Ausgabe 
27.8.1931
 
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der Mitte scheint auch ein vorbildlicher Tugend­held zu sein; vorausgesetzt, daß er die zehn Ge­bote selbst uneingeschränkt befolgt. Voraus­gesetzt!...

Reist in Deutschland, besucht deutsche Bäder, benutzt deutsche Schiffe!

21 u- Anlaß der Aufhebung der lOO-Murk-Der- vrdnung wendet sich der Hauptausschuh für Fremdenverkehr, in dem Okrtreter der Reichsministerien, Reichsbahn und Reichspost, sowie aller am Fremdenverkehr tragend und för­dernd beteiligten Wirtschaftsgruppen so­wie anderer wirtschaftlichen Verufsver- bände Zusammenarbeiten, mit folgender Er­klärung an die deutsche Oefsentlichkeit:

.Die Reichsregierung beweist mit der Auf­hebung dieser Verordnung, daß ihr eine grund­sätzliche 2Ibsperrung vom Auslande durchaus fern liegt. Daß man in denjenigen Län­dern, denen der Fremdenverkehr aus Deutsch­land erhebliche Einnahmen zu bringen pflegt, sich lebhaft gegen die Verordnung wendete, ist zu verstehen. Hierbei ist aber in der Presse des Auslandes übersehen worden, wie gerade nicht von Deutschland zu vertretende Umstände der Kreditentziehung und der Kapital- verknappung Anlaß zu dieser Verordnung gegeben haben. _ .

Wenn die Verordnung nun außer Kraft tritt, so bleibt unbeschadet des Urteils über sie die Grundtatsache weiter bedeutsam, daß in dieser Zeit die deutsche Zahlungskraft nach Möglichkeit demKreislaufderdeutschen Volkswirtschaft erhalten werden soll. Die Heilkraft der deutschen Bäder, die Schönheit der deutschen Landschaft, der Reichtum an Schöp­fungen baulicher und künstlerischer Kultur, die Leistungen der Verkehrsunternehmen, der Dahn, des Kraftwagens, der Schiffahrt wie der Luft­fahrt, die Darbietungen der Deherbergungs- und Ikrpflegungsgewerbe stehen in Deutschland auf einer Höhe, dah es wirklich kein Opfer ist, volks­wirtschaftlichen Erwägungen folgend, Kräftigung und Erholung im deutschen Lande und nicht in fremden Ländern zu suchen, es sei denn, das) ganz besondere dringende Gründe etwas an­deres bedingen. So ist gerade in dieser Zeit der Ruf berechtigt: .Reist in Deutschland, besucht deutsche Däder und Erholungsorte, benutzt deutsche Schiffe."

Oberheffeu

Kreis Friedberg.

WSR. Friedberg, 26. Aug. Sin Fuhr­werk mit zwei Pferden, das offenbar in die Flugbahn eines Dienenschwarms geraten war, wurde in Riederflorstadt von den Die­nen überfallen. Fuhrmann und Pferde konnten sich der erbosten Tiere kaum erwehren. Ein Tierarzt machte den arg mitgenommenen Pferden sofort eine Gegengifteinsprihung, wäh- ein Imker den erregten Dienenschwarm einfing.

y. Pohl-Göns, 25.Aug. Am Sonntag fand auf dem Platze vor der hiesigen Kirche unter großer Beteiligung der Gemeinde, der Nachbargemeinde Kirch-Göns und anderer auswärtiger Festgäste das Fe st des Zweigvereins Butzbach für den Gustao-Adolf-Derein statt. Der Posaunen­chor von Großen-Buseck begleitete die Gesänge der Gemeinde. Der hiesige Männergesangverein ver­schönte das Fest durch einige Lieddarbietungen. Jestprediger war Pfarrer U l l m a n n (Usenborn), der in der Tiroler Diaspora (Innsbruck) Vikar ge- wesen war. Der Vorsitzende des Zweigverems, '.Pfarrer Möbus (Ostheim) hielt eine packende An- spräche. In der Nachoersammlung in der K i r ch e begrüßte der Ortsgeistliche, Pfarrer Kalb Henn (Kirch-Göns) die Festgemeinde und dankte zugleich ollen Mitwirkenden. Dekan Gußmann (Kirch-

berg) sprach von der christlichen Solidarität im Volksleben, in der Kirche und in den nötigen Lie» beswerken. Das Fest nahm einen harmonischen Verlauf. Die Kollekte ergab einen stattlichen Betrag.

Kreis Büdingen.

Nidda, 25. Aug. Am Sonntagnachmittag wurde in einem hiesigen Caf4 ein Gast, der 67 Jahre alte pensionierte Fabrikbcamte Matthias Winter- a e rst aus Heidenheim a. d.Br., ganz plötzlich vom Tode ereilt. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende bereitet.

Kreis Schotten.

Laub ach, 24. Aug. In der Rächt vom 5. auf 6. Juli d. 3. wurde, wie erst jetzt festgestellt werden konnte, in der Dachkammer des hiesigen Rathauses ein Einbruch verübt. Die von der Kriminalpolizei ermittelten Täter, die durch den Keller in das Rathaus eingedrungen waren, geben an, nach Karabinern gesucht zu haben. Da sie aber keinerlei Waffen in diesem Raume fanden, waren sie unverrichteter Sache wieder abgezogen. Der Schühenverein L a u - bach hielt gestern sein Haupt schießen ab, das sich bei schönem Wetter eines guten Besuches erfreute. Auch auswärtige Schützenbrüder von Gedern, ®iefa>n, Ridda und Schotten waren zahlreich erschienen. Es wurde auf dem Wild­stand, Auflege stand 100 Meter, Freihand 175 Meter und Kleinkaliber 60 Meter geschossen. Auf allen Scheiben wurden gute Resultate er­zielt. Abends fand imSchützenhof" die Preis- Verteilung statt. Dchühenmeister Kreicker hielt eine kurze Ansprache. Folgende Schützen waren Preisträger aus der Festscheibe: 1. Karl Pitz, 2. Dr. Roh bach, 3 Eduard G ondner (Dre­hen), 4. August Schlörb (Walkmühle), 5. G. Schneidt jun., 6. Reinh. Diehl (Gedern), 7. Bürgermeister Högy, 8. Arnold Enders, 9. Karl Reumann (Schotten), 10. Hch. Hof­mann (Schotten), 11. Karl Rickel (Ridda). Die von dem Derkehrsausschuß seit diesem Frühjahr betriebene Verkehrswerbung ist von Erfolg gewesen. DieZahlderSommer- frischler ist in diesem Jahre bedeutend gestiegen. Es ist beabsichtigt, den vor dem Schwimmbad gelegenenObersee", der im Winter als Eisbahn benutzt wird, zum Paddeln einzu­richten.

Y Gedern, 24. Aug. Der hiesige Klein- kaliber-Schützenverein beendigte gestern sein Preisschiehen. Det auherordentlich scharfer Konkurrenz wurden auf der Ringscheibe 12 mit drei Schüssen folgende Destleistungen erzielt: 1. Heinrich Groh (Wenings) 36 Ringe; 2. Ru­dolf Oberheim (Gedern, 35; 3. Lehrer Laun (Muschenheim) 35; 4. Karl Rusteberg (Gedern) 35; 5. Karl Stelzemüller (Hirzenhain) 35; 6. Karl Menzel (Elm) 35; 7. Forstrat Kott- meier (Gedern) 34; 8. Reinhard Diehl (Ge­dern) 34; 9. Richard Reinhardt (Gedern) 34; 10. Arthur Deyer (Wenings) 34; 11. Hermann Fehling (Hirzenhain) 34; Gefreiter Draun (Gießen) 33; 13. Hermann Draun (Gedern) 33; 14. Karl Höhl (Gedern) 33; 15. Hermann Heun (Gedern) 33; 16. Heinrich Deher (Gedern) 33; 17. Otto Draun (Gedern) 33 Ringe.

)( Ruppertsburg, 24. Aug. Glänzende Erfolge erzielte der hiesige Brief taub en- züchter Bernhard Högh, Mitglied der Oberhessischen Reiseveveinigung", Sih Gießen, Westgruppe, mit seinen Tauben bei den sechs Wettflügen, die durch den Verband veranstaltet wurden. Er erhielt den 1. Preis bei fe^r starker Konkurrenz. Außerdem erreichte er noch 18 Preise. Diese verteilen sich auf die einzelnen Flüge wie folgt: Wettflug von Reumarkt einen 1., 6., 16. und 51.Preis; von Passau einen 2., 9., 13., 41., 55., 57. Preis; von Linz einen 19. Preis; von Pölten bei Wien einen 7. und 11. Preis; von Straubing 4.Preis; von Budapest 1. und 17. Preis. Bei dem Fluge von Budapest

aus (850 Kilometer) erreichte eine Taube eine Minutengeschwindigkeit von 1051,11 Meter.

Starkenburg.

* Darmstadt, 26. Aug. Vom Inhaber des Sportcafss in Darmstadt werden wir gebeten, be­richtigend darauf hinzuweisen daß die Schlägerei, über die wir unter dem 16. August imGießener Anzeiger" berichteten, weder in feinem Lokal be­gonnen hat, noch dort zum Austrag gelangte. Die Schlägerei habe vielmehr in 300 Meter Entfernung stattgefunden und lediglich das Telephon des CafSs ei durch einen Unbeteiligten zur Alarmierung der Rettungswache in Anspruch genommen worden. Das SportcafS sei ein gut renommiertes Lokal, in dem sich die Bürger aller Stände zu jeder Tageszeit ein- zufinden pflegten.

Preußen.

Marburgs Fremdenbesuch.

11 Marburg, 26. Aug. Marburg konnte im ersten Halbjahr 1931 einen Fremden­besuch von 26 487 Personen, darunter 766 Aus­länder, verzeichnen, gegen 25 675 Personen, darun­ter 555 Ausländer, in der gleichen Zeit des Vor­jahres. Wenn auch die Zahl der Fremden tm ersten Halbjahr um etwa 1000 gegen das Vor­jahr gestiegen ist, so wird sich die Gesamtfremden- zahl für 1931 gegen das Vorjahr doch erheblich verringern, denn infolge der schwierigen Wirt­schaftslage machte sich im Juli und August ein erhebliches Abflauen des Fremdenverkehrs be­merkbar. Im Juli sank z. B. die Zahl der Neber- nachtungen von 7107 im Vorjahr auf 5339.

Junglehrer-Kündigungen in Frankfurt.

WSR. F r a n k f u r t a. M., 26. Aug. Der Ma­gistrat hat im Laufe der letzten Wochen zahlreiche Kündigungen von noch nicht festangestellten Junglehrern und Iung lehrerinnen ausgesprochen. Es handelt sich in allen Fällen um vorsorgliche Kündigungen, um für die zukünftige Gestaltung des Etats freie Hand zu haben. Wie­viel Lehrer endgültig zur Entlassung kommen sol­len, steht zur Zeit noch nicht fest.

Gefängnis für einen ungetreuen Arbeitsamts-Leiter.

WSR. Hanau, 26. Aug. Wegen Llnter- sch lagung und Rrkundenfälschung im Amte wurde der 56jährige Leiter der Landes­arbeitsamts-Rebenstelle Somborn, der frühere Kaufmann und Fabrikant Foll, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Föll hatte im Laufe seiner etwa einjährigen Tätigkeit als Lei­ter der Somborner Rebenstelle insgesamt 38 0 0 Mark Amtsgelder, die für die Arbeits­losen bestimmt waren, unterschlagen. Er führte in 16 Fällen Arbeiter, die noch Beschäf­tigung hatten, als erwerbslos in seinen Listen. Auf diese Weise bekam er die Gelder, die den Er­werbslosen zustanden. Die Llnterschriften der an­geblich Erwerbslosen fälschte er. Als schließlich einmal ein Arbeiter, der bei ihm erwerbslos ge­meldet war, tatsächlich erwerbslos wurde, kam der ganze Schwindel heraus.

Ein Leipziger Defraudant in Frankfurt festgenommen.

WSR. Frankfurt a. M., 26. Aug. Durch einen Zufall ist es der Frankfurter Kriminal­polizei gelungen, den Kassenboten und Buch­halter T e u ch e r aus Leipzig-Lankwitz festzu­nehmen, der bei seinem früheren Unternehmen 2500 Mark unterschlagen hat und flüch­tig gegangen ist. Teucher wurde auf der Straße in total betrunkenem Zustande an­getroffen. Da er bei seiner Llntersuchung über die Herkunft eines größeren Geldbetrages keine Angaben machen konnte und außerdem einen falschen Ramen angab, wurde er verhaftet. Der

Defraudant, der im Alter von 24 Jahren stehk. war am 21. August in Leipzig mit 2500 Mk. flüchtig gegangen. Bei seiner Festnahme fand man noch 1200 Mk. in seiner Tasche.

Kreis Wetzlar.

r Hochelheim, 24. Aug. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde die Er­hebung des Wassergeldes dem Friedrich Jung von hier und das Amt des Kanalwarters dem Karl Engel von hier übertragen. Gegen die diesjährige Ab Haltung des Kirchweih- festes hat der Gemeinderat Einwendungen nicht erhoben. _

<> Dornholzhausen, 24. Aug. Der Be­sitzer des HofesStrauch", Bankbeamter a. D. Aug. Wilhelm, wurde, als er sich am Samstagabend zu Fuß auf dem Wege nach Wetzlar befand, in der Nähe von Klein-Rechtenbach an dem abschüssigen Berge bei der Schule von einem Radfahrer in voller Fahrt umgefahren und dadurch erheblich verletzt; er erlitt eine tiefe Wunde an der linken Kopfseite, außer­dem eine Verstauchung des linken Armes. Ein Mit­glied der Freiwilligen Sanitätskolonne Groß- Rechtenbach leistete dem Verletzten die erste Hilfe. Die Personalien des Radfahrers tonnten-teftgefteöt werden.

Q Oberkleen, 24. Aug. Der von der hiesigen Gemeinde an die Oberhessische Kalk- und Stein- inbuftrie G. m. b. H. in Berlin verpachtete Kalk­st e i n b r u ch wird seit kurzer Zeit auf Grund eines zwischen dieser Firma und dem Vorarbeiter Karl Glaum von hier abgeschlossenen Arbeitsvertrages von letzterem betrieben. Eine Anzahl Arbeiter aus der hiesigen Gemeinde wird dadurch Beschäftigung finden.

Kreis Biedenkopf.

I Waldgirmes, 25.Aug. Bei der heutigen Submission zum Ausbau des Wegenetzes bewegten sich die Angebote zwischen 26 384 Mark von Unternehmer Winter aus Breidenworbitz bei Schmalkalden, und 20 834 Mark von Wagner (Krofdorf). Die Firma Weimer (Gießen) forderte 26 337 Maxk, Weimer (Waldgirmes) 24174 Mark und Klaas (Waldgirmes) 24207 Mark. Der Zu- schlag erfolgt innerhalb 14 Tagen und dürste in verschiedenen Losen erfolgen.

Maingau.

WSN. Frankfurt a.M., 26. Aug. Mittwoch nachmittag ist nach mehrmonatiger Erkrankung der Gaugeschaftsführer des Gewerkschaftsbundes der Angestellten, Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Stadt- verordnete Armin Geßner, gestorben. Der Verstorbene, der am Sonntag das 49. Lebensjahr vollendete, war seit Februar dieses Jahres leidend, so daß es ihm seit dieser Zeit nicht möglich war, die Geschäfte im Gau Hessen (Hessen und Hessen- Nassau) für den GDA. zu führen. Geßner vertrat in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung die Arbeitnehmer-Gruppe, die zusammen mit den Christ- lich-Sozialen eine Fraktionsgemeinschaft bildet. Er stand seit rund 30 Jahren in der Gewerschaftsbe- wegung und führte seit 1912 die Geschäfte des VDH,. der später im GDA. aufging.

Talen für Donnerstag, 27. August.

Sonnenaufgang 5.29 Uhr, Sonnenuntergang 19.24 Uhr; Mondaufgang 19.35 Uhr, Mondunter, gang 4.07 Uhr. . m

1576: Der italienische Maler Tizian tn Venedig gestorben. 1770: Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in Stuttgart geboren._____________

Sprechstunden der Redaktion.

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16 Fortsetzung.

aus­

gebildet hat?"

Gras, aller- Graf

einsamen Gängen im Vellahner Revier dache und zurechtlegte ...

Das ist ja nun wohl interessant, Herr

ater auch bei uns zu Hause erlebt man Hand merkwürdige Dinge. Wollen Herr zum Be'spiel glauben, daß sich einer von meinen Teckeln, der Mur?, zum richtigen Aviatiker aus-

Das bißchen Erde.

Vornan von Richard Ekowronnel.

Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart

Weil er ein paar Schritte über die Grenze ge­laufen war hinter einem Karnickel her. Und ich muß sagen, wär' ich an der Stelle von mei­nem Mann gewesen, ich hätt' es diesem nieder­trächtigen Kerl ausgezahlt!" ...

Der Förster Schwarz strich sich heftig den buschgen Schnurrbart, und seine Augen wurden dunbel. ~ Ä.

Schwatz nicht dummes Zeug, Alte! Eine Kugel hatte ich nicht im Lauf, und für einen Schrot- chuß stand mir der Schinder zu weit. Er hätte mich bloß ausgelacht!"

Wer , fragte Malte.Der alte Baron Kühne- mann?" Ä.

Olein, Herr Graf, der Alten-Krakower For­ster Witthaar. Den Herrn Baron hat, Gott sei Dank, vor anderthalb Jahren schon der Deuwel geholt. Leider bloß an einer Lungenentzündung, wie andre ehrliche Menschen auch ... Wenn's nach Verdienst gegangen wär', hätt' ihm wohl ein andres Ende zugestanden. Aber die alte Feindschaft ist natürlich geblieben. Lind ich re­vanchier' mich schon noch einmal bei meinem Herrn Kollegen drüben in Alten-Krakowl Mit Salz schieß' ich dem Kerl auf den Puckel, daß er ein Jahr lang sich die Schwären kratzen muß" ... Er brach ab und ballte zornig die Faust. ,,

Danach aber lenkte das Gespräch ganz von selbst in eine Bahn, die der Heimgekehrte biS dahin vermieden hatte. Innerlich hatte er darauf gebrannt zu erfahren, was in den zwei Jahren seiner Abwesenheit drüben in Alten-Krakow ge­schehen sein mochte, aber eine direkte Frage hatte er nicht stellen wollen. Die Wunde selbst war wohl schon längst zugeheilt, aber man hütet« noch immer die Rarbe, als könnte sie unter einer un­vermuteten Berührung wieder aufbrechen.

Rämlich". begann die rundliche kleine Frau zu sprechen,der alte Baron Köhnemann hatte sich wieder einmal im Strelitzer Hof einen Tüch­tigen eingeschwenkt. Weil sein« Tochter nach dem Hinrichshagener Witwe geworden war, kaum sechs Wochen nach der Hochzeit, und er wußte nicht, wie es mit der Erbschaft stand und so. Rachher hat es sich ja herausgestellt, daß sie das ganze Vermögen bekam, aber er wußte es eben noch nicht. Da soll er an vier Flaschen Rot- spohn getrunken haben, und der Kutscher ebenso, nur natürlich in Kümmel. Auf dem Heimweg dann hat er seinen Herrn wohl aus der Kalesche verloren, in seinem Dröhn aber sich nicht um­gesehen, sondern zu Hause ruhig ausgespannt. Da hat denn der Alten-Krakower Herr die Rächt über in der Kälte gelegen, und wie sie ihn am andern Morgen suchen gingen, kannte er keinen mehr. Die Baroneß aber ist nach seinem Be­gräbnis lange fort gewesen, und jetzt kommt sie immer nur auf ein paar Wochen nach Haus.

(Fortsetzung folgt)

nehmen, sonst hätten die andern ihn aus Brot­neid umgebracht ...

Also eines Tages geh' ich mit ihm an den See, Enten schießen. Das war seine ganz beson­dere Passion, denn da konnte er sich vor seinen Arlgenossen so recht hervortun, weil di« Teckel doch sonst nicht ums Sterben ins Wasser gehen. Gr aber plantschte ordentlich drin vor Vergnü­gen! Ra, ich schoß denn drei oder vier, und mit einemmal rutschte mir eine ein bißchen unversehens heraus, ich schmeiß' noch hin, aber mir war so, als hätt' ich voroeigefunkt. Rur der Murr hatte, wie immer, besser aufgepaßt. Unverdrossen rudert er ins offene Wasser hinaus, und richtig, di« Ente kommt runter, weil sie doch noch ein paar Schrot« gekriegt hatte. Drei Schritte vor ihm fällt sie ein, taucht natürlich, er aber ihr nach wie 'ne Otter, hat sie am rechten Schwim­mer erwischt. ,Drav, Mur?', ruf' ich, ,brav, und hierher apport«', und da passiert doch ganz was Dolles: ein Seeadler, der wie ein Punkt oben in der Luft stand, stürzt herab, schlägt den Hund und die Ente und, heidi, wieder nach oben! .. - Einen Augenblick stehe ich starr, das Herz stößt es mir fast ab, daß ich meinen ge­liebten Mur? auf eine so niederträchtige Weise verlieren soll. Im nächsten Augenblick aber schon habe ich den Drilling auf Kugelschuß eingestellt, ziehe mit und, bems, der Adler plumpt mit tadel­losem Blattschuß ins Wasser. Gott sei Dank, sage ich, das hat noch mal geschlumpt, dann aber stehe ich da und sperr' den Mund wie ein Scheunentor auf: mein Mur? kommt nicht her­unter, sondern fliegt mit der Ente weiter! ... .Marx', schrei' ich, .bist du verrückt geworden?', er aber winkt nur mit dem rechten Vorderlauf, und ein paar Minuten danach war er in den Wolken verschwunden. Ich ging traurig nach Haus«, meine Frau aber gab mir die Aufklärung. .Siehst du', sagte sie, ,das kommt davon, daß du mir immer abends die Zeitung laut vor­gelesen hast. Von den Fortschritten der Luft- schisfahrt und so, und daß die Menschen jetzt fl:egen können wie die Vögel. Da hat der Hund es mit dem Ehrgeiz gekriegt. daS mal auch Sst probieren, und jetzt werden wir den liebenMev- nen Kerl natürlich nie mehr Wiedersehen' ... Das ist denn auch leider ein getroffen. Roch heute soll er zurückkommen, der Racker, und wo er 'rumfliegen mag. weih allein der Himmel" ...

Mall« lachte, daß der Stuhl mit ihm schlitterte, die rundliche kleine Frau aber tupfte sich mit den Fingerspitzen die Augenwinkel.

geh, Alter! Dah du mit dem armen klei­nen Murr deinen Spaß treiben würdest, hab' ich nicht gedacht." 11 nb zu Malte gewandt, fügte sie hinzu:Rämlich, Herr Graf, der Hund war mir ans Herz gewachsen wie ein leibliches Kind wegen seiner Anhänglichkeit, und ich hab wochen­lang um ihn getrauert, als der gemeine Mensch drüben in Alten-Krakow ihn totgeschossen hatte.

Wie ein Brummkreisel tummelte sich die rund­liche kleine Frau, wußte vor Freude nicht, was sie dem lieben Ehrengäste alles an Gutem antun sollte. Einen wohl zwanzigpfündigen geräucher­ten Schinken schleppte sie aus der Speisekammer herbei, lockeres Schwarzbrot und goldgelb« But­ter. und war untröstlich, daß der junge Herr nach dem reichlichen Mahl bei Miken nur eine kleine Kostprobe zu sich nahm. Erst nach wieder­holter Aufforderung setzte sie sich an den Tisch, neben dem ihr Mann in geziemender Haltung stand und wie es sich gehörte, wenn man den gnädigen Herrn Grälen zu Gast hatte. Malt« aber empfand es mit hel.er Freude, dah er auch hier noch zwei Getreue oesaß, die zu ihm hielten, selbst in bedrohlichen Zeiten ... Und er ging mehr aus sich heraus, als es sonst sein« Art war, erzählte einige dec zahlreichen Abenteuer, hie er auf seiner afrikanischen Reise erlebt hatte. Wie er seinen ersten Löwen erlegt hatte beim ungefährlichen Ansitze gleich einem harmlosen Rehbvcke, wie ihn aber nur ein Wunder vom sichern Tode errettet hatte, als ihn der weidwund geschossene Düffel in die Luft schleuderte. Rach hinten war er geflogen, das rasende Tier aber stürmte vorwärts, nahm in sinnlosem Zorn sei­nen schwarzen Düchsenspanner an, stieß und tram­pelte den armen Kerl in den quebbigen Sumpf­boden mit seiner letzten Kraft, biS er über dem formlosen Körper zusammenbrach ...

Gott steh' mir bei", sagte die rundliche kleine Frau,das ist ja noch schlimmer als ein am» geschossener Keiler!" Der hagere Förster aber hatte mit leuchtenden Augen zugehört. Unwill­kürlich faltete er die Hände und schickte einen Stoßseufzer zum Himmel. Wenn ihm das Schick­sal solche Abenteuer beschert hätte, was wollte er da wohl für Stücklein erzählen?! ... So e:was mußte doch ausgeschmückt werden, mit allerhand Zutaten verbrämt, nicht aber in nüch­terner Manier erzählt, wie ein trockener Be­richt in der Zeitung? Und kaum erwarten konnte er's bis er seine eigene Schnurre zum besten geben durfte von der Art, wie er sie sich auf den

Ach nee", sagte Malte und lehnte sich im Stuhle zurück.Ein Teckel als Aviatiker? Das ist in der Tat eine merkwürdige Geschichte ... Wenn Sie es nicht sagen würden, lieber Schwarz, würde man eine solche Behauptung wohl in das Re'ch der erstunkenen Jagdanekdoten verweisen!" Dazu machte er ein scheinbar ernstes Gesicht, denn der Alte konnte verstockt werden, wenn man nicht so tat, als wenn man ihm unbedingt glaubte ...

Der Förster legte mit treuherzigem Gesicht die Hand auf die Brust.

Wer m:ch kennt, der weih, daß ich nur wirk­liche Erlebnisse erzähl' ... Rich, Herr Graf? Und ich kann doch nichts dafür, daß sich da manchmal Ereignisse abspielen, di« mit den ge­wöhnlichen Grundsätzen, nach denen sich di«Dinge dieser Welt in Erscheinung sehen, nur schwer zu vereinbaren sind. Unsereins kann bloß die Tat­sachen berichten, die Gelehrten aber mögen sich hinterher den 'Kopf zerbrechen, warum das pas­siert ist und wieso ... Also dieser Murr Herr Graf haben ihn vor der Abreise vielleicht noch als kleinen Welpen von der Waldine ge­kannt war schon von Jugend aüf ein merk­würdiger und seltsamer Hund. Stundenlang saß er auf Einern Fleck, sah nachdenklich vor sich hin, und ich wollte ihn schon abschaffen, weil er mir nicht munter genug war. Aber da merkte ich eines Tages, daß dieses nachdenkliche Wesen 'einen guten Grund hatte. An ihm fraß nämlich der Ehrgeiz, sich über seinen Stand als Teckel hinauszuaroeiten, mehr zu werden als seine Dorfähren! Das kommt ja auch bei den Menschen vor. wieso also nicht bei den Hunden? Wie zum Beispiel der Sohn eines Scharwerkers es mit dem Ehrgeiz kriegt, über den Vater hinauszu­wachsen und sagen wir mal Tischler zu werden, so hatte der Mur? sich in den Kopf gesetzt, Hühnerhund zu werden. Als ich eines Tages mit der Diana ins Feld ging, um ein paar Rebhühner zu schießen, lief er mit, und, was soll ich Ihnen sagen. Herr Graf? Er machte es bedeutend besser als die Alte! Während bi« planlos in den Kartoffeln herumprescht«, suchte er sich das Volk nach reiflicher lleberlegung in einer kleinen Wiese auf, stand fest vor, und als ich eine Doublette schoß, apportiert« er mir di« beiden Hühner. Zu Putzig war «S anzusehen, wie der kleine Kerl die Hühner hoch im Fang anschleppte! Da sagte ich mit natürlich, solch ein seltenes Talent muß weiter ausgebildet wer­den, ernannte den Mur? sozusagen zu meinem persönlichen Adjutanten. Auf Fasanen führte ich ihn ab und auf Enten, arbeitete mit ihm auf der kalten und warmen Schweißfährte, und mit jeder neuen Aufgabe wuchs fein Ehrgeiz. Zuletzt wur­den die andern Köter ihm aufsässig, denn er be­sorg!« alle ihr« Geschäfte, sie selbst hatten nichts mehr zu tun. Wo sie ihn erwischten, bissen sie ihn, ich mußte ihn nachts in mein Schlafzimmer