Nr. 97 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesfen)
Montag, 27. April 1931
Der Geburtstag Roms.
Ein Festtag der Arbeit. - Das Freizeitwerk. — Oer Wettlauf um die Million. Oie faschistische Aushebung.
Don unserem v. O.-Derichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Rom, April 1931.
Rom wurde am 21. April, geht man nach Te- rentius Darro, 2684 Jahre alt. Ein betagtes Haupt, dieses „caput mundi“. Cs hat einiges erlebt, seit der mit Wolfsmilch großgezogene Sohn des Kriegsgottes die älmrisse Roms mit einem Pflug in das Erdreich zeichnete.
Die Gründung Roms wurde als Erinnerungs- tag der Schuljugend schon vor der faschistischen Herrschaft begangen, Mussolini erst hat den Geburtstag der ewigen Stadt mit neuem Inhalt erfüllt, und jetzt ist er ein amtlicher Feiertag für ganz Italien. Zu einem Geburtstag gehören sich Geschenke: so werden am 21. April stets zahlreiche öffentliche Arbeiten ein- geweiht, die seit dem 28. Oktober, dem Jahrestag des Marsches auf Rom, der ebenfalls zu einer Art Cröfsnungstermin geworden ist, fertiggestellt werden konnten. Je nach der Bedeutung der Geburtstagsgeschenke, die für die Ration bestimmt sind, erfolgt die ilebergabe mit mehr oder weniger großer Feierlichkeit und Aufwand an Galauniformen, wehenden Fahnen und ähnlichen Dingen mehr. In den letzten Tagen vor der Einweihung wird schnell noch die letzte Hand an die neuen Gebäude, Straßen oder Brücken gelegt, damit alles zu der meist mit viel Geschick ausgezogenen Zeremonie fertig ist — oder wenigstens so aussieht. Rom erhielt diesmal wieder einige neue Schulen, eine sehr nützliche Straße, ein großes Gefallenendenkmal auf dem Friedhof und für die Provinz u. a. einige Sanitätsstationen. Je mehr Italien seine Rückstände an solchen öffentlichen Einrichtungen aufholt, desto weniger vielseitig wird sein Geburtstagstisch ausgestattet. Durch die Zusammenlegung vieler privater, kommunaler und staatlicher Eröffnungsfeiern auf einen Tag werden die Ergebnisse des Arbeitsjahres aber in besonders wirksamer Weise zur Schau gestellt.
Wozu das klingende Spiel, hat so mancher gefragt: andere Staaten leisten und bauen doch auch alles mögliche, ohne von ihren Werken so viel Aufhebens zu machen. — Man muh aber anerkennen, daß die Liebhabereien der Böller verschieden sind und daß die Faschisten sich sehr wohl auf die Berechnung bestimmter Wirkungen verstehen. Sicher verliert außerdem ein Feiertag, der bloß Erinnerungstag ist, bei der breiten Masse an Bedeutung, je mehr Jahre seit seinem Anlaß verstreichen. Das Prinzip, solchen Erinnerungstagen einen sichtbaren Inhalt zu geben, ist also entschieden klug. Menschlich ist es aber, wenn hier und da ein Festredner, der in irgend einer Provinz einen neuen Hain einweiht, Töne anschlägt, daß man glauben möchte, sein Patenkind sei ein rauschender Wald. Rach und nach sind übrigens die Reden und Manifeste bei solchen Anlässen immer mehr eingeschränkt und dem Fest der Arbeit, das mit dem Geburtstag Roms zusammenfällt, ein möglichst schlichter Charakter verliehen worden.
Die „festa del lavoro“ erhielt in diesem Jahr eine programmatische Bedeutung durch eine Kundgebung, die das Zentrale Korporativkomitee, die Spihenorganisation der nach Produktionszweigen gegliederten italienischen Volkswirtschaft, dem König darbrachte, als Beweis der „Einigkeit, mit der die Italiener von heute ohne silnterschied der Klassen und des Besitzes, der Kategorien und Löhne in seinem Rainen und nach den Befehlen des Duce dem großen Ziel entgegenmarschieren". Während die Welt von Krisen beherrscht wird, will das italienische Volk zeigen, daß es durch „seine vorbildliche Ordnung und Einigkeit"' alle Schwierigkeiten überwinden kann. Seit dem letzten Fest der Arbeit ist nämlich der Llebergang von der sogenannten shndikalen (horizontalen) zu der korporativen (vertikalen) Gliederung, d. h. die Zusammen- fassungder Arbeitgeber und der Ar« beitnehmer gleicher Zweige, in die
Wege geleitet worden. Mussolini hat ausdrücklich erklärt, daß es für ihn nur zwei Möglichkeiten gibt: Bolschewismus oder Korporativismus „tertium non datur".
Für die Arbeitnehmer wurden an ihrem Festtag von den Verbänden des „Dopolavoro" Ausflüge und sonstige Belustigungen veranstaltet, die den 21. April in angenehmer Erinnerung erhalten werden. Das „Dopolavoro" — am besten mit Freizeitwerk zu bezeichnen — ist diejenige Organisation des Faschismus, die in verhältnismäßig kurzer Zeit die tiefsten Wurzeln in der breiten Schicht der Arbeiter und Angestellten geschlagen hat. Von der Fortbildung, der geistigen und körperlichen Ertüchtigung, verschiedenen Arten von Beistand ausgehend, erstreckt sie sich allmählich auf alle Gebiete des Lebens und hat entschieden schon viel zur Hebung des Niveaus und zur üeberbrüdung der Klassenunterschiede beigetragen. Das Dopölavoro widmet sich auch dem Zisl, allen Arbeitern die Schönheiten und historisch bedeutsamen Stätten der Heimat näherzubringen und die äsinterschiede zwischen Rord und Süd, West und Ost immer mehr zu verwischen. Der Geburtstag Roms eignet sich natürlich besonders zu Betrachtungen über die Größe des Vaterlandes, und so wird auch hier das 2In* genehme mit dem Rützlichen verbunden.
Im Sinne des Mussolinischen Richtsatzes, die Kraft der Ration liegt in ihrer Devölkerungszahl, hatte der 21. April diesmal auch die Antwort auf die Frage zu geben: „W ieviele sind wir denn eigentlich?" Das Statistische Amt hat die Bevölkerung Italiens zum Ende des Jahres 1930 auf 41 923 000 geschäht, die 7. allgemeine Volks- zäHlung, l)ie gleichzeitig eine Berufszählung ist, soll nun genaue Unterlagen liefern. Seit Tagen wurde durch die Presse, durch Rundfunk und gewöhnliche Vorträge auf die Bedeutung dieses Ereignisses hingewiesen und das Land mit einer wahren Flut von Fragebogen überschwemmt. Damit niemand sich scheut, seine sozialen Verhältnisse zu enthüllen und nur ja alle Rubriken ausfüllt, steht auf den Formularen deutlich zu lesen: „Jeder fiskalische Zweck ist von der Zählung ausgeschlossen. Die gesammelten Daten sind durch das schärfste Dienstgeheimnis geschützt und werden nur in ihrer Gesamtheit bekanntgegeben." Andererseits weih jeder, daß er für lückenhafte Beantwortung der Fragen mit 2000 Lire gestraft werden kann.
Die Bevölkerungszählung wird ergeben, welche Stadt Italiens in dem Wettlauf um die erste Million Einwohner am meisten Aussichten hat. Bisher marschiert R e a p e l mit rund 991 368 Bewohnern an der Spitze. An zweiter Stelle kommt Mailand mit 981 090 und dann erst Rom mit 958 100 Seelen. Dafür hat Rom im letzten Jahr den stärksten Zuwachs mit rund 43 000 aufzuweisen, während Mailand sich nur um 16 000 und Neapel um 15 700 vermehrt hat. Allq drei Städte möchten die Million im Laufe des Kalenderjahres erreichen. Wer wird Sieger?
Die Königliche Akademie von Italien ehrte den Geburtstag Roms durch die Verteilung von einer Reihe von Preisen an Personen, die sich auf dem Gebiet der Wissenschaft und der Kunst der Jahrtausende alten ileberfieferung Roms besonders würdig gezeigt haben. Der Festakt fand in Gegenwart des Königspaares auf dem Kapitol statt. Die Gesamtsumme der Preise betrug etwa eine Million Lire, konnte sich als Geburtstagsgeschenk also sehen lassen.
Der Kontinuität Roms wurde aber wieder durch die sogenannte faschistische Aushebung am sinnbildlichsten Ausdruck verliehen, weil die „Ieva fascista" ein Ehrentag der Jugend ist. Die Aushebung, diesmal ist es die fünfte seit der Gründung der faschistischen Iu- gendveroände, besteht in dem Aufrücken der jungen Schwarzhemden in die nächste Rangstufe. Die faschistische Jugend ist nämlich in drei Kategorien gegliedert: die „Balilla" umfaßt die Knaben vom 8. bis zum 14. Jahre, die „A van-
Gießener Gtadttheater.
Gast Piel des Mainzer Stadttheaters: „D e toten Augen" von d'Albert.
Unter den Opern Eugen d' A l b e r t s sind besonders „Tiefland" und „Die totenAugen" zu einem festen Bestandteil unserer Opernspielpläne geworden. Dem letzteren Werke hat die in ihm versinnbildlichte Idee zu seinem Erfolge verhalf en.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die schöne, aber blinde Griechin Myrtocle, die Gattin des äußerlich mißgestalteten Arcesius. Da dieser ihr mit inniger, edelmütiger Liebe begegnet, glaubt sie, aus dem edlen Menschentum des Arcesius auf einen auch äußerlich schön gestalteten Menschen schließen zu müssen, und hat darum keinen sehnlicheren Wunsch, als ihr gesundes Augenlicht zu besitzen, um ihren Gatten in jener göttlichen Schönheit zu sehen, so wie sie ihn sich erträumt hat. Als der Heiland sie von ihrem Leiden befreit hat, vermeint sie in dem schöngewachsenen Freunde ihres Gatten, dem Aurelius Galba, der in stiller Liebe zu ihr entbrannt ist, Arcesius zu erkennen und umarmt ihm Ihren Mann aber erblickt sie, wie er, einem wilden Tiere gleich, den Galba aus Eifersucht erwürgt. Als sie den wahren Sachverhalt erfährt, beraubt sie sich des Augenlichtes, um dem Idealbild von Arcesius, das sie als Blinde in sich getragen hat, weiterhin leben zu können.
Dieses Geschehen wird dadurch ganz besonders bedeutungsvoll, daß die ethische Anschauung der römischen Welt mit dcr Einstellung des Christentums in Gegensatz tritt. Myrtoc^s Urteil von ihrem Gatten: „Güte und Schönheit sind eins. Kein Mensch ist auf der Welt so gut wie du: so muht du auch der schönste sein unter allen Menschen", erweist sich als ein Trugschluß. Maria von Magdala berichtigt sie: „Richt an den Augen hängt des Lebens Glück. Du wuht verzichten auf dein eigen Glück": sie sieht die höchste Pflicht des Menschen in der Erfüllung der Rächstenliebe. Der vermeintliche Wert, den Myrtocle dem Augenlicht beimißt, soll nach den Worten des Herrn zu einem Unwert für sie werden. Als sie
das Unheil, das chr das Augenlicht gebracht hat. in seiner vollen Größe erkennt, wird die Ethik des Christentums zum Vorsatz für ihr weiteres Handeln. Ja, ihr Mitleid geht so weit, daß sie ihrem Gatten gegenüber, dessen wahres Aeußeres sie ja mit Entsetzen gesehen hat. ableugnet, ihn mit ihren Augen erkannt zu haben.
Daß es den Verfassern des Textbuches. H. H. Ewers und Marc Henry, daran gelegen hat, den Sicg christlicher Anschauungen zu zeigen, das beweist die Einrahmung des Operngeschehens durch das symbolische Bild vom guten Hirten. An dieser Tatsache ist man bei der Beurteilung des Librettos selbst bei der Uraufführung in Dresden (1916) vorüber gegangen, indem man das Vorspiel fortließ. Ebenso hat man an anderer Stelle versucht, das Erwürgen des Galba durch Arcesius dadurch zu mildern, daß sich Galba durch die Flucht seinem Gegner entzog: denn man glaubte, es nicht mit der weiteren Haltung der Myrtocle vereinbaren zu können, daß sie einem Mörder zuliebe ihr Augenlicht opferte. Aber im Gegenteil, gerade dadurch, daß sie selbst einem Mörder dieses Opfer zu bringen imstande ist, steigt sie in der sittlichen Bewertung. Desgleichen hat man die Erscheinung des Wunderarztes Kte- siphar als überflüssig, ja als lächerlich hinstellen wollen. Aber ist nicht sein Auftreten unbedingt notwendig, um die Tatsache zu erhärten, daß nach menschlichem Ermessen der Myrtocle keine Hilfe mehr zu bringen möglich war? Umsomehr konnte sich nach diesem Tiefstände der Hoffnung auf Gesundung die innere wandelnde Kraft des Heilungswunders bezeugen.
d'Alberts Musck führt die Grundidee zu eindrucksvoller Auswirkung. Gewiß ist d'Albert in seinem Schaffen Eklektiker: persönliche Momente des Stiles wird man bei ihm wohl nur selten antreffen, um so mehr aber weiß er jeder Wendung in der Handlung geredjt zu werden, für jede Situation die ihr zustehende musikalische Fassung treffend zu finden. Wenn man den Eindruck, den man vor 15 Jahren gelegentlich der ersten Aufführungen dieses Werkä haben konnte, mit dem heutigen vergleicht, so erscheint manches Ungewohnte von damals heute als selbstverständlich: feine melodischen Wendungen erweisen
guardia" ist für die 15- bis 18jährigen vorgesehen und mündet in die faschistischen Jugend» stoßtrupps, die als Zwischenstufe zwischen Avan» guardia und Miliz eingeschoben wurden, um der Partei einen reiferen Zuwachs zu sichern. Bisher wurde der Avanguardist direkt in die Miliz und damit schon mit 19 Jahren in die Partei aufgenommen. Am 31. März d. I. zählte die Balilla 647 398 und die Avanguardia 215 095 Knaben. Von der Balilla rücken diesmal etwa 110 000 in die Avanguardia, und von den Avanguardisti etwa 90 000 in die Jugendstoßtrupps auf, es ist also eine große Bewegung mit Paraden und Umzügen. Fahnenschwenken und Gesang. Bei der Vereidigung wird der Uebergang in die nächste Kategorie in symbolischer Weise vorgenommen.
Auf einem Podium tritt, weit sichtbar, vor versammelter Front je ein Stvßtruppler, ein Avanguardist und ein Balilla an und überreichen sich die Wahrzeichen ihrer künftigen Uniform. Der Avanguardist erhält von dem Sloßtruppler das Halstuch in den Farben Roms und gibt dafür seine weißen Achselschnüre an den Balilla weiter, durch gegenseitige Umarmung wird dann die Aufnahme besiegelt, während alles in die Giovinezza. die Hymne des Faschismus, einstimmt.
Rom ist wieder um ein Jahr älter, und uner- forschlich ist das Schicksal des nächsten: aber die Menschen, die hier im Zeichen der ewigen Stadt und na-sionaler Einheit um ihre Zukunft kämpfen, vertrauen weiter auf ihre Gröhe.
S.Jl.-'fpoit
Fußball der Gießener Mannschaften.
Auf den Gießener Spielfeldern herrschte am Sonntag nicht allzu lebhafter Betrieb. Auf dem BfB.-Platz war es sehr still, auf dem 1900er-Platz trafen sich verschiedene Mannschaften. Auf dem Trieb standen sich am Bormittag die Liqareserve des VfB. und die 1. Mannschaft des FC. Daubringen gegenüber. Das Spiel, das die Hiesigen nicht in besonderer Form sah, konnten die Gießener mit 4:0 gewinnen. Das Ehrentor hätten die Gäste auf jeden Fall verdient. Die VfB.-Ligareserve ist nunmehr Meister der 1. Gauklasse.
Mit einer durch das Wetter bedingten Verspätung begann das Spiel der 1. Mannschaft der Spieloer- etnigung 1900 gegen die 1. Mannschaft des Sportvereins 06 Alsfeld. Nach einem spannenden Treffen verloren die Blau-Weißen mit 2:1 und bereiteten damit ihren Anhängern eine schwere Enttäuschung.
Die 1. Jugend spielte gegen die 1. Jugend des Sportvereins Alsfeld wenig ansprechend und erzwang lediglich ein Unentschieden 2:2.
Süddeutsche Fußballmeisterschaft.
Runde der Meister.
Mit dem 4:2-Sieg, den die SpVg. Fürth vor 15000 Zuschauern gegen den SV. Waldhof errang, haben die Fürther ihren Vorsprung vor' ihren Rivalen im Rennen um die süddeutsche Meisterschaft vergrößert. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Fürth damit auch der süddeutsche Meistertitel zufallen. Eintracht Frankfurt muhte in München gegen Bayern München vor 25 000 Zuschauern eine nicht verdiente 2:1-Riederlage einftecken, wodurch sich die Bayern auf den
zweiten Platz verschieben konnten. Im dritten Meisterschaftstrefsen des Sonntags gab ei die große sileberraschung, daß Wormatia Worms Llnivn Böckingen in Böckingen mit 5:0 abfertigte.
Trostrunde Rordwest.
Rach der Niederlage, die sich Phönix Ludwigshafen am Samstag bei Rot-Weih Frankfurt mit 2:1 holte, ereilte auch den VfL. Neu-Isen- burg das gleiche Schicksal: er wurde von der Niederräder Union mit 4:0 (2:0) empfindlich geschlagen. Zur endgültigen Feststellung des Gruppensiegers Nordwest wäre nun ein Entscheidungsspiel erforderlich. Nach einer Stuttgarter Meldung soll sich aber der Derbands- spielausschuh dazu entschlossen haben, den Vertreter zum Entscheidungsspiel gegen den Sieger der Trostrunde Südost, München 60, wegen der Terminnot zu ernennen. Voraussichtlich soll Neu- Isenburg zum entscheidenden ®ang_ bereits am kommenden Sonntag, 3. Mai, in München gegen 1860 antreten. — In Idar siegte der FC. überraschend hoch übet den FV. Saarbrücken mit 5:2 (2:0) Toren.
Fußball in Hessen-Hannover.
Die Ausbeute an Fußballspielen war auch am Sonntag in Hessen-Hannover recht mager. Besondere Erwähnung verdienen lediglich die Spiele in Kassel um die „Stadtmeisterschaft". Die Kurhessen fertigten die Hermannen hoch mit 7:3 ab, während Hessen 09 über Sport Kassel erst nach Kampf mit 4:2 die Oberhand behielt. Die Fuldaer Borussen weilten zu einem Freundschaftsspiel in Göttingen bei 05 und hatten Mühe, mit 2:1 siegreich zu bleiben.
Unentschieden in Amsterdam
Fußballkampf Holland —Deutschland 1:1 (1:0).
Der Fußball-Länderkampf gegen Holland hat dem Deutschen Fußball-Bund ein besseres Ergebnis gebracht, als man auf Grund der schwachen deutschen Mannschaftsaufstellung erwartete. Gegen die sehr starke, sorgfältig ausgewählte und vorbereitete holländische Nationalmannschaft, die kürzlich noch Belgien schlagen konnte, erzielte die mit sehr gemischten Gefühlen in diesen Kampf entlassene deutsche Elf ein durchaus ehrenvolles silnentschieden von 1:1. Man muh zugeben, dah ein besseres Ergebnis für die Deutschen nicht verdient gewesen wäre, denn die Niederländer waren ihnen durchaus ebenbürtig und im Spielverlauf hatten sie sogar ein leichtes Plus. Sie waren schneller als ihr Gegner und griffen meist auch zügiger und entschlossener an. Man darf auch sagen,
daß Deutschland mit einem anderen Tormann als Kreh die Partie glatt verloren hatte.
Als er in Der 30. Minute der ersten Halbzeit doch einmal geschlagen wurde, da hatte Tap aus einem für Kreh unübersichtlichen Gedränge geschossen. Llebrigens war dieses Führungstor der Holländer auch verdient, denn sie hatten in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel. Zu Beginn der zweiten Halbzeit drängte Deutschland, dann
wurde der Kampf ausgeglichener und gegen Schluß lag Holland wieder mehr im Angriff. Schlösser erzielte den Ausgleich. Die 6000 deutschen Schlachtenbummler unter den 32 000 Zuschauern freuten sich sehr, sie jubelten auch schon, als Lachner wenig später ein zweites Tor schoß, aber die Freude war verfrüht, der Schiedsrichter erkannte auf
„Abseitstor".
Die deutsche Mannschaft in dieser Aufstellung hat uns also nicht enttäuscht. Es gab natürlich Schwächen. So vor allem im Sturm, wo die rechte Seite recht schwach war und wo eigentlich nur Richard Hofmann genügte. Sehr nett spielte die Läuferreihe, deren bester Mann der unermüdliche Schaffer Knöpfle war und auch die Verteidigung ging an. Sie hatte allerdings auch in Kreh einen Mann hinter sich, der heute wahrscheinlich einer der besten Torhüter der Welt ist.
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Am Vorabend des Länderspieles Holland gegen Deutschland fand am Samstag vor 6000 Zuschauern bei sehr schlechtem Wetter auf dem Ajaxplatze ein Städtespiel Amsterdam — Duisburg statt. Die Holländer siegten durch ihren Rieseneifer 4:2.
sich auch heute noch als unverbraucht und durchaus eingängig beim Hörer. Die Klänge, die er dem Räigiös-Ethischen gibt, sind würdig und von innerer Weihe getragen, wie in der Erscheinung des guten Hiv.en und in der Szene der Maria von Magdala. Wo das Reinrr.enschliche duvchbricht, da verfolgt er alle Stadien der Leidenschaft, von tiefster Zerknirschung und Verzweiflung bis zum höchsten Jubel. Die Massenszenen geben sich mit beweglicher Lebendigkeit. Den höchsten Affert charakterisiert er mit dem gesprochenen Wort; einem Kunstmittel, zu dem er auch später bei den Chören in der „Revolutionshochzeit" greift. Das Orchester läßt er mit seinen Zwischenspielen das Geschehen auf der Bühne in weitestgehendem Maße ref.ertic.en; er unterstreicht die Handlung mit wuchtigen K.angaczeniien, v^r tag aaer ebenso in der un- begleiteten M.od.e (Vor Piel) Einidrmg i>ches zu sagen.
Die musikalisch sehr reich bedachte Partie der Myrtocle fand durch Hanna Gorina eine Verkörperung, die man nahezu als ideal bezeichnen könnte. Ihr überaus gleichmäßig durchgebildetes und sehr klangschönes Organ folgte willig jeder Regung des Affesies mit starkem rnufifalifdjem Empfinden. Ihre Gestaltung der Myrtocle kennzeichneten menschliche Wärme und blutvolles inneres Erleben: groß in der hingebungsvollen Liebe: innerlich wahr in jeder Situation, in tiefster Verzweiflung, in höchster Beglückung, in aufopferungsvoller Ergebenheit. Herbert Hesse stand ihr ebenbürtig als Arcesius zur Seite. Obwohl der Text den Arcesius nicht so reichlich charakterisiert wie die Gestalt der Myrtocle, erfüllte er ihn dennoch mit dramatischer Kraft und tiefer Tragik. Mit ergiebigen klangvollen Stimmmitteln gab er überzeugende Kündung seiner innerlichen Größe: in Spiel und Gebärde verlieh er seiner Rolle ausgeprägte Verkörperung. — Galba soll als römischer Ritter der sehenden Myrtocle wie ein junger Apoll erscheinen. Hans Brandt ließ in seiner äußeren Haltung das an Lebensnahe vermissen, was seine Gegenspieler Myrtocle und Arcesius restlos erfüllten. Zumal bei ihm gilt es, Schwächen des Textbuches auszugleichen. Sein anzuerkennendes gesangliches Können reichte nicht hin, die darstellerischen Mängel völlig übersehen zu lassen. Meta Liebermann war eine ergebungsvoll auf
das Wohl ihrer Herrin bedachte Arsinoe; musikalisch, gesanglich und darstellerisch war ihre Leistung ausgeglichen. Würdevoll, erfüllt von ihrer hohen Mission, gab sich Luise Strauß als Maria von Magdala. Die vier jüdischen Frauen waren charakteristisch; Anny Rieder als Ruth verdient besondere Erwähnung. Eine groteske Figur war Paul Berger als Ktesiphar. Hermann H e i l m a n n als stimmbegabter Hirt, August Stier als Schnitter verstärkten die symbolische Bedeutung des Vorspiels. Die Massenszenen waren organisch durchges altet; der Chor gab seinem Anteil die rechte Geltung.
Adolf Kienzl weckte die Partitur zu klanglichem Leben bei seiner Differenzierung und wirksamem Unterstreichen der dramatischen Höhepunkte, treff ch in seiner Stabführung unterstützt durch die bewährten Kräfte des Orchesters. Die Inszenierung leitete P. W e i ß l e d c r. Bühnenbilder (Karl Löff- l e r) und nicht zuletzt die Beleuchtung (Ludwig Keim) halfen mit an dcr einheitlichen Auswir ung des Wer.es. Dr. H.
Sockscbulnackrichten
Es sind folgende Ernennungen erfolgt: Dem ort). Professor Dr. Herbert Koch von der Uniluusität ^Leipzig ist unter Ernennung zum ordentlichen Pros.ssor in der philosophischen Fakultät der Universität Halle der Lehrstuhl der klassischen Archäologie als Nachfolger von Professor G. Karo übertragen worden. In der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster wurde der nicht- beamtete außerordentliche Professor Dr. Peter T i s ch l e d e r zum ordentlichen Professor der Moraltheologie als Nachfolger des verstorbenen Prälats Jos. Mausbach ernannt. Dem bisherigen Privatdozenten Dr. Walker Holtzmann in Berlin ist das Ordinariat der mittleren und neueren Geschichte in Halle an Stelle von Professor Robert Holtzmann übertragen worden.
Zur Wiederbesetzung des durch den Tod von Prof. Peham an der Universität Wien erledigten Lehrstuhls für Geburtshilfe und Gynäkologie, verbunden mit der Leitung der ersten Frauenklinik, ist ein Ruf an Prof. Dr. G. A. Wagner, Direktor der Charite-Frauenklinik, in Berlin ergangen.


