Ausgabe 
29.5.1931
 
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Nr. 123 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Freitag, 29. Mai 1931

LmhalbesZchchundertDogelsbergelHöhen-Llllb.

Von Dr. meb. Vruchhäufer-Ulrichstein, 1. Vorsitzendem des VHL.

Am Himmelfahrtstag dieses Jahres hatte der Reichsverband Deutscher Gebirgs- und Lander- Vereine eine große Sternwanderung nach Fried­berg in der Welterau einberufen, die sich zu einer großartigen Kundgebung für die deutsche Wandersache gestaltet hat. Es waren Wander­freunde aus entfernten Teilen des deutschen Vaterlands gekommen. Naturgemäß am stärksten vertreten waren die Gebirgsvereine der näheren Umgebung: Taunusklub, Odenwaldklub, Spessart- bund, Ryönklub, Oberhessischer Gebirgs-Verein (Sitz Warburg), Westerwaldverein und L o - gelsberger Höhen-Club, die mit etwa 50 weiteren Gebirgs- und Wandervereinen den Reichsverband bilden und die stattliche Zahl von 250 000 Wanderern umfassen, mit den Familien­mitgliedern etwa eine Million Wandernder. Die meisten der vorgenannten Vereine sind Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts ins Leben gerufen worden, als eine mächtige Welle des Rational- und Heimat­gefühls, als Folge des siegreichen Krieges und der Einigung der deutschen Männer, unser Vater­land durchpulste. Es regte sich der Drang, die Gaue des geeinten Vaterlands zu durchwandern, um sie und die Volksgenossen kennenzulernen.

Einer der Milgründer dieses Verbandes war der Vogelsberger Höhen-Club (DHC.), der jetzt am 30. urch 31. Mai seine 50-Jahr- Feier in Schotten begeht. Er ist am 22. Mai 1881 in Schotten von vierzehn heimatliebenden Männern ins Leben gerufen worden, in der richtigen Erkenntnis, daß es an der Zeit sei, auch den viel verkannten Vogels­berg, das hessischeSibirien", seines bis dahin üblen Ruses der Unwirtlichkeit und Unkultur zu entreißen. Eine rührige Werbearbeit ließ in wenigen Monaten 17 Zweigvereine (damals Sek­tionen genannt) erstehen: Alsfeld, Dirstein,- dingen, Darmstadt, Gedern, Gießen, Grün­berg, Herbstein-Grebenhain, Hirzenhain, Hoin- berg-Schweinsberg, Laubach, Lauterbach, Ridda, Orlenberg, Schlitz, Schotten, Ulrichstein. In sech­zehn von diesen Orten bestehen heute noch blü­hende Zweigvereine. Schon am 12. September 1881 fand die erste Generalversammlung in Ulrich­stein statt. Dort wurde der VHC. durch Satzungen und Wahl eines Zentralauschusses fest begründet. Es folgten in den nächsten Jahren eine ganze Anzahl neuer Zweigvereine, meist im und am Vogelsberg, die aber zum Teil wieder eingingen. In dem Schriftchen, das zum 25. Jubiläum des DHC. 1906 herausgegeben wurde, heißt es: Grund für diese Auslösung war Wohl meist die weite Entfernung vom Dereinsgebiet und das dadurch geminderte Interesse." Ein großer Irr­tum, wie sich bald Herausstellen sollte! 1906 be­stehen 20 Zwcigvereine mit rund 1000 Mitglie­dern. auf welcher Zahl sich seit 1881 fast stän­dig der Gesamt-VHC. gehalten hatte. 1908 hat der VHC. bereits etwa 30 Zweigvereine mit über 2000 Mitgliedern. Wie war das möglich? Schon 1907 war es gelungen, in Frankfurt einen Zweigverein ins Leben zu rufen. Dessen Grün­der und bis zu seinem vor kurzem erfolgten Tode ständiger erster Vorsitzender war unser unver­geßlicher Vater Dender (Prof. Gg. Dender). Er erwies sich als ein großer Organisator, dem der VHC. einen ungeahnten Aufschwung ver­dankt. Eine ganze Anzahl von Zweigvereinen stampfte er sozusagen aus dem Doden, fern dem eigentlichen Dereinsgebiet, im Maintal, im Kin­zigtal, in der Wetterau, in Fulda am Fuße der Rhön, in Mainz, Worms, Kassel, ja im fernen Berlin! Die Mitgliederzahl verdoppelte, ver­dreifachte, verfünffachte sich. Dieser Aufschwung lag, wie man zu sagen pflegt, in der Luft, haben doch auch andre Gebirgs- und Wandervereine in derselben Zeitspanne ähnlichen Zuwachs zu verzeichnen gehabt. Deim VHC. war er aber nur dadurch möglich geworden, daß sich der Ver­ein, unter dem steten Einfluß des, Dundes, ans einer Geselligkeit pflegenden Vereinigung der Dogelsbergfreunde zur Hebung, des Verkehrs im Vogelsberg immer mehr zu einer G e i st e s - gemeinschaft volkstreuer Oberhes- fen entwickelte. Dor Stamm und Kern aller nicht im Arbeitsgebiet gelegener Zweigvereine

Baukunst und Briefmarke.

Von M. Büttner.

Man könnte daran zweifeln, daß Daukunst rind Driefmarke irgendwie miteinander verwandt find. Den Beweis dafür aber erbrachte vor einiger Zeit die Postverwaltung Brasilien, als sie zum 4. Panamerikanischen Architektenkongreh in Rio de Janeiro drei Erinnerungsmarken her- ousgab. Sie huldigen in phantastisch-symbolischen Darstellungen der modernen Daukunst. Auf der 100-Reis-Marke leuchtet die Sonne zwischen den Dergen von Rio und bestrahlt eine überirdische, hoch in den Himmel ragende Dauvisivn. Im Hintergrund der 200-Reis-Marke steigen mo­derne Hochbauten empor, zu denen eine Men- fchengruppe bewundernd aufblickt. Der 300-Reis- Wert zeigt ein nächtliches Bild; in der Ferne den Zuckerhutfelscn von Rio mit dem Kreuz des Südens darüber, im Vordergrund einen Säulenbau aus Deton.

Die Markensammler wissen, daß auch ohne Architektenlagungen oder Dau-Ausstellungen der Kunst des Bauens mancher Ehrenplatz auf Post- tocrtzeichen eingeräumt worden ist. Besonders reich vertreten sind die klassischen Werke des Altertums oder doch die Uebcrreste, die der Zahn der Zeit bis heute verschont hat. Sehen wir uns zunächst ein wenig in Europa um. Mit berechtigtem Stolz erinnert die Post Griechen­lands an den architektonischen Ruhm des alten Hel­las, wenn sie ihre Marken mit der Akropolis ober dem herrlichen Theseustempel schmückt. Auf den Albumblättern von Italien findet der Samm­ler altrömische Baudenkmäler, wie die Engels­burg. das Kapitol und die Peterskirche des Vatikans. Anderen Römerbauten aus jener Zeit werden wir später in anderen Erdteilen begegnen.

Jüngere, aber nicht weniger ehrwürdige Werke erscheinen auf deutschen Postwertzeichen. Der romanische Baustil wird durch die Wartburg bei Eisenach und den Dom zu Speyer vertreten, der gotische durch die Marienburg, den Kölner Jom und das Aachener Münster. Prächtige Dei- schiele für Gotik, Barock und Renaissance bieten österreichische Marken: den Wiener Stephansdom,

ist stets eine Gruppe heimattreuer Vogelsberger oder Oberhessen.

Richt etwa, daß in den ersten zweieinhalb Jahrzehnten weniger geleistet worden wäre! Das in dieser Zeit Erstrebte und Erreichte ist staunens­wert: Einführung eines Vogelsberger Volksfestes, das alsH o h e r o d s k o p s f e st" jährlich den ganzen Vogelsberg versammelte. Wegweiser und Wegbezeichnungen. Aussichtsgerüste, ein Sommer- wohnungsverzeichnis, Karten des Wandergebiets, der Dogelsbergsührer von Prof. Buchner, Gie­ßen, später von Prof. R o e s ch e n erweitert, Dau eines Clubhauses auf dem Hoherodskopf (1887/88), vergrößert 1895, und weiter ausgebaut durch den Zweigverein Taufstein, Gießen 1905. Die Männer, die das alles geplant und geschaf­fen haben, werden unvergessen bleiben im DHC. Don den Schottener Gründern taten sich besonders hervor der erste Dorsihende des Gesamt-Dercins, Steuerkommissar Klingelhöffer (leiderschon 1885 gestorben), Rendant Wolfschmidt und Postverwalter Cellarius als Rechner und Clubhausverwalter. Ferner Apotheker Carl Scriba und Carl Glock, ersterer als Schrift­führer, letzterer als Rechner und Hausverwalter. Don 1899 an finden wir dann einen Mann im Dorstand, der bis heute, also 32 Jahre lang, sein Leben dem DHC. gewidmet hat. Es ist unser im ganzen DHC. bekannter und verehrter Carl L i n ck, 40 Jahre als Lehrer in Rudingshain, jetzt im Ruhestand in Schotten. Was er in allen möglichen Aemtern und Ausschüssen, besonders aber als Schriftleiter desFrischauf", der Der- einszeitschrift, geleistet hat, ist ein besonderes Kapitel im VHC.-Leben. Die Vorsitzenden der ersten 25 Jahre waren nach Klingelhöffers Tode von 1885 bis 1888 Kreisrat Dr. Wolf, Forstmeister Diefenbach von 1888 bis zu seiner Versetzung nach Darmstadt, Oberamtsrichter Rispel, der wohl beliebteste und volkstüm­lichste Leiter des VHC., dessen plötzliches Ableben im Spätherbst 1913 eine tiefe Trauer ouslöste. Kreisdirektor Dr. M e r ck folgte ihm bis zu seiner im Herbst 1915 durch Berufung in die Verwaltung des besetzten Polens bedingien Rie­derlegung des Vorsitzes. Seitdem leitet der Ver­fasser dieses Aufsatzes die Geschicke des DHC.

Andere um den DHC. verdiente Männer waren Geh. Kommerzienrat Buderus in Hirzenhain, die Lauterbacher Becker und S t ö p l e r, und Rechnungsrat Heinrich Bruchhäufer, der den Zweigverein Darmstadt wieder auf die Beine stellte und im erweiterten Dorstand des Gesamt­vereins lange Jahre fleißig mitarbeitete. Don den noch Lebenden müssen Zahnarzt Jäger, Gießen, und Carl Finger in Lauterbach ge­nannt werden, nicht zu vergessen unseres alten Clubwirts Johs. Stein, der 40 Jahre lang die Clubwirtschaft auf dem Hoherodskopf geführt hat und auch sonst sich große Derdienste um den DHC. erwarb. Großes für den DHC. hat der Derlag Wilhelm Engel in Schotten, sein Seniorchef, unser Ehrenmitglied und langjähriger Schrift­führer Wilhelm Engel und seine Reffen Dr. H. und Erich Dambmann durch Herausgabe des «Frischauf" geleistet. Richt weniger die Schrift­leiter der Dereinszeitschrist Prof. Weihhart, Büdingen, Prof. Dr. R o eschen, Laubach, und unser Carl L i n ck.

2m Jahre 1907 begann, wie gesagt, ein neuer Abschnitt im Leben des VHC. Der Verfasser der Festschrift zur 25-Jahrfeier hatte abschließend gemeint:Gar mannigfache Aufgaben sind also noch in dem kommenden Vierte jahrhundert zu lösen: Dau des Bismarckturms, Ausgestaltung des Clubhauses, Einrichtung von Schülerherber­gen." Ungeahnt reich haben sich diese Ahnungen verwirklicht. ®ie stark steigende Mitgliederzahl und die dadurch vermehrten Einnahmen ermöglichten größere Leistungen. Am 4. Juni 1910 wurde der steinerne Bismarckturm auf dem Taufstein ge­weiht. Ein zweites Clubhaus Ende 1911 fertig­gestellt. Später folgten das Gefallenen-Denkmal für die VHC.-Drüder, die im Weltkriege fürs Vaterland starben, auf der Kuppe der Herchen- hainer Höhe und in dessen Rähe eine große Ju­gendherberge. unser Dater-Bender-Heim. Beide wurden zu Himmelfahrt 1926 geweiht. 1928 er-

Schloß Schönbrunn und das Parlamentsgebäude. Ein gotisches Meisterwerk, die schicksalsvvlle Ka­thedrale von Reims, hat neuerdings auch Frank­reich in seine Driefmarkenbilder eingerecht. Be­sonders stolz ist Belgien auf seine malerischen alten Schlösser, Rathäuser und Kirchen, die immer gleich reihenweise auf dortigen Pvstmarken auf­zutauchen pflegen. Den byzantinischen Baustil zeigen uns türkische Marken mit zahlreichen Mo­scheen, darunter der berühmte Hagia Sophia in Konstantinopel, und der Moskauer Kreml auf russischen Marken. Als Zeugen der alten nordi­schen Baukunst seien noch der Dom von Roskilde und das Hamlet-Schloß Kronborg in Dänemark sowie die trotzige Olafsburg in Finnland er­wähnt.

Im Handumdrehen kann sich der Marken- freund dann nach Asien versetzen, um auch dort alte Bauwunder zu schauen, seien es in Arme­nien die Ruinen von Ani, in Syrien und im Libanon-Gebiet die säulenreichen Römerbauten von Palmyra oder Baalbek, in Persien die er­habenen Trümmer von Persepolis und manches andere, lieber viele reiz- und stilvolle Tempel- bauten freut sich der Sammler, wenn er in seinem Album die Länder China, Japan und Rieder- ländisch-Jndien durchblättert. Wesentlich spär­licher macht sich dann die alte Architektur Afrikas bemerkbar. Dafür hält Aegypten mit seinen Pyra­miden, einem schönen pharaonischen Tempeltvr usw. wohl den Altersrekord. Sonst haben im schwarzen Erdteil noch die alten Römer dafür gesorgt, daß der philatelistische Daukunstfreund nicht in Verlegenheit gerät: die gewaltige Wasser­leitung des Hadrian bei Karthago und das Ko­losseum von El Djem in Tunis nebst dem alten Triumphbogen von Timgad in Algier sind beste Zeugnisse für ^änzend bestandene Baumeister- Prüfung. Auch die alten Mauren verstanden schon ihr Handwerk, wovon uns mehrere monumentale Baudenkmäler auf Marken Marokkos überzeugen.

Vielleicht die älteste Architektur der amerikani­schen Welt ist in der merkwürdigen aztekischen Sonnenpyramide in Mexiko erhalten geblieben und auf dortigen Postwertzeichen wiedergegeben. Die Ruinen des altersgrauen Kolumbus-Schlosses in Santo Domingo versucht die Postverwaltung

folgte dann der Ankauf desJägcrheims" auf dem Hoherodskopf. Dies die wichtigsten Ar­beiten: erwähnt seien noch die Errichtung des steinernen Hainigturms durch den Zweigverein Lauterbach, die Erwerbung des Weinberghäus­chens bei Langenselbold und die Stiftung der Schleuningsteine" bei Ulrichstein. Parallel diesen sichtbaren und greifbaren Leistungen ging ein Aufschwung in der Wanderbetätigung. Es waren auch hier die größeren Städtevereine, die mit den, Luft- und Raturhunger ihrer zahlreichen Mitglieder Zug in die Wanderfache brachten. Der regelmäßige Besuch der deutschen Wander­tage durch geeignete Leute weitete den Blick und führte 1912 zu der großen wohlgelungenen Ta­gung der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine in Büdingen, mit der eine äußerst gelungene Wandertag-Ausstellung verbunden war, die, neben Erzeugnissen anderer Gebirgsgegenden, eine Schau gewerblicher und künstlerischer Produkte aus dem Vogelsberg brachte, die sich mit Ehren sehen lassen konnte.

Die Qugenbroanberberocgung, die im ersten Jahr- zehnt unseres Jahrhunderts mit Macht sich aus­breitete, fand auch beim VHC. guten Boden. Man schloß sich der Jugendherbergssache, die von Hohen- elbe ausginy, mit Begeisterung an, und eine ganze Reihe von, meist allerdings wohl recht einfachen, Jugendherbergen erstand im Vereinsgebiet. Später erst kam der Reichsoerband für Deutsche Jugend­herbergen, dessen Werk heule eine Sache des ganzen deutschen Volkes geworden ist. Der VHC. errichtete, ganz aus eigener Kraft, eine große Jugendherberge, fein Vater-Bender-Heim, auf der Herchenhainer Höhe mit einem Aufwand von rund 80 000 Mark, das 1926 geweiht wurde; eine Großtat des VHC. und seines Jugendobmannes, Professor Georg Bender in Frankfurt, der unermüdlich und erfinderisch immer neue Mittel aufbrachte zur Verwirklichung seines Lieblingsplans. Als einer der Ersten im Verband der Deutschen Gebirgs- und Wanderoereine hatte Bender die wanderfreudige Jugend zu Jung-DHC.- Gruppen zusammengefaßt und organisiert. Seiner bahnbrechenden Arbeit sind dann viele andere gefolgt, und ihr verdankt die Jugendsache in den Wander- vereinen hererfreuende Erfolge. Der würdige Nach­folger Benders ist Ludwig Dem, Vorsitzender des Zweigvereins Offenbach und Vertreter des VHC. im Reichsverband.

In diesen Tagen treffen sich in Gießen viele Angehörige der GießenerDurschenschaft Germania, um das 80. Stiftungsfest ihres Dundes zu feiern. Zu der Freude, viele alte Freunde wiederzusehen und mit ihnen Feier­stunden in gemeinsamen Rückerinnerungen und in erneuten Zukunftshoffnungen zu erleben, ge­sellt sich wohl bei allen die andere Freude, wieder einmal nach Gießen zu kommen, der Stadt, mit deren Ramen sich bei jedem einzelnen Germanen eine Fülle von Erinnerungen ver­knüpft, der Stadt, die für sie in jedem Plätzchen und Winkelchen Bilder vergangener und darum so schön erscheinender Erlebnisse auftauchen läßt. Und wie der einzelne Germane, so ist die Bur­schenschaft selbst und ihre Geschichte auch mit Er­eignissen und Gestalten der Gießener Geschichte verbunden. So rechtfertigt sich heute ein kurzer Blick auf die Geschichte der Gießener Burschen­schaft Germania.

Unter denen, die den Bund am 14. August 1851 gründeten, fanden sich einige Gießener, die schon auf dem Gymnasium den Entschluß gefaßt hatten, in Gießen eine Burschenschaft zu gründen. Und von da an finden sich in den Listen der Ger­mania immer wieder Mitglieder aus Gießen, die zum Teil im Bund und im späteren Leben eine gewichtige Rolle gespielt haben. Die Bur­schenschaft war in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens auf gemietete Räume angewiesen. Am längsten war die Germanenkneipe in der Pulver­mühle jenseits der Lahn und im Folsenkeller in der Bahnhofstraße. Bis zum Jahre 1870 wuchs die burschenschafvliche Bewegung in Gießen so stark an, daß die Germania eine ruhige Entwick­lung steten Aufstiegs, trotz aller äußeren Schwie­rigkeiten, erlebte. Zwar waren der RameBur-

der Dominikanischen Republik wenigstens auf ihren Marken für die Rachwelt zu erhalten. An die Zeit der spanischen Eroberer erinnern auch noch Paraguay mit der Kathedrale von Asuncion und Peru mit demselben Gotteshaus in Lima, dem man es übrigens bis heute nicht anmerkt, daß es vor 400 Jahren unter Pizarro nur aus Lehm erbaut wurde. Ansichten des schönen alten Rationalpalastes von' Antigua, der Kathedrale, des Minervatempels und ähnlicher Antiquitäten sind in Guatemala als Marken­bilder verwendet worden.

Ein besonders fesselndes und romantisches Ge­biet sei hier noch gestreift: die Durgenbaukunstr vergangener, fehdelustiger Zeiten, die auch in dem reichhaltigen Bilderbuch der Philatelie un­erwartet vielseitig zur Geltung kommt. Eine der malerischsten mittelalterlichen Burgen schmückt das deutsche 1--Mark-Wertzeichen, die schöne Burg Rheiystein bei Bingen. Auf der Marke zu 3 Mark, die der gewöhnliche sterbliche Postkunde nur sel­ten zu sehen bekommt, prangt die Marienburg, das stattliche 600jährige Residenzschloß der Hoch­meister des Deutschen Ordens. Die Post Oester­reichs verherrlicht die Feste Hohensalzburg, Schloß Güßing im Burgenland, Hochosterwih in Kärnten und die Ruine Dürnstein an der Donau. In der Tschechoslowakei tagen die Burgen Karl- stein in Böhmen, Arwa und Pernstein sowie das schöne böhmische Schloß Frauenberg. Reben manchen anderen wehrhaften Schlössern zeigen belgische Marken die wasserumspülte Trutzburg der Grafen von Flandern in Gent, die mit der Geschichte des Landes eng verknüpft ist. Die un­gemein malerische Ruine Bianden thront auf einem Bergkegel Luxemburgs, die Burgen Vaduz und Gutenberg auf den Höhen und Marken des Alpenländchens Liechtenstein. An die deutschen Ordensritter erinnern das atte Schloß von Re­val und die Ahrensburg, an die Schwedenzeit die verwitterte Festung Rarva alles zu sehen auf Postmarken von Estland. In Rumänien kennt der Sammler die Burgen Hotin und Cetatea Alba in Bessarabien und das steile Felsen­kastell Dran bei Kronstadt, das die rumänische Regierung der Königin Maria für ihre Ver­dienste um das Land zum Geschenk machte.

Wahrlich, der VHC. kann mit Stolz und Befriedi­gung auf die 50 Jahre zurückblicken, die hinter ihm liegen. Die hohen Ziele, die sich die deutschen Ge­birgs. und Wanderoereine gesteckt haben, Hinaus­führen der Volksgenossen in die Felder, Wälder und Berge der Heimat, Erweckung der Liebe zur Heimat und damit zum ganzen schönen deutschen Vaterland, Einigung der Volksgenossen in diesen großen Zielen ohne Ansehen des Standes und der Person oder poli- tischer Richtung, sie alle sind vom VHC. voll und ganz erstrebt und erfüllt worden. Aber darüber hin­aus ist es für ganz Oberhessen und überall, wo Oberhessen sich als solche fühlen, der Heimatverein geworden, erfüllt mit dem vielzitiertenVHC -Geist" Benderscher Prägung. Möchte ihm dieser Geist der Heimatliebe, der Oberhessentreue, der selbstlosen Pflichterfüllung auch im zweiten Halbjayrhundert seines Bestehens nicht fehlen!

50 Jahre BH6.

Unter diesem Titel hat der Vogelsber­ger Höhen-Club im Selbstverlag ein Fest­buch herausgegeben, das der Dedeutung des Halbjahrhunderttages für den VHC. in der brei­testen Oeffentlichkeit und für die Dauer gerecht werden soll. Der Presseausschuh des DHC. hat in diesem Duche ein außerordentlich umfang­reiches und bedeutsames Material zusammenge- tragen, das bei allen Freunden einer vertieften Heimatkunde zweifellos lebhaften Anklang finden wird. Eine große Anzahl von Sachverständigen auf den verschiedensten Gebieten der oberhessischen Heimatkunde hat durch Beiträge zu diesem Werke nicht nur dem VHC., sondern dem ganzen Hesfen- volke und darüber hinaus der deutschen Heimat- geschichtsschreibung ein Buch gegeben, das der auf­merksamsten Beachtung wert ist. Gleichzeitig wird durch diese Festgabe aber auch ein ausgezeich­netes Stück Fremdenverkehrswerbung für un­seren Vogelsberg und die ganze Provinz Ober- Hessen geleistet, für das die Oeffentlichkeit dem VHC. als Herausgeber und seinen Mitarbeitern bei diesem Werk dankbare Anerkennung schuldig ist. Bei der großen Vielseitigkeit, die diesem Buche iimewohnt, wird jedem Leser eine schätzenswerte Bereicherung geboten. Man kann daher nur den Wunsch hegen, daß dieses VHC.-Buch, das bei dem Frischauf-Derlag in Schotten ausgegeben wird, weiteste Verbreitung finben- möchte. (220)

schenschaft" und die Farbenschwarzrotgold" zu­nächst von der Behörde verboten, weil man den freiheitlichen Geist fürchtete, der damals in6 den burschenschaftlichen Vereinigungen seine äußere Form gesunden hatte. Aber die Germania und die im Jahre 1862 entstandene A1« man - n i a hielten durch. Zur Erinnerung an diese Zeit der Verfolgung hat die Germania di« Far­ben schwarzrotgrün neben den später auch öf­fentlich getragenen schwarzrotgoldenen beibehal­ten. Rach einer Zeit innerer und äußerer Schwäche in den 70er und 80er Jahren, erlebte die Germania eine neue Blütezeit, die chren vorläufigen Abschluß fand in dem 1900/1901 er­folgten Dau eines eigenen Hauses im Wetzlarer Weg, mit dem herrlichen Dlick über ba£ üahn- tal hin zu den beiden Bürgen, die das Wahr­zeichen der alten Universitätsstadt Gießen sind. Don da an wuchs di« Verbindung mehr und mehr. Im Weltkriege haben viele Germanen Vaterlandsliebe und Pflichtbewußtsein im Kämp­fen, im Aushalten und im Sterben bewiesen. Rach dem Weltkriege zeigt« es sich immer deut­licher, daß das alte Haus den gewachsenen An­forderungen nicht mehr genügte. So kam es, trotz der Schwierigkeit der wirtschaftlichen Lage, dank der Opferwilligkeit der Alten Herren der Ger­mania, zu einer Erweiterung des Durschenhauses, die auf Grund der Pläne des Gießener Archi­tekten Herrn Schmidt von Gießener Firmen im letzten Halbjahr durchgeführt wurde.

Das vergrößerte und verschönte Haus wird heute, am 29. Mai, eingeweiht werden. Es wird «in Zeichen sein für die Lebendigkeit und Kraft des Dundes, aber auch für seine andauernde Verbundenheit mit unserer lieben Musenstadt Gießen.

Finden sich; so die architektonischen Deispiele aus der Vergangenheit in recht ansehnlicher Zahl, so müssen wir schon aufmerksamer suchen, wenn wir einige Proben der gegenwärtigen Dau­kunst im Markenalbum entdecken wollen. Dabei sei abgesehen von den ziemlich häufig auf "Brief­marken gezeigten Hauptgebäuden, die meist von der Muse der Kunst nur sehr flüchtig geküßt sind. Die durchschnittliche Dutzendware überragt einigermaßen das "Berliner Reichspostmuseum auf deutschen Marken. Die strengen, geradlinig auf­strebenden Formen der modernsten Dauweise tre­ten bis heute erst ganz vereinzelt auf Postwert­zeichen in Erscheinung: in Rußland durch das neue Haupttelegraphenamt in Moskau und das großzügige Lenin-Elektrizitätswerk. in Irland durch das Wasserkraftwerk am Shannon, ein Meisterstück jüngster deutscher Dautechnik. "Bei der sonstigen Architektur der Reuzeit handelt es sich, bis auf wenige Ausnahmen, um die Rachempfindung älterer, klassischer Stilarten. Das gilt von dem Kapitol in Washington und der Tempelhalle des Lincoln-Denkmals, wie sie auf Marken der Vereinigten Staaten dargestellt sind. Die Eigenart der heutigen Wolkenkratzer Reu- Yorks ist nur einmal schüchtern angedeutet. Um so deutlicher und wirksamer stellt sich in Kanada das stattliche Parlamentsgebäude von Ottawa, auf Kuba das neuerbaute Kapitol von Habanna philatelistisch vor. Monumentale Theaterbauten haben Mexiko und Guatemala aufzuweisen. Gegen­wartsgeist spüren wir unverkennbar in Uruguay, dessen Post uns den neuen Regierungspalast und wirklich moderne Hochhäuser von Monte­video vorführt. Im fernen. Osten zeugen schließ­lich noch, einigermaßen überraschend, Marken der Philippinen mit dem neuen Haus« der Volks­vertretung in Manila und Australien mit dem kürzlich eingeweihten Dundesparlament in der jungen Hauptstadt Canberra von neuzeitlichen Baugedanken.

Unsere Heine Auswahl, die durchaus nicht vollständig sein soll, mag immerhin belegen, daß auch die kunstgeschichtliche Fakultät, wie so manche andere, in der weltumspannenden Universität der Driefmarkerckund« ihren Lehrstuhl besitzt.

803* Burschenschaft Germania Gießen.

Zum 80. Stiftungsfest vom 29. bis 31. Mai.