Ausgabe 
27.11.1931
 
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Vertrauensvotum für Laval.

Große außenpolitische Debatte in der französischen Kammer. Laval macht sich stark für die kommenden ^eparationsverhandlungen.

Paris, 26. Rov. (WTB.) Der der 3ni«t- pellationsbebaite in der französischen Kammer h.e.t MinisterpräsidentLava leine gr.hr Rede. Die optim.iulcy<n Voraussagen, die man an das Hoover-Feierjahr geknüpft habe, hätten sich nicht erfüllt. Reichskanzler Brü­ning und Minister Dr. C u r t i u s seien nach Paris gekommen und von der französischen Be­völkerung in herzlicher Weise empfangen wor­den. Bor Beginn der allgemeinen Aussprache habe sich sofort gezeigt, dah Schwierig lei­ten auf beiden Seiten bestünden, die man nicht verkennen dürfe. Trotzdem habe man den Versuch machen müssen, in irgendeiner Weife etwas zu tun. Er entsinne sich eines Worte-, daS Reichskanzler Brüning gebraucht habe und das auf ihn tiefen Eindruck gemacht habe:Es ist eine Tragödie in der Geschichte unserer Völker, dah wir niemals zu gleicher Zeit das gleiche Wort aussprechen können." An dem Tage, an dem jenseits der Grenzen die nationalistischen Kundgebungen ausgehört hoben, werden die Ereignisse eine Antwort auf die Frage des Reichskanzlers geben. Die beiden französischen Staatsmänner hätten auch in Deutschland den herzlichsten Emp- sang gesunden. Seine Reise nach Washing­ton habe die größten Hoffnungen aufkommen lassen. Es habe sich keineswegs um eins Propa­ganda gehandelt: ober diese Zusammenkunft sei die schön st e und beste Propaganda gewesen, die Frankreich jemals in den Ver­einigten Staaten unternommen habe. Heute wisse man dort, welche Opfer Frankreich durch die Herabsetzung seiner Rü­stungen gebracht habe. (Starker Beifall bis in die Reihen der Radikalen.) Man wisse auch, dah Frankreich aufrichtig pazi­fistisch sei. Frankreich sei jetzt auch gegen jede Initiative geschützt, die etwa in der Linie der Politik liege, die der Prä­sident der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Schulden und Reparationen im Juni ergriffen habe.

Auf die Reparationen habe Frankreich ein heilige. Recht, er müsse sogen, dah Deutsch­land al, Schuldner eine gewisse Grohmannssucht (prodigaliU) be­wiesen habe. Immer alles schöner zu gestal­ten und die nationale Ausrüstung zu vervoll­kommnen aber in dem Augenblick, in dem man zahlen solle, sich für zahlungsunfähig zu erklären, das sei die Gewohnheit Deutschland«. (Starker Beifall bei den Mittel» Parteien und der Rechten.) Dieser Zustand werde noch dadurch verschlimmert, dah Kundge­bungen erfolgten, die bei zu vielen Menschen in Deutschland Unterstützung fanden. Er verstehe da» Elend des deutschen Volke»; aber wenn nun das Gegenteil der Fall wäre, was würde man In Deutschland denken, wenn Frankreich genau so handeln würde, wie man in Deutschland handle? Die Welt sei gewih durch eine beispiellose Krise in Mitleidenschaft gezogen. Deutschland sei am stärksten davon be­troffen; aber andere Länder feien auch nicht verschont. E» sei eine Wahrheit, die man an­gesichts des harmonischen Gleichgewichte» Frank­reichs hcroorzuheben berechtigt sei, dah nämlich Frankreich sich weigern müsse, sein Geldzuvergeuden. Frankreich dürfe auch nicht Beweise einer gewissen Grohmut geben, die gewisse Länder von ihm erwarteten. Frankreich habe seine Pflicht er­füllt. Die Krise hat übrigens eine moralische und eine psychologische Seite. Es scheint, dah sie ihre Wurzel hat in einer Krankheit, die man als kollektloe Reura st Henle bezeich­nen kann, llcberall hört man, es müsse da» vertrauen wlederhergestellt werden, aber wie. wenn man nicht al» Grundlage annehme: Den Respekt vor dem gegebenen Wort und vor den unterschriebenen Ab­kommen? Frankreich würde sich nicht wei­gern, die Modalitäten eines neuen Arran­gement» mit seinen Gläubigern zu prüfen. Ohne die Pflicht der Solidarität zu verkennen, müsse man die Interessen Frank­reich» verteidigen. Frankreich werde nur sür die Periode der wirtschaft­lichen Depression ein neue» Ab­kommen annehmen. E» sei bereit, eine Herab­setzung von dem, was man ihm schulde, nur in dem Mähe zu bewilligen, in dem auch ihm ein gleicher Nachlaß von seinen Gläubigern bewilligt werde und werde den Prioatschulden keine Priorität vor den Reparationen zuerkennen. Frankreich, dessen Prestige unvergleichlich sei. könne die Rolle spielen, die e, sich durch seine Vergangenheit verdient habe. Es habe kein« Hegemonieabsichten, e» habe nur ein Ideal, nämlich die olle Zivilisation zu verteidigen, die durch Katastrophen In Gefahr gebracht sei. Man müsse den wirklichen Frieden wiederherstellen und für diese Ausgabe, die seine Regierung im Auge habe, verlange er da» vertrauen der

Kammer.

Sine Hetzrede Aranllin-VouillonS

Franklin - Bouillon (Sozialradikale Ctnlc) äußerle sich wie stets in der bekannten negativen Weise, indem er Deutschland und dem deutschen Volk jedes Vertrauen abspricht. Der Redner bemängelte daS Vertrauen zu den Sach­verständigen. die er mit den beleidigendsten AuS- drücken belegte. Vor allem habe er kein Zutrauen zu dem 'Baseler SachverständigenauSschusi. Als Frankim-Bouil'on davon sprach, dah d.c deutsche Sozialdemokratie d e nationale Einigunz betreib« während die franz fischen Sozialisten sie in Frank- reich nicht mitmachen wollten, entstand minu­tenlanger Lärm Laval habe über die .Dankerottabfichten Deutschland- in einem Tone gesprochen, den man in der Kammer schon seit langem nicht mehr gewohnt sei, und der. glücklicherweise, von demjenigenBriands abweiche^ Laval habe aber in sentimentaler Weise von seiner

Unterredung mit Brüning gesprochen, einer lln- terredung. die vollständig zwecklos gewe­sen sei weil er genau w.st'e, baj er vielleia-t mot- ?en schon mit anderen Männern in Deutschl­and zu verhandeln habe, und obgleich er sich noch daran erinnern müsse, dah auch Stresemann mit einem Lächeln die Rheinlandcäurnung er­reichte. 3m Augenblick handele es sich überhaupt nicht darum, die Zahlungsfähigkeit Deutschlands festzustellen, sond:rn den Zahlung swillen Deut'chlands zu prüfen. QI.an müsse Deu schland verpslichten, g.nau wie in Frankreich^r.nd der F.nanzkrise eine Amortisationskasse zu bilden, die Reinigung seines Haushaltes und vor­nehmlich seines Kriegshaus^alteS vo.zunehmen, und eS zu zwingen, seine Revisionspo­litik aufzugeben.

Blums Kritik.

Der sozialistische Abg. L6on Blum führte aus, daß Deutschland nur gezwungen werden lönne, se.ne wahre Zahlungsfäh.gkeit darzulegen, wenn eine internationale QJanUon- kontrolle durchgeführt werde. Als Blum die Ansicht aussprach, dah weder die englische noch die deutsche Finanzkrise eingetreten wären, wenn Frankreich das Hoovermoratorium sofort an­genommen hätte, erwiderte der Finanzminister Slanbin, daß Dr. Schacht bereits durch seine Reise durch Amerika dasVertrauen in die deutsche Währung untergraben habe, als er erklärte, daß Deutschland finanziell zu­grundegerichtet sei. Außerdem habe Frankreich als einzige Regierung in London eine Stüt­zungsaktion f ü r Deutschland vor» geschlagen, sei dabei aber bei England und Amerika auf taube Ohren gestoßen. Blum erklärte sodann, daß zwischen den Privat- schulden und den Reparationen zwar ein juristi­scher Unterschied bestehe, daß die Erklärung La­vals, Deutschland müsse auf alle Fälle die Repa­rationen bezahlen, aber ein Llnsinn sei, da man nichts geben könne, wenn man nichts habe." Lind wenn Deutschland morgen nicht bezahlt, und Amerika keine Herabsetzung der inter­alliierten Schulden vornimmt, was werden Sie bann machen? Wollen Sie b i e Saar be­halten ober bie Ruhr wieder be­sehe n?". Laval habe erklärt, daß Frankreich niemals den Vorrang der kurzfristigen Kredite vor den Reparationen anerkenne. Darüber müsse der Ministerpräsident Aufklärung geben.

Ministerpräsident Laval erwiderte hierauf, zwischen privaten Schulden und Reparationen be­stehe keine Verbindung. Er habe den deutschen Botschafter von dem Wunsche Frank­reichs unterrichtet, Deutschland möge d ie Ein­berufung des im QZoungPlan vorge­sehenen Ausschusses beantragen. Die Mit­teilung Deutschlands an die B3Z. sei hinsichtlich der Drivatschulden klar gehalten. Diese würben zwischen den Aus lanbgIäub i g e r n unb den beutschen Schuldnern ge­regelt werden Gr als Regierungschef wei­gere sich, auf der Regierungskonferenz bie Frage der Privatschuldenregelung anzuschneidcn. Er übersehe nicht bas Vorhandensein der Privat- schulden, die jedoch nicht Gegenstand einer Regelung a u f der Regierungskonfe­renz fein könnten, aber selbstverständlich könne man darüber sprechen, hätten doch die Sachverständigen die Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu prüfen.

Das Vertrauensvotum.

Rach einer kurzen Rede f) e r r i o ( » wurde bann zur Abstimmung geschritten. Die linksrepublikanifche Tagesordnung lautet: Die Kammer billigt die

Erklärungen der Regierung unb vertraut ihr, daß sie die Rechte Frankreich» wahrt unb eine Politik be» Frieben» unb bet Inter- nationalen Zusammenarbeit befolgt.

Die Kammer hat um 3 Uhr früh diese von ber Regierung gebilligte Tagesordnung der Linksrepu­blikaner mit 3 2 5 gegen 150 Stimmen an­genommen, nachdem die Priorität sowohl für die sozialistische wie für die radikale Tagesordnung abgelehnt worden war.

Echo der Presse.

Paris. 27. Rov. (WTB. Funkspruch.) Zur gestrigen Rede des Ministerpräsidenten Laval schreibtPetit 3 o u r n a l', daS Programm LavalS entspreche dem Empfinden ber großen Mehrheit ber Kammer. DaS radikale Blatt La R e p u b l i q u e" schreibt, bah Laval unb Briand über bie Rotwendigkeit, bie beutsch- französische Tragöbie burch die beutsch-franzö- sische Zusammenarbeit zu Ersehen, einig sind, ist ausgezeichnet, aber geht Laval in dieser Richtung mit seiner Mehrheit einig? Die Mehr­heit h a t nicht applaudiert, als ber Re­gierungschef diese Frage anrührte; sie hat da­gegen mit lärmendem Beifall die Stell« der Rede ausgenommen, wo von der Aufrechterhaltung der Rü­stungen gesprochen wurde.Echo dePa- r i 8 erklärt: Laval ist der wahre Außenminister, Briand nimmt nur noch den Rang eine- Unter- staatssekretärS ein, ber sich auf BölkerbunbS- angelegenheiten spezialisiert hat. Man barf ben Ministerpräsibenten von 1931 nicht für bie vor­hergegangenen Fehler verantwortlich machen. L a- d a I bemüht s i ch zu retten, was noch z u retten i ft. ,.Volont schreibt: Lavals Gedanken sind fragmentarisch und nicht ge­eignet, namentlich Deutschland auf dem Wege ber Annäherung z u bestärken. Keine Überraschung in Berlin.

Zum innerpolitischcn Gebrauch.

Berlin, 26. Rov. (TU.) Die Kammerrede des französischen Ministerpräsidenten Laval hat in Ber­liner politischen Kreisen keine Ueberraschun gen ausgelöst. Man hat derartige Aeußerungen erwartet, zumal bei der Rede Erforderniss ber französischen Innenpolitik Pate gestanden haben dürften. Bezüglich der kommenden Tributverhandlungcn dürften die Aeußerungen La­vals von dem Wunsch diktiert worden sein, schon jetzt Höchstforderungen aufzustellen. Wenn Frankreich nach diesen Erklärungen lediglich gewillt ist, sich nur auf vorläufige Abmachun­gen für d i e Dauer der Krise einzulassen, so steht demgegenüber nach wie vor d i e deutsche Auffassung, die gerade deshalb eine end­gültige Bereinigung fordert, weil die ge­genwärtige Krise nicht zuletzt durch die politischen Zahlungslasten Deutschlands verschuldet ist, und weil sie ohne endgültige Regelung auch nie be­hoben werden kann. Die Feststellung Laval», daß Frankreich nur in dem Maß zurückzustehen bereit sei, in dem auch die Gläubiger Frankreich Nachlaß gewähren, betrifft das Verhältnis der ehemaligen Alliierten im Weltkrieg. Die von Laval Deutsch­land nachgesagte Verschwendungssucht schließlich dürfte auf einer gänzlichen Verkennung der Tatsache beruhen, daß das durch den Krieg stark mitgenommene und durch den Versailler Frieden gänzlich ausgeplünderte Deutschland dringend de» Wiederaufbaus und also der Reparatio­nen im eigenen Lande bedurfte.

Der Kampf um öen Weltmarkt.

Englisch-französischer Kohlenkrieg.

London, 26. Noo. (TU.) Die Absicht der fran­zösischen Regierung, die Einfuhrquote für englische Kohlen auf 72 v. H. des Durch­schnitts der letzten drei Jahre festsetzen zu wollen, wird von der Londoner Presse durchweg als ein schwerer Schlag für die englische Kohlenindustrie angesprochen. Die Durch- fuhrung dieser Absicht würde eine Verminderung des Exportes nach Frankreich um eine Million Tonnen bedeuten. Dies sei nun der dritte schwere Schlag gegen England, meint derDaily Tele­graph , nachdem im August bie englische Einfuhr nach Frankreich auf 80 v. H. bes Durchschnitts ber letzten brei Jahre herabgesetzt unb bann in letzter Woche ein Zusatzzoll von 15 o. H. auf englische Wo» rcn eingeführt worben fei. Englische Bergarbeiter würben eine Million Pfund an Lohnen durch bie jüngste französische Maßnahme verlieren.

Im Unterhaus hatte der Regierungsvertreter nach der Bekanntgabe der französischen ISprozenti- gen Zusatzzölle auf englische Waren fiesagt, daß bei der französischen Regierung Vor- IcUungen erhoben worden seien und daß England Mittel habe, ber Lage zu begegnen. Hieran an- knüpfend verlangt berDaily Telegraph" ein Hanbelsabkommen mit Frankreich, das bei­den Ländern die gleichen Vorteile zusichert, so daß bie für England ungünstige Handelsbilanz mit Frankreich ausgeglichen werde. Sie verlange ge­wisse Aenderungeu, die die Franzosen zunächst wohl al» unannehmbar ansehen würden, aber nur so lange, bi» England ihnen ganz klar und bündig er- erkläre, dah bann nicht» anbere» übrig bleibe, al» bie Einfuhr der hauptsächlich st en französischen Erzeugnisse wie Weine, Luxuswaren, Kognak, Seidenartikel usw. zu un­terbinden.

England sperrt sich gegen die Einfuhr von Luxusletensmiiteln.

London, 26. Rov. (241.) DaS Kabinett bat nach Pressemeldungen beschlossen, Im Laufe ber nächsten Woche ein Gesetz einzubringen, durch daS der Landwirtschaftsminister zu Rotzoll - Verordnungen gegen die Einfuhr von LuffuSlebenSmitteln.wieF ücht n. Früh- gemüfen und Frühkartoffeln, Milch, Lahn«,

Fruchtkonferven, Bohnen, Blumen usw. ermächtigt werden soll. Da die Verhandlungen über dieses Gesetz etwa ein« Woche in Anspruch nehmen wer­den, so wirb das Parlament kaum vor dem 11. Dezember in die Weihnachtsferien gehen kön­nen. Man rechnet ferner in Abgeordnetenkreisen damit, dah die Einführung eines Ver­ma h l u n g s z w a n g e S für englischen Weizen in Höhe von 15 v. H. spätesten- An­fang deS neuen 3abred in Kraft treten wird, während die Frage eine- Vermahlung-Zwanges für Weiten au« den englischen Domi­nions der Regelung durch die Wirtschaftskon­ferenz deS Weltreiche- Vorbehalten bleibt.Ti­mes" erwartet auch eine Erklärung deS Land­wirtschaftsministers über di« Rübenzucker­politik.

Das Mittelstandskartell warnt vor neuen Steuern.

Berlin, 26.Rov. (211.) Die Führer der ReichSfachverbänd« im Reichskartell de- selb­ständigen Mittelstandes beschlossen eine ein­dringliche Vorstellung bei ber Regie­rung. Alle Ausführungen der VerbandSführer betonten sehr stark bie bittere Enttäu­schung über bie Untätigkeit ber Reichsregierung gegen den schnellen Fortschritt der Vernichtung selb­ständiger Existenzen. Mt aller Deutlich, teil müsse der Regierung gesagt werden, daß nicht schöne Kanzler- unb Mmisterworte bem Mittel­stand Helsen könnten. Der Mißerfolg mit dem WirtschaftSbeirat beruhe vornehm­lich darauf, daß die Regierung eS unterlassen habe, bas au-gleichende mittelstän­dische Element in diesen Beirat stärker zu berufen. DaS dem Re ch-laruler entgegengebrachte große Vertrauen fei im selbständigen Mittel­stand sehr stark im Schwinden und würde, falls nicht schleunigst den tapferen Worten Taten folgten, in daS Gegenteil umschlagen. Richt Steuererhöhung, sondern Ab» bau ber Ausgaben im Verhältnis zu den Einnahmen ermögliche bie weitere Zah­lung bet Steuern. An bie verminderte Kauf­kraft unb bie stark gesenkten Preise müsse schleu­nigst bie Miete für gewerblicheRäume angeglichen werben.

Republikanische Orden.

Die Verfassung bestimmt zwar im Artikel 109, daß Orden und Ehrenzeichen vom Staate nicht verliehen werden dürfen. Ebensowenig darf ein Deutscher von einet ausländischen Regierung Titel und Orden annehmen. Trotzdem machte sich bald nach bem Kriege ber Wunsch gelt end. besondere Leistungen au-zuzeichnen, ohne dah man mit dem Artikel 109 der Reichsverfassung in Konflikt kam. Diese Rotwenbigkeit würbe auf Anregung de- ersten deutschen Reichspräsidenten zur Wirk.ich- kit, ber einen Adlerschi l d de - Reichs­präsidenten schuf. Zum ersten Male wurde dieser Orden im 3ahre 1922 Gerhart Haupt­mann verliehen; das Schild besteht au- einer satinierten Dronzep la kette von 10 Zentimeter Durchmesser, di« auf einem Sockel ruht. Die Rück­seite der Plakette trägt den Reichsadler. Die Vorderseite von Gerhart Hauptmann- Adler­schild enthält nur die Worte .Für deutsche Tat", während alle später verliehenen Schilder persön­liche Widmungen mit kurzer Hervorhebung ber Verblenste bes Ausgezeichneten enthalten. Bi-'rer haben 14 Persönlichkeiten den Adlerschild des RcichSpräsibenten erhalten, und zwar u. a. Pros, von Harnack, Mar Liebermann, der Histo­riker Delbrück, Geheimrat K a b l. Oskar von Miller, Earl Dulsberg unb ber Prasibent ber Rot. acmeinschast deutscher Wissenschaft Geheimrat S ch m i b t - O 11. Das Reich verleiht neben dem Ablerschild nur noch für besondere sportliche Leistungen bas Deutsche Sportabzeichen, während bie Länder eigene Medaillen auskeilen. Preußen verleiht z. D die Goldene StaatSmedaille. die zum erstenmal im 3ahre 1927 Mar Liebermann erhielt, außer­dem vergibt Preußen eine Silbern« Staats- m « b a i 11 e, die bisher der Reichsrunbfunkkom- miffar von Bredow und Helene Lange er­hielten. Au herbem gibt es die alten groben unb kleinen Rettungsmedaillen, die Preußen beibehalten hat. Die meisten anderen Länder Deutschlands verleihen ähnliche Orden und Me­daillen, von denen Hamburg- Stolten- medaille mit bem Motto .DaS Gemeinwohl ist das höchste Gesetz" am bekanntesten ist Es dürft« wenig bekannt sein, dah auchdiesrühe- r e n D u n b e »s ü r ste n noch Orden verleihen dürfen, allerdings nur die sogenannten Ha u s - o r'b e n, die vom Staat« al- ErinnerungSmün^en angesehen werden. Sin besonderes Schicksal hat berPourleM6rit^ gehabt. Die Träger seiner Friedensklass« haben sich zu einem Verein zusammen geschlossen, dessen Witgliederzahl a u f 30 beschränkt ist. Einstein, Gerhart Haupt­mann, Liebermann, Richard Strauß. Pfihner, Käte Kollwitz u. a. gehören zu den Mitgliedern. Wenn eine« der Mitglieder stirbt, wird von den übrigen Ordensrittern ein neue« hinzugewählt. Das hessische Wirtschaftsministerium wird aufgelöst.

D a r m si a b l, 26. 7loo. 3n einer kabineNssißung ber hessischen Regierung wurde beschlossen, da» TTUnl- slcrium für Arbeit und wirtschaft mit Wirkung vom 1. Dezember 1931 aufzuiSseu. Wirt- schaftsminister Korell scheidet am 1. Dezember au» dem Dienst. Die einzelnen Abteilungen de» Ministeriums werden auf die übrigen Ministerien verteilt und einem organischen Abbau unterworfen.

Optimismus im Dölkerbundsrai.

China scheint in der Raumungdfrage nachgeben zu wollen.

Pari», 26.Roo. (WTB.) Da» Telegramm, das Briand als Vorsitzender des Völkerbund»- rats an die chinesische unb an bie japa­nische Regierung gerichtet hat, lautet: Der Dölkerbundsrot bemüht sich, zu einer srieblichen Regelung des Streitfalles zu gelangen; seine Be­mühungen würden vergeblich fein, wenn neue Kämpfe zwischen chinesischen und japanischen Streitkräften vorkommen. Der Völkerbundsrat macht die beiden Regierungen aufbieinber®egenb von Tschingtschau herrschenbe Lage be- sonbers aufmerksam. Sache ber beiden Parteien ist es, den Befehlshabern ihrer Streitkräfte b i e ftrengften Weisungen zu erteilen s I ch jeber Initiative zu enthalten, bie neue Kämpfe unb neue» Blutvergießen zur Folge Haden könnte. Der Dülkerbunbsrat hat heute nachmittag eine nichtöffentliche Sitzuna abgehalten, bie mit einer ausgesprochen optimistischen Rote endete. Die Gründe für diesen Optimismus sind darin zu suchen, daß die dem chinesischen Delegierten von seiner Regierung erteilten Weisungen gewisse Rom- promlßmöglichkeiten bieten sollen. Der Rot scheint der Meinung zu sein, baß die Zeit gekommen wäre, ein Redaktionskomitee zu ernennen, das im Einvernehmen mit den beiden Parteien den Wortlaut ber Entschließung abfassen soll. Es ver­lautet, daß der tiefere Grund für das Rachaeben der Ehinesen wohl darin zu suchen sei, daß sie zu der Ueberzeuguna gekommen sind, bei ben Ameri­kanern nicht auf bie erhoffte Unter- ftützunggerabeinberRäumungsfrage rechnen zu können.

Neue Unruhen in Tientsin.

Tokio, 27. Roo. (Reuter. Funkspruch ) Rach einer beim Kriegsministerium eingetragenen amt­lichen Melbuno ist e» gestern abend in Tientsin wieder z u Unruhen gekommen. Die Ehi­nesen haben plötzlich Gewehr-, Maschinengewehr- und Arlillerie'euer auf die japanische Kon­zession eröffnet. Die Japaner antworteten erst, al» eine Aufforderung, da» Feuer einzuftellen, un­beachtet geblieben war. Die Lage in Tientsin ist so ernst, daß da» Kabinett heute früh eine außerordent­liche Sitzung abgehalten hat, um über bie Forde- rung der Militärbehörden auf Verstärkung der japanischen Garnison in Tientsin zu beraten.

Ood)fd)ulnochrid)ttn

Der Botaniker Professor Dr. Friedrich OehI - ter» in Darmstadt hat den Rus nach Hall« (Saale) al» Nachfolger von Kurt Noock abgekehnt, hingegen die Berufung nach Freiburg i. B al» Nachfolger von Oltmann» angenommen.

Der Ministerialdirektor Dr. Friedrich Voetzsch. Hesfter, sächsische» Mitglied be» Reichsrots, hat den an ihn ergangenen Ruf auf den durch ben Tod von G Holstein an der Universität Kiel erledigten Lehrstuhl für öffentliche. Recht angenommen.

Der Lehrstuhl für römische» unb bürgerliche» Recht an ber B o n n e r Universität ist Professor Dr. Aon» Dolle daselbst angeboten worben. Professor Dolle hat ben Ruf angenommen.