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Universitäten werden erst morgen, am Freitag, am Samstag und am nächsten Montag oorliegen.

Eine große Menschenmenge wartete heute a u f den Premierminister in Downingstreet und stürmte vor Begeisterung fast feinen Kraftwagen, der ihn vom Flugplatz, wo er aus Seakam ein­getroffen war, nach seiner Wohnung brachte. Man konnte es Macdonald ansehen, daß er in den letzten Tagen nur wenig Schlaf genossen hatte. Er erklärte:

bin dem Lande sehr dankbar, daß es uns eine solche Unterstützung gegeben hat. Sowohl seinen politischen Gegnern wie besonders seinen tatkräftigen Mitarbeitern wünsche er zu versichern, daß der Triumph der Nationalregierung nicht etwa zu einer Vernachlässigung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung ausgenutzt werden solle, die ihren vol­len Anteil an dem nationalen Erfolg gehabt habe.

Snowden

erklärte: Die Demokratie habe ihr Vertrauen in ihre Führer bewiesen. Er selbst könne sich über das Unheil, da- die Arbeiterpartei befallen habe, nicht freuen, er bedauere eS vielmehr, daß die Arbeiterführer diesen Zusammenbruch durch ihren unsinnigen Mangel an Verantwortungsgefühl und Verständnis für den Geist des Volkes über sich und über die Partei gebracht hätten. Sie hätten gehofft, die Erwerbslosen für ihre Parteizwecke auszubeuten. Gerade die Wähler der 3n- dustriebezirke, in denen die Arbeitslosig­keit am größten sei, hätten den sozialisti­schen Führern eine vernichtende Ab­sage erteilt. Das Wahlergebnis bedeute je­doch nicht das Ende der Arbeiterpartei. Sie werde unter Führung neuer Männer wieder auferstehen, die über ausreichende Weitsicht und Mut vcrsügten. Das Ergebnis werde zum Vesten der Partei ausschlagen, wenn sie die ihr erteilten Lehren beherzige.

Baldwin

erklärte, daß man das Wahlergebnis nicht als einen Parteisieg auffassen dürfe. Es sei vielmehr ein begeistertes Geständnis des ganzen Volkes zugunsten einer gemeinsamen Zusammenarbeit, um daS Haus in Ordnung zu bringen. Die Wahlen würden in der ganzen Welt ihren Widerhall finden und das Vertrauen in die Beständigkeit und Gröhe Englands wiederherstellen. In der Heimat wür­den die Wahlen den politischen Parteien eine Lehre dafür sein, dah der gesunde Verstand des britischen Volkes gegcndemaaogifchePro- paganda gefeit sei. Die Demokratie habe sich in der großartigsten Weise selbst gerecht­fertigt. Vicht zu vergessen in diesem Augenblick des Triumphes sei jedoch die ungeheure Verant­wortung, die auf den Schultern der Rational- regierung liege, der die Arbeiter der ganzen Station ihr Vertrauen entaegengebracht hatten, das keineswegs von der Regierung enttäuscht werden dürfe.

Oie Gchutzzollfrage.

verstärkter Druck der Konservativen.

London. 28. Okt. (ERD.) 3n politisch inter­essierten Kreisen werden heute abend lebhaft die Möglichkeiten einer Kabinettsumbildung infolge der Wahlen diskutiert. Snowdens wahr- scheinlicherRücktritt macht die Ernennung eines neuen Schal',kanzlers in der sehr nahen Zu­kunft notwendig. 5>.c riesige äleberlegenheit der Konservativen im Parlament wird zwcisellos einen erhöhten Druck auf die Regierung auSlösen, ein umfassendes T a r i s s h st e m einzufüh- ren. Während man erwarten kann, dah Baldwin und seine konservativen Kabinettskollegen loyal die Bedingungen der freien Hand beobachten wer­den. um die der Premierminister ersucht hat und zwar auch in der Zolltariffrage, wird zweifellos die große Masse der Konservativen ungeduldig werden, wenn die Einführung von Zolltarifen lange hinausgeschoben wird. Die Haltung der beiden liberalen Kabinettsmitgliedcr Sir Herbert Samuel und Sir Donald Maclean wird, wenn die Dariffrage vor das Kabinett kommt, wahrscheinlich einen wichtigen Einfluh auf die Kabinettsumbildung haben. Sollte der Druck der großen Masse der Konservativen zugunsten eines umfassenden Tarifes zu hartnäckig werden, so kann es gut sein, dah Sir Herbert Samuel und Sir Donald Maclean ihre Stellung im Kabinett un­haltbar finden und sich schließlich gezwungen sehen, das Kabinett zu verlassen. Sir John Simon wird im Zusammenhang mit der Besetzung eines wich­tigen Regierungspostens genannt. Für den Fall, daß Tarife über eine gewisse Beschränkung hinaus angenommen werden, besteht die Möglichkeit, dah Lloyd George seine Unterstützung der natio­nalen Regierung zurückzieht und völlige Unab- hängigkeit ihr gegenüber annimmt.

GegenZollkontingente im deutsch- schweizerischen Handelsverkehr.

Berlin 28.Okt. (ERD.) Die schweizerische Regierung hat bei den gegenwärtig in Bern ge» führten Verhandlungen über die Reurcgclung der dcutsch.schweizer'fchen Handelsbeziehungen die Forderung nach Einführung gewisser Zollkontingcnte erhoben. 3n seiner gestri- acn Sitzung hat sich das Reichskabinett gegen diese Forderung ausgesprochen. Für den Beschluß war vor allem die Erwaguna maßgebend, daß eine Einschränkung der deutschen Ausfuhr zu S ch w i e - rigkeiten bei der Erfüllung deut- scher Verbindlichkeiten gegenüber dem A u s l a n d e führen müßte, äeberdies war von schwe rer.scher Seite verlangt worden, daß der Gegenwert dieses eingeschränkten Exports nicht ohne weiteres an die deutschen Gläubiger ab- gesuhrt. sondern zunächst einmal zu einer Art bevorrechtigter Befriedigung ge­wiss er schweizerischer Forderungen verwendet werden sollte. Dieser Zahlungsmodus mußte auch schon deshalb abgelehnt werden weil er etnen bedenklichen Präzedenzfall geschaffen hatte.

SS bleibt abzuwarten, ob die Schweiz ihre Fvr- derungen für ?o unerläßlich hält, daß sie deren Ablehnung mit der bereits in Aussicht gestellten Kündig u n g deS Handelsvertrags zum 1. Februar n. 3. beantwortet, oder ob daS gemeinsame Streben nach Verineidung n uer Be­unruhigung und Erschütterung der europäischen Gesamtwirtschaft in letzter Stunde zu einer Ver­ständigung führt, wie sie sicherlich in der Linie der seit Jahren in Genf verfolgten Bemühungen um die Schaffung stetiger Auslauschbeziebungen Insbesondere innerhalb Europa» liegen würde

Eröffnung des Wirffchastsbeirais.

Hindenburgs Appell zu gemeinsamer Arbeit unter Rückstellung aller Gonderintereffen.

Berlin. 29. Okt. (ERB. Funkspruch.) Die Verhandlungen des WirtschaftsbeiraLs. die die ganzen nächsten Wochen aus^üllen werden, wur­den heute vormittag um 11 älhr durch den Reichspräsidenten eröffnet. 3n dem äußeren Bilde der Wilhelmstrahe machte sie sich durch die große Wagenauffahrt vor dem Hause des Reichspräsidenten bemerkbar. Auf der ge­genüberliegenden Seite der Straße hatte sich eine zahlreiche Zuschauermenge eingefunden. Die Konferenz selbst findet in dem Saal der ersten Etage statt. An der Sitzung nahmen außer dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler sämtliche Reichsminister teil, ferner ReichS- bankpräsidcnt Dr. Luther, die Mitglieder des WirtschaftsbeirateS und der Generaldirektor der Reichsbahn.

Reichspräsident von Hindenburg empfing sie im großen Saale des Präsidenten- hauscs und begrüßte sie hier mit folgender An­sprache:

..Meine Herren, es ist mir eine angenehme Pflicht. Sie. bevor wir an die ernste Arbeit gehen, willkommen zu heißen und 3hnen für die Bereitwilligkeit zu danken, mit der Sie meinem Ruse Folge geleistet und 3hre Mitarbeit zur Verfügung gestellt haben. Die schwere Krise der Weltwirtschaft und Deutschlands besondere Wirt­schaftsbedrängnis. erfüllen die Zeit mit bangen Sorgen, sie rütteln an den Frontpfei­lern des wechselseitigen Vertrauen- und erschüttern die Zuversicht in die Erhaltung der Grundlagen unserer Vol^wirtschast. 3m Be­wußtsein der Verantwortung, die ich vor dem deutschen Volke und vor meinem Gewissen habe, habe ich mich entschlossen, angesichts der außer­ordentlichen Wirtschaftswirrnis einen beson­deren und außergewöhnlichen Weg zu beschreiten. 3ch habe auf Vorschlag der Reichs­regierung aus führenden Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, aus den großen Wirtschafts­gruppen von 3ndustrie. Landwirtschaft. Handel. Handwerk und Kleingewerbe, aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Wirtschafts- b e i r a t zufammenberufen, und Sie. meine Her­ren. zu einer gemeinsamen Beratung mit der Reichsregierung zu mir gerufen, um der Reichs­regierung bei ihren Bemühungen um einen Weg zu helfen, auf dem die wirtschaftliche und soziale Rot des deutschen Volkes zum Besseren gewandt werden kann. Riemand von Ihnen wird verkennen, in wel­chem Maße die Lage Deutschlands durch politische und weltwirtschasiliche Umstände bestimmt wird. Hier liegen die großen und schweren Aufgaben der deutschen Außenpolitik.

von Ihnen aber erwarte ich. dah Sie sich mit mir und mit der Reichsregierung von dem unbeugsamen Dillen beseelen lassen, wie auch immer die Entwicklung der Dell sein mag, ausdereigenenüraflDeutschlands heraus von unserem Volke abzuwenden, was

eigene» handeln nur immer abzuwenden ver­mag. Rur so wird eine Grundlage geschaffen für die notwendigen internationalen Bemühungen zur Lösung der gesamten Weltkrise. Rur da» vewuhtsein solcher Pflichterfüllung und äuher- fter ftraftanftrengung wird unser Volk befähigen, in innerer Verbundenheit und mit nationaler Würde da» zu tragen, roa» sich in seinem Schicksal al» unabweisbar erweist. Die Aufgabe, die Ihnen gestellt wird, kann nur bei rich­tiger Bewertung der wirtschaft­lichen Kräfte und in gerechter Ab­wägung widerstr ebender Inter­essen geleistet werden. Ich erhoffe als Er­gebnis dieser Zusammenarbeit wirffchaftlicher Sachverständiger für die Reichsregierung einen Ausgleich wirtschaftlicher und so­zialpolitischer Gegensätze und eine Besserung der deutschen Dirtschaftsnot. Denn diese schwere Aufgabe gelöst werden soll, so muh sich jeder von Ihnen für die Gesamtheit de» deutschen Volke» und dem eigenen Gewissen verantwortlich fühlen, muh sich j e b e r inner- l i ch lo»lösen von Gedanken an Gruppeninteressen und an Einzel- r ü ck s i ch t e n. nur wenn solche Gesinnung Sie, meine Herren , erfüllt, werden Ihre Beratungen den wirklichen Werl und die Überzeugende Kraft besitzen, ohne die ein gesunde» und lebensstarke»

Volk sich nicht führen läht.

Wenn das deutsche Volk durch die wirtschaft­lichen und moralischen Wirrnisse und die Gefah­ren innerer Zersetzung hindurch zu besserer Zu­kunft gelangen soll, so ist hierfür Voraussetzung, dah die Führer der Wirtschaft zusammen mit der Reichsregierung einen klaren und zielsicheren Weg gehen. Möchte 3hre Zusammenarbeit, meine Herren, Ergebniffe zeitigen, welche die Reichsregierung in den Stand setzen, aus Grund der verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit, die ihr die Pslicht der Führung zuweift, mir wirksame Maßnahmen zur Wiederherstellung unserer Wirt­schaft und zur Aufrechterhaltung des sozialen Friedens vorzuschlagen. Dieses Ziel fest vor Augen, lassen Sie unS nunmehr an die gemein­same Arbeit gehen."

Der Reichspräsident eröffnete dann im SitzungS- saale die erste gemeinsame Sitzung deS Wirtschaftsbeirates und der Reichsregierung und erteilte zunächst dem Reichskanzler Dr. Brü­ning das Wort. Der Reichskanzler legte in sei­nen Ausführungen die Wirtschaftslage und die zur Besserung der Wirtschaftsnot in Frage kom­menden Möglichkeiten dar. Hieran schlossen sich ergänzende Darlegungen des Reichswirtschafts­ministers Dr. W a r m b o l d und des Reichsbank- präsidenten Dr. Luther an. Es folgte eine all­gemeine Aussprache, die nach einer Mittags­pause um 17 älhr fortgesetzt wird.

Die Regelung der Auswerlungshypolhekeu.

Besprechung der Interessenten im Reichsjustizministerium.

Berlin, 28. Oft. (ERD.) Lieber die Frage der Regelung der fällig werdenden Aufwertungshypotheken fand unter Vorsitz des Ministerialdirktors Volkmar im RLichsjustizministeriurn eine Sitzung statt. Zu die­ser Sitzung waren Vertreter der beteiligten Mini­sterien sowie der beteiligten Verbände geladen. Es zeigte sich, daß Gläubiger wie Schuldner weit­gehendes Verständnis für ihre gegenseitigen Schwierigkeiten und Röte hatten. Für die H a u s- besiher beantragte Stadtrat Hu mar eine Wiederingangsetzung der verstrichenen Fristen des Auswcrtungsgesches sowie die Möglichkeit ether Revision von vor den Auswertungsstellen ge­schlossenen Vergleichen. Rechtsanwalt Dr. Kurt Fontheim wies als Vertreter der Gläu­bige r von Aufwertung sh ypotheken darauf hin, dah ein allgemeines Moratorium, wie es von mehreren Seiten propagiert werde, aus allgemeinen volkswirtschaftlichen Gründen un­bedingt abzulehnen fei, da es zahlreiche andere Kredite ebenfalls zum Einfrieren bringen müßte. 3m übrigen würde eine Einigung zwischen Gläu­biger und Schuldner unschwer Zustandekommen, wenn die Schuldner sich, wie sie es in der ersten Hälfte des Jahres 1931 auch getan haben, zur angemessenen Abzahlung und zu marktmähigen Zinsen bereitfinden wür­den.

3n der sich anschließenden ausgedehnten De­batte, in der auch insbesondere Vertreter deS Sparer-Bundes, der Sparkassen und der Ver­sicherungsgesellschaften zu Worte kamen, wurde allgemein der Lleberzeuguna Ausdruck gegeben, daß ein allgemeines Moratorium ab­zulehnen fei, daß weiterhin auch ein Mora­torium bei Zwangsversteigerungen infolge ver­zögerter Zinszahlung nicht angängig sei. Es sei vielmehr allein wünschenswert, daß Gläubiger und Schuldner nach wie vor auf -den Weg der direkten gütliche nVe rcinbarung verwiesen würden und erst, wenn dieses restlos versucht sei, die Aufwertungs stellen je nach Lage des einzelnen Falles zur Ertei­lung individuellen Zahlungsauf­schubesermächtigt werden sollen. Es wurde eine Einigung darüber erzielt, daß bereit» ge-

Nationalsozialismus und Arbeiterschaft.

München, 28. Okt. (TU.) In einem Artikel der Reichsleitung der NSDAP, imVölkischen Beobachter" werben die Vorwürfe zurückgewicien, als ob man sich in Harzburg der Schwerindu- ftrie verschrieben habe. U. a. heißt es in diesem Artikel: Um jo notwendiger erscheint die Gegenfrage an die Zentrumsarbeiterschaft, welche posulven Kräfte in einer vom Volkswillen getrage­nen Regierung von den Nationalsozialisten bi» zum Zentrum wohl in der Lage wären, auch nur den rJudVKma6en' «egen die Interessen des schai- ,enden Vo..e» zu regieren. Warum rennt man offene

schioffene private Vergleiche nicht angetastet wer­den sollen, ferner daß entgegen dem Anträge der Industriehausbesiher der Schuldner bei den Verhandlungen nach wie vor die BeweiSlast dafür habe, daß er nicht zur Zahlung und LIm- fchuldung zu tragbaren Bedingungen imstande sei. Schließlich wurde auch die Frage der im 3ahre 1932 fälligen Goldhypotheken er­örtert. Heber dieses Problem konnte bisher eine Einigung nicht erzielt werden. Die überwiegende Ansicht geht jedoch dahin, daß es gefährlich fei, diese Frage schon jetzt in Angriff zu nehmen und mit der Frage der Aufwertungs- Hypotheken zu verquicken.

Oas Ende der Wohnungs- zwangswirlschast.

Ersatz durch ein soziales Mictrecht.

Berlin, 28. Okt. (VDZ.) Arn 9. November wird im Reichsjustizministerium eine Besprechung mit den Vertretern der Landesregierungen über die Schaffung eines sozialen Mietrechts slattfinden. In der Notverordnung vom Dezember sind bekanntlich schon feste Termine ange­geben, an denen spätestens d i e Wohnungs- Zwangswirtschaft völlig beseitigt sein soll. Gleichzeitig ist aber bestimmt, daß rechtzeitig vor der Außerkraftsetzung des Mieterschutzgesetzes, des Reichsmietengcsetzes und der anderen Gesetze zur Regeluna der Wohnungswirtschaft ein soziales Mietrecht geschaffen werden soll. Ein Entwurf des Reichsjustizministeriums liegt zur Zeit noch nicht vor. Die Verhandlungen mit den Ländern sind zu­nächst nur als vorbereitende Besprechun­gen beabsichtigt. Erst auf Grund dieser Fühlung- nähme wird das Justizministerium an die Aus­arbeitung eines Entwurfs Herangehen, der dann später den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt werden soll. Eine Regelung durch Notverordnung ist in dieser Frage angesichts der einschneidenden Eingriffe, die ein neues Mietrecht gegenüber dem geltenden Rechtszustand bringen mußte, nicht zu erwarten. Die Regierung wird vielmehr für die Regelung dieser Materie den orbnungsmäfji- gen Parlaments rischen Weg einschlagen.

Türen ein, wenn man es ehrlich meint mit der Arbeiterschaft und praktisch die Möglichkeit hat, die Gespenster, die man zu sehen glaubt, zu bannen? E» muß befremden, daß selbst der Reichskanzler Dr. Brüning mit deutlicher Bezugnahme auf ein von uns erstrebtes Kabinett der nationalen Kräfte erklärt, er halte es für unmöglich, einen Weg zu begehen, der von vornherein eine geschloffene Front gegen die Arbeiterschaft bedeute. Wenn Brüning damit den Weg meint, den die NSDAP, zu gehen entschlossen ist, dann schlägt diese Behauptung den Tatsachen in» Gesicht. Die Gleichstellung von Arbeiterschaft und Marxismus ist einer jener Denkfehler, die der Marxismus in bewußter Fälschung der Wirklichk^t dem instinktlosen Bür­gertum suggeriert hat, um seinen Einfluß trotz

seiner durch den Nationalsozialismus längst gebro­chenen Macht aufrecht zu erhalten.Die A n n ä h e » r^ung Hitler - Brüning wird als große» Fragezeichen über der ganzen politischen Entwick- lung dieses Winter» stehen", so schreibt dieDeuffche Allgemeine Zeitung zur Charakteristik der inner- politischen Situation, und auch von anderen Blät­tern wird die Möglichkeit einer Synthese Brüning- Hitler diskutiert. Wir wollen in diese Diskussion nicht ingreifen, sondern sie denen überlaffen, dre sich davon einen politischen Gewinn versprechen.

Oie Wirtschaftspartei.

Ter Rcichsausschuß billigt die Haltung der Fraltion.

Berlin, 28. Oft. (VDZ.) Der ReichSauS- schuß der Wirtschaftspartei trat am Mittwoch im Reichstag zusammen, um zu der Haltung der Reichstagsfraktion bei den letzten Abstimmungen im Reichstag und zu den organisatorischen Schwierigkeiten Stellung zu nehmen, die sich in einigen Ortsgruppen der Wirt­schaftspartei infolge der Haltung der ReichStags- fraltion ergeben haben. Heber die Sitzung wird folgender Bericht auSgegeben:

-Der aus allen Teilen des Reiches stark be­suchte ReichSauSschuh der WirtschaftSpartei nahm tn feiner Sitzung am Mittwoch Kenntnis von den Gründen, öic bie Haltung der Reichstagsfraktion bet den Abstimmungen im Reichstag bestimmt haben. Er überzeugte sich, dah die Haltung der Retchstagssraktion von der Rücksicht aus die welt­politische. innenpolitische und die wirtschaftliche Gesamtlage vorgeschrieben war. Der Reichs^uS- schuß erwartet, daß die Fraktion ihre Be­mühungen um die Bildung einer von allen nationalen Kräften deS Vol­ke» getragenen Regierung fortfetzt und sichtbare Maßnahmen zur Belebung der schwer bamieberliegenben deutschen Gesamt- wirtschaft durchsetzt. Die Abstimmung ergab bei einer Stimmenthaltung, dah der Reichs- tagSfraktion daS volle Vertrauen für ihre Haltung, bei der sie daSVaterland über diePartei stellte, ausgesprochen wurde."

Aus aller Wett.

Kommunistische Terrorgruppen in Gelsenkirchen.

$er Mord an dem Polizeioberwachtmeister Riederwerfer in der Rächt zum Montag, hat eine schnelle Aufklärung gesunden. Der Gel­senkirchener Kriminalpolizei ist cs gelungen, fünf Funktionäre der KPD. und Mit­glieder einer Terrorgruppe als Täter zu crm.t- teln. Drei der Täter konnten bereit- scstgcnom- men werden, während zwei, darunter der Hauvt- täter Klohs, noch flüchtig find. Die Ermitt­lungen haben ergeben, daß am Sonntagabend eine größere Zahl von Mitgliedern der Kom- munistischen Partei und des Antifaschistenbundcs im kommunistifchen ..DolköhauS' versammelt war, und daß von dort aus planmäßige Pa­trouillengänge in d i e Stadt unter­nommen wurden, um politische Gegner zu ..beob­achten". Klohs verteilte an kommunistische Funk­tionäre Armeepistolen und zog mit mehreren Leu­ten unter Absingen kommunistischer Lieder auf bi« Straße. Dabei kam es zu den Vorgängen, wobei der Obcrwachtmeister bei der Feststellung der Ruhestörer durch fünf Schüsse töd 1 ichvcr - letzt wurde. Durch Zeugen ist einwandfrei scst- gestellt worden, daß auch von den übrigen Kom­munisten auf den am Boden liegenden schwer­verletzten Polizeibeamten noch zahlreiche Schüsse abgegeben wurden.

kommunistische Werkspionage bei JG.-Facben.

Bei einer Haussuchung bei dem inzwischen ver­hafteten kommunistischen Agitator Gruber in Dü­ben (Kreis Bitterfelds find neben vielen Waffen, Munitionskisten und DiebeSgut auch Pläne und Auszeichnungen gesunden worden, die unzweideutig WerkspionagefürSowjet- r u h l a n d erkennen lassen. Gruber gehörte dem Betriebsrat der 3G.-Farben in Bitterfeld an. Ds sind in seinem Hause auch elektrische Schal­tungen, Leitungsdrähte, Gummikabel und viele andere bei 3G-Farben gestohlene Gegenstände beschlagnahmt worden, die allem Anschein nach zur Sprengung von Eisenbahnen und Staatsbau- ten Verwendung finden sollten.

Die Zeppclinfahrken nach Südamerika.

Die d r i 11 e a f f a g i e r f a b r t de- .Graf Zeppelin" nach Südamerika hat mit der Landung in Friedrichshafen ein glückliches Ende gefunden. Durch die Selbstverständlichkeit und Pünktlichkeit, mit der diese Fahrten durchgelührt wurden, ist bewiesen, daß ein regelmäßiger Lust- schiffdienst für Passagiere und Post von Mit­teleuropa nach Südamerika mit Zeppelinen aus­führbar ist. Die Leistungen deS Luftschiffes, feiner Führer und seiner Besatzung haben überall in der Welt, besonders in Südamerika, große Begei­sterung hervorgerufen. Die regelmäßige Fort­führung der Zeppelin-Fahrten von Deutschland über Spanien oder Frankreich nach Südamerika wird in Zukunft davon abhängig sein, dah c* gelingt, an geeigneten Plätzen in Spanien und Frankreich sowie an der südamerikanischen West­küste Luftschi ff Häfen mit Hallen eimu- richten. Von deutscher Seite wird der neue Lust- schnelldienst für Post und Passagiere als Mittel einer engeren Verbindung zwischen Mitteleuropa und 3bero-2merika sehr begrüßt und auch weiter­hin für seine Durchführung mit allen Kräften ge­arbeitet.

Wettervoraussage.

21n der Südseite der nach Nordosten abjlebenben Storung ist ozeanische Warmluft nach Deutschland oergtörungen und hat in der letzten Nacht Be­wölkung und vereinzelt auch Niederschläg« oer- ursacht. Da die Westluft noch anhält, dauert auch das wechselhafte Welter zunächst an. wobei sich die Temperaturen zwischen Tag und Nacht mehr aus­gleichen. Jedoch wird durch da» Hoch über der Bis- caya vorübergehend leichte Besserung eintreten: aber mit dem Herannahen der neuen über dem Ozean erkennbaren Störung dürfte alsbald wieder (Er- wärmung und Wolkenbildung mit Niederschlägen einsetzen.

Aussichten für Freitag. Bewölkt mit Aufheiterung. Temperaturen mehr ausgleichend, noch etwa- milder, einzelne leichte Riederschläge.

Lufttemperaturen am 28. Oktober: mittags 5 Grad Celsius. abend» 0,9 Grad: am 29. Oktober, morgen» 4.4 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum0,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Ok­tober. abend» 3,8 Grad: am 29. Oktober: morgen» 3,2 Grad Celsius Niederschläge 0,4 mm. Son- nenscheindauer 4K Stunden.