Ausgabe 
28.4.1931
 
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SnowdensBorailschlag vordem Mechaus

London, 27. April. (WTB-> Der britische Schatzkanzler Snowden gab heute im Unterhause eine Darstellung der Finanzlage des Landes. Er erklärte: Der Haushaltsvoranschlag sieht eine weitgehende Umwandlung der Schuld oor. Das letzte Rechnungsjahr schließt zwar mit einem Fehlbetrag ab, wenn man aber bedenkt, daß die Gesamtsumme der Ausgaben einen Betrag von 66 835 161 Pfund Sterling für die Schuldentilgung schafft, so wird man erkennen, daß das Reinergebnis des Jahres in einem Ueberschuß zur Deckung der Schuld in Höhe von 4350000 Pfund Ster­ling besteht. Es würde mich überraschen, wenn man mir sagte, daß es noch ein zweites Land gibt, das so hoch auch seine Tarife sein mögen in dieser Zeit der Weltflaute so gute Ergebnisse aufweisen kann. Im Laufe des Jahres werden Maßnahmen zur Deckung eines beträchtlichen Teiles des Defizits des vergangenen Jahres in Höhe von 23 276 000 Pfund Sterling getroffen werden. Die Deckung wird aus den ordentlichen Einnahmen erfolgen. Die Ein­nahmen des Jahres 1931/82 werden auf Grund der Schätzungen 766 Millionen Pfund Sterling betro­gen, die Ausgaben 803 366 000 Pfund Sterling. Für 37 366 000 Pfund Sterling muß noch eine Deckung gefunden werden. Unter Bezugnahme auf die von der Opposition oorgefchlagenen Zölle betonte der Schatzkanzler, daß er sich niemals zur Einführung von Finanzzöllen bereit finden würde. Er werde das Defizit aus einmaligen Einnahmen decken. Mit der BIZ. fei ein Abkommen getroffen worden, auf Grund dessen er in der Lage sei, 20 Millionen von dem Garantiefonds von 33 Millionen Dollars, der in Reuyork liege, nach England zu transferieren. Das gegenwärtig in Kraft befindliche Steuereintrei­bungssystem, wonach die Einkommensteuer- betrüge in zwei gleichen Raten zu entrichten sind, würde durch ein neues System ersetzt werden, wo­nach drei Viertel des Betrages bereits am 1. Januar des folgenden Jahres fällig werden, während die zweite Teilzahlung im Juli des folgenden Jahres zu entrichten ist. Die Steuer auf Benzin werde von vier auf sechs Pence mit Wirkung ab morgen erhöht werden, was für dieses Jahr eine Mehreinnahme von 7,5 Millionen bedeute. Auf Grund der neuen

Einnahmequellen würde das veranschlagte Defizit gedeckt und noch ein Ueberschuß von 134 000 Pfund Sterling erzielt werden können.

Snowden kündigte eine neue Besteuerung des Grundbesitzes an, und zwar in Höhe von einem Penny per Pfund Sterling des Ka­pitalwerts. Dadurch werde der skandalöse Zu­stand aus der Welt geschafft, daß private Grund­stücksbesitzer Buhen aus dem Wertzuwachs der Grundstücke zögen, der dem Llnternehinungsgeist und dem Fleiß des Volkes allein zu danken sei. Snowden erklärte weiter, daß zur Deckung des 14,5 Millionen .betragenden Defizits aus dem Jahre 1929/30 der Dienst für die fun­dierten Schulden im vergangenen Jahre um fünf Millionen und für die Jahre 1931/32 und 1933/34 um je 4,5 Millionen erhöht worden sei. Seit diese Entscheidung getroffen worden sei, habe man fünf Millionen Pfund aus der deutschen Mobilisierung s- a n l e i h e erhalten. 3m vergangenen Jahre seien insgesamt 360 Millionen für den Schuldendienst aufgebracht worden, jedoch habe man infolge der niedrigeren Zinssätze 11,5 Millionen ein­gespart.

Nachdem Snowden geendet hatte, erhob sich sofort Neville Chamberlain, um im Namen der Konservativen Opposition Snowden seine Anerkennung für seinen Mut, seine Aufrich­tigkeit und seine hervorragenden parlamenta­rischen Fähigkeiten zum Ausdruck zu bringen. Die konservative Opposition sei aufrichtig froh, ihn nach seiner Krankheit wieder im Hause zu sehen, und hoffe, daß die Anstrengung, die er so glän­zend überstanden habe, keine üblen Folgen für seine Gesundheit haben werde. Was das Budget anbetrefse, so hätte es schlimmer ausfallen können. Einige Teile desselben würden jedoch von den Konservativen auf das schärf st e be­kämpft werden. Hierauf gratulierte Lloyd George dem Schahkanzler zu seinen mutigen und erfreulichen Leistungen. Einen Vorschlag habe er mit besonderer Freude gehört: Die Gr und- besihwertsteuer. Die allgemeine Aus­sprache wurde sodann auf morgen vertagt.

©bingencr Hafen wieder zumachen werden. Damit ist wohl doch nicht zu rechnen, sie werden sich nicht einmal die Mühe geben, wenigstens einen Teil des Ein. und Ausfuhroerkehrs weiterhin wie bisher über Danzig zu leiten.

Deutsche Möglichkeiten.

Dr. Schacht empfiehlt Verständigung mit Poincare.

Brüssel, 27.April. (TU.) Ein Sonderbericht- erstatter des AntwerpenerNeptun", der zur Zeit Deutschland bereist, veröffentlicht eine Unter­redung mit dem früheren Reichsbank- v r ä s i d e n t e n D r. Schacht. Auf die Frage des belgischen Korrespondenten, wovon eine Heilung der deutschen Verhältnisse zu erwarten sei, bemerkte Dr. Schacht, daß nur eine gleichzeitige Aktion nach innen und' außen eine Wendung zum Besseren bringen könne. Rach innen durch Abschaffung der übertriebenen Soziallasten und nach außen durch eine neue internationale Uebereinfunft, die den Reparationszahlungen endgültig e i n E n d e machen müsse. Zur Frage der d e u t s ch- französischen Verständigung erklärte Dr. Schacht, die Einigung sei möglich, aber es wäre lächerlich, sie durch eine Verständigung unter Sozial- demokraten erreichen zu wollen. Sie werde nur ge­sichert sein, wenn eine Verständigung der Rechtskreise beider Länder ermöglicht werde. Er fürchte Briand und glaube, daßnureineZu- sammenarbeit mit Poincarö Deutschland Garantien gewähren könne. Briand spreche gut, aber er handle nicht seinen Reden entsprechend. Sein Plan einer europäischen Föderation laufe ein­fach darauf hinaus, die französische Hegemonie zu verankern. Zum Schluß erklärte Schacht, seiner An­sicht nach würde Brüning in Kürze mit der So- zialdernokratie brechen müssen, um Die Verbin­dung nach rechts wieder aufzunehmen.

Vom Volksbegehren zum Volksentscheid.

Im Juni Entscheidung des Landtags.

Berlin, 27. April. (TU.) Nachdem das Dol ksbegehren Erfolg gehabt hat, muß nach den Bestimmungen der Verfassung der Preu­ßische Landtag darüber entscheiden, ob er der Forderung des Volksbegehrens zustimmt. Wann diese Entscheidung gefällt werden wird, steht noch nicht fest. Man rechnet mit der Mög­lichkeit, die Abstimmung über diese Frage in dem Sitzungsabschnitt im 3uni vornehmen zu können, zu dem der Landtag voraussichtlich zu­sammentreten wird, um den Kirchenvertrag zu verabschieden. Zunächst muß bekanntlich das Ab­stimmungsergebnis vom Stahlhelm dem Staatsmini st crium mitgeteilt werden. Das Staatsministerium übersendet die Feststellun­gen dem Landeswahlleiter zur Nach­prüfung. Sobald die Nachprüfung erfolgt ist, ist nach den Bestimmungen der Verfassung bin­nen vier Wochen dem Landtag eine Vorlage zu machen, die die Forderung des Volksbegehrens zum Gegenstand hat. Lehnt der Landtag dieselbe ab, so ist der Weg für den Volksentscheid frei. Mehr als die Hälfte der gesetzlichen Mitgliederzahl des Landtages muß für die Vorlage stimmen, um den Volks­entscheid entbehrlich zu machen. Da der Land­tag 450 Mitglieder hat, müßten also wenig­stens 226 Abgeordnete für die Auf­lösung stimmen. Die Annahme, daß von den hinter dem Volksbegehren stehenden Parteien noch ein besonderer Antrag auf Auflösung ein­gebracht werden würde, findet keine Bestätigung.

. Oie Neichstagsfraktion der NGOAp. tagt in München.

Hindenburg wird zum Rücktritt ausgefordert.

München, 28. April. (TU.) Am Montag färb unter dem Vorsitz von Dr. Frick eine Sitzung b;r vollzählig versammelten Reichstagsfraktioa der NSDAP, statt. Dr. Frick berichtete über b'e Tätigkeit der nationalen Opposition seit dem Aus­zug 5J15 dem Reichstag und über Thüringen. Ado f j Htner sprach Dr. Frick den Dank der Bewegurg für feine Tätigkeit aus. Das Ergebnis des bürger­lichen Verrats sei, daß die Bewegung in Thüringen erst recht vorwärts schreite. Eine Neuwahl werke mit einer Zerschlagung des Bürgertums als Schützt, rin des Marxismus enden. Wenn Bismarck frütjit gesagt habe, der Liberalismus sei die Vorstufe btr Sozialdemokratie, so könne man heute feststellen, im heutigen politischen Bürgertum liege bereits dcr Bolschewismus beschlossen. Die Fraktion beschloß dann eine Erklärung, in der es u. a. heißt:

Der Verfälschungsfeldzug gegen die NSDAP, hat nad^ Erlaß der Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten Formen angenommen, die jebir Beschreibung spotten. Nachdem der Reichstag au - einanbergegangen ist, wirb ber nationalsozialistisä e Reichstagsabgeordnete geradezu als Freiwild ber Gerichte bes Systems betrachtet. Die Freiheit ber Geister unb ber Meinung wird in rigo­rosester Weise geknebelt unb gefesselt. Die in Mün­chen versammelte Reichstagsfraktion erhebt gegen diese unerhörten Verfassungsbrüche vor der ganzen deutschen Öffentlichkeit einstimmig unb feierlich Einspruch. Sie versichert unb gelobt, nicht zu ruhcn unb zu rasten, bis biesem Terror-Regiment burch Urteil des Volkes legal ern Ebbe gemacht wird. Sie ermahnt den Herrn Reichsprä­sidenten im Namen von Millionen unterdrückten und terrorisierten Deutschen, entsprechend seiner Pflicht die Grundrechte ber Verfassung gegen bie Gesetzesbrüche ber parlamentarischen Mehrheitskoalition zu verteidigen ober aber, wenn er das nicht kann, oder will, zurückzutre- t e n und den Schutz seiner ehemaligen Wähler einem neuzubestimmenden nationalen Reichs­präsidenten zu überlassen."

Dr. Goebbels wird dem Gericht zwangsweise vorgeführt.

Berlin, 27. April. (CNB.) Da mehrere Ter­mine vor dem Schöffengericht Charlot- tenburg gegen Dr. Goebbels dadurch vereitelt worden sind, daß der Angeklagte nicht er­schien, sollte er mit Zustimmung des Reichstages zur heutigen Verhandlung wegen Beleidigung zahl- reicher Persönlichkeiten zwangsweise vor- aeführt werden. Das Amtsgericht Charlotten- burg erhielt jedoch am frühen Morgen von dem Privatsekretär Dr. Goebbels, Schimmelmann, die telephonische Mitteilung, daß Dr. Goebbels a l s Fraktionsvorsitzender der NSDAP.

an einer Führertagung teilnehmen müßte und deshalb vor Gericht nicht erschei­nen könnte. Sein Aufenthalt sei unbekannt. Staatsanwaltschaftsrat Stenig beantragte, Schim­melmann eilig zu laden und eidlich über den Auf­enthalt von Dr. Goebbels zu vernehmen. Das Ge­richt wartete drei Stunden auf bas Erscheinen bes Zeugen und erfuhr bann, daß auch Schimmel- m a n n von ber Polizei nicht ermittelt worden ist. Er hatte sich gegen 10 Uhr aus seiner Wohnung entfernt. Auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. N. Kantorowicz beschloß bas Gericht, bie Ver- hanblung am Mittwoch fortzusetzen und bie Maß­nahme gegen Dr. Goebbels burchzuführen. Dr. Goebbels würbe am Montag um 22 Uhr, als er beim Abendessen in einem Münchener Hotel saß, von ber Polizei verhaftet. Goeb­bels, ber schon im Besitz einer Schlaf­wagenkarte war, fuhr um 11 Uhr in Beglei­tung von Polizeibeamten nach Berlin.

Der Reichsarbeitsmini st er ging auf die vorgetragenen Sorgen und Wünsche in ausführ­licher Nede ein. Er liehe sich durch eine über­spitzte Kritik nicht auf eine unsoziale Linie ab- drängen. Die allgemeine Wirtschafts- und Fi- nanznvt dränge allerdings dahin, daß, um Schlimmeres zu verhüten, Crsparnisseüber- a II dort vorgenommen werden müßten, wo sie vertretbar seien. Die knappschaftliche Versicherung werde durch geeignete Maß­nahmen Hilfe zunächst für ein 3ahr finden. Lieber die Invalidenversicherung lägen be­stimmte Pläne noch nicht vor. Was die Ar­beitslosenversicherung beträfe, so könne er dem Gutachten der Kommission nicht vorgreisen. Er gebe den Arbeitern die Versicherung, daß er in der Sozialversicherung, im Tarif- und Schlich­tungswesen das zu halten suche, was bei der heutigen Finanz- und Wirtschaftsnot überhaupt gehaltert werden könne.

Oer Parteitag der Wirtschastspartei. Drewitz zum Parteivorsitzenden wiedcrgewähli.

Hannover, 27. April. (TU.) Der Parteitag der Wirtschastspartei setzte am Montagnachmittag seine vertraulichen Beratungen fort. Die Verhand­lung nahm einen sehr erregten Verlauf. Kurz nach 18 Uhr wurde bas Ergebnis ber Wahl bes ersten Vorsitzenden bekannt. Der bisherige Parteiführer Drewitz ist mit 731 von 1001 Stimmen wie - bergewählt worben. 258 Stimmzettel lauteten gegen Drewitz, 12 Vertreter enthielten sich ber Stimme. Ein Gegenkanbibat war von ber Oppo­sition nicht ausgestellt worden. Die Wiederwahl Drewitz' wurde von der Mehrheit mit starkem Bei fall ausgenommen. Die Aussprache über den Fall Drewitz-Colvsser ist zu Ende geführt. Der Parteivorsitzende Drewitz hat bie von Colosser ge­gen ihn erhobenen Vorwürfe in vollem Umfang als unwahr bezeichnet. Er erwartet von dem von ber Staatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungsverfah­ren seine volle Rechtfertigung unb sieht keinen Grund, dem Verlangen ber Opposition nachzu­geben, bis zur Bereinigung ber Sache sein A m t n i e b e r 3 u l e g e n. Neben ber Opposition sprachen u. a. Kaiser- Sachsen unb Horneffer-Gie- ßen. Auch die Dppofitionsrebner lehnten es ab, sich mit Colosser zu identifizieren unb sich besten Angriffe gegen Drewitz zu eigen zu machen. Sie hielten es aber für wünschenswert, daß Drewitz bis zu seiner völligen Rechtfertigung bas Amt als Parteivorsitzender nicht ausübe. Dagegen haben die Mandatsträger ber Partei sowohl im Reichstag wie in ben Lanbtagen sich aus die Seite des Parteivar­sitzenden gestellt. Ihre hervorragendsten Vertreter wie Bredt, Mollath unb Labenborff hoben ihr uneingeschränktes Vertrauen zu Drewitz zum Ausdruck gebracht. Die Opposi­tion hat ihre Hoffnung, eine größere Gefolgschaft hinter sich zu bringen, nicht verwirklichen können.

Oie Zukunft der Gozialversicherung.

Die Gewerkschaften beim Reichsarbcitsminister.

Berlin, 27. April. (TU.) Arn Montag trugen die drei Spitzenverbände der Arbeitergewerkschaften dem Reichs- arbeitsminister ihre Sorge um die Arbeiter- versicherung vor. Sie führten aus, daß die Arbeiter stark beunruhigt seien wegen der stän­digen Angriffe auf die Sozialversicherung, wo doch allgemein bekannt sein müsse, daß die Renten meist nicht zum Lebensnot­wendigsten reichten und die Sozialrentner im Hinblick auf die allgemeine Verarmung auch von ihren Verwandten nicht mehr die Zuwen­dungen von ehedem erhielten. Die organisierten Arbeiter seien sich des Ernstes der politischen und wirtschaftlichen Lage bewußt, sie könnten aber nicht ruhig zusehen, daß ihre Sorgen im Verhältnis zur Lage anderer Devölkerungs- schichten als weniger wichtig angesehen und behandelt würden. Auch der Arbeitsminister möge den ungerechtfertigten Angriffen verstärkt ent­gegentreten.

Aus aller Welt.

Opfer der Wissenschaft.

Der betaimte Wiener Röntgenologe Professor Guido Holz knecht hat sich einer Amputation seiner rechten Hand uüterziehen müssen. In­folge eines sogenannten Röntgenkrebses, den sich Professor Holzknecht bei seinen Arbeiten zugezogen hat, mußten bei ihm in den letzten Jahren wiederholt an der Hand Operationen vorgenommen werden, so daß der. Forscher seit etwa drei Jahren nur noch Rudimente der Fin­ger an seiner Hand besaß. Jetzt gestaltete sich sein Zustand wieder so bedrohlich, daß auch der Stumpf noch entfernt werden mußte. Das Befinden des Patienten ist verhältnismäßig wohl. Es wird nun eine besondere Prothese angefertigt werden, die es dem Röntgenologen ermöglichen wird, seine wissenschaftlichen Arbeiten trotz der Amputation der Hand fortsehen zu können.

Ozeanflieger Ahrenberg zur Hilfeleistung nach Grönland.

WieSvenska Dagblabet" erfährt, wirb voraus sichtlich der schwedische Ozeanflieger Hauptmann Ahrenberg in den nächsten Tagen nach Grönlar.d starten, um dem Meteorologen ber englischen Expe­dition H. G. W a 11 i n s Hilfe zu bringen. Watkins war 200 Kilometer weit von der Grönländischen Küste entfernt zur lleberminterung zurück- gelassen worden. Man befindet sich in großer Sorge um das Leben dieses Gelehrten, weil alle Versuche, ihm Proviant zu bringen, bisher rn ißglück- t e n. Die Watkins-Expedition hat die Aufgabe, die Möglichkeiten einer direkten Flugverbin­dung zwischen England unb Mittel- f a n a b a festzustellen, ber am kürzesten über Grön­land führen würde. Man rechnet mit ber Möglich­keit, daß Ahrenberg auch mit der Wegener- Expedition auf Grönland in Verbindung kommt.

Ein Dürer-KuPserstich gestohlen.

In der Nacht zum 28. April ist aus dem Leipziger Museum am Augustusplatz der Origi- nal-Dürer-KupferstichRitter, Tod und Teufel" gestohlen worden. Von dem Täter fehlt his- yer jede Spur.

Schwere Bluttat in Ostpreußen.

Schwere Bluttaten wurden in Groh-Strengeln bei Angerburg in Ostpreußen verübt. Dort hatte der Besitzer Wicht im Jahre 1925 das Grund­stück des Besitzers Sch ul zig gekauft. Aus dem Berkaus entstanden verschiedene Prozesse, die Schulzig verlor. Am Montagvormittag fuhr der Bruder des früheren Besitzers Schulzig, der 29- jährige Artur Schulzig, mit seinem Fahrrad nach Groß-Strengeln. In der Wohnung des Be­sitzers Wicht kam es zu einem heftigenWort- wechsel, in dessen Verlauf Artur Schulzig einen Revolver zog und auf Wicht unb seine Frau feuerte. Wicht brach, von vier Schüs­sen schwer getroffen, zusammen, während Frau Wicht so schwere Verletzungen erlitt, dah sie sofort starb. Der Mörder begab sich auf das Feld, wo er bei seiner Ankunft den Bru­der des Besitzers Wicht hatte eggen sehen. Auch diesen tötete Schulzig auf der Stelle durch mehrere Revolverschüsse. Sodann er­griff er sein Fahrrad und flüchtete. Durch die Schüsse waren jedoch die Pferde des Be­sitzers Wicht scheu geworden und gingen

durch. Sie rasten hinter dem Mörder her, über­holten ihn und rissen ihn mit seinem Fahrrad zu Boden. Schulzig wurde eine ganze Strecke weit von den Pferden mitgeschleift, erlitt aber nur eine ungefährliche Verletzung am Hinterkopf. Er fuhr sosann mit seinem Fahr­rad nach Angerburg, wo er sich auf der Polizei- steile verbinden lassen woTte. Dort wurde er verhaftet.

Sühne für eine Bluttat.

Dor dem Schwurgericht Koblenz hatte sich der Fuhrmann Dilly aus Kreuznach wegen vor­sätzlicher Tötung seines Stiefsohnes Peter zu verantworten. Die Vernehmung des Angeklagten ergab ein trauriges Familienbild. Dilly war in der Nacht zum 2.März in an­getrunkenem Zu stände nach Hause gekom­men und fing mit seiner Frau einen Streit an, in dessen Verlauf er auf die Frau einschlug. Der Stiefsohn wollte seiner Mutter zu Hilfe kom­men; dabei kam es zu einem Handgemenge und Vater und Stiefsohn wälzten sich auf der Erde. Plötzlich stieß der unten liegende Vater dem Stiefsohn ein Messer in die Brust. Trotzdem der Stich den sofortigen Tod des Sohnes herbei­führte, schlug der Vater noch weiter auf den Er­stochenen ein, faßte ihn an den Deinen, schleifte ihn über den Korridor und w arf ~idie Treppe hinab. Der Angeklagte, der angab, bei der Tat sinnlos betrunken gewesen zu fein, wurde zu sieben Jahren Zucht­haus ud zehn Jahren Ehrverlust verurteilt.

Verhaftung eines internationalen Hochstaplers.

In Wiesbaden konnte ein internationaler Hochstapler ber als schwebifcher Fabrikbirektor Tor- hier auftrat, burch bie Kriminalpolizei festgenommen werben. Auch in Wiesbaben hat er große Scheck- betrügereien versucht, was ihm aber infolge ber Aufmerksamkeit ber Bankangestellten nicht ge­lang. In seinem Besitz hatte er bei seiner Festnahme drei falsche Ausweise, mehrere Bündel Schweizer Franken, bei denen aber nur ber ober ft e Schein echt, bie anberen wertlos waren, unb mehrere tjunbert Banknotenbünbelstceifen mit bem Ausbruck einer Schweizer Bank, bie gar nicht exi­stiert. Torbier, ber angibt, in Wirklichkeit Peter von Makarow zu heißen, unb ein ehemaliger russi­scher Rittmeister zu sein, ist, wie inzwischen festgestellt worben ist, schon in Wien, Triest unb im Haag wegen Betrugs unb Paßfälschung vorbestraft.

Polizei-Razzia beimJmmerkeu-3ubiläumßfeft

Am Montagabend veranstaltete ber Berliner RingvereinImmertreu" im Saalbau Friebrichshain fein lOjähriges Stiftungsfest, zu bem etwa 3000 Personen erschienen waren. Mit Rücksicht auf bie zahlreichen Zusammenstöße, bie sich in letzter Zeit zwischen den Mitgliedern der Ringvereine zutrugen, ließ der Polizeipräsident G r z e s i n s k i gegen Mitternacht durch 150 Polizei- und Kriminalbeamte in dem prachtvoll geschmückten Saal eine Razzia durchführen. Jeder der An­wesenden mußte sich ausweisen. Wie verlautet, wurde eine große Zahl steckbrieflich Ge­suchter festgenommen.

Großfeuer in der Wiener Technischen Hochschule.

In der Technischen Hochschule ist ein Großfeuer ausgebrochen, das wahrscheinlich auf Lieber- Heizung zurückzuführen ist, es war im alten Trackt ausgebrochen und wurde erst um 10 Llhr entdeckt, nachdem es wahrscheinlich schon längere Zeit gewütet hatte. Dcr Dachstuhl geriet in einem Ausmaß von 200 Quadratmeter in Brand. Das Liebergreifen des Feuers auf den neuen Trackt konnte von der Feuerwehr verhindert werden. Verbrannt sind Altmaterial, alte Möbel und Hefte, die auf dem Dachboden aufgelagert waren. Nach halbstündigen Bemühungen der Feuerwehr war die Gefahr beseitigt.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Allmählich bewegt sich die Störung, die schon in den vergangenen Tagen die Wetterlage beherrschte, mehr ostwärts fort Trotzdem erfolgt zunächst noch kein Uebergang zu besserem Wetter, denn weiterhin drängt sich ozeanische Luft vor, die Niederschläge mit sich führt. Sie wird bei uns noch wechselhaftes Wetter mit Schauern verursachen. Eine wesentliche Aenderung der Temperaturen findet vorerst nicht ^2[ussichten für Mittwoch: Immer noch wechselnd wolkiges Wetter, dabei vorübergehend aufheiternd, schauerartige Niederschläge, Tempera­turen wenig verändert.

Aussichten für Donnerstag: Beständi­geres, teils wolkiges teils aufheiterndes Wetter, Nachlassen der Niederfchlagstätigkeit.

Lufttemperaturen am 27. April: mittags 10 Grad Celsius, abends 7,6 Grad; am 28. April: morgens 5,8 Grad. Maximum 11,8 Grad, Minimum 6,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. April: abends 10 Grad; am 28. April: morgens 7 Grad Celsius. Niederschläge 9,1 mm. Sonnenschein­dauer VA Stunden.