Einzelbild herunterladen

Ur. 228 (Erftes Blatt

18b Jahrgang

Mittwoch, 50. September (931

vietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmrf und Verlag: vrühl'fche Univerfilütrvuch. »nd Steinönideret H. Lange in Gießen. Sdfriftktteng und Geschäftsstelle: Zchullttaße 7.

Annahme pon Injeiae« für die lagtsnumma di« zum Nachmittag vorher,

Preis für i mm höhe für ?tn)eicien von 27 mm Brette örtlich 8, ausmärt« 10 Reichspfennig.- für Re­kta mean zeigen von 70 mm Brette 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20', mehr.

Chefredakteur

Dr. Frredr. Will). Lange. Verantwortlich für Doltttl Dr. Fr. With. Lana«; für Feuilleton Dr H.IHyriot,- für den übrigen Teil Ernst Btumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich in Gießen.

Eriche ini täglich,avßei Sonntags und Feiertag«.

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle Monats-Sezvgspret»:

2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt.

Herifvrechanfchlüffe nterSammdnummer'2251. Anschrift für Drahtnach­richten »«jetger Ziehen.

poftschecktonto: firanlfurt am Main 11688.

4ln Sie Ärvein

Der Gegenbesuch der französischen Minister La­val und Briand pat den programmähigcn Ter lauf genommen. Erfreulicherweise hat die Bevölkerung Besonnenheit geübt, so baff cs nicht zu Störungen gekommen ist, die für Deutschland nur überaus peinlich hätten sein müssen, lieber den Wert der ihnen dargebrachten Kundgebungen ^werden sich die Franzosen wohl selbst keinen Illu­sionen bingeben. Es durfte ihnen bekannt sein, baff die Mehrheit bes beutschen Volkes zwar eine Der- stänbigung mit Frankreich wünscht, bie zur Ucbertoinbunq ber Weltwirtschaftskrise unerlaff» lich ist, bah sie aber anbererseitS zu sehr unter ben Folgen ber französischen Machtpolitik gelitten bat, als baff sie bie französischen Gäste mit Enthu­siasmus begrüßen konnte. Handelte es sich doch nicht darum, ein freudiges Ereignis zu feiern, sondern den Versuch zu machen, in nüchterner Arbeit ben Grunb stock für bessere Be­ziehungen zwischen den beiden Rachbarländcrn zu legen. Wie weit dies gelungen ist, werden wir trotz aller hossnungSIreudig gehaltenen Eommuni- queS erst in einiger Zeit voll zu überblicken vor­mögen.

Tein äußerlich gesehen ist die Zusammenkunft der beiderseitigen Staatsmänner harmonisch ver­lausen. Der Txinkspruch, den Dr. Brüning bei dem Empfang in der Reichskanzlei auf die Gäste auSgebracht hat, stellt einen Appell an die fran­zösische Ration dar. Es bedeutet nur eine Selbst­verständlichkeit, daß ber Kanzler noch einmal unverhohlen zum Ausbruck gebracht hat, wie weit unb schwierig ber Weg noch ist, ber zurückgelegt werben muh, bis bas erstrebte Ziel enger Zu­sammenarbeit tatsächlich erreicht ist. Der Antwort Lavals war zu entnehmen, bah bet französische Ministerpräsident ben Gegenbesuch nicht nur als einen Höflichkeitsakt gewertet wissen wollte. Die französischen Staatsmänner sinb sich hoffentlich darüber klar, bah diese Versicherung eine Ver­pflichtung einschlieht, nämlich den Willen, nun­mehr mit der Verständigungsbereitschaft wirklich Ernst zu machen. Für die Völker mühte es eine tiefe Enttäuschung fein, wenn die schönen Worte auch diesmal Schall unb Rauch blieben. Laval hat sehr richtig hervorgehoben, bah bas Ver­trauen bie Voraussetzung für ieg- liche Art bes Zusammenwirkens ist. Wir wollen wünschen, bah er hierbei bie unein­geschränkte Gegenseitigkeit im Auge gehabt hat. In ber Vergangenheit haben wir leiber immer toicbcr erfahren müssen, baff Frankreich alle Dinge unter dem Gesichtspunkt seiner Sicher­heit sah, während es die nur zu begründeten deutschen Ansprüche mit Fühen trat. Sollten die Ausführungen Lavals den Sinn haben, daß jetzt ein Wandä in dieser Auffassung eingetreten ist, so wäre ein wichtiger Schritt zu einem besseren Einvernehmen getan.

In den Besprechungen ber Staatsmänner sind auch bie politischen Probleme berührt worben. Die Tatsache, daß der Oes.entlichkcit hier­über keine näheren Mitteilungen gemacht würben, läßt barauf schließen, baff man über bas An - sangsstabium nicht hinausgekommen ist. Etwas anbered war nicht zu erwarten gewesen, so baß biefer Ausgang nicht zu überraschen ver­mag. Es hätte ein Wunber geschehen müssen, wenn mit einem Schlage alle Steine bes Anstoßes zwi­schen Deutschland unb Frankreich aus bem Wege geräumt worben wären. Die seelische Ucbertoin- bung der Vergangenheit, von ber ber Reichs­kanzler sprach, kann schwerlich von heute auf morgen vor sich gehen. Es bedeutet schon einen Gewinn, ber freilich auch nicht überschätzt werben darf wenn bie beiberfeitigen Staatsmänner menschlich einanber näher gekommen sinb, benn bas psychologische Moment spielt auch heute in ber Politik eine große Rolle.

Da-5 greifbare Ergebnis bieses Besuches haben wir in der Einsetzung ber deutsch-französi» schen Kommission für bic wirtschaft­liche 3uf ammenarbeit zu erblicken Daß es zu einer solchen Abmachung kommen würbe, war bereits vor bem Eintreffen ber Franzosen in Berlin bekannt geworden. Die Mitglieder dieses Ausschusses, der teils in Berlin, teils in Paris tagen soll, werden im wesentlichen höhere Beamte beider Länder fein, so daß es sich nicht etwa nur um eine Gutachtertätigkeit der Kom­mission handelt. Daß der Wirtschaftsausschuß sofort gebildet werden wird, ist sicher, daß er sofort ersprießliche Arbeit leisten kann, ist weniger alS wahrscheinlich. Jedoch darf sich die öffent­liche Meinung durch die sachliche Rüchtemheit des amtlichen Berichts nicht irreführen ober gar abschrecken lassen, denn eS ist wieder sicher, daß bei einigem guten Willen mehr zu erzielen ist als eine neue Aktenveröffentlichung, es ist auch sicher, daß zwischen den leitenden Staatsmännern alle- daS berührt worden ist, was der Bericht nicht einmal anbeutet. Aber ber Wirtschafts­ausschuß kann ein Sprungbrett sein für eine Verstänbigung. bie sich nicht nur auf ben gegenseitigen Handelsverkehr beschränkt. Daß der Wirtschaftsausschuß bie politischen Fragen nicht entscheiben kann, ist richtig, inbessen kann bie Bedeutung des Ausschusses gerade darin liegen, daß er durch seine Verhandlungen den Beweis erbringt, daß ohne Lösung der politi­schen Fragen sich kein Weg aus der Wirtschaftskrise finden wird.

Sehen wir uns bie Aufgaben des Aus­schusses näher an, so fällt auf, bah bie Franzosen offenbar großes Gewicht darauf legen, gewisse Wirtschaftsvereinbarungen zu verstärken und aus­zubauen, worunter wohl die K a l i - u n d E i s e n- ver träge sowie die wechselseitigen Verbindun­gen der chemischen Industrie zu verstehen

Die französischen Minister wieder in Paris.

Oie Minister verlaffen deutschen Boden.

Abschiedstelenrainm an den Reichskanzler

Aachen, 29. Sept. (WTB.) Die französischen Minister haben bei Aachen mit dem sahrplan- mäßigen Zuge kurz vor 17 Uhr Deutschland verlassen. Auf bem Bahnsteig bes Haupt- bahnhoseS Aachen hatten sich, wie bei ber Hin­fahrt nach Berlin, bie französische unb belgische Kolonie zahlreich eingesunden. Ein zahlreiches deutsches Publikum wohnte dem kurzen Aufent­halt bei. Der D-Zug nach Paris hatte auf dem Bahnhof Aachen einen planmäßigen Aufenthalt au Rangierzwecken. Diese Pause benutzte Mini­sterpräsident Laval, um sich auf dem Bahn­steig zu ergehen. Briand blieb am Fen­ster des Salonwagens. Beiden Ministern wur­den zahlreiche Blumensträuße überreicht. Vom Zuge aus richteten Laval und Briand an den Reichskanzler das folgende Telegramm: »Wir möchten Deutschland nicht verlassen, ohne Ihnen für den Empfang, den Sie uns be­reitet haben, wie auch für die Aufnahme durch die Bevölkerung unseren Dank anszusprcchen. Im Laufe unserer Unterredungen haben wir f ü r bie Annäherung unfererbeiben Län­der gearbeitet Wir wollen aufrichtig da­hin streben, daß unser gemeinsames Werk von einem vollen Erfolg gekrönt werde."

Eine neue Methode".

Laval über das Ergebnis des Berliner Besuchs

Paris. 30. Sept (111.) Ministerpräsident Ca­nal hat an der ersten französischen Grenzstation 3 eumont der dort nersammelten Bevölkerung folgende Erklärung abgegeben:Wir haben in Berlin die heikelste Aufgabe zu erfüllen ge­habt. vor die sich jemals französische Minister gestellt sahen. Mit dem Besuch wollten wir die Beziehungen zwischen den beiden Ländern durch eine Tat verbessern. Ich habe beim Reich-lanzler Brü­ning die Schaffung eines französisch-deutschen Wirt- schaslsausschusses angeregt. Dieser plan konnte ver­wirklicht werden. Ein Ausschuß wird unverzüglich gebildet, der die Probleme zu prüfen hat, die die beiden Länder interessieren. Dadurch ist eine neat Methode in Anwendung gebracht worden. An­gesichts der augenblicklichen Schwierigkeiten und der Im Vordergründe des Interesses stehenden Fragen mag diese Initiative vielleicht bescheiden er­scheinen. Man wird sie er st nachihren Ergeb­nissen beurteilen können, heute heißt es, nut bie Absicht zu würdigen, die ihr zugrundellegt Alle Maßnahmen, die geplant sind, um dem Elend, das heute in der Welt herrscht. Abhilfe zu bringen, sollen einen Ausgleich herbeiführen und den Frieden festigen. Wir haben nichts von den Unter- essen unseres Landes geopfert, weil wir die Möglichkeit ins Auge faßten, diese Interessen unter den gegebenen Umständen mH den Er­fordernissen der internationalen So­lidarität in Einklang zu bringen. Genau wie gestern in Berlin werde ich demnächst a u ch i n Washington im Jlamen meine» Lande» meinen Teil an den neuen und schweren Aufgaben über­nehmen. die die Weltkrise allen Regierungen auf­erlegt

Die Ausführungen des Ministerpräsidenten wur­den mit lebhaftem Beifall unb den RufenEs lebe Frankreich! ausgenommen. Eine Gruppe von Eisenbahnern, die gleichzeitig Mitglieder eines Front» kämpferverbandes sind überreichte dem französischen Außenminister einen Blumenstrauß. Briand gab hierauf ebenfalls eine kurze Erklärung ab, in der es

sind. Daß andere WirtschastsgruPPen sich eben­falls verständigen können, ist möglich, aber Sinn und Zweck hat Sie Arbeit nur, wenn Frankreich von Anfang an dazu bereit und entschlossen ist, der deutschen Wirtschaft den Weg in das französische Kolonialreich freizugeben. Aber das liegt alles noch in weitem Felde, denn ehe umfassende Wirtschaftsverhandlungen mög­lich sind, wobei selbst Handels- und zollpolitische Fragen eine untergeordnete Rolle spielen sollen, muh Deutschland zunächst wissen, wie eS das Kostenproblem für seine Wirtschaft lösen soll. Deutschlands Lage ist ja deshalb ganz außerge­wöhnlich, weil es einstweilen noch mit dem Zwang belastet ist, Tribute in gewisser Höhe aufbrin­gen zu müssen, waS eine rücksichtslose Ausplün­derung der ausländischen Märkte vorausfetzt. Deutschland ist jederzeit bereit, sich an einer nor­malen Entwicklung der Handels- und Zollpoli­tik zu beteiligen, aber dieser Rormalzustand muß durch die Lösung des Tributprvblems erst ein­mal hergestellt werden. Deutschland kann nicht ein oder zwei Milliarden Mark im Jahre aufbringen, wenn es nicht die Auslandsmärkte dauernd unter Druck setzen will. Deutschland kann cs noch weniger darauf ankommen lassen, daß die anderen Länder auf Mittel und Wege sinnen, um die deutsche Einfuhr von ihren Gren­zen fernzuhalten, woran sich in allerjüngster Zeit sogar Frankreich selbst beteiligt hat.

Auch darin unterscheidet sich die Lage Deutsch­lands von Frankreich, daß Deutschland gerade

u. a. heißt, daß man ihm Betrat an den loten und Verwundeten des Weltkriege» vorgeworsen habe, als er sich zu seiner Friedenspolitik entschlossen habe. Er habe trotzdem fein Kiel weiteroerfolgt, da er der Ueberzeugung gewesen sei, daß d i e ehemaligen Frontkämpfer sich als erste darüber freuen würden, daß ihr Opfer nicht vergebens ge­wesen sei. Diese Hoffnung habe ihn stets gestärkt, und er danke den Eisenbahnern für die neue Ermuti­gung, die sie ihm hätten zuteil werden lasten.

Wieder in Paris.

Bon der Bevölkerung herzlich begrüßt.

Paris, 29. Sept. (WTD.) Um 23.10 Uhr ist der fahrplanmäßige Zua BerlinParis a u f dem Rordbahnhof in Paris eingelausen.

| Eine ziemlich große Volksmenge wartete in dee Bahnhofsvorhalle auf die zurückkchrcndcn fron» i Aösischen Minister, während die offiziellen Per­sönlich eiten und Journalisten teilweise aus dem Bahnsteig zugelassen waren. Dolizei und repu­blikanische Garde sorgten für den Absperrungs- dienst. Der Wagen, dem Laval und Briand ent­stiegen, befand sich am Zugende. Die beiden Minister, bewillkommnet von ihren KabincttS- kollegcn und von dem deutschen Geschäftsträger in Paris konnten sich nur mit großer Mühe und langsam unter dem Beistand einer Gruppe fie umgebender Polizisten einen Weg bis zur Hall« bahnen, wo sie in ihre Automobile stiegen. Di« Volksmenge begrüßte die beiden zurückkehrenden Minister mit dem Ruse:SS lebe Lavall SS lebe Driandl Es lebe der Frieden!".

Dringende Forderungen der wirtschaftlichen Spihenverbände.

Berlin, 29. Sept. (ERB.) Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat gemeinsam mit den übrigen Spihenverbänden der deutschen Wirtschaft dem Reichskanzler, den Ministerpräsidenten der Länder und einer Anzahl führender Parlamen­tarier eine Erklärung zur Wirtschaftspolitik zur Kenntnis gegeben. Einleitend wird festgestellt, daß ein Ausweg aus dem bitter ernsten Zustande der deutschen Wirtschaft nur noch möglich erscheine, wenn die Reichsregierung in kraftvoller Ent­schlossenheit und in voller Unabhängig­keit von Interessenten-und Par tei- Politik denWeg zu fofertigem a n den finde. Die deutsche Politik müsse erkennen, daß es zwischen sozialistischen und ka­pitalistischen Wirtschastsmethoden kein Kompromiß gebe. Sie müsse sich offen und rückhaltlos zu einem Weg. dem deS individua­listischen Wirtschaftssystems, bekennen.

Die Wirtschaft müsse ihrerseits alles daransehen, Handlungen Im eigenen Lager zu vermeiden, die im Widerspruch zum individualistischen Wirt­schaftssystem stehen. Ebenso wie jeder neue Slaalteingrlff in d i e Wirtschaft grundsätzlich abgelehnt werden müsse, müsse auch jede Fehlleitung wirtschaftlicher Kräfte durch Subventionen unter­bleiben. Darüber hinaus habe die Wirtschaft die pflicht, alle Wege zu beschreiten, die eine Auf­lockerung des Preisniveau» herbei­zuführen geeignet feien. Damit stehe aber In unlösbarem Zusammenhänge, daß die Regierung sofort und umfassend die wirtschaft»-, sinanz-undsozialpolitifchenMah- nahmen durchführe, ohne die die notwendige Kostensenkung und Kostenauflockerung unmög­lich sei.

In der Erklärung wird dann weiter die wirt­schaftspolitische Entwicklung der RachkriegSzeit ge­kennzeichnet unter dem Einfluß des erheblich gestiegenen FinanzbedarfS des Reichs, der Länder und der Ge­meinden. der im Jahre 1913 16,2 Prozent des damaligen Volkseinkommens, im Jahre 1928 29 dagegen 30,1 Prozent des Volkseinkommens aue- gemacht habe, und daran die Forderung geknüpft, an die Stelle kapitalzerstörender Eingriffe solche Maßnahmen jju setzen, die die Kapitalbil­dung zu fordern geeignet seien, was gerade jetzt um so notwendiger sei, alsdieVor - gänge in England neue schwere Auswirkun­gen für die deutsche Wirtschaft mit sich brächten.

3n ber Erklärung wirb sodann eine Reihe von Erfordernissen, die schnell unb umfassend oet-

wirklicht werden müssen, ausgestellt: Lin weiterer umfangreicher Ausgaben- und A u s g a b e n a b b a u in der gesamten öffentlichen Hand, damit sich die Repa­rationsentlastung sofort in einer Senkung der die wirtschaftlichen Gestehungskosten besonder» belastenden Steuern auerokfen könne. Line Anpassung der Löhne und Gehälter an die gegebenen Wettbewerbaoerhältnisse (Re­form des Tarif- und Schlichtungswesen»), An­passung ber weit überhöhten sozialen Belastun­gen an» wirtschaftlich Mögliche und durch­greifende Derroallungeoeteln- sachungen auf allen Gebieten der Sozialversicherung einschließlich der Ar­beitslosenversicherung. Senkung der Ta­rife der Reichsbahn, der Reichspost und der gemeindlichen Versorgungsbetriebe. Befreiung des deutschen Geldmarktes vom Druck der öffentlichen schwebenden Schulden durch eine unter Wahrung der Gläubigerrechte erfolgende Konsolidierung dieser Schul­den. Lndgültige SeseitigungallerReste der Zwangswirtschaft, insbesondere auch im Wohnungswesen. Zusammen mit der Erfüllung dieser Forderungen müßten alle zu­künftigen Akte der Gesetzgebung und Schritte der Verwaltung aufgebaut sein auf dem Grund­satz der Sicherung des Privateigen­tums. Ferner fei es eine grundlegende Not­wendigkeit, die Währung gesund zu erhalten. Für die Privatwirtschaft sei eine Auswei­tung des Kreditoolumen» dringend er­forderlich, aber jedesWährungsexperl- m e n ( müsse ganz entschieden a d g e t e h n t werden. 3n ber hanbelspolitik müsse eine Linie verfolgt werben, die der Aufrechterhat- tung und Erweiterung der deut­schen Ausfuhr ebenso Rechnung trage wie der Aufrechterhaltung und Erwei­terung de» Binnenmärkte».

Die Erklärung schließt damit, daß die staatliche, wirtschaftliche und kulturelle Zukunft Deutschlands von folgenden beiden höchsten Grundsätzen ab­hänge. dem freiheitlichen Grundsatz der von den schöpferischen Kräften der Einzclpersönlichkeit deS Arbeitgebers und des Arbeitnehmer- getragenen Privatwirtschaft und dem bindenden Grundsatz der nationalen Idee und der nativ- nalpolttischenVerantwortung.

mit Rücksicht auf die Tributlast gezwungen ist. jede überflüssige Einfuhr zu dros­seln. was sich wieder im wesentlichen nur gegen Frankreich richten kann, dessen Einfuhr nach Deutschland zum größten Teil entbehrlich oder durch deutsche Erzeugnisse zu ersetzen ist. Wenn also Frankreich die Absicht hat, den drohenden Verlust des englischen Marktes durch eine sehr bedingte Verständigung mit Deutschland auszu- tauschen, so hat das auch wieder zur Voraus­setzung, daß Deutschland wissen muß, wie es künftig das Kostenproblem feiner Wirtschaft ordnen kann. Daß deutscherseits alleS geschehen wird, um in der Zusammenarbeit des deutsch- französischen Wirtschaftskomitees ein für beide Länder ersprießliches Ergebnis zu ermöglichen, braucht kaum gesagt au werden. Wir glauben, daß auch die Franzosen alles Interesse daran haben, den praktischen Ruhen dieser Kommission sich erweisen zu lassen. Der Zusammenbruch der Danque Rational de Cr6dit in Paris war e i n Warnungssignal für unseren westlichen Rachbam, und die Aufhebung der Goldwährung in England und in den nordischen Staaten mahnt Paris eindringlich, neue Wege in seiner Wirt­schaftspolitik zu geben. Erkennen die Franzosen die Zeichen der Zeit und tragen sie ehrlich ihr Teil dazu bei, eine wirkliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich auf toirt- schafllichem Gebiet zu fefcaffen, so steigen von selbst die Aussichten auf eine Lösung der poli­tischen Probleme.

Ein Zollunionsplan £e Troquers.

Paris, 30. Sept. (WTD. Funkspruch.) In, Oueore entwickelt Senator und ehemaliger Mi­nister für öffentliche Arbeiten LeTroqueralS Vorsitzender des Komitees für die europäische Zoll Union einenkonstruk­tiven Europaplan". Er bezeichnet es als notwen­dig, daß die 20 Staaten, die bisher die Handels­konvention vom 24. März 1930 ratifiziert hätten, <wch der Osloer Konvention vom 24. Ro- vember 1930 beiträten, durch die bereits sechs Länder, nämlich die Riederlande. Däne­mark, Schweden, Rorwegen, Bulgarien unb Luxemburg, sich verpflichtet hätten, unterein­ander einenZollwaffen still st and gel­ten zu lassen. Ferner käme eine sofortige Durch­führung der vom Kongreß des europäischen Zoll­vereins in Paris empfohlenen Vor sch ägc in F aze, was die Rotwendigkeit bedeute, mit der Schaffung einer regionalen Wirtfchafts - und Zollunion zwischen Frankreich und Deutschland und den Rachbarlän­dern au beginnen und parallel damit mit der Verwirklichung einer regionalen Wirtschafts- und Zollunion der Staaten Mittel- undOsteu- p a s. die am meisten unter der Weltkrise leiden, also Oesterreich, Ungarn, der Tschechoslowakei, Südslawien, Polen und seiner Rachbarländer.

--------------- j