m. 30? Erstes Blaff
18L Jahrgang
Mittwoch. ZV. Dezember |93(
Gietzener Anzeiger
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Neue Fronten auf der Reparaiionskonferenz?
Gefährliche Wendung.
Der Baseler Bericht, der wie das Mädchen aus der Fremde allen etwas gebracht hat, kann vielleicht tributpolitisch einen Wendepunkt bedeuten. Wer schon zeichnen sich am Horizont riesengroß die Umrisse einer tribut- politischen Entwicklung ab, deren Räherkommen das deutsche Bolt aufmerksam zu verfolgen alle Ursache hat. Weil Deutschland mit Recht i m T r i b u t p r o b l e m die eigentliche Ur- fache der Krise sieht, ist es an sich verständlich, daß wir die Gedankengänge und Schlußfolgerungen, die uns unmittelbar angehen, auf die anderen Mächte übertragen. Tatsächlich ist indessen die Einstellung zum Tributproblem für jede der beteiligten Mächte verschieden, je nachdem sie mittelbar oder unmittelbar an der Lösung interessiert sind. Wer gerade darin liegt für Deutschland einegroßeGefahr, der es nicht >um erstenmal gegenübersteht, denn wir wissen ja, wie oft die anderen Mächte sich auf Kosten und auf dem Rücken Deutschlands geeinigt haben.
Die Entscheidung des amerikanischen Kongresses, eine Verbindung von Tributen und Kriegsschulden nicht zuzulassen, entspricht gewiß der Auffassung der Mehrheit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Die Kriegsschulden an die Union sind d i e Ko st en des Sieges, der sich für die europäischen Verbündeten der Union doch jedenfalls gelohnt hat. Auf der andern Seite: Für den Haushalt der Union spielt der Zinsendienst, den die europäischen Schuldner zu leisten haben, eine nicht unerhebliche Rolle, ganz abgesehen davon, daß eine Streichung aller Schulden nicht nur die Staatsfinanzen trifft, sondern auch die privaten Anleihebesitzer.
Wer die französische Presse auf die Stimmungsmache hin verfolgt hat. mit der sie die Entscheidung des Union-Kongresses beantwortete, entdeckt sofort, daß der Beschluß des Kongresses eigentlich eine Rückendeckung für Frankreich darstellt. Bei jeder Gelegenheit haben die französischen Staatsmänner wiederholt, daß sie unter keinen Umständen auf eine Aende- rung des Poung-Plans oder eine Senkung der Tribute eingchen werden, wenn nicht zuvor die Union die Kriegsschulden ganz oder teilweise gestrichen hat. Selbst Leon Blum, der Führer der französischen Sozialisten, hat ausdrücklich erklärt, daß seine Partei in dieser Frage gerade so denke wie Laval und Tardieu. Bleibt also die Union unnachgiebig, so iniro dies auch bei Frankreich der Fall sein, eine Aussicht, die vor allem England stark in den Harnisch gebracht hat. Wenn Macdona d alles daran setzt, mit Laval ins Gespräch zu kommen, so ist das wohl darauf zurückzuführen, daß England auch dann noch erhebliche Zahlungen an die Union zu leisten hat, wenn England, Frankreich und die anderen Schuldner gemeinsam einen Zahlungsaufschub in Washington erklären.
Die englische Presse läßt deshalb auch alle Minen springen, sie geht sogar so weit, die Völker Europas zu einer Einheitsfront gegen die Union aufzuhetzen. Das wird noch eine gute Weile haben, denn dazwischen liegen alle Möglichkeiten einer Verständigung, die wieder nur die Sieger unter sich suchen. Es besteht kein Grund, in Deutschland eine besondere Genugtuung über den Baseler Bericht zu empfinden. Es besteht noch weniger Grund, den Bericht selbst als einen Erfolg der deutschen Politik zu bezeichnen. Die schwerste Aufgabe ist überhaupt noch zu leisten, nämlich die, die am Voung- Plan beteiligten Mächte davon zu überzeugen, daß Deutschland keine Tribute mehr aufbringen kann, daß es dies auch nicht darf, wenn nicht die internationale Wirtschaft immer wieder von einer Krise in die andere stürzen soll.
Wenn schon der Ertrinkende nach dem Strohhalm greift, so ist ja auch dem deutschen Volke nicht zu verdenken, sich an den Baseler Bericht zu klammern, obschon er so viel Verfängliches enthalt, daß wir Grund haben, uns nicht zu weit vorzuwagen. Das internationale Spiel der Diplomatie geht einstweilen darum, die Union mehr oder weniger sanft zu zwingen, den europäischen Schuldnern die Schulden ganz oder teilweise nachzulassen. Das Ziel wird kaum zu erreichen sein, es sei denn, daß vor allem. Frankreich, das ja der Union mehr als ein Dutzend Milliarden M ck schuldet, Opfer auf sich nimmt, die Frankreich nichts zu kosten brauchen, weil die Abwälzung auf Deutschland sicher ist. Es ist gar nicht von ungefähr, daß die Sachverständigen in Basel sich so ausgiebig mit der Lage der Deutschen Reichsbahn beschäftigt haben, um zu der Feststellung zu gelangen, daß sie i m Grunde gesund sei. Bedeutung hat das insofern, als ja die Reichsbahn finanztechnisch der Träger der ungeschützten Tributrate ist, also jenes Teils der Tributrate, den Frankreich dem deutschen Volke als dauernde Last auf= zwingen will.
Es kommt nur darauf an, welchen Preis Frankreich seinen ehemaligen Verbündeten zu zahlen bereit ist, um eine Verständigung zu erzielen, deren Inhalt vermutlich nicht bei den Verhandlungen über das Tributproblem zustande gebracht werden wird, sondern sehr wahrscheinlich das Ergebnis der Besprechungen ist, die zwischen Paris, London und Washington hin und hergehen. Frankreich hat ja mehr als ein
Eisen im Feuer, denn es kann nicht nur der Union Zugeständnisse machen, es kann auch in der Frage der privaten Verschuldung Deutschlands der City und Wallstreet alle die Drücken bauen, die von den privaten Gläubigern verlangt werden. Der Streit über den Vorrang der politischen Tribute vor der Privatverschuldung hört von selbst auf, wenn der politische Tribut etwa mit der finanziellen Ertragsfähigkeit der Reichsbahn verknüpft wird, während die Abwicklung der privaten Verschuldung die Sache des deutschen Außenhandels
Paris, 29. Dez. (111.) In französischen und englischen diplomaiischen Kreisen herrscht im Augenblick eine außergewöhnlich rege Tätigkeit. Während der französische Botschafter in London, Fleureau, dem englischen Außenminister einen Besuch abstattete und den französischen Standpunkt in der Reparationsfrage erläuterte, erwartet man hier mit Interesse das Eintreffen des englischen Botschafters in Paris, Lord Tyrrell, da er sicherlich Träger englischer Vorschläge sein werde. Wan rechnet in Pariser gut unterrichteten Kreisen außerdem nicht damit, daß die Re- gierungskonferenz vor dem 25. Januar statlsinden könne. Als Verhandlungsort wird nach wie vor Lausanne genannt.
Die französische Presse ist im übrigen bemüht, die wegen der englischen Zollmahnahmen getrübten Beziehungen zu England so rasch wie möglich wieder zu der enfente cordiale zurückzuführen, um auf der Regierungskonferenz nicht isoliert dazuslehen. Der „Temps" gibt das in auffallender Weife zu erkennen, wenn er schreibt, daß alle Kontroversen, wie z.B. über den Grundsatz der Priorität der Privatschulden, kaum noch wichtig seien, nachdem die Feststellung des Baseler Sachverständigenausschusses vorliege, aber auch angesichts der immer deutlicher werdenden Gegnerschaft des amerikanischen Kongresses gegen jede Revision der Schuldenabkommen. Die Rotwendigkeit für die Gläubiger Deutschlands und für die Schuldner Amerikas, eine geschlossene Einheitsfront zur Verteidigung ihrer Lebensinter e s s e n herzuslellen, bestimme die Beziehungen und Bedingungen jeder gemeinsamen Politik, die loyal den Rechten und Interessen eines jeden Rechnung trage. Es sei für jeden aufmerksamen Beobachter klar, daß Frankreich und England allein durch ihr volles Einvernehmen in der Lage seien, der Politik zu präzisen Ergebnissen zu verhelfen. Dic zwischen den französischen und englischen Sachverständigen schwebenden Verhandlungen und anderseits das persönliche Schreiben Wacdonalds an Laval bildeten nach dieser Richtung hin einen guten Anfang, über den man sich aufrichtig freuen müsse.
Was meint man in England?
London, 30. Dez. (WTB. Funkspruch.) Zu der kommenden Reparationskonferenz sagt der Daily Telegraph, die britischen und französischen Schatzamtssachverständigen würden auf der Re- parationskonferenz nur eine provisorische Lösung der Reparationsfrage erstreben, bestehend in einer Verlängerung des Deutschland gewährten Moratoriums um drei Jahre. — Der französische Plan für die Konferenz werde auf eine grundsätzlich e Aufrechterhaltung des Voungplanes hinauslaufen und werde „in gewissen britischen Kreisen" unterstützt. — Fi- nancialRews tritt dem Gedanken einer Verlängerung des Moratoriums entgegen. Das Blatt hofft, Deutschland werde bei einem Fehlschlag der Konferenz die Erklärung abgeben, daß es keine weiteren Reparationszahlungen leisten werde.
Amerika hält sich zurück.
Vorerst keine Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Reparationskonfercnz.
Washington. 29. Dez. (WTB.) Schatzamtssekretär Mills erklärte, die Vereinigten Staaten seien nicht einmal inoffiziell zu der bevorstehenden Reparationskonferenz ein» geladen worden, und sie würden, auch wenn sie eingeladen werden sollten, sich nicht an ihr beteiligen. Präsident Hoover hatte am Montagnachmittag mit Stimfon undMills eine längere Besprechung über die Schuldenfrage. Einflußreiche Regierungsbeamte vertreten die Ansicht, daß die Interessen der Vereinigten Staaten in der Frage der Schuldenrevision oder der Verknüpfung der Kriegsschulden mit den Tributen ohne Rücksicht auf den Kongreß vertreten werden müßten. Die ersten Schritte in dieser Richtung würden von Europa erwartet. Die Entsendung amerikanischer Vertreter zur Tributkonferenz werde für den Fall, daß sich diese Konferenz ausschließlich mit der Tributfrage beschäftigen sollte, als unwahrscheinlich erklärt.
oder der deutschen Wirtschaftskraft bleibt. Es wäre ein Verhängnis für das deutsche Volk, wenn ein Teil der Presse aus parteipolitischen Gründen wieder mit Vorschußlorbeeren um sich wirst, während es doch für die Reichsregierung eine Frage auf Leben und Tod ist, die seelische und geistige Widerstandskraft des deutschen Volkes gegen jedes Tributjoch zu einer unüberwindlichen Front zu steigern. Davon sind wir leider einstweilen noch weit entfernt.
Sollte die Konferenz dagegen auch die Frage der langfristigen Schulden, die Währungsfrage, sowie europäische Handelsfragen erörtern, so wäre eine amerikanische Teilnahme nicht ausgeschlossen.
Das angebliche Programm einer provisorischen Lösung.
Wie sich Frankreich das Ergebnis der ReparalionSkonferenz denkt.
Pari», 30. Dez. (ERB. Funkspruch.) Der Berichterstatter des „Echo de Paris" in London glaubt, das Programm einer provisorischen französisch . englischen Reparationspolitik, an dessen Ausarbeitung die französischen und englischen Sachverständigen arbeiteten, wie folgt umschreiben zu können:
1. Deutschland würde ein dreijähriges p r o o i s o r i f che » W o r a t o r i u m für den geschützten Teil der Zahlungen zugebilligt erhalten.
2. Deutschland hätte in den drei Woratoriums- jahren den ungeschützten Teil der Young- annuitäten zu entrichten, den Frankreich aber, wie bei dem hoovermoratorium, unverzüglich der Reichsbahn wieder leihweise zur Verfügung stellen würde.
3. Deutschland würde Frankreich, Rumänien und Südslawieu weiterhin ein W i n - de st maß von Sachtei st ungen zugeslehen.
4. Rach Ablauf der dreijährigen Woratoriumsfrist würde die Zahlungsfähigkeit Deutsch, lands aufs neue abgeschäht werden.
5. Deutschland würde mit den amerikanischen, eng- tischen, französischen und neutralen Banken ein A b - kommen über die allmähliche Zurückzahlung der eingefrorenen kurzfristi- gen Kredite abfchließen.
6. Die alliierten Regierungen würden als Gläubiger Deutschlands die amerikanische Regierung zu überzeugen versuchen, daß, nachdem sie den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deulschlands begünstigt hätten, ihre Opfer eine entsprechende Herabsetzung ihrer Schulden bei Amerika notwendig machen.
Japans Vormarsch auf Tschingtschau.
Die Chinesen ziehen sich hinter die große Maner zurück.
Tokio, 29. Dez. (TU.) Ein japanisches Flugzeuggeschwader bombardierte am Dienstag chinesische Truppen bei Panschan. Im Laufe des Tages rückten japanische Truppen gegen die chinesischen Stellungen vor und schlugen die Chinesen nach längeren schweren Kämpfen in die Flucht. Die Japaner rückten darauf in Panschan ein und b e» setzten die Stadt. Eine andere japanische Truppenabteilung besetzte am Dienstagnachmittag die Stadt H s i n m i n, ohne daß es zu größeren Zusammenstößen kam. Der japanische Vormarsch auf Tsingtschau wird fortgesetzt.
Die japanische Botschaft in Paris dementiert im Auftrage der Regierung alle Rachrichten von einem Vormarsch der japanischen Truppen auf Tschingtschau. Gemäß der Crllärung vom 24. Dezember wiederhole die japanische Regierung vielmehr noch einmal ihren Wunsch, j e d e n Zusammenstoß zwischen regulären chinesischen Truppen und japanischen Streitkräften zu verhindern. Rur aus diesem Grunde bestehe Japan auf der Räumung Tschingtschaus durch die chinesischen Truppen, da die japanische Regierung durch einwandfreie Zeugenaussagen die feste Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Militärbehörden von Tschingtschau die chinesischen Banditen unterstützten die sich im Westen des Liao-Flusses in beträchtlicher 2lm zahl zusammengerottet hätten. Die japanischen Truppen träfen im Augenblick Vorbereitungen, um mit verstärkter Energie gegen das Banditen^ Unwesen einzuschreiten. Aus diesem Grunde werde die japanische Armee nach Westen vorstoßen. Die japanische Regierung lehne außerdem jede Verantwortung für Maßnahmen ab, die sie in Anwendung legitimer Verteidigung ergreifen müsse.
Der chinesische Oberbefehlshaber Tschanahsue- l i a n g befahl den chinesischen Truppen in Tfching-
tschau und Umgebung, sich hinter die Große Mauer zurückzuziehen, um so „den Japanern jeden Vorwand zu nehmen, den Krieg nach Nordchina auszudehnen". Die Räumung hat bereits begonnen und soll so schnell wie möglich durchgeführt werden.
Die Senkung -er Postgebühren.
Scharfe Kritik an dem geringen Umfang der Preissenkung.
Berlin, 29.Dez. (WTB.) Der Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats der Deutschen Reichspost beriet die Vorlage, die der Reichspostminister zur Senkung wichtiger Post- und Femmeldege- bühren gemacht hatte. Es wurde beschlossen, dem Plenum des Verwaltungsrats zu empfehlen, die Vorlage der Verwaltung mit gewissen Modifikationen anzunehmen. In Abweichung von der ursprünglichen Vorlage soll die Gebühr für die Fernpo st karte von acht auf sieben Reichspfennig ermäßigt werden, dafür aber die von der Verwaltung vergeschlagene Ermäßigung der Tele- grammgebühren und der Postwurfsendungen unterbleiben.
Unter der Voraussetzung, daß das Plenum des Verwaltungsrats morgen dem Beschlüsse seines Arbeitsausschusses zustimmt, werden also gesenkt werden: die Gebühren für Drucksachen, für gewöhnliche Pakete, für die Orts- und Ferngespräche sowie für die Reben- stellenanlagen in der vom Reichspostministerium vorgeschlagenen Form und darüber hinaus die Gebühren für eine Fernpostkarte von acht auf sieben Reichspfennig. Es soll damit eine Regelung getroffen werden, die sowohl der Ankurbelung der Wirtschaft dienlich ist, wie auch dem Interesse der breiten Massen unseres Volkes, soweit das eben in den Kräften der Deutschen Reichspost steht.
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Zu den neuen Senkungsvorschlägen nehmen verschiedene Berliner Blätter Stellung. Es wird allgemein festgestellt, daß die Preissenkung nicht den Erwartungen entspreche, die man in der breitesten Öffentlichkeit hege. Als peinlich wird empfunden, daß die beabsichtigte Senkung der Telegrammgebühren wieder fallengelassen werde. Allgemein wird betont, daß von den 10 v.H., um die das allgemeine Preisniveau mindestens gesenkt werden sollte, nichts zu merken sei. Es bleibe der peinliche Eindruck, daß die Regierung den Preisabbau, den sie von der Wirtschaft verlange, bei ihren eigenen Betrieben nicht durchführen könne. Wie die „DAZ." hört, ist damit zu rechnen, daß der Verwaltungsrat der Reichspost den Vorschlägen des Arbeitsausschusses beitritt.
Die außerordentliche Kündigung von Mietverträgen.
Berlin 29.Dez. (WTB.) Zu der Frage der Mietkündigung wird amtlich noch folgendes mitgeteilt:
1. Bekanntlich ist die vorzeitige Kündigung von Mietverträgen ausgeschlossen, wenn sich der Vermieter und der Mieter im Jahre 1931 a u s eine Ermäßigung des Mietzinses um mindestens 20 v. H. geeinigt haben. Die Höhe dieser Ermäßigung ist nicht wie bei der ab 1. Januar 1932 eintrelenden Mietsenlung von der Friedensmiete, sondern von der tatsächlich gezahlten Miete zu berechnen, wobei allerdings Heizungskosten, Fahrstuhl kosten und andere Rebenlei st ungen nicht mitgerechnet werden, sofern sie, wie z. B. bei Geltung der gesetzlichen Miete, besonders zu berechnen sind. Die gesetzlichen Umlagen (Grundvermögensteuerzu- ichläge) gehören zur gesetzlichen Miete und sind daher mitzurechnen.
Die Feststellung, ob bei einer im Jahre 1931 vereinbarten Mietermäßigung der Betrag von 20 Prozent erreicht ist, kann im Einzelfall Schwierigkeiten machen. Folgendes ist zu beachten: Auszugehen ist von der Miethöhe, die zu der Zeit galt, als die Vereinbarung getroffen wurde. Bestand der Vertrag also längere Zeit und mar d i e Miete schon vor 19 3 1 ermäßigt worden, z.B. von 120 Mark monatlich auf 100 Mark, so darf nicht die ursprünglich vereinbarte Miete für die Berechnung der Ermäßigung zugrundegelegt werden, sondern nur der für 193 1 noch geltende Betrag von 100 Mark. War im Jahre 1931 mehrmals ermäßigt worden, so ist die erste Ermäßigung zugrundezulegen. Hat z. B. der Vei> Mieter von einer Monatsmiete von 100 Mark zu- nächst im Januar 1931 zehn Prozent ermäßigt so daß der Mieter nur noch 90 Mark monatlich zu zahlen hatte und sind dann im April durch eine zweite Vereinbarung dem Mieter von diesen 90 Mark noch einmal zehn Prozent ermäßigt worden, so daß er nur noch 81 Mark zu zahlen hatte, so wären im Sinne der Verordnung volle 20 Prozent nicht ganz erreicht, denn dazu wäre nötig, daß die 20 Prozent °on ?er "sten Mietherabsetzung zu zahlenden 100 Mark ermäßigt wurden, er also künftig nur noch 80 Mark zu zahlen hätte.
2. Vielfach sind im Mietvertrag sogenannte S t a f s e l m i e t e n vereinbart, d. h. der Mietzins ist für die einzelnen Abschnitte der Vertragszeit in verschiedener Höhe festgesetzt. Beispiel: Der Vertrag lauft ab 1. Januar 1929; für das Jahr 1929 sollen
IrankreichsiichiciiieVorverständiguiiWiiLnglaiid


