Ausgabe 
27.8.1931
 
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Donnerstag, 27. August 195f

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ur. 199 Zweites Blatt

Geschichten aus aller Welt

vernünftigen Elemente viel Arbeit kosten, ihre De- putierten-Kollegen von der Durchführung diese» Pla­nes abzubringen! Nun kommt der endgültige Ver­sa f f u n g s e n t w u r f vor die Nationalversamm­lung und da hat man dann wieder reichlich Gelegen­heit, sich auszutoben und zu beweisen, wie fort- schrittlich und freiheitlich man gesinnt ist. Der heißeste Kampf wird natürlich in der Frage Trennung von Kirche und Staat und bei der Lesung der A u t o n o m t e st a t u t e geführt werden. Mit Rücksicht darauf soll schon heute auf die Unterschiede innerhalb der Autonomiebewegung hingewiescn wer­den, die nicht nur nichts miteinander zu tun haben, sondern sich, wenigstens soweit es sich um die bei­den wichtigsten handelt, diametral entgegen- P e s e tz t sind. Während, wie hier schon öfter betont, n Katalonien der Syndikalismus als f)aupttraft hinter der Autonomieforderung steht, handelt es sich in den baskischen Provin­zen um ein* ausgesprochen konservativ- klerikale Bewegung auf republikanischer Grundlage. Also spielt die Regelung der Stellung der Kirche in der Verfassung schon in das baskische Problem hinein und es ist kaum anzunchmen, daß die Basken kampflos der Mehrheit das Feld räu­men werden.

Abschließend kann man sayen, daß sede Ver­zögerung in der Verabschiedung der Verfassung, ohne deren endgültige Formgebung an eine Losung der übrigen Probleme wie Agrarreform, Währungs­frage, Neuaufbau der Wirtschaft usw. nicht gedacht werden kann, den Syndikalisten zugute kommen wird, die mit allen Kräften versuchen werden, das Land dem Chaos zuzutreiben.

nama nach Neuseeland verkehrender Frachtdampfer sie halbverhungert und erschöpft auf ihrer von den Wogen schon halbzerstörten Nußschale aufgriff und nach Auckland brachte, wo man sie erst gar nicht an Land lassen wollte, weil sie von einer Leprainsel kamen. Erst nach einer viertägigen Quarantäne wurde ihnen gestattet, den Boden Neuseelands zu betreten, dessen Regierung ein inzwischen eingetroffc- nes telegraphisches Auslieferungsbegehren der chile- nischen Regierung strikt abgelehnt hat.

Tcr Maler und die Btcnen.

(s) Prag.

Man weiß aus der antiken Kunstgeschichte, daß der Maler Apellcs ein sv herrliches und täuschen­des Dlumenstück gemalt hat, daß Vögel und Die­nen auf seine Leinwand flatterten, um auf den gemalten Blumen nach Honig zu suchen. Ganz entfernt erinnern daran könnte das Abenteuer, das dieser Tage ein Prager Maler erlebt hat.

Zwar handelte es sich in diesem zeitgenössischen Falle nicht um einen Kunstmaler, sondern um einen biederen Anstreichermeister, der an einem Reu- bau in der Langensgasse in der Prager Altstadt die Haussront strich. Ein mächtiger Bienenschwarm kam nämlich plötzlich aus einem der benachbarten Gärten angebrummt und lieh sich mir nichts, dir nichts auf der Schulter des auf schwankendem Ge­rüst stehenden Handwerksmeisters nieder. Dieser, zu Tode erschrocken, behielt jedv-ch seine Geistes­gegenwart und Ruhe, blieb mäuschenstill stehen und rührte sich nicht, um die Insekten nicht zu reizen. Die übrigen Arbeiter des Baues räumten so leise wie möglich das Gerüst und alarmierten die Feuerwehr, die auch sofort mit einem Dienen­spezialisten anrückte, der behutsam den Maler von seinen unwillkommenen Desuchern befreite, ohne daß dieser auch nur einen einzigen Dienenstich er­halten hätte.

Wohl mit Recht nimmt man an, daß weniger das Kunstwerk des Malers als der Geruch seiner Farbentöpfe die Dienen angelockt hat.

Tic Waage.

(v) Budapest.

Gerichtsverhandlung. Ein Bäckermeister zeigte seinen Rachbarn, den Milch- und Dutterhandler an.Der Dutter Händler ist ein ausgekochter Ge­wichts-Brigant", beklagt sich der Bäcker vor dem Richter.Wie meinen Sie das?", will der Der- treter der Staatsmacht genau wissen.Ganz ein-

Oie kommunistische Gefahr in Spanien

Don unserem v. (arr.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, Ende August 1931.

Wir sind nicht mehr gewillt, noch länger dem Treiben der Syndikalisten untätig zuzusehen. Die Liste der Toten, die den Kugeln dieser Arbeitermör­der täglich zum Opfer fallen, ist ungeheuer groß. Wir fordern von der Regierung fof ortiaes Eingreifen gegen diesen Terror, andernfalls mußten wir auch unsere Organisationen bewaffnen und zum Selbstschutz schreiten.- So ungefähr stand es vor wenigen Tagen in dicken Lettern in den meisten Madrider Zeitungen zu lesen. Wer die Einsender dieses Ausruss sind? DieUnion General de Irabajadores, d h. der sozialdemokratische Gewerkschaft»- verband Spanien».

Diese Sätze zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, wie groß die lyndikalistische Gefahr in den letzten Monaten geworden ist, sie zeigen aber äuch, um wo» der Kampf in erster Linie geht. 3n Spanien wird heute um bie Seele des Arbeiter» fiekämoft, rücksichtslos und mit den gemeinsten Was­en. Die Sozialdemokratie hat bis heute ihre ruhige Haltung den syndikalistischen Provokatio­nen gegenüber bewahrt und die Parteileitung wollte wohl au» taktischen Gründen ein energische» Vor­gehen der Regierung, in der bekanntlich drei So­zialdemokraten als Minister sitzen, verhindern. Tat- sachlich laufen von der Partei auch täglich mehr und mehr Mitglieder zu den Radikalen, also Syndika­listen, Anarchisten und Kommunisten, über. Daß Parteitaktik aber auch einmal eine Grenze finden muß. zeigt die Verbitterung, die in obigem Aufruf der Gewerkschaften liegt. Die sozialistischen Arbeiter wollen nichts mehr wissen von diplomatischen Rück­sichten und Verhandlungen, ihr gesunder Menschen- verstand sieht klarer als eine zum Durchgreifen unfähige Revolutionsregierung, die sich gefangen hat im Schlinggewächs all der leichtfertigen Ver­sprechungen, die sie vor dem Sturz der Monarchie al» Revolutionskomitee den Massen gemacht hat und deren Ersullungsunmöglichkeit sie heute selbst einsieht. Hat sie sich doch damals nicht gescheut, die Hilfe von Syndikalisten und Anarchisten in An- Ö zu nehmen wie soll sie sich nun um die ichung der präsentierten Rechnung drücken? Ein unmögliches Unterfangen! Das weiß aber auch dieConfederacion del Trabajo, das ist die syndi­kalistische Arbeiterorganisation, die Hauptträgerin des syndikalistischen Angriffsgedankens.

Sie herrscht heute schon fast ausschließlich in ganz Katalonien, in einem großen Teil der Levante und in der Landarbeiterschaft Andalusiens und Estrema­dura». Auch der immer noch nicht beendete Telephon­streik ist ihr Werk, ebenso wie all die unzähligen Teilstreiks, die in ganz Spanien Häfen und Fabri­ken ftiUegcn und die Seele der Arbeiterbevölkerung vergiften. Sie bringen in die Arbeitsstätten ein und zwingen die Belegschaft zum Verlassen des Lokals. Wird ihren Befehlen keine Folge geleistet, spricht die Pistole ein einfaches und fast in allen Fällen wirksames Verfahren. Nicht zufrieden mit solcher Teilarbeit und wohl auf kommunistische Ver­anlassung hin werden in den letzten Wochen große Aufstandsbewegungen inszeniert. Dreißig Tote und über zweihundert Verwundete in Se­villa waren der erste Erfolg, es hat nicht viel gefehlt und man hätte ein freiesArbeiter Andalu­sien- ausgerufen. Mit Artillerie und Maschinen­gewehren mußte die Regierung vorgehen, um die Erreichung dieses Ziels zu verhindern. Schon glaubte man, die Regierung wolle nun definitiv Ernst machen als auch schon wieder der bekannte Rück­zieher kam in Gestalt eines parlamentari- f d) e n Untersuchungsausschusses, der mit viel Feierlichkeit nach Sevilla fuhr und dort nach denVerbrechen- der Polizei fahndete, die an den armen, unschuldigen Syndikalisten an­geblich begangen worden sein sollen. Diesen Unter­suchungsausschuß hatten natürlich die Freunde der Syndikalisten in der Nationalversammlung, die ihnen ihren Sitz im Parlament zu verdanken haben, also die Katalanische Linke und ein Teil der Radikal­sozialisten, durchgesetzt.

Damit war wieder ein Sieg für die Rebellen gewonnen und mit neuer Energie machten sie sich

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

-Ivcntcucrlichc Flucht

(g) London.

Der alte Odysseus mag ja nach dem Zeugnisse Ho­mers die buntesten Irrfahrten absolviert haben, er ist aber ein Waisenknabe gegenüber jenen vier Männern, die vor kurzem im Hafen von Auckland auf Neuseeland gelandet sind. Es waren dies vier chilenische Offiziere, der Oberst Grobe, der Haupt- mann Luigi Sala und die beiden Leutnants Carlo Frientes und Pietro Ulgade.

Diese vier Offiziere haben in der letzten chilenischen Revolution eine Rolle gespielt. Sie versuchten ge­meinschaftlich mit dem General Enrico Bravo die Garnison der Stabt Conception gegen das Regime des Generals Ibanez aufzuwiegeln, wurden nach einem Putschversuch von den regierungstreuen Trup­pen feftgenommen und dann auf die Insel Pasgua deportiert. Diese kleine, verlorene Insel liegt mitten in der Wasserwüste des Stillen Ozeans, 3500 Kilo­meter von der chilenischen Küste entfernt, die nächste Nachbarinsel im Westen ist Pitcairn, etwa 1200 Kilo, meter entlegen, und die Bevölkerung des Eilandes setzt sich aus einer Handvoll 'polynesischer Eingebore­ner, einem Dutzend Sträflinge und einer. Kolonie Leprakranker zusammen. Sie entbehrt fast jeglicher Flora und Fauna und muh regelmäßig einmal im Monat durch einen chilenischen Regierungsdampfer mit Lebensrnitteln und frischem Wasser versehen werden. Dazu herrscht auf der Insel ein geradezu mörderisches Klima, dem die auf sie verbannten Weißen in kürzester Zeit zu erliegen pflegen.

Lebenslänglich in diese Hölle verbannt trachteten die vier Offiziere von Anbeginn an nach Mitteln zur Flucht. In einer einsamen Bucht der Insel entdeckten sie ein aus einem Schiffbruch herrührendes halbver- faultes Doot. In angestrengter Arbeit Tag und Nacht brachten sie dies zerbrechliche Gefährt einigermaßen in Schuß, wobei sie z. B. gezungen waren, einzelne Bootsplanken mit den Riemen ihrer Schuhe zu- fammenjubinöen! Sie versahen das Boot mit einigen Lebensrnitteln und einer Gallone frischen Wassers (die sie sich stehlen mußten), nähten aus ihren Hem­den ein Segel und vertrauten sich dann während einer Nacht dem primitiven Fahrzeug an, das sie nach Pitcairn und von dort nach Australien bringen sollte.

Zwölf Tage trieben die vier Offiziere so auf der unermeßlichen Weite des Ozeans, als ein von Pa­

an die Vorbereitung eines zweiten Aufstandes. Dies­mal sollte es einMarsch aus Cordoba" werden. Nur einem Zufall ist e» zu verdanken, daß dieses Verbrechen rechtzeitig entdeckt und seine Durch- führung in letzter Stunde noch verhindert werden konnte: ein nicht in di« Verschwörung eingeweihter Dorfbürgermeister hatte irrtümlicherweise den syn­dikalistischen Angriffsbefehl zugestellt bekommen und ihn pflichtgemäß der Polizei übergeben. Trotzdem bestehen die angeblich aufgelösten Syndikat« unge­schoren weiter, ja in Madrid verhandeln sie ganz offiziell über eine etwaige Beilegung des Telephon- streik», besten jetzt schon über zwei Monate wäh. renbe Dauer immer noch nicht abzusehen ist, trotz dieser Berständigungsmanöver.

Man sollte nun meinen, baß bie National­versammlung alles daran setzte, um da» lo­dernde Feuer zu löschen und der Regierung den Rücken zu stärken. Sie denkt aber gar nicht daran; im Gegenteil, man kann sich gar nicht genug tun mit dem sinnlosen Geschrei nach Verantwortlichkei­ten. Alle will man zur Verantwortung ziehen, die in den letzten zehn Jahren etwas mit der spanischen Politik zu tun hatten. Aber beileibe nicht vor einem ordentlichen Richter, man hat doch auch in der Ge­schichte gelesen und weiß, was sich für eine richtige Nationalversammlung gehört, also will man sich zum Konvent französischen Stil» erniedrigen und dem staunenden Volke zeigen, was wirklicheFrei­heit, Gleichheit und Brüderlichkeit- ist. Es wird die

Ludwig Thomas Begräbnis.

Äon Walter Ziersch.

Schnell verbreitete sich die Rachricht vom Tode Thomas (1921) durch München und wurde überall mit stärkster Anteilnahme ausgenommen. Sin Dichter von größter Eigenart war dahinge- gangen. Eine Persönlichkeit von Wucht, als Hu­morist in gleicher Reihe mit Wilhelm Busch und Fritz Reuter. Unsere Tage waren wieder ärmer geworden an Freude und Erfüllung.

Wie stark Thoma im Volke wurzelte, das zeigte sich bei seiner Beerdigung in Rottach-Sgern am Tegernsee. Schon bei der Aussegnung im Hause auf der lüften hatten sich Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengefunden, ne­ben den Prominenten des geistigen Lebens von München in schwarzen Röcken und Zylindern stan­den in ihren Trachten Dauern und "Bäuerinnen von allen Orten um den See. Der alte Pfarrer von Egern, ein Freund Thomas, sand gute Worte am Sarge, und die Feier klang wehmütig aus in dem Scheideliede: .Es ist bestimmt in Gottes Rat..." Unb von süßer Frauenstimme verhauch­ten die Worte der letzten Verse: »Aus Wieder­sehn auf Wiederseh n!"

Auf kräftigen Schultern schwankte der Sarg hinunter zur Fahrstraße, wo ein offenes Fuhr­werk wartete, ganz in Tannengrün gehüllt, vom Herzog Ludwig Wilhelm gesandt. Drum herum die herzogliche Jägerei, auch die Maultiere, ge­führt von Jägern in ihren graugrünen Röcken mit goldenem Eichenlaub am Kragen.

Der Herzog schritt mit Pfarrer und Angehöri­gen hinter dem Leichenwagen, dahinter in lan­gem Zuge die Trauergäste. Die (Berge ringsum grüßten zum letzten Male in ihrer Pracht, und die blühenden Fluren lagen im Sonnenglanz. So ging es hinunter zum See. wo auf dem kleinen Friedhof von Egem. neben dem Grabe Ludwig Ganghofers für feinen Freund Ludwig Thoma die letzte Ruhestätte bereitet war. Und während der Trauerzug sich langsam auf sein Ziel zu­schob. schlossen sich unterwegs Frauen und Män­ner. Sommergäste und Einwohner spontan dem Zuge an. 3n loser Folge und ohne Ordnung, ge­rade wie sie zusammentrafen, geleiteten sie den

toten Dichter, den sie geliebt und verehrt hatten. Unb dessen Werke ihnen blieben als schönstes Ver­mächtnis.

Da ging es mir durch den Kops: so müssen in alten Zeiten die Dichter und Sänger zu Grabe getragen worden sein. Don trauernden Männern und Frauen mit Dlumen in den Händen, in lan­ger Trauerprozession.

Run sind zehn Jahre vergangen, zehn schwere Jahre, und es ist. als ob es gestern gewesen wäre. Und wir wissen nur eins: daß das Leben härter und bunt!er geworden ist. Jahr um Jahr.

Napoleons Tintenfässer.

Das Museum der Stadt Erfurr besitzt einen Gänsekiel, der einstmals von Rapoleon 1. benutzt worden sein soll. Aehnliche Raritäten finden sich aber in zahlreichen deutschen und ausländi­schen Orten, und daher sind diele Gänsekiele bei den Sammlern nicht gerade sehr geschätzt. Reuerdings sind auch Tintenfässer auf den Anti- guitätenmarft gekommen, die von Rapoleon be­nutzt worden fein sollen. Hiervon erzählt eine amerikanische Zeitung. In einem Antiquitäten- laden der 5. Avenue fand eine Dame beim Durch­stöbern der zweifelhaften Werte ein Tintenfaß. AIS sie den Verkäufer nach der Eigenart dieses Gegenstandes fragte, erzählte dieser ihr eine tolle Geschichte. Es sei einst im Desitze des Kaisers Rapoleon gewesen, der es während feiner Verbannung auf der Insel St. Helena benutzt habe, wenn er in seinem Tagebuch schrieb. Rur durchweinen ganz absonderlichen Zufall sei das historische Stück in den De sitz des Händlers ge­langt. Die Dame griff entschlossen zu: 25 Dol­lar für ein Tintenfaß des großen Korsen schienen ihr nicht zuviel. Roch während sie andere Gegen­stände in dem Laden besichttgte. sand ein an­derer Käufer gleichfalls ein sehr ähnliches Tinten­faß. und der Verkäufer legte sofort mit der gleichen Geschichte von der Herkunft des Gegen­standes los. Aber ehe der neue Interessent noch zuschlagen konnte, mischte sich die Dame in das Gespräch: Wenn es schon zwei Tintenfässer Rapvleons aus der Zeit von St. Helena gäbe, dann wolle sie auch alle beide besitzen. Sprach's bezahlte und rauschte hochbesriedigi über den Ein­kauf von bannen.

Wieviel Zähne braucht ein Matrose?

Das Flottendepartement der Regierung der Vereinigten Staaten sieht sich soeben vor eine nicht alltägliche Entscheidung gestellt. Es hat nämlich Deschluh zu fassen über die Anzahl der Zähne, über die ein Angehöriger der amerika­nischen Kriegsflotte verfügen muh.

Den Anstoß zu diesem Problem hat eine De- schwerde gegeben, die der Kaufmann Cartes Glaß in Virginia über die Marineakademie in Anna­polis an das Departement gerichtet hat. Er hatte feinen ältesten Sohn, der Lust und Liebe zum Deruf eines Marineoffiziers verspürte, zum Ein­tritt in die Akademie angemeldet. Dei der mili­tärärztlichen Untersuchung, die der Aufnahme vorausgcht, wurde der junge Glaß zurückgewie- fein, weil er, obwohl sonst körperlich durchaus zum Eeemannsberuse tauglich, nicht sämtliche zweiunddrcißig Zähne besah. Vater Glah lieh sich diele Zurückweisung seines Spröhlings aus diesem Grunde nicht ohne weiteres gefallen und beschwerte sich. Er wies mit Recht darauf hin, dah dieBestimmung, wonach jeder amerikanische Matrose im Vollbesitz seiner Deiß- und Kau­werkzeuge fein muh, noch aus jenen längst ver­flossenen Zeiten stamme, in denen die Patrone abgebissen werden muhte, bevor man sie ins Ge­wehr schob. Gleichzeitig wandle sich Glah an das amerikanische Parlament mit dem Ersuchen, diese alte Destimmung dahin abzuändem, daß jeder Flottenaspirant nur zwanzig Zähne zu haben brauche.

Das Marinedepartement wird daS Problem Wohl im Sinne des Mister Glaß entscheiden. Denn schließlich sollen die amerikanischen Ma­trosen ihre Feinde ja nicht beißen.

Schicksalsbegegnung im Film.

Dor einem Ehescheidungsgerichtshof in Port­land im Staate Oregon wird die tragifche Ehe- gefchichte der verladenen Gattin des Haupt­manns Edwin Robothain verhandelt werden, in der ein Film eine entscheidende und dreißig Jahre vergeblichen buchens beenbenbe Rolle ge­spielt hat. Die heute sechzigjährige, in Drighton lebenbe, durch ein Dasein des Grams körperlich und seelisch gebrochene Frau hat im Jahre«

fach, hoher Gerichtshof, er wiegt die Ware Immer falsch. Er verrechnet sich immer. Lind immer zu Ungunften der Kundschaft. Ich laufe seit Jahr und Tag bei ihm die Butter für die feine Back­ware. Kilowette. Gelegentlich habe ich so ein Äilo- stück nachgewogen. Es toaren knappe 90 Deka­gramm. Bei der nächsten Gelegenheit wog ich wie­derum nach und stellte fest, daß fünf Deka fehlten. Daraufhin habe ich ständig Wägungen vvrgenom- men, sogar vor Zeugen, und eS stimmte fast nie­mals mit dem vorgefchriebenen Gewicht!" .WaS haben Sie dazu zu sagen, Herr GewichtS-Bri- gant?", wandte sich der Richter an den Ange­klagten.

.Richt viel, hoher Gerichtshof", ließ sich der Mann i>emet)men. .Mein Rachbar mag ja viel­leicht Recht haben. Trotz alledem bin ich ganz gewiß unschuldig."

.Wie soll ich daS verstehen?"

.Ganz einsach. Herr Richter. Ich kaufe bei meinem Rachbarn das Drot. 11 nb wenn er Dutter holen läßt, dann erspare ich mir die Mühe, mit Gewichtseinheiten abzuwiegen. Ich nehme einfach das Kilo-Brot, tue es auf die eine Seite fcr Waagschale und lege die Butter auf die andere Seite. Ich muh doch annehmen, daß mein Herr Rachbar richtig wiegt..

Der Kadi von Budapest hatte Sinn für Humor. Beide Biedermänner wurden zu einer Geldstrafe verdonnert!

Hadcr ya Vcy!"

(c) Kairo.

Wie in Oesterreich früher von der Ded.enung jeder zahlungsfähige Gast in den Stand des Ba­rons erhoben wurde, fo genießt auch heute in Aegypten noch fast jeder mittlere Verwaltungs­beamte die unverdiente Ehre, vom Publikum und feinen Untergebenen, die sich aus BcförderungS- grünben lieb Kind machen möchten, als .Bey" angeredet zu werden. War man früher sogar noch freigebiger in wohltuenden Titulationen und sprach mit feinen Vorgesetzten nur. indem man ihnen Titelehrungen wie Pascha und sogar .mein Prinz" gab. so beschränkt man sich heute nur noch auf die allseits geübte Verbeugung mit den Wor­tenHader ya, Bey, also: .Sehr wohl. Dey!"

Dem Generaldirektor des ägyptischen Post- wesens. der, nebenbei bemerkt, ein richtiger Boy ist. ist diese unangebrachte Titelverschwendung an seine llnterorgone schon immer ein Dorn im Auge gewesen und er hat nunmehr eine strenge Ver­fügung erlassen, nach der er nicht nur den Miß­brauch von Titeln innerhalb des Postwesens streng verbietet, sondern auch dieBriefträger an­weist.Briefe, die an einen falschen Dey adressiert sind, einsach nicht mehr zu bestellen und zurück- gehen zu lassen. Beamte, die sich im Dienste und in ihrem Privatleben hoch st ape Inderweise mit Dey titulieren lassen, ziehen sich ein Disziplinarocr- sahren zu, Unterbeamte, die diese Titulationen aussprechen, werben von der Deförberungsliste ausgestrichen.

Am schlimmsten daran sind demnach die armen Dries träger: woher sollen sie wissen, ob der Adressat des von ihnen zu bestellenden Dri«fes den Titel Dey wirklich erworben ober sich nur zugelegt hat?

Zehn Gebote für Chinesen.

(c) Tientsin.

Der Präsident der chinesischen Rational ist en- regierung, Tschiangkaischek, ist im Rebenberuf Vorsitzender der Landesvereinigung zur .He­bung der Moral", also sozusagen der Ober­moralist seiner Heimat. In dieser Eigenschaft faßte er kürzlich die neuen zehn Gebote für ehr­würdige Chinesen ab, die durchaus im Sinne Sunyatsens gehalten sind. Sie lauten:

1. Sei kein Prahler.

2. Sei nicht stolz.

3. Sei nicht faul.

4. Hüte dich vor dem Ehebruch und dem ClückS- spiel.

5. Rauche nicht.

6. Trinke nicht.

7. Pumpe deine Mitmenschen nicht an.

8. Lüge nicht.

9. Wünsche dir keine Schießwaffen.

10. Fürchte dich nicht vor dem Tob.

Man muß schon sagen, daß Sunyatsen ein gan­zer Kerl war. Unb das Oberhaupt bes Reiche-

1599 mit dem englischen Hauptmann Robotham bie Ehe geschlossen.Riemand", so erzählt sie selbst,wußte in biefem Lande von meiner trau­rigen Ehe in allen diesen Jahren außer meinen Rechtsanwälten. Selbst meinen Brüdern unb Schwestern habe ich sie verschwiegen. Sech- Wochen nach der Hochzeit verschwand mein Gatte. An dem Tage, da ich ihn zum letztenmal sah, küßte er mich und sagte:Ich werde am Abend bald nach Hause kommen." Ich habe ihn seither nicht mehr gesehen. Dor etwa zwei Jahren besuchte ich in London ein Kino. In der Ko^ mödie. bie auf der Leinwand abrollte, erschien auch ein Schauspieler namens Kapitän Ted Dun­can. In ihn erkannte ich sofort meinen Gatten wieder, obzwar der Mann im Film um 30 Jahre älter war. Run hatten meine bisher ganz ver­geblichen Rachforschungen ein festes Ziel. Ich schrieb nach Hollywood, aber die Filmgesellschaft sagte, sie könne mir nicht helfen. Also wandttr ich mich an die oberste Militärbehörde der Ver­einigten Staaten, die nach einer beigeschlossenen Photographie den Gesuchten ermittelte und seine Identität mit meinem Manne feststellte. Meiner Aufforderung einer Wiedervereinigung hier ober in Amerika widersetzte er sich. Er behauptete, ich hätte ihm ein gemeinsames Leben unerträglich gemacht, unb leitete die Scheidungsklage ein. Aber die Schuld ist nicht auf meiner Seite. Er ist aus dem Heere desertiert unb hat mich ohne einen Penny Geld zurückgelassen. Ich habe zu niemandem auch nur mit einer Silbe von meinem Schicksal gesprochen, weil ich nicht Schande über sein Regiment bringen wollte. Jetzt aber muh ich den Prozeß durchfechten."

tzochschulnachnchten.

Der Göttinger Privatdozent Dr. Udo Wegner hat den Rus auf das Ordinariat der Mathematik an der Technischen Hochschule in Darmstadt als Rachfolger des Geh. Hos- rats Friedrich Dingeldey zum 1. Oktober 1931 angenommen.

Der Königsberger Literarhistoriker Professor Dr. Josef Radler hat einen Ruf an die Universität Wien erhalten unb angenom­men. Radler ist der Verfasser der ^Literaturge­schichte der deutschen Stämme unb Landschaften".