Am 15. Aovember Landtagswahl in Hessen
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nung trage. Die Minister müssen Männer sein, die kraft eigener Ueberzeugung und auf Grund des Vertrauens der bodenständigen Bevölkerung befähigt seien, in lebendiger Verbindung mit allen deutschen Wirtschaftskräften Deutschland den Weg zu führen, auf dem es allein wieder zu nationaler Kraft und Unabhängigkeit gelangen könne. Das Reichskabinett müsse die sichtbare Zusammenfassung aller zur Mitarbeit auf dieser Grundlage bereiten Kräfte der Nation sein.
Sodann werden eine Reihe von Maßnahmen als vordringlich bezeichnet, darunter straffe Zusammenfassung der Außenhandelspolitik, durchgreifende Senkung überhöhter Pro- duktionskosten und des Zinsfußes, Lockerung, gegebenenfalls Beseitigung überhöhter Preisbindungen der Syndikate. Kartelle und Innungen, Abbau unberechtigter Zwischenhandelsspannen, der öffentlichen Lasten, der überspannten sozialen Ausgaben, endliche wirksame Gestaltung der Osthilfe, weitere besondere Fürsorge für die westliche Landwirtschaft auf dem Wege durchgreifenden Schutzes der bäuerlichen Veredelungswirtschaft. Vach der Stellung der Landvolkpartei zur jetzigen Reichsregierung gefragt, antwortete v. Hauenschild: „Wir werden unsere durchaus selbständige Politik davon abhängig machen, wie weit unseren Forderungen Rechnung getragen wird oder nicht."
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OerRüstungswaffenstillstand.
Eine Entschließung der Völkerbunds» Versammlung
Genf, 29. Sept. (WTD.) Die zwölfte Völkerbundsversammlung hat nach etwas mehr als dreiwöchiger Dauer ihre Arbeiten beendet. Der A b - rüstungsausschuß hatte sich nach stundenlangen vertraulichen Beratungen auf eine Entschließung über den Rüstungsstillstand geeinigt. Die ursprünglich von Italien mit Unterstützung Englands, Deutschlands und der Vereinigten Staaten geforderte Verpflichtung auf einen sofortigen Rüstungswaffen st ill st and ist aufgehoben worden. In der nunmehr angenommenen Entschließung heißt es u. a.: Die Dölkerbundsversammlung ist der Lieberzeugung, daß eine Wiederaufnahme des Wettrüstens unvermeidlich zu einer internationalen und sozialen Katastrophe führen würde. Sie glaubt, daß eine Verpflichtung aller Staaten, ihre Rüstungen nicht weiter zu erhöhen, wesentlich zur Schaffung der Atmosphäre des Vertrauens beitragen, den gegenwärtigen Rüstungswettbewerb ausschalten und einen günstigen Auftakt für die Arbeiten der Abrüstungskonferenz bedeuten würde. Aus diesem Grunde ersucht die Vollversammlung die Regierungen, die Abrüstungskonferenz durch einen Stillstand der Rü stungen vorzubereiten. Die Regierungen sollen ihren festen Willen, den Frieden zu organisieren, und auf der Konferenz zu prak-
gespielt. *
Während nach dem Kriege bis etwa 1927 eine eigentlich« West-Ost-Siedlung in Deutschland kaum stattgefunden hat, zeigen jetzt die Zahlen, daß ein sich langsam vergrößernder Strom von Siedlern aus dem Westen nach dem Osten strebt. Rach den Angaben der Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation sind in der Zeit vom 1. Januar 1927 bis 31. Dezember 1929.' also in drei Siedlungsperioden, aus Westdeutschland nahezu 700 Siedler mit schätzungsweise 4000 Menschen im Osten angeseht woxden. Das Hauptkontingent stellt W e st - falen mit mehr als der Hälfte. Augenscheinlich haben die praktischen Hilfsmaßnahmen der zuständigen provinzialen Stellen die Siedler grade aus Westfalen besonders gut unterstützt. Cs folgt dann das Rheinland, wo die Landwirtschaftskammer sich tätig für die Ostsiedlung eingesetzt hat. Bei Westfalen handelt es sich im wesentlichen um nachgeborene Bauernsöhne. die sich im Osten einen eigenen Hof schaffen wollen, während aus dem Rheinland in der Mehrzahl Pächter und Kleinbauern nach dem Osten ziehen, die in ihrer Heimat $u kleine und nicht recht lebensfähige Betriebe führen mußten. Während in Westfalen eine große Siedlungspropaganda für die Bauernsöhne kaum noch notwendig ist, da die Ausgewanderten durch Familienbeziehungen automatisch neue Siedler nach dem Osten ziehen, ist die Siedlungsfrage in den übrigen westdeutschen Gebieten keineswegs so günstig gelagert, obgleich für beide Hessen und für die anderen süddeutschen Gebiete von einer deutlich fühlbaren Wanderungstendenz, vor allem nach Mecklenburg. berichtet wird. Weiter wird von dem Versuch der hannoverischen Volkshochschule Hermansburg berichtet, deren Bemühungen in R i e d e r s ch l e s i e n als der Degirm einer planmäßigen Siedlung betrachtet werden. Man schätzt, daß insgesamt in der Vorkriegszeit von 1887, wo die eigentliche West-Ost- Siedlung eingesetzt, bis 1914 rund 8 bis 10 000 Menschen, d. h. 2500 bis 3000 Familien aus dem Süden und Westen Deutschlands sich im Osten angesiedelt haben. Allerdings ist es trotz der großen Bemühungen auch privater Kreise nicht gelungen, der starken Abwanderung aus den Ostgebieten in den letzten Iahren eine ebenso starke Zuwanderung von Siedlern entgegenzusehen. Man kann schätzen, daß im vergangenen Iahr einer Zuwanderung von rund 3600 Personen nach Ostpreußen etwa eine fünfmal so starke Abwanderung gegenübersteht, wahrend für Pommern das Verhältnis mit einer annähernd neunmal so starken Abwanderung noch un- günstiger zu sein scheint.
Oie amtliche Mitteilung.
Auslegung der Wählerlisten vom 18. bitz 25 Oktober
Darmstadt, 29. SepL (ID 531.) Das hessische Gesamlminislerlum gibt soeben bekannt, daß auf Grund de» Artikel» 8 de» Landlagswahlgesehe» vom 10. September 1931 al» Tag der Wahl zum Landtag Sonntag, der 15. November, bestimmt wird. Zum Landeswahlteiter wird TUinl- sterialrat Bornemann (Darmstadt), zu seinem Stellvertreter Legationsrat Dr. Heinemann (Darmstadt) ernannt. Auf Grund des Artikels 15 des Landtagswahlgesehes wird bestimmt, daß die Wählerlisten und Wahlkarteien vom 18. bis 25. Oktober 1931 — beide Tage einschließlich — auszulegen sind.
Aus dem Finanzausschuß.
WHP Darmstadt, 29. Sept. Im Sinaiu- ausschuh wurde zunächst der nationalsozialistische Antrag über die Ministerpensionen vom 25. Oktober 1930 behandelt. Der erste Teil des Antrages verlangt die Vorlage einer Zusammenstellung der Ruhegehälter sämtlicher noch lebender hessischen Minister. Dieser Teil des Antrages wurde einstimmig angenommen. Die drei weiteren Punkte des Antrages wurden abge- lehnt.
Die Volkspartei beantragte, die Sonderge- bäudesteuer in den Fällen, in denen die vie- , len leerstehenden großen Wohnungen in zwei oder mehrere selbständige Wohnungen durch wesentliche Umbauarbeiten geteilt werden, auf die Dauer von drei Iahren zu erlassen oder bis aus weiteres um die Hälfte zu ermäßigen. Durch den Umbau der vielen leerstehenden Grohwoh-
an sonstigen Liebesgaben bis zur Stunde schon über 1 0000 Mark eingegangen seien. In den vier Kirchen fanden Festgottes- d i e n st e statt. Im Mittelpunkt der Hauptversammlung stand der Festvortrag von Direktor Schieber vom Predigerseminar Nürnberg, der das Thema „Dem großen Iubiläumsjahr entgegen" behandelte. Anschließend erfolgte die Abstimmung über die Verteilung derGustav- Adolf-Liebesgaben, deren Erster Preis von 10 000 Mark den s i e b e n b ü r g i s ch e n Gemeinden, der Zweite Preis von 3000 Mark der Diasporagemeinde Kirchendemenreuth । Oberpfalz) und der Dritte Preis von 2000 Mark >er Gemeinde Bamberg zufiel.
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Jede ehrliche Ueberzeugung soll man achten, vorausgesetzt. daß sie eben ehrlich ist. Auch der Pazifismus kann eine Ueberzeugung sein. Menschen also, die an den ewigen Frieden glauben, an jene herrliche Zeit, „wo die Fahnen still sich senken und der Kriegslärm ausaegellt, in dem Parlament der Menschheit, in dem Bruderbund der Welt", können beanspruchen, daß man sie ernst nimmt, selbst da, wo auf Grund aller Erfahrungen der Weltgeschichte die Hoffnung auf ein solches Paradies auf Erden nicht geteilt wird. Aber die Voraussetzung dabei ist eben immer, daß es sich um eine ehrliche Ueberzeugung, um ein Ideal handelt. Der deutsche Pazifismus einer gewißen Prägung steht seit langem in dem Geruch, daß in ihm Elemente die Führung haben, denen es nicht so sehr um die Ueberzeugung zu tun ist wie u m d a s Geschäft, das sich daraus machen läßt. Er ist infolgedessen und wenn der Reichsaußen-
........... ____semann vor einigen Jahren in Genf in berechtigter Entrüstung von den „Lumpen gesprochen hat, die neue Lügen gegen Deutschland erfinden, dann hat er mit diesem Temperaments- ousbruch Zustimmung gefunden auch bei denen, die ihn und seine Politik sonst bitter bekämpften. Nun ist es dieser Tage in Berlin zu einem Beleidigungs- prozeß gekommen, der von der Deutschen Friedensgesellschaft gegen rechts- und links- stehende Blätter angestrengt war nur zu dem Zweck, um sich gerichtlich bescheinigen zu lassen, daß der deutsche Pazifismus eine saubere Weste hat. Dieser Zweck ist mißlungen, dabei ist das Urteil nicht das Entscheidende, sondern die Beweisaufnahme. Nur einige Einzelheiten seien berausaegriffen:
Es ist durch Zeugenaussagen festgestellt, daß die französische Liga für Menschenrechte einige zehntausend Franks nach Deutschland überwiesen hat, daß aus der Tschechoslowakei zu demselben Zweck über 80 000 Mark gekommen sind, und zwar sehr wahrscheinlich aus einem Fonds, den Herr Benesch zur Verfügung hatte. Zum mindesten bestanden zwischen ihm und den deutschen Pazifisten sehr enge Beziehungen gerade in den Zeiten, als Herr Benesch der Mittelpunkt des Kampfes gegen Deutschland war. Einer dieser tüchtigen Herren hat sich sogar vom polnischen Konsulat regelmäßig sein Monatsgehalt abgeholt, angeblich als h o n o rar für Artikel, die er auf Bestellung für polnische Zeitungen schrieb. Wie diese Artikel aussehen mußten, wenn der polnische Staat ihm dafür eine Rente zahlte, braucht wohl nicht weiter gesagt zu werden. Wir legen auch kein ausschlaggebendes Gewicht darauf, ob die Führer der Friedensgesellschaft selbst ihr Alibi nachweisen können. Uns genügt das Ergebnis der Beweisaufnahme durchaus; danach ist gerichtsnotorisch, daß, vorsichtig gesagt, unter dem Deck- mantel solcher Friedensorganisationen abenteuerliche Existenzen gedeihen konnten, die bei der Entgegennahme ausländischer Bestechungsgelder keinerlei Hemmungen besaßen und dafür öffentlich Anschauungen vertreten mußten, die immer nur den Splitter im Auge des eigenen Volkes sahen, nie aber den Balken im Auge der anderen. Aber ihre Rolle als bezahlte Kronzeugen des Auslandes gegen die deutsche Politik ist jetzt wohl für immer aus-
Oie Gärung in der Sozialdemokratie.
Die Abgeordneten Scydewitz und Rosenfeld , weiden ausgeschlossen.
Berlin, 30. Sept. (VDZ.) Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat am Dienstag die Abgeordneten S e y d e w i h und Rosenfeld aus derSPD. ausgeschlossen, weil Seydewitz und Rosenfeld als die Gesellschafter der Freien Verlagsgesellschaft, die die Wochenzeitung „Die Fackel" herausgibt, s i ch beharrlich geweigert haben, entsprechend dem Beschluß des Parteiausschusses ihre Tätigkeit e i n z u st e l l e n. In dem Bestehen der Freien Verlagsgesellschaft sah der Parteiausschuß den Anfang einer Sonderorganisation, die nach dem Beschluß des Heidelberger Parteitages unzulässig ist. Es wird betont, daß die beiden Abgeordneten nur wegen dieser sonderorganisatorischen Bestrebungen, nicht aber wegen ihrer kritischen Haltung zur politischen Taktik der Sozialdemokratie erfolgte. Am Sonntag soll in Berlin eine Reichskonferenz der ausgeschlossenen und mit ihnen sympathisierenden Abgeordneten der Sozialdemokratischen Partei stattfinden, auf der von Delegierten aus dem ganzen Reich zur Frage der Gründung einer neuen Partei Stellung genommen werden wird.
nungen — ein Blick in die Tageszeitungen bestätige die große Zahl dieser unverwertbaren Wohnungen — in Kleinwohnungen trete eine Entlastung des Daumarktes ein, und die jetzt entstehenden Steuerausfälle infolge Leerstehens der Grohwohnungen würden durch die Schaffung zusätzlicher Arbeitsmöglichkeiten für das vollständig darniederliegende Handwerk und die Entlastung des Arbeitsmarktes bei weitem ausgeglichen. Der Antrag wurde jedoch a b g e l e h n t.
Ein Landbundantrag, die Regieichng möge bei den öffentlichen Sparkassen dahin wirken, daß bei Zwangsvollstreckungen auf die Notlage der Schuldner Rücksicht genommen werde, fand einstimmige Annahme, ebenso ein Antrag der gleichen Partei, die Regierung möge bei der Landesbank dahin wirken, daß die inzwischen durch die Reichsbankdiskonterhöhung untragbar gewordenen Zinsen für Feldbereinigungen herabgesetzt werden.
Oie hessischen Zentrumskandidaten.
D a r m st a d t, 29. Sept. (WSN.) In einer Landesausschußsitzung der hessischen Zentrumspartei wurden die Kandidaten für den neuen hessischen Landtag bestimmt. Die Liste weist folgende Namen auf: 1. Hoffmann Ministerialrat, Darmstadt; 2. Blank, Landwirt, Gaulsheim; 3. Schül, Amtsgerichtsrat, Offenbach; 4. Wesp, Gewerkschafts, sekretär, Darmstadt; 5. Winter, Rektor, Mainz; 6. Frau h a t t e m e r , Hausfrau, Darmstadt; 7. Weckler, Landwirt, Rockenberg; 8. Dr. ntohr, Professor, Mainz; 9. Hainstadt, Studienrat, Bensheim; 10. Noll, Lederarbeiter, Horchheim bei Worms; 11. Dr. Schmidt, Rechtsanwalt, Mainz; 12. Altmann, Schuhmachermeister und Beigeord- neter, Seligenstadt; 13. Keller, Amtsgerichtsrat, Gießen. Außer den Kandidaten Dr. Stohr, Noll, Dr. Schmidt und Altmann haben alle dem bisherigen Landtag angehört, in dem das Zentrum mit 13 Abgeordneten vertreten war.
tischen Ergebnissen zu gelangen, dadurch bewegen, daß sie sich nunmehr ieglicher Maßnahmen enthalten, die zu einer Erhöhung ihrer Rüstungen führen könnten. Der Dölkerbundsrat wird daher aufgefordert, die Regierungen zu einer Erklärung bis zum 1.November 1931 zu veranlassen, dahingehend, ob sie bereit sind, von diesem Zeitpunkt für die Dauer eine- I a h r e s einen derartigen Waffenstillstand der Rüstungen anzunehmen.
Tagung des Gustav-Adolf-Vereins in Würzburg.
Würzburg, 28. Sept. (WTD.) Die Tagung des Gustav-Adolf-Vereins begann am Samstag mit einer Degrühungsversammlung. Im Namen des Zentralvorstandes der Gustav-Adolf-Stiftung überbrachte Oberkirchenrat O. H i l b e 11 (Leipzig) die herzlichsten Wünsche. Pfarrer G e r st - er g e r (Eger) hielt einen Vortrag über das deutsch-evangelische Leben In der Tschechoslowakei. Dekan Lindner gab bekannt, daß Gemeinde und Kirchenbezirk Wü^burg zum Landesfest eine Liebesgabe von 2400 Mark gesammelt haben. Im Namen des bayerischen Hauptvereins nahm Oberkirchenrat v. R ü d e l freudig bewegt die Gabe mit Dankesworten entgegen und teilte mit, daß
Oas Programm des Deutschen Landvolks.
Schutz der bäuerlichen Beredlungswirtichaft
Berlin, 29. Sept. (TU.) Der Vorsitzende der Christlichnationalen Dauern- und Landvolkpartei, v. H a u e n s ch i l d , hat am Dienstag dem Kanzler die Forderungen seiner Partei überreicht. Vor Pressevertretern führte v. Hauenschild über seinen Schritt beim Kanzler u. a. aus: Nur Eingriffe tief st er Art könnten heute noch zum Ziele führen. Zölle usw. mühten so gehandhabt werden, daß sie eine Inflation ausländischer Lebensmittel auf3 schärfste einschränken. Die deutsche Politik müsse nach außen der Erkenntnis zur Auswirkung verhelfen, daß die Kriegstribute nicht nur unberechtigt, sondern auch ein entscheidendes Hindernis für die Gesundung der Weltwirtschaft seien. Im Innern müsse sie durch strengste Sparsamkeit und durchgreifenden Schuh der heimischen Produktion dem deutschen Wirtschaftskörper neue Kraft entgegen- führen. Die Reichsregierung in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung biete keine Gewähr für eine Politik, die diesen Notwendigkeiten Rech»
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Wettervoraussage.
Der hohe Druck hat nunmehr ganz auf dem Festlande Platz ergriffen und nach verbreiteten Frühnebel. und Dunstbtldungen Aufheiterung gebracht. Indessen hat sich auch die Jslandstörung weiter südöstlich ausgebreitet und ihre Vorläufer bereits bis zur Normandie vorgeschickt. Von den britischen Inseln werden schon verbreitete Regenfälle gemeldet. Bei südlichen bis südwestlichen Winden wird die Warmluft weiter auf das Festland vordringen und Temperaturanstieg sowie Barometerfall verursachen, was zum Abbau des hohen Druckes führen dürfte. Mit dem Vordringen des Tiefs kommt es zum Auf- zug von Bewölkung und beim weiteren Ausbreiten der Ozeanluft auch zu Niederschlägen.
Vorhersage für Donnerstag: Weitere Erwärmung, dabei aufkommende Bewölkung, später auch Niederschläge.
Vorhersage für Freitag: Wechselhaftes und mildes Wetter, vereinzelte Niederschläge.
Lufttemperaturen am 29. September: mittags 13,1 Grad Celsius, abends 7,8 Grad; am 30. September: morgens 4,3 Grad. Maximum 13,5 Grad, Minimum 2,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. September: abends 12,4 Grad; am 30. September: morgens 9,4 Grad. — Sonnenscheindauer eint halbe Stunde.
Schiedsspruch für den Ruhrbergbau.
Lohnsenkung um 7 Prozent. —Beide Parteien lehnen ab
Essen, 29. Sept. (WTB.) In den heute auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten neu ausgenommenen Schlichtungsverhandlungen im Ruhrbergbau unter Vorsitz von Professor B r a h n und der beiden Unparteiischen Regierungspräsident Dergemann und Beigeordneter Dr. Bragard fällte der Vorsitzende mit den Stimmen der unparteiischen Beisitzer einen Schiedsspruch, der eine sibenprozen- tige Herabsetzung der Löhne bis zum 31.Ianuar 1932 bestimmt. Das Arbeitszeitabkommen wurde unverändert bis zum 31. März 1932 verlängert.
Die drei Dergarbeiterverbände haben den heute gefällten Schiedsspruch in der Lohn- und in der Arbeitszeitfrage sofort abgelehnt und folgendes Telegramm an das Reichsarbeitsministerium gesandt: „Bergarbeiterverbände lehnen mit größter Entrüstung Schiedsspruch für Ruhrbergbau ab. Ersuchen dringend, Verbindlichkeitserklärung nicht auszufprechen." Wie verlautet, wird auch der Zechenverband den Schiedsspruch in der Lohnfrage ablehnen, da er, wie behauptet wird, eine nicht genügende Senkung der Löhne herbeiführe, zum anderen, weil sich nicht übersehen lasse, wie sjch die Pfundbaifse im Laufe der vorgesehenen Zeitdauer des Spruches weiter auswirken werde. Das Arbeitszeitabkommen wird von dem Zechenverband angenommen.
Don unterrichteter Seite erfahren wir, daß über die Frage der Verbindlichkeitserklärung oes Schiedsspruchs Mittwoch in Dortmund die gesetzlich vorgesehenen Nachverhandlungen vor einem Vertreter des Reichsarbeitsministers stattfinden. Falls es dabei nicht zu einer Einigung der Parteien kommen sollte, tiyrb sich der Reichsarbeitsmini st er mit der Frage der Verbindlichkeitserklärung befassen müssen. Dabei wird insbesondere zu prüfen sein, ob die im Schiedsspruch vorgesehene Laufdauer von vier Monaten unter den gegenwärtigen Verhältnissen tragbar erscheint und ob die vorge- fchlagene Lohnänderung nicht eine anderweitige Entlastung beider Parteien, vielleicht auf dem Gebiete der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung notwendig macht.
Das Sparsamkeitsgesetz vom Unterhaus angenommen.
Das Kabinett wird weitgehende Vollmachten verlangen.
London, 29. Sept. (TU.) DaS Unterhaus nahm in dritter Lesung das Sparsamkeitsgesetz mit 297 gegen 242 Stimmen an. Daran schloß sich sofort die erste Lesung des Oberhauses, so daß das Gesetz am Mittwoch vorn König unterzeichnet werden kann.
Die Kabinettssihung am Montag hat noch zu keinen abschließenden Entscheidungen Über die weitere Entwicklung der Innenpolitik geführt, so daß das Kabinett die Beratungen afft Dienstag fortsehen wird. Die Gesamtlage hat sich durch eine liberale Denkschrift wesentlich geändert, die von Sir Herbert Samuel im Einverständnis mit Lloyd George, Lord Reading und anderen Mitgliedern der liberalen Partei ausgearbeitet und dem Ministerpräsidenten bereits vor seiner Abreise nach ChequerS übergeben worden ist. In dem Schriftstück wird eine baldige Neuwahl nicht für wünschenswert erklärt. Es werden eine Reihe von Vorschlägen gemacht, wie insbesondere die Handelsbilanz verbessert werden kann und ein dementsprechendes Wiederaufbauprogramm vorgelegt. Es wird ferner betont, daß die Liberalen an sich bereit feien, Zollvorfchlägen näher zu treten, und falls von dem wirtschaftlichen Be- ratungsausschuh konstruktive Vorschläge über den Goldstandard, die Währung, die Danken, die Entwicklung der Industrie usw. gutgeheihen würden, die Regierung bei Durchführung dieser Maßnahmen zu unterstützen.
Die Denkschrift soll auf Macdonald starken Eindruck gemacht und die Grundlage der Kabinettsbesprechungen am Montag gebildet haben. Sie soll mit einigen Abänderungen angenommen worden sein. Das Kabinett wird nun voraussichtlich mit einem neuen Programm vor das Parlament treten. Das Programm soll vom Volk ein Mandat verlangen, das der Regierung die Mittel an die Hand gibt, der gegenwärtigen Schwierigkeiten Herr zu werden und eine neue Wiederaufbaupolitik einzuleiten. Es soll der Regierung überlassenb eiben, von den Zolltarifen nach den Erfordernissen Gebrauch zu machen. Dadurch würde sich die Einheit Im Kabinett wieder Herstellen lassen, das jetzt infolge der Zollfragen in sich gespalten ist. Die Regierung, so sagt die „Times", verlangt also das Mandat eines Arztes, der den Kranken heilen kann, weil ihm alle Medikamente zur Verfügung stehen, und weil er das Vertrauen des Patienten besitzt. Die Kur muß teils national, teils international fein. Die gegenwärtige Krise ist nicht eine Angelegenheit von nur einigen Wochen Dauer, sondern sie bedeutet den Wendepunkt des Jahrhunderts.
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