sonntagabend veranstaltete die hiesige I u n g s ch a r eine Weihnachtsfeier, in deren Mittelpunkt ein Krippenspiel stand, das unter der Mitwirkung selbst der Kleinsten ansprechend und natürlich zur Aufführung gelangte. Die Aufführung fand verdienten lebhaften Beifall. Musikvorträge des neuen Orchesters der Jugendvereinigung und des Posaunenchores füllten den restlichen Abend. An dem Gelingen der Veranstaltung hat der Jugend­führer Richard Doller ein wesentliches Ver­dienst.

(pGrüningen,29. Dez. Der Turnverein Gut Heil" veranstaltete am zweiten Feiertag einen gut besuchten Theaterabend. Einer Be­grüßungsansprache des 1. Vorsitzenden folgten turnerische Vorführungen. Die gymnastischen Hebungen, die unter der Leitung von stud. phil. W. Fay standen, sanden besonders starken An­klang. Die anschließende Theatervorführung wurde mit Beifall ausgenommen. Der Gesang­vereinEintracht" hatte ebenfalls zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Im Mittelpunkt des Abends standen drei Theaterstücke, die von dem Vorstandsmitglied Karl L e i d i ch eingeübt wor­den waren und verdientermaßen großen Beifall fanden. Die Aufführungen wurden umrahmt von musikalischen Darbietungen und einigen Chören des Gesangvereins.

0 Holzheim, 29. Dez. Am zweiten Feier­tag hielt die Sonntagsschule im Vereins- Hause der Evangelischen Gemeinschaft ihre Weih­nachtsfeier ab, bei der der gemischte Chor (Lei­tung W. Engel) mitwirkte. Ungefähr 200 Kin­der wurden, nachdem sie einige Gedichte aufge­sagt hatten, mit praktischen Geschenken bedacht. Ein Missionsfreund hielt eine Ansprache.

D Lich, 28. Dez. Stadtbauingenieur Karl Zim - m e r zu Elbing, ein Sohn des Spenglermeisters und Ortserhebers i. R. Wilhelm Zimmer, dahier, wurde zum Stadtbaumei st er der Stadt E l - b i n g ernannt.

> Muschenheim, 29. Dez. Unsere zweite S ch u l st e l l e, die durch Wegzug des Lehrers M a s s a r nach Okarben frei geworden war und seitdem von Frl. W. E i d e n m ü l l e r verwaltet wurde, ist dem Lehrer Karl Lehr, seither in Gammelsbach (Odenwald), übertragen worden, der mit Beginn des neuen Jahres den Dienst hier antreten wird. Es wird begrüßt, daß der neue Lehrer auch den Organistendienst mitversehen will. Frl. Eidenmüller wurde an die Volksschule zu Utphe versetzt.

* Muschenheim, 29. Dez. Der Turnver­einGut Heil" veranstaltete einen Theater­abend, der mit der Aufführung eines Volksstückes und eines Schwankes Mitglieder und Gäste sehr gut unterhielt. Die Stücke wurden unter der Lei tung des neuen Vorstandsmitgliedes, Lehrer L a u n, sehr ansprechend zur Darstellung gebracht und fanden verdienten Beifall.

Kreis Büsingcn.

+ Hirzenhain, 29. Dez. Die Kleinkaliber- schühenabteilung des hiesigen Krieger- und Militärvereins veranstaltete am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Theaterabend. Es ge­langte u. a. ein Mehrakter ernsteren Inhalts zur Ausführung, der von den jugendlichen Darstellern mit viel Verständnis toiebergegeben wurde. Rei­cher Beifall belohnte die Spielschar.

Kreis Schotten.

ch Groß-Eichen, 28. Dez. Zimmermeister Hch. Peter II., dahier, feiert am 30. Dezember seinen 8 7. Geburtstag. Der Jubilar Ist körperlich noch sehr frisch und geistig noch sehr regsam. Ihren 8 Ö. Geburtstag feiert am 31. Dezember eben­falls in verhältnismäßig guter Rüstigkeit Frau Marie Wagner geb. Heßltzr. Im Faustschen Saale ver­anstaltete der Turnverein eine sehr gut be­suchte Weihnachtsfeier. Der Vorsitzende, Lehrer Bopf, hielt eine Ansprache. Weihnachtsspiele der Kinder, Gedichtvorträg»! und Aufführungen der Tur­ner füllten sehr nett den Abend aus. Der Män - nergefangoerein hatte zu einem Theaterabend in den Rahn scheu Saal eingeladen. Zwei Theater­stücke wurden flott gespielt und gefielen sehr gut. Die Pausen füllten Chöre des Vereins unter dem Dirigenten Lehrer Bell aus. Nach Schluß des offi­ziellen Teiles fand Ball statt.

Eichelsdorf, 29. Dez. In unserer Gemeinde herrscht noch ein alter Weihnachtsbrauch, der unseres Wissens nirgends sonst üblich ist. Am Morgen des ersten Weihnachtstages zwischen 5 und 6 Uhr läuten vom Turme die Glocken. Anschließend brennen die Christbäume in den Häusern und die Bescherung erfolgt. Auf freiem Platze am Born sammeln sich inzwischen die Gemeindemitglieder und fingen an den verschiedensten Stellen des Dorfes je eines der alten Weihnachtslieder. Dabei erklingt auch der WeihnachtssangFröhlich soll mein Herze springen", aber in einer Melodie, die nur hier be­kannt und geläufig ist und überaus gern gesungen wird. Man darf wohl in diesem Weihnachts­brauch einen An- und Nachklang an die Christ­

mette aus der früher katholischen Zeit sehen. Sie blieb in veränderter Form in der Gemeinde leben­dig, und das alte Herkommen überdauerte vier Jahr­hunderte. Merkwürdig bleibt es, daß der Weih­nachtsbrauch in keinem anderen Dorf des Vogels­bergs zu finden ist.

Q Rudingshain, 29. Dez. Am Weih­nachtsfeste fand hier eine Feier derSonntags- schule statt. Rach einigen Gedichtvorträgen, Zwiegesprächen und Liedern, die von den Kindern aller Altersstufen vorgetragen wurden, hielt Leh­rer Bachmann (Marburg) die W:i,)nachtsan- sprache. Eine Bescherung bildete den Abschluß der Feier. Am ersten Feiertag fand ein Eltern­abend der Volksschule statt. Rach einem gemein­samen Liede begrüßte Lehrer Schwarz die Gäste. Alle Spiele, die von den Schülern beider Klassen aufgeführt wurden, stammten von bedeu­tenden Dichtern der Gegenwart.

Kreis Alsfeld.

* Alsfeld 29. Dez. In dem Rachbardorse Oberbreidenbach stürzte der 61 Jahre alte Maurermeister Christian Volz, als er in der Scheune mit dem Herabwerfen von Stroh vom Ge­rüst beschäftigt war, infolge eines Fehltritts vom Scheunenboden in die Tenne herab und zog sich dabei einen schweren Schädel­bruch und innereVerletzungen zu. Einige Stunden später erlag der bedauernswerte Mann seinen schweren Verletzungen.

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dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf.

*1* Ruppertenrod, 29. Dez. In Rächt des zweiten Feiertages wurde bei einem hiesigen Ein­wohner eingebrochen. Die Diebe sind an­scheinend durch ein Fenster des oberen Stockwerkes, das der Straße abgewandt ist, in das Haus ein­gedrungen. Die Bewohner wurden des Einbruches erst gewahr, als sie am folgenden Morgen die Schränke offen standen. Es wurden acht Hemden, , Bettbezüge und Lebensrnittel entwendet. Ein Frauenkleid und ein Einmachglas mit Kirschen wurden im Garten gefunden. Es ist wahrscheinlich, daß die Diebe bereits am Abend, als alle Fa­milienangehörigen außerhalb des Hauses warerr, den Einbruch verübt hoben.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

3. in Gr.-B. Ein Berufsmetzger kann nach dem Reichsfleischbeschaugesetz eineHausschlachtung" in seinem Anwesen und in seinem Schlachtraum nicht vornehmen, für die die Untersuchung des betr. Tieres vor oder nach der Schlachtung unterbleiben kann. Der § 2 Abf. 3 des Gesetzes schließt den Haushalt der Schlächter, Fleischhändler, Gast-, Schank, und Speisewirte, Kasernen usw. ausdrücklich von der Be­freiung aus. Um so mehr gilt das von einem Schwein, das in dem Schlachthaus eines Berufs- metzgers geschlachtet wird.

f). S. B. Die Schlitzer Sfadtkirche, an der nachher Jahrhunderte hindurch in allen möglichen Stilen gearbeitet wurde, ist urkundlich am 20. September 812 durch den Bischof Richolsus von Mainz feierlich geweiht worden. Erbaut wurde sie von dem bau- luftigen Abt Ratparius von Fulda.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem

Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ) An die Intendanz des Gießener EtadttheaterS.

Die Fremdenvorstellung des Gießener Stadt­theaters am 26. Dezember sollte 15.45 Uhr be­ginnen. Tatsächlich begann die Vorstellung aber erst um 16.00 Uhr. Das Ende der Vorstellung verzögerte sich denn auch um eine Viertelstunde. Solche Verzögerungen wirken sich für die aus­wärtigen Besucher, die mit der Bahn wieder zu­rückfahren wollen, recht unliebsam aus. Man muß vorzeitig das Theater verlassen und an die Bahn Hetzen. So wird aber den auswärtigen Besuchern die Freude am Besuch des Gießener Theaters genommen, und man bleibt eben weg, wenn man sich nicht auf pünktlichsten Beginn, zumal bei Fremdenvorstellungen, verlassen kann. Wenn die Theaterverwaltung auf auswärtigen Besuch rech­net, muß sie schon diese Rücksicht auf die mit der Bahn kommenden Besucher nehmen und pünkt­lichen Beginn garantieren. St.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Donnerstag, den 31. Dezember. Silvesterabend.

Stadtkirche. 20 Uhr: Pfarrer Mahr. Johannes- kirche. 20: Pfarrer Bechtolsheimer. Kapelle des Alten Friedhofs. 18: Pfarrer Lenz; Beichte und heiliges Abendmahl für die Luthergemeinde. Llifabeih-Kleinkinderfchule. 20 Pfarrer Lic. Waas. Alten-Buseck. 18: Gottesdienst. Hausen-Gar- benteich. Jahresschlußgottesdienst. 17.30: Garben­teich; 18.45: Hausen. Klein-Linden. 20: Silvester­gottesdienst. Lollar. 20 Uhr. Lich. 20: Stifts- Pfarrer Draudt; Beichte, heiliges Abendmahl. Watzenborn-Steinberg. 20: Silvestergottesdienst. Grüningen. 18.15: Silvestergottesdienst. Wieseck. 18.30: Liturgische Jahresschlußfeier.

Katholische Gemeinden.

Donnerstag, den 31. Dezember.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte; 17.30: Pre- digt und Andacht. Laubach. 4.30: Predigt und Andacht. Hungen. 6.30: Predigt und Andacht. Lich. 8.15: Predigt und Andacht. Ridda. 6: Pre.

Dieses Jahr kein Katarrh

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