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Oer Etat des Innenministenums vor -em Landtag.!

Darmstadt. 29. April. (WHP.) Präsident Delp eröffnet die Mittwochsitzung um 10.30 älhr mit geschäftlichen Bemerkungen. Aus seinen Mit­teilungen ist bemerkenswert, daß der 1. Mai sihungsfrei" ist. Dagegen tagt der Landtag auch am kommenden Montag. Das Haus trat darauf in die Weiterberatung des Etats ein, die bei der Hauptabteilung (M inisterium des In­nern) Fortgang nahm.

Minister -es Innern Leuschner

wünschte in vier Hauptpunkten seine Meinung darzulegen: die Sparmöglichkeiten, die Frage der Verwaltungsreform, die finanzielle Lage der Ge­meinden und die Tätigkeit der politischen Po­lizei. Sparanträge bei den Zentral­behörden sind besonders beliebt. Jedoch er­scheint die Behauptung, daß durch eine Stellen­reduktion auch die Arbeit vermindert würde, doch wohl zu einfach. Der Landbund verlangt Herabsetzung der Aeferentenstellen von 18 auf 11, weniger als die Zahl der Referenten stellen von 1914. Der Minister weist darauf hin, dah seit 1914 die Ausgaben folgendermahen gewach­sen sind: die Geschäfte der P o l i zei, die früher nebenher erledigt werden konnten, verlangen bei den völlig veränderten Berhältnisien heute drei Referenten; durch Steuer-, Verkehrs- und Wohlfahrtsangelegenheiten werden weiter neu drei Referenten beantragt. Rimmt man noch die Referentin in Frauen - angelegenheiten hinzu, so bedeutet das zusammen eine notwendige Vermehrung der Re­ferentenzahl um sieben. Von der Reserentenzahl des Jahres 1914 ausgehend mühte sie hiernach heute 19 und nicht 18 betragen. An diesen Tat­sachen wird auch die von mir gleichfalls ange- strebte älebertragung von Arbeiten an die Lokal­stellen nichts wesentliches ändern können, weil der Kreis der in Frage kommenden Dienstgeschäfte in einem Land ohne Mittelbehörden, wie Hessen, naturgemäß beschränkt ist. Auch die gesetz­geberische Arbeit darf bei der Arbeits­belastung meines Ministeriums nicht übersehen werden. Die neue Gemeindeordnung ist ein Gesehgebungswerk, das im Rahmen der heu­tigen Gesetzgebungsbefugnis der Länder in jeder Hinsicht an die Spitze gestellt werden muh.

Oie Derwaliungsreform.

Eine AufhebungderstaatlichenPro- vinzialdirektionen schlägt überhaupt nicht zu Buch. Die Antragsteller übersehen, dah die Provinzialdirektoren gleichzeitig Kreisdirektoren sind und Leiter des Selbstvcrwaltungskorpers der Provinz, die bei den wichtigen Aufgaben, die ihnen obliegen, nicht entbehrt werden kön- » neu. Die Kreisneueinteilung würde, so wie ich sie mir denke, im Endzustand eine Ein­sparung von einigen 100 000 Mark bringen. Es ist durch nichts zu beweisen, dah dadurch die Bevölkerung auf andere Weise auch nur annähernd so hoch belastet würde, um so mehr, als bei dem heutigen Zustand die Bevölkerung aus sehr vielen Gemeinden Tagesreisen zurückle­gen muh, um zu ihrer Kreisstadt zu kommen. Grenzregulierungen können aber nicht helfen; jede Erörterung führt zwangsläufig zur Auftei­lung von Kreisen. Ich vertrete deshalb nach wie vor den Standpunkt, dah die Reform ent­weder im ganzen oder überhaupt nicht gemacht werden kann. Ich gebe freilich zu, dah die Beunruhigung, die jede einschnei- Oende organisatorische Aenderung naturgemäß mit 1 sich bringt, nicht gerade jetzt in die Bevölkeruncq . hereingetragen werden sollte. Ich habe deshalb ' auch davon abgesehen, die in meinem Ministe­rium geleisteten Vorarbeiten abzufchliehen.

O.e Notlage der Gemeinden.

Die meisten Sorgen machen mir die Ge­meinden. Die Wirtschaftskrise lostet mit be­sonderem Druck auf ihnen. Die Steuerein­nahmen gehen zurück. So bringen die Reichsüberweisungssteuern im neuen Rechnungs­jahre den Gemeinden nur etwa 17 Millionen Mark (gegenüber 20 Millionen 1930). Auf der anderen Seite st eigen die Wohlfahrts- la st en ins Llngemessene. Die 21 000 Wohl­fahrtserwerbslosen, mit denen im Durchschnitt des Jahres 1931 gerechnet werden muh, bedeuten für die Gesamtheit der hessischen Gemeinden ein­schließlich der Ausgaben für die Krisenfürsorge eine Bela st ung von 2 1 bis 22 Millio­nen. Die Last verteilt sich jedoch keineswegs annähernd gleich, sondern zahlreiche Städte und Gemeinden haben ein Vielfaches der hohen Durch­schnittsbelastung zu tragen. Ohne einen inter- kommunalen Ausgleich, der sich über das ganze Land erstreckt, sind die Verhältnisse nicht zu meistern. Der im Vorjahre geschaffene Aus- gl e i ch s st o ck hat jedoch nicht ausgereicht, um nur den in schlimmster Bedrängnis befindlichen Gemeinden zu helfen. Infolge der starken Er­höhung der Durchschnittsbelastung muß deshalb der Ausgleichsstock für 1931 wesentlich er­höht werden. Auch mit dem Ausgleichsstock können nur für eine Liebergangszeit die dringendst Twtwendigen Mittel aufgebracht werden, um zu verhüten, daß die geforderte Reichshilfe nicyt zu spät kommt. Bei der kata­strophalen Entwickelung der Arbeitslosigkeit kann mir ein Ausgleich, der über das ganze Reich hin wirksam ist, Hilfe bringen.

Die Polizei.

Die Verschlechterung der Wirtschaftslage hat auch zu einer Verschärfung des politischen Kampfes und damit zu einer vermehrten Tätigkeit der politischen Polizei geführt. Man denke nur an die alltäglich erfolgenden Demonstrationszüge, die Hunderte von Teilnehmern auf das flache Land und gerade in denjenigen Gemeinden führen, wo ausreichende Polizeikräfte nicht vorhanden find und wo die zugeströmten rauflustigen Demonstranten oft nichts anderes im Schilde führen, als der eingesesse­nen Bevölkerung die richtige Gesinnung mit schla­genden Argumenten beizubringen. Die Bereitschafts­polizei wie die Kriminalpolizei war ständig unter­wegs, was natürlich auch sehr erhebliche Kosten verursacht hat und unseren Etat recht bedenklich belastet. Die Anspannung des einzelnen Beamten der Exekutive war außerordentlich, so daß ick nicht verfehlen möchte, auch von hier aus der getarnten Polizeibeamtenschaft Den besonderen Dank der Regierung auszusprechen. Die Notverord­nung des Reichspräsidenten hat endlich die Mög­lichkeit gegeben, Abhilfe zu schaffen. Es ist eine sehr scharfe Waffe. Ich habe deshalb mit

allem Nachdruck die mir unterstellten Behörden angewiesen, das politische Leben, das sich in an­ständigen und sachlichen Formen vollzieht, in kei­ner Weise beschränkt werden darf. Wo es jedoch gilt, der Verhetzung und Unterwühlung der öffentlichen Ordnung entgegenzutreten, wird sie mit aller Schärfe und Strenge gehandhabt werden. Das mögen sich auch diejenigen gesagt sein lassen, die jetzt schon an ihre Anhänger genau detaillierte An­weisungen über die Umgehung der Notverord­nung herausgehen lassen. Die Notverordnung richtet sich gegen Ausschreitungen, nicht gegen politische Betätigung. Die Parteien haben es in der Hand, ob sie angewandt wird oder nicht.

Oie Aussprache.

Abg. S t u r m s e l s (Soz.) erkannte die Per­sonalpolitik des Ministers an, der darauf bedacht gewesen sei, die Stellen der Verwaltung mit republikanisch zuverlässigen Personen zu besetzen. Die Rotverordnung sei zu begrüßen. Jedoch verrnisie er eine Bestimmung, die sich dagegen wendet, daß Organe der Republik es unter­lassen, von den geltenden Bestimmungen den Gebrauch zu machen, den man erwarten müsse. Vielfach sei daran die Lässigkeit der Staats­anwaltschaften und der Gerichte schuld. Haupt­aufgabe des Innenministeriums sei die Durch­führung der schon lange versprochenen Ver­waltungsreform. Für die notleidenden Ge­meinden sei der von der Regierung geplante Ausgleichsstock unzureichend. Rvtwendig sei eine Aenderung des Finanzausgleichs. Die Reichsregierung müsse den Gemeinden die Möglichkeiten zur Bewältigung ihrer Aufgaben geben. Man müsse den Gemeinden eine größere Selbständigkeit einräumen, allerdings unter der Aufsicht des Staates. Die Mehrheit seiner Fraktion fei für einen dezentralisierten Einheits­staat. Die Entwicklung der Dinge lasse sich doch nicht aufhalten. Hessen sollte aus der Entwicklungs­tendenz die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Abg." Dr. Keller- Gießen (Zentr.) befaßte sich eingehend mit den von der Regierung beim Innen- Ministerium vorgenommenen Einsparungen. Ebenso groß wie die Krisis der Finanzen und Wirt­schaft sei die Krisis der Staatsgesinnung. Die Ver- waltungs. und Polizeimaßnahmen des Ministers fänden die ungeteilte Billigung feiner Partei. Die Notverordnung des Reichspräsidenten gegen das politische Rowdytum und die Gottlosenpropaganda sei zu begrüßen. (Zuruf des Abg. Hammann (Korn.): Nun machen Sie schon wieder so einen Schlager." Allgemeine Heiterkeit.) Man müsse dem Reichs­kanzler zurufen: Landoogt werde hart! Der Redner forderte schließlich ein Uniformverbot für Hessen, das immer mehr zum Zufluchtsort für die radikalen Verbände werde. Eine Zusammen­legung der Kreisämter lehne das Zentrum ab, da die Städte zur Bedeutungslosigkeit von Landorten herabsinken würden, wenn man ihnen die Kreisämter nehme. Das Wahlrecht müsse ge­ändert und das Wahlalter heraufgesetzt werden.

Abstimmungen.

Hierauf nahm Präsident Delp die gestern zu- rückgestellten Abstimmungen über die Haupt­abteilungenLandtag" undStaatsministerium" vor, die im Sinne der Ausschußbeschlüfse an­genommen wurden. Der Antrag des Abg. Wer­ner (Rats.), die Zahl der Abgeordneten im kommenden Landtag auf 30 festzusetzen, wurde dem Finanzausschuß überwiesen. Der weitere Antrag des Abg. Werner auf Herab­setzung der Landtagsdiäten verfiel der Ab­lehnung. Von den Kommunisten lag ein Miß» trauensantrag gegen das Staatsministerium vor. Präsident Delp stellte demgegenüber folgenden Antrag:Die Regierung besitzt das Vertrauen des Landtages." Dieser An­trag wurde mit den Stimmen der Koalition an­genommen; dagegen stimmten Kommunisten, Deutschnationale und der Abg. Werner (Rats.), während sich Volkspartei, Dollsrechtpartei und Landbund der Stimme enthielten.

Fortsetzung -er Debatte.

Abg. Best (DRP.) stellte den Ausführungen des Ministers eine von ihm verfaßte Llebersicht über die Steigerung-der Haushalts- k o st e n im allgemeinen sowie der Ko st en der Ministerien im besonderen gegenüber. Er könne dem Minister darin nicht zustimmen, daß erst ein Abbau der Staatsaufgaben stattfinden müsse, ehe an einen Abbau der Ministerien ge­dacht werden könne. Dem stehe doch eine hervor­ragende Eigenschaft der Beamten gegenüber, die Eigenschaft des Pflichteifers. Der Gesamtaufwand der Ministerien habe sich gegenüber 1917 ver­vierfacht und gegenüber 1899 nahezu ver­zehnfacht. D.e Regierung müsie unbedigt zu einer Senkung der Ausgaben kommen.

Abg. Leucht gen s (Bbd.) richtet an die Re­gierung die Forderung, auf die Reichsregierung einzuwirren, daß sie ihr besonderes Augenmerk auf den Etat der Gemeinden richte. Hier zeichne sich eine verhängnisvolle Entwiellung ab. Der Ausgleich des Reichsetats verliere voll­ständig an Bedeutung, wenn die Fehlbeträge nun auf einmal in den Gemeindeetats erschienen. Unter feinen Umständen dürften die Kreise auf­gehoben werden, solange nicht an anderen Stellen gespart werde. Die Tatsache lasse sich nicht aus der Welt schaffen, daß gegenüber der Vorkriegs­zeit die Zahl der höheren Beamten im Innenrninisterium von 19 auf 45 ge­diegen sei. Die Ministerien seien in unver­antwortlicher Weise aufgebläht.

Abg.Werner (Rat.-soz.) kritisierte die Ver­waltungsarbeit des Innenministers. Auf Kosten des flachen Landes dürfe nicht gespart werden Der Redner gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Besetzung der Polizei stellen in Hessen mit der gleichen Loyalität durchgeführt werde, wie das vom Minister Frick in Thü­ringen geschehen sei. Der Redner wandte sich ganz entschieden gegen die Methoden der Justiz gegenüber den Rationalsozialisten. Der Rationalsozialismus fei eine völlig legale Bewegung. Man werde der Reichsregierung keine Möglichkeit geben, gegen die Bewegung mit Rotverordnungen vorzuaehen.

Abg. Riepoth (DVP.) übte scharfe Kritik an der Personalpolitik des Innenministers. Der vom Minister eingeschlagene Weg führe zum AntergangdesBerufsbearntentums. Seine Partei begrüße es, daß nun auch die Re­gierung den Plan der Verringerung der Kreis- ämter habe fallen lassen. Das Ziel der Verwal­

tung sei nicht in einer Verminderung der Lo- kalstellen zu erblicken. Vielmehr seien auch aus psychologischen Gründen Sparmaßnahmen in der Zentrale ju fordern. Die Einsetzung von StaatSkommissaren dürfe nur zum Zwecke der Stärkung der Selbstverwaltung der Gemeinden, aber nicht zu deren Untergang erfol­gen. Die Rotverordnung des Reichsprä­sidenten begrüßen wir, weil wir gegen die Ver­wilderung der politischen Sitten sind. Die Autori­tät des Staates müsse gewahrt werden. Dabei dürfe man keinen Unterschied machen, ob es sich um Anhänger oder um Gegner der Republik handele.

Abg. Schreiber (Stp.) sprach dem Minister sein Vertrauen aus. Jedoch müsse endlich einmal der Paragraphenwald beseitigt werden. Zu diesem Zweck sei eine Reuordnung der hessi­schen Polizeiverodnungen angebracht. Auch eine gründliche Aenderung des Polizei­strafgesetzes sei erwünscht. Eine Reform der Kreisgrenzen sei unbedingt erforderlich. Die gefährdete Existenz der Gemeinden könne unter keinen Umständen nur durch Beseitigung der Länder erhalten bleiben. Die Gemeinden mühten gehalten fein, ihre Ausgaben zu senken.

Abg. Axt (Dpt.) wies darauf hin, dah ein Teil der Kriegswohlfahrtslasten, die die Gemeinden im Kriege hätten übernehmen müssen, ihnen nun wieder zurückerstattet werden soll. Eine Erhöhung der Sparkassen­aufwertungen fei infolgedessen wünschens­wert. Die Regierung solle sich in diesem ©imte verwenden.

Abg. Reibe r (Dem.) polemisierte gegen die Ausführungen des Abg. Werner. Die national­sozialistische Bewegung sei niemals dazu berufen, Deutschland auch nur eine Stunde lang zu führen, auch wenn die Zahl ihrer Anhänger noch so an­schwellen würde. Er und seine Freunde würden nicht dulden, daß der Rationalsozialismus in Deutschland auch nur eine Minute lang die Macht egreife.

Donnerstag Weiterberatung des Innenetats.

Giaaishilse für die Gemeinden in Preußen.

Der Staatsrat beschließt Beteiligung an der Fürsorgelast.

Berlin, 29. April. (TU.) Der Preußische Staatsrat nahm am Mittwochabend einstimmig den Jnitiativgesetzentwurf an, wonach sich der preu­ßische Staat im Rechnungsjahr 1931 mit einem Betrage von 250 Millionen Mark an den Kosten der Arbeitslosenfürsorge beteiligen soll. Die Mittel sollen auf die Bezirksfürsorge-Verbände verteilt werden und zwar einmal nach der Zahl der Wohl­fahrtserwerbslosen in den Fürsorgeoerbänden urb zum anderen nach dem Bedarfssatz, der unter Be­rücksichtigung der örtlichen Verhältnisse durchschnit'- sich für den einzelnen Unterstützungsfall festgesest wird. Das Gesetz soll rückwirkende Kraft ab 1. April dieses Jahres erhalten.

Mit dem Gesetzentwurf zugunsten der Erwerbs- losenunterstützung, die den Gemeinden obliegt, hct der Staatsrat zum erstenmal von dem Recht, ein Jnitiatiogesetz vorzulegen, Gebrauch gemacht. Der Staatsrat sieht die Lage der Gemeinden und Gcmeindeverbände so ernst an, daß er ein s o- f o r t i g 6 5 Handeln für geboten erachtet hat. Die Verhandlungen zwischen Reich und Staat schleppen sich eit Wochen hin, ohne daß eine Hilfe für die überlasteten Gemeinden auf dem Gebiet der Wohlfahrtsfür orge eingetreten wäre. Um die Sache vorwärts zu treiben, hat sich dann der Staatsrat in seltener Einmütigkeit zu dem Jnitiativgesetz ent­schlossen.

Die neuesteSpionage-Affäre" in Franlrech.

Paris, 29. April. Die gestern in Paris unter dem NamenP a u l" verhaftete spionageoerdächtige Persönlichkeit ist, wie Havas aus Marseille be­richtet, im vorigen Jahre in Südfrankreich in Begleitung einer Frau aufgetaucht, später aber wieder plötzlich verschwunden. Die Frau soll sich namentlich anOffiziereundSoldatender Fliegertruppe herangemacht haben. Da­mals glaubte man, daß man es mit einem Russen zu tun habe. Gegenwärtig werden in der Provence Nachforschungen angefteüt. In Marseille wurde gestern eine Haussuchung vorgenommen und Doku­mente beschlagnahmt, die in Paris auf ihre Wichtig­keit geprüft werden. Wie verschiedene Blätter berichten hat sich der tag.Paul" selbst a l s Schweizer ausgegeben. Er soll für Rech- nung der Sowjetunion gearbeitet haben. Eine Haussuchung sei gestern auch beim General- fetretär der Kommunistischen Partei von Marseille vorgenommen worden.

Aus aller Welt.

Furchtbare Eisenbahnkatastrophe in Aegypten.

Am Mittwochnachmillag fing ein Ausflügler. 3 u g auf der Strecke AlexandriaKairo Feuer. 38 Personen, darunter zehn Kinder, fanden da- bei den Tod. Drei starben nach ihrer Einliefe­rung in das Krankenhaus, und 36 Personen wurden schwer verletzt, viele Leichen waren bis zur Un­kenntlichkeit verstümmelt. Der Zustand einer Reihe von verwundeten ist sehr ernst. Unter den Toten befindet sich ein Europäer. Der Aus- slüglerzug, auf dem sich die gemeldete Brandkala- ftrophe ereignete, bestand aus alte st em Ma­terial. Der Brand ist offenbar durch öle Er­hitzung der Achsenlager eines am Ende des Zuges befindlichen Wagens 3. Klasse entstanden. Da keine Rotbremse und überhaupt kein Mittel vorhanden war, um mit dem Zugführer in Ver­bindung zu treten, blieben die Bemühungen, ihn aufmerksam zu machen, lange Zeit fruchtlos. In­folge der raschen Fahrt des Zuges griffen die Flammen rasch um sich. Drei Personenwagen verwandelten sich in eine fahrende Hölle; Männer, Frauen und Kinder, soweit sie nicht im Qualm erstickten, stürzten fld) aus Öen bren­nenden wagen und blieben zerschmettert neben den Schienen liegen, halbverkohlte Leichen, Ster­

bende und Wehklagende bezeichnen den Weg de» llnglückszuges. Als der Zug endlich zum Stehen kam, war in den drei vom Feuer erfaßten Wagen nichts mehr zu retten.

Eckeners Luftfahrtpläne.

Dr. Hugo Eckener ist in Paris eingetroffen. Neu Aork Herold" berichtet, daß Eckeners Pariser Aufenthalt vor allem dem Abschluß der Verhand­lungen über die Finanzierung des Zeppe­lin-Nordpolfluges dient. Geldgeber fei der amerikanische Zeitungskönig William Randolph Hearst, der auch die Nordpol-Unterseebootfahrt von Sir Hubert Wilkins finanziert und als Be­dingung für die Geldhergabe an Dr. Eckener eine Begegnung zwifchen Wilkins und Ecke­ner am Nordpol gefordert hat. Dr. Eckener würde, obwohl eine solche Begegnung sein Luft­schiff 600 Meilen von seiner eigentlichen Route ab­bringen würde, diese Bedingung annehmen. Nach der Begegnung mit Wilkins würde Dr. Eckener sich alsdann an die geographische Erforschung des Franz- Joseph-Landes und des Nikolaus II.-Landes machen. Dr. Eckener hat in Begleitung von Vertretern des französischen Luftsahrtministeriums den Flugplatz von Orly, 20 Kilometer südlich von Paris, besich­tigt, wo zwei große Luftschiffhallen aus Beton stehen. Die Besichtigung galt'^Dw- Prüfung der Möglichkeit, dort einen Lufthafe n für Passa­gier- und Frachtverkehr einzurichten, wenn der Luft­schiffverkehr zwischen Deutschland und Nordamerika aufgenommen wird.

Hochgebirgstragödie.

Von Zermatt brachen drei deutsche Touristen zu einer Tour ins Monte-Rosa-Gebiet auf. Zwei andere Mitglieder der Partie, ein Herr und eine Dame, blieben wegen Müdigkeit in der Betemps- Hütte zurück. Das Wetter war sehr ungünstig. Entgegen der Vereinbarung kehrten die drei Touri­sten am Dienstagabend nicht in die Hütte zurück. Erst Mittwoch konnte der in der Hütte zurück­gebliebene Tourist nach Zermatt melden, daß zwei seiner Freunde völlig erschöpft und h allb erfroren nach der Hütte zurückgekehrt seien. Ihr Kamerad ist in eine Spalte des Grenz- g l e t s ch e r s gefallen. Die beiden Zurück- gekehrten haben an der Unglücksstelle bis Mitter­nacht gewartet, von welchem Zeitpunkt ab der Ver­unglückte keine Antwort mehr gab. Rettung scheint nicht möglich.

Erdbeben in Transkaukasien.

Durch ein Erdbeben im transkaukasischen Räte­bundesstaat sind in den von der Katastrophe be­troffenen drei Bezirken der Republik Rachit- s ch e to a n mehrere Dörfer vollständig zerstört, in anderen mehr als die Hälfte ter Häuser ver­nichtet worden. Durch das Erdbeben wurden mehr als 100 Menschen getötet oder verletzt. In Rahitschewan sind 60 Häuser zer­stört worden. In den Städten Gersau und Oschnu- bar fielen insgesamt 380 Häuser dem Erbeben zum Opfer. Da im Erdbebengebiet großer Mangel an Lebensrnitteln und beson­ders an Brot herrscht, wurden auf dem Bahn­hof Tiflis 6000 Tonnen Getreide beschlagnahmt und nach dem Erdbebengebiet abtransportiert.

vom Blitz erschlagen.

Bei Zülkenhagen (Kreis Reu-Stettin, Pommern) suchten auf dem Heimwege von der Ar­beit ter Ofensetzer Hermann und der Dachdecker Wiese bei einem Gewitter unter einem Baume Schuh. Ein Blitzstrahl fuhr in den Baum und zur Erde nieder. Hermann wurde auf der Stelle getötet, sein Begleiter Wiese schwer verletzt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Tiefdruckkern über Dänemark hat sich weiter abgeflacht und verliert allmählich seinen vorherrchenden Einguß. Wohl werden durch ihn immer noch kühle ozeanische Lujtmassen nach dem Kontinent be.ö.dect, die zu Bewölkung und ver­einzelt leichten Schauern führen, jedoch bildet sich über Rordsrankreich und dem Kanal ein Zwischenhoch, das auch bei uns eine vorüber­gehende Wetterberuhigung herbeiführen dürfte. Da aber über dem Rordmeer sich eine neue Störung bewegt, so ist ozeanische Luftzufuhr durch sie bis nach Deutschland nicht ausgeschlossen. Infolgedessen ist gegenwärtig noch keine durch­greifende Beständigkeit der Wetterlage voraus­zusehen.

Aussichten für Freitag: Teils bewölkt, teils aufheiternd, später wieder vereinzelte Riederschläge, leichter Temperaturanstieg.

Aussichten für Samstag: Immer noch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 29. April: mittags 8,8 Grad Eelsius, abends 7 Grad; am 30. April: morgens 6 Grad. Maximum 10,8 Grad, Minimum 4,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. April: abends 9,2 Grad; am 30. April: morgens 6,6 Grad Eelsius. Niederschläge 1,4 mm. Sonnenschein/ dauer 2K Stunden.