Ausgabe 
26.2.1931
 
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Blutige Llnruhen in Leipzig.

Bier Todesopfer kommunistischer Demonstrationen.

Leipzig. 25.Jebr. (IDIB.) 3m Anschlutz an eine von den Kommunisten einberufene Versamm­lung wurde in Leipzig-Volkmarsdorf versucht, trotz des ausdrücklichen Verbotes einen Zug zu bilden. Als sich einem Demonslrationszug von etwa 2000 Personen ein Polizeikommando entgegen­stellte. wurde es mit Steinen beworfen und beschossen, hierbei wurden sechs Polizei- bcamle durch Steinwürfe mehr oder weniger schwer verletzt, während ein Beamter einen Streifschuh am Schenkel erhielt und bei einem anderen Beamten das Geschah am Koppelschloß abprallte. Darauf machte,» die Beamten von der Schuhwaffe Gebrauch, hierbei wurde einer der Angreifer gelötet, acht rocitere wurden vorwiegend schwer verletzt, drei dieser Schwerverletzten sind nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch ein zwöls- jähriger Knabe, der einen Steckschuh in die Schläfe erhielt, als er in einer Haustür stehend, den Aus­schreitungen zusah.

3m -reich.

In München veranstalteten die Erwerbslosen trotz des Verbotes, Versammlungen und Demon­strationen abzuhalten, in den Abendstunden mehrere Demonstrationszüge Die Demonstranten bewarfen die Schutzleute mit Steinen und Eisstücken, so daß die Polizei blank ziehen mußte, um Ordnung zu ^In^N ü r n b e r g wurden die Revolutionäre Ge­werkschaftsopposition und das Bureau des Kampf­bundes gegen den Faschismus a u s g e h o b e n. In den Nachmittagsstunden sammelten sich trotz des Polizeiverbotes in den um das Kaufhaus Schocken gelegenen Straßenzügen größere Trupps Arbeits. loser an, denen sich zahlreiche Neuglerige zugesellten. Cs mußten Landespolizei und berittene Polizei ein- gesetzt werden, die die Menge stellenweise unter An­wendung des Gummiknüppels zerstreuten.

In Karlsruhe versuchten die Kommunisten, etwa 400 jkrsonen stark, sich immer wieder zu Um­zügen nach dem Inneren der Stadt zu formieren, wurden aber von der Polizei stets daran gehindert. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Bön­ning wurde f e stL e n o m m e n, weil er trotz der Aufforderung zur Ruhe immer wieder zu Ansamm­lungen aufreizte. .

In Köln sah sich die Polizei in den Abendstun­den gezwungen, gegen Demonstrationszüge von Er­werbslosen, die sich im Zentrum der Stadt gebildet hatten, mit dem Gummiknüppel einzuschreiten. Don den Demonstranten wurde mit Steinen ge­worfen, wobei mehrere unbeteiligte Pafsanten zum Teil nicht unerheblich verletzt wurden.

OerWelierwerbslosentag im Ausland.

Berlin, 25. Febr. (WTD.) Nach den aus dem Ausland vorliegenden Meldungen hat der Welterwerbslosentag nirgends zu größeren Zwi­schenfällen geführt. Es kam in Dänemark, Schwe­den, Frankreich, Spanien und der Tschechoslowake» vielfach zu Demonstrationen, die jedoch, wo sie die öffentliche Ordnung zu stören drohten, von der Polizei aus gelöst werden konnten. 3n Kop enhagen kam es an verschiedenen Stel­len der Stadt zu größeren Ausschrei­tungen, die aber überall durch die Polizei schnell zerstreut wurden. In den Hauptgeschäfts-, strahen wurden etwa 50 Schaufensterscheiben ein­geschlagen, ferner wurden Lebensmittel- ladengeplündert. Die Polizei benutzte erst­malig zur Auflösung von Ansammlungen Po­lizeihunde. deren Erscheinen wiederholt ver­anlaßte daß große demonstrierende Trupps in wilder Panik auseinander st oben. An anderen Stellen gelangten Polizeibeamte in geschlossenen Reihen mitten in die Demonstranten­züge hinein und lösten sie mit leichter Muhe auf.

Sozialdemokratie und Wehretat.

B e r l i n, 25. Febr. (VDZ.) Am Freitag wird im Haushaltsausschuh voraussichtlich die Bera­tung des Wehretals beginnen. Die sozial­demokratische Fraktion, die angesichts der Abwesenheit der Rechtsparteien eine ent­scheidende Stellung einnimmt, ist noch nicht zu einer endgültigen Entscheidung gelangt. In parlamentarischen Kreisen ist man der Auf­fassung, daß man bei der Sozialdemokratie gegen­wärtig bestrebt ist, Schwierigkeiten für die Regierung zu vermeiden. Sympto­matisch dafür war auch die Haltung, die die Sozialdemokraten am Dienstagabend bei der Ab­stimmung über den kommunistischen Antrag auf Ausübung des Verbots des Remarque-Films eingenommen haben. Es gilt als durchaus wahr­scheinlich, daß die Sozialdemokraten sich bei der Beratung des Wehretats auf kleinere Strei­chungsanträge, wie sie bei allen Etats gestellt und angenommen werden, beschränken und auf die Einbringung eines umfangrei­chen Streichungsprogramms verzich­ten werden. Auch Preußen hat bekanntlich im Reichsrat in diesem Iahre, um alle Schwierigkeiten zu vermeiden, von der Wie­derholung seiner Streichungsanträge abgesehen.

Beamtenfragen im Finanzausschuß.

Die Altersgrenze Tie Beamten- rranlenkassen.

D a r m st a d t, 25. Febr. (WSR.) Der Finanz­ausschuß des Hessischen Landtages verabschiedete Kapitel 15 ^Ruhegehälter" mit 9 gegen 2 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. In der Aussprache über die finanziellen Auswirkungen der Altersgrenze auf den Pensionsetat er­klärte der Vertreter der Deutschen Dolkspartei, daß die Hauptursache für die Steigerung der Pensionslasten in der Vermehrung der Beamtenzahl zu suchen sei. Von demokra­tischer Seite wurde erklärt, daß der Deamten- körper gerade in den Iahren nach 1900 erheb­lich vermehrt wurde und daß auch diese Iahr- gänge allmählich in das P ens i o n s a l te r einrückten. Zur Einschränkung des Pensionsetats solle die Regierung künftig nicht mehr Beamte in den letzten Iahren vor der Pensionierung noch einmal befördern. Auch der Vertreter der Volks- rechtpartei trat für eine Aenderung des Alters­grenzgesetzes ein. Der Zentrumsvertreter betonte,

Parteienkrisis in England.

Lloyd George und Macdonald. - Absplitterung von der Labourpartei.

Die Nachkriegszeit hat auch das politische Partei- wesen Englands so gründlich umgestaltet, daß von der jahrhundertealten Ueberlieferung nicht viel übrig geblieben ist. Das Zweiparteien-System gehört der Vergangenheit an, wie denn auch die Bezeichnung Tories und Whigs schon seit Jahrzehnten überlebt ist. Die Tories haben sich in Konservative verwandelt, die heute nichts weniger als eine geschlossene Partei bilden, nach­dem die Zeitungslords Beaverbrook und Rot- herinere ihre imperialistische Reichs- partei gegründet haben. Wenn das liberale Fähnlein, das Lloyd George noch im Unterhause folgt, scheinbar dem Führer die Treue hält, so ist das nicht das Ergebnis einer politischen Gesinnungsgemeinschaft. Lloyd George hat den Vor­zug, daß die Unterhausmitglieder der liberalen Par­tei die überragende Begabung des großen Walesec anerkennen, sicher aber darauf vertrauen, daß die Erfahrung dieses parlamentarischen Taktikers der liberalen 'Partei auf Grund des neuen Wahlgesetzes einen neuen Aufstieg bringen kann.

Das Spiel zwischen Lloyd George und Mac­donald ist so. daß eigentlich niemand so recht weih, wer schiebt und wer geschoben wird. Die Liberalen haben kein Interesse daran, daß die Konservativen zur Macht zurückkehren, während der Labourpartei alles daran liegt, die heutige Porteimehrheit solange wie möglich aufrechtzu- erhalten. Neuwahlen werden der Labour­partei sicher eine Niederlage bringen, es sei denn, daß es Lloyd George und Macdonald gelingt, sich über eine gemeinsame Wahltaktik zu einigen. Das liegt in weitem Felde, denn die Labourpartei will unter allen Llmständen d i e Mehrheit erobern, also in keiner Weise durch Rücksichten auf die Liberalen gebunden sein.

Run hat auch die Labourpartei den Wurm im Gebälk, denn es drohen ihr Absplit­terungen, sowohl auf der äußersten Linken als auch auf der Rechten. Die sogenannten Lin - abhängigen, die mit einem sehr dünnen Tropfen marxistischen Oels gesalbt sind, sind noch zu keiner Zeit mit der parlamentarischen Taktik Macdonalds zufrieden gewesen. Neuer­dings hat sich innerhalb der Labourpartei eine Gruppe unter Führung des Abgeordneten Sir Oswald Mosley gebildet. Er ist ein stein­reicher Herrn, der seine Neigung für den So­zialismus, wie er sehr dünnflüssig in der La­bourpartei verzapft wird, sich bei den Fabiern geholt hat. jener gelehrten Gesellschaft, die sich aus wissenschaftlichem und politischem Interesse mit dem Problem des Sozialismus beschäftigt.

Sir Oswald Mosley ist Macdonald und Snowden wiederholt sehr lästig geworden, trotzdem Macdonald glaubte, diesem Außenseiter einen Sitz in der Re­gierung anbieten zu müssen. Er hatte indessen kein Arbeitsministerium, sondern nur einen Posten, der eine glänzende Vertretung nach außen verlangte. Das hat dem Ehrgeiz Sir Oswalds nicht genügt, der im Unterhaus überdies die Entdeckung machte, daß nicht nur in der Labourpartei mit Wasser ge­kocht wird. So hat er mit feinen engeren Freunden den Entschluß gefaßt, aus der Labourpartei aus­zutreten, um eine eigene Gruppe mit imperialistischem Einschlag aufzuziehen. Selbst wenn bei Neuwahlen Sir Oswald durchfallen sollte, so wird er mit seinen Freunden der Labourpartei doch unter allen Umständen Abbruch tun. Und das ist wenig günstig für Macdonald und die Seinen, die aus den bisherigen Ersatzwahlen schon gelernt haben, daß die Konjunktur von 1929 vorüber ist.

daß in der jetzigen Zeit, wo ein großer Teil der Iugend arbeitslos sei, auch aus die Iugend Rücksicht genommen werden müsse. Ohne dos Altersgrenzgeseh wäre es z. B. nicht mög­lich gewesen, die Zahl der Beamten so erheblich herabzuse.hen, wie man das in den letzten Iahren getan habe. .

Von sozialdemokratischer Seite wird die Besei­tigung der Beamtenkrankenkassen ge­fordert, weil die Verwaltungskosten gegenüber den Ortskrankenkassen zu hoch seien. Die Regierung weist demgegenüber darauf hin, daß die Verwal- tungskosten der Beamtenbetriebskrankenkasse pro Mitglied 6,44 Mark betrage gegenüber den Sätzen zwischen 6,84 Mark und 10,52 Mark der größeren hessischen Ortskrankenkassen. In Prozenten der Bei- träge bezifferten sich die Verwaltungskosten der Be­triebskrankenkasse auf 4,44 Prozent, bei den größe­ren hessischen Ortskrankenkassen dagegen auf 6,39 bis 10,92 Prozent. Für die Beamtenkrankenkasfe sprechen sich sehr warm die Vertreter der Deutschen Dolkspartei, des Landbundes und der Demokraten aus. Der sozialdemokratische Antrag auf Auflösung dieser Krankenkassen wird daher mit acht gegen fünf Stimmen abgelehnt.

Fortsetzung der Flottenverhandlungen.

Die Engländer in Rom.

R o m, 25. Febr. (TU.) Am Mittwoch um 19,45 Uhr trafen He nderson, Alexander, Crai- gic mit ihrem Gefolge in Rom ein, um die Flottenverhandlungen fort^usühren. Die eng­lischen Gäste wurden am Bahnhof von Außen­minister G r a n d i und dem Marineminister S i - r i anni empfangen. Die Ankündigung des eng­lischen Besuches ist in Rom mit größter Genug- tuung aufgenommen worden. Die zuständigen Stellen haben aber ihre bisher beobachtete Zu­rückhaltung nicht auf gegeben. DasLavo ro Fascista" stellt mit Genugtuung fest, daß die Romreise der englischen Minister die Gerüchte über eine Sonderverständigung zwischen Paris und London endgültig widerlegt. Es betont, daß die Römer Verhandlungen nichts außergewöhn­liches darstellten. Das Wort F l o 11 e n g l e i ch - heit", das in den italienischen Berichten bisher eine große Rolle spielte, ist in diesen Tagen aus den Spalten der Rom-Blätter verschwunden, augenscheinlich, um eine Verständigung nicht zu erschweren.Malin" meldet ebenfalls aus Rom, es verlaute aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle, daß Mussolini geneigt sein soll, aus das WortFlottenparität" zu verzichten, das eine Verständigung zwischen Italien und Frankreich auf der Londoner Seeabrüstungskonferenz im vergangenen IaHre verhinderte. Mussolini wäre im Einverständnis mit dem italienischen Flotten­sachverständigen bereit, an Stelle der Formel Parität" eine andere Formel zu wählen.

Die Getreideüberschüsse Südosteuropas.

Einigung in Paris.

Paris, 25. Febr. (WTB.) Die Verhandlung des von der europäischen Studienkommission ein­gesetzten Ausschusses, der sich mit dem Absatz der Ueberschüsfe der Getreideernte von 1 930 zu beschäftigen hatte, ist durch Unterzeichnung eines Schlußaktes zum Abschluß gekommen.

Der Ausschuß nahm zwei Entschließungen an, die erste betrifft das Brotgetreide. Sie erklärt, daß die vorhandenen Ueberschüsfe nur einen geringen Teil der Bedürfnisse der eu­ropäischen Getreideeinfuhrländer darstellten. Die für die Einfuhr ausländischen Brotgetreides in Betracht kommenden Länder und auch die anderen Länder zeigten sich bereit, Getreide aus den in Frage kom­menden mittel, und osteuropäischen Ländern im Rahmen des Möglichen zu beziehen. Die von dem Ausschuß in Aussicht genommenen Maßnahmen würden bald den Absatz der Getreide- Überschüsse im Gefolge Haden. Die zweite Ent­schließung betrifft Mais und G e rft e. Die vor­handenen Ueberschußmengen seien geringer alß der Gesamtbedarf der europäischen Einfuhr­länder für das laufende Jahr. Die Einfuhrländer seien geneigt, einen Teil ihrer Einfuhr von den in Frage kommenden Ländern zu beziehen.

Die Arbeiten des Ausschusses stellen eine weit­gehende Verständigung dar Die inter­essierten Getreideausfuhrländer an der Donau (Rumänien, Südslawien, Bulgarien, Ungarn) sind für die Erleichterungen, die die Getreideeinfuhrlän­

der ihnen in Aussicht stellten, empfänglich. Die ein­zelnen Abmachungen sind natürlich besonderen Ver­handlungen vorbehalten, da bei dem Absatz die Frage des Preises und der Qualität eine große Rolle spielt. Die Frage des russischen Dum­pings ist während der Verhandlungen in Paris nur gestreift worden; aber die Ungewißheit des Faktors Rußland ließ bei allen derartigen Berech­nungen eine große Lücke, solange Sowjetruhland abseits steht. Die Bereitwilligkeit Englands, (Betreibe aus den Donauländern abzunehmen, ist durch die Verpflichtung Englands, kanadischen Weizen zu beziehen, eingeschränkt.

Kleine politische Nachrichten.

Reichskanzler Brüning wird an der beab­sichtigten Reise nach Wien nicht teilnehmen. Die Delegation der Reichsregierung wird unter Führung von Reichsauhenminister Dr. C u r t i u s und Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. P ü n d e r am 2. März abends nach Wien ab­reisen. Die Rückreise erfolgt am 5. März, abends.

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Die Schinkel-Wache inDerlin LI n ter den Linden wird bekanntlich zur Zeit um­gebaut, da hier das Reichsehrenmal nach dem Entwurf von Prof. T e s s e n o w Platz fin­den soll. Die Arbeiten sollen so beschleunigt werden, daß mit der Einweihung der Gedächtnis­stätte für die Toten des Weltkrieges zu O stern zu rechnen sein dürfte.

Im Haushaltsausschuß des thüringischen Land­tages wurde der Antrag der Nationalsozialisten, die Gehälter der Minister von 16 0 0 0 auf 12 000Markherabzusetzen,mitden Stimmen der Nationalsozialisten bei Enthaltung aller übrigen Parteien angenommen. Der Re­gierungsvertreter stellte fest, daß diese Gehaltskür­zung sich nicht auf die drei derzeitigen Minister auswirken werde, sondern nur auf die künf­tigen M ini st e r.

In der Verhandlung über die Umbildung des Bremischen Senats, an der die Natio­nalsozialisten, die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartei, die Gruppe der Hausbesitzer und die Wirtschaftspartei teilnahmen, ist der Ver­such, eine bürgerliche Senatskoalition zu bilden, gescheitert. Die Deutsche Dolkspartei erklärte, daß eine bürgerliche Mehrheitsbildung in der Bürgerschaft, die über nur eine Stimme Mehrheit verfüge, für die erstrebte Regierung nicht tragbar sei. Die Vertreter der Nationalsozia­listen, Deutschnationalen, der Wirtschaftspartei und der Hausbesitzer kündigten darauf dem gegenwär­tigen Senat schärfste Opposition an.

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Eine geschlossene Gruppe von dreißig frühe­ren Kommunisten, die sich nach dem Aus­schluß aus dcr KPD. als unabhängige kommu­nistische Partei selbständig organisiert hatte, hat um Aufnahme in die Sozialdemokra­tische Partei gebeten. Der Bezirksvorstand Berlin hat diesem Antrag stattgegeben. Linker den dreißig früheren Kommunisten befinden sich die preußischen Landtagsabgeordneten R a d - d a h und O b e n d i e ck, die Berliner Stadträte Letz und Licke sowie die Stadtverordneten Hilmer und Frieda Rosenthal.

Aus aller Welt.

Der Anschlag aus den Schwedenzug.

Vor dem Schwurgericht Prenzlau sand die Ver­handlung gegen den 25jährig. Arbeiter Ernst La­dewig aus Berlin statt, der am 26. November v. I. einen Anschlag auf den V-Zug BerlinStockholm verübt hatte. Zu Beginn der Verhandlung gab der Angeklagte an, er habe sich seit seiner Ende September 1930 erfolgten Entlassung aus den Diensten der Gasanstalt Mariendorf, infolge der Höhe der Miete und der unzureichenden Arbeits­losenunterstützung in einer sehr schlechten wirt­schaftlichen Lage befunden. Am Tage der Tat habe er zu seinen Eltern fahren wollen, aber dann den Plan gefaßt, sich das Leben zu neh­men. Später habe er jedoch diesen Plan wieder umgeftoßen. An einem Brückengeländer an der Strecke PrenzlauBerlin habe er die aus 0-Eisen hergestellten Brückenpfosten aus dem weichen Erdboden gezogen und einen davon auf die Schie­nen gelegt, angeblich um zu sehen, wie der Pfosten von einem Zuge breitgedrückt würde. Da der Brückenpfosten die Böschung heruntergefallen sei, als die großen Räder eines Güterzuges dar­über hinweggeganaen seien, habe er den zweiten Pfosten geholt und ihn diesmal auf die innere

Schiene des rechten Gleises (von Berlin aus gte rechnet) gelegt. Dann will der Angeklagte fort» gegangen fern, weil nach einiger Zeit kein Zug mehr gekommen sei. Der Angeklagte wird we­gen vorsätzlicher Transportgefährdung in Tat­einheit mit versuchtem Mord zu sieben Iah­ren Zuchthaus verurteilt.

3n den Stubaier Alpen verschüttet.

Von Sterzing aus unternahmen zwei bekannt« Turiner Skifahrer eine Tour in die Stubaier Alpen. In der Pecher Hütte an der österreichisch- italienischen Grenze schneiten die beiden ein. Als die Lebensmittel zu Ende gingen und das Wetter sich besserte, versuchten sie abzufahren. Schon nach 200 Metern wurden sie jedoch von einer La- mine verschüttet. Einem von ihnen gelang cs, unter großen Anstrengungen sich aus dem Schnee herauszuarbeiten. Hilfsmannschaften find an die Unfallstelle abgegangen, es besteht aber nur wenig Hoffnung, den Vermißten noch lebend zu bergen. Durch die großen Schneefälle der letzten Tage sind die Ortschaften Sulden und Trafi im Drtlergebict von der Außenwelt vollständig ab­geschnitten. Heber dem Grandhotel Sulden ging eine Lawine nieder, die den Speisesaal und ein daneben­liegendes Magazin zerstörte. Auch das Elektrizitäts­werk wurde von den Schneemassen gestreift. Es entstand Kurzschluß, bei dem alle Maschinen ver­brannten. _

Der Fall DJolf

Der Llntersuchungsrichter hat mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft beschlossen, Dr. med. Fried­rich Wolf gegen Leistung einer Sicherheit in Höhe von 25 000 Mark mit der weiteren Linier» suchungshaft zu verschonen. Der württembergischz Iustizminister Dr. Dey er le wandte sich im Landtag gegen die Behauptung, daß Dr. WKf aus politischen Gründen verhaftet worden sei. Dio Versuche, mit Demonstrationen, Straßeirumzügen, Telegrammen an das Justizministerium auf das Verfahreir cinwirken zu wollen, weise er zurück. Solange der §218 StGD. bestehe, sei der Fall Wolf ein rein juristischer, aber kein politischer. Auch für die Entlassung Wolfs aus der Llntersuchungshaft gegen Kaution seien rein juristische und nicht politische Gründe maß­gebend gewesen.

Regelmäßiger Luftverkehr von China nach Deutschland.

Eine Gruppe Flugzeugführer und Mechaniker ist mit zwei Flugzeugen der Lufthansa von Deutschland in Schanghai eingetroffen und wird binnen weniger Tage bereit sein, einen Probe­flug von Schanghai nach Mantschuli an der russisch-mandschurischen Grenze zu unternehmen. Dies hofft man, wird der erste Schritt zur Ein­richtung eines regelmäßigen Flugzeug­verkehrs nach Berlin im April sein, in welchem Monat noch zwei weitere Flugzeuge verfügbar fein werden. Alle vierzehn Tage soll dann ein Flugzeug abgehen, das von Mantschuli aus längs der sibirischen Bahn fliegen wird.

Explosion in einem Zelluloidlager.

In Erfurt wurde in einer Werkstatt zur An­fertigung von Zelluloidartikeln ein Zentner Zellu- loibftanaen durch Funken einer Maschine in Brand gesetzt. Während die Feuerwehr sich anschickte, den Brand zu bekämpfen, kam es durch Vermischung der Zelluloidgase mit dem Sauerstoff der Luft zu einer schweren Explosion. Durch eine 20 bis 25 Meter hohe Stichflamme erlitten vier Feuer­wehrleute, darunter der diensttuende Brandmeister, erhebliche Brandverletzungen, glücklicher­weise jedoch nur an den Händen, da sie wegen der Verqualmung der Brandstätte Rauchmasken trugen

Bier Arbeiter im Kalkbruch verschüttet.

In einem Kalksteinbruch der Groß-Strehlitzcr und S-arnauer Kalkwerke Gebr. Edlinger ge­rieten infolge des Tauwetters und der Schnec- schmelze plötzlich große Gesteinsmassen ins Rut­schen. Von den im Bruch beschäftigten Arbeitern wurden vier Mann verschüttet und vollständig unter dem Gestein begraben. Trotz an­strengender Bemühungen war es bis gegen 18.30 Llhr nicht möglich, die Verunglückten zu bergen. Es besteht keine Hoffnung mehr, sie lebend ans Tageslicht zu schaffen. Die Bergungsarbeiten schreiten nur langsam vorwärts, da die betreffend« Stelle des Kalksteinbruches sehr eng ist und immer nur etwa zehn Arbeiter an der Fvrtschaffung des Gerölls arbeiten können. Es muß damit ge­rechnet werden, daß die Leichen erst Donnerstag» früh geborgen werden können. Die getöteten Arbeiter sind sämtlich Familienväter.

Rauschgiftdiebstahl.

Ende Ianuar wurde ein großer Rauschgiftdieb- stahl zum Schaden einer Dortmunder Firma aus­geführt, die eine Kiste mit drei Kilogramm Ko­kain, 500 Gramm Morphium und einem Kilogramm Opium an das Werk einer Berliner Firma in Grenzach (Baden) geschickt hatte. Di« Kiste enthielt, als sie an ihrem Bestimmungsort ankam, anstatt der Rauschgifte nur einige Zie­gelsteine. Einem Dortmunder Kriminalbeam­ten, der sich als Käufer ausgab, gelang es jetzt in einem Oberhausener Hotel mit den Dieben und ihren Helfershelfern eine Zusammenkunft herbei­zuführen und die gesamten Rauschgifte, für die ein Preis von 14 400 Mark von dem Kriminalbeamten vereinbart worden war, zu be­schlagnahmen. Die beiden Verkäufer und vier weitere Personen konnten fe st genommen werden.

Riesenseuer im Osten Londons.

Durch ein gewaltiges Feuer, wie es London sei! dem Brande des Wachsfigurenkabinetts der Mm Dame Tuffaud nicht mehr gesehen hat, wurde im Osten Londons der Holts pal oft vollständig zer stört. Fünfzig Feuerspritzen und mehrere bunter: Feuerwehrleute bekämpften das Feuer, mußten sich aber schließlich auf die Sicherung der Nebengebäudk beschränken. Das Flammenmeer war kilometerwci: zu sehen. Die Bibliothek, eine Orgel im Werte vor 120 000 Mark und die Turn- und Schwimmanlage' wurden ein Opfer der Flammen. Das Gebäud' wurde vielfach zu Versammlungen und sportlicher Veranstaltungen aller Art verwandt.

Blalkrnepibcmie in Kalkutta.

In Kalkutta herrscht seit einiger Zeit eine schwer' Blatternepidemie, die von den Gesundheitsbehördcr energisch bekämpft wird. Trotzdem sind im Laufe br- letzten sechs Wochen nicht weniger als» 167 '43 e r fonen an den Blattern geftoroen. Bisher konnte etwa eine Million Menschen mit Schutzimpsun gen gegen Blattern versehen werden.

Schweres Schisfsunglück in China.

Associated Preß meldet aus Kanton, daß e tr| mit 500 Personen besetzter Dampf«! auf einen Felsen im Perl River ausgelaufeln und gesunken ist. Don den Passagieren, ci<| soeben das chinesische Neujahr gefeiert hatten^ sollen etwa 100 ertrunken sein.

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