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gelohnt. So habe ich mir mein Recht gleich seht vorweggenommen!"
„Recht?" Es war mehr Staunen als Empörung in ihrer Stimme.
„Richt?" sagte er verwundert. „Du hast es doch nett gefunden, geliebt zu werden. Oder, mein Mädchen?"
„Ich habe sooo gut geschlafen", schmollte sie, ohne ihm zu wehren, als er sie aufs neue in die Arme schloß.
„Das kannst du nach der Hochzeit ofle Tage tun, mein Süßes — an meiner Schulter schlafen!" Er drückte, toll vor Liebe, immer wieder seine Lippen auf die ihren.
Der Wind fächelte Kühlung durch das herabgelassene Fenster. Am westlichen Himmel schwamm der Mond als sllberglitzernbe Wiege. 2m Wiesengrund zirpten die Heimchen, und ein Reh das verschüchtert aus dem Dunkel trat, äugte erschrocken nach den beiden reglosen Lichtern auf der Straße herüber.
„In fünf Wochen will ich Hochzeit hakten!" flüsterte Lutz und hielt die Arme über ihren ßcib gepreßt.
„Du willst?" lallte sie und lächelte dabei über seinen Kopf hin. der an ihrer Brust lehnte.
„Willst du nicht auch, mein Mädchen?"
„Ja, Lutz!"
Erschrocken machte das Reh einen Sah in das Dunkel zurück. Der Iubelschrei des Mannes war bis zu ihm gedrungen.
ES war, als schaukle oben der Himmel die Wiege des Mondes. Selbst die Heimchen schwiegen.
Rur zwei Menschen flüsterten sich im Schwein gen der Rächt das Glück ihrer großen Liebe zu.
* . *
Flugzeuge, die die englische Regierung zur Rekognoszierung ausschickte, brachten die Rach- richt, daß in etwa hundert Seemeilen Entfernung eine Insel aus den Wellen getaucht sei, die man vorher noch niemals gesichtet hatte. Geologen sprachen die Vermutung aus, daß wahrscheinlich durch ein Seebeben sich Derschie- bungen unter der Erde ergeben haben würden. Don Java und Sumatra aus kamen Dampfer, Barkassen, Segler und Motorschiffe, um die Mitteilung der Flieger auf ihre Richtigkeit zu prüfen.
Die Beobachtung, die diese gemacht hatten, stimmte. Aber man vermochte nicht an das schwimmende Eiland heranzukommen. Die Strömung. die es umkreiste, war unbedingt zu stark.
Alle Versuche zu landen, scheiterten. Zugleich aber erwies es sich, daß es ausgesetzten Booten unmöglich war. in das Innere einzudringen. DeS- ungeachtet mußte aber der Kern der Insel aus einer einwandfrei festen Masse bestehen, denn trotz deS stärksten Wellenganges war kein Schwanken des Eilandes zu bemerken.
Jefferson, der einer von jenen war, die sich am meisten für die Sache interessierten, bestimmten Hetterfield, einen Privatflieger zu engagieren, der sich auS niedrigster Höhe die Insel ansehen und sich eventuell auf sie herablassen würde.
Geld war. wie immer, auch hier der Faktor, der eine Möglichkeit schuf. Und als der Pilot, der die Aufgabe übernommen hatte, von seinem ersten ErkundungSslug zurückkehrte, wagte er beinahe auf Eid auszusagen, daß die Insel Menschen trage.
„Es werden Tiere sein", korrigierte ihn Hetter- sield.
„Menschen", widersprach der Pilot. „Aber Menschen, die auf allen Vieren kriechen. Ich habe ihnen Zeichen gegeben, habe auch den Eindruck gehabt, als ob sie mich sähen, aber da ich ohne Begleiter war. vermochte ich nicht weiter zu rekognoszieren. Ich werde das Eiland noch einmal überfliegen, mir einen Kollegen mitnehmen und an einer günstigen Stelle landen."
„Ja. tun Sie das", lobte Hetterfield, „es soll Ihr Schaden nicht sein."
Jefferson befand sich in einer ungeheuren Aufregung. die Hettersield ganz richtig deutete. „Ma-» chen Sie sich (eine Illusionen", warnte er. „Angenommen. es handelt sich wirklich um Menschen, wer sagt, daß es gerade jene sind, die wir suchen? Unb wie käme Viktor Lippstäbt auf diese Insel? Es gibt wohl zuweilen nod) Wunder im Leben, aber keine solchen. Man muß immer, wenigstens mit einem Fuße, auf dem Boden der Wir^ichkeit bleiben!"
Eine Menge von Fahrzeugen umkreiste das Eiland, als der Pilot sich anschickte, sich darauf herabzulassen und als sein Begleiter den Boden betrat. Es dauerte eine Ewigkeit, bis er endlich wieder auftauchte und — mit dem Feldstecher könnte man das genau verfolgen — einen schweren Gegenstand mit sich schleppte.
„Ein Mensch", urteilten die einen. „Eine Leiche", behaupteten die weniger optimistisch Veranlagten. Jene, die meinten, es handle sich um ein Tier, wurden auSgelacht. Ein solches an Bord
zu nehmen, hätte 5et Flieger wohl nicht der Mühe wert gefunden.
Unb bann strömte bic Menge, nachdem die Schiffe Kurs landeinwärts genommen hatten, nach dem riesigen freien Pla^a, auf dem die Piloten vereinbarungsgemäß LanN-n wußten. Feierliche Stille herrschte, als der Pilot mit Hilfe seines Begleiters einen reglosen Körper aus der Maschine hob. Cs war eine Frau. Man bettete sie erst auf die Erde, bann auf eine Tragbahre. Ihr Gesicht war wächsern unb bic ©lieber kaum noch mit Fleisch überzogen.
Hetterfield, der sich über sie neigte, wagte keine Frage zu tun. Aber der Pilot sah die Angst in feinem Gesicht unb berichtete, daß noch an die fünf bis sechs Personen auf der Insel weilten. Cs sei aber unmöglich, sie alle gleichzeitig zu bergen. Man habe demnach, wie überall, so auch hier, der Frau den Vorrang gelasien.
Dreimal noch kam der Doppeldecker mit je zwei Männern zurück. Als her letzte die schmale Leiter von der Maschine herabturnte, wankten Hetterfield die Knie. „Viktor!"
Zwei erloschene Augen, bic aus einem fleischlosen Gesicht blickten, irrten nach ihm hin. Jefferson war schon an seiner Seite. „Graf Lippstädt!"
Ein wirres Lächeln ertoibertc, das wie ein Erinnern anmutete. Dann brach der haltlose Körper zusammen. Ein junger Mensch, nicht fähig, sich selbst auf den Füßen zu halten, fiel über ihn hin unb umfing ihn mit beiden Armen. Als man ihn von dem Dewußtlvfen löste, glitt er regungslos zur Seite.
* * *
Viktor Lippstädt auf Hetterfields Besitzung auf Java zu bringen, erwies sich als unmöglich. Sein Zustand war derart beforgniserregend, daß stündlich mit feinem Ableben gerechnet werden mußte. So hatte man ihn nach dem Bungalow des Verwalters geschafft und mit ihm den jungen Menschen, von dem man nicht wußte, um wen es sich handelte.
Desien achtzehn Jahre aber zeigten eine Spannkraft. die ans Wunderbare grenzte. Bereits eine Viertelstunde später war er wieder aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht und konnte berichten, wie sich alles zugetragen hatte. Demnach war er mit seinem Begleiter Thomson gleich Lippstädt ans Meer geeilt, weil sie dort größere Sicherheit erwarteten. Diese Annahme aber hatte sich als trügerisch erwiesen. „Thomson unb ich", so erzählte er. „stürzten kopfüber in ein Doot, in
dem sich schon eine Anzahl Menschen befandest, und a'L dieses, von einem Motor getrieben, von Land stieß, flog, wie aus der Luft geschnellt, ein Körper an uns vorüber, klatschte im Wasser auf, wurde von mir an den Haaren ergriffcw unb hochgezogen. Cs war Graf Lippstädt."
„Haben Sie denn meinen "Cnkel gekannt?* fragte Hetterfield.
Thom — kein anderer war der junge Mensch — war im ersten Moment etwas verblüfft. Don einem Großvater Lippstädts hatte er bislang nichts gewußt. Dann klärte er auf, daß man sich in der Heimat schon deS öfteren begegnet war.
Demnach sind sie Thom Dloem", sagte Hetter- field, und ein Schimmer der Freude ging übel sein sorgenvolles Gesicht.
Thom bejahte unb staunte über das.'lvaS ihm nun alles zu Gehör kam.
Cs bauerte lange, bis er begriffen hatte. Viktor Lippstäbt hatte also eine Schwester, unk» die Schwester wurde Lutz' Frau! Immer wiebel schüttelte er ben Kopf.
Aber Hetterfield ließ ihm nicht allzuviel Zeit, das alles auscinanderzuklügeln. Seine Fragen an Thom überstürzten sich. Unb so erfuhr er denn, daß bas Doot, bem man sich ano et traut hatte, schon eine ziemliche Strecke ins Meer geglitten war unb man sich soviel wie in Sicherheit wähnte, als plötzlich eine riesige Dlase au8 ber Tiefe aufftieg, bic einen ungeheuren Trichter öffnete, und aus diesem Trichter tauchte ein Seelier auf, das sie gleichsam auf die Schultern nahm.
„Das Doot zersplitterte. Ich wurde gegen einen Stein geworfen, und als ich mich von dem Schrecken erholt hatte, begriff ich erst, daß es sich nicht um ein Tier handelte, das unS da aufgesipießt hatte, sondern um ein Stück Land, das aus dem Wasier geschnellt war und nun mit etwas schwankenden Bewegungen von der Strömung fort getrieben wurde.
Wir konnten nichts dagegen tun, Hilfe war nicht zu erwarten. Wir sahen, wie der Ophier noch immer fein Feuer in die Luft spie, und hofften, daß man uns über kurz ober lang fin» ben würde. Aber das Eiland schwamm immer weiter. Zuweilen schaukelte der Boden so verdächtig. daß wir glaubten, schon in den nächsten Sekunden rettungslos in die Tiefe zu sacken. Und dann am zweiten ober britten Tag merkten wir enblich, daß bie Insel sich auf irgenbwelch« Weise verankert haben mußte, benn sie rührte sich nicht mehr von ber Stelle. (Schluß folgt.)
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