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nr. 174 Erft« Blatt

181. Jahrgang

Dienstag. 28. Juli 1931

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Die Illustriere» Gietzener FamllienblLVer 6 et mal tm Bild Die Scholle Monatrvezugrvretr: 2.20 Rerchsmark und 90 Rerchspsenntg für Träger» lohn, auch bei Richter» scheinen emzelnerRummem mfolge höherer Gewalt.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Dietzen.

Macdonalds Besuch in Berlin.

Der Aufenthalt 61 im f o n 6 und der c n ä - I ltschen Staatsmänner in der deutschen Hauptstadt ist sehr schnell aus die Siebenmächäe- Konferenz gefolgt. Es ist begreiflich, dah die Staatsmänner den Wunsch halten, die in London gewonnene^ Fühlungnahme nicht abreiben zu I lassen, sondern weiter zu fördern. Don eng- I lischer Seite ist offen zum Ausdruck gebracht worden, daß der jetzt erfolgte Gegenbesuch ein Beweis deS Vertrauens zu Deutsch­land sein sollte. Der innere Zusammenhang | zwischen den Besprechungen in Berlin und Lon- : von liegt auf der Hand. Dabei müssen wir unS freilich bewußt sein, daß daS Finanzpro­blem. daS unS gegenwärtig besonders stark berührt, bei diesen Besuchen keine unmittel­bare Förderung erfahren haben wird.

I Stimsvn hot keinen Zweifel darüber gelassen, j dah er nicht zum Zwecke finanzieller Derhand- lunaen nach Berlin gefahren sei. Seine Reise in die Reichshauptstadt wird im wesentlichen der persönlichen Informierung über die wirtschaftliche Lage gedient haben. Daß ! die so gewonnenen Eindrücke sich einmal praktisch ! «uSwirken, ist vorläufig nur ein Wechsel auf die I Zukunft. Wir müssen unS nach dem Ausgang der Londoner Derhandlungen, so bitter es auch

I für unS sein mag, damit abfinden, daß daS | Ausland bis auf weiteres nur ein auf­merksamer Beobachter der Vorgänge in Deutschland bleibt und abwartet, welche Mah- Rahmen die deutsche "Regierung zur Ueberwindung der finanziellen Krise trifft

Wenn so die Besuche auch keine unmittelbare Ent­lastung für Deutschland gebracht haben, wäre es doch falsch, den Wert dieser erneuten Fühlungnahme | der leitenden Staatsmänner zu unterschätzen. Gerade kflt, wo das Moment des Vertrauens in der Posttik eine so große Rolle spielt, muß die Aus­sprache von Mensch zu Mensch der internationalen Zusammenarbeit die Wege bahnen. Die Gelegenheit zu einer gründlichen Erörterung der gesamtpoliti­schen Lage war geboten, und sie wird von den Staatsmännern genutzt worden sein. Es ist unschwer Su erraten, daß im Mittelpunkt dieser Besprechungen i e Abrüstungsfrage gestanden haben dürfte. Welche Bedeutung diesem Problem in den angel­sächsischen Ländern beigemessen wird, ist bekannt, galt doch ursprünglich die Europareise Stimsons I ausschließlich der Herabsetzung der Rüstungen. Tie großen Abrüstungskundgeoungen in England I sprechen eine nicht minder deutliche Sprache. Die ! Aussichten für die bevorstehende Abrustungskonfe- j rrnz, an deren Erfolg Henderson als Vorsitzen­der noch persönlich stark interessiert ist, sind allerdings recht ungünstig. Das kürzlich ver­öffentlichte französische Memorandum bedeutet einen harten Schlag für alle Freunde des Weltfriedens, denn es zeigt den festen Willen der Pariser Regie­rung, die militärische Vormachtstellung auch weiter­hin aufrecht zu erhalten. Für Deutschland ist eine i umfassende Abrüstung auch der Siegerstaaten eine Lebensnotwendigkeit. Es geht für uns nicht nur um die Sicherheit unserer Grenzen, sondern ebenso sehr um die Frage der Kriegsschulden und Reparationen, für deren endgültige und I erträgliche Lösung die Verminderung der Heeres- | und Marinebudgets die Voraussetzung ist, wie von I Washington oft genug erklärt wurde. Die deutsche | Regierung hat den ausländischen Staatsmännern I gegenüber darauf Hinweisen können, daß Deutsch­land der ganzen Welt mit gutem Beispiel voron- fegongen ist. Für die Zukunft wird viel davon ab- | längen, ob es bei den Berliner Besprechungen ge- | hingen ist, einen Weg zu finden, der aus der stark verfahrenen Loge herausführt.

Wie für die Finanzhilfe so auch für die Ab- rüftungsfrage liegt zweifellos der Schwerpunkt in kr Vereinigung der deutsch-französi­sch e n Beziehungen. Richt umsonst hat Stim- son schon in London auf eine Verständigung zwischen Berlin und Paris gedrängt. Manches spricht dafür, öoß der ehrgeizige französische Ministerpräsident den Wunsch hat, eine neue deutsch französische Aera ein- Äileiten Ob es ihm gelingen wird, sich gegenüber kn Widerständen im französischen Parlament durch- »setzen, und ob er den Mut finden wird, sich ent- schlossen von der Mentalität der Vergangenheit ab- -iwendcn, wisien wir noch nicht. Richt zu bezweifeln «der ist, daß davon entscheidend das Schicksal Euro- pas beeinflußt wird.

Macdonalds Ankunst.

Herzlicher Empfang in Berlin.

Berlin, 27. 3uIL (WTB.) Der britische Pre- Vierminister Ramsay Macdonald traf heute i.17 Uhr auf dem Bahnhof Friedristraße ein. 3u feinem Empfang hatten sich "Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsauhenminister Dr. Sur- ;iu«, Staatssekretär von Bülow Ober- »ürgermcister Dr. S a h m , der brittsche Auhen- ninister Henderson, der brttische Botschafter °ir Horace "R u m b o l d und das Personal der Botschaft auf dem Bahnsteig eingesundem Don

Augenblick an, wo Macdonald den Wagen Erließ, bis zu seiner Abfahrt vom Dahnhoss- ^vrictt wurde er von einer großen Menschenmenge vit freundlichen Zurufen in außerordentlich toar- und lebhafter Form begrüßt. Die Polizei Alle außerordentliche Mühe, den Durchbruch der knge vor dem Dahnhofsgebäube zu verhindern.

Wagen der Minister formten sich nur mit Iriver Mühe einen Weg durch die Menge bahnen.

Der Kanzler

begrüßt die englischen Gäste.

Berlin, 27. Juli. (TU.) Bei dem Esten, daS am Montagabend zu Ehren der englischen Mi­nister in der Reichskanzlei stattsand, brachte zu­nächst Reichskanzler Dr. Brüning einen Toast auf den Herrn Re i ch s p r ä side n ten und Se- Majestät den König von England aus.

Oer Reichskanzler

hielt sodann folgende Ansprache:Ew. Exzellen­zen, meine HerrenI Im Hamen der Reichs- regierung heiße ich Sie, Herr Ministerpräsident und Sie. Herr Henderson in der Reichshauptstadt au f daS herzlichste willkommen. DaS deutsche Volk hat ein lebhaftes und dankbares Gefühl für die Bedeutung dieses ersten Besuches der führenden englischen Staatsmänner in Deutsch­land. Ich habe bei unseren wiederholten Be­gegnungen im Laufe der letzten Zeit Gelegenheit gehabt. Ihnen die Lage in Deutschland und die schweren Probleme, die uns gegen­wärtig beschäftigen, ausführlich zu schildern. Deutschland seht alle seine Kräfte daran, der Krise Herr zu werden. Es muß aber auch darauf rechnen, daß das Ausland, das mit

Zurückziehung kurzfristiger Kredite die Kris« auf die Spitze getrieben hat, an diesem Ziele m i t a r b c i t c t. Wir erkennen dankbar an, was Ihre Regierung durch die vorbehaltlose und herzliche Annahme deS Hvoverplanes sowie durch Ihre Bemühungen um das Zustandekommen und das Ergebnis der Londoner Konferenz be­reits für uns getan hat. Wir wissen, daß auch Sie in England schwere Zeiten durchmachen. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in der gegenwärtigen finanziellen Krise Deutschlands, die heute internationale Be­deutung gewonnen hat. Ich bin daher auch über­zeugt davon, daß eine wirkliche und gründliche Sanierung der wirtschaftlichen Derhällnisfe Eu­ropas nur durch loyale Zusammen­arbeit aller Rationen und durch gegen­seitige Hilfe möglich fein wird. Der Grundstein für die Zusammenarbeit ist in London gelegt worden. Die weitere Aufbauarbeit muß nunmehr beginnen. Ihr heuriger Besuch ist ein Beweis dafür, dah es auch Ihr Wunsch ist, die glücklich begonnene Arbeit fort- z u s e tz e n. Möge sie der Welt den wahren Frieden bringen. Ich erhebe mein Glas aus das Wohl Ew- Exzellenzen auf eine glückliche Zukunft Großbritanniens und auf die englisch-deutsche Freundschaft.

Macdonalds Trinkspruch.

Oie Verbundenheit der Nationen. Beseitigung der Grundursachen der Krisis. Eine Atmospäre des Vertrauens als Voraussetzung internationaler Zusammenarbeit.

Nachdem Herr M a c d o n a l d für die freundlichen Worte, die der Herr Reichskanzler an ihn gerichtet hatte, feinen Dank ausgesprochen hatte, erklärte er u. a. folgendes: Wir sind nicht nur nach Berlin gekommen, um für den deutschen Ehequersbefuch einen Gegenbesuch abzustatten, sondern auch, u m der Welt z u zeigen, daß trotz der schwierig» ketten der gegenwärtigen Lage unser Ver­trauen in Deutschland unvermindert f o r t b e st e h t. Wir sind voller Bewunderung für Deutschland, und wenn auch seine Schwierigkeiten noch nicht überwunden sind, so sind wir doch der festen Ueberzeuaung, daß, wenn Deutschland in feinen Anstrengungen fortfährt, daß, wenn es feine intellektuellen, moralischen und wirtschaftlichen Kräfte anspannt, um wieder auf die Füße zu kommen und sich davor hütet, sich der Verzweiflung hinzugeben, die an- deren Völker ihm Hilfe leisten werden und das deutsche Volk nicht untergehen lassen. Ein freies und sich selbst achtendes Deutschland ist für die Gemein­schaft der Zivilisation unentbehrlich.

Genau so, wie kein Sperling vom Dache fällt, ohne das der Schöpfer aller Dinge davon weiß, so kann auch keine Ration, die sich selbst achtet, aushören, zu existieren, ohne daß für alle anderen Glieder der internationalen Gemein- schäft sich daraus das schwerste Unglück ergibt.

Es wäre undenkbar, daß einem Lande, das sich in der Kunst, in der Wirtschaft, in Geisteswissen so ausgezeichnet hat, wie Deutschland, das den Körper und den Geist gleichermaßen fest in der Gewalt hat, das in einer langen und wechseloollen Geschichte seine Qualitäten erwiesen hat, von den anderen Völkern die Hilfe in der Not verweigert würde. Die Ergebnisse der Londoner Konferenz sind nicht sensationell gewesen. Es hat sich darum gehandelt, die Stellung zu halten, während die Vorbereitungen für eine gründlichere Be­handlung der Schwierigkeiten getroffen wurde. Das, worüber man sich in London geeinigt hat, ist zu einem großen Teil bereits durchgesührt worden. Das Studium der deutschen Finanzlage-hat begonnen, die Ratgeber Deutschlands, die von der Londoner Konferenz vorgesehen worden sind, be- finden sich hier in Berlin, und der Apparat ist auf diese Weise in Bewegung gesetzt worden.

Und in diesem Zusammenhänge müßen die Grundursachen der gegenwärtigen Krise früher oder später einmal klar in» Auge gefaßt und mit gesundem Menschenverstand und gutem willen einer glücklichen Lösung entgegengeführt werden.

Als Vorbereitung dazu muß ein Gefühl gegen­seitigen Vertrauens geschaffen werden, eiji Gefühl gegenseitigen Vertrauens in perfön- 1 i ch e r Hinsicht, so daß die Staatsmänner, die miteinander verhandeln, wissen, daß der Unter­händler auf der anderen Seite offene und ehrliche Worte zu ihnen spricht und offen und ehrlich handelt. Nicht durch schriftliche oder mündliche Verhand­lungen, sondern durch ein Gefühl des Vertrauens im Herzen eines jeden ist dieses Ziel zu erreichen. Und zweitens muß das Dertrauensgefühl von Nation zu Nation wiederhergestellt wer­den. Jedes Volk hat viel dazu beizutragen, und ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß Besuche, wie der von Chequers, von London oder unser jetziger Berliner Besuch nicht als einzelstehende Tat­sachen bestehen bleiben, sondern, daß sie als Aus­druck einer Tendenz zum besseren gegenseitigen Ver­ständnis auf internationaler Grundlage ihre Fortsetzung in ähnlichen Zusammen- fünften finden mögen.

Seit Abschluß der Londoner Konferenz ist manches Wichtige geschehen. Zu allererst möchte ich in diesem Zusammenhang d i e Hilfeleistung Frank­reichs anerkennen und möchte dem Wunsche Aus­druck geben, daß die Besprechungen zwischen Ihnen und den französischen Staatsmännern fortgesetzt werden mögen unter Teilnahme anderer Länder, wenn dies nötig fein sollte. Die Schaffung von Be- Ziehungen von Mensch zu Mensch ist das Wichtige.

wir müssen die Vergangenheit vergessen, da die Zukunft von einer Politik abhängt, die nur von Männern geführt werden kann, die guten willens sind, und die von einem Geiste der Zusammenarbeit beseelt sind, der es ihnen er­möglicht, die Beunruhigungen und die Arg­wöhne zu unterdrücken, die, wenn sie bestehen blieben, die schlimmsten Folgen hätten und schließlich zum Kriege führen mühten.

Die Gedanken und Gefühle der jungen Generation müssen von Feindseligkeit und Argwohn abgewendet und auf das gegenseitige Verständnis und die gegen­seitige Hilfeleistung gerichtet werden. Das ist unsere gemeinsame Aufgabe: Diesen Idealismus, der in der jungen Generation steckt, dazu zu verwenden, daß er sich den großen internationalen Aufgaben der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen den großen Völkern der Welt zuwendet.

Der Willkomm der Presse.

Hoffnung auf eine aufrichtige deutsch'englische Zusammenarbeit.

Berlin, 27. Juli. (TU.) Die Berliner Abend-' blätter kommentieren nur teilweise den Besuch der englischen Minister Macdonald und Hender­son. Die ..Germania" sagt, der Berliner Aufenthalt werde Gelegenheit bieten, nach dem Ausweg aus einer politischen und wirtschaft­lichen Lage zu suchen, die von Tag zu Tag ein ernsteres Aussehen zeige. Es dürfe erwartet werden, daß die britischen Staats­männer gemeinsam mit den deutschen Ministern die Schritte beraten, die einer künftigen, inhaltsreicheren Konferenz Vor­arbeiten und den Weg zu einer Lösung ebnen können, der nicht nur für Deutschland und England, sondern für alle Kulturnationen den Weg aus der Weltkrise bedeuten könnte. Wir wüßten, daß die englische Regierung ebenfalls unter dem Druck einer französischen Finanz­politik stehe, die mit goldenen Kugeln einen Krieg im Frieden $u führen suche. Wenn auch die englische Krise nicht im entfern­testen mit der deutschen zu vergleichen sei, so seien doch die Ursachen ähnlicher Art und die Mittel zur Abhilfe könnten ebensowohl gemein­sam beraten werden, wie mit Amerika, solange sich Frankreich von diesen Beratungen hartnäckig ausschließe. DerVorwärts" betont, was die englischen Minister als Staatsmänner mit Staats­männern bespreche. das werde mit Rücksicht auf die Umwelt sorgfältig abgewogen sein. Die englische Arbeiterregierung sei nicht in der Lage, im luftleeren Raum ohne Berücksichtigung alter überlieferter Bindungen Politik zu ma­chen Die ..D A Z." meint, worauf es uns gerade im Hinblick auf den englischen Besuch anzukommen scheine, das sei die D e r m i 111 u n g der objektiven Faktoren der deut­schen Krise, wie sie die große Mehrheit des Volkes sehe. DerBörsen-Evurier" spricht von einem Berliner Finanzmeeting, dessen Bedeutung durch die Tellnahme intemationaler Finanzexperten sich noch erhöhe. DieD ö r - sen-Zeitung" wünscht, daß die englischen Staatsmänner die Dinge sehen, wie sie

wirklich seien und freimütig den ersten mu­tigen Schritt tun mögen, um das ganze lügen­hafte Rachlriegsdiktat und Vertragswerk zu ver­nichten. DieDeutsche Tageszeitung" hofft, daß die deutsch-englischen Unterhaltungen die beiden nahe verwandten Völker wieder näher zueinander führen und eine aufrichtige Zusam­menarbeit Dorbereiten. DieDossische Zei­tung" heißt die englischen Minister willkommen alS Vorkämpfer einer Politik der Zusammenarbeit, die sich gegen keine Macht richtet, sondern a u S der Entspannung der Gegensätze eine bessere Zukunft für alle erwartet.

Stimfon verläßt wieder Berlin.

Längere Besprechung beim Reichspräsidenten.

Berlin, 27. Juli. (WTD.) Der Herr Reichspräsident empfing heute gegen 11.30 Uhr den amerikanischen Staatssekretär Stim- s o n zu einet längeren Besprechung, bei der der amerikanische Botschafter in Berlin, Sacke11, der deutsche Botschafter in Washington, v. P r i 11- witz. und der Staatssekretär Dr. Meißner zugegen waren. Srimson ist dann um 13.25 llfjr mit bem fahrplanmäßigen Flugzeug nach Lon­don über Amsterdam abgeflogen. Zur Verabschiedung hatte sich eingefunden O bet­te gierungärat Planck von der Reichskanzlei, um dem scheidenden StaalSselretär die letzten Grüße des Reichskanzlers zu übermitteln. Das Tempel­hofer Feld hatte dem scheidenden Gast zu Ehren das Sternenbanner geletzt.

Den deutschen Pressevertretern übergab Stim- son folgende Erklärung: Mein Besuch hat mir viel Freude bereitet. Es war mir vergönnt, den Herrn Reichskanzler. den Herrn Außenminister und die Mehrzahl der anderen Mitglieder der Regierung kennenzulernen, sowie eine Anzahl anderer einflußreicher Deutscher. Gestern besuchte ich mit dem Herrn Reichskanzler und Dr. Eur- tiu- einige Museen, sowie Potsdam und Sans­souci und hatte Gelegenheit, die Berliner bei ihrem Feiertag und ihrer Erholung zu beob­achten. Diese Gelegenheit war mir von "Nutzen und hat mich erfreut. Vor Herrn Reichskanzler Brüning und seinen Mitarbeitern habe ich großen Respekt und Achtung. Ich habe in den Kon- serenzen von Paris sowie in London gesagt, dah die amerikanische Regierung und das amerika­nische Volk Zutrauen hat zu Deutsch­land, seinem Volke, seinen Hilfs­kräften und seiner Zukunft, und meine Ansichten sind durch das. was ich bei meinem Besuch gesehen habe, bestätigt worden. Ich glaube, dah die gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten zum größten Tell zurückzuführen sind auf vorübergehenden Mangel an Zutrauen und daß mit Mut und dem wieder­kehrenden Vertrauen Deutschland fein Wohl­ergehen wieder erlangen wird.

pariser Kommentare.

Angebliche Abrüftuugsgcfpräche zwischen Ltimfon und (4rocncr.

Pa ri S, 27. Juli. (TU.) Die P a r i f e r P r e s s e verfolgt mit größter Aufmerksamkeit den Besuch des amerikanischen Staatssekretärs Stim son in Ber­lin, ebenso wie die Besprechungen der eng­lischen Minister mit der Reichsregierung. Große Bedeutung mißt man hier vor allem der Unterredung bei, die Staatssekretär Stimson im Laufe des Sonntags mit dem Reichswehrminister Öroener hatte und die sich nach Auffassung hie­siger Kreise nur auf die Rüstungseinschränkung in Deutschland und insbesondere die Einstellung des Panzerkreuzerbaues bezog. Diese Unterredung, so schreibt dieyibertö", sei um so bedeutender, als gerade der Reichswehrminister sich energisch gegen jedes Zugeständnis auf militärischem Gebiet gewandt habe und sogar mit seinem Rücktritt gedroht hätte, falls Dr. Brüning bei seinen Pariser Besprechungen irgendwelche ähn- sichen Forderungen annehme. Das Blatt ist im übri­gen der Auffassung, daß die Besprechungen Stim- sons s e h r n u tz l i ch e Ergebnisse für die wei- tere Entwicklung der Lage haben könnten, wenn Macdonald und Henderson nicht das wieder zer- störten, was er vorbereite. DerIntransi­tz e a n t" stellt mit Genugtuung fest, daß sich auch die übrigen Großmächte langsam dem Standpunkt der französischen Reaierung näherten und in der deutschen Krise in erster Linie eine Frage des Vertrauens erblickten. DerT e m p s* mißt den Besprechungen Stimsons größte Bedeutung bei, Es sei sicher, daß der amerikanische Staatssekretär seine Ansichten über die Rüstungsfrage nicht in der Form einer conditio sine qua non für jede Hilfe an Deutschland vorgebracht habe. Er befinde sich jedoch in der ausgezeichneten Lage, Deutschland seine Meinung zu unterbreiten, und es werde der Reichsregierung schwer sein, seiner Auffasiung keine Rechnung zu tragen.

Wenn Pariser Blätter behaupten, daß Stimson in der Unterhaltung mit dem Reichswebrminister Grvener eine energische und erfolgreiche Offen­sive auf dem Gebiet der Abrüstung in die Wege geleitet habe, so wird bcuu von amtlicher Stelle mitgeteilt, dah an dieser Meldung nur richtig ist, d<ch eine Unterhaltung zwischen dem StaatSsekre^ tär Stimsvn und dem Reichswehrminister Groe- ner stattgesunden hat, in der die Ab-