Ausgabe 
27.3.1931
 
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einen gewissen Protektionismus nidjt auskom- men. Der Tendenz der Vorlage könne die Wirb- schaftspartei zustimmen, aber nicht dem Ar­tikel 3 über den Dcrbraucherschuh. Die Handelsspanne habe sich in der letzten Zeit schon wesentlich gesenkt. Die Vorwürfe ge­gen den Zwischenhandel würden ver­stummen, wenn einmal objektiv die Fülle der steuerlichen und sonstigen La - st e n festgestellt würde, die auf dem Klein­handel und Gewerbe ruht.

Abg. Herbert (BDP.) begrüFt die Vorlage, weil sie auch der bäuerlichen Verede'.ungswirt- schaft den dringendst notwendigen Schutz bringen könne. Der gewaltige Unterschied zwischen Er­zeuger- und Verbraucherpreisen müsse ausgegli­chen werden.

Abg. Dr. Drees (Ztr.) tritt für den Kom» promißontrag zum Artikel 3 der Vorlage ein. Der Verbraucherschutz sei auch aus psychologi­schen Gründen notwendig, ohne das; dadurch der Schutz der Produzenten zu leiden brauche.

Die Schluhabstimmung ergibt die Annahme des Zollermächtigungsgesetzes mit 285 gegen 82 Stimmen der Wirtschaftspartei und der Kom­munisten.

Das Osthilfegesetz.

Cs folgen die Abstimmungen zum O st h i l f e - gesetz, Siedlungs- und Industriebankgesetz, die nach Ablehnung kommunistischer Aenderungs- anträge in dritter Beratung mit 309 gegen 65 kommunistische Stimmen angenommen werden.

Auf Antrag des Steuerausschusses wird dann nach kurzer Aussprache eine Entschließung angenommen, in der die Regierung ersucht wird, die durch die bei der Durchführung der Tabak st euer für das Tabakgewerbe im weiteren Sinne vorge­sehenen Entschädigungen fick ergebenden Härten zu prüfen und auszugleichen.

Oie Vertagung.

Nach Erledigung von Petitionen ist d i e T a g e s- ordnung erschöpft. Präsident Lobe unter­breitet dein Reichstag den Vorschlag des Aeltesten- rates, e Vertagung bis zum 13.Oktober zu beschließen.

Abg. T o r g l es (Kom.) erklärt, diese lange Ver­tagung bedeute die völlige Ausschaltung des Reichstages und die Bankrotterklärung des par­lamentarischen Systems. Der Redner beantragt, die nächste Sitzung am 14. April abzuhalten und auf die Tagesordnung zu setzen die Reichsratseinsprüche gegen Gefrierfleischkontingent, die Bestimmung des

1. Mai zum gesetzlichen Feiertag und die Aufhebung des §218.

Abg. Esser (Zentr.), der von den Kommunisten mit Lärm empfangen wird, lehnt den kommunisti­schen Antrag ab. Der Reichstag habe in diesen letz­ten Wochen ein gewaltiges Maß von Arbeit ge­leistet. Wenn er setzt eine längere Pause eintreten läßt, so geschehe cs, um das parlamentarisch-demo­kratische System zu retten. (Lärm bei den Kommu­nisten.)

Präsident Lobe weist darauf hin, daß auch in der Sommerpause d i e Reichstagsarbeit nicht ruht, sondern daß die Ausschüsse noch viele Arbeit zu leisten haben. Die Mehr­heit sei überdies jederzeit in der Lage, auch vor dem festgesetzten Termin die Einberufung des Reichstages zu erreichen.

Der kommunistische Antrag wird gegen die An­tragsteller abgelehnt und die'vom Aeltestenrat var- geschlaaene Vertagung bis zum 13.Oktober be­schlossen.

Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) richtet dann als ältestes Mitglied des Hauses herzliche Dankesworte an den R e i ch s t a g s p r ä s i d e n t e n Löhe, der die erfolgreiche parlamentarische Arbeit der letz­ten Monate durch seine vorbildliche, pflichttreue Leitung der Verhandlungen erst ermöglicl;t habe. (Lebhafter Beifall.)

Reichstagspräsident Lobe dehnt diesen Dank aus die übrigen Mitglieder des Vorstandes aus und schließt dann die letzte Sitzung vor der Sommer­pause.

Gegen die Erhöhung des Einkommensteuerzuschlags.

Preußen wird nir den Einspruch des Reichsrais stimmen

B e r l i n, 27. März. (ERB.) Wie dieGermania" erfährt, hat das preußische Staatsmini­sterium beschlossen, die preußischen Stimmen im Reichsrat für den Einspruch gegen die Verdoppelung des Einkommensteuer- zu schlag es für Einkommen über 20 000 Mark abgeben zu lassen. Es kann nunmehr mit Sicherheit erwartet werden, daß der Einspruch eine Mehrheit findet und dementsprechend die Ver» doppelung des Zuschlages nicht Gesetz werden wird. Gegen die Verdoppelung der sogenannten Tan­tieme st e u c r werde die preußische Regierung nicht Einspruch erheben. Infolgedessen sei es hier zum mindesten sehr fraglich, ob ein Einspruch des Reichsrats zustande kommen wird.

Oie Beisetzung Hermann Müllers.

Oie Trauerfeier.

Berlin, 26. März. (WTB.) Das äußere Bild der Beichshauptstadt steht heute im Zeichen der Beisetzung des ehemaligen Reichskanzlers Hermann Müller. Auf allen öffentlichen Gebäuden sind die schwarz-rot-goldenen und die schwarz-weißen Fahnen halbstock gesetzt. Vom Brandenburger Tor wehen fünf riesige schwarze Fahnen. Auch zahlreiche Privathäuser zeigen Fahnen auf halbmast. Schon lange, bevor die Trauerfeier begann, hatten sich auf den Stra­ßen, durch die der Trauerzug führt, namentlich am Delltz-Alliance-Plah und in der Linden­straße, große Zuschauermengen eingefunden, die dem Toten die letzte Ehre erweisen wollen. Auf dem Ehrenhof des Parteigebäudes ist der Sarg in einem Meer von Blumen aufgestellt. Zahlreiche Freunde Hermann Müllers, atle füh­renden Mitglieder der Sozialdemokratischen Par­tei und eine Reihe führender Sozialisten des Auslandes haben sich eingefunden.

Rach den feierlichen Klängen der Prometheus- Ouvertüre trat Otto Wels an den Sarg, um als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Par­tei Deutschlands dem toten Freunde einen letzten Gruß zu widmen. Er habe den Glauben an die Freiheit gehabt, und nur dieser Glaube be­fähigte ihn, die gewaltige Arbeit der letzten Monate noch zu leisten, während ihm der Tod schon die Hand aus die Schulter gelegt hatte. Hermann Müller schied von uns in einer Zeit, in der wir ihn am notwendigsten brauchen. Er war ein Mann mit einem Kämpferherzen, wie es nur wenige gegeben hat. Hermann Müller hat in den letzten zwölf Zähren fast immer nur dort gestanden, wo es Verantwortung zu tragen gab. Das kann nur ein Mann, der weih, wofür er kämpft. Er war ein Idealist und ein Optimist. Er selbst trat hinter der Aufgabe zurück. Licht und lauter blieb immer fein persön­licher Schild. Sturm und Rot drückten ihm das Steuer nur fester in die Hand. Ein treuer Ekkehard, kämpfte er für die hehren Ideale der neuen Menschheit. Otto Wels schloß:Wir haben die Kraft und die Begeisterung, fein Werk fort» zusehen. Die Zeit fordert Männer voll Klugheit und mit Verantwortungsbewuhtsein. Der Freund ist von uns gegangen, der Kämpfer ohne Furcht und Tadel, der Kampfgefährte bleibt uns, solange der Geist seiner Persönlichkeit in uns lebt And das soll immer sein."

Rach teilnehmenden Worten des früheren bel­gischen Außenministers Emil Dandervelde, des Vertreters der Internationale, und dem Trauermarsch aus der Götterdämmerung, wurde der Sarg zum Leichenwagen getragen. Unter den Klängen der Trauermusik setzte sich der Zug in Bewegung. Dem Wagen folgten die Ange- hörigen des Verstorbenen, seine politischen Freunde, eine Abteiluirg Reichsbanner, und die zwanzig Berliner Kreise der Sozialdemokratischen Partei.

Vor der Reichskanzlei.

Gegen 18 Uhr näherte sich der Trauerzug der Reichskanzlei. Zu beiden Seiten der Wilhelm- straße hatte eine dichte Menschenmenge Aufstellung genommen, um dem toten Staatsmann den letzten Gruß zu entbieten. Im Vorgarten des Reichskanz- lerhaufes hatten sich inzwischen das Diploma­tische Korps, Reichskanzler Dr. Brüning mit sämtlichen Mitgliedern der Reichsregierung, Staatssekretär Dr. Meißner, die preußische Ctaatsregierung, die Vertreter der Länder, die Ab­geordneten des Reichstags, die Beamtenschafl der Reichskanzlei unter Führung von Staatssekretär Dr. Pünder und zahlreiche Vertreter der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden eingefunden. An der Reichskanzlei, der einstmaligen Wirkungsstätte Hermann Müllers, hielt der Trauerzug für wenige Minuten. Reichskanzler Dr. Brüning trat an den Sarg heran und legte mit folgenden Worten einen Kranz nieder:

3m Namen der Reichsregierung lege ich diesen Kran; an der Bahre Hermann Müllers an der Ställe nieder, an welcher er zum Besten von Reich und Volk selbstlos und treu gewirkt hat. Dieser letzte Gruß gilt dem Mann, dessen hinscheiden unser Volk tief und schmerzlich be­trauert, dessen Andenken es aber in Dankbar­keit in Ehren halten wird."

Sodann legten Staatssekretär Dr. Meißner im Namen des Reichspräsidenten und Staatssekretär Dr. W e i s m a n n namens des Reichsrats einen Kranz am Sarge nieder. Nun fetzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung. In den Zug ordneten sich ein das Diplomatische Korps, die Reichsregierung und die übrigen Versammelten, ferner unter Führung des Staatssekretärs Dr. von Bülow die Direktoren des Auswärtigen Amtes und eine Vertretung der gesamten Beamtenschaft des Auswärtigen Amtes. Während der Vorbeifahrt des Leichenwagens vor dem Palais des Reichspräsi­denten trat der Herr Reichspräsident auf die Freitreppe, um dem Toten feinen letzten Gruß zu entbieten.

Vor dem Reichstag.

Auf der großen Freitreppe des Reichstagsge­bäudes hatten zahlreiche Abgeordnete aller Frak­tionen Aufstellung genommen. Am Fuß der Frei­treppe und auf ihren Stufen standen Kopf an Kopf die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei­vereine mit ihren Fahnen. Reichstagspräsident L ö b e, der mit Reichskanzler Dr. Brüning und den beiden Vizepräsidenten des Reichstags und dem Staatssekretär Dr. Meißner, sowie Mitglie­dern des Reichskabinetts und des diplomatischen Korps auf der Freitreppe erschienen war, sprach dann: Auf seiner letzten Fahrt bringt der Deut­sche Reichstag seinem verstorbenen Mitglieds an der Stätte seines Wirkens den schmerzlichen Ab­schiedsgruß. Dich, Hermann Müller, grüßen die Freunde, die mit dir gestritten, und danken dir für die starke Hilfe, die du ihnen im Kampfe ge­geben. Dir danken die Mitarbeiter aus den ver­schiedenen Lagern, die deinen Rat und deine Tä­tigkeit schätzten, weil sie wußten, daß sie dem Dienste der Allgemeinheit gewidmet waren. Dir danken die Achtbaren unter den Gegnern, mit denen du die Klinge gekreuzt, weil sie nicht daran zweifelten, daß Redlichkeit und Ehrlichkeit der Leitstern deines Wirkens waren. Von dem Tage an, da du als junger Mann zum erstenmal dieses Haus betratest, über all die Iahre, in denen dis Arbeit dich in ihm vergrub oft vom frühen Morgen bis zum späten Abend bis zu dem Augenblick, wo du die letzte Kraft hingegeben, war das Wohl des Volkes dein einziges Ziel. Mögen kommende Zeiten deine Mühen um das deutsche Volk lohnen und deinem Ramen, wo er auch genannt wird, Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Oie Einäscherung.

Der Abschied, den die Bevölkerung des nördlichen Berlins, durch das sich der Trauerzug nach dem Krematorium zog, von ihrem Parteifreunde nahm, hinterließ bei allen Beteiligten einen tiefen Eindruck. Zehntausende standen hinter dem Ehrenspalier des Reichsbanners, und besonders in der Nähe des Kre­matoriums harrte die Bevölkerung Kopf an Kopf. Hunderte umflorte Gau- und Bezirksfahnen senkten sich vor dem Sarge. Auf dem Friedhöfe bil­dete eine Ehrenkompanie mit brennenden Fackeln Spalier. Das Krematorium war mit einem großen Reichsadler geschmückt. Nach einem Adagio von Co- relli widmete Reichstagsabgeordneter Dr. Breit- scheid dem toten Freunde herzliche Worte des Abschieds. Unter den Klängen eines Adagios von Mozart glitt der Sarg in die Tiefe begleitet von dumpfem Trommelwirbel des Reichsbanners.

Vertagung des Hessischen Landtags.

Oie Kinderzulagen.

WHP. Darmstadt, 26. März. Der Landtag beriet Anträge der Koalitionsparteien, Kin- derzulagen für Kinder vom 16. bis 21. Le­bensjahre in Höhe der Reichssähe wieder zu gewähren, die im Vorjahre gestrichen worden waren. Im Ausschuß hat die Regierung bean­tragt, den Beamten ab 1. Februar 1931 für jedes eheliche Kind bis zum vollendeten 16. Iahre einen Kinderzuschlag von monatlich 20 Mark zu gewähren. Wenn seither höhere Beträge gezahlt wurden, 6leibt cs dabei.

Abg. Dr. Leuchtgens (Lbd.): Wir fordern im Interesse der Gesunderhaltung unserer Finan­zen, daß der Landtag seinen vorjährigen Beschluß, der einige hunderttausend Mark erspart, aufrechterhält und nicht dem Pro­pagandabedürfnis einzelner Abgeordneter nach­gibt.

Abg. Dr. Keller (DV.) erklärt, die DVP. stehe konsequent auf dem Standpunkt, daß Hessen seine Beamten nicht schlechter stellt als das Reich und die übrigen Länder. Diesem Standpunkt hat sich die Regierung im Ausschuß im wesentlichen angeschlossen.

Abg. Hammann (Komm.) lehnt den Koa­litionsantrag ab. Die KPD. stimmt dem Zusatz­antrag Sturmfels (Soz.) zu, Zuschläge nur an Beamte mit einem Gehalt b i s zu 50 0 0 Mark zu gewähren.

Abg. Axt (VRP.) fordert, der Landtag müsse das vorjährige Anrecht wieder gutmachen.

Abg. H e i n st a d t (Z.) seht sich für die Aus­schußbeschlüsse ein, da zur Zeil aus finanziellen Gründen der volksparteiliche Antrag undurch­führbar sei.

Abg. Reiber (Stp.) weist die Vorwürfe des Landbundes zurück, die Personalausgaben seien ins Unerträgliche gestiegen. Die Staffelung der Deamtenbezüge ist auf der Grundlage aufgebaut worden, daß erst der verheiratete Beamte mit zwei Kindern den vollen Gegenwert seiner Ar­beit erhält. Die Kinderzuschläge sind also ein Teil des berechtigten Gehalts.

Das Plenum stimmt den Ausschuhanträgen unter Ablehnung der Airträge der Deutschen Dolkspartei und des Abg. Sturmfels zu.

Ohne wesentliche Debatte verabschiedet das Haus mehrere Vorlagen und Anträge, wie Feier des Reformativnsfestes in Hes­sen (wozu die Regierung eine zusagende Ant­wort erteilte).

Strafverfahren gegen Abgeordnete.

Zwei Anträge der Staatsanwaltschaft auf Durchführung von Ermittlungsverfahren gegen den Abg. Dr. Werner (RS.) wegen Beleidi­gung der Reichsfarben und gegen den Abg. Stef f an (S.) wegen einer angeblichen Erpres­sung an einer Geschäftsfrau in Frankfurt a. M. werden im Falle Werner abgelehnt, im FalleStessangenehmigt. Ein dritter staatsanwaltschaftlicher Antrag auf Strafverfol­gung des Abg. Stesfan (S.) wegen Auf­reizung und ©efangenenbefreiung löst eine lebhafte Debatte aus. Der Ausschuß hat die Strafverfolgung mit 7:4 Stimmen abgelehnt.

Das Plenum lehnt die Strafverfolgung mit 25 Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten, De­mokraten und mehrerer Zentrumsabgeordneten: gegen 23 Stimmen ebenfalls ab.

Gegen die Kommunisten wird der nationalsozia­listische Antrag auf Maßnahmen gegen die Ver­schandelung der Landschaft durch Pla­kate usw. angenommen.

Abg. Späth und Abg. W e s p (beide Zentr.) verteidigen ihre Anträge, Doppelverdiener durch arbeitslose Arbeiter und Angestellte zu ersetzen und entsprechende Maßnahmen bei der Reichsregie, rung zu beantragen. Abg. Roß (Soz.) erklärt, der Antrag renne offene Türen ein. Der Antrag wird für erledigt erklärt.

Um die Abgeordnetendiäten.

Der Präsident beantragt Herabsetzung der Aufwandsentschädigung der Abgeord­neten entsprechend der Beamtengehaltskürzung auf 140, 190 und 235 Mark je nach Wohnort und für Ausschußfitzungen an plenarfreien Tagen auf 9 dzw. 11 Mark, womit Hessen den niedrigsten Satz aller vergleichbaren Parlamente behalten würde. Anträge des Abg. Werner (Rats.) fordern 5 0 - pr ozentige Kürzung de r^ZWi t e n. Den gleichen Antrag stellen die Abg. Böhm und Heräus (Dntl.) mit dem Zusatz auf Entzug der Freifahrtart c. Die Anträge finden nur die Stimmen der Antragsteller. Auch der Landbund­antrag, die Diäten um 20 Prozent zu kürzen, wird abgelehnt. Darauf zieht Abg. Kaul (Soz.) die Unterschrift unter dem Antrag des Landtagspräsi- benten zurück, womit die Vorlage gefallen ist. Der Redner wirft dem Landbund vor, durch seinen Agitationsantrag die ganze Frage über den Hau­fen geworfen zu haben. Die Abg. Glaser und Dr. Leuchtgens (Lbd.) weisen diesen Vorwurf zurück. Die Koalition treibe hier doppeltes Spiel. Abg. Reiber (Dem.) erklärt, daß dem Landbund die Schuld an dem Scheitern des Sparantrages des Präsidenten trotz aller gegenteiliger Beteuerungen treffe. Es bleibt bei den bisherigen Sätzen. Gegen denverbeanch ausiändlscherWaren

Anschließend begründen die deutschnationalen Abgeordneten Frau Heräus und Böhm ihren Antrag, Maßnahmen zur Einschrän­kung des Verbrauches ausländischer Waren zu ergreifen und auch auf die Reichs­regierung entsprechend einzuwirken.

Minister Korell erklärte dazu, daß er mit der Tendenz, insbesondere auf Schuh der landwirtschaftlichen Veredelungs- Produkte durchaus einverstanden sei. Es wäre jedoch besser gewesen, wenn die Deutschnationalen im Reichstag Verschlechterungen der landwirt­schaftlichen Zölle durch ihre Rückkehr zu den Ab­stimmungen vermieden hätten. Die hessische Regierung werde nach wie vor für die Auf­klärung des Publikums über die Güte der heimischen Erzeugnisse und deren gesteigerten Konsum im Interesse der heimischen Produzenten fortsahren.

Gegen 16 Uhr vertagt s i ch der Landtag auf den 14. April. An diesem Tage sollen die E t a t - Beratungen beginnen.

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Der TU tallarbeiierverband wegen Taris- bruchs zu Schadenersatz verurteilt.

Die von der Rordwestgruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller gegen den Deutschen Metallarbeiterverband vor dem Ber­liner Arbeitsgericht angestrengte Klage um die Auslegung des Oeynhauser Schieds­spruchs wurde dahin entschieden, daß der be­klagte Verband für schadenersatzpflichtig erkannt wurde. Der Schiedsspruch enthielt nicht mehr die sogenannte Severingr-Klausel, nach der die geltenden Akkordlöhne grundsätzlich nicht her­abgesetzt werden dürsten. Eine Essener Eisen- firma kündigte ihren Arbeitern die Akkorde und Löhne. Die Arbeiter verließen daraushin die Betriebe. Die Mitglieder des Deutschen Metall- arbeitervcrbandes erhielten von dem Verband Unter ft ütjung und die Anweisung, unter keinen Umständen weder die Arbeit wieder auf­zunehmen, noch neue Vereinbarungen anzuneh- men. Durch diese Sperre entstand der Essener Firma ein Schaden, den sie auf 100 000 Mark bezifferte, die an den klagenden Verein cediert und vorläufig in Höhe von 7000 Mark ein­geklagt wurden. Der Arbeitnehmerverband wurde wegen Tarifbruches und Verletzung der Friedenspslicht für den entstande- nenSchaden verantwortlich gemacht. Das Urteil wurde dahin gefällt, daß der Klage­anspruch gerechtfertigt sei und der Deutsche Metallarbeiterverband für jeden aus der ver­hängten Sperre und der Verletzung der Friedens­pflicht entstandenen Schaden aufzukommen habe.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 27. März 1931.

Hinaus ins Leben!

Wieder ist ein Schuljahr dahingegangen. Uns Eltern und Erwachsenen ging es viel zu schnell, unfern Kindern dagegen erschien die Schulzeit wie eine Ewigkeit. Sie konnten es kaum erwarten, bis sie endlich befreit würden vom Zwang der Schule. Das Lernen hört jetzt auf, nun winkt die Freiheit, das lockende Leben. So denken unsere Jungen und Mädchen, die in diesen Tagen aus der Schule ent­lassen werden.

Draußen sproßt das erste Grün, die Frühlings­sänger schmettern ihre frohen Lieder, überall zeigt sich neues Leben. Auch im Herzen der Kinder, die sich nun loslösen vom schützenden Elternhaus und die ersten Schritte hinaus in das Leben tun wollen.

Und die Eltern? Schwer, unendlich schwer lastet die Gegenwart auf uns. Was fall aus unfern Kin­dern werden? Kann man in die Zukunft blicken? Nein! Das können und dürfen wir den jungen Men­schenkindern nicht antun, daß wir.ihnen schon jetzt alle Hoffnung rauben. Die Jugend muß froh in die Zukunft schauen. Gerade die Hoffnung ist cs ja, die uns auch die dunkelsten Tage erhellt. Wer die Hoffnung auf bessere Zeiten aufgibt, der gibt sich selber auf.

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für unsere Kinder. Wie wird sich ihre Fahrt gestalten? Schwere Gedanken ziehen an uns vorüber. Es wird wohl vor- kommen, daß die jungen Menschen nicht wissen, welchen Weg sie einschlagen sollen. Wie oft werden sie sich fragen: Soll ich's tun ober soll ich's lasten? lind wohl chnen, wenn sie fragen: Ist es recht, was

ich tue? Der heiße Wunsch steigt in unferm Herzen auf: Wenn sie in ihrer 9lot nur zu uns komm.n, wenn sie sich zuriickfinden ins Elternhaus! Hier haben sie immer Schutz und liebevolle Aufnahme. Aber wie viele Kinder glauben, sobald sie das erste Geld verdient haben, nun brauchten sie keinen Vater und keine Mutter mehr um Rat zu fragen. Zu spät wird dieser größte Irrtum erkannt.

Das soll nicht heißen, daß wir unsere Kinder be­ständig ermahnen und führen müssen. Das nicht! Sie sollen schon ihre eigenen Wege gehen, aber nicht den Rat und die Meintmg der Eltgrn zurückw .,en. Gar oft wird es so sein, daß Eltern und Kmder ganz verschiedene Ansichten haben. Das eine aber steht fest: Nach bestem Wissen und in treuester Sorge um ihre Kinder werden Vater und Mutter in allen Lebenslagen helfen und fördern wollen.

Der Tag der Schulentlassung ist für uns Eltern kein Freudentag. Es ist schon so, daß uns der Tag, an dem unsere Kinder zum erstenmal in die Schule pilgerten, viel froher und hoffnungsvoller erschien. Lag es daran, daß wir wußten und fühlten: Hier in der Schule wird unsere Erziehungsarbeit unter­stützt, hier finden die Kinder Hilfe und Rat, hier werden sie für den Lebenskampf vorbereitet? Nun sind die Jahre vergangen. Im Laufe der Zeit wurde immer einmal davon gesprochen, was der Junge ober bas Mädchen nach der Schulentlassung werben sollten. Aber gilt bas noch heute?

Die Ungunst ber Zeiten darf uns aber die Stunbe, die wir mit unfern Kindern feiern, nicht verbittern. Unsere Kinder freuen sich, bas ist ganz natürlich, unb wir wollen uns mit ihnen freuen und ihr Glück und ihre Hoffnung teilen. Zeigen müssen wir ihnen durch unser Verhalten, daß wir noch an bessere Tage glauben. Lassen wir die Hoffnung nicht sinken! Wenn wir unsere Kinder vor uns sehen, müssen wir ja an die Zukunft glauben. Sollen sie denn ähnliche Zeiten, wie Kriegs- und Entwertungsjahre, durch­leben? Das kann nicht fein. Aber mutlos, tatenlos zusehen und nur jammern, das dürfen wir nicht.

Die erste Zeit der frohen Kindheit ist für die jungen Menschen dahin, cs beginnt nun bie Arbeit. Aber nicht nur die Arbeit allein. Zeigen wir den Kindern auch dies, daß im Leben neben der Arbeit die Freude, die wahre Freude, sehr oft entscheidend ist. Die Freude am Beruf, die Freude am Schönen. Sei es eine Wanderung, ein Besuch in einer Ausstellung, das Lesen eines guten Buches ober frohe Geselligkeit, bas bleibt sich gleich. Wer seine Pflicht gewissenhaft erfüllt, seine Arbeit treu tut, dem bleiben auch Stunden, in denen er sich freuen kann. ,,Es gibt doch viel Freuden in unfers lieben Herrgotts feiner Welt! Nur muß man sich aufs Suchen ver- stehen sie finden sich gewiß unb bas Kleine nicht verschmähen. Wie viele Freuben werben zer­treten, weil die Menschen meist nur in die Höhe gucken und was zu ihren Füßen liegt, nicht achten." (Frau Aja. Goethes Mutter.)

Hoffnung ist wie ein schillernder, bunter Schmet­terling, der manchmal in kalter Frühlingsnacht er­starrt und erst wieder von ber Sonne erweckt werben muß. Die Freube aber ist wie bie Sonne selbst: Leben spcndendl Freube nährt unb gibt neue Kraft zu immer besserem Wirken.

Die Zukunft becket

» Schmerzen unb Glücke schrittweis dem Blicke; doch ungeschrecket dringen wir vorwärts!

(Goethe.)