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Bedingungen aufnehmen kann, und dah die Höhe einen Kredits auf die tatsächliche Lei­stungsfähigkeit Deutschlands abgestimmt sein muh.

Hetze gegen Eckener.

Konknrrenzfurcht der Pariser Aero Postale.

Paris, 26. Mai. (TU.) Der in der französischen Kammer zu schweren Angriffen auf den Justizrnini- ster Flandin führende Zusammenbruch der französischen staatlich subventionierten Luftverkehrs« Gesellschaft Aero Postale bat viel Staub auf­gewirbelt. Jetzt richtet der Präsident der Aero Postale, Bouillaux-Lafont imAmi du Peuple" des Herrn Coiy einen besonders groß auf­gemachtenoffenen Brief" an Dr. Eckener, in dem er u. a. erklärt:

Sie sind nach dem Eintritt unserer Schwierig­keiten nach Frankreich gekommen, um hier die Ermäcytigung für die Schaffung eines Stützpunktes zu erlangen, der notwendig ist, um durch ihre Zeppeline Europa mit Nordamerika zu verbinden. Nach Ihren Erklärungen gegenüber der Presse sind Sie nahe daran, diese Ermächtigung zu erhalten. Wir hatten die Hoffnung, Ihnen z u o o r z u k o m m e n, als wir die Flugzeuglinie Paris Neuyork über Lissabon und die Azo­ren und die Bermudainseln schaffen wollten. Zu diesem Zweck hatten wir Ihnen in Portugal das Luftfahrtmonopol oorwe g genom­men , das uns die Schlüssel zum Atlantischen Ozean auslieferte."

Weiter erörterte Bouillaux-Lafont, wo und wie die Interessen seiner Gesellschaft mit denen Dr. Ecke- ners außerdem zusammengestoßen seien, besonders in Argentinien.So also", fährt der Ver­fasser fort,hätten wir Ihnen die Weg« über den Nordatlantik wie über den Süd­atlantik versperrt und wir glaubten schon die Partie gewonnen zu haben, als der Boden unter unseren Füßen plötzlich nachgab. Durch politi­sche Umtriebe, Rachsucht, Ehrgeiz und Eifer­sucht ist eine Katastrophe entstanden, die in weniaen Tagen die Aero Postale um die Frucht ihrer Lei­stungen gebracht hat." Er kommt dann zu der Schlußfo^erung, daß Deutschlands Zahlungserleich- terungen aus dem Poungplan dem Zeppelinbau zu­gute kommen und diesen in die Lage versetzten, dem ft:anzösischen Flugwesen Konkurrenz zu machen. (1!)Trotz der Ihrem Volk eigentümlichen Hart­näckigkeit hoffe ich doch, daß es Ihnen noch nicht gelingen wird, Ihr Luftschiff auf französischem Boden unterzubringen, um die französischen Flug­zeuge zu übertrumpfen.

Rücktritt

des polnischen Kabinetts.

Oberst Prystor der vermutliche Nachfolger Slaveks.

Warschau. 26. Mar. (WTD.) Die Wochen- lang im Umlauf gewesenen Gerüchte über bevor» stehende Regierungsn«udrldung und Amtsmüdig- fert des Ministerpräsidenten Oberst Slavek sind bisher trotz wiederholter Dementis und trotz ausdrücklicher Erklärungen der Regierungs­presse, Marschall Pilsudski sei dagegen, doch wahr geworden. Der Ministerrat hat am Dienstagmittag den Rücktritt des Ge­samtkabinetts beschlossen. Lim 20 Llhr ist Ministerpräsident Slawe! vom Staatspräsi­denten Moszicki empfangen worden. Minister­präsident Slavek überreichte ihm das Rücktrits- aesuch des Kabinetts. Staatspräsident Moszicki hat den Rücktritt der Regierung angenom­men. _ .

Der plötzlich erfolgte Rücktritt der Regierung des Obersten Slavek, die seit dem 4. Dezember vorigen Jahres im Amte war. hat hier nicht überrascht. Schon seit Wochen wußte man in eingeweihten Kreisen, dah sich Slavek mit De- missionsabfichten trüge, um wiederum die Lei­tung des Regierungsblockes imSejm zu übernehmen. Die schwierige finanzielle Lage des Staates sowie die Schwierigkeiten innerhalb des Kabinetts, in der Frage der Kürzung der Beamten- und Offiziersgehälter zu einer Eini­gung zu gelangen, haben zweifellos die Amts- müdigleit Slaveks gesteigert. Als vermutlicher Rachfolger Slaveks gilt der bisherige Han­delsminister Oberst Prhstor. der ebenso wse der zurückgetretene Ministerpräsident zum Kreis« der engsten Vertrauten des Marschals Pilsudski zählt. Oberst Prystor, der in früheren Regierun­gen das Portefeuille für soziale Fürsorge inne hatte, hat nach dem Maiumsturz bei der Reu- organisierung der Armee dem Marschall Pil- sudstt Lrls Personalreferent des-Hee­res hilfreich zur Seite gestanden

Gießener Eiadttheater.

Leo Lenz:Ständchen bei Nacht".

Es geht ein wenig durcheinander: die letzte Premiere in der Winterspielzeit, die merkwür­digerweise bis in die vorweggenommenen Hunds­tage hineinreicht, war zugleich der Auftakt und die erste Reuigkeit der Sommerspielzeit.

Jede Sommerspielzeit, einmal für allemal, wird zweckmähigerweise mit einem bis zum Lleberdruh wiederholten Erfahrungsgrundsah eingeleitet: es ist nicht alles Gold, was glänzt: es ist nicht aMes ein Lustspiel, was sich so nennt: und die meisten Lustspiele" bestehen, bei Licht besehen und allen schönen Hoffnungen zum Trotz, größtenteils, wenn nicht von vorn bis hinten, aus Schwank.

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Diese absichtlich allgemein gehalten« Eintei­lung, die Mißverständnissen und Enttäuschungen vorbeugen möchte, darf sowohl generell für jede neue Saison als auch im besvndern für das jüngste Stück von Leo Lenz gelten, in drei Akten, das wir gestern kennen lernten. Es heißt Ständchen bei Nacht"'. «

Schon früher waren bei Lenz die Lleder- schriften meist besser als die Stücke selbst: auch hier: was hätte man unter diesem Titel für ein hübsches, stimmungsvolles, romantisches, vielleicht sogar ganz sachliches Lustspielchen vom Stapel lassen rönnen.

Wieder mal eine Hoffnung weniger: was her­auskam, war zum wievielten Male seit grauen Tagen? eine Verwechslungsgeschichte für die wärmere Jahreszeit. Ganz nett, ganz unterhall- sam, mit den uralten Situationswitzen, mit etlichen guten Bemerkungen, etlichen Anzüglichkeiten, et- nchen Gemeinplätzen. Gin hübscher Erfolg sogar. Bloh, leider, von Lustspiel keine Spur. Lustspiele sind immer noch selten.

Luriius berichtet dem Reichskabinett.

Oie inneren Reformen sollen vor Chequers beschlossen werden.

Berlin, 26. Mai. (TU.) Am Mittwoch wird das Reichskabinett zu seiner ersten Sitzung nach Pfingsten zusammentteten, um den Bericht des Reichsauhenrninisters Dr. C u r t i u s über G en f entgegenzunehmen. Ob am Mittwoch auch noch die innerpolittschen Fragen in Angriff genommen wer­den, steht noch nicht fest. Sn unterrichteten Kreisen wird damit gerechnet, dah der Bericht des Außen­ministers über Genf eine längere Aussprache aus­löst. Dem Reichspräsidenten wird Dr. Curtius frühestens Ende der Woche nach dessen Rückkehr aus dem Pfingsturlaub Bericht erstatten können. Reichskanzler Dr. Brüning hält, wie verlautet, nach wie vor daran fest, daß die innerpoltti- schenSanierungsmaßnahmenbiszur Abreise nach Chequers, die auf Mittwoch, den 3. Simi, abends anberaumt worden ist, vom Kabinett beschlossen werden müssen. Die Ver­öffentlichung der entsprechenden Notverord­nung wird erst für die Zeit nach Chequers erwartet. Da die Reichstagssraktion der Zen­trumspartei für den 14. Suni nach Hildesheim einberufen worden ist, wo Dr. Brüning ein länge­res Referat zur politischen Lage erstatten wird, nimmt man an, daß die Veröffentlichung der Sa­nierungsnotverordnung ungefähr zu diesem Zeit­punkt erfolgt.

Oer Kanzler empfängt die Beamten.

Berlin, 27.Mai. (WTB.) Als Auftakt zu der großen Beamtenkundgebung, die heute abend im Sportpalast gegen jeden weiteren Gehaltsabbau stattfindet, gab der Pressechef des Deutschen Beamtenbundes Bürgermeister Heß« lein, gestern bei einer Pressebesprechung bekannt.

daß Staatssekretär Dr. Pünder im Auftrage des Reichskanzlers auf einen Brief des Deutschen Be- amtenbundes geantwortet habe, daß der Reichs­kanzler wegen der Bedeutung der Angelegenheit bereit fei, die Beamtenspitzenorganisationen vor Fassung endgültiger K a b i n e t t s - B e . s ch l ll s s e z u e m p f a n g e n. Dieser Empfang, der Ende dieser Woche ermöglicht werden solle, solle dazu dienen, eine Aussprache mit den Vertre­tern der Beamtenschaft über eine weitere Gehalts­kürzung oder eine Sonderbelastung der Beamten­schaft herbeizuführen.

Eine Beschafiigungssteuer?

Berlin, 27. Mai. (TL1.) Sm Rahmen der Erörterungen des Reichskabinetts über die Not­verordnung steht, wie derLokal-Anzeiger" er­fährt. jetzt die Frage einer sogenannten B«- schäftigungssteuer im Vordergrund, einer Sonder st euer auf das Einkommen aller derjenigen Personen, die sich in f e ster Stellung be­finden. Als niedrigste Summe nimmt man vor­läufig den Sah von 4 Prozent an, wobei di» Frage offen bleibt, in welcher Höhe ein« Staf­felung nach oben erfolgen werde. Wenn diese Steuer verwirklicht werd«, dann werde vor­aussichtlich von einer neuen Kürzung der Beamtengehälter abgesehen wer­den, weil diese Beschäfttgungssteuer ja gleich- zeittg auch die Beamten erfassen würde, aber nicht den Charakter einer einseitigen Steuer­belastung der Beamten tragen würde. Sm übri­gen ständen auch in dieser Frage die Pläne der Reichsregierung noch nicht endgültig fest.

Tagungen und Kongresse

Oer Oeussche Lehrerverein in jranffurf.

Frankfurt a. TI., 25. Mai. (WSN.) Als erste öffentliche Veranstaltung derDeutschen Lehrer­versammlung Pfingsten 19 31 in Frank­furt a. M." fand nach internen Ausschußberatun- gen am Sonntag und Montag am Montagabend in der Paulskirche eine Abendseier statt. Nach Orgel- und Gesangsvorträgen hielt Prof. Dr. Giese (Frankfurt) die FestredeDeutsche Einheit, deutsche Bildung". Eine fünfstimmige Motette und ein Bachsches Präludium und Fuge beschlossen di« eindrucksvolle, schlichte Feier. Die öffentliche Bera­tungen wurden am Dienstagvormittag mit der 3 9. Vertreterversammlung eröffnet. Nach Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden W o l f - Berlin wurde der Rechenschafts- und Tätigkeits- bericht erstattet. Der Bericht betont besonders die gewerkschaftliche Arbeit. Aufgabe und Prüfstein für den Verein werde sein, den Dolksschullehrern den Anteil am freien Geistesleben an der Schule unge­schmälert zukommen zu lassen, der ihnen zustehe. Als Tagungsort der nächsten Vertreterversammlung wurde Rostock gewählt. Dort wird auch 1933 die deutsche Lehreroersamlung stattfinden. Der kassen- mäßige Abschluß für das Geschäftsjahr 1930 ergab bei 777 000 Reichsmark Einnahmen und 773 000 Reichsmark Ausgaben einen Bestand von 4000 Reichsmark.

Sn einer Entschließung zur Lehrerbildung heißt es u. a.: Der Deutsch« Lehrerverein hat wieder­holt die einheitliche Regelung der Lehrerbildung durch ein Reichsgesetz ver­langt: Vorbildung auf einer vollausgebauten höheren Schule und wissenschaftliche Ausbildung durch mindestens sechs Semester Studium auf einer Hochschule. Die Loslosung der Lehrerbildung von der Hochschule (Hessen) und die Herabsetzung der Studienzeit von drei auf zwei Sahre (Thürin­gen) hat alle Freunde der Lehrerbildung schmerz­lich enttäuscht. Die Dertreterversammlung wen­det sich mit Entschiedenheit gegen die in einer solchen Regelung zum Ausdruck kommenden rück­schrittlichen Bestrebungen und fordert erneut eine reichsgesetzlich« Regelung der Lehrerbildung nach den Forderungen des Deutschen Lehrervererns.

Anläßlich der Lehrertagung veranstaltet der Frankfurter Lehrerverein eine pädagogische Ausstellung,Das Dildungswesen in Frank­furt a. M", die mit einer großen Lehrmittelschau verbunden ist. Neben der offiziellen Lehrerver­sammlung und der Pädagogischen Ausstellung fanden noch verschiedene Nebenveranstaltungen

statt. Schließlich fanden Besichtigungen neuzeit­licher Frankfurter Siedlungen und Bauwerke un­ter sachkundiger Führung statt. Sm Stadion hatten sich die sporttreibenden Lehrer zum Zwei­ten Deutschen Lehrer-Turn- und Sportfest ein­gefunden, das am Mittwoch seine Fortsetzung findet. Arn Abend trafen sich alle Teilnehmer im Palmengarten.

pfingstiagung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins.

Der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein hielt eine diesjährige Pfingsttagung zum erstenmal seit einem Bestehen in S t u 11 g a r t ab. Zum erstenmal ehlte bei dieser 21. Generalversammlung des Ver­eins dessen Gründerin, HeleneLange, deren am Pfingstsonntagvormittag in einer besonderen Weihe- stunde gedacht wurde. Zum Begrüßungsabend am Pfingstmontag im Festsaal der Liederhalle hatten sich etwa2000Lehrerinnenausallendeut- schen Gauen eingefunden. Die erste öffentliche Versammlung fand am Abend des zweiten Pfingst­tages in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Be­hörden sowie von Frauen und Berufsorganisationen statt. Nach der Begrüßung durch die erste Vorsitzende des Vereins, Frau Oberschulrat Beckmann (Ham­burg) und zahlreichen weiteren Begrüßungsanspra­chen hielt Frau Ministerialrat Dr. Bäumer (Ber­lin) einen Vortrag über das ThemaDie Erziehung der Mädchen au ihren Aufgaben als Frau und Staatsbürgerin .

Oer Deutsche Geographentag in Danzig.

Der Deutsche Geographentag, der in diesem Sahre auf sein 50jähriges Bestehen zu­rückblicken kann, hat seine 24. Tagung nach D a n - z i g einberufen und zum Verhandlungsgegenstand Die Ostsee und ihre Küstenländer" gewählt. Die Subiläums-Tagung wurde vom Vor­sitzenden Professor Friedrichsen (Breslau) eröffnet. Der ehemalige Danziger Kultussenator Dr. Strunk wandte sich gegen die von polnischer Seite gegen den Kongreß ausgestreuten Verdächti­gungen und betont«, daß die wissenschaftliche Sorgfalt und das wissenschaftliche Ansehen der Deutschen Geogvaphentage die deutschen Geogra­phen vor dem von polnischer Seite ausgesprochenen Verdacht tendenziöser politischer Machenschaften bewahre. Der Antwort, die der am Sonntag in Gdingen begonnene polnische Geogra­ph e n t a g dieser deutschen Tagung, noch ehe sie stattgefunden, erteilen wolle, sehe der

Deutsche Geographentag mit Ruhe entgegen. Dann begannen die wissenschaftlichen Vorträge, Prof. Dr. Braun (Greifswald) sprach über Das Werden der Ostsee und das Problem der nacheiszeitlichen Niveauschwankungen und Küften- veränderungen". Der Direktor der Deutschen See­warte Hamburg, Prof. Dr. D. Schulz (Ham­burg) hielt einen Vortrag überDie Ostsee als Meeresraum". Archivdirektor Dr. R e de (Danzig) sprach überDie Ostsee in Vergangen­heit und Gegenwart". Er wies u. a. darauf hin, daß die Ostsee den Charakter eines deutschen Meeres bis zum Weltkrieg« bewahrt habe. Heute seien wir an einem entscheidenden Wendepunkt angelangt. Der deutsche Küstensaum sei in viele Teile zerriffen. Durch die neuen Verhältnisse sei aber keine Ruhelage geschaffen. Mehr denn je werde die Ostsee nicht nur zum Schicksalsraum Deutschlands, sondern ganz Europas werden. Am Abend fand ein Empfang durch den Se­nat der Freien Stadt Danzig statt. Der stell­vertretende Senatspräsident Dr. Wiercinski-Keiser hieß di« Gäste aus dem Reich willkommen. Er wi«s u. a. darauf hin, daß das an der Mün­dung der Weichsel gelegene Danzig der ge­gebene Hafen und die gegebene Handels­metropole zumindesten für den seewärttgen Außenhandel Polens sei. Trotzdem hab« Polen durch den wachsenden A°u-s>b au des Hafens von Gdingen gegen Danzig den Generalangriff eröffnet.

Reichstagung der reisenden Kaufleute.

Mitte Mai hielten die im Verband rei­sender Kaufleute Deutschlands zusam­mengeschlossenen angestellten Reisenden, Han­delsvertreter und Firmeninhaber von Snbuftrie und Eigenhandel, die selbst reisen oder reisen las­sen, in Berlin ihre 45. Generalversammlung ab. Sm Mittelpunkt der Reichstagung stand die am 15. Mai unter starler Beteiligung von Der- ttetern der Reichs- und Landesbehörden, der Par­lamente, sowie zahlreicher Wirtschafts- und Verkehrsverbände im ehemaligen Preußischen Herrenhause abgehaltene O e f f e n t l i ch e Kundgebung. Rach einer kurzen Begrüßungs­rede des Verbandspräsidenten, Kommerzienrat Lipp (Nürnberg), sprach Derbandsdirektor Günther über Me besondere Wirtschaftsnot der reisenden Kaufleute. Eine Besserung der Verhält­nisse sei nur möglich durch eine Senkung der Preis« auf dem Wege über eine Senkung der Selbstkosten, Selbstkosten-Senkung sei aber nach Lage der Dinge in der Hauptsache abhängig von einer beschleu­nigten Snangriffnahme der DerwaltungsreforrN mit dem Ziele weitestgehender Aufgaben- und Ausgabendrosselung, von einer, Reorganisatton der Sozialversicherung, einer Revision des erstarrten und unzeitgemäßen Schematismus im Tarifver- ttagswesen und schließlich von einer vernünfttgen Lösung des Reparationsproblems. Als Tagungs­ort der nächsten, fortan nur noch in Zwischen­räumen von zwei Sahnen stattfindenden General- versammllmg wurde die Grenzland-Stadt Frankfurt a. d. O. besttmmt.

Die Deutsche Bunsengesellschafl in Wien.

Am Dienstag wurde als erster der drei Kon­gresse, die in der Woche nach Pfingsten in Wien tagen, in Anwesenheit des Bundespräsidenten M i k l a s, die Tagung der Deutschen Dunsen- gesellschaft eröffnet. Der Vorsitzende der Ge­sellschaft, Dr.-Sng. h. c. Specketer, Vorstands­mitglied der SG.» Farbenindustrie, hob die un­geheure Bedeutung der Leichtmetalle für die Weiterentwicklung der Technik hervor und wies darauf hin, daß das Programm, welches Chemie und Metallurgie umfasse, die Tagung gleichzeitig für Chemie und Technik interellant mache. Bun­despräsident Mik las erklärte in seiner Be­grüßungsansprache unter anderem die Tagung als einen Beweis für den Austausch geistiger! Güter zwischen Oesterreich und dem Reich. Sie zeige den unzerstörbaren kulturellen Gemein­schaftswillen, der alle Angehörigen des groß­deutschen Gesamtvolkes verbinde.

pfingstiagung des Bundes deutscher Vibelkreise.

Unter Beteiligung von zweitausend hö­heren Schülern aus allen Teilen Deutschlands hielt der Bund deutscher Bibel­kreise zu Pfingsten in Greiz seine diesjährige Reichstagung ab. Neben dem üblichen Sport- und Lagerleben, das von prächtigem Wetter be­günstigt war, diente die Tagung ernster geistiger Arbeit, die unter dem Thema standSn der Ge­walt des Heiligen". .

pfingsttagung des Weinheimer SL.

Der Weinheimer S. C., welcher die Corps an den Technischen Hochschulen und Bergakademien Deutschlands umfaßt, hielt

Ständchen bei Nacht. Oder: der junge Mann mit den zwo Dräuten. Mit der echten und der falschen. (Lind zuletzt ist die verkehrte doch die richttg«: na, man kennt das ja.) Oder die be­schwipst« Filmdiva im nächtlichen Tiergarten. Oder: die Zugverspätung und das Skandälchen im Generalanzeiger. Oder: die arm«, aber ehrliche Medizinstudentin mit der Regenversicherung und die alt« Dame aus Bremen mit der spitzen Zunge und dem goldenen Herzen. Oder: aber vielleicht sehen Sie sich die ganz« Geschichte mal selber an.

Sie wird unter V o llck s Direktion mit löb­lichem Eifer flott heruntergespielt.

Wesener ist der bigamistische junge Mann in tausend Verlegenheiten und trainiert schon für die neue Hamburger Lustspielkarriöre.

Elisabeth W i«l a n d e r ist bas liebe und Couragiert« junge Mädel, welches vom Himmel gefallen ist, einen großen Schwindel aufführt und zuletzt das große Los gewinnt.

Frau Schubert-Süngling, sehr nett, die Tante aus Bremen: es hört sich aber so an, als ob sie im Hannöverschen daheim wäre.

Agathe Walther-Lederer, von einer neuen Seite, als besorgte und liebende Mutter.

SIfe Sahn, die verheißungsvolle Filmdiva aus dem nächtlichen Tiergarten.

Zingel: jovialer alter General: Druck hat eine gute Sache als Dritterakt-Komiker: Vvlck: Landjäger: Fassott: Pastor Has«: Nieren: Diener. e

Das Haus war außerordentlich schlecht besucht: hoffentlich erweisen die kommenden Novitäten der neuen Spielzeit mehr Anziehungskraft.

hth.

Das Haar der Berenice.

Don Professor Dr. Küsiermann.

Nachdruck verboten!

Für das Ansehen der alten Aegypterinnen ist es zu begrüßen, daß Frau Potiphar nicht die einzige geblieben ist, deren Name auf die Nachwelt kam; denn die allzu zärtliche Liebenswürdigkeit und die geringe Wahrheitsliebe dieser Dame haben von jeher einen sehr schlechten Eindruck gemacht. Um so er­freulicher ist es, daß von den beiden Königinnen Nophretete und Berenice, um mich dieses schönen Ausdrucks zu bedienen,nichts Nachteiliges bekannt­geworden ist". Was Nophretete aniangt, so war sie allerdings bis vor kurzem der Mehrzahl der Zeit­genossen gänzlich gleichgültig: aber als wir auf ein­mal ihr Bild yerausrücken sollten, verliebte sich jeder pflichtschuldigst in die bildhübsche junge Köni­gin. Von Berenice weiß ich nur das eine zu sagen, daß sie jedenfalls keinen Bubikopf trug; denn sonst hätte man sich schwerlich veranlaßt gesehen, das ziemlich langgestreckte, zwischen dem Bootes und dem Löwen liegende Sternbild ausgerechnetHaar der Berenice" zu nennen. Helle Sterne sind dort freilich nicht zu sehen, und es wäre vielleicht von dem ganzen Sternbild nicht viel Wesen zu machen, wenn nicht neuerdings dort eine höchst merkwürdige Entdeckung gemacht worden wäre. Man hat dort nämlich auf einem Feld, das nicht viel größer als die Vollmondscheibe ist, nicht weniger als 249 kleine Nebel gezählt. An manchen Stellen des Sternhim­mels sitzen diese merkwürdigen Gebilde allerdings noch dichter aufeinander; im Großen Bären z. B. gibt es eine Stelle, die nur etwa den 12. Teil der Vollmondfläche ausmacht und an hundert solcher Nebel zählt. Auf der anderen Seite des Haars der Berenice zieht sich der Nebelschwarm nach dem Sternbild der Jungfrau hin.

Blicken wir nun auf eine Sternkarte, oder noch besser freilich auf den Sternhimmel selbst, so sehen wir, daß gerade diese Gegenden: Großer Bär, Haar der Berenice und Jungfrau verhältnismäßig sehr

weit von der Milchstraße entfernt find. Andere Gr« scheinungen des Fixsternhirnmeis, z. B. das Auf- tauchenneuer Sterne", spielen sich mit Vorliebe gerade in der Milchstraßengegend ab; so erschienen z. B. die bekanntesten neuen Sterne der letzten Zeit in den Sternbildern des Perseus, des Schwans und des Adlers, also in der Milchstraße. Das wird uns nicht weiter wunderbar vorkommen, wenn wir be­denken, daß die Milchstraße der Teil des Himmels ist, wo wir di« meisten Sterne hinter einander er­blicken, weil sich dort die Sternwelt am tiefsten in die Welträume hineinerstreckt. Daß im Gegensatz hierzu die Nebel gerade abseits von der Milchstraße am häufigsten sind, ist allo immerhin auffallend.

Nun ist allerdingsabjeits der Milchstraße" noch nicht gleichbedeutend mitaußerhalb der Milch- strahenwelt"; denn alle Sterne, die wir überhaupt mit bloßem Auge am Himmel sehen können, bei­spielsweise auch die des Großen Bären, des Haars der Berenice und der Jungfrau gehören alle zur Milchstraßenwelt; aber von den erwähnten, zum Teil winzig erscheinenden Nebeln hat man in der Tat nachgewiesen, daß sie nicht zur Milchstraßenwelt gehören, vielmehr viel, viel weiter entfernt find. Man nennt sie auch außergalaktisch, das heißt eben, außerhalb der Milchstraßenwelt stehend, nicht etwa nur außerhalb des sichtbaren Milchstraßenstreifens am Sternhimmel.

Es ist sicher festgestellt, daß jedes dieser kleinen Nebelfleckchen eine Sternwelt ist, ähnlich unserer ganzen Milchstraße aus vielen Millionen von Ein­zelsternen, also Sonnen wie der unseren, bestehend. Der Andromedanebel ist ihr wichtigster Vertreter, der einzige, der mit bloßem Auge sichtbar ist. Daß etwa 100 000 bis 200 000 solcher Sternwelten be­stehen, ist sicher; hingegen ist es sehr zweifelhaft, ob man bei Verwendung immer lichtstärkerer Fern- rohre und beim Vordringen in immer weiters Raumtiefen unbegrenzt neue Sternwelten entdecken wird; nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist dies nicht zu erwarten, so daß alles in der Welt, selbst die gewaltige Zahl riesiger, unvorstellbar? großer Sternwelten einmal ein Ende nimmt