Kußballkampf Luxemburg—Westdeutschland 4:3.
In Luxemburg-Stadt wurde am letzten April- sonntag vor 5000 Zuschauern ein Fußballkampf Luxemburg gegen Westdeutschland ausgetragen, den die Einheimischen mit 4:3 (3:2) knapp und nicht gana verdient gewinnen konnten. Westdeutschland, das seine besten Spieler an die deutsche Nationalmannschaft abgegeben hatte und das außerdem weitere gute Kräfte bei Meisterschafts- Endspielen gebrauchte, trat nur mit einer zweiten Garnitur an. Trotzdem hätten die Westdeutschen auf Grund des Spielverlaufes gewinnen können. Aber der Jnnensturm war nicht durchschlagskräftig genug und außerdem brachte der Tormann Stahl (Köln) durch sehr schlechte Abwehr die Mannschaft um die Früchte ihrer Arbeit. Luxemburg ging schon in der ersten Spielminute in Führung und erhöhte nach zwölf Minuten durch einen Strafstoß auf 2:0. In der 21. Minute verwandelte der Mittelläufer Kluck (Borussia Rheine) einen Elfmeter zum ersten Gegentor der Westdeutschen. Ein schwerer Fehler von Stahl im Tor trug den Luxemburgern in der 28. Minute den dritten Treffer ein. Köhler (Fortuna Düsseldorf) schoß zehn Minuten vor der Pause den zweiten Gegentreffer und derselbe Stürmer erzielte zehn Minuten nach dem Seitenwechsel für Westdeutschland den Ausgleich. Westdeutschland verpaßte nun verschiedene günstige Chancen, zum Sieg zu kommen. Als Luxenrburg in der 27. Minute einen vierten Treffer erkämpfte, gaben sich die Westdeutschen geschlagen.
Kunstiurn-Meisterschasten -er OT.
Kröhsch-Lelpzig Meister.
Vor ausverkauftem Hause wurden am Sonntag in Essen die Kunstturn-Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft ausgetragen. Die Meisterschaftskämpfe setzten sich zusammen aus je zwei Pflicht- und einer Kürübung am Reck, Barren und Pferd, sowie einer Kunst-Freiübung. Bon den 110 Turnern aus den 18 Turnkreisen fiel der Meistertitel an Krötzsch - Leipzig mit 184$ Punkten Den zweiten Platz belegte Tolmar-Hohenstcin Ernstthal 181$ Punkten vor dem Ex-Frankfurter Winter-Wuppertal Langenfeld, der nur mit großem Pech um den sicheren Sieg kam.
Deutsche Waldlaufmeisterschast.
Kohn (Teutonia Berlin) erringt den Titel.
In Hannover kam am Sonntag zum erstenmal die Deutsche Waldlaufmeisterschaft gemeinsam von der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik und von der Deutschen Turnerschaft durchgeführt zur Abwicklung. Die zehn Kilometer lange Strecke führte durchweg über ebene Waldwege und durchweg gute, aber harte Slraßen. Mit 200 Meter Vorsprung blieb der Meister von 1929 Kohn. Berlin, vor Molitor. Polizei, Berlin. Sieger. Die Zeit des neuen Meisters war 34: 16,2. Der süddeutsche Weister, Helber I., Stuttgart, kam mit 35:00,2 aus den dritten Platz ein.
Em neuer Segelflugrekord.
Elf Stunden in der Luft.
Dem Kasseler Segelflieger, Polizeioberleutnant Hentschel, gelang am gestrigen Sonntag auf dem Dörnberg ein Segelslug von 11 Stunden 1 Minute. Oberleutnant Hentschel hat damit nicht nur den von ihn selbst vor einiger Zeit aufgestellten Dörnberg- Rekord um 5 Stunden 6 Minuten überboten sondern auch den Rekord der Wasserkuppe, der bisher 9 Stunden 21 Minuten betrug. Der Flieger startete mit dem Segelflugzeug „Max Kegel" am Sonntagmorgen 8.13 Uhr am Südhang des Dörnbergs. Der Flüg wurde durch Böen, Hagel und Wetterschauer außerordentlich erschwert. Um 19.14 Uhr erfolgte die Landung, da die angebrochene Dunkelheit eine Fort- Atzung des Fluges nicht mehr gestattete Der Flieger hat teilweise eine Höhe von 900 bis 1000 Meter erreicht.
Oie Autobus-Katastrophe bei Lille.
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Bei Lille in Rordfrankreich raste ein Borortzug mit voller Gewalt in einen mit Arbeitern und Arbeiterinen vollbesetzten Auobus. Neun Personen wurden getötet, etwa dreißig verletzt
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Sportfest -er Sol-ateu
Divisions-Meisterschaften in Gießen.
Die Meisterschaften der 5. Division, zugleich Aus- scheidungskämpfe für die in diesem Jahre wieder stattfindenden Heeres m ei st erschoften sind Dem hiesigen Bataillon übertragen worden. Die Wettkämpfe finden in der Zeit vom 15. bis 17. Mai auf dem Stadion der Universität statt und werden verbunden mit dem Sportfest des Bataillons.
Die Leichtathletiksaison beginnt also in Gießen mit einem sportlichen Großereignis. Es wird mit der Teilnahme von etwa 200 auswärtigen Soldaten zu rechnen sein, die sich nach den Ausscheidungskämpfen innerhalb der Bataillone und Regimenter zur letzten Ausscheidung in Gießen treffen. Vertreten werden sein die Truppenteile aus Baden, Württemberg, Hessen, Kassel und Thüringen
Das Bataillon beabsichtigt mit den athletischen Wettkämpfen massensportliche und reiterliche Dor- führungen zu verbinden, 'die im Vorjahre schon eine zahlreiche Zuschauerschaft auf den VfB. Sportplatz gelockt hatten und, die zusammen mit den vorzüglichen athletischen Leistungen einen Einblick in die vielseitige, körperliche und waffentechnische Erziehung der heutigen Reichswehrsoldaten boten.
Kurze Sporinoiizen.
Norddeutscher Fußballmeister ist der Hamburger SV. geworden, der im entscheidenden Spiel in Hamburg vor 18 000 Zuschauern Holstein Kiel mit 4:2 (2:1) schlug. Alle vier Tore für den HSV. schoß WoUers.
Berlins Vertreter für die Deutsche Fußballmeisterschaft heißen wieder Hertha/BSC. und Tennis-Borussia.
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Brandenburg gewann in Köln vor 7000 Zuschauern das Endspiel um den Hockey-Silber- schild mit 2:1 (Halbzeit 2:1) Treffern.
In der Angelegenheit Vitau — La° dournöaue ist wegen der angeblichen Geldforde- rungen Ladoumögues zur Teilnahme am Frankfurter Hallensportfest nunmehr ein Urteil gefällt worden. Der allein schuldige Manager Vitau ist von allen Sportplätzen verwiesen und aus der sranzösi
schen Managerliste gestrichen worden, nachdem sich erwiesen hat, daß Ladoumögue und sein Verein an der Affäre gänzlich unbeteiligt sind — Ladoumögue wird am 10. Mai in Marseille nicht mit Dr. Peltzer Zusammentreffen, da er in dieser Zeit unabkömmlich ist. Dr. Peltzer hat daraufhin ebenfalls auf den Stnrt in der südfranzösischen Hafenstadt verzichtet.
Im Zwischenrundenspiel um die Deutsche Rugbymeisterschaft schlug in Berlin der SC. 80 Franksnrt die Berliner Tennis-Borussia mit 10:0. Frankfurt 80 und Odin Hannover tragen nun am 3. Mai in Heidelberg das Meisterschafts-Schlußspiel aus.
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Otto Nerz, der Reichstrainer des Deutschen Fußball-Bundes, ist im Auslande sehr gesucht Im Sommer wird er in der Schweiz einen Kursus für Lehrer abhalten und im Frühjahr 1932 in Philadelphia an der dortigen Hochschule Vorlesungen über Association-Fußball halten
Große (Straffammer Gießen.
* Gießen, 24. April. Im August vorigen Jahres hatte im Cas^ Leib eine politische Versammlung stattgefunden. Da der Saal vollkommen beseht war, hatte der leitende Polizeikommissar angeordnet, daß niemand mehr in den Saal hineingelassen werden dürfe. Ein junger Mann von Gießen fühlte sich benachteiligt, weil ein anderer durch die Toilette hindurch noch in den Versammlungsraum gelangte, während er von einem Polizeibeamten zurückgewiesen worden war. Da er »meinte, der andere sei im Einverständnis mit dem Beamten in den Saal hineingekommen. beschwerte er sich bei dem Kommissar. Obwohl ihm dieser in durchaus ruhiger und sachlicher Weise Bescheid gab. den ohne Wissen der Beamten in den Saal sich eingeschlichenen Mann überdies aus diesem entfernen ließ, schrie und skandalierte der Beschwerdeführer derart, daß er mit Gewalt entfernt werden mußte. Er wurde wegen Ruhestörung angezeigt. Bei seiner Vernehmung übergab er ein Schriftstück, in dem er den Polizeibeamten „Frechheit" und „Gemeinheit" vorwarf. Diese Beleidigungen hielt er wiederholt aufrecht. Das Amtsgericht verurteilte ihn deswegen zu fünf Tagen Gefängnis
Nur mit Rücksicht aus seine Jugend und fettfcrfge Hnbestraftheit erkannte das Berufungsgericht auf eine Geldstrafe.
Broipreis Erhöhungen.
Mainz, 26. April. (WSN.) Die Bäcker und Brotfabriken geben bekannt, daß sie infolge der steigenden Mehlpreise gezwungen ftnb, ab Montag den Preis für das zwelpfündige Mischbrot erste Sorte um 2 Pf. auf 48 Pf. und für das zweipfündige Mischbrot zweite Sorte und Roggenbrot um 3 Pf. auf 43 zu erhöhen.
Dillenburg, 25. April. (WSN.) Eine Versammlung der Bäckerzwangsinnung für den Dillkreis hat beschlossen, den Preis für das Dreipfund-Brot von 65 auf 68 Pf. und für das Dierpfund-Brot von 70 auf 75 Pf. zu erhöhen. Die Innung sah sich zu dieser Maßnahme infolge der neuerdings erfolgten Verteuerung der Mehlpreise veranlaßt.
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Oberbeffen.
Gemeinderai in Grünberg.
+ Grünberg, 23. April. 3iV bec letzten Gemeinderatssihung wurde u. a. folgendes verhandelt:
Die Erhebung eines Zuschlagszur Wanderlager st euer seitens der Gemeinde, wie dies laut Gesetz vom 25. März d. I. zulässig ist, wurde in Höhe von 100 Prozent des staatlichen Steuersatzes (in Gemeinden bis 3000 Seelen 160 Mark) beschlossen. Begründet wurde dieser Beschluß mit dem Schutze des heimischen Gewerbes.
Hm die vorbereitenden Arbeiten für ein Schwimmbad zu leisten, wurde die Einsetzung einer Kommission beschlossen, die außer den Mitgliedern der Daudeputation den Direktor der Oberrealschule, den Rektor der Volksschule, sowie die Vorsitzenden von Turnverein, Eisverein und Zweigverein des VHE. umfassen soll.
Weiter beschäftigte man sich mit der Anschaffung einer Klein-Motorspritze, deren Preis bei einer 600—800-Literleistuna pro Minute sich auf etwa 4100 Mark stellt. Während einerseits durch Rabatt eine Ermäßigung eintritt, kommen anderseits die Kosten für eine elektrische Lichtanlage. *otoie 100 Meter Schläuche hinzu, so daß rund 4000 Mark nötig sind. Al- sichere Zuschüsse zu den Kosten stehen in Aussicht der Betrag von der Brandversicherungskammer mit 1700 Mark, von der Dezirkssparkasse mit 1000 Mark, und vom Vvrschußverein mit ‘ 300 Mark, so daß die Stadt etwa 1000 Mark aufzulringen hätte, die dem Mobiliar-Erneuerungsfonds entnommen werden sollen. Die Anschaffung einer Motorspritze von der Firma M a g i r u s in Hlm wurde beschlossen.
Die Ablehnung eines Daugesuches an der Höfentränke durch das Hochbauamt und die von diesem Amt geforderte Aufhebung der dortigen Baufluchtlinie an der unteren Dis- marckstraße gab zu einer längeren Aussprache Anlaß. Allgemein ist man gegen die Aufhebung, da dann die Provinz die Führung der Autostraße an dieser Stelle und weiter durch den fiskalischen Schloßgarten planen würde, deren Herstellung der Stadt schwere finanzielle Opfer auferlegen wurde. Die Aufhebung der Baufluchtlinie wurde daher abgelehnt.
Eine längere Aussprache löste auch die Frage der Rückerstattung der Straßenher- stellungskosten in der Theo-Kochstraße aus. Das abgeänderte Ortsbaustatut besagt, daß in neu hergerichteten Straßen die 'Anlieger die Herstellung der Kanalisation tragen sollen, über etwaige Zuschüsse der Gemeinde beschließt der Gemeinderat. Während seither, sowie bei alten Straßen, die Kosten des Hauptstranges von der Stadt getragen wurden und die Anlieger nur
Das SchiMa«
spricht das I«A« Wort
Roman von I. Schneider-Foerstl.
Hrheber-Dechtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der kleine Tempel trug einen so fröhlichen architektonischen Stil, daß man eher versucht war, ihn für eine Vergnügungsstätte der Lebendigen als eine Ruhestätte der Toten zu halten. Hier nun lagen alle die Lippstädter vereint und störten einander nicht mehr. Es schliefen allda: die beiden Grafen Eduard und Rainer, die Richard Löwenherz auf seinem Siegeszug begleitet und den Tod in den Fluten der Donau gesunden hatten, die schöne Sigurd, die Viktors Hrgroßvoter sich aus dem Nordischen geholt und die in der Blüte ihrer achtzehn Jahre mit dem ersten Kind ihr Leben geopfert hatte. Hier lag auch die Mutter, die Viktor als kaum Vierzehnjähriger verloren hatte.
Sein Fuß hatte einen Stein gelodert, der nun ein Stück den Hang hinabkollerte und unten gegen einen Marmorsockel stieß. Der alte Lipp- städt schob das Gezweig zur Seite und nickte dem Sohne zu. „Das ist das Müßigste, was man tun kann: Zu grübeln, was sein könnte, wenn ..."
Er sprach nicht zu Ende und setzte sich auf die Dank, die unter den Weiden stand.
Viktor nahm neben ihm Platz und hielt die Arme zwischen den Knien. „Hast du nie mehr etwas von Mutters Verwandten gehört?"
„Dv meinst von deinem Großvater?" „3a!"
„Nichts mehr! Nein!" Der alte Lippstädt schluckte, als habe er etwas Bitteres hinabzuwürgen. „Der Kerl! Er wird wohl wissen warum! 3ch schick ihm seine Tochter nach 3ava, Weill er nimmer und nimmer zu betteln aufgehört hat und er gibt sie mir als Tote zurück."
„Er konnte doch nichts dafür, Vater!"
„Dafür nicht, nein! Aber, daß er das Kind behalten wollte, deine Schwester. Der Narr! Er hat wohl geglaubt, er könnte sich mit seinen Millionen mein Fleisch und Blut von mir erlaufen. Ha! Lassen wir s! Das ist gewesen! Ist gewesen, mein Junge!" Hnd dann in verbissener Wut: „Der hat mir's natürlich gegönnt, daß die Kleine der Mutter so rasch in den Tod gefolgt ist. Der Schuft! Hnd gespart hat er auch noch dabei! Er hat nur einen Sarg von Java herüber zu transportieren gebraucht."
„Vater, wie kannst du so ungerecht sein!"
„Din ich das? — Na, warte nur, Junge, wenn du einmal Kinder hast und es kommt einer und
hat die Frechheit, zu sagen: ,Gib mir eins davon, ich zahl' dir 'ne Million oder zwei, so viel du willst, ich hab's ja!‘ Dann machst du's wie ich: Nimmst eine Peitsche und haust den Kerl zum Teufel. Ich hab's bis heute nicht bereut und wenn's zum Sterben geht, dann fahr ich lieber in die Hölle, als daß ich dem Mulatten das verzeihe!"
„Vielleicht hat er's gut gemeint", suchte Viktor zu beschwichtigen.
Der alte Lippstädt lachte grimmig auf: „Du hast ihn nicht gekannt! Der rnacht's wie der Satan und kapert dir, bis du dich umschaust, die eigne Seele weg. Ich hätt's gerne, wenn deine Schwester jetzt neben mir herginge. Sie würde zwanzig sein und wohl auch schön, wie die Mutter. Aber ehe ich sie dem stiernackigen Kaffeekrämer gegeben hätte, lieber weiß ich sie in den Armen ihrer Mutter tot. drunten bei den andern, denen nichts wehe tut."
Viktor sprach kein Wort mehr entgegen. Der Vater hatte recht. Dlut gehörte zu Dlut. Ein Schuft, der es verschachert.
Er schob zum Zeichen innerster Zusammengehörigkeit seine Hand in die seines Vaters und ließ sie darin ruhen. Den Kopf zurückgeneigt, ließ er das Mondlicht durch die geschlossenen Lider rinnen. So sah er nicht, wie ihn der Vater aufmerksam betrachtete.
Hundertmal schon hatte der alte Graf sich gefragt, wie der Junge zu diesem Gesicht gekommen war. Lippstädtisch war es nicht. Noch weniger glich es dem der Mutter. Es zeigte einen ausgesprochen südländischen Typ. ®ie Wangen waren schmal umrissen, die Schläfen sachte eingebuchtet. Waren die Augen blau wie die Nacht? Oder waren sie schwarz wie Wasser, das aus unergründlichen Tiefen schimmert? Wer vermochte das zu sagen? Sichelförmig lagen die Dräuen darüber. Nur der Mund — der stand in Trotz und Weichheit geschwungen. Der, aber auch nur der war Lippstädtisch.
Den Sohn auf die vorgeneigte Schulter klopfend, erhob sich der alte Graf. „Geh n wir schlafen, Viktor. Ich glaub, 's gibt ein Gewitter heute Nacht. Mich reißt's in allen Knochen." Da er keine Antwort bekam, faßte er nach Viktors Händen und zog ihn hoch. „Wenn's sie tief fitzt, mein Junge, dann nimm in Gottes Namen Helm und Säbel und fahr zu ihrer Mutter und bitte um 3a und Segen. Mehr als hinauswerfen kann sie dich nicht!"
Viktor seufzte und hob sich langsam empor. „Ein Hauptrnannsgehcllt reicht schließlich auch für zwei."
»Für drei, wenn es sein muß", tröstete der Alte und räusperte sich. „Lassen wir's genug sein für beut’. Der Lex geistert schon wieder zwischen den Däumen. So ein tollet Kauz! Meint wahr
scheinlich, ich könnt' mich einmal an einem Lindenast ausknüpfen!"
„Solche Gedanken trägst du, Vater?" Aus jedem Worte Viktors schrie die Angst.
„Na. Spaß macht mir das Leben, so wie es ist, gerade nicht mehr! Aber aufhängen? Nee! Sorg dich nicht, Viktvrchen. Don den Lippstadtern ist zwar nicht jeder in einem Federbett gestorben, aber aufgehängt hat sich noch keiner." Er lachte verstohlen, denn Lex verschwand foebert hinter den Platanen
Gleich darauf klappten auch die Flügel des Portals zusammen. Viktor drehte den Schlüssel und stieß ben schweren Riegel vor. Zehn Minuten später erlöschte das letzte Licht auf Langenbach.
Die Frösche quakten unermüdlich weiter und die weißen 'Blüten der Rhododendron schimmerten aus dem Dlattwerk, das sie umschloffen hielt.
Die Erde atmete nichts als Frieden.
* * *
Hedwig Dloem traf so umfangreiche Vorbereitungen für die Weltreise ihres jüngsten Sohnes, daß dieser aus dem Staunen nicht mehr herauskam. „Wo soll ich denn das alles unterbringen, Mama? 3n drei Koffern Drei Schränke muh ich wohl haben."
Er bückte sich nach der Seidenwäsche, die in diskreten Farben über Bett und Diwan aus- gebreitet lag. Man mußte unbedingt mit Lutz sprechen. So viel Gepäck war hemmender Ballast. Schließlich bekam man all das Zeug, um das die Mama jetzt so besorgt war, in jeder Stadt, an jedem einigermaßen größeren Fleck der Erde und brauchte es nicht erst von Wien mit durch die halbe Welt zu schleppen.
Wenn Thomson sich auch mit so viel unnützem Kram belastete, konnte man ein Warenhaus damit eröffnen.
Heberhaupt Thomson. Thom hatte das Gefühl, als wolle Lutz ihm diesen gleichsam als Amme mitgeben. Allein wäre es amüsanter gewesen. Frau Hedwigs Kopf fuhr hoch, als er sie mit der Frage überraschte: „Sag. Mutter, warum heiratet Lutz eigentlich nicht?"
„Er ist doch erst achtundzwanzig, Thom!"
„Erst?" Die Füße gekreuzt, sah er auf der Seitenlehne des Toilettesessels und spielte mit der Troddel des seidenen Pyjamas, der auf der Rückenlehne hing. „Evelin ist doch nun auch schon heiratsfähig, nicht?"
„Gott, Thom, du machst mich nervös!" Sie legte zerstreut ein sorgsam gebündeltes Dutzend Taschentücher zwischen ein paar grob genagelter Stiefel, die für Bergpartien berechnet waren. „Sprich bitte nicht derlei vor Evelin. Sie denkt noch nicht daran!"
„Dummes, kleines Muttel!" Er ließ die Troddel fallen und umfing die schlanke Gestalt der Mutter. „Weißt nicht einmal, wie verliebt deine Tochter ift!“
„Thom! — Die Evelin?" Hinter der erschrockenen Frau kollerte ein Stapel Hemden zu Boden. „Sag, Thom!"
„Natürlich, Mutter, wer denn sonst? Lutz hat erst gemeint, ich sollte schweigen. Aber nun hat er wohl eingesehen, daß es besser ist, wenn du darum weißt. Heute früh hat er befohlen — es gibt Tage, an denen er überhaupt nur befiehlt — du wirst Mama aufklären, daß Evelin mit dem Grafen Lippstädt ein Verhältnis hat."
Weiter kam Thorn nicht. Er hatte gerade noch Zeit, der Mutter einen Stuhl zuzuschieben. „Ich bitte dich Mama! 3n diesem Alter läßt sich doch jedes junge Mädchen den Hof machen. Du wirst sie doch nicht einbalsamieren wollen, bis sie eine alte 3ungfer ist."
Frau Hedwig hatte sich wieder gefaßt und strich sich über das erblaßte Gesicht. „Du hast dich getäuscht!"
„Aber warum soll ich mich denn getäuscht haben, Mama? 3ch hege ja gewiß auch keinerlei Sympathie für diesen Mann mit dem Flimmergesicht und der Arroganz, als ob seine Vorfahren römische Kaiser gewesen wären. Aber das ändert doch nichts an der Tatsache und darauf kommt es ja schließlich auch gar nicht an. Wenn Evelin justament in diese Gattung Mann verschossen ist, was willst du dann machen?"
„Thom, diese Sprache!" bat die Kommerzienräten entsetzt.
Er wurde verlegen und bückte sich nach den Wäschestücken, die noch immer auf dem Teppich lagen. „Entschuldige, Mama, wenn ich mich etwas burschikos ausgedrückt habe. Vielleicht imponiert es dir, einen Grafen zum Schwiegersohn zu bekommen. Vielleicht ..
„Du schweigst!" Zwei erschrockene Augenpaare wandten sich beim Klang dieser Stimme nach der Tür, an deren Schwelle Lutz' hohe Gestalt auftauchte. Er sah verärgert auf den Bruder unb dann mit einem leichten Anflug von Sarkasmus nach der Mutter hin. 3n seiner Stimme war keinerlei Erregung mehr, als er nun sagte: „Aus- landpaß und Schiffskarte sind heute für dich eingetroffen, Thom. Du kannst also ab morgen reifen. Laß mich nun für eine Viertelstunde mit Mama allein! Ja, bitte?"
„Sofort!" Thom war zwar nicht erfreut darüber, so auf Befehl verschwinden zu müssen. Aber Serenissimus war ungnädig. Da war weder im Scherz noch im Trotz etwas mit ihm zu machen. Gehorsam drückte er die Türe hinter sich zu.
„Warum in aller Welt hat Mama so etwa- wie Furcht vor Lutz, etwa Demütiges, wenn sie mit ihm spricht, gar nicht als ob er ihr Kind, eher als ob er ihr Gebieter wäre?"
(Fortsetzung folgt)


