Aus 6er Provinzialbauptstadt
Dießen, den 29. 3unt 1931.
Wissen Sie schon .. .p
Gute Zeilen für Gerüchtemacher.
Die Flüsterer toaren wieder am Werke, kleber- all wurde einem etwas — ganz heimlich und selbstverständlich unter dem berüchtigten Siegel der Verschwiegenheit — erzählt, zugeflüstert: es wurde gemunkelt und gedeutelt, geredet, geredet, geredet ... Niemand entging den mit so geheimnisvollem Wissen beladenen Mitmenschen, die gutherzig genug sind, uns an ihren Enthüllungen und Entdeckungen teilnehmen zu lassen. „Wissen Sie schon, daß ..sv begann die Linkerei das Gespräch, wo man sich sonst mit dem zwar nicht sonderlich geistreichen, immerhin doch garantiert harmlosen „Wie gehts?" oder „Schönes Wetter heute?" begnügte.
Die Gerüchtemacher hatten gute Zeiten. Etwa so wie in Kriogsjahren, als jeder eine Nichte des Portiers vom Kriegsministerium kannte, die aus ihren tiefschürfenden Gesprächen mit dem wichtigen Onkel nun die tollsten Dinge zu erzählen hatte, von denen eigentlich nur die Oberste Heeresleitung wissen durfte. Schon damals wurde mit diesen Gerüchten ein« Meng« Beunruhigung in die Bevölkerung getragen, und es bedurfte stärkster Beschwörungen, auf diese üblen Erzählungen nicht hineinzufallen. Denn all« diese Gerücht« haben das eine Gemeinsame: sie sind «rldgen: ein hitziger phantasievoller Kops hat sie sich auSgedacht, und eine Menge gewissen- und gedankenloser Nachbeter murmelt sie nach.
Hetzt ist das nicht anders. Was in Notzeiten, unter außergewöhnlichen Bedingungen von der Negierung, von der Dolksvertretung, von den besten Köpfen der Nation ersonnen wurde, um Über eine sehr schwierig« Strecke des Wegs hinwegzuführen, den unser Bolk durchlaufen muh, dos ist immer noch nicht hart genug. Die ®e- rüchtemacher tüfteln sich noch schlimmere Ding« aus. Lind da d«r Materialismus nun leider seyr groß gezüchtet worden ist und die weiteste Der- breitung erreicht hat, ist jeder besonders hell- hörig, wenn ihm da irgendein ilnfinn von neuen schweren finanziellen Belastungen zugeflüstert wird. 3n einem Landkreis des Eichsfeldes lief unlängst das Gerücht um. es sei geplant, einen nennenswerten Teil aller Sparkassenguthaben zu beschlagnahmen: der Staat würde in Kürze so eine diesbezügliche kleine Notverordnung erlassen. Lind schon war auf diese völlig erlogene Erzalung hin die Panik da: wer etwas auf der Sparkasse hatte und der plumpen Sen- sationsmache zum Opfer fiel, verlangte sein Geld zurück. Er bekam es selbstverständlich: unsere Sparkassen sind ja durchaus sicher. Aber daß diese Massenabhebung nur wieder die wirtschaftliche Not der Allgemeinheit erschwert, das braucht ja jedem Einsichtigen nicht erst gesagt zu werden.
Doch das schien ja wvhl die tiefere Absicht der „Flüsterer" zu fein, denen wir in Zukunft besser auf die Finger sehen sollten. -sw-.
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.
3n einer öffentlichen Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei sprach am Donnerstagabend in der Turnhalle am Os- waldsgarten der Leiter des Kampfbundes für deutsche Kultur, Gruppe Westdeutschland der NSDAP Dr. Kulz (Darmstadt) Über das Thema „Kulturumsturz". Der Nedner führte in einem längeren Vortrag u. a. aus: Dia Kunst sei das Barometer unserer Seele und unserer seelischen Kräfte, das zur Zeit auf „Sturm" stehe Jetzt sei Chaos und nicht klare Linie, deshalb gelte es, neue Grundlagen zu schaffen, alte Werte zu neuem Leben zu erwecken, eine neue "Richtung und ein Ziel zu finden und sich unter einem Führer ju vereinigen. Es dürften heute nicht die Tagesereignisse allein fein, die interessierten, tetr müßten heute mehr denn je auch den kulturellen Werten unsere Ausmerlsarnkeit zuwenden. Mehr denn bei anderem gelte hier das Wort, dah Politik Arbeit aus lange Sicht sei, denn es dürfe nicht fein, dah unser deutsches Volk und seine Errungenschaften zu Grunde gingen und eine ander« spätere Mensch- heit nur noch aus Büchern davon wisse. Unser Volk müsse in die Ewigkeit marschieren. — Das dritte Reich, so führte der Redner weiter aus, sei nicht allein das Ziel, das erreicht werden müsse. Tas dritte Reich als Staatsfvrm fei vielmehr nur eine Schale, eine Form, die wir mit unserem wahrhaften deutschen Wesen füllen mühten, weil eine Staatsform an sich nicht Selbstzweck sei. Deshalb gelte es, doppelt zu arbeiten, an der Wiedergewin- nung unserer ureigenen lebenserhaltenden ethischen Kräfte. Deutsche Kultur müsse etwas fein, was Allgemeingut ist. in Schule und Elternhaus an die Jugend herangetragen wird und nicht in Trägheit versinkt. Es dürften aber auch nicht in egoistischem 3ndividualismus die Kräfte zersplittert werden, vielmehr müsse eine wahre Dolks- gemeinschast aufgerichtet werden, die nicht allein inneren Wert, sondern auch äußere Kraft bedeute. Der Redner wandte sich sodann der Menschheitsgeschichte zu, erinnerte an die Urvölker und an ihren hundertlausendjährigen Kampf um Kultur und Zivilisation bis auf unsere Tage, schilderte die mannigfachen Einwirkungen, denen ein Volk ausgesetzt- sein kann, schilderte insbesondere den Einfluh^lremder Rassen auf mühsam errungene Kultumüter Er ging dabei auf den Hellenismus ein und verwies auf grundsätzliche Uebereinstim- mungen der griechi chen Kultur zu den Kulturgütern nordischer Rassen. Die ttordische Rasse sei hesv ders prädestiniert zur Schaffung bedeutender Wert«, da der ftänbige Kampf um die Erhaltung der Existenz, der Kampf mit den Naturgewalten, denen der Mensch des Südens nicht so ausgesetzt fei, den kraftvollen Menschen hervor- bringe, der aber nur dann geschwächt werde, wenn
fremdes Blut einbringe und fremder Deist Einzug halt«. Zum Schlüsse seines Vortrags ging der Redner mit kritischen Worten auf die Situation in der deutschen Literatur, in der Musik, in der Malerei und der bildenden Kunst ein und gab an Hand von einigen Beispielen ein Bild des sittlichen Tiesstandes, der sich in den Werken der Künste — die, wie er schon eingangs erwähnte, das Barometer der seelischen Kräfte eines Dolles seien — dokumentiere. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Volks- Halleverein Gießen: Mitgliederversammlung, 17 Uhr, Sitzungssaal des Stadthauses, Bergstruße. — Freiwillige Gailsche Feuerwehr: ßauptübunw 20 30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Drei Tage Mittel- arreft".
Unser Bataillon wird am morgigen Dienstag, 9.48 Uhr, zum Truppenübungsplatz Sennelager abtransportiert und verbleibt dort bis einschl. 29. Juli.
** Zuchtviehversteigerung. Die 3. Zucht- viehversteigerung des Landwirtschostskammer-Aus- schusfes für Oberhessen findet am Montag, 13. Juli, in Alsfeld statt. Die bereits erfolgten Anmeldungen von Bullen und Ebern lassen daraus schließen, daß die Versteigerung gut beschickt und gute Qualität gezeigt wird.
** Marine-Konzert in Gießen. Man schreibt uns? Der Hessenverein Wilhelms- Haven besucht anläßlich seiner diesjährigen Hei- matreise auch die Stadt Gießen. Der Verein, der von der gesamten Flottcnkapelle (Linienschiff „Schlesien") begleitet wird, gibt am 1. August 20 Uhr. in der Volkshalle ein großes Marine-Konzert. Die Kapelle, welche die deutsche Flotte auf den jährlichen Auslandreisen begleitet, spielt in der Sommer-Uniform der Rcichsmarine. Da noch nie eine Marine- kapelle in Gießen gespielt hat, dürfte das vom Wilhelmshavener Hessenverein veranstaltete Konzert große Anziehungskraft ausüben.
Berliner Börse.
B e r l i nf 29. Juni. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Vormittagsverkehr herrschte völlige Geschäfts-. stille, und es ist keine Tendenz erkennbar. Politisch ‘ hat sich zum Wochenbeginn nichts ereignet, man wartet die Fortsetzung der Pariser Verhandlungen ab. Der kurz vor der Tür stehende Ultimo verstärkt die an sich schon starke Zurück- Haltung. Kurse sind noch nicht zu hören. Am D e • visenmarkt nannte man London gegen Berlin 20,4965, Kabel gegen Berlin 4,2135, London gegen Kabel 4,8645, gegen Paris 124,29, gegen Schweiz 25,16, gegen Madrid 51,50 zu 51,75.
Wettervoraussage.
Die über Skandinavien lagernde Störung bringt an ihrer Westseite kühle ozeanische Luft nach dem I Hestlande, welche bei der gegenwärtig herrschenden Temperaturoerteilung über Deutschland Anlaß zu I
Gewitterstörungen geben kann. Jedoch dürste dir lemperaturbecmflunung nur vorübergehend fein, denn im Westen lagert hoher Druck, der später wieder zur Geltung kommen wird.
Aussichten für Dienstag: Vorübergehend bewölkt mit Gewitterneigung oder vereinzelt gewitterartige Schauer mit leichter Abkühlung.
Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 26,7 Grad Celsius, abends 17,6 Grad: am 29. Juni: morgens 17,7 Grad. Maximum 29,3 Grad, Minimum 11,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 28. Juni: abends 28,6 Grad: am 29. Juni: morgens 19,8 Grad. — Sonnenscheindauer 15K Stunden.
Die Wetterlage.
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Verantwortlich für Politik: i. D. Ernst Blumfchein.
sch merzlindernd unb belebend bet Rheuma, Ischia», Kops-, Nerven» unb QrtältungB» 6 V:' »’mÄ' 8ita schmerzen, «rmübung u. Strapazen.
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hoben.
Gießen, den 17. Juni 1931.
Hessisches Amtsgericht.
Den.Kameraden und Angehörigen werden die Lchlachtcn- Vanoramcn im Studentenheim cf.Anzeige im Satnö tagöbL) wärmstens empfohlen. .42940
märker herangezogen werden.
Kefselbach, den 28. Juni 1931.
Hessische Bürgermeisterei.
Weber.
(beide» pateoUmtl yeadiützt) in da» nidiiten Apotheke tu kaufen und «ich damit sofort Lindenmr r» vendiaffen
Zu haben nur in der
Engel-Apotheke, am MarktpL
das Auffrischungsmitlel für Jung und Alf.
Herr Walther Voigi schreibt:
Infolge meiner aujreibei den Berufstätigkeit mären meine Nerven vollständig erschöpft, sie erholten sich nach dem Gebrauch des Leciferrins kräftig, das Allgemeinbefinden ist wieder ausgezeichnet.
Der Voranschlag der Gemeinde Kesselbach für Rj. 1931 liegt vom Dienstag, dem 30. 3uni, eine Woche lang auf hiesiger
Ich bemerke, daß nur bewährte Qualitäten und keine besonders für solche Zwecke hergerichtete Ausverkaufsware zum Verkauf kommt
Hubertus
Nächste («ctd Versammlung i Schießen erst am 8. Juli.
Heuchelheimer Mühichen
. 4298 D
jeden Mittwoch und Donnerstag
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IN grober Auswahl 3s91A
Eoaar Lorrmann, Giehen.
Vom 1. bis 15. Juli gewähre Ich auf sämtliche Waren trotz der ohnedies schon niedrigen Preisgestaltung 10% Rabatt
Beschluß
in dem Vergleichsverfahren über das Vermögen der offenen Handelsgesellschaft in Firma 3. Happel in Gießen und über die Vermögen ihrer alleinigen Gesellschafter TBitroe Luise Happel geb. Herbert und Hans Happel, beide in Gießen, Rodheimer Straße 42.
1. Der in dem Vergleichstermin vom 10. Juni 1931 angenommene Vergleich wird hierdurch bestätigt.
2. Infolge der Bestätigung des Vergleichs wird das Verfahren oufge-
^Wirksame wWerbe-Drucksachen
bei Brühl. Schulslraße 7
Der Herr wird dein ewiges Licht sein, und die Tage deines Leidens sollen ein Ende haben. Jes. 60. 20.
Ira Glauben an ihren auferstandenen Erlöser entschlief am Sonntag, dem 28. Juni, vormittags UV, Uhr, nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, meine liebe Tochter, unsere gute Schwester, Schwägerin und Tante
Karoline Burk
im Alter von fast 39 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Halter Bark V., nebst Angehörigen
Watzenborn, Köln, Bonn, den 28. Juni 193L
Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 30. Juni, nachmittags 4 Uhr statt
Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es ist eine Umlage beschlossen, zu der auch Aus- "■ ' ' * 42960
Heinrich Böhringer
Gießen, Goethestraße 22
Fertige Herren- und Knabenkleidung / Maßanfertigung Tuchhandlung
Damen-Vereinigung 1877/78
Donnerstag, den L.Juli 1931 i0S,M
AusM MüeröeehMle Abi. 1.20 Uhr mit der Blebertaibabn. Bet voUzähl.Beieilinung Preisermäßigung.
Ter Vorstand.
Ein otbentl., ehrlich. Maschen nicht unter 18Jahr, welches schon gedient hat, oer 15. Juli ncf. .re?D Alic nstr. 3 । p. (Verschiedenes) Wenn Sie Drula- Bleich wachs an wenden, dann hab. Sie die Garantie, daß Ihre. nwD ommer- prossen
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L.Iutid.I.,abends 8.15 Uhr, töricht un Hotel Schütz s,«v Landtagöabg.Böhni- Pieddershetm über: Die letzten Verhaod- Innfiendeshessland- taßs u. bevorstehend, hess- Landlagswahlen Ter Borstind.
50er Damen-Vereinigung
1880-81.
2. Juli (5ai4 Ebel
Geburtstagsteier.
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Bauschule
Ingenieurschule
ström- u.
Werkmeisterschule
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