Ausgabe 
29.5.1931
 
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Stabt Kehl erschienen gestern vormittag gegen 10 Uhr zahlreiche französische Militär­flugzeuge. Sie gehörten einem aus etwa 40 Flugzeugen bestehenden Geschwader an, das mili­tärische Hebungen veranstaltete. Etwa 25 der an diesen Hebungen beteiligten Flugzeugen über­flogen den Rhein und setzten ihre Hebungen über der Stadt Kehl fort. (Einige Flugzeuge flogen sogar bis nach den 5 bi# 6 Kilometer entfernten Orten Auenhelm und kork. Rach etwa 10 Minuten kehrten die Flugzeuge über die Grenze zurück. Es ist di^s seit dem Spätjahr 1930, wieder der erste Fall, daß französische Militärflugzeuge die Grenze bei Kehl überflogen haben.

Jahr später stieg Latham bis zu einer Höhe von 453 Meter empor. 1910 und 1911 erreichte man bann die Höhe alpiner Berge, und am 14.3ufi 1914, kurz vor Kriegsausbruch, würbe ber Höhenweltretorb im

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2lpparat 7500 Meter über ben Erdboden steuerte. Kurz nach dem Krieg startete der bayerisch«

von 12 945 Meter erreicht hatte. Da der Ballon beim Abstieg zu schnell fiel, muhte Gray zum Fallschirm greifen, um nicht zerschmettert zu werden. Bei 2400 Meter Höhe sprang er aus der Gondel und kam auch glücklich auf der Erde an. Bier Wochen später wollte er seinen eigenen Rekord Übertreffen. Tein Ballon wurde besser als das erstemal ausgeftattet, ein elektrischer Wärmeapparat wurde eingebaut. Flieger um­kreisten ihn bei seinem Aufstieg. Bei 9000 Meter Höhe entschwand er aus dem Gesichtsfeld der Flieger. Wie hoch der Ballon gestiegen ist, kann man nicht genau sagen, wahrscheinlich hat er die Grenze von 13 Kilometer erreicht. Welche Tra­gödie sich in den Lüften abgespielt hat, wird man nie erfahren. Am nächsten Morgen fand man im unteren Ohio-Tal auf Baumkronen die Ballonhülle und die Leiche des Ka­pitäns.

Vergeblich hat man später versucht, diesen Dallonrekord mit dem Flugzeug zu übertrumpfen. Der französische Flieger Lemoigne muhte wegen der furchtbaren Kälte von 55 Grad bei 11 000 Meter umkehren. Am 26. Mai 1929 ge­wann der deutsche Pilot Willy Reuenhofen auf einer Junkersmaschine die höchste, bis dahin im Flugzeug erreichte Höhe von 12 500 Meter. Reuenhvfen, der bereits als Kampfpilot im Krieg sein Können bewiesen hat, war damals 32 Jahre alt. Am Tag vor seinem Start mißglückte ihm ein Flug. Die Sauerstoffzufuhr war unterbunden, und er mußte» halb besinnungslos, aus 7000 Meter Höhe zur Erde niedergehen. Aber er lieh sich dadurch nicht abschrecken, am nächsten Morgen das Experiment zu wiederholen, und bei 55 Grad Kälte und einem eingefrorenen Auge den Flug­zeugrekord zu brechen. Aber selbst damit konnte der tote Kapttän Gray nicht übertroffen Inerten.

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Französische Militärflugzeuge manövrieren über Kehl.

Kehl, 29. Mal. (CRV. Funkspruch.) Hebet

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SimmelsWmer von Glaisher bis piccard

Oie Erforschung der Stratosphäre. - Oer Kampf um den Höhenrekord. Oer Freiballon »Preußen". - Oie Tragödie Kapitän Grays.

Von Kurt Hallberg.

ReuesVertrauensvotumfülBriand

Briand verteidigt seine Genfer Politik gegen heftige Angriffe Franklin-Bouillons. Eine Mehrheit von 76 Stimmen für das Kabinett Laval.

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Vor demieipziger Parteitag der Sozialdemokratie

Das Kampfprogramm der Ireichstagsfraktion.

Flieger Oberleutnant Sterner mit einem Apparat, dessen Motor schon mit künstlicher Lust- zusührung arbeitete. Er erreichte eine Höhe von 9600 Meter. Dann sicherten sich französische Flieger, die die Grenze von 10 000 Meter über- chritten, den Weltrekord. Die ßeiftungen des Franzosen Callizo, der am 23. August 1926 ein Flugzeug bis zu einer Höhe von 12 642 Meter emporgesteuert haben wollte, wurden freilich sehr bezweifelt. Immerhin hatte das Flugzzeug »vor ünf Jahren schon längst den Rekord des Ballons gebrochen. Die Piloten haben dabei nicht weniger Energie und Mut beweisen müssen als die Dallon- ührer, und die Tragödien im Flugzeug waren mindestens ebenso furchtbar wie die schrecklichen Erlebnisse der kühnen Forscher, die in der Gondel emporstiegen.

3m Jahre 1928 eroberte der amerikanische Kapitän Gray den Höhenrekord. der bis dahin von Flugzeugen gehalten wurde, dem Ballon zurück. Wit einem riesigen Ballon, ter 22 500 Kubikmeter Gas faßte, stieg er bei Delleville im Ohio-Tal auf. Er befand sich in einer offenen Gondel, trug eine Unzahl von Kleidungsstücken übereinander, die insgesamt etwa 60 Pfund wogen, und atmete durch einen Sauerstoffapparat. Damit es ihm nicht zu langweilig wurde, hatte er sich ein Radio mitgenommen, durch das er die Klänge eines Jazzorchesters hörte. Die Meß­geräte bewiesen, daß der Amerikaner die Höhe

tet, Frankreich habe jede Fühlung mit Italien verloren. Das könne man. jetzt nicht wiederholen. Die Zusammenarbeit zwischen Frank­reich und Italien sei so herzlich und so eng wie nur möglich.gewesen. Italien sei eine große Ration, die ihren eigenen Standpunkt habe, aber Italien habe den französischen Standpunkt jedesmal dann unterstützt, wenn Italien das mög­lich gewesen sei. Die Beziehungen zwischen Frank­reich und Italien entwickelten sich nach einer völ­ligen Einigung hin. Er habe angesichts des. gu­ten Willens beiter Rattonen die feste Lleberzeu- gung, daß öle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt werden würden.Briand beteuerte, daß er nicht an fetalem Posten klebe, aber ter Staatsmann, ber nach ihm kommen würde, könnte nicht etwas unternehmen, was dem zuwiderlaufen würde, was er getan habe.

Das Vertrauensvotum.

Die Kammer lehnte mit 318 gegen 261 Stim­men die von der radikalen Kammerfraktion bran- tragte Priorität für die radikale Tagesordnung, gegen die sich die Regierung ausgesprochen hatte, ab. Die TagesvrdnungDrouot «Die Kam­mer billigt die Erklärungen der Regierung und spricht der Regierung das Vertrauen zur Fort­setzung ihrer Friedenspolittk aus", wurde mit 332 gegen 256 Stimmen angenommen.

Schwere Grenzverletzung am Rhein.

Aus aller Wett.

Todesurteil wegen eines Anschlags gegen Mussolini.

Vor dem Sontergerichtshof zum Schuhe des Staates fand ter Prozeß gegen den Anarchisten Michele Schirm statt, der einen Bomben­anschlag gegen Mussolini vorbereitet und bei seiner in Rom erfolgten Verhaftung drei Po­lizeibeamte angeschossen hat. Der Staatsanwalt beantragte Todesstrafe und der Gerichtshof entschied nach kurzer Beratung dementsprechend. Schirm nahm das Urteil gefaßt auf. Das im Ver- handlungssaal anwesende Publikum brach in zu­stimmende Rufe aus, und lieh tert Faschismus hochleben. Die Vollstreckung fand in einem Jnnen- hvse des Forts Braschi Freitag um 4.20 Uhr statt.

(Ermorbung eines Deutschen in Reu-Gulnea.

Die australische Regierung erwartet einen Be­richt des Vorstehers des Morobe-Bezirkes im Mandatsgebiet Reu-Gui nea s über die Ermordung eines deutschen Läntereiuntemehmers namens Braun am 27. April am oberen Wettut-Fluh. Braun wurde mit seinen 12 ein­geborenen Dienern im Lager während des Früh­stücks vonWilden überfallen, die ihn und sieben seiner Begleiter nietermachten, während fünf Diener enttarnen. Die Leiche des Deutschen soll von den Wilden enthauptet und mit Farben bemalt als Fetisch bei einer religiösen Zere­monie verwendet worden sein.

Schweres Unglück beim Torpedoeinschießen.

In ter Cckemförder Bucht ereignete sich ein schweres Unglück. Angestellte ter Torpedover­suchsanstalt schossen Torpedos ein, wobei sich ein Torpedo a l s Kreis- und Oberflächen­läufer erwies. Der Torpedo trafeinDoot. das 1000 Meter seitab lag und in dem sich drei Personen befanden. Er durchschlug das Boot und brachte es zum Sinken. Ein älterer Arbeiter hielt sich an den Planken fest und konnte gerettet werten. Sein Sohn und seine Schwie­gertochter, die aus Berlin zu Besuch weilten, wurdenmitindieTiese gezogen. Ihre Leichen konnten später geborgen werten.

Schwere Bluttat eines Geisteskranken.

Aus ber Chaussee von Kasow nach Buch ereignete sich eine schwere Bluttat. In einer Kraftdroschke wurde ein Geisteskranker von Mutter und Braut auf dem Wege zur An st alt begleitet. Kurz vor der Einfahrt in das Anstaltsgebäude zog der

Berlin, 28. Mai. (VDZ.) Die sozialdemokra­tische Reichstagsfraktion hielt am Donnerstag im Reichstag eine Sitzung ab, in der Dr. Breitscheid einen Bericht über die politische und wirtschaftliche Lage gab. Rach mehrstündiger Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der u. a. fol­gende Forderungen aufgestellt werden:

Gegenüber der furchtbaren Wirtschafts- und Ar- beitsnot haben sich die bisheriaen Maßnahmen der Reichsregierung als unzureichend und teil­weise verfehlt erwiesen. Die Drosselung der Massenkaufkraft mußte um so verhäng, nisvoller wirken, als die Opfer der kapitalistischen Mißwirtschaft auch durch gesteigerte hochschutzzöllne- rische Maßnahmen in ihrer kargen Lebenshaltung weiter belastet wurden. Die Fraktion vermißt ferner eine strenge Handhabung und Ausgestaltung der ÄartelltontroHe, um die monpolifttschen Hemmnisse gegen eine Beweglichkeit der Preise zu überwinden und so die Krise verkürzen zu können. Trotz der Ankündigungen ber Reichsregierung ist bisher nichts geschehen, um burch gesetzliche Arbeitszeitverkürzung die Arbeitsplätze auf mehr Arbeitshände zu verteilen. Die Fraktion verlangt an erster Stelle eine Anspannung aller finanziellen Mittel des Staates und beschleunigte Durchführung aller wirtschaftspoli­tischen Maßnahmen, um die Konjunktur zu beleben. Sie warnt vor allen Plänen, die dar­auf hinauslaufen, die Bezüge der Arbeitslosen, So- zial- und Kriegsrentner weiter zu kürzen. Die Lei­stungen der Invalidenversicherung und der Knappschaftsversicherung bedürfen

der Sicherstellung. Eine Verschlechterung der Un­fallversicherung ebenso wie ein Leistungsab­bau bei der Arbeitslosenversicherung würden das Elend vermehren, ohne eine wirkliche Sanierung der Finanzen zu erzielen. Die Ver­sorgung der Ausgesteuerten macht die Umorga - nisation und Vereinheitlichung der Krisenfürsorge dringend erforderlich. Die Fraktion fordert vor allem die Heranziehung der leistungsfähigen Kreise der Bevölkerung. Im Kampf gegen die Not der Arbeitslosen wird sich das deutsche Volk seiner ungeheuren Verantwortung be­wußt und bereit sein müssen, eine besondere allgemeine Krisen st euer auf sich zu neh­men. Da sich die Unwirksamkeit der bisher von der Reichsregierung gegen die Brotpreiserhöhungen durchgeführten Maßnahmen erwiesen hat, muß die unverzügliche Herabsetzung der Zölle für Brotgetreide und Futtermittel erfolgen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion erblickt nach alledem ihre dringendste Gegenwartsaufgabe in der Erhaltung des Reallohnes und des sozialen Arbeitsschutzes, der Steigerung der Massenkaufkraft, der Sicherung der Lebenshaltung der Erwerbslosen und einer gerechten Verteilung der vorhandenen Arbeitsgelegenheit. Die ins Unerträgliche steigende Not, die wachsende Erbitterung ber Volksmassen droht zu schweren innerpolitischen Verwicklungen zu führen, wenn trotz aller Warnungen der Versuch unternommen werden sollte, eine Sanierung der öffentlichen Finanzen einseitig auf Kosten der Opfer der Krise zu errelchen."

Die Menschheit beherrscht nur jene dünne Schicht des Erdballs, in der die feste Rinte mit der Lufthülle zusammenstößt. ES ist uns bisher nur gelungen, etwa zwei Kilometer in die Erdrinde und rund zwölf Kilo­meter in die Lufthülle einzudringen. Wie wenig das ist. mag ein Beispiel zeigen. Ein vierstöckiges Grohstadthaus ist ungefähr 16 Meter hoch. Run denke man sich einen Globus von dieser Höhe, d. h. eine Kugel mit einem Durchmesser von 16 Meter. Der höchste Gipfel des Himalayagebirges würde auf dieser Kugel als eine Erhöhung von einem Zentimeter sichtbar sein. Die Flieger und Freiballons, die die Strato­sphäre zu erreichen trachteten, würden nur wenig darüber kreisen, und die tiefsten Schächte, die der Mensch in den Erdboden getrieben hat, hätten etwa die Tiefe von Mückenstichen. Rach- dem es uns geglückt ist, horizontal auf dem ganzen Erdball eine große Beweglichkeit zu ge­winnen, ist es verständlich, daß man nun auch invertikalerRichtungdie Fesseln spren­gen will, die uns an einen bestimmten Platz im Raum ketten.

Fast sieben Jahrzehnte sind vergangen, seit der erste wissenschaftlich durchgeführte Höhen­flug unternommen wurde. Im September 1862 wagten die Engländer Glaisher und C o x - well einen Ballonflug, von dem nicht genau feststeht, bis in welche Höhe er geführt Hai. Glaisher, der bis zu einer Höbe von 8500 Meter sorgfältig seine wissenschaftlichen Beobachtungen aufzeichnete, verlor dann in der dünnen Luft das Bewußtsein. Run wollte ter Ballonführer Coxwell die Leine ziehen, mit ter das Gasventtl zu öffnen war. Da bemerkte er zu seinem Ent­setzen, daß ihm in der grimmigen Kälte die Hände den Dienst versagten. Schließlich gelang es ihm, die Leine mit den Zähnen zu erfassen, Und nun glitt ter Ballon wieder abwärts. Jetzt kehrte bei Glaisher das Bewußtsein zurück, und die wissenschaftlichen Aufzeichnungen wurden fortgesetzt. Rach der Landung berechneten die beiden Männer, daß sie sich in einer Höhe von 11 300 Meter befunden haben mußten. Inzwischen hat man nachgewiesen, daß diese Rech­nung nicht stimmt. Glaisher und Coxwell sind wahrscheinlich bis zu 9000 Meter auf- gestiegen: sie haben die höchsten Gipfel der Erde vielleicht 100 oder 150 Meter unter sich gelaßen.

13 Jahre nach diesem ersten geglückten Höhen­flug versuchten französische Forscher, den Rekord der Engländer zu brechen. James Glaisher, ter mit seinen 28 Aufstiegen ter Wissenschaft ter Meteorologie unschätzbare Dienste geleistet hat, konnte fünfmal die Höhe von 1 Kilometer über­schreiten. Bei ter Fahrt der Franzosen S i v e l, Crocö-Spinelli und Tissandier am 15. April 1875 erlagen die beiden ersten in etwa 8000 Meter Höhe dem Mangel an Sauerstoff, worauf der Ballon noch 300 Meter höher stieg. Als die Franzosen die Grenze von 7000 Meter erreicht hatten, fielen sie in eine Art Betäubung, aus der sie nur vorübergehend wieder erwachten. In einem solchen Augenblick bemerkte einer von ihnen, daß der Ballon sich schon wieder abwärts bewegte. Erschrocken über die Fallgeschwindig- ,fcit, warf er alles über Bord, was er erreichen konnte, und der Ballon stieg wieder auf. DaS l besiegelte das Schicksal ter Expedition. Rur Tissandier kam mit dem Leben davon: seine Be- * glciter lagen mit blauschwarzen Gesichtern neben ihm in ber Gondel.

Den Höhenrekord im Dallonflug hielten bis jetzt die beiden deutschen Forscher Süring und B e r s o n. Süring hatte schon am 24. März 1899 in einem vorwiegend mit Wasserstoff gefüllten Ballon eine Höhe von 8000 Meter er­reicht. Lieber zwei Stunden hielt er sich in Luft­schichten auf, in denen Temperaturen von 40 bis 48 Grad unter Rull herrschten. Da das Venttl des Ballons eingefroren war, geriet Süring, der keinen Begleiter mitgenommen hatte, in höchste Lebensgefahr. Der Ballon näherte sich der Ostsee, und Süring glaubte schon, mit dem Leben ab- schllehen zu müssen. Rach einer qualvollen Fahrt gelang es ihm schließlich, das Venttl zu lockern und völlig erschöpft in der Rähe von Königsberg zu landen. Am 31. Juli 1901 unternahm er dann mit Professor B e r s o n, dessen 70. Geburtstag am 6. August 1929 in der ganzen wissenschaftlichen Welt festlich begangen wurde, eine der erfolg­reichsten Ballonfahrten aller Zeiten. Der Frei­ballonPreußen", der auf dem Tempelhofer Feld in Berlin startete, faßte 8400 Kubikmeter. Bei 6000 Meter Höhe wurden 12 Grad unter Rull festgestellt. Vier Stunden nach dem Aufstieg waren die beiden Forscher in 9000 Meter Höhe, wo schon 30 Grad unter Rull waren. Als die Zehntausendmeter-Grenze überschritten war, fühl­ten sich die beiten Männer so schwach, daß sie nicht mehr fähig waren, genau zu beobachten und wissenschaftliche Aufzeichnungen zu machen. Rach fünf Stunden hatten sie eine Höhe von 10800 Meter erreicht, die höchste Höhe, in die ein Freiballon bis dahin gelangt war. Die Schwierigkeiten bestandet weniger in der Lieberwindung ter Kälte als in der Regelung der-Sauer st offzufuhr. Berson wurde ohn­mächtig und verlor seinen Atmungsschlauchc Schließlich brach auch Süring zusammen. Wie es gerommen ist. daß der Ballon schließlich nieder­ging, ob Süring noch rechtzeitig das Venttl ge­zogen hat, ober ob die Rettung einem glücklichen Zulall zu danken war, das konnten weder er, noch Berson, noch jemand sonst in der Wett später feststellen. Jedenfalls gelang eine glatte Landung, und die wissenschaftliche Ausbeute dieses Fluges war bedeutend.

Die Höhenrekorde im Freiballon wurden von den Männern gebrochen, die im Flugzeug in die Stratosphäre einzudringen versuchten. Im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts war frei­lich an einen Wettbewerb zwischen Ballon un£> Flugzeug noch nicht zu denken. Wilbur Wright konnte sich am 18. Dezember 1908 nur hundert Meter über den Erboten erheben. Etwa ein

Paris, 28. Mai. (WTB.) In ber Kammer kam es heute nachmittag bereits bei ber Debatte über die Festsetzung ber Interpellationen über bic Außenpolitik zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Hauptinterpellanten Franklin- Bouillon und Außenminister B r i a n d. Frank­lin-Bouillon erklärte, er habe seine Interpellation eingebracht, weil bas CommuniguL über den letzten Ministerrat besagte, die Regierung habe Brianb einmütig zu ben in Genf erzielten Ergebnissen be­glückwünscht. Er, Franklin-Bouillon, könne Brianb kein Vertrauen schenken. Die Kammer habe Brianb einmütig ben Auftrag erteilt, ben A n - schluß zu bekämpfen. Brianb sei aber Hen­derson gefolgt, ber burchsetzte, baß bic Anschlußfrage auf bas wirtschaftliche Gebiet g e schoben würbe. Brianb hätte sagen müssen, bie Anschlußfrage sei nur zu 20 Prozent eine wirt­schaftliche unb zu 80 Prozent eine politische Frage. Der Auftrag, ben bie französische Kammer Brianb gegeben habe, sei nur unvollkommen er­füllt worden. Frankreich habe nur zwei Monctte gewonnen hinsichtlich ber grundsätzlichen Frage und sechs Monate hinsichtlich der Vertagung aller Schwierigkeiten. In Wirklichkeit habe Frankreich nichts erreicht.

Außenminister Briand

erklärte, bie Kammer habe ihren Willen beteuert, die Regierung möge dieses Unternehmen verhin­dern. Die französische Delegation beim Völkerbund habe diese Aufgabe nach besten Kräften er­füllt. Franklin-Bouillon habe früher einmal die Solidarität ber Freunde Frankreichs in Zweifel gezogen. Diesmal habe er aber nicht zu wiederholen gewagt, daß Frankreich in Genf isoliert sei. In ber französischen Denkschrift sei heroorgeho- ben worden, baß man keinen Unterschieb zwischen ber politischen unb ber wirtschaftlichen Unabhängig­keit Oesterreichs machen könne. Sei das etwa ein Verzicht der französischen Regierung auf bie fran­zösische These? Da Oesterreich unb Deutschland nicht mit Englanb unb Frankreich in juristischer Hinsicht einig gewesen seien, habe man bie Angelegenheit vor ben Haager Gerichtshof gebracht. Das entspreche ber Gepflogenheit, unb bas sei kein Verrat. Die Anschlußaffäre sei gehemmt worben. Schober habe zweimal erklärt, Oesterreich würbe sich ber Fortsetzung ber Verhandlungen mit Deutschlanb enthalten, solange bas Haager Gericht nicht gesprochen habe.

Die Rechte Frankreichs seien nieißals aufge­geben Worten und niemals sei er, Briand, in Genf mit einer solchen Atmosphäre ter Herrlich­keit und Sympathie umgeben gewesen tote dies­mal. Man habe vor der Genfer Tagung behaup-

Oie Reparaiionssrage in Chequers.

Paris mutz beschwichtigt werden.

London, 28. Mai. (TU. Funkspruch.1 3n einem Leitartikel wendet sich terDaily Herald" gegen die neuerliche Rervosität der fran­zösischen Presse im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch der deutschen Minister in London. Die Pariser Presse scheine es als eine Art Verbrechen zu betrachten, daß die deutschen Minister mit den englischen Ministern über die Reparationen sprechen würden und eS sei nach französischer Meinung offenbar unschick­lich, daß die englischen Minister ihnen zuhörten. Das sei natürlich alles Unsinn. Die Deutschen hätten vielleicht klüger gehantelt, wenn sie die Frage ter Reparationen und der Kriegsschulden während der Wirtschaftsverhand­lungen in Genf aufgerollt hätten. Aber auch dann würde man wohl einen ähnlichen ärgerlichen Protest in Paris erlebt haben. Brüning und Cur- tius hätten jedoch ganz offenkundig das Recht, die Frage zuerst mit England zu erörtern. Alles, was sie zu sagen hätten, werde höflichst angehört und ernstlich erwogen werden. Dennmh"<rber müh­ten dann alle Mächte an den Erörte­rungen teilnehmen, wenn, was anscheinend der Fall sei, Deutschland seine Ziele weiter ver­folgen wolle. Eines sei aber sicher, es habe keinen Zweck, ärgerlich zu werden oder sich zu weigern, die Ange^genheit zu erörtern. Es sei zwar ärger­lich, daß das Haager Abkommen aufgeworfen wer­den würde, aber keiner der damaligen Unter­händler hatte die Wirkungen deswirtschaft­lichen Sturmes" voraussehen können. Es sei eben eine Tatsache, daß Deutschland das Recht habe, den Transfer für einen großen Teil ter Re­parationen zu kündigen, falls es sich hierzu gezwungen sehen sollte. Die Ausübung dieses Rechtes werde eine finanzielle Krise beschleuni­gen/ die ernste Folgen in Deutschland, in den Gläu­bigerländern und in der ganzen Welt haben würde. Es sei offenbar viel besser, die Tatsachen schon vorher ins Auge zu fassen, als zu war­ten, bis der gefährliche Sturm ganz plötzlich aus­breche.

Vier Vorschläge.

Einstellung des Transfers. Herabsetzung der Annuitäten. Allgemeines

Echuldcnmoratorinm.

London, 28.Mal. (TH.) Rach dem diploma- lischen Korrespondenten desDaily Telegraph­sollen gelegentlich des Aufenthaltes der deutschen Minister in England u. a. die folgenden vier finanziellen Vorschläge unterbreitet wer­den:

1. Linstellung de s Transfers der un­geschützten Reparationszahlungen für die Dauer von zwei bis drei Jahren. Die entsprechenden Summen wurden dann in deutschen Hnternehmungen auf dem Wege über die BIZ. wieder investiert werden.

2. Line Herabsetzung der deutschen Jahreszahlungen entsprechend der Kaufkraft des Goldes. Dies würde eine 20prozentige Herab­setzung der gesamten Zoungannuitäten bedeuten, wodurch diese etwa von zwei Milliarden auf 1,6 Milliarden gebracht würben.

3. Falls notroenbig, (Einberufung einer Sonber- fifjung bes beratenden Ausschusses der V I Z. um die beiden Vorschläge in eine prak- tische Form zu bringen.

4. (Einberufung einer Finanzkonferen; der führenden Mächte, um die Möglichkeit eines zwei- bis dreijährigen Moratoriums für alle Kriegsschulden und Repara­tionszahlungen zu erwägen.

(Es sei aber möglich, daß weder die deutsche, noch die englische Regierung wegen der wenig günstigen Stimmung des offiziellen Amerika ernstlich (Ein­berufung einer Finanzkonferen; in (Erwägung ziehen würden.