Ausgabe 
29.6.1931
 
Einzelbild herunterladen

Keine Gefahr für unsere Währung.

Oer ReichSbankpräsideni fordert Vertrauen und wirtschaftliche Einsicht.

Im Anschluß an die Rede des Reichskanzlers schilderte Reichsbankpräsident Dr. Luther die Wechselwirkung zwischen dem wirtschaftlichen Ge­schehen und den Vorgängen bei der Reichsbank seit Ende 1929.

Vom September 1930 an, besonders nach den Reichstagswahlen, habe sich die Entwicklung der deutschen Verhältnisse von der in der übrigen

Welt fortschreitenden Zinssenkung abgelöst.

Das Regierungsprogramm vom Oktober und die Bestätigung der Regierung Brüning durch den Reichstag in Verbindung mit dem unter amerika­nischer Führung zustandegekommenen U e b e r - brückungskredit hätten dann genügt, bis in den Mai hinein eine einigermaßen gleichmäßige Entwicklung zu gewährleisten, die mit ein m Gold- und Devisenzuwachs der Reichsbank von etwa 200 Millionen abschloß.

Dann sei infolge der fortschreitenden Weltwirt­schaftskrise und einiger Folgeerscheinungen davon in verschiedenen Ländern eine neue Nervosi­tät auch gerade Deutschland gegen­über ausgebrochen. Eine besondere Rolle haben dabei die Vorgänge bei der O e st e r r e i ch i s ch e n Kreditanstalt gespielt, die ihre tiefste Begrün­dung in der Zerschlagung des alten Oesterreich haben. Denn in Deutschland selbst sei nichts Akutes geschehen, was den Ausbruch der neuen Gold- und Devisenabzugsbewegung bei der Reichsbank begrün­det hätte. Wohl aber fei diese ganze neue Der- lustperiode der Reichsbank, die Ende Mai begann, nur dadurch möglich geworden und nur dadurch verständlich, weil

auch das Ausland, soweit es wirtschaftlich denke, genau wisse, daß Deutschland mit Reparations- lasteu belegt ist, die es nicht zu tragen vermag.

Das Gefühl der Unsicherheit über das, was auf dem Rparationsgebiet geschehen würde, habe fortgesetzt zugenommen. Es sei in diesem Falle be­sonders klar, daß die U e b e r t r e i b u n g e n der Vertrauenskrise, die sich im Gold- und De­visenabzug kundtaten, auf der allgemeinen Welt­nervosität beruhten. Das energische politische Han­deln der Reichsregierung habe dann den Gold- und Devisenabzug fast zum Stillstand gebracht, bis die Abzüge am 19. Juni wieder stark ausgebrochen seien, und zwar weil die allgemeinen, nicht in Deutschland liegenden Gründe für die Krise fort- wirkten. Die Reichsbank habe, als die Deckuna sich der unteren Grenze bedenklich genähert hatte, sofort zu Restriktionsmaßnahmen gegriffen, die auf­gelockert werden konnten, als das große außen­politische und weltwirtschaftliche Ge- sch eh en anhub, das in der Kundgebung des amerikanischen Präsidenten Hoover seinen Aus­druck sand.

Aus der ganzen bisherigen Entwicklung geht, obwohl der Gold- und Devisenoerlust der Früh- jahrsperiode wieder mehr als eine Milliarde beträgt, mit Bestimmtheit hervor, daß die Reichsbank auf jeden Fall imstande ist, die deutsche Währung mit Erfolg zu verteidigen. Die Reichsbank wird diese ihre eigentliche Ausgabe keinen Augenblick vernachlässigen, da, welche Schwierigkeiten für Regierung und wirtschaft -auch noch zu überwinden sein mögen, die Vor­aussetzung jeder Wiedergenesung die Stabilität der Währung ist. Vichts ist törichter als das hier und da auslauchende Gerede von einer neuen Inflation.

Eine andere Schlußfolgerung, die ebenso be­stimmt gezogen werden muh, ist die, daß die Bewahrung des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft vor weiterer schwe­rer *21 o t nur von der politischen Seite Her­kommen kann. Aus dem davgestellten Entwick­lungsgang in Deutschland geht hervor, daß die deutsche Not innerhalb der Weltwirtschaftskrise zwar etwas Besonderes ist. Die besondere deutsche Not steigert aber auch ihrerseits die allgemeine Weltwirtschaftskrise.

Der groß angelegte Schritt des Präsidenten Hoover, für den das deutsche Volk lebhaften Dank schuldet, darf nicht allein unter dem Ge­sichtspunkt betrachtet werden, daß er bestimmt ist, Deutschland zu helfen, sondern e» ist ebenso eine wirtschaftliche Führertat zur Erleichterung der Weltwirtschaftskrise.

Doshalb kommt es auch vom Standpunkt der Wirtschaft aus. der die Währung zu dienen bestimmt ist, entscheidend darauf an, daß die eingeleitete große Entwicklung ohne Ein­schaltung von Hemmungen, die die Wir­kung lähmen, und mit der gebotenen Schnel­lt g-keit ihren Vollzug und ihre Vostlendung findet. Auch diejenigen, die sich der Erkenntnis dieser dringenden Notwendigkeit bisher ver­schlossen hatten, müssen durch die Ereignisse der letzten Wochen belehrt worden sein.

Die aus klarer Einsicht in die weltwirtschaft­lichen Zusammenhänge entsprungene Hooversche Tat, di« auch in anderen Ländern soviel freu­digen Widerhall und bereitwillige Mitarbeit ge­funden hat, verhalf endlich der Wahrheit über Deutschlands Lage zum Durch­bruch.

Die well muh und darf neues vertrauen gewinnen.

Durch große eigene Krafianstrengung hat Deutsch­land bewiesen, daß es das Seine dazu tat.

Vier Grundprobleme.

Forderungen der Wirtschaft an den Staat.

Das Hcruptreferat der Tagung des Zentralver­bandes des deutschen Dank» und Dankiergewerbes erstattete dann der Präsident Dr. Georg S v l m s s e n. 3m Mittelpunkt seiner Ausfuhrun- gen stand die Notwendigkeit der Förde­rung der Kapitalbildung.

Auch die Reparationsländer könnten nur auf Erfüllung ihrer wünsche hoffen, wenn Deutsch­land nicht zusammenbreche. Daher müsse der Wiederaufbau der Wirtschaft mit eigenem Ka­pital möglich gemacht werden.

Dr. S v l m f f e n wandte sich weiter der de u t - fchen Wirtschaftspolitik im Hinblick auf ihre Bedeutung für Kapi t alerhal tung und Kapitalneubildung zu. Um diese Wir­kung zu erzielen, bedürfen nach seiner Ansicht vier Grundprobleme einheitlicher reformatorischer Behandlung:

1. muß die Ausgabenwirtfchaft des Staates sich nach der Einnahmenseite richten, .

8. muh die G renze zwischen staatlicher Verwaltung und staatlicher Wirt­schaf t s be t ä t i gung gezogen werden,

3. muß als Dvraussehuna des Bestandes der Wirtschaft ihre Ertragsfähigkeit gewährleistet werden,

4. muh ergänzend der allmähliche, möglichst weit­gehende Ausbau der eigenenNah- rungsmittelprvduktivn hinzutreten.

Als erste Voraussetzung für die Ordnung der Staatsfinanzen forderte Dr. Solmssen

planmäßigen Abbau der Ausgaben.

Nach einer Kritik des Sleuer- und Abgaben'ysterns, in der er eine Neuregelung der Kapitalsteuern in Richtung des Ausbaues der Ersparnis fördernden Steuern und verschiedene Staffelung der Ein­kommensteuer je nach Ersparnis und Derbrauchs­einkommen verlangte, wandte er sich den Proble­men des Arbeitslohnes und der Sozi­alversicherung zu. Schließlich behandelte er noch den für die Eigenkapitalbildung so wichtigen

Aufbau des Binnenmarktes

unter Hinweis auf die 3nteressen der deutschen Landwirtschaft. Er beendete seine Ausführungen damit, dah die Gesundungsmöglichkeit auch für die deutsche Wirtschaft gegeben sei, wenn Präsi­dent Hoover mit seinem Plan der Weltbe- f r i e d u n g zum Ziele komme.

3m Anschluß an diesen Hauptvortrag folgte noch eine Reihe von Spezialreferaten über die verschiedensten finanz- und wirtschaftspoliti­schen Fragen.

Dr. Solmssen hob in seiner Schlußrede her­vor, dah die Grundfrage sei, ob es gelinge, für die Kapitalbildung und die Kapital­erhaltung zu sorgen. Der Regierung Brüning sprach er das Vertrauen und die linier ft Übung des Dankierverban- des aus und bat die Versammlung, über den per­sönlichen 3nteressen niemals die Allgemein­heit, der alle zu dienen hätten, zu vergessen.

Polen stimmt zu.

Warschau, 28.3iml (WTD.) Die polnische Telegraphenagentur teilt mit: 3m Zusammenhang mit den Verhandlungen über den Vorschlag des Präsidenten Hoover betreffend den Aufschub der Reparations- und Kriegsschuldenzahlungen wurde vor einigen Tagen der polnische Ge­

schäftsträger in Washington vom Unterstaatssekretär Castle empfangen. Gestern fand erneut eine Unterredung statt, bei der der polnische Geschäftsträger dem Unterst aatssekre- tär Castle die Mitteilung machte, dah die polnische Regierung dem Vorschlag« Hoovers gegenüber sich äuherst wohlwollend verhalte. Die polnische Regierung hoffe, daß dieser Vorschlag gleich­zeitig auch zur allgemeinen politischen Entspan- nung führen werde.

Pause in Washington.

Frankreich sabotiert!

Washington, 28. Juni. (WTB.) Nachdem Hoover gestern bis zum späten Nachmittag mit Castle und Mills konferiert und insbesondere die Argumente studiert hatte, die der f r a n z ö s i - sche Botschafter im Auftrage seiner Regierung zur Weitergabe an das Weiße Haus unterbreitet hatte, herrscht heute hier eine Art Atempause. Eine weitere Entwicklung wird nach offiziöser Mit­teilung nicht vor Montag erwartet.

Der bekannte politischer Schriftsteller Simonds stellt fest, daß Frankreich ebenso, wie bei der Londoner Flottenkonferenz die großzügigen Pläne Amerikas sabotiere.

Amerika gegen eine Oreimächtekonferenz.

Neuhvrk, 28. 3uni. (TU.) Wie aus Wa­shington berichtot wird, erklärt« der stellver- tretendr Staatssekretär Mills, dah die Ver­einigten Staaten gegen eine Dreirnächte- kvnferenz Amerika, Deutschland und Frank­reich zur Besprechung der Moratoriums frag« seien. Amerika lasse sich nicht in eine derartige Konferenz hineinmanovrieren.

Oer deutsch-rumänische Handels­vertrag unterzeichnet.

Genf, 27. 3uni. (WTD.) Der Handels­vertrag zwischen Deutschland und Ru­mänien, der kürzlich in Berlin abgeschlossen und paraphiert worden ist, ist heute von den be­vollmächtigten Vertretern Deutschlands ustd Ru­mäniens, Dr. Posse, Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium, und Pvpesca, Generalsekretär im rumänischen Handelsministe­rium, unterzeichnet worden.

Das deutsch-polnische Roggenablominen.

B e r l i n, 27. Juni. (CNB.) Wie WTB.-Handels- dienst erfährt, wird das deutsch-polnische Roggenabkommen, das mit dem 30. Juni 1931 a b I ä u f t, und über dessen Zweckmäßigkeit in dem Untersuchungsausschuß des Reichstags leb­haft diskutiert worden ist, nicht verlängert werden.

Wieder ein polnischer Flieger über Ostpreußen.

Königsberg i.Pr., 27.Juni. (CNB.) Heute um 14.35 Uhr erschien über Johannisburg aus der Richtung der Landesgrenze (Pogobien) ein Doppeldecker, auf dem deutlich das Zeichen Z. 52 und die rot-weißen Vierecke, die Abzeichen der polnischen Militärflieger, erkennbar waren. Das Flugzeug überflog in einer Höhe, die

auf 200 Meter geschätzt wurde, die Stadt, machte dann einen Bogen, flog bann über den Bahnhof und entfernte sich in der Richtung auf A r y s. Nähere Einzelheiten sind bisher nicht bekannt ge­worden.

Oie Wahlen in Spanien.

Ruhiger Verlauf.

Madrid, 28. Juni. (WTB.) Die Wahlen in Spanien sind nach den bisher vorliegenden Mel­dungen in Ruhe abgewickelt worden. Es besteht der Eindruck, daß die Wahlbeteiligung für die ver­fassungsgebenden Cortes geringer gewesen ist, als seinerzeit für die Gemeindewahlen. In Barce­lona hatte man zwei Stunden nach Beendigung der Wahlen den Eindruck, daß die Partei des Ober­

sten M a c i a, nämlich die Linksrepublikaner, einen überwältigenden Erfolg gehabt hat. Man glaubt, daß in der Umgebung von Barcelona dreiviertel aller Stimmen für Oberst Macia abgegeben wor­den sind. In Barcelona selbst steht die Liste Macia ebenfalls mit einer gewaltigen Zahl an der Spitze aller Parteien.

Nach einer Meldung des Innenministeriums soll es sich bestätigen, daß die sozialiftisch-repu» blikanische Koalition in ganz Spa­nien gesiegt habe. In Madrid scheine sie, heißt es, eine große Mehrheit erzielt zu haben. In den katalanischen Provinzen habe die Partei des Ober­sten Macia 42 von 53 Sitzen erhalten. Ein kom­munistischer Kandidat soll, soweit bis jetzt bekannt, nicht gewählt worden sein.

Feuer in der pariser Kolonialausstettung.

Oer holländische Pavillon zerstört.

Paris, 28. 3unL (WTB.) 3n der 3n Ur- nationalen K ol o ni a l a u s st e flung im holländischen Pavillon ist Feuer aus- gebrochen, durch das die holländische Ausstel­lung, wie es scheint, fast vollständig ver­nichtet wurde. Die Feuerwehr konnte gegen Mittag das Feuer, das, wie man annimmt, durch Kurzschluß entstanden ist, löschen. Das Uebergreifen dos Feuers auf andere Ausstel­lungshallen konnte verhindert werden. Nur zwei geschäftlichen Zwecken dienend« kleinere Kioske erlitten Schaden.

Di« Kunde von der Zerstörung des hollän- dischen Pavillons auf der Pariser 3nternatio- nalen Kolionialausstellung hat in HoWand große Bestürzung hervorgerufen.

Die in ihren Folgen für die Kolonialwissenschaft, die Kulturgeschichte und den Kunstmarkl beinahe unermeßliche Katastrophe

bildete heute in Amsterdam überall das Tages­gespräch. Man schätzt den angerichteten Scha­den auf verschiedene Millionen Gul­den. Allein die Errichtung des Pavillons selbst hat 1,2 Millionen Gulden gekostet. Der Schaden wird zwar zum großen Teil durch Versicherung gedeckt, aber diese geldliche Vergütung kann die Vernichtung so vieler seltener und

kostbarer Sammlungen nicht ungeschehen machen. Der 3nhalt des Holländischen-Pavillons stammt« sowohl von der niederländisch'-indischen Regierung und einzelnen indochinesischen Für­stenhäusern, wie auch von Privatsammlern und vom ethnographischen Museum in Leyden.

Wie Reiter verlautet, haben sich noch im letzten Augenblick etwa 50 Tänzer und Tänzerinnen aus dem brennenden Gebäude gerettet. Das Hauptgebäude war buchstäblich über ihren Köpfen in Flammen auf- ,gegangen, und nur ganz notdürftig bekleidet gelang es ihnen, sich aus den Festem zu retten.

Kaum hatte der letzte 217ann das brennende Haus verlassen, als dieses unter furchtbarem Getöse zusammenbrach.

Die holländische Kroirprinzessin 3 u l i a n a, di« augenblicklich in Paris weilt, traf in den Morgen­stunden in Begleitung der Gattin des hollän­dischen Gesandten an der Unglücksstätte ein. Laval und D r i a n d haben dem holländischen Gesandten ihr Beileid aussprechen lassen. 3m Augenblick ist die Feuerwehr damit beschäftigt, unter den Trümmerhaufen nach etwa noch greif­baren wertvollen Ausstellungsgegenständen zu suchen.

Siein-Gedenkfeier in Frankfurt.

WSN. Franksurt a. M.. 28. 3uni. Die am Montag in Nassau (Lahn) stattfindende Reichs­feier zur Erinnerung an den 10 0. Todes­tag des Reichsfreiherrn vorn und zum Stein fand heute ihren Auftakt in einer von der Stadt Frankfurt a. M. in der Pauls- kirche veranstalteten Stein-Gedenkfeier.

Oer preußische Minister des Innern Severing

fprach als erster Redner über das Thema .,S t ejn als Reformator Preußens". Der Mi­nister verwies auf das Wort des Freiherrn vom Stein:Man muh nicht den Mut verlieren, sondern alles von der Kraft des Fortschrittes erwarten, die dem menschlichen Geiste inne wohnt!", das als Leitwvrt für' die Arbeiten dieses großen Mannes gelten könne. Vieles und Großes habe er gewollt, aber nur Weniges war ihm vergönnt, verwirklicht zu sehen. Und doch habe dieser Teil feiner großen und gewaltigen Pläne, die er in die Tat hat umsetzen können, den Grundstein gelegt zu dem modernen Staat Preußen. Die Reformen Steins waren Anleh­nungen an englische Verwaltungsreformen und auch der Widerschein der revolutionären Gedan­ken, die in der Gesetzgebung der französischen Re­volution sichtbaren Ausdruck fanden. Das aber, so betonte der Minister, verkleinere seine Lei­stung und Bedeutung nicht. Stein hat als einer der Wenigen unter den Deutschen seiner Zeil er­kannt, daß es fruchtloses Bemühen wäre, sich den Gedanken der Entwicklung und des Fortschrittes entgegenzustellen. Drei Gruppen von Reform­gesehen sind cs, an denen Stein den maßgebenden Anteil hatte. Das sind die Gesetz« zur Neuord­nung der agrarpolitischen Verhältnisse, die Or­ganisation des Dehördenaufbaues und die Schaf­fung der Selbstverwaltung.

Das Wett, mit dem der Harne Steins am meisten verknüpft ist, ist der Aufbau der Selbst­verwaltung, die Städteordnung.

Ihr ideeller Hauptzweck war, den Gemeindebürger über die Gemeinde hinaus in lebendige Verbindung mit dem Staatsleben zu bringen. In der Städte- orbnung Steins, die von der nach den Freiheits­kriegen in Preußen einsetzenden Reaktion mehrfach nach rückwärts redigiert wurde, kam am stärksten das Vertrauen Steins zu der aufstrebenden Klaffe des Bürgertums zum Ausdruck. Heranziehung der Bevölkerung zur Verwaltung ihrer eigenen Angele­genheiten war fein Ziel, die Heranziehung der bis­herigen Untertanen zu Stadt- und Staatsbürgern fein Gedanke. Und was Stein in den Stadtverord­netenversammlungen für die Städte verwirklichte, das hat er auch für den Staat und das Staatsvolk gewollt. Ist das deutsche Volk in der Zwischenzeit stets den Weg gegangen, den ihm die Steinschen Ideale zeigten? Es wäre eine verhängnisvolle Selbsttäuschung, so erklärte der Minister, wenn man diese Frage mit einem Ja beantworten wollte. Jn- teressenhaufen, auf eigenen oder Standesvorteil bedacht, verstoßen auch heute gegen den wahren Geist der Selbstverwaltung. Minister Severing schloß mit der Mahnung, dieser Mängel eingedenk zu bleiben und zu erkennen, daß Steins Sen­dung noch nicht erfüllt fei. Sie werde erfüllt fein an dem Tage, an dem das Sinnen und Schaf­fen aller dem ganzen Volke und darüber hinaus der Menschheit gehört.

Reichsinnenminister Or. Wirth sprach dann über das ThemaStein und der Reichsgedank«". Das Typische des Frei- Herm vom Stein lag darin, dah ihn kein Un- gemach, kein Schicksalsschlag demütigen, oder ihn veranlassen konnte, di^Fiucht aus dem politischen Leben anzutreten. HMte befinden wir uns in ähnlichen Lage, wie das preußische Volk zur Zeit des Freiherrn vom Stein. Gerade in dieser Stunde werden in Paris die Würfel über das Schicksal unseres Volkes für eine geraume Zeit fallen in den Verhandlungen der amerikanischen Vertreter mit den Staatsmännern des Heu igen Frankreichs. Wenn ich hierauf Hinweis«, so tue ich es, weil die Lage heut« ähnlich ist wie damals.

Worauf es ankomml in diesen düsteren Zeiten, ist, daß in unferm Vaterland die Frauen und Wanner die politische Kraft aufbtlngen, diese düsteren Tage mit uns überstehen zu wollen. Das Volk ist verloren, das in solchen Zeitläuften nicht jene Frauen und Männer findet, die das Schicksal meistem.

Der Minister wies dann darauf hin, daß di« heutige Arbeiterbewegung gerade solche Frauen und Männer hervorgebracht habe. Di« Rede des preußischen Staatsministers Severing hab« es nahegelegt, daß die große Staatskunst heute darin besteht, die Führer der proletarischen Menschen zu den großen Staatsaufgaben heranzuziehen. Er, der Minister, sei so oft nach derReichsrefvrm gefragt worden. Er müsse klar sagen: 3awohl,

die Zeit Ist reif dafür, daß im neuen Deutsch­land dem Gedanken der großen Reichsreform die Wege geebnet werden müssen und bald ein formulierter Gesetzentwurf dem Reichlslag zu- geleitet werde.

Was solle aber aus einer Reichsreform bei den heutigen politischen Zuständen herauskommen? In den Stein-Feiern des großen Patrioten zu gedenken und nicht gleichzeitig den Zustand unseres Vater­landes mit den Millionen unpolitischen Köpfen sehen zu wollen, das hieße dem großen Toten nicht gerecht werden. Die Notverordnungen sind der Ausdruck der geistigen Not, sie sind der Ausdruck der poli­tischen Not. Die demokratische Entwicklung, der Ge­danke der Selbstverwaltung im Geiste des Freiherrn vom Stein sind nur denkbar, wenn eine politische Willensschöpfung, auf dem Volke aufgebaut, in einem Staat herangezogen werden kann. Das ist die große Not, in der wir leben.

Reichsreform ist möglich, wenn das deutsche Volk politisch ist.

Reichsreform ist praktisch durchführbar, wenn der preußische Staat sich seiner hohen Mission einge­denk fühlt, auf diesem Wege den er st en großen entscheidenden Schritt zu machen.

Auf die mit großem Beifall aufgenommenen Worte des Reichsinnenministers folgte der Gesang des Deutschlandliedes, worauf Dr. Wirth ein Hoch auf das deutsche Volk und Vaterland ausbrachte.

Im Anschluß an die Feier in der Paulskirche wurde eine Stein-Gedenktafel, die von dem Frankfurter Bildhauer Harold geschaffen ist. enthüllt. Sie ist an der östlichen Außenwand der Paulskirche, dicht neben dem Denkmal für den verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert, angebracht.

Aus aller Wett.

post und Latly in Chabarowsk eingefroren.

Chabarowsk, 28. 3uni. (WTB.) Die beiden amerikanischen Flieger P o st und C a 11 y sind hier wohlbehalten eingetroffen. Man glaubt, dah sie bereits morgen früh direkt nach Nome (Alaska) weiterstarten.

75 Menschen Opfer der Hitze.

Neuhork, 28. 3uni. Die Mittel- und Weststaaten Amerikas sind von einer

großen Hitzewelle heimgesucht wordell. Bisher sind über 75 Menschen ein Opfer der Hitze geworden.

Der Schienenzeppelin wieder in Hannover.

Hannover, 28. 3unt (TU.) Der Krucken- bergsche Propellerwagen traf von Düssel­dorf aus programmäßig um 14.13 Uhr in Han­nover ein, wobei er die Streck« von der Rhein­stadt mit der fahrplanmäßigen Geschwindigkeit von 90 Kilometer in der Stunde zurückgelegt hatte.

I

<472 V

Herr ir m si dt

Pre

Ap<

6ALEI

Dep.l

Ein

lt

Eogar'

Sie $ «1

Sw rede«. S- tfts lungen u Men llnfetwj itoat n'4 gata£ nesDe-

Iie © so icieji m y- aui Ett" wichen zäh'-en ha> 5eeres.cn S dieser in die $ stärkster. lungen ni rächte ho er", oge sie sich os «danken.

Jetzt is unter au" MierM besten Ko über eine toegzuW Sos ist >n rüchlemach aus. Und orohgezüch oreitung 1 hörig, Iven schweren Wird. 3n unlängst i nennenstw besch'.agna eine diesb Und Ichor Erzä'ung der Spa, sationsina zurück. E Sparkasse/ Liese Mas, liche Dot t ja jedem 8