Ausgabe 
29.1.1931
 
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Die KomödiePhaea" nähert fid), ganz besonders nach dem Schlüsse zu. im starken Maße der Tra­gödie. wo die Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Abscheu vor dem Schmutz der Welt mehr durch den Gegensatz zu den übertrieben lustigen Szenen aus der Filmtomparserie zu größter Wirkung gelangen. Die Besetzung jeder einzelnen Rolle war ausgezeichnet. Besonders hervortraten Cläre Win­ter als Toni. Hans Jungbauer und Paul Berhoeven als Uhne und Kräh und Gerhardt Ritter als Samuel Moris.

Die Universität Dena

zur Ablehnung des gewählten Rektors.

Zur Frage der von Staatsminister Dr. Frick beanstandeten Rektorwahl der Thüringer LanDcs- universität nimmt die Pressestelle der Landesuni» vcrjität Stellung. Danach soll die Juristische Fa­kultät, der Gewohnheit entsprechend, nur P r o - sessorPape alscinzigenKandidat en empfohlen haben. Weiter soll Pape nicht in Stichwahl, sondern vielmehr gleich im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewählt worden sein und die Wahl a n g e - n o m in e n haben. Daraufhin habe dec Volks­bildungsminister von seinem ihm nach der älni-- versitätssayung zustehenden Recht,den Gewähl­ten als minder genehm abzulehnen", Gebrauch gemacht. Der Große Senat wird die Wahl nunmehr erneut vornehmen, und nach dem Turnus dürste die Medizinische Fakultät nunmehr den Kandidaten benennen.

Ausbau der Sektion für Dichtkunst an der Akademie.

Die außerordentliche Hauptversammlung der Preußischen A k a d e m i e für Künste. Sek

den nicht mehr lange ausgefchoben werden, keine deutsche Regierung werde die Autorität und auch die Macht haben, dem Volke noch weitere Reparatlonslasten aufzuzwingen, wenn nicht die Gegenseite an einer tragbaren Rege­lung der Tributoerpflichlungen das größte Interesse zeige.

Die vernünftigen Kreise des Auslandes mühten die Entwicklung in Deutschland, die heute fast alles befürchten lasse, mit Aufmerksamkeit ver­folgen und -ur rechten Zeit eingreifen. Die kritische Distanzierung vom Ver­sailler Vertragswerk sei im deutschen Volke in besonders starkem Mähe im Werden begriffen, trotz aller Empfindsamkeit gewisser französischer Kreise, denen er nicht drohen wolle, die er nur warnen wolle. Keine europäische Großmacht sei so geschützt in ihrer Sicherheit, wie Frankreich im neuen Europa. Die sach­liche und wirtschaftliche Voraus­setzung für ein gesundes Europa fei jedoch in Europa nicht geschaffen worden. Wenn sich jetzt die sogenannte Tardieu-These zur Auslegung des Artikels 19 der Völkerbunds- sahung auf der anderen Seite durchsetze, dann könne man nur schwarz in die europäische Zu­kunft blicken. Die Politiker drüben, die auf solchen Gedankengängen fußten, wären nur öie Schrittmacher des Rationalso- zialismusund Bolschewismus inden unterdrückten europäischen Ländern. Eine neue Zeit überstaatlicher Zusammenarbeit müsse einem stärkeren Europa die Untermauerung geben, die den europäischen Geist in Wirklichkeck tragen könne. Eine wahrhaft europäische Soli­darität, deren ungeschriebenes Gesetz die Pari­tät sei. werde auch im deutschen Volke ihre stärkste Stütze finden.

AWminuWSAeg Macdonalds im Mechaus.

Annahme der Gewerkschaftsvorlage. - Oie Liberalen enthalten sich der Stimme

Europa in Waffen.

Taö französische Nüstungswstem in Lstcriropa.

R o m, 26. 3an (TU.) DasGiornaw d'Jtalia" gibt eine Uebecsicht über die Rüstungen Frankreichs und seiner Verbündeten. Das Blatt weist nach, daß das französische militärische System, also Frankreich, Südslawien die Tschechoslowakei, Rumänien und Polen, in Friedenszeiten zusammen 127 Divisionen unter den Waffen halte, d. h. 1165 Infanterie­bataillone, 666 Kavallerieschwadronen und über 2000 Batterien, außer der Fliegertruppe, den Pio­nieren, den Abteilungen für Panzerautomobile und sonstigen Spezialtruppen. Der Oberbefehl über die vereinigten Heere der Kleinen Entente und Polen liege in franzöjischen Händen. Die Chefs der General st äbe der Kleinen En­tente versammelten fid) jedes Jahr, unterstützt burd) den französischen General Rollet und anderer französischer Generalstäbler, um die verschiedensten militärischen Fragen zu beraten. InSüdslawien befänden sich bet jedem Armeekorps französische Offiziere. Französische Militärmissionen seien ferner in der Tschechoslowakei und in Pol eit vorhanden und zur Reuordnung des rumäni - s d) e n Heeres werde sich General G o u r a u b dem­nächst nach Rumänien begeben. Die Firma Schnei­der Crenzot sei im Begriff, die Aktienmehr - heitderSkoda-Werkezu erwerben. Die E r- richtung neuer Waffenfabriken in Süd­slawien und Rumänien werde vorbereitet. In den letzten acht Monaten des vergangenen Jahres hätten allein etwa 1000 Waggons mit Kriegsmaterial für Südslawien unter der BezeichnungLandwirtschaft­liches und Industrielles Material" Defterreid) pas­siert. In Genf sei es klar zutage getreten, daß Frankreich die Erhaltung des gegenwärtigen 'Rüstungsstandes erstrebe. Der Konventionsentwurf der Borbereitenden Abrüstungskommifsion verlange andererseits die Beibehaltung aller mili­tärischen Beschränkungen der besieg­ten Staaten. Das sei nicht die Abrüstung, die Sicherheit und Frieden gewährleisten könne.

Vorwärts oder rückwärts?"

Prälat Kaas in Trier: Innere Sanierung und reparationspolitische Atüvität müssen im gleichen Zuge durchgeführt werden. - Eine Warnung an Zrankrelch.

nach eigenem Ermessen an die Landwirtschaft Dar­lehen gebe. Dadurch habe sich eine geschäftlid)c Tätigkeit bei dem Ministerium herausgebildet, die über seinen Aufgabenkreis hinausgehe und ^ur völligen Llndurchsichtigkeil des Etats führe. Es sei Aufgabe des Ausschusses, das für die Zukunft zu verhindern. Besondere Aufmerk­samkeit müsse man der Subventionspolttik zu- wenden.

Abg. Dr. Schlittenbauer (Bay. Dp.) er­klärte. wir mühten das Prinzip der Meistbegün­stigung auf geben und uns dem Prinzip der Gegenseitigleit zuwenden. Ter Redner er­örterte bann die Bedeutung der Gesund- niachung der 29 Prozent des deutschenA ck c r - und Wiesenbodens, der unter einem ^lebersch uh von Grundwasser leide und schlecht trage. Um diese wichtige Frage, durch deren Lösung allein die Arbeitslosigkeit auf weite Sicht bekämpft werden könne, au einem glücklichen Ende zu führen, mühten selbstverständlich natio­nale Opfer gebracht werden.

Abg. Schneider - Breslau (Rats. I breit es für notwendig, dah die Düngemittelpreise herab­gesetzt würden. Auch befürwortete er eine Er­höhung des Brennrechts.

Abg. Dr. Hilf er ding (Soz.j erklärte, dah jede Gefährdung unseres Exports, wie sie not­wendigerweise eintreten muh, wenn unser Import im Interesse der Hochhaltung der landwirtschaft­lichen Preise stark gedrosselt wird, eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit in brr deutschen Industrie be­deutet.

Abg. Dr. Cremer (D. V.) glaubt, dah die Zölle in der gegenwärtigen Situation notwen - d i g seien, um der schwerbedrängten Landwirt­schaft zu Hilfe zu kommen. Aber man müsse sich darüber klar fein, dah man nicht künstlich mit Hilfe der Zölle diese älnterstühungSmahnahmen verewigen könne.

Weiterberatung Donnerstag.

Das Reichökabinett billigt heu Bericht des Außenministers.

Berlin. 28.3au. (111.) Amtlich. 3n der heutigen Sitzung unter Vorsitz des Reichskanzlers nahm das Reichskabinett einen umfassenden v e - richt des Reichsauhenministers Dr. C u r t i u s übet den verlauf der Sitzung des Europäischen Studienausschusses und der Tagung des Völkerbundsrates entgegen. Dec Reichskanzler stellte abschließend fest, daß die von der Abordnung eingenommene Haltung und das in Gens erreichte Ergebnis die einstimmige Billigung des Reichskabinetts gesunden hätten. Lr sprach dem Reichsminister des Auswär­tigen den aufrichtigen Dank des Reich:kabinetts für die erfolgreiche Vertretung der deutschen Interessen aus. Das Reichskabinett verabschiedete des wei­teren die Entwürfe einer Reichsdienststraf- ordnung und eines Gesetzes über Beamten- oertrefungen, die unverzüglich dem Reichsrat zugeleitet werden.

Die deutschen Landkreise t eim Neichsfinanzminister.

Berlin, 28. 3an. (SH.) Am Mittwoch emp- fing der Reichsfinanzminister Vertreter d er deutschen Landkreise aus allen Teilen Deutschlands unter Führung des Präsidenten Dr. von Stempel. Die Abordnung wies darauf hin, dah die Zahl der Wohlfahrts­erwerbslosen in den Landkreisen in er­schreckendem Maße im letzten Halbjahr um 67v. H. steige und die Kreisfinanzen in be­drohlichem Mähe gefährde. Die Landkreise seien gern bereit, an der zweckmäßigen Umgestal­tung der Arbeitslosenversicherung mitzuarbeiten. Bis zum Inkrafttreten dieses Rc- formwerkes mühten jedoch die Schwierigkfiten durch Sonderzuweisungen überbrückt werden. Die Landkreise, die 70 d. H. der Fürsorge- lasten tragen, seien in Zukunft nur dann in der Lage, ihre Aufgaben aus drr Für'o'.gepslichtord- nung richtig zu erfüllen, wenn den Ausgaben eine entsprechende Einnahmeg genüberstehe Könne das nicht bewirkt werden, so könnten die Land­kreise ihren Fürsorgeausgaben nicht mehr gerecht werden.

Kunst und Wissenschaft.

Stücke des welsenschahes für 2 Millionen Mark verkauft.

Der bekanntlich von drei Frankfurter Kunst­händlern erworbene Welfenschatz. der zunächst in Frankfurt und bann in Berlin zur Aus­stellung gelangte, ist jetzt nach Amerika über* gesiedelt, um in Reuyork ausgestellt zu werden. Ein Teil des berühmten Kunstwerks hat dort bereits einen Käufer gefunden-, das Stadt. Kunstmuseum in Cleve land hat den Ger- trudis-Goldaltar und zwei Stücke zum Preise von einer halben Million Dollar gekauft.

UnruhsPhaea" im JAinffutler Schauspielhaus.

Fritz v. Unruh nennt seinePhaea" eine Ko- nibble, ist sie es wirklich? Samuel Moris, genannt S. M.. der allmächtige Filmmagnat, will das Leben auf den Filmstreifen bannen, das wahre wirkliche Leben, bas nicht burd) Süßlichkeiten vertitfcht ist. Wirkliches Leben, wirkliche Leidenschaft voller Schmerzen will er der Menschheit zeigen, nicht die Produkte eines nach der Schablone arbeitenden Regisseurs. Um sein Ziel zu erreichen ist ihm kein Mittel zu gemein, zu grausam. Die Diva wird in den Tigerkäfig eingeschlossen, uin ihr einen Schrei der echten Todesangst zu entlocken. Die Künstler werden aud) außerhalb ihrer Rollen in die tragi­schen Konflikte gebracht, die sie im Film darzustel- len haben. Dadurch entsteht bann ein wahres Durch­einander von Lebens- und Filmtraaik, aber Samuel Moris hat seinen Film, der Tausende erschüttern wird und der ihm, was das wichtigste ist, noch viel mehr Tausende von Geldstücken einbringen wird.

über der Verfassung Englands ge­wesen, und die damalige konservative Regierung habe infolgedessen begonnen, die notwendige E i n s ch r ä n k u n g der Eewerkschaftsvorrechte zu erwägen. 3m Augenblick, wo die Gewerkschaften eine aktive Waffe des Parteikamp- f e s würden, die sich mit einer besonderen Art politischer Auflassungen identifiziere, sei dis Lage unerträglich geworden. Die Tatsache, daß konservative oder liberale Arbeiter gezwun­gen werden sollen, für die Ausgaben von Kan­didaten zu zahlen, gegen die sie stimmen wollen, sei eine Beleidigung für die Arbeiter und wider­spreche der ganzen Auffassung von gleichen ldürger: echten.

D:r Staatssekretär für die Dominions, Thomas, erwiderte, jede Regierung müsse eine Bedrohung der Verfassung verhindern, aber die Arbeiter müßten das Recht haben, ihre Arbeit zu verlaufen ober die Arbeit zu verweigern. Deshalb müsse das konservative Gesetz von 1927 abgeändert werden.

Darauf erfolgte unter größter Erregung des Ankerhau'es d e Abstimmung, d'e die A n n a h m e der Gewerkschaftsvorlage in zweiter Lesung mit 277 gegen 250 Stimmen ergab. Sie mei­sten der Liberalen enthielten sich der Stimm« abgabe. Rur acht Liberale unter Führung von Sir 3'ohn Simon stimmten mit den Konservativen und erhöhten dadurch die Zahl der Regierungs- aegncr auf 250, während sich die Stimmen für Macdonald auf 277 beliefen.. Rach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses beantragte Bald­win, daß das ganze Unterhaus sich als Aus­schuß konstituiere, um die Vorlage zu prüfen, wäh­rend die Regierung wünschte, sie an einen bcc bestehenden kleinen Ausschüsse zu ver­weisen. Der Antrag Baldwins wurde mit 306 gegen 244 Stimmen abgelehnt. Die Liberalen stimmten in diesem Fall geschlossen für die Regie­rung. Darauf vertagte sich das Hinterhaus. Die Konservativen haben einen Mißtrauensan­trag gegen die Regierung formell eingebracht, der besagt: ..Das Unterhaus tadelt die Regierung wegen ihrer Politik ständiger Vermeh­rung der öffentlichen Ausgaben zu einer Zeit, wo Vermeidung aller neuen Lasten und strenge Sparsamkeit bei den schon bestehenden Ausgabenposten notwendig geworden find, um das Vertrauen wiederherzustellen und die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen." Die Regierung wird ersucht werden, eine baldige Gelegenheit zur De- l attc über diese Entschließung zu geben.

Ron für Dichtkunst, hat den einmütigen Dillen de» kündet, die Sektion weiterauszubauen. Sie hat zum Borsitzenden Heinrich Mann, zur stellvertretenden Vorsitzenden Ricarda Huch gewählt. Die Sektion stellt sich vorbehaltlos auf den Boden der Geistes- freiheit und wirb jeden Angriff auf die Geistes­freiheit, insbesondere soweit er das künstlerische Schrifttum betrifft, mit allen Mitteln bekämpfen. Die Sektion fordert grundsätzlich Einfluß auf Unterricht und Erziehung der Heran­wachsenden Jugend und wünscht ihre ständige gutachtliche Heranziehung vor der Einführung kulturwichtiger Lehr­bücher. Sie verlangt bei der endgültigen Fassung der Urheberrechtsreform und des Theu­te r g e s e tz e s gehört zu werden. In der Sitzung wurde ferner über die Vergebung der diesjährigen Beihilfen an Nichtmitglieder entschieden.

Versteigerung der Berliner Gemäldesammlung Böhm.

Die bekannte Gemäldesammlung des Berliner Grohkausmanns Max Böhm wurde zur Versteige­rung gebracht. Bei reger Anteilnahme der Kunst- Welt sowie der Berliner Gesellschaft erzielten die 98 Gemälde deutscher Meister durchweg sehr gute Preise. So brachte Böck lins ..Kampf der Centauren" 44 000 Mk., der ..Studienkopf einer Römerin" von Feuerbach 20000 Mk.. Leibis wundervolles ..Tiroler Bauernmädchen" 45 000 Mark, fein Bildnis der Frau Auguste Mayr 23 000 Mk. und derMädchenTops-'mit flachem Hut" rund 21 000 Mk. Liebermanns be­rühmte ..Zudengafse in Amsterdam" erhielt erst mit 30 000 Mk. den Zuschlag. Zwei kleinere Bilder von Menzel kamen auf 46000 Mk.. SpihwegsStändchen" auf 20 500 Mk. Die Preise für die zahlreichen Trübner -Bilder bewegten sich meist um 10 000 Mk. Die Ver­steigerung erbrachte im ganzen die stattliche Summe von über 800 000 Mk.

Kleine politische Nachrichten.

Der Abgeordnete Reiber (Demokratische Ver­einigung) hat im Hessischen Landtag den Antrag ein­gebracht, die Regierung möge mit sofortiger Wir­kung die Gießener Studentenschaft auf­lösen.

Der Strafsenat des Reichsgerichts hat das Ver­bot des nationalsozialisttschen Wochenblattes »Hessenhammer" aufgehoben. Das vom Hessischen Innenminister ergangene Verbot war vor etwa vier Wochen auf die Dauer von acht Wochen ausgesprochen worden.

*

General Derthelot, der während deS Krie­ges eine zeitlang Heerführer und später Ches der französischen Militärmission in Rumänien war, ist nach längerer Krankheit gestorben.

Auf Befehl der OGPLl. ist das berühmte Kloster Rowospasky Mona st yr in der Rühe von Moskau geschlossen worden. Der Leiter des Klosters wurde wegen angeblicher sowjetfeindlicher Tätigkeit verhaftet. Das Kloster wird in ein Gottlofen-Museum um» gewandelt.

Aus aller Welt.

Oie Ermordung

des LlhrmacherS Lllbrich vor Gericht.

Trier, 29.Ian. (TU.) In einer Zentrumsver­sammlung sprach der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Prälat Dr. K a a s, über das Schema Das Schicksalsjahr 1931: V o r w ä r t s o d e r r ü ck- wärt st". Der 14. September Hobe ein Pa r 1 a - ment gebracht, dessen Arbeitsunfähigkeit und Arbcitsunwilligkeit gegenüber den parlamentarischen Ausgaben der gegenwärtigen Rotzeit seststehe. Brüning habe, von Hindenburg berufen, die Zügel der Regierung ergriffen, als die von den Sozialisten geführte Politik zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Die i n n e r p o l i t i j ch e Reform sei die Vorbedingung für eine außen­politische Aktivität, die erst den Wieder- aufstieg des Deutschen Reid)es vollenden müsse. Befreiungspolitik sei im Brüningsd)en Sinne nicht Phrase u n d 111 u s i o n, sondern T a t u n d Erfolg. Das Gebot der Stunde sei nicht Ver­hetzung, sondern Sammlung zu einer Front aller derer, die guten Willens seien, einer Front, die da anfange, wo die politische Vernunft beginne, die sich aber auch da schließe, wo die politische Einsicht fehle. Innere Sanierung und reparationcpolitische Aktivität seien Handlungen, die nicht ein Nachein­ander vertragen konnten, sondern ein Neben­einander erforderten. Sie beide stellten einen Aktionsplan dar, der im gleichen Zuge d n r ch g e s ü h r t werden müsse, wenn er zum Erfolge führen solle.

Auch die Gegenseite habe Verpflichtungen im Voungplan auferlegt erhalten, auf die Mussolini in seiner Reujahrsrede so deutlich hlngewiesen habe. In ihnen sei die internationale Fusam- mznarbeit festgelegt, der sich auch die -Ltibut- empfänger unterwerfen müßten, wenn nicht das ganze werk zugrunde gerichtet werden solle. Die befreiende und erlösende Tat auf reparalions- politifchem Gebiet könne ohne schwersten Scha­

L o n d o n, 29. Jan. Das Unterhaus hat am Mitt­woch die Gewerifchaftsvorlage abgelehnt. Bei dieser Vorlage handelt es sich um einen Gesetzentwurf, der bc« Streikrecht erweitern soll. Nach dem Generalstreik im Jahre 1926, der für England ver­heerende Folgen hatte, war es B a l d w i n , der em Gesetz durchdrückte, wonach jeder General st r e i k verboten wird, ebenso auch Sympathie­streiks. Ferner war es auf Grund dieses Gesetzes in Zukunft jedem Gewerkschaftsmitglied überlassen, von der Zahlung der Beiträge Abstand zu nehmen. Das hat sich für die Gewerkschaften als nachteilig herausgestellt. Gegenwärtig zahlen nur noch 44 Prozent aller Mitglieder die Beitrage. Außerdem hatte der Generalstreik noch ein Ver­bot des Streikpostenstehens ausgelöst, schließlich sah das Baldwinsche Gesetz noch eine Be­st r a f u n g der Gewerkschaften vor, falls bei ille­galen Streiks die bestreikten Betriebe Schadens- crfatzanfprüd)e stellen würden.

Das olles wollte Macdonald wieder aus der Wett schaffen. Ganz leicht ist ihm aber die Ein­bringung der Gewerkschaftsbill nicht aeworden. Bei den Liberalen bestand eine große Abneigung gegen dieses Gesetz. Immerhin wußte der Premier- mfnifter die Unterstützung der Parteileitung der Liberalen zu gewinnen. Er stellte eine Wahl- re ck) t 3 r c f o r m in Aussicht, die in der Haupt­sache den Liberalen zugute kommen sollte. Gcgen- roärtig gilt in jedem englischen Wahlkreis nur der Kandidat für gewählt, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt. Infolgedessen besitzt die ^Liberale Partei im Unterhaus nur eine kleine Fraktion, obwohl ihr Anhang im Lande doch recht erhebttd) ist. Die Wahlrechtsbill, die ebenfalls dem Unterhaus vorliegt, sieht nun eine Verrechnung d e r ab­gegebenen Stimmen vor, die es den Libe­ralen ermöglichen würde, eine größere Anzahl von Abgeordneten in das Parlament zu schicken. Mac­donald hatte aber den Liberalen klipp und klar auseinandergesetzt, daß die Labourparty nur für diese Wahlrechtsbill stimmen würde, wenn im Aus­tausch dafür die Liberalen dem Gewerkschaftsgefetz zur Annahme verhelfen.

3m Unterhaus unterstützte nun bei Der zwei, ten Lesung der Gcwerkschaftsvorlage Chur­chill den Antrag Baldwins aus Verwer­fung der Vorlage und erklärte, die Einführung i?^r Gewrrskschaften in den politischen Kämpf fei eine der bemerkenswertesten Entwicklungen im sozialen und inn erst oli tischen Leben Der äugens blickfichen Zeit. Dcr Generalstreik des Jahres 1926 sei eine Herausforderung gegen-

Unter großem Andrang des Publikums begann in Berlin der Prozeß gegen die drei jugendlichen Angeklagten, die in der Nacht zum 29. Oktober den 56jährigen Uhrmacher 111 b r i ch in seiner Woh­nung, Drontheimer Straße 5 im Norden Berlins, getötet und beraubt haben. Die^Anklage gegen den jetzt 22jähriaen Kutscher Richard Stolpe, den 21jährigen Schlosser Erich Benzinger und die 16jährige Arbeiterin Luise Neumann, die sämtlich bisher unbestraft sind, lautet auf gemein­schaftlichen Mord und nach der Tat verübter ge- meinschaftlid)er Unterschlagung.

Lilise Neumann war schon mit 15 Jahren in Be­ziehungen zu Ulbrich getreten. Sie hatte nach dem Morde zunächst alles geleugnet, dann aber ein Ge­ständnis abgelegt, aus dem heroorging, daß Stolpe, Benzinger und sie selbst gemeinsam den Mord ausgeführt hatten, um Ulbrich zu berauben. Die Neumann mar mit Richard Stolpe verlobt. Als sie und Stolpe wieder einmal in Geldverlegenheit waren, faßten sie am 27. Oktober den Entschluß, Ulbrich zu berauben und ihn zu töten, damit er den Raub nicht verraten könne. Nach vollbrachter Tat, bei der sie nur 28,65 Mark an Bargeld erbeuteten und einige Uhren und Ringe Mitnahmen, hatten Stolpe und Benzinger Berlin verlassen. Sie waren über Stettin nach dem Dorf Redel in Pommern gefahren, wo Stolpe eine Zeitlang gearbeitet hatte und dort verhaftet wurde. Sie legten Dann auch ein Geständnis ab.

Die Neumann erzählt von Erpressungen Stolpes an Ulbrich. Als Die Drei sich am Sonntag vor Der Tat wieder einmal überlegt hätten, wie man Geld beschaffen könne, seien sie auf Den GeDanken ge­kommen, Ulbrich zu berauben. Stolpe wollte ihn ohnehin beiseite schaffen, damit er ihn nicht wegen Der Erpressung anzeigen könne. Die Neumann fagtr sie wollte zuerst nicht mitmachen; aber als ihr Stolpe mit einer Anzeige drohte, weil sie einer Frau ein Portemonnaie gestohlen hatte, hätte sie Angst bekommen und eingewilligt. Bei ihrer Schil­derung der Tat selbst ergaben sich Widerspruche zu der Aussage Benzingers. Auf Die tfrage Des Vorsitzenden, ob sie nicht von e i n e,m JB c i.1 g e - sprachen habe, erklärte Die Angeklagte, als Stolpe gemeint hätte, daß Der lieberfall hoffentlich gelingen werbe, weil sie zu Dritt gegen einen feien, habe sie gesagt:Na, schließlich steckt ja im Ofen noch das Beil." Sie habe auch spater noch einmal gesagt:Wenn ihr nicht kommt, muß ich das Beil nchinen und Ulbrich selbst tot machen." Die An­geklagte bestreitet Dann entgegen dem polizeilichen Geständnis, daß sie gesagt habe:Am liebsten hinge ich ihn auf; wenn ich es nur könnte."

Stolpe erklärt, daß er von seiner Braut zu der Tat angestiftet worden sei. und f>ebt weiter hervor, daß er nicht die Absicht ge­habt habe, Ulbrich zu töten. Er habe aber immer vermutet, daß seine Braut ernst machen und Lllbrich mit einem Beil erschlagen würde. Roch im letzten Augenblick, als er schon mit Benzinger vor dem Bett Tllbrichs stand, habe er den CDIut verloren und zu seiner Braut leise gesagt: -.'Lies­chen, komm 'raus, ich tue dem Mann nichts! Da sei Ulbrich im Bett munter geworden unc habe die Reumann gefragt, ob sie schon gehen wolle. Sie habe sich Darauf zu Lllbrich gewann, und gesagt:Rein, schlaf' nur weiter! Erst aX. er versehentlich ein Geräusch verursacht habe, sei ällbrich ganz erwacht und es sei Daum ju dein Kampf gekommen.

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I Die Dvrschrislen des aid III, sowie C Ziffer I weit nicht durch §1 W 'frengcsehes etwas ani fr solche Räume, die na inzrworden sind oder s Nume werden im Si frei, wenn dies du chabe ter Wohnung, . AM'oder wenn das der Bestimmungen

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