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Der Reichstag nimmt -en Etat in dritter Lesung an.

Das Osthilfegeseh.

Berlin. 25. März. Im Reichstag wird die zweite Beratung des Osthilsegesehes fort­gesetzt.

Qlbg. Baur (Lv.) erklärt, das Osthilfegeseh in der vorliegenden Form sei eine Enttäuschung für die Landwirte. Die Regierung sollte die klare Zusicherung geben, dah die in der ursprünglichen Borlage aufgeführten Gebiete für Entschuldung und Llmschuldung auch tatsächlich berücksichtigt werden. Die Verantwortung für die mit einer Linlsmehrheit im Ausschuß beschlossenen Ver­schlechterungen treffe die Deutschnationalen und die Rationalsozialisten, die sich der Mitarbeit für die Landwirtschaft entzogen und durch ihren Auszug erst die Linlsmehrheit er­möglicht hätten.

Abg.Graf Westarp (Kons.): Wenn das Osthilfegeseh angenommen ist, so wird der Auf­trag, um deswillen der Reichspräsident dal Ka­binett Brüning eingesetzt und mit oeso.rdrren Vollmachten versehen hat, a u s g e s ü h r t sein. Wir sehen das intensive polnische Vor­dringen gegen das Deutschtum im Osten. Wir müssen diesem Vordringen einen Wall entgegensetzen. Für die Anwendung der zur Verwendung kommenden Mittel können nicht nur wirtschaftliche Gründe entscheidend sein, sondern in erster Linie muh die Frage gestellt werden, wo die nationalpolitische Ge­fahr am größten ist. Man darf sich auch durch Parteiagitationsgründe nicht bestimmen lassen, Hilfsmaßnahmen ein Richts zu nennen, die wahr­lich fein Richts sind. Die Aufstellung eines Ideal­planes ist viel leichter, als die Beschaffung der Mittel zur Durchführung. Für das Osthilfewerk wird erst die Geschichte den Dank abstatten und dabei wird am hellsten erstrahlen der Rame des Mannes, der einst als Feldherr wie jetzt als Staatsmann Ostpreußen gerettet hat, der Rame Hindenburg.

Reichsmini st er Treviranus: Für die Osthilfe werden aufgewendet von 1931 bis 1938 mindestens 950 Millionen, außerdem an Kredit­mitteln aus Haushaltsmitteln. Zweckvermögen und Schuldverschreibungen 1140 Millionen, im ganzen also etwa 2 Milliarden Mark. Dah wir für dieses Hilfswerk nicht viel Dank ernten werden, wissen wir. Wir können uns damit trösten, dah auch die segensreiche Einrichtung der General- landschaften zunächst wenig Anerkennung fand, als sie vor 150 Jahren geschaffen wurde. Die Fürsorge für Me Landarbeiter ist nicht so gering, wie es von einigen Rednern hingestellt wurde. Wir werden auf diesem Gebiete in nächster Zeit weitere Fortschritte machen können. Weim wir die landwirtschaftliche Selbstverwal­tung noch mehr heranziehen, so würden wir da­mit Wohl wenig Dank ernten, denn es ist keine schöne Aufgabe, den Rachbarn zu sagen, daß ihnen nicht mehr geholfen werden kann. Die in der Vorlage vorgesehene gesunde Mischung zwi­schen der behördlichen Betreuung und der Heran­ziehung der Selbstverwaltung wird die beste Lö­sung sein.

Dritte Lesung des Etats.

Runmehr wird die dritte Beratung des Etats fortgesetzt beim Haushalt des Reichs­finanzministeriums.

Abg. Dittmann (Soz.) verliest eine Er­klärung der sozialdemokratischen Fraktion, in der ausgeführt wird, die Sozialdemokratie habe sich durch den Auszug der Deutschnationalen und Rationalsozialisten nicht bestimmen lassen, die faschistischen Diktaturpläne dieser Parteien durch t Ausnutzung der Scheinmehrheit zu fördern. Die Fraktion habe ihren ganzen Einfluß eingesetzt, Zum die Arbeiterschaft aus der jetzigen Rotlage zu , befreien und die Bürgerkriegsgefahr abzuwehren. ' Die Sozialdemokratie habe dem Sparer mäch­tig ungsgeseh zu gestimmt. Sie habe es durchgeseht, dah bei der Ermächtigung zur selbständigen Festsetzung von Zöl­len die Kosten für die Lebenshaltung der brei­ten Massen nicht gesteigert werden dürften. Die sozialdemokratische Fraktion werde dem H-aushalt zustimmen, nachdem es ihr ge­lungen sei, die in ihm enthaltenen sozialen Lei­stungen zu sichern.

Abg. Rippe! (Chr.-soz. Vd.) begrüht die Tatsache, daß nach langer Zeit endlich wieder der Etat rechtz eitig verabschiedet wer­den kann. Wenn der politische Radikalismus nationalistischer oder internationalistischer Fär­bung in unserem Volke so viele Anhänger findet, so ist das in erster Linie eine Folge der Ohn- machts- und Entrechtungspolitik gegen Deutsch­land durch die Entente. Das Sparermächtigungs­gesetz ist eine staatspolitische Tat. Wenn Hugen- berg und Schmidt-Hannover behaupten, sie hätten den Reichstag faltgefteltt, so kann davon keine Rede ein. Der Reichstag hot nach dem Auszug der äußersten Rechten staatspolitisch viel mehr geleistet als die Herren drau- hen mit allen ihren Reden.

Abg. Graf Westarp (Volkstons.): 3m Auf­trage der in unserer Fraktion zusainrnengeschlosse- nen Deutsch-Hannoveraner, Christlich-Sozialen und Dolkskonservativen habe ich die Regierung! daran zu erinnern, dah die Verabschiedung des Etats, vor der wir jetzt stehen, als Voraus­setzung geltensoll für dieInangriff- nahme ganz bestimmter außenpoliti­scher Aufgaben, von deren Erfüllung wir unsere Mitarbeit abhängig gemacht haben. Wir begrüßen die handelspolitische Vereinbarung mit Oesterreich. Wir erwarten, dah auf der kommen­den Abrüstungskonferenz der deutsche Rechtsan­spruch auf gleichmähige Abrüstung nachdrücklichst geltend gemacht wird. Im Vordergründe der außenpolitischen Aufgaben dieses Sommers steht aber die Revision des Tributplanes, an dessen Durchführbarkeit heute kein Mensch mehr glaubt. Der ganze Wahnsinn der jetzigen Tributregelung muh dem Ausland immer wieder zum Bewußtsein gebracht werden. Ist die Revi­sion nicht anders zu erreichen, dann muh die An- lechesperre erklärt werden.

Reichsfinanzminister Dietrich: Die Reichsregierung erklärt, dah sie die Steuer­erhöhungen, wenn sie ausrechterhalten wer­den, ablehnen muß, weil dadurch die gange Linie der Politik der Reichsregierung zer­stört würde.

Abg. Dr. Gere ko (Lo.) erklärt, die Landoolk- partei habe gegen viele Einzelheiten des Etats starke Bedenken, werde sie aber zurück- (teilen, um dem Reichskanzler und dem Ernäh- rungsminiftcr ihr Vertrauen zu bekunden. Sie

nehme auch zum Zollermächtigungsgesetz in seiner neuen Fassung eine positive Stellung ein und be­dauere nur, daß es durch den Auszug der Deutsch- nationalen und Nationalsozialisten unmöglich ge­worden sei, mehr für die Landwirtschaft zu erreichen.

Abstimmungen.

Damit ist die Aussprache über den Etat beendet. Es folgen nunmehr die Abstimmungen. Das O ft = hilfegcsetz wird in der Ausschußfassung in zwei­ter Beratung a ngenomme n. Dos Gesetz gegen Waffen mißbrauch wird in dritter Beratung gegen die Kommunisten angenommen.

Eine kommunistische Entschließung auf Auf­hebung der erhöhten Umsatz st euer für Konsumvereine und Warenhäuser wird angenommen, da auch die Sozialdemokraten dafür stimmen. Mit derselben Mehrheit wird eine kommunistische Entschließung angenommen, wo­nach der Einzelvcrkauf von Zigaretten wieder zugelassen werden soll. Mit 299 gegen 65 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung wird eine kommu­nistische Entschließung auf Aufhebung der De­mo n st r a t i o n s v e r b o t e am 1. M a i abge­lehnt.

Beim Marine-Etat wird der kommuni­stische Antrag auf Streichung der vierten Rate des Panzerschiffs A mit 176 gegen 74 Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen abgelehnt. Wie in der zweiten Beratung, hat auch diesmal der so­zialdemokratische Abg. Ströbel mit anderen Ver­tretern des linken Flügels der Sozialdemokraten für den kommunistischen Antrag gestimmt, wäh­rend die Mehrheit der sozialdemokratischen Frak­tion Stimmenthaltung geübt hat. Der kommuni­stische Antrag auf Streichung der ersten Rate für das Panzerschiff B wird mit 176 gegen 73 Stimmen bei 106 Stimmenthaltungen abge­lehnt. Die Ersahbauten sind also bewilligt.

Zum Reichshaushaltsgesetz wird der Antrag der Mehrheitsparteien, der der Regierung Brü­ning die Einsparungser-mächtigung er­teilt, mit 290 gegen 65 kommunistische Stimmen angenommen. Angenommen wird auch die so­zialdemokratische Entschließung, die verlangt, daß die Bezüge der leitenden Beamten der Reichs­bahn und des Reichsbankdirektoriums den ent­sprechenden Reichsbeamtengehältem angeglichen werden.

Rach Ablehnung verschiedener Aenderungs- und Streichungsanträge zu den einzelnen Etats wird in der namentlichen Schlußabstimmung der Gesamtetat für 1931 in dritter Beratung mit 277 gegen 64 Stimmen bei 14 Stimmenthaltungen angenommen. Die Kommunisten haben dagegen gestimmt, die wirtschaftspartei hak Stimmenthaltung geübt.

Annahme der Iollvortage.

Cs folgt die zweite Beratung des Gesetzes über Zolländerungen, das sog. Zoll- errnächtigungsgeseh, bei dem noch im Laufe des heutigen Tages ein Kompromißantrag der bür­gerlichen Parteien über den Verbraucher­schuh zustande gekommen.

Abg. Frau Sender (Soz.) erklärt, ihre Fraktion könne die in dem Gesetz enthaltene Zollermächtigung der Regierung nur billigen, wenn der Schuh der Verbraucher vor einer Stei­gerung der Lebenshaltungskosten garantiert werde. Dor allem müsse der Ernährungsminister erklären, was er gegen die jetzt schon in ein­zelnen Städten eingeleitete Drotpreiser- höhung unternehmen wolle. Während Par­teien, die vorgeben, besonders die landwirtschaft-- lichen Interessen zu vertreten, den Reichstag ver­lassen und die Bauern im Stich gelassen haben, ist es die Arbeiterschaft und ihre Vertretung, die den Bauern die Hand zur Hilfe reicht.

Reichsernährungsminister Schiele: Die Reichsregierung ist bereit, die gegebenen Mög­lichkeiten rechtzeitig anzuwenden, um einer un­gerechtfertigten Brotpreiserhöhung entgegenzutre­ten. Bereits am Donnerstag wird dem Reichs­kabinett eine Vorlage zuaehen, die eine Er­höhung der Ausmahlung von 60 auf 70 Prozent vorsieht. Dadurch werde eine Senkung des Mehlpreises und die Grundlage für eine Ermäßigung des Drotpreises gegeben. Weiter werden die Bemühungen um eine Ver­ringerung der Handelsspanne fort­gesetzt.

Die Zollvorlage wird darauf in zweiter Lesung in der Ausschußfassung angenommen. Donnerstag: Dritte Lesung der Zollvorlage und der Osthilfe.

Zusammentritt des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 25. März. Bei langsam sich füllendem Haus eröffnet Präsident Delp um 10 Llhr die Sitzung. Der Präsident widmet dem verstorbenen Abg. Haury (D. Vp.) einen warm empfundenen Rachruf und begrüht dann die neu eingetretenen Abgeordneten Heyne- Offenbach (D. Vp.) und Bürgermeister Lorenz- Erzhausen (Soz.).

Das Gesetz über die Besteuerung des Ge­werbebetriebes im ilmherziehen, ins­besondere Autoläden, wird vom Abg. Schäfer (Komm.)-als unsozial abgelehnt.

Abg. Werner (Rat.-Soz.) stimmt dem Gesetz­entwurf zu, der durchaus zweckmäßig sei.

Abg. Dr. Riepoth (D.Pp.) begrüßt die Vorlage, da sie endlich den Gemeinden das Zuschlagsrecht auf auswärtige Gewerbebetriebe gebe. Die Möglichkeit der Rotverordnung, die Filialbetriebe steuerlich stärker zu erfassen, solle die Regierung ausnuhen: der Sah könne bis auf 200 Prozent der Gewerbesteuerfähe erhöht werden. In Frankfurt a. M. betrage die Filial­steuer nicht, wie Abg. Werner behauptet habe, 600 Prozent, sondern nur 33Vs Prozent mehr als die Gewerbesteuer.

Abg. Weck le r (Z.) sieht in der Vorlage allen berechtigten Forderungen der Gewerbetreibenden Rechnung getragen.

Die Abg. Dr. Leuchtgens (Lbd.), Böhm (Dn.f, Best (VRP.) und Donath (D.) stim­men der Vorlage zu, die von den Abg. Anger­meier (Komm. Opp.) und Hamann (K.) abgelehnt wird.

Abg. Lux (S.) erklärt, für die Sozialdemo­kraten handele es sich bei der Besteuerung der Autoläden nicht um den Schuh des gewerblichen Mittelstandes, sondern um die Erschließung einer Steuerguelle im Interesse sämtlicher öffentlicher Körperschaften. Die hessischen Wandergewerbe­treibenden sind mit einem verschiedenen Stempel belastet. Das Gesetz wird in erster und zweiter Lesung gebilligt. Der Gesetzentwurf zur zweiten Aenderung des Steuervorauszah- lungsgesehes ist vom Ausschuß einstimmig genehmigt worden.

Abg. Dr. Riepoth (DVP.) erblickt in der jetzigen Vorlage eine Rechtfertigung der Haltung der DVP., die im Dezember 1930 die 1. Aende­rung des Steuervorauszahlungsgesehes abgelehnk habe, da man in einer Zeit der abg lei­tenden Konjunktur keinen Steuer­umbau dieser Art vornehmen könne. Die jetzige Vorlage entspreche den damaligen volkspar­teilichen Forderungen auf billige Berücksichtigung der veränderten Wirtschaftslage der Steuerpflich­tigen und der Finanzlage der Kommunen. Das Gesetz wird gegen die Kommunisten in zwei Le­sungen verabschiedet.

Zu der Vorlage auf Aenderung des Besol­dungsgesetzes hinsichtlich der wissenschaft­lichen Assistenten an den Hochschulen bittet Abg. Dr. Keller (DVP.) um Erklärung des Ministers, wie in Zukunft die Besoldung der Assistenten gedacht sei, nachdem man sie aus der Besoldungsordnung jetzt herausnehme.

Ministerialrat L ö h l e i n erklärt, daß endgültige Ziffern noch nicht seststehen.

Volkspartei, Kommunisten und Deutschnationale beantragen Zurückstellung bis zur Etatberatung, wogegen sich Regierung und Zentrum aussprachen, um die jetzigen Härten beseitigen zu können. Die Zurückverweisungsanträge werden abgelehnt, das Gesetz wird endgültig angenommen.

Es folgt der Koalitionsantrag auf Aenderung der Geschäftsordnung, der eine Beschrän­kung der Antragstellung vorsieht, wenn nicht gleichzeitig Deckungsvorschläge für Fi­nanzanträge gemacht werden.

Abg. Böhm (Dntl.) erhebt Protest, daß ein deutschnationaler Antrag, der bereits im November vorigen Jahres ähnliche Forderungen erhob, liegen blieb, während der Koalitionsantrag vom März innerhalb von 10 Tagen im Ausschuß erledigt wurde. Im alten Reichstag haben die Konservativen ähnliches gefordert rote jetzt die Sozialdemokraten. Wir lehnen den unklaren Koalitionsantrag ab, der

eine Senkung der jetzigen Etathöhe unmöglich machen würde.

Abg. Vonderschmidt (KPD.) polemisiert gegen die Sozialdemokraten, die, wie im Reichstag auch im Landtag die Kommunisten totmachen wol­len. Jetzt wollen die Sozialdemokraten mit 1870er Niethoden die Massen täuschen und ihr ramponiertes Ansehen aufbügeln. Hermann Müller und Wels haben 1925 im Reichstag noch ähnliche Geschäfts­praktiken als Ungeheuerlichkeit und Vergewaltigung der Demokratie bezeichnet.

Abg. Dr. Werner (Nais.) protestiert ebenfalls gegen die häufig verschleppte Behandlung von An­trägen durch die Regierung. Die Vorlage lehnen wir ab. Die Wandlung der Sozialdemokraten zu ihrem modernen Neu-Konservatismus" wird im Herbst ihre Quittung erfahren. Die diktatorischen Vollmach­ten werden wir dem Landtagspräsidenten und Vor­stand, in dem die kleinen Gruppen nicht vertreten sind, niemals zugestehen.

Abg. Dr. M ü l l e r (Lbd.) sieht in der Reform der Geschäftsordnung, zu Ausgabenbewilligungen auch Deckungsvorschläge zu unterbreiten, eine Selbstver­ständlichkeit. Den Ton der Gasse und der Gosse darf das Parlament nicht länger dulden, weshalb wir der Vorlage zustimmen.

Abg. Dr. N i e p o t h (D. Vp.) stimmt der Vorlage zu, da Mißbrauch des Parlamentarismus endlich beseitigt werden müsse.

Die Vorlage wird gegen Kommunisten, Deutsch- nationale und Nationalsozialisten genehmigt, und die Sitzung auf Donnerstag vertagt.

Aus aller Wett.

Tehner gesteht den Mord ein.

Der wegen Mordes zum Tode verur­teilte Kurt Tetzner hat zuerst dem Wacht­meister des Gcrichtsgefängnisses und dann dem Richter ein Geständnis abgelegt. Er gibt an, einen W a nderburschenin der Rähe von Reichenbach i. 03. i n sein Auto ausgenom­men zu haben. Etwa 20 Kilometer vor Hohen- Schambach (Oberpfalz) habe er angehalten. Beide seien dann ausgestiegen; da sei ihm die Gelegenheit zur Ausführung des Mordes günstig erschienen, da der Wanderbursche über Kälte klagte. Tehner habe seine große Reisedecke aus­gepackt und den Wanderburschen so in die Decke eingehüllt, daß auch die Arme ein gewickelt waren. Dann habe er eine starke Schnur aus der Tasche genommen, dem Wanderburschen um den Hals gelegt und ihn dann erwürgt. Bei Mariaort (bei Regens­burg) habe er die Leiche verbrannt, nach­dem er sie vorher auf den Führersitz ge­setzt habe. Den Ramen des Ermordeten will Tehner nicht wissen. Die Angaben über die Person werden nachgeprüft, so dah Aussicht auf Ermittlung derselben besteht.

Ein neuer Versicherungsmord.

Am vergangenen Samstagfrüh wurde die 50- jährige Ehefrau des Tischlermeisters D a s ch e in ihrer Wohnung in der Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau mit einer schweren Kopfverletzung tot ausgesunden. Der Ehe- man u, der der Polizei die erste Mitteilung von der Tat machte, wurde im Lause der Ermittelun­gen in Haft genommen. Bei den Verneh­mungen verwickelte sich Basche in zahlreiche Wi­der sprüche, auch wurden auf seiner Arbeitsklei­dung von dem Gerichtschemiker B l u t s p r i h e r gefunden, die als Blut der ermordeten Frau nachgewiesen werden konnten. Basche hat zu­sammen mit seiner Frau vor einigen Monaten eine Lebensversicherung über 800 Mark abgeschlossen. Da Basche vor zwei Jahren schon einmal in den Verdacht geraten war, in seiner Wohnung einen Brand an­gelegt zu haben, um eine Versicherung wirksam zu machen, nimmt man an, daß Basche seine Frau erschlagen hak. um sich in den Besitz der Versicherungssumme zu sehen. Basche bestreitet, die Tat begangen zu haben.

Zwei finnische ZUilitätflugKuge zusammeugeslohen und explodiert.

Während einer von 10 000 Personen besuchten Werbeveranstaltung des Militärflugwesens in Helsingfors, dessen Höhepunkt eine von fünf Flug­zeugen gleichzeitig ausgesührte Tvdesschleife bildete, stießen plötzlich zwei der Flugzeuge zu­sammen und explodierten. Unter den Zu­schauern brach eine Panik aus, da die brennenden Flugzeugtrümmer in die di chtgedrängte Menge zu stürzen drohten. Die Flug­zeuge wurden aber durch den starken Wind während des Sturzes abgetrieben und fielen auf das vereiste Meer nieder, wo sie das Eis durchbrachen. Die aus drei der besten Fliegerofsiziere Finnlands bestehende Bemannung konnte nur tot aus den Trümmern ge­borgen werden. Die Veranstaltung wurde so­fort abgebrochen.

Lübecker Schüler in der Reichswehrkaserne verunglückt.

Bei einem Besuch der Untertertia des hiesigen Johanneurns unter Führung ihres Lehrers in der Kaserne des 2. Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 6 ereignete sich ein bedauerlicher Unfall. In der Waffenmeisterei der Maschinengewehrkompanie ent­lud sich, als der Waffenmeister den Schülern Er­läuterungen an einem Maschi n^ r^ae w ehr gab, aus bisher noch nicht geklärten Gründen plötz­lich ein im Lauf steckender scharfer Schuß. Das Geschoß traf einen Schüler in die Hand, einen zweiten in den linken Oberschenkel. Die Verwundung des letz­teren ist lebensgefährlich. Das Standortkommando Lübeck hat eine Untersuchung eingeleitet. Der Lehrer erlitt infolge des Zwischenfalls einen Nervenzusam­menbruch.

Der Fredenbecker Hexenprozeß.

Vor dem Stader Schwurgericht fand unter un< gewöhnlichem Andrang des Publikums der Prozeß wegen der Fredenbecker Hexenverbren- nung statt. Die Angelegenheit hatte nach ihrer Auf­deckung im Januar weitestes Aufsehen erregt, zumal der Brandlegung zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der Angeklagte Tiedemann schildert dann die Vorgeschichte zu der unseligen Tat. Sein Schwager Meyer habe ihm viel von den Erkrankungen seines Viehs und feiner Familie erzählt und gesagt, alles Unglück gehe von der alten Frau Höft aus, die Menschen und Vieh behexen könne. Schließlich sei auch er, Tiedemann, zu derselben Ueberzeugung gekommen. Als im Dezember 1930 die alte Frau Höft wieder einmal nach dem Vieh gefragt hatte und sich auch im Stall aufgehalten hatte, sei am folgenden Tage eine Sau auf rätselhafte Weise erkrankt. Daraus habe sein Schwager Meyer gesagt:Da möt rot den Kram a n ft e e f e n". In der Brandnacht seien sie dann zum Höfischen Haus gegangen und hätten das Dach mit einem Streichholz ange­zündet. Der 2(ngetlagtc Meyer gibt an, daß schon sein Vater viel Unglück mit Vieh gehabt habe. Schon vor zwanzig Jahren habe ihn sein Vater in solchen Fällen zu einem alten Schäfer nach Horn­burg geschickt. Der <5d)äfer habe dann gebetet und sich bekreuzigt, worauf das Vieh und die Menschen dann bald wieder gesund geworden seien. Der Schäfer und eine Zigeunerin haben die alte Frau Höft als eine Hexe bezeichnet, die an den Erkrankungen schuld sei. Er habe deshalb seinem Schwager vorgeschlagen, der Höft einen Streich zu spielen. Vor allem wollte er d i e Bücher, aus denen sich die Frau Höft die Hexenkünste aneignete, verbrennen. Er habe keine andere Gelegenheit ge­sehen, als das ganze Haus anzubrennen. Menschen sollten bei dem Brande keinen Schaden nehmen, es sind jedoch zwei Menschenleben dem Brande zum Opfer gefallen. Das Gericht verurteilte wegen ge­meinschaftlicher vorsätzlicher Brandstiftung den An­geklagten Tiedemann zu vier Jahren Zucht­haus, den Angeklagten Meyer zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus. Beiden Angeklagten wur­den die Ehrenrechte auf fünf Jahre aberkannt.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das Hochdruckgebiet hat seine Achse südöstlich ge­dreht und erstreckt den Kern von der Nordsee über Deutschland hinweg. In seinem Bereich fand während der klaren Nacht stärkere Ausstrahlung statt, und in Verbindung mit der Kaltluft erfolgte Temperatur­rückgang bis unter den Gefrierpunkt. Wir verbleiben vorerst unter dem Einfluß hohen Drucks, der uns weiterhin trockenes, von einzelnen Dunst, oder leichten Wolkenbildungen abgesehen, meist heiteres Wetter bringt. Die Temperaturen steigen dabei tags­über an und werden später auch nachts wieder Mil­derung bringen.

Aussichten für Freitag: Heiter und trocken, nachts Temperaturrückgang bis zu leichtem Frost, tagsüber zunehmende Erwärmung.

Aussichten für Samstag: Fortschreitende Erwärmung, auch nachts etwas milder, stellenweise dunstig, sonst meist heiter und trocken.