Das «SchjMa« spricht das lest« Wort
Roman von I.Schneider-Foerstl.
Llrbcber-Rechtschuh durch Verlag Oskar Meister, Werdau t Sa.
30. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Darf ich Ihnen meinen Wagen zur Verfügung stellen, gnädiges Fräulein, oder würden Sie sich fünf Minuten gedulden können?"
„Weshalb?"
„Ich würde selbst chauffieren."
Einen Moment sah sie ihn forschend an. Dann kam ihr „3a“. Lind an was er in seinen Träumen nie zu denken gewagt hatte, sie schritt neben ihm her nach der Garage, in der ein junger Mensch damit beschäftigt war, eine kleine Reparatur an einer der beiden Limousinen vorzw- nehmen.
Er wurde beordert, Mantel und Hut für den Gebieter zu holen. 2lls Lutz den Schlag zum Fond öffnete, drückte ihn Alice wieder zu. „3ch möchte neben Ihnen sitzen. Das macht mehr Späh. Oder stört es Sie?"
Eine Helle Rote stieg seine schmalen Wangen hinauf. „Gewissermahen schon", sagte er, während er den Fuh bereits auf den Hebel setzte. Ihre zusammengeschobenen Vrauen richtig deutend, fügte er hinzu: „Es ist sehr wahrscheinlich, dah wir dann mit verbeultem Kühler nach Langenbach kommen werden."
„Die Reparatur geht dann auf Ihre Kosten, Herr SetterholmI"
„Cs scheint überhaupt alles auf meine Kosten zu gehen, gnädiges Fräulein!" erwiderte er gereizt.
Sie zuckte nur die Achseln. Als er die Richtung nach der Stadt zu nahm, blickte sie ihn von der Seite an. „Wohin wollen Sie mich bringen?"
„Ich will mich mit Ihnen zeigen, Komtesse."
„So viel Mut haben Sie, Herr Setterholm? Das hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut. Die Welt wird Kopf stehen."
„Weshalb?"
Einer der mächtigen Kotflügel streifte das Rad eines Väckerjungen, der etwas zu spät die Fahrbahn überquert hakte. Aber es war noch glücklich vorübergegangen. Ein bißchen bleich im
Gesicht, lächelte er sie an. „Sie bezeigen mindestens ebensoviel Mut wie ich, Komtesse. Dreißig Jahre lang hie Setterholm — hie Lippstädt, und nun auf einmal Seite an Seite in einem Wagen!"
„Genau dasselbe habe ich auch gedacht!" war ihre Erwiderung. Ein Wagen kam ihnen entgegen. Das Verdeck war zurückgeschlagen, und ein blasses Frauengesicht tauchte für Sekunden in flammende Röte, als die beiden Fahrzeuge aneinander vorüberglitten. Lutz hatte den Hut vom Kopf gerissen, und Alice hatte kaum merklich genickt. „Wer war die Dame?"
„Meine Mutter!"
„Ah! Sie wird nicht wenig erstaunt gewesen sein. Schade, dah es so rasch gegangen ist. Ich hätte sie gerne genauer gesehen."
„Würden Sie — ich meine — hätten Si>ct etwas dagegen, wenn wir nach ihrer Wohnung fahren würden?"
Alice markierte ein Schwanken: „Zu welchem Zweck?"
Er hatte Mühe, den Wagen durch das Gewühl der Fahrzeuge zu dirigieren, und gab erst Antwort, als sie in eine weniger belebte Seitenstraße einbogen: „Ich möchte ihr das Mädchen zeigen, das das erste und einzige ist, das ich geliebt habe."
„Habe? — Herr Setterholm?"
„Das ich liebe", verbesserte er. Aber er sah sie dabei nicht an, obwohl die ^nenschenleere Gasse das sehr wohl erlaubt haben würde.
So sah er auch das flüchtige Lächeln nicht, das über ihr Gesicht huschte. „Dann habe ich Ihnen also unrecht getan, als ich neulich sagte, Sie könnten nur hassen!"
Er nickte. „Lind Sie, Komtesse?"
„Ich? Oh!" Sie machte ihr unschuldigstes Gesicht. „Ich finde es sehr nett, geliebt zu werden."
„Ohne sich selbst dabei zu echauffieren?" bemerkte er ironisch.
„Allerdings. Oder glauben Sie nicht", sagte sie, seine auffahrende Rechte bemerkend, „dah es sehr vorteilhaft ist, wenn einer von den Kontrahenten, ob nun der Mann oder die Frau, ruhiges Blut bewahrt? Ein bißchen mehr nach rechts, Herr Setterholm, wir landen sonst an einem Kandelaber."
Lutz riß das Steuer herum und kam knapp vorbei. Ein- Fluch entschlüpfte ihm ungewollt. Roch zehn Minuten solchen Wortgeplänkels, und es gab ein Unglück.
Sie mochte das Gleiche befürchten, denn ihre Hand legte sich leicht auf seinen Ärmel: „Wir wollen Frieden halten, Herr Setterholm. Im übrigen habe ich Hunger bekommen. Ist hier in der Rähe ein Restaurant, in dem man essen kann?"
Sein Kopf machte eine knappe Geste nach der ' Seite. Gleich darauf stoppte er vor einem langgestreckten Gebäude. Den Schlag für sie offen haltend, wartete er, bis sie auf dem Gehsteig stand.
Es war noch ziemlich leer in dem großen Raum, in den sie der Ober führte. Er rückte ihr einen Stuhl zurecht und suchte in ihren Augen. Sie blickten kühl und überlegend, und in seiner Erregung begann er sich in die Speisekarte zu versenken. Er schien etwas darin zu suchen und nicht zu finden. Reugierig sah sie ihm über die Achsel.
„Haben Sie besondere Wünsche?" fragte er. Ihre Rähe verwirrte ihn immer mehr.
„Oh", machte sie, während ihre Hand sich vertraulich neben die seine legte, „Sie werden sicher etwas Gutes für mich herausfinden. Was soll ich denn Schönes bekommen?"
Er umgab seine Pläne mit einemmal mit dem Rimbus des Geheimnisvollen, debattterte halblaut mit dem Ober und sah sie dann an. Es war das erstemal, dah sie den Blick vor ihm senkte.
Ein junges Mädchen mit einem Korb herrlicher Rosen schritt die Tischreihen entlang. Er wählte die schönsten und legte sie neben ihren Teller. Sie nahm eine der Knospen, strich darüber hin und steckte sie dann an ihrem Gürtel fest.
Der Ober kam mit wichtiger Geste und balancierte mit Platten und Schüsseln. „Sie Haden wohl ein ganzes Hochzeitsdiner bestellt?" forschte sie, während sie ein Stück des Truthahns auf den Teller nahm.
„Erst kommt das Verlobungssouper, dann die Hochzeit!" trumpfte er. Sein Aerger war spurlos verflogen.
„Richtig!" Ihre Augen lachten ihn an.
Eisgekühlt floh der Sekt in die Kelche. Sie klangen mit feinem Tönen aneinander. Lind wieder senkte Alice den Blick. In Lutz aber raste ein Dämon. Mochte kommen was wollte, heute noch muhte er diesen spröden Mund küssen, diese Augen, die nixenhaft schillernd alle Wonnen versprachen, die eine Frau nur immer zu geben
vermochte. Lind' ihr 3a muhte er hören, noch eytz eine Stunde vorüber war.
Es fiel ihr auf, wie rasch er den Sekt hin«, unterstürzte. Auch in ihr begann er zu prickel^ Aber einer von beiden hatte ruhig zu bLeibeiL, hatte sie gesagt. Also dann die Augen wach und den Kopf hell behalten.
Als sie das Restaurant verliehen, schien es ihr, als schwanke er etwas. Aber als er dann an> Steuer sah, war er wieder vollkommen nüchtern Sie beruhigte sich völlig, als sie merkte, in welch gemäßigtem Tempo er fuhr.
„Wollen wir noch in den Prater?" fragte dicht an sie gerückt.
Sie schüttelte nur den Kopf. „Ich möchte heim^ Herr Setterholm."
„Dann also nach Langenbach?"
„Ditte!"
Die Liber fielen ihr wiederholt herab. Dell, Sekt war schwer und das Souper reichlich ge-! wesen. Lind sie fühlte sich so geborgen. Die letzten Wochen waren so unsagbar traurig gewesen. Es war der erste Abend, der so etwas wie ein leichtes Aufatmen brachte. Gott, man war fa jung!
Sie müßte wohl geschlafen habem tief geschla^ fen, und nun wurde sie geweckt, toeil sie das leise Schaukeln der Federung nicht mehr ve« spürte.
„Was ist?" sagte sie aufatmenö. Ihre rechts Wange brannte. Sie hatte demnach gegen Sette« Holms Schulter gelegen.
Der Wagen stand dicht neben dem wasserloses Graben an der Chaussee. Die Lichter waren abt geblendet, und eine Pappel schickte einen riesens haften Schatten über die verstaubte Strahe hin,
„So geht es nicht mehr weiter", hörte sie Lutz dicht an ihrem Ohr sagen.
„Wie dann?"
Roch ehe sie die Hand zur Abwehr zu hebetz. vermochte, fühlte sie sich von seinen Armen um« saht. Ihren Kopf gegen seine Schulter zurück« drückend, strömte die Leidenschaft seiner Küsst» über sie hin.
Erst als ihr Mund gleich dunllem Mohn durchblutet war, fühlte sie, wie sich sein Griff lockerte. Etwas ungehalten machte sie sich völlig frei. „Muhte das sein? So auf diese Art Wege« lagerertum .."
„Wie sonst?" ahmte er ihren Ton nach. „Sitz hätten weih Gott bis Langenbach geschlafen und mich zuguterletzt mit einem kurzen Danke ab«
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3677 D
M.G.Grode
3024 a Frankfurter Straße
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 3680D
Am 8. April 1931 bei der Firma Gebt, weil zu Gießen: Die Firma ist erloschen.
Am 25. April 1931 bei der Firma Louis Loh zu Gießen.- Die offene Handelsgesellschaft ist aufgelöst und die Firma erloschen.
Am 2.7Nai 1931: a) bei der Firma Samuel Rosenbaum & Söhne, Gießen: Der Kaufmann Samuel Rosenbaum ist durch Tod aus der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden und diese somit aufgelöst. Das Geschäft ist mit Aktiven und Passiven auf den Kaufmann Isidor Rosenbaum übergegangen, der es als Einzelkaufmann unter der seitherigen Firma weiterführt. Dem Kaufmann Willy Rosenbaum in Gießen ist Prokura erteilt, b) Bei der Firma Wilhelm Reih in Gießen: Die Firma ist erloschen.
Am 20. Rlai 1931: a) bei der Firma Rheinische Wachgesellschaft Frank & Co., Gießen: Als weiterer persönlich haftender Gesellschafter ist der Anstreicher Karl Neeb, Gießen, in die offene Handelsgesellschaft eingetreten. Sophie Frank geborene Altgeld ist aus der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden, b) Bei der Firma Georg Dahmer in Gießen.- Der Kaufmann Heinrich Dahmer ist aus der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden und diese somit aufgelöst. Das Geschäft wird unter Beibehaltung der seitherigen Firma und unter Uebernahme der sämtlichen Aktiven und Passiven von dem Spengler und Jnstalla- tionsmeister Georg Dahmer weitergeführt.
Am 21. ITlai 1931 bei der Firma C. w. Rowack & Sohn in Gießen: Kaufmann Kurt Heinemann in Gießen ist als persön- lid) haftender Gesellschafter eingetreten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1931 begonnen.
Am 23. wai 1931 bei der Firma Johanna 6rohn in Gießen: Die Firma ist erloschen.
Gießen, den 27. Mai 1931.
Hessisches Amtsgericht,
Bekanntmachung.
Die Pflaster, und Chaussierarbeiten zum Ausbau der verlängerten Schottsttaße sollen auf Grund der Reichsverdingungs- orbnung öffentlich vergeben werden.
Angebote sind bis zum 3628C
Montag, dem 8. Juni 1931 vormittags 10 Ahr verschlossen, versiegelt und mit entsprechen- der Aufschrift versehen beim Städtischen Tiefbauamt, Asterweg Nr. 27, abzugeben. Daselbst ist der entsprechende Vordruck zu haben.
Zuschlags- und Bindefrist drei Wochen. Gießen, den 28. Mai 1931.
Städtisches Tiefbauamt: Braubach.
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 23. Mai 1931 eingetragen: A. & w. Denninghosf, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Gießen. Gegenstand des Unternehmens ist die Pachtung und der Betrieb von Bierbrauereien und Spiri- tusfabriken, sowie aller mit derartigen Unternehmungen zusammenhängenden Geschäfte, ferner die Uebernahme von Ver- waltungsarbeiten aller Art. Das Stamm- kapital beträgt 20 000 Reichsmark. Ge- schäftsführer find: Adolf Denninghosf, Bierbrauereibesitzer, und Waldemar Denning- hoff, Bierbrauereibesitzer, beide in Gießen. Der Gesellschaftsvertraa ist am 2. März 1931 festgestellt. Die Gesellschaft wird durch einen oder mehrere Geschäftsführer vertreten. Wenn mehrere Geschäftsführer bestellt sind wird die Gesellschaft durch zwei Geschäftsführer oder einen Geschäftsführer und einen Prokuristen gemeinschaftlich vertreten, jedoch sind die Geschäftsführer Adolf Denninghosf und Waldemar Den- ningtjoff berechtigt, jeder die Gesellschaft allein zu vertreten. 3680D
Gießen, den 26. Mai 1931.
Hessisches Amtsgericht.
U/E E3R CD RUCK SACHEN ■ ■ bBrühl'sche Druckerei
Badeanzüge
Mk. 4.50. 3.50, 2.75
Mk. 2.75, 2.25, 1.50 ......Mk. 8.25, 3.50
für Herren
reine Wolle.
Baumwolle...
Badehosen ...
weiß...........
Sonnenanzüge
für Kinder:
reine Wolle-••
Mk. 6.50, 5.00
Mk. 3.00, 2.50
Mk. 1.30, 0.90
in größter Auswahl, gute Schnitte-
für Damen:
reine Wolle.......Mk. 7.75, 5.75, 4.50
Baumwolle, färb., Mk. 4.25, 3.50, 3.15 sch warzu. schwarz-
Baumwolle, färb., Mk. 1.85, 1.45, 1.30 schwarz u, schwarz
weiß ..............Mk. 150, LOO, 0.75
Luftbadeanzüge aus porösem Stoff.........Mk. 3.25, 2.75
3661A
Diese Geschäfte führen auch Seherlng’s üflialge YeerieW Mk. 180 und 0.75. SeHrlii'e Shampoon Mk. 0.25,
1 Vollkur = 5 Mark
Löwen-Drogerie, W.KIIblager Naot*
Seltersweg 76a
Germania-Drogerie Carl Seibel,
Frankfurter Straße 39
Haarausfall- Schuppenbildung beseitigt prompt
Schering’s Papillantin
in der Zwillingsflasche
Engel-Apotheke, am Markt
Priv-Pelikan-Apotheke, Kreuzplatz 2 Hirsch-Apotheke, Frankfurter Str. 4
Drog.OttoWInterhoff,Kreuzplatz 9/10


