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Dem einstigen Vundesgenoffen!

Zum 70. Geburtstag ZarKcrdinands von 6u garten am 26 Febr.

3n Koburg, einstmals beliebtes Pensionopo- lis alter Militärs, lebt zurückgezogen, aber dabei keineswegs menschenscheu, König Ferdinand von Bulgarien, der nunmehr siebzigjährige frühere Herrscher von Bulgarien. Kaum einer der ehemals regierenden Fürsten darf sich so- vieler Sympathien aller Schichten der Bevölke- rung rühmen. Ist es die von allerlei Romantik umwitterte Gestalt des ehrwürdigen Herrn, der

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Nr. 48 Erstes Blatt

M. Jahrgang

Donnerstag, 26. Zebruar lyZf

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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Dr Frredr Will) Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für bei, Anzeigenteil Max Filter^ sämtlich tn (Biehen

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Schieles Agrarprogramm und die Parteien.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 25. Febr. (VDZ.) Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsernährungsministeriums wird fortgesetzt. Die Deutschnationalen und Ratio- nalsozialisien fehlen auch heute. Abg. Renken (Chr.°Soz.) betont die enge Schicksalsverbundenheit von Arbeiterschaft und Bauernschaft. Die Landwirt­schaft könne mit Recht verlangen, daß ihr die Ren­tabilität gewährleistet und daß in Deutschland Ra- tionalwirtschaft getrieben wird. Dieses berechtigte Verlangen dürfe nicht durch schwächlichen Wirt- schaftspazifismus durchkreuzt werden. Die Christlich- Sozialen seien mit dem Agrarprogramm der Regierung einverstanden. Sie hätten nur den Wunsch, daß die Minister Schiele und Tre­viranus sich im Kabinett kräftig durchsetzten

Abg. F r c y b e (2ßp.). In den Zollrevisionsmaß' nahmen ist die Erhöhung der F e t t z ö l l e zu vermissen; bereits in der nächsten Zeit wird sich ein Tiefstand für Fettpreise ergeben, der sich dann in noch niedrigeren Schweinepreisen auswirken wird. Zu einer gesunden Agrarpolitik gehört vor allem Aufhebung der Zwischenzölle sowie der Bindung für Fette im Vertrag mit Schweden und die Erhöhung der Fettzölle. Die Preisscnkungsaktion durch den mehr oder weniger gelinden Druck der Reichsregicrung muß in Handel und Gewerbe schärfste Zurückweisung erfah­ren, wenn die Behörden selbst nicht mit gutem Beispiel vorangehen, haben sie auch kein Recht, vom Zwischenhandel Preisabbau §u fordern. Wirklicher Preisabbau ist nur bei gleichzeiti­ger Senkung der Steuern und Ab­gaben möglich.

Abg. Dr. Fehr (Bayr. Bbd.): Die Behauptung, daß der Landwirtschaft jährlich 3 bis 4 Milliarden direkt und indirekt an Subventionen gewährt würden, sei nicht zutreffend. An wirklichen Sub­ventionen für die Landwirtschaft kommen jährlich nur 36 Millionen heraus und diese Summe bleibt weit zurück hinter den Subventionen, die der Wirt­schaft und auch den sozialen Einrichtungen der Ar­beiterschaft zusticßen. Der Landwirtschaft selbst wäre cs viel lieber, wenn sie durch Wiederherstellung ihrer Rentabilität in der Lage wäre, auf solche Subventionen zu verzichten. (Sehr richtig!) Nach­dem die Parteien der äußersten Rechten in Ver­kennung der Verantwortung, die ihre Abgeordneten mit der Annahme der Wahl übernommen haben, der Reichstagsarbeit fernbleiben, müssen die Sozial­demokraten zeigen, ob sie wirklich der Land- wirtschast helfen wollen. Das in den letzten Jahren von der Regierung verfolgte System der Agrar­politik hat trotz aller gehässigen Angriffe der äußer­sten Rechten viel Segen für die Landwirtschaft ge­stiftet, vor allem durch das, was damit verhindert worden ist. Die Bedeutung des Exportes für unsere Wirtschaft ist in früheren Jahren maßlos über­schätzt worden. Eine Folge dieser falschen Wirt­schaftspolitik ist die große Arbeitslosenzahl. Wir begrüßen demgegenüber die Erklärungen des Mini­sters Schiele für die Stärkung des inneren Marktes. Die deutsche Landwirtschaft, besonders die süddeutsche, sieht in Minister Schiele ihren Ver­trauensmann.

QTbg. Meyer (DD.): In der Hcrndelsvertrags- Politik muß ein gerechter Ausgleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und der Industrie gefunden werden. Besonderer Fürsorge bedarf die notleidende landwirtschaftliche Veredelungs­wirtschaft. Die Landwirtschaft muß sich auf den gewandelten Geschmack des Publikums um­stellen. aber das kostet Geld. Die landwirt­schaftlichen Betriebe, die in dieser Beziehung früh­zeitig vorangegangen sind, leiden heute unter einer schweren Schuldenlast, weil heute die Rela­tion zwischen Bodenzins und Kapitalzins gan3 anders ist als früher. Trotz vieler Fehlschläge führt der beste Weg der Selbsthilfe für den Dauern über die Genossenschaften. Auch die Hilfe der Derbrauchergenossenschaften ist nicht zu entbehren. Der Generalbebauungsplan kann für die Beratung des Dauern großen Wert haben, aber Zwangsmaßnahmen sind auch auf diesem Gebiet vom Liebel.

Abg. Hille brand-Schlesien (DBP.) tritt für die Interessen der bäuerlichen Wirtschaften ein Die Bauern hätten durchaus Derständnis für die Lage der Arbeiterschaft; denn auch in den Bauernfamilien gebe es hunderttausende Arbeits­lose. Man könne Zollerhöhungen nicht mit Preis­erhöhungen glcichstellen. Der Brotpreis sei in den lebten Icchren um 25 Prozent zurückgegangen, obwohl die Getreidezölle vcrdrei- vis verfünffacht wurden. Für die kleinen Dauern handele es sich auch um die Lösung der Doden- und Pachtfrage, damit ihnen die höheren Erträgnisse nicht durch erhöhte Pachten wieder abgenommen würden.

Abg. D o b b e r t (Soz.) betont, daß die Ar­beiterschaft stets Derständnis für die Röte der Landwirtschaft aufgebracht habe. Was das Land­volk aber in seinen Anträgen verlange, grenze an Agrarradikalismus. Es sei die Aufgabe der Politik, den gerechten Ausgleich zwischen Pro­duzenten- und Derbraucherstandpunkt zu finden. Rur wenn man wirkliche Dauernpolitik treiben will, wird man nicht umsonst an uns appel­lieren. Wenn man von Landvolknot spricht, darf man auch die Landarbeiter nicht vergessen, die ganz unzureichend bezahlt werden.

Abg. Beck-Oppeln (Z.): Die Rot der Land­wirtschaft im deutschen Osten ist so groß, daß viele Landwirte in diesem Gebiet allen Hetze­reien zugänglich sind, leider wird diese Stim­mung ausgenutzt von gewissen Führern, die aus der landwirtschaftlichen Organisation eine Hetz­

organisation machen, die Mißtrauen gegen die Hilfsmaßnahmen der Regierung predigen und so aus parteiagitatorischen Gründen Verrat an der Bauernschaft üben.

Weiterberatung Donnerstag.

Oer Reichslandbund zur Agrarvor age.

Noch immer nicht befriedigt. Die Uuö» Nutzung der Ermächtigung soll abgewartet werden.

Berlin, 25. Febr. (TU.) Der Reichslandbund veröffentlicht folgende Stellungnahme zur Agrar­vorlage:

Der Reichslandbund stellt fest, daß in dem Re­gierungsprogramm feine und der Grünen Front Forderungen auf Lastensenkung für die schwer ringende Landwirtschaft fast völlig fehlen und hält insbesondere an feiner bereits vorliegenden Kritik an der Osthilfe fest. Vorbehaltlich der Stel- lungnahme im einzelnen kann trotzdem aner­kannt werden, daß der Gesetzentwurf für die Reichsregieruna weitere Möglichkeiten schafft, selbständig auf allen Gebieten der land­wirtschaftlichen Produktion den Schutz der na­tionalen Wirtschaft durchzuführen. Ob und wieweit dieser Oesfnung des Weges zur nationalen Wirtschaftspolitik ein wirkliches Beschreiten dieses Weges folgt, ist entscheidend für Wert oder Unwert der Regierungsaktion. Nach den schweren Enttäuschungen, di" die deutsche Landwirtschaft ge­rade bei der Durchführung von vorhandenen Mog- lichkeiten zur Besserung ihrer Lage bisher erfahren hat, kann die Reichsregierung nicht durch Eröffnen

Brauns chw e i g, 25. Februar. (ERD.) Bei einer Kundgebung der Deutschnationalen Volks- Partei hielt Dr. Hugenberg eine Rede, in der er u. a. ausführte:

Der Herr Reichspräsident hat in Be­antwortung einer Eingabe unseres Dauernfüh- rers Wege den Ruf an die Deutschnationalen gerichtet, sich an der Arbeit für die Landwirt­schaft im Reichstag zu beteiligen, d. h. in den Reichstag zurückzukehren. Der Herr Reichspräsident wird von seiner Umgebung nicht zutreffend unterrichtet. Das war beim Voung-Plan so, das war bei der Bildung der Regierung Brüning so. das ist leider auch heute so. Wir haben es stets für verhängnisvoll gehalten, daß die Regierung Brüning sich als .Hindenburg-Kabinett" auftat und für ihre feh­lerhafte Politik Schutz und Deckung hinter der Person des Reichspräsidenten suchte. Das be­schwört die Gefahr herauf, daß die Autorität des von uns verehrten Reichspräsidenten ab­genutzt wird.

Die letzten Ausführungen des Ministers Schiele im Reichstag beweisen, daß auch in den Zollsragen wieder das seit einem Jahre gewohnte Kulissenspiel fortgesetzt werden soll, man drückt mit scheinbaren Zugeständnissen poli­tisch auf die Rechte, die man auf der anderen Seite von der Macht fernhalten will, die Landwirtschaft aber ist am Ende immer der leidtragende Teil. Wenn man will, ist auch heute die Rettung der Landwirt-

Zn Berlin.

Berlin, 25. Febr. (WTB.) Die für den heuti­gen Tag angekündigte große Aktion der Kommu- nistijchen Partei hat zu Zusammenrottungen in ver­schiedenen Stadtteilen Berlins geführt, die aber von der Polizei teilweise unter Anwendung des Gummiknüppels gesprengt werden konnten. So kam es z. B. vor und in den Arbeitsnach­weisen in der Gormannstraße und in der Rücker­straße zu Ansammlungen. Zahlreiche Personen, die sich in den Räumen des Arbeitsnachweises befanden, bewarfen aus den Fenstern die unten Orönung schaffenden Polizeibeamten mit Bierglasern und Stühlen und gaben auch einige Schüsse ab, durch die aber Beamte nicht verletzt worden sind. Die Polizei ging daraus energisch gegen die Ruhestörer vor, räumte die Zim­mer des Arbeitsnachweises und gab schließlich eine Anzahl Schreckschüsse ab. Der Sachschaden ist er­heblich. Die Demonstranten flüchteten in die anliegen­den engen Straßen, kehrten aber, sobald die Polizei zurückging, immer wieder zum Arbeitsnachweis zurück, so daß die Straße mehrfach geräumt werden mußte.

Mittags kam es i n P a n k o w zu einem schweren Zusammenstoß zwischen demonstrierenden Erwerbs- losen und Schutzpolizei. Die Erwerbslosen versuchten einen Zug zu bilden, um nach Berlin zu marschie- ren. Polizeibeamte gingen mit dem Gummiknüppel

weitererMöglichkeiten", sondern nur durch erfolg» bringende tatsächliche Durchführung umfassen» der nationalwirtschaftlicher Maßnahmen die deutsche Landwirtschaft retten. Im Sinne seiner bisherigen Kampsbeschliisse kämpft der Reichslandbund nach wie vor dafür, daß unter Freimachung von allen Abhängigkeiten die gegebenen Möglichkeiten sofort ungeschmälert und wirksam ausgenutzt werden?

Verbilligung der landwiri- ltchen Kredite.

Berlin, 25. Febr. (WTB.) Heute vormittag sand unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Dr. Brüning eine erste eingehende Aussprache mit Vertretern der landwirtschaftlichen Z e n t r a l k re- di tin st i tute und des Reichsverbandes der deut» schen landwirtschaftlichen Genossenschaften Raiffeisen statt, um Maßnahmen zur Verbil­ligung der l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n K r e» d i t e auf organisatorischem und sonstigem Gebiete zu erörtern. An dieser Besprechung nahmen der preußische Ministerpräsident Dr B r a u n , di« Reichsminister Dr. Schiele und Treoiranus, der Reichsbankpräsident Dr. Luther, der preu­ßische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. Steiger, sowie die Staatssekretäre Dr G e i b , Dr. Trendelen bürg und Dr. Schäffer mit Vertretern der zuständigen Ministe­rien des Reichs und Preußens teil. Die Aussprache befaßte sich mit den gegenwärtigen Zuständen auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Kreditwesens und ergab Uebereinftimmung darüber, daß beschleu­nigt weitere Erörterungen angcfteUt und auf ihrer Grundlage die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden sollen. Die Besprechungen werden fortgesetzt.

schäft möglich. Aber man. will nicht, weil sie nicht mit der Sozialdemokratie mög­lich ist. sondern nur mit rechts und nur auf der Grundlage eines Rechtskurses in Preußen.

Wenn das Mirristerium Brüning uns einladen läßt, an den Verhandlungen des Reichstages wieder teilzunehmen, so können wir daraus nur eine Bestätigung für die ^n Haltbarkeit der Lage entnehmen, in die sich das gegenwärtige Reichsministerium hineinmanövriert hat. Cs braucht die Rechte, aber es will ihr nicht die Führung der politischen Geschäfte einräumen, die ihr zukommt, und den Einfluß der Sozialdemo­kratie aufrechterhalten, insbesondere in Preußen. Dieses eigensinnige Versagen in der Stunde höch­ster Gefahr ist eine geschichtliche Sünde. Ms wir aus dem Reichstag herauSgingen, schlug der Funke zwilchen unS und ben Herzen im Lande sichtbar zusammen. Ein jeder verstand das Bild, das offenbar denen, die als Modell dafür sitzen, so peinlich ist: Linke und Mitte allein an der Arbeit des Hohen Hauses im trauten Bunde zur Entrechtung der nationalen Opposition, zur Verhinderung der Herrschaft derjenigen, die Deutschland allein retten können. Der Brief Hindenburgs wird in der Regierungspresse alsDrücke" zu den Deutschnationalen gewertet. Er tonnte es in Verbindung mit einem ent­sprechenden Briefe an das Zentrum werden, der dazu beitrüge, die Bahn für die Rechte frei zu machen.

vor. Dabei wurde ihnen heftiger Wider st and entgegengesetzt. Zwei Beamte wurden verletzt, ein Oberwachtmeister, der einen Messerstich in die rechte Hand erhielt, und ein Oberleutnant, der Hiebe mit einem Schlagring im Gesicht baoontrug. Es gelang, vier der Täter festzunehmen. Gegen 12.30 Uhr ver­suchten etwa 150 bis 200 Erwerbslose auf dem Pri- vcumarkt am Humannplatz zu plündern, bei der Abwehr der Plünderungsoersuche wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt. Gegen 12 Uhr drangen etwa 15 junge Burschen in einen Schlächter­laden in der Lindenstraße mit dem Rufe:Wir haben Hunger!" ein und stahlen für etwa 200 Mark Würste, mit denen sie die Flucht er­griffen. Das inzwischen herbeigerufene Ueberfaü- kommando verfolgte die Täter und nahm fünf von ihnen fest In eine Anzahl weiterer Lebens­mittelgeschäfte in verschiedenen Teilen der Stadt, zumal im Norden, Osten und in Neukölln drangen Erwerbslose ein und entwendeten kleinere Mengen Lebensmittel. Auch am Nachmittag ist es den Kommunisten gelungen, eine Anzahl von Ar­beitslosen trotz des Demonstrationsverbotes auf die Straße zu treiben. Die Züge, die sich an ver­schiedenen Stellen der Stadt, so in Weißensee, im Norden und Osten der Stadt bildeten, waren mei­stens außerordentlich schwach und wurden durch Polizeibeamte unter Anwendung des Gummiknüp­pels aufgelöst. Mehrmals wurden die Beamten hierbei tätlich angegriffen. Die Hauptschreier wurden sistiert.

Hilgenbergs Antwort an Hindenburg.

Oie Deutschnationalen fordern freie Bahn für eine Rechtsregierung.

Oie Kommunisten demonstrieren.

Ausschreitungen in mehreren Großstädten. Oie Polizei löst Oemonstrationszüge auf.

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seinen geruhsamen Lebensabend begeht, ist es die Erinnerung an den Kämpen und einstmaligen Buiwesgenossen, die Zar Ferdinand so beliebt machte? Seltsam und manchmal scheinbar ver­worren ist der En wicklungsgang des Prinzen von Sachsen-Koburg-Kohary, der am 26. Februar 1861 in Wien geboren wurde und im österreichisch- ungarischen Heere diente. Den sechsundzwanzig- jährigen Ofiizier beruft eine außerordentlich un­günstige politische Situation zum Fürsten von Bulgarien, dem erst seit anderthalb Jahrzehnten wieder bestehenden Tributstaat der Türkei, in dem Alexander von Battenberg sich weder als Gcneralgouverneur noch als Fürst hatte halten können. Fast ebenso aussichtslos schien die Herr- schafr des jungen Ferdinand im Lande bedräng­ten und bekämpften ihn rusfenfreundliche Pan­slawisten. innerhalb des Ringes der Großmächte fand er keine Anerkennung. Fürst Ferdinand hielt sich trotz aller ungünstigen Prophezeiungen im Sattel; er entwickelte ein überraschend großes diplomatisches Talent im Verkehr mit den Wider­sachern auf allen Fronten, brachte sein Land zu angemessenem Wohlstand und betrieb zielbewuht eine Politik der Freundschaft zu den Mächten. 216er erst 1896 gelang die Aussöhnung mit Ruß­land. Damit war das Cis gebrochen, auch die anderen Großmächte erkannten den Fürsten aus deutschem Geblüt an.

Rach erfolgter Annäherung an das lange feindliche Servien konnte Ferdinand sich zum unabhängigen König erklären und 1938 die albe Zarenwürde erneuern. Damit übernahm er die repräsentative Führung der Dalkanvölker, mit denen er sich 1912 am Balkan krieg beteiligte. Durch die Tap erkeit der bulgarischen Truppen errang Bulgarien große Erfolge, seine Armee fband vor den Toren Konstantinopels. Doch im zweiten Balkantrieg unterlag der Fürst den ver­einten Mühen der Serben, Griechen. Montene­griner und Rumänen, er gewann im Bukarester Frieden nur einen bescheidenen Machtzuwachs. Aus dieser politischen Situation heraus ergab sich beinahe zwangsmähig der Eintritt Zar Fer­dinands in die Reihe der Mittelmächte während des Weltkrieges An.ang 1915; mit bulgarischen Truppen vereint konnte die deutsche Armee dann ihre Siege über Serbien und (Rumänen erringen. Die schweren ©ommertage von 1918 freilich brach­ten auch eine Aenderung der innerpolitischen Verhältnisse Bulgariens, das nach der Ent­scheidungsschlacht vöm 8. August einen Sonder­frieden anbot. Zar Ferdinand, der Bundes' zenosse, konnte dieser Entscheidung seiner Mi­nister nicht beitreten, er dankte ab, um zugleich die Dynastie zu retten, und kam nach Deutsch­land, der Heimat seiner zweiten Gattin. Vielleicht sieht es heute so aus, als wäre dieser Entschluß zum THronverzicht übereilt gewesen, darüber liehe sich streiten. Sicher ist aber das eine, daß -3ar Ferdinand seinem Lande noch viel hätte sieben können. Ob sein Sohn Boris, der jetzige -dortig Bulgariens, das Werk des Vaters vollen­den oder nur halten kann, muh die Zeit erweisen.

Eine Mahnung Schieles an Kalkreuth.

Berlin, 26. Febr. (CNB ) Reichsernährungs- rninlfter Schiele hat sich in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Reichslandbun­des Graf Kalkreuth gewandt und ihn drin­gend ersucht, seinen Einfluß aufzubieten, daß d i e parlamentarijchen Vertreter der In­teressen des Reichslandbundes wieder im Reichstag erscheinen und die Annahme des der hämischen Landwirtschaft schädlichen Antrages der Sozialdemokratie auf ein Gefrierfleisch- kontingent von 50 000 t verhindern. Der Ton des Briefes ist demBörsen-Kourier" zufolge sehr entschieden gehalten.

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