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Getreidebörse.

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M. Jahrgang

Donnerstag. 30. April (931

Ertche'n' lüglich.kmtz« Sonntags und Feiertag»

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Vre Illustriert, Etetzenei Familienblättei tzeimal im Dill» Di, Scholl, monats Bejugsprcls: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsenmg für Träge» lohn, auch bei Richter- scheinen emzelnerRummern infolge höherer Gewalt.

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General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friede Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Tlaj Filter, sämtlich in Gießen

Reparationen, Kriegsschulden und Wirtschafiskrifis.

Reichsbankpräsideni Or. Luther über die Ursachen der Wirtschafisnot: Die falsche Verteilung des Goldes über die Erde durch Reparationen und Kriegsschulden.

Berlin, 29. April. (WTB.) 3n der General­versammlung der Anteilseigner der Reichsbank mach eReichsbankpräsident Dr. Luther vor Eintritt in die Tagesordnung einige all­gemeine Bemerkungen. Er ging davon aus, daß die Erörterungen der letzten Zeit über die Be­deutung und den Sinn der Goldwährung, wenigstens dazu beigetragen hätten, dah eines der Haupthindernisse für die Lleberwindung der Weltwirtschaftskrise klar erkannt worden ist und daß man jetzt den Finger auf die Wunde lege. Richt von der Währungsseite her könne die große Rot geheilt werden, sondern die Verteilung des Goldes über die Erde hin sei falsch. Sn Deutschland sei der Goldbestand auf den Kopf der Bevölkerung berechnet von 64 Mk. Ende 1913 auf 36 Mik. Ende 1930 zurückgegangen, in England von 93 Mk. auf 66 Mk., in Frankreich da­gegen von 150 auf 214 Mk. und in den Vereinigten Staaten von 86 auf 161 Mk. gestiegen.

Frankreich habe damit den bei weitem größten Goldbestand von allen Landern der (Erbe; wäh. rend vor dem Kriege sein Goldbestand das Zweieinviertelfache der deutschen Kopfquote ausgemacht habe, machte er Ende 1930 das Sechsfache der deutschen Kopfquote aus. Die Hauptursache der Goldoerschiebungen feien die Reparationszahlungen Deutschlands und die Internationalen Kriegsschuldenzahlungen. Der Ausgleich mühte seitens der Empfängerländer durch Einfuhr ausländischer Wertpapiere ober durch Kapitalexport herbeigeführt werden. Das geschehe aber nicht, besonders seitens Frank­reichs, sondern der Ausgleich werde zum größ­ten Teil durch Goldeinsuhr vollzogen in einer Zeil, wo die ganze Welt und besonders Deutsch­land an hunger nach langfristigem Kapital leide. Der grohe Fehler fei, dah der Weltgold­bestand seiner monetären natürlichen Funktion entkleidet und infolgedessen sterilisiert fei.

Sodann wies Dr. Luther auf die hohe kurzfristige Auslandverschuldung Deutschlands hin, die das deutsche Wirtschafts­leben lähme. Auf diesem Hintergrund« habe sich auch im abgelaufenen Geschäftsjahr die Bank­politik des Instituts abgespielt. Dr. Luther ging dann noch auf die Auswirkungen der Reichstagswahlen vom 14. Septem­ber 1 930 aus die Devisenbilanz der Reichsbank ein, wobei er darauf hinwies, dah ein Ver­lust von über 1 Milliarde Mark ein­getreten sei, der bis heute nicht eingeholt wer­den konnte. Ohne besondere Maßnahmen wäre es nicht möglich gewesen, den Wirtschastsbedarf und den politischen Bedarf Deutschlands an De­visen zu decken, wenn nicht die außerordentlichen Devisenzuflüsse des Winterhalbjahres (Bevor­schussung der Reichsbahnvorzugsaktien usw.) statt­gesunden hätten.

Sn diesem Zusammenhänge betont« Dr. Luther, dah die Besserung der deutschen Außenhandels­bilanz auf eine Verringerung der Ein­fuhr, dagegen nicht auf eine Steige­rung der Ausfuhr, zurückzuführen sei. Die geringe Belebung der Wirtschaft in bcn_ letzten Wochen sei nicht überdas saisonmähige Maß hinausgegangen; auch der Zah­lungsmittelumlauf habe keine ent­sprechende Aufwärtsbewegung ge­zeigt.

Andererseits könne aber darauf hingewiesen werden, dah offensichtlich in wichtigen Wirt­schaftszweigen der Konsum seit längerer Zeit aus Lagerbeständen befriedigt wird, ohne dah eine laufende wiederaufsüllung in hinreichen­dem Umfange siallgefunden hat. Soweit solche Lagerbestände sich erschöpfen, fei mit einer all­mählichen Erleichterung der Krise durch Auf­träge aus Herstellung dieser Konsumgüter zu rechnen.Auherdem soll mit Befriedigung fest­gestellt werden, dah die zusätzliche Rot, die wir aus psychologischen Ursachen seit mehr als einem halben Jahre zu erdulden hatten, im Schwin­den begriffen ist. Das vertrauen im In- und Ausland zur Stabilität der deutschen verhält- nisse wächst erkennbar an. (Ein Spiegelbild der besonders seit Februar sich vollziehenden Wand­lung zum Besseren bietet die Kursbewegung der deutschen Papiere drinnen und drauhen. Der Durchschnittskurs der fest verzinslichen werte an der Berliner Börse hat seinen Höchst­stand vom Sommer vorigen Jahres ungefähr wieder erreicht. Die Ausländsanleihen haben ebenfalls den größten Teil der Kurseinbuhen an den Auslandsbörsen wieder aufholen können.

Der Zins für langfristiges Geld ist in Deutsch­land im Zusammenhang mit dem Erfolg des 7prozentigen Pfandbriefes etwas gesunken. Diese somit eingetretene ruhigere Beurteilung enthebt die für das deutsche Volksschicksal Verantwort­lichen in keiner Weise der Rotwendigkeit tat­kräftigen Handelns, drückt aber das be­

rechtigte Vertrauen des Sn- und Auslandes aus, daß die deutsche Wirtschaft und das deutsche Volk, die vor, während und nach dem Kriege so gewaltiges geleistet haben, auch der Schwierig­keiten der Gegenwart Herr werden."

DerJahresbrrichtderReichsbank

Die deutsche Wirtschaft unter dem Druck der Reparationen.

Berlin, 29. April. (TU.) Auch der Sah- resbericht der Reichsbank für 1930 ent­hält dieses Mal bedeutsame politische Feststel­lungen. So stellt der Bericht ausdrücklich fest, dah die seit 1928 zu beobachtende Verschlechterung des deutschen Wirtschaftslebens während des Be­richtsjahres unter den Einwirkung der Weltwirt- schaftslr.se sich außerordentlich ver­schärft habe. Daß Deutschland überhohe Reparationslei st ungen zu tragen habe, gebe der inländischen Depression chre besondere Schwere. Unter dem Zwange seines Kapital­defizits müsse Deutschland mit aller Macht an der Besserung seinerHandelsbilanz arbeiten, die Ausfuhr um jeden Preis stei- ?ern und zugleich die Einfuhr einschrän- e n, was die Weltwirtschaftskrise weiter zu verschärfen geeignet sei. Dabei falle erschwerend ins Gewicht, dcch die Reparationszahlungen seit

Deendigmia der Pariser Konferenz ihrem! realen Wert nach um ein Fünftel ge­wachsen seien. Es zeige sich mit erschreckender | Deutlichkeit, was die deutschen Vertreter bei der Pariser Konferenz fortgesetzt aber erfolglos betont hätten, nämlich daß der unaufhörliche Druck der Forderungen der Siegerstaaten immervonneuem pvlitischeund wirt­schaftliche Erschütterungen verur­sache. Die dem deutschen Wirtschaftsapparat unter diesem Druck aufgebürdeten Lasten liehen chm keine ausreichende Rente. Der bis­her beschrittene Weg, die zur Deckung bei? Re­parationen und des wirtschaftlichen Kapital­bedarfs benötigte Beträge durch Aufnahme von Auslandschulden auszubringen, habe zuäuherst gefährlichen und auf die Dauer un­erträglichen Zinslasten geführt. Der Bericht betont sodann, dah diese Lage den Rähr- boden für Währungsbesorgnisse ähn­licher Art gebildet habe, wie sie schon iim Vor­jahre während der Pariser Konferenz auf getreten seien, die diesmal durch innerpolitische Vorgänge ausgelost worden seien, die als Reaktion einer auf die Spitze getriebenen Dolks- nvt gewertet werden müßten. Die Reichsoank habe indessen den Beweis liefern können, daß alle Befürchtungen wegen der Stabilität der Reichsmark durchaus grundlos seien.

Cm neue# priisnngsvrgan für die Zollunion.

Das Komitee zur Kontrolle der Pfänder für die österreichische Völkerbunds­anleihe soll einberufen werden.

Ein gefährliches (Spiel.

.Man glaubt zu schieben, und man wird geschoben."

Die deutsch-österreichische Zollunion ertrinkt all­mählich in der Fülle von Kommissionen, die ge­bildet sind oder gebildet werden sollen, um den Franzosen den Gefallen zu tun, dem ersten prak­tischen Versuch einer wirtschaftlichen Annäherung Mitteleuropas Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Das neueste auf dem Gebiet haben sich die Staliener geleistet. Sie wollen den Aus­schuß wieder ausgraben, der zu Zwecken der Finanzkontrolle im Sahre 1922 gegründet wurde, um ihm die Frage vorzulegen, ob die Zollunion dem Anleiheprotokoll widerspräche. Das merkwürdige ist nur, daß dieser Ausschuh eigentlich gar nicht mehr besteht und von den Gläubigermächten nur wieder einberufen werden kann, wenn die Gefahr besteht, dah die öster­reichischen Pfänder für den Anleihe- dienst nicht mehr ausreichen oder das Gleich­gewicht des österreichischen Haus­haltes ins Schwanken kommt. Beide Voraus­setzungen treffen doch im vorliegenden Falle offenbar nicht zu, denn darin besteht eigentlich auf keiner Seite mehr ein Streit, daß Oester­reichs Zolleinnahmen durch den Anschluß an das deutsche Zollsystem wesentlich erhöht werden, die für die Anleihe gegebenen Sicherheiten also sich nur verstärken.

Trotzdem kann Stalien mit seiner Anregung natürlich die Absicht haben, den Franzosen einen Knüppel zwischen die Deine zu werfen. Denn, wenn dieser Ausschuß zu dem Ergebnis kommt, dah Bedenken gegen die Zollunion aus dem Gesichtswinkel der Konvention von 1922 nicht vörliegen, dann sind ja eigentlich alle weiteren Unterhaltungen in der Europa-Kommission und im Dölkerbundsrat überflüssig. Das Urteil wäre dann schon gesprochen, bevor Frankreich dazu kommt, seine eigentliche Anklagerede zu halten. Es will uns nur scheinen, als ob in Rom über­sehen würde, dah der Finanzkontrollausschuh automatisch dann nicht nur die finanziellen, son­dern auch die politischen, wirtschaft­lichen und rechtlichen Grundlagen der Zollunion nachprüfen wird, dah also gerade das geschieht, was von deutscher Seite von Anfang an mit Entschiedenheit a b ge­lehnt wurde, noch dazu in einem Ausschuh, dem Deutschland nicht angehört.

Es würde uns also nicht wundern, wenn Herr Driand diese Bedenken Staliens mit Freuden auf g re i f t und darin praktisch eine Verwirk­lichung seiner Absicht sieht. Denn ob Stalien nachher stark genug ist, um den Stein aufzuhalten, wenn er einmal im Rollen ist, bleibt zum mindesten zweifelhaft. Man sollte deshalb die Suche nach neuenGremien" unterlassen und sich an das Programm halten, das ja nun einiger­maßen feststeht, daß der Europa-Aus­schuß sich mit den Möglichkeiten beschäftigt, die aus der Zollunion für ganz Europa entstehen

können und dah bamt noch die Suriften ihr Sprüchlein hersagen, daß aber im übrigen poli­tische Sach Prüfungen ober Ginmischungsversuche zu unterbleiben haben.

Frankreich begünstigt den plan.

Was soll der Kontrollausschutz?

Gens, 29. April. (TU.) Wie der Vertreter der Telegraphen-Union" von gut unterrichteter Seite erfährt, sind seit einigen Tagen geführte Verhand­lungen über die Einberufung des in dem zweiten Genfer Protokoll vom Jahre 1922 eingesetzten Kontrollausschusses für d i e österrei- chische Völkerbundsanleihe noch nicht abgeschlossen, doch wird allgemein die Einbe­rufung des Ausschusses für den 10. Mai nach Genf erwartet. Die endgültige Entscheidung hier­über soll in den nächsten Tagen fallen. Der Wunsch auf Einberufung des Ausschusses soll, wie hier ver­lautet, von Frankreich ausgehen, jedoch haben sich in den Verhandlungen einige Mächte dem Wunsche angeschlossen.

Der Kontrollausschuß, dessen Befugnisse in dem zweiten Genfer Protokoll ausschließlich auf f i n a n z t e cy n i s ch e Fragen beschränkt sind, könnte lediglich darüber 'entscheiden, ob die bei dem Abschluß der Völkerbundsanleihe von Oesterreich verpfändeten Zolleinnah­men durch das deutsch-österreichische Zollabkommen berührt werden. Nach den Bestimmungen des Ar­tikels 12 des zweiten Genfer Protokolls vom Jahre 1922 kann eine außerordentliche Tagung des Kon­trollausschusses jederzeit auf Grund eines von zehn Stimmen unterstützten Antrages einberufen werden. Nach der Vertellung der Stimmen, die nach den Anteilen der österreichischen Anleihe berechnet werden, rechnet man hier, daß bei den etwaigen kommenden Verhandlungen des Ausschusses voraussichtlich ein Mehrheits­und ein Minderheitsbericht zustande- kommen wird. Es dürfte dem Ausschuß unmöglich sein, ohne Mißhandlung der wirtschaftlichen Logik die Pfänder durch die Zollunion als gefährdet zu bezeichnen, da die Zolleinnahmen nicht nur gegen­wärtig mehr als ausreichen, sondern durch die Union mit dem Reich trotz des Fortfalles eines Teiles der österreichischen Zollgrenzen eine w e - sentliche Steigerung erfahren dürften. Die französische Regierung will aber anscheinend nichts unversucht lassen, durch jeden nur erdenklichen Druck die bevorstehende Aussprache im europäischen Aus­schuß und im Rat wenigstens zu präjudizieren.

Ein Versuch mit untauglichen Mitteln.

Abwehr der österreichischen Presse.

Wien, 29. April. (WTD.) Die bisher unbe­stätigt gebliebene Meldung derRömischen Tri- buna, daß das Finanzkontrollkvmitee für Oesterreich angerufen werden soll, um zu prü­fen, ob der Pinn des deutsch-österreichischen Zoll- abkommens mit dem Oktoberprotokoll vom Sahre 1922 im Wiberspruch stehe, findet in einer Reihe von Blättern energische Abwehr. Die Reichspost" schreibt: Eine derartige Aktion steht im offenen Widerspruch zu den Bestimmungen der Genfer Konven­tion. Das Komitee hnt die alleinige Aufgabe, die Sicherheit des Zinsendienstes für die Dölkerbundsanleihe zu überwachen.

Diese Anleihe gehört zu den bestgesichertsten An­leihen der Welt. Es besteht also die absolute Ge­währ dafür, daß die Einnahmen Oesterreichs aus den Zöllen auch im Falle einer Zollunion erhalten bleiben. Sn denWiener Reuesten Rachrich­ten' heißt es: Richts beweist Wohl klarer und deutlicher die Stärke der Position Deutschlands und Oesterreichs in der Angelegenheit der Zoll­union als die endlosen Quertrei­bereien, welche seit Veröffentlichung des Vor­vertrags gegen ihn im Gange sind. Die neueste Leistung der politischen Sntriganten, dem Zoll- unionsplan auf dem Wege über das Kontroll­komitee für die österreichische Völkerbundsanleihe auf den Leib zu rücken, ist ein Versuch mit völlig untauglichen Mitteln. Die Auf­gabe des Komitees beschränkt sich darauf, die Sicherheit des Zinsendienstes für die Völkerbunds­anleihe zu überwachen; mit dem Zollunionsplan: als solchen hat es überhaupt nichts zu tun.

Oie Sozialdemokraten beim Reichskanzler.

Der Brotpreis. Der sozialpolitische Kurs

Berlin, 29. April. (ERD.) Wie wir erfahren, hatten die Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, die Abgeordneten Dr. Breit­scheid, Dr. Hertz und Dr. H i l f e r d i n g, heute vormittag eine eingehende Besprechung mit Reichskanzler Dr. Brüning, in der sie auf den Ernst der Lage hinwiesen, der nach ihrer Ansicht durch die Erhöhung des Brotpreifes und die vom Reichsernährungsminister beabsich­tigten weiteren Zollmatznahmen ge­schaffen worden ist. Shre Fraksion lege den größ­ten Wert darauf, daß die Regierung die gesetzliche Verpflichtung erfüllt, den Brotpreis auf dem Stande des letzten halben Sahres zu halten. Die Verbilligung dürfte nicht durch eine Verschlechterung der Qualität herbeigeführt wer­den, sie sei vielmehr durchdieCrmätzigung der Zölle zu erreichen. Auch die sonst geplan­ten Zollmahnahmen seien geeignet, die Lebens­haltung zu verteuern, den Sndustrieexport zu beeinträchtigen und damit die Arbeitslosigkeit zu vermehren.

Reichskanzler Dr. Brüning erklärte, dah die Reichsregierung die Absicht habe, den Brot- Preis auf dem alten Stand zu halten. Auf welchem Wege die Verbilligung durchge­führt werde, darüber werde das Kabinett sehr bald entscheiden. Außerdem wurde in der Be­sprechung noch die Finanzlage der öffentlichen Körperschaften behandelt und im Zusammenhang damit kamen auch die sozialpolitischen Maßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit, zur Verkür­zung der Arbeitszeit und zur Siche­rung der sozialen Leistungen zur Sprache. Aus den Erklärungen des Kanzlers er­gab sich, daß die Beratungen des Kabinetts Über diese Fragen noch nicht abgeschlossen und daß Entscheidungen in bet unmittel­baren Zukuns t nicht zu erwarten sind. DerAbend", das Spätblatt desVorwärts", bemerkt zu der Besprechung, daß man die Mah- nahmen der Regierung nun zunächst abwarten müsse, dah aber die Besorgnisse der SPD. durch die Erklärungen des Kanzlers noch keineswegs völlig zerstveut seien.

Heute empfing der Reichskanzler auch noch den Landvolkführer Dr. Gereke. Sn dieser Besprechung wurde ebenfalls die gesamtpolitische Lage erörtert. Vorher hatte Dr. Gereke noch eine Unterhaltung mit dem Reichsernäh- r u n g s m i n i st e r, die sich naturgemäß beson­ders auf die Zollforderungen der Landwirtschaft bezog.

Hindenburg an den Arbeitsausschuß deutscher Verbände.

Berlin, 29. April. Reichspräsident von Hindenburg hat dem Arbeitsausschuß deutscher Verbände, der auf sein zehnjähriges B e ° ft e h e n zurückblickt, folgendes Handschreiben ge­sandt:

Am 30. April find zehn Jahre vergangen, seit­dem der Arbeitsausschuß deutscher Verbände ins Leben gerufen wurde. Während dieser Zeit hat der Arbeitsausschuß unermüdlich und unter Zusammenfassung der politischen Kräfte aller Richtungen im Dien st e des Vaterlandes gewirkt. Seiner Aufklä­rungsarbeit ist es vor allem zu danken, daß d i e Wahrheit über d i e Entstehung des Weltkrieges seitdem in der ganzen Welt an Boden gewonnen hat. Es ist mir eine be­sondere Freude und Genugtuung, dies am heutigen Ehrentage des Arbeitsausschusses feststellen zu können.

Aber dasZielistnochnichterreicht. Das ganze deutsche Volk ist einig darin, daß der Kampf um die Wahrheit nicht aufhören darf, bis der Gerechtigkeit zum Siege verhalfen ist. Möge dem Arbeitsausschuß bei der Verfolgung dieses Zieles zum Heil und zur Ehre unseres Vaterlandes auch künftig Erfolg befchieden fein!

Gez.: von Hindenburg."