beharrlichen Weigerung eines seiner Ratsmitglieder, den vorgelegten Bericht anzunehmen, gegenüber. Die dafür von Dr. Curtius angekündigten Argumente müsse er als durchschlagend anerkennen. Dr. Curtius habe nicht nur als Ratspräsident die Pflicht zur ständigen Anwesenheit im Völkerbundsrat und zu umfangreichen Verhandlungen mit dem Generalsekretär gehabt, sondern er habe auch an den Beratungen des Europakomitees teilnehmen müssen. Außerdem treffe aber wenigstens ein Teil der Schuld auch die polnische Regierung. Deshalb könne er, Henderson, auch die Erklärung des französischen Vertreters, daß ausreichend Zeit zur Prüfung des Berichts gewesen sei, nicht an- erkennen. Er selbst, der nicht die Pflichten eines Ratspräsidenten zu erfüllen hatte, sei gleichfalls nicht in der Lage gewesen, sich davon zu überzeugen, ob alle Aufklärungen schon soweit vorliegen, daß der Völkerbundsrat in der Lage sei, diese Angelegenheit von seiner Tagesordnung abzusetzen. Henderson beantragte seinerseits die Vertagung, die nunmehr widerspruchslos angenommen wurde.
Zst das Vriands letztes Wort?
Der Außenminister will demissionieren.
Paris, 25. Mai. (CAD.) Außenminister Briand hat gestern früh Paris verlassen, um bis Mittwoch auf seinem Landsitz zu bleiben. Am Samstag hat er mit dem neugewählten Präsidenten der Republik Paul Doumer bei einem gemeinsamen Freunde gespeist. Dieser soll Briand darauf hingewiesen haben, daß die Versailler Wahl kein politisches Votum gewesen sei, und daß die Kammer stets mit überwiegender Mehrheit Driands Außenpolitik gebilligt habe, so daß für ihn kein Grund vorliege, den Quai d'Orsay zu verlassen. Auch Ministerpräsident Laval hat Vriand zu beeinflussen versucht, sein Portefeuille zu behalten. Vriand soll jedoch sich nichthabenüberzeugenlassen und zur Begründung angegeben haben, tne Regierungsmehrheit stimme wohl öffentlich für ihn, bei Geheimabstimmungen aber gegen ihn und führe außerdem eine heftige Kampagne gegen ihn. Seine Würde gebiete ihm, zu demissionieren. Briands Umgebung glaubt, daß dies sein letztes Wort sei/
Chequers.
Warnung vor übertriebenen Hoffnungen.
London, 25. Mai. (TU.) Angesichts der heran- nahenden Konferenz von Chequers glaubt „O b s e r- Der" die deutsche Oeffentlichkeit vor übertriebenen Hoffnungen warnen zu müssen. Es wäre für England gänzlich zwecklos, etwa die deutsch-englischen Beziehungen auf Kosten der englisch-franzö- fischen verbessern zu wollen. England müsse lediglich auf die Wiederher st ellung des Friedens in Europa hinarbeiten. Wenn die Schwierigkeiten beider Länder in Chequers besprochen würden, und die deutschen Minister hierbei die R e p a - rationsfrage aufwerfen sollten, so könnten sie zwar erwarten, daß man ihnen, mit Sympathie zusehen werde, aber sie müßten mit der Antwort rechnen, daß eine internationale Angelegenheit auch international geregelt werden müßt^ und daß eine Uebereilung ihrerseits der G i p - fel der Unklugheit wäre.
Was bringt die Notverordnung?
Die Vorarbeiten sollen abgeschlossen sein.
Berlin, 24. Mai (TU.) Der demokratische „Berliner Börsen-Courier'^ schreibt über die neue Not- vLrordnung u. a.: Die umfangreichen Vorarbeiten der zuständigen Ressorts sind so gut wie abge- -schlossen. Die neue Notverordnung baut u. a. a u f der Sparermächtigung auf und wird Sine ganze Reihe von Abstrichen an den ein- zelnen Etats bringen, dabei auch den Wehrhaushalt nicht verschonen. An diesem Haushalt sollen rund 50 Millionen eingespart werden. Das Kernstück der neuen Einnahmerechnung dürfte entweder eine etwa 4prozentige neue Kürzung der Beamtengehälter oder eine sogenannte Beschäftigungssteuer wer- den, die von sicheren Einkommen von einer etwas höberen Grenze aus erhoben werden soll. Von der ursprünglich geplanten Erhöhung der Umsatzsteuer dürfte man absehen, da sie im Widerspruch zu den Bemühungen der Regierung stände,
Oberhessischer Kunstverein.
Moderne Radierungen.
Die zu Pfingsten eröffnete neue Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins ist eine Wanderaus stellung des Vereins für O r i g i n a l r a d i e r u n g e n M ü v ch e n e. V.; es sind hier 19 Künstler mit insgesamt 122 Blättern vertreten. Man sieht überwiegend Radierungen, vereinzelt Holzschnitte, Lithographien, Kupferstiche. Also nur Graphik, nur Schwarz-Weih, kein einziger Farbton, nicht einmal ein Aquarell. Immerhin sind die hier vereinigten Künstler — unter denen sich einige mit anerkanntem Rang und Ramen befinden, wie etwa Dauer und Schin- nerer — stofflich, stilistisch und technisch soweit von- eincrnder verschieden, daß das Gesamtbild nicht eintönig, sondern abwechslungsreich und vielfach anregend erscheint. (Es darf hier gleich darauf hingewiesen werden, daß sämtliche ausgestellten Arbeiten — zu sehr angemessenen Preisen — verkäuflich sind.)
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Im einzelnen: von Anton Marxmüller findet man biblische, landschaftliche und figürliche Motive in meist sehr kleinem Format: wir erwähnen die „Schlafende", die «Ruhe auf der Flucht" und «Deininger Moor". — K. M. Schultheiß erinnert stilistisch gelegentlich an ältere Meister der graphischen Kunst: doch wirkt die Gruppe „Bei der Mahlzeit" eher wie eine Illustration von Uhde. Bemerkenswert erscheinen ferner die Blätter vom verlorenen Sohn und die Caliban-Szene. — Vve llmh interessiert mit seinen Landschaften der malerischen Wirkung wegen („Im März", „Holzbrücke bei Straßburg"). — Ganz auf die Kontrastwirkung von Schwarz und' Weih, von Licht und Schatten gestellt, erscheinen die Landschaften von Johann Thiel: „Raue Alb", „Waldrand", „Im Herbst".
Relly von S e h d l i tz, die technisch etwa von Slevogt Herkommen könnte, ist mit einer „Kreuztragung" und einer „Kreuzabnahme" zu erwähnen. — Peter Trumm, sehr geschlossen in der Komposition, bevorzugt figürliche Gruppen und Massen, z. D. „Schinderhannes", „Die Schlacht", „Rormannische Seeleute", „Was ihr wollt". —
Die Einweihung des Schiageler-Aalivnaidenknals
Düsseldorf, 23. Mai. (WTB.) Unter überaus tarker Beteiligung fand heute nachmittag die eierliche Weihe des S ch l a g e t e r - Naiv n a l - D e n k m a l s auf der Golzheimer Heide tatt, das deutsche Volksgenossen Albert Leo Schla- geter und allen denen schufen, die während der Jahre 1921 bis 1925 Opfer des widerrechtlichen Einmarsches in die Lande am Rhein und Ruhr wurden. Schon am Vormittag setzte der Anmarsch der Verbände und Vereine ein, die mit Fahn- nen und Bannern geschlossen an dieser Feier teilnahmen. Mehr als 25 000 Menschen füllten zu Beginn der Feier die geräumigen Denkmalsanlagen. Erschienen war als Vertreter der Reichsregierung Reichsminister Treviranus und als Vertreter des Reichstages Vizepräsident v. Kardorff: anwesend waren ferner u. a. Reichskanzler a. D. Cuno und die Reichsminister a. D. Jarres und Becker, die dem „Ruhrkampfkabinett" angehörten, sowie Vertreter der Landesregierungen, Provinzen und zahlreicher anderer Behörden. Auch die Angehörigen Schlagetcrs und der übrigen Todesopfer nahmen an der Feier teil.
Nach einem Orchestervortrag leitete der Vorsitzende des Denkmalsausschusses Dr. Schlenker- Düsseldorf die Weihefeier mit einer Ansprache ein, in der er nach einem Dank an den Schöpfer des Denkmals, Prof. H o l z m e i ft e r, darauf hinwies, daß das Denkmal die Erinnerung an die schwerste Zeit der rheinischen Geschichte wachhalten und e i n Ehrenmal für d i e unerschütterliche Treue des ganzenVolkes an Rhein und Ruhr zum Reiche sein soll.
Dce Weiherede hielt der Oberbürgermeister von Duisburg-Hamborn,
2Reid)$mimffer a. O. Or. Jarres.
Er erinnerte an die furchtbaren Leiden der De- sahungszeit und das große nationale Erlebnis der Ruhrkampfzeit und fuhr dann u. a. fort: Wäre Schlageter in einem anderen Lande gefallen, so gefallen, wie er fiel, er wäre zum Heiligen gemacht worden und man hätte ihn gefeiert und gepriesen in allen Schichten und Parteien seines Volkes. Beschämenderweise war es bei uns anders. Zwar ging ein eisiges Entsetzen, ein erschütterndes Grausen durch alle deutschen Lande, als bekannt wurde, daß in der Morgenfrühe des 26. Mai 1923 eine widerrechtlich eingedrungene feindliche Militärmacht mit ausdrücklicher Zustimmung ihrer Heimatregierung gewagt hatte, im Frieden einen Deut- schenauf deutschemDoden standrecht
lich zu füsilieren. Aber dann wurde dieser doch dem ganzen deutschen Volke gehörende Mann in das Parteigezänk gezogen und Gegenstand parteipolitischer Ausbeutung für und wider. Eine häßliche Erinnerung, welche es auch allein verständlich macht, daß erst acht Jahre nach dem Schandtage der Erschießung dieses Denkmal an der Stätte furchtbaren Geschehens fertiggestellt ist. Heute ist dieser Tag endlich gekommen, ein Ehrentag für Düsseldorf, die Rheinlands und das Vaterland. Denn die hier geehrt werden, haben ihrem Vaterlands, ihrem Volke Ehre gemacht. Wir wollen es nicht vertuschen, daß wir stolz darauf sind, derartige bis zum letzten Opfer entschlossene Männer und Frauen in unserer Mitte gehabt zu haben. Albert Leo Schlageter habe Dank, ewigen Dank! Bleibe ein Segen und Beispiel der deutschen Jugend, deren Bester einer du warst in schwerer Zeit! Habt auch ihr Dank, ihr 141, denen dieser Denkstein gilt! Das Kreuz aber sei uns — den Hinterbliebenen — uns — das Schicksal will es so — den Bleibenden im Kampfe um Deutschlands Recht und Leben ein Mahnzeichen, euch gleich zu sein in Treue und Trotz. Deutsches Mißgeschick wandeln wir nur, wenn wir endlich lernen, ein Volk zu sein, so wie es Hindenburg will, das Kleine und Trennende vergessen, einig im Willen, die deutsche Rot zu zwingen.
Für die deutsche Jugend sprach Dr. Peter Derichsweiler, als Mitglied der Studentenverbindung Falkenstein-Freiburg, der Schlageter während seiner Studentenzeit in Freiburg angehört hatte. Zum Schluß der Feier sprach Reichskanzler a. D. Dr. Cuno, der das Reichskanzler- amt zur Zeit des Ruhreinbruches innehatte. Er betonte: Bei der gerechten Abwehr des rechtlosen militärischen Angriffs auf ein friedliches Volk wurde an dieser Stelle der deutsche Soldat und Offizier Albert Leo Schlageter, dem sein Leben nichts, sein Vaterland alles war, auf Grund eines Fehlspruches unzuständiger Richter von französischen Kugeln hingerichtet. Er starb als Held, betrauert von seiner Ratton. Ein ewiges Wahrzeichen für ihn und für die andern, die in der Abwehr an Ruhr und Rhein ihr Leben ließen, ragt dieses Kreuz über Die Lande und richtet an alle Deutschen die tiefernste Mahnung, einig zu sein und treu. Deuttchland mutz leben, auch wenn wir sterben müssen! Unser Deutschland lebe hoch! Mit dem Deuttchlandlied schloß die eindrucksvolle Weiheseier.
die Preise niedrig zu halten. Als wesentlicher Teil der Notverordnung ist die Reform der Arbeitslosenversicherung anzusehen. Der Vorschlag, Krisen - und Wohlfahrtsunter, stützung zu vereinheitlichen und die Ge- meinden entsprechend zu finanzieren, würde eine Erweiterung der Bedürftigkeitsprüfung bringen, d. h. die Prüfung würde jetzt bereits vorgenommen werden, wenn die Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung erfolgt und nicht erst beim Uebergang von der Krisen- zur Wohlfahrts- fürsorge. Ferner soll die Unterstützung der Saisonarbeiter neu geregelt und etwa den Sätzen der Krisenfürsorge angepaßt werden. Schließlich ist u. a. eine Kürzung der Kriegsrenten in den lsichtesten Fällen, und nur wenn ein ausreichender Serbien ft da ist, vorgesehen. Von der Reform der Arbeitslosenversicherung erhoffen besonders die Städte, die unter der Schwere der Wohlfahrtslasten finanziell vor dem Zusammenbruch stehen, eine fühlbare Erleichterung.
Der Freiwillige Arbeitsdienst.
Für Landgewinnung und Siedlung.
Berlin, 23. Mai. (TU.) Die Reichstagsgruppe der Dolksnationalen Reichs Vereinigung (Iungdeutfche Bewegung) hat an die Reichsregierung und die Regierungen der Länder eine Eingabe gerichtet, in der sie nachdrücklichst die beschleunigte Einführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes, inä- besondere bei den jugendlichen Arbeitslosen, fordert. In der Eingabe wird darauf hingewiesen, daß das zweite Gutachten der Brauns-Kommission den Freiwilligen Arbeits-
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dienst empfiehlt und dah bereits praktische Beispiele in dem jungdeutschen „Freikorps der Arbeit" im Freistaat Sachsen, in dem Arbeitslager der Evangelisch-Sozialen Schule in Berlin- Spandau und in dem Vorgehen der Dethelschen Anstalten und einzelner Gemeinden vorhanden sind. Die Eingabe fordert den Einsatz der Arbeitsfreiwilligen für zusätzliche Arbeiten, insbesondere für Landgewinnung und Siedlung, und xtoar im Sinne der Landnehmerbewegung (West-Ost-Dewegung). Den Arbeitsfrei- willigen soll nach längerer Bewährung die Möglichkeit zur Erlangung einer Sied- ler stelle geschaffen werden. Ferner wird die Weiterzahlung der Arbeitslosenunterstützung an diese Arbeitsfreiwilligen zur Finanzierung der notwendigen Arbeiten gefordert.
Oie Gorge um
die Gozialversicheruug.
Eine Eingabe der Arbeiter-Spitzen- gcwerkschaften.
Berlin, 23. Mai. (TU.) Wie „Der Deutsche" meldet, haben die Arbeiterorganisationen der drei Gewerkschaftsrichtungeen am Samstag dem Reicks- arbeitsministerium eine Eingabe zugestellt, die auch dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten zugeleitet wird. In dieser Eingabe bringen die Verbände ihre große Sorge um die gesamte Sozialversicherung zum Ausdruck. Das Anwachsen der Soziallasten wird zugegeben. Gerade dieses Anwachsen sei aber Beweis für das Anwachsen der großen Not. Die hohe Gesamtziffer der Summe für soziale Zwecke dürfe nicht irrefütjren. So hoch sie auch sei, so gering wären die Lei st ungen
Von Geißler findet man zwei durchgearbeitete, zartgliedrige Architekturgruppen aus Florenz und Assisi. — Von H. Trurnrn-Wihel, deren Technik manchmal an Ubbelohde denken läßt, sei die seine „Dalmatinische Landschaft" hervorgeho- ben: von Adolf Iuh eine „Grablegung" und die kleine „Landschaft bei Kirchzarten".
Der ausgezeichnete Porträtist Karl Bauer ist mit acht sehr geschickt ausgewählten, charakteristischen Kopfbildnissen und Studien repräsentativ treten: man sieht: Dürer, den jungen König Friedrich, Richard Wagner, Bismarck als Student, Frenssen, Psihner, Stresemann und Richard Strauß. — Eine eigenwillige Phantasie manifestiert sich in den technisch durchaus variablen, aber allenthalben sehr beherrschten Blättern von Ottohans Beyer. („Aus der Pfalz", „Emmaus" und die „Kreißende" aus dem „Totentanz".)
Eine Reihe vorzüglicher Landschastsausschnitte gibt Oskar Graf mit einer technischen Raffinesse, wie sie auf manchen Blättern von Orlik zu finden ist: „Dalmatinische Küste", „Ragusa" und „Hall in Tirol". — Von C. Graf-Pfaff eine „Fischerflottille", von Anton Rausch drei Madonnengruppen. — Franz Doll zeigt u. a. ein sehr tüchtiges Porträt „Mein Vater". — Albert Burkart bringt etliche soziologisch scharf akzentuierte Figuren wie die „Magd" und den „Krüppel", außerdem moderne Industriebilder wie das „Hüttenwerk" und den „Morgen in Martigues".
Schinnerer hat sich gegen früher im Strich vereinfacht und geklärt: seine Blätter sind kleiner, zarter im Ton, weicher und dennoch geschlossener in der Gesamthaltung geworden: als vorzügliche Proben dafür können die „Fabrik" die „Drücke bei Druck"" und „Gründlach' gelten. — C. Th. Meyer-Basel bringt eine Anzahl bewegter und liebevoll durchgeformter Raturstudien: „Im Kastanienwald", „Föhren" und „Weioe im Feld". — Von Josef Weiß endlich ist eine effektvoll aufgebaute Walchenseelandschast zu erwähnen.
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Die neue Ausstellung wurde am Pfingstsonntag der Oeffentlichkeit übergeben: sie ist zu den üblichen Besuch^eiten zugänglich: ihr Besuch und womöglich der Anlauf des einen oder anderen Dlattes seien angelegentlich empfohlen. -y-
Schlang.
Don Hans Riebau.
Schlang sitzt im Hotel. Reben ihm, am Tisch, itzt ein Herr, der hat die Serviette um den Hals gebunden.
Der Geschäftsführer wirft mißbilligende Dlicke. Schlang aber steht auf: „Guten Morgen", sagt er zu dem Herrn mit der Serviette, „Haarschneiden oder Rasieren, bitte?"
Schlang macht Geschäfte. Mit Häusern, Grundstücken und anderen Dingen. Schlang braucht Kredit. Schlang braucht einen guten Ruf. Deshalb läßt er überall an den Reubauten große weiße Holzschilder anbringen: Eigentum von Schlang & Co. Dis ihm die Firma Purh und Sohn auf den Kopf kommt: „Laufejunge!" schreit Purh senior.
„Sehr angenehm — Schlang", sagt Schlang.
„Wie können Sie sich unterstehen", fährt Purtz senior fort, „meine Häuser als Ihr Eigentum zu ^zeichnen?"
„Ich?" lacht Schlang. „Ihre Häuser? Ich denke nicht daran."
„Aber bitte sehr", zittert Purtz senior, „und Ihre Holzschilder?"
„Die Schilder?" fragt Schlang zuruck. „Wollen Sie etwa bestreiten, dah die Schilder mein Eigentum sind?"
Frau Rick ist nicht mehr ganz jung. Aber Frau Rick tut so, als ob sie noch ganz jung sei.
„Mein Mann", erzählt sie, „ist vierzig. Zwischen uns besteht ein Altersunterschied von dreizehn Jahren."
„Ach", sagt Schlang, „für dreiundfünfzig hätte ich Sie aber nicht gehalten."
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„Es war doch recht kalt in diesem Winter", sagt Frau Rick.
„Kalt?" fragt Schlang. „Finde ich nicht. Denken Sie doch mal an dm bösen Winter von 1882.“
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Schlang will ein Auto kaufen. Für alt.
„Zweitausendfünfhundcrt Mark", sagt der Verkäufer.
für öen einzelnen Empfänger. Zudem dürfe nicht unberücksichtigt bleiben, daß die Leistungen der Sozialversicherung schon teilweise er» heblich eingeschränkt worden seien. Dek durchschnittliche Satz der Invalidenrenten betrage nur 36 Mark monatlich, der Rentensatz für invalide Witwen sei noch kleiner, und noch geringer ei die Waisenrente. Eine weitere Kürzung sei hier völlig unmöglich. Dagegen müßten neue höhere Beitraasklassen geschaffen werden. Ebenso sei ein gerechter Ausgleich zwischen der Invaliden- und Angestelltenoersicherung anzustreben. In der Eingabe werden weiter die Forderungen auf Verschlechterung der Unsallver- sicherung zurückgewiesen. Eine Verbesserung der Unfall- und Krankheitsoerhütungsmaßnahmen müsse angestrebt werden, um dem Eintreten neuer Rentenfälle vorzubeugen. Weiter wird gefordert, daß den Versicherten auf Grund des Paragraphen 161 der Reichsverfassung eine maßgebende Mitwirkung in der Unfallversicherung eingeräumt wird.
Annaberg.
Gedenkfeier des oberfchlesifchcn Selbstschutzes.
Annaberg, 25. Mai. (TU.) Am Pfingstmontag fand zur Eriirnerung an die Kämpfe während des dritten polnischen Aufstandes vor zehn Jahren auf dem Annaberg eine große Kundgebung der ehemaligen Selbstichutzformatio- nen, der Kriegervereine und anderer Verbände statt. Die Oppelner Reichswehr stellte eine Ehrenkompanie. Rach Gedenkreden eines katholischen und evangelischen Geistlichen sprach der damalige Selbstschuhführer, GeneraUeutnant a. D. Höfer. Er schloß mit einem Treuegelöbnis an die Deutschen im abgetrennten Gebiet. Sodann gab Generalleutnant von Hülfen einen Rückblick auf die Kämpfe, wobei er betonte, dah die neue Grenze niemals anerkannt werden könne. Die Grüße der ehemaligen Selbstfchutzkämpfer aus dem Reich überbrachte Major a. D. Horadam. der Führer des am Annaberge eingesetzten Freikorps Oberland.
Oberpräfident Dr. L u k a s ch e k begrüßte namens der Reichs- und Staatsregierung die Erschienenen. Er verlas folgendes Telegramm des Reichspräsidenten und der Reichsregierung: „Reichspräsident und Reichsregierung senden den auf dem Annaberg versammelten Landes schützen und ehemaligen Verteidigern Schlesiens ihren Gruß. Sie gedenken bewegt der Dlutvpfer und schweren Leiden, die Oberschlesien im Kampfe um sein Deutschtum ertragen hat. Das deuttche Volk wird nie vergessen, mit welcher Liebe zur Heimat die tapferen Kämpfer am Annaberg das schlesische Land zu schützen wußten. Möge diese Gesinnung auch in der Stunde der zehnjährigen Gedenkfeier alle Teilnehmer einigen in dem Willen der Treue gegen das Vaterland.
Gez. von Hindeburg, Reichspräsident, Dr. D r ü n i n g, Reichskanzler."
Mit einem Vorbeimarsch der ehemaligen Selbstschutzkämpfer und mit dem Gesang des Deutschlandliedes schloß die Feier.
Meine politische Nachrichten.
Reichspräsident v. Hindenburg hat am Pfingstsamstag Derlin verlassen, um einen etwa achttägigen Erholungsaufenthalt auf dem Lande zu verbringen.
Die 6 4. Tagung des Völkerbunds« rotes ist in der Schlußsitzung des Rates auf den 1. September d.I. festgesetzt worden.
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Bei der Einweihung des Stresemann- Denkmals in Mainz am 5. Juli wird der Dölkerbundsrat durch den vis zur nächsten Tagung amtierenden Ratspräsidenten, den deutschen Außenminister Dr. Curtius, vertreten sein.
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Der Primas von Spanien, Kardinal Segura, Erzbischof von Toledo, der in Rom eingetroffen ist, hatte am Pfingstsonntag eine lange Unterredung mit dem Kardinalstaatssekretär und ferner eine ausgedehnte Audienz beim Papst, die über anderthalb Stunden dauerte.
In der Sowjetunion sind bis zum 20. Mai 5 61 Millionen Hektar mit Frühlings-
„ Zweitaufendfünfhundert Mark?" lächelt Schlang. „Achthundert zahle ich, nicht mehr."
„Um Gottes willen", ringt der Verkäufer die Hände, „einen solchen Wagen |ür achthundert Mark verkaufen? Lieber verschenke ich ihn."
„Topp", nickt Schlang, „ich nehme ihn.
Zeitschriften. z
— „Hess enland", herausgegeben von Dr. C. Hiheroth, Verlag R. G. Elwert, Marburg. Im Maiheft bringt u. a. Rudolf Göhler uns die Gestalt des hessischen Dichters Franz Dingelstedt nahe, gebürtig aus Halsdorf bei Rauschenberg, dessen Todestag sich am 15. Mai 1931 zum fünfzigsten Male jährte. Der bekannte Grimmforscher W. Schoos behandelt im Anschluß daran die Beziehung Dingelstedt zu den Brüdern Grimm. Eine Frage, die jetzt viele Herzen bewegt: wo sind die Reliquien der heiligen Elisabeth? beantwortet in klar abwägender Darstellung Karl Knetsch. Don hessischen Dauern in Südungarn erzählt uns C. I. Burkart. Der Hanauer Geschichtsforscher I. W. Fraeb behandelt noch einmal die Frage, ob die Fürstin von Hanau tatsächlich 1866 den letzten Kurfürsten in seiner Stettiner Verbannung besucht hat. Gedichte, Berichte von der Jugendherberge auf dem Knüll, vom Kasseler Theater, und ein Artikel über die Derkehrsentwicklung von Hessen-Kassel. Den Schluß bilden die Mitteilungen des hessischen Geschichtsvereins.
— Schlesien mit seinen urwüchsigen Gebirgen, seinen heilkräftigen Quellen, seinen altertümlichen Städten, seinen reichen Klöstern, seinen Schlössern und Burgen ist trotz all seiner Schönheiten für viele ein noch unbekanntes Land. Es ist daher zu begrüßen, daß die I l l u ft r i r t e Zeitung (Verlag I. I. Weber, Leipzig) es unternommen hat, dieses historisch und landschaftlich so interessante Gebiet in ihrer Rümmer 4497 eingehend zu behandeln. Eine große Zahl farbig wiedergegebener Bilder aus allen Teilen Schlesiens sprechen eine beredte Sprache, und Georg Hallama, der Verfasser des Beitrages „Das schöne Schlesien", nimmt den Leser gleichsam an öie Hand und wandert mit ihm von Ober- nach Riederschlesien, von den Sudeten hinab in das toäl- derdurchrauschte Tiefland, in die großen und kleinen Städte, Kurorte und Bäder.


