Ausgabe 
26.1.1931
 
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SJLtfpont

Kurhessen Kassel für eine große äleberrafchung, indem er die auf eigenem Platze so gefürchteten 05er Göttingen mit 3:1 besiegte. Damit bleiben die Kurhessen den 03ern dicht auf den Fersen, während Göttingen 05 ausgeschaltet ist. Der De- zirksmeister fertigte den Tabellenletzten Grone hoch mit 9:1 ab und FC. Groh-Almerode errang über Einbeck 05 einen knappen, aber verdienten 1:0-Sieg.

Oie süddeutschen Endspiele.

Runde der Meister.

Bei den Witterungsverhältnisfen der letzten Woche konnte es nicht ausbleiben, daß die mei­sten Plätze sich in einem unbespielbaren Zustand befanden und so zum Ausfall trau verschiedenen Spielen führten. Sn der Runde der Meister muhten aus diesem Grunde von den angesetzten vier Tressen zwei auf einen spateren Termin verlegt werden. Es sind dies die Begegnungen, zwischen FK. Pirmasens und Eintracht Frank­furt in Pirmasens, sowie zwischen dem Karls­ruher FD. und Wormatia Worms in Karlsruhe. Dagegen kam in Fürth der Meisterschaftskampf zwischen der Sp.-Vg. Fürth und Union Döckingen zur Durchführung, und das trotz strömenden Regens. Das Treffen endete mit dem für die Runde der Meister immerhin sensationellen Er­gebnis von 10:2 für die Fürther. Doch eine äleberrafchung kommt selten allein. Sn Mann­heim liehen sich die Münchener Bayern von SD. Waldhof mit 4:1 schlagen, was ebenfalls uner­wartet kam. Auf jeden Fall haben die Fürther alle Aussichten, sich diesmal die Meisterschaft zurückzuholen.

Kußball der Gießener Mannschaften.

Der vergangene Sonntag brachte den hiesigen 1900ern einige eindrucksvolle Siege. Die 1. Mann­schaft siegte jederzeit sicher über den Verbandsspiel- gcgner FC. Frohnhausen. Mit 4:0 muhten sich die Gaste auf dem Trieb geschlagen bekennen. Die 3. Jugend spielte ebenfalls auf dem Sportplatz der 1900er, und zwar gegen die 2. Jugend des VfB. Auch hier konnten die 1900er einen 4:0-Sieg landen.

Die 1. Mannschaft des VfB. weilte in Wetzlar und verlor überraschend mit 2:0. Die Gießener hat­ten den Gegner bei weitem unterschätzt. Die 1. Ju­gend spielte auf eigenem Platze aegen die 1. Jugend der Spvg. 1900 und verlor ebenfalls. Das Ergebnis lautete 3:2 für 1900.

Fußball in Hessen-Hannover.

Aeberrafchungen in beiden Gruppen.

Der heutige Sonntag brachte im Fußball einige Ergebnisse von weittragender Dedeutung um den Endkampf in der Gruppenmeisterschaft. Dieser dürfte nunmehr spannender denn je fein. Sn der Südgruppe konnte Sport Kassel trotz ersatz­geschwächter Mannschaft Spielverein Kassel mit 3:1 schlagen. Da die Marburger Kurhessen in Fulda gegen die dortige ©ermania überraschend mit 2:1 unterlagen, übernimmt Sport Kassel die Tabellenführung. Sport Kassel hat noch auf eige­nem Platze gegen Hermania Kassel an^uhreten, so daß man sehr leicht mit einem Entscheidungs­kampfe in dieser Gruppe rechnen kann. Das vor­gesehene Spiel Borussia gegen Ockershausen fiel wegen schlechter Beschaffenheit des Platzes aus.

Sn der Rordgrupe sorgte der Altmeister

3. Krankfurier Hallensporifest.

Heerschau der Leichtathleten. - Gießener Vereine zahlreich vertreten. Ein eindrucksvoller Sieg der 906er Lugend.

Das dritte Frankfurter Hallensportfest, das am Samstagabend tausende von Zuschauern in die Festhalle gelockt hatte, brachte keine Enttäuschung. Die Fülle des Gebotenen und der hohe Wert dessen, was gezeigt wurde, lieh jedermann diese Deranstaltung als etwas Außergewöhnliches, schier Änmaliges, erleben. Veranstalter des Festes war der Südd. Fußball- undLeichtathlelikverband.

Tie Koryphäen des Sportes und der Turner toaren, wie sie ursprünglich gemeldet waren, alle erschienen. Daneben gab sich die Sportlerelite der nächsten älmgebung Frankfurts ein Stelldichein. Bedeutende Könner ragten auch hier heraus und wetteiferten mit den ganz großen Gästen. Bei schärfster Konkurrenz ergaben sich äußerst span­nende Wettkämpfe. Dor- und Zwischenläufe son­dierten die Kräfte, und die Besten gelangten in die Sndläufe, die das Hauptprvgramm bildeten.

Unter der Menge der Kämpferinnen und Kämpfer sand man auch die Leichtathletinnen und Leichtathleten aller Altersklassen aus Gießen, die sich sehr schnell in den Riesenbetrieb der Wettkämpfe und der Vorläufe hineingesunden hatten.

Es fiel durchweg angenehm aus, daß die Gießener mit einem solch starken Aufgebot erschienen waren und eine verhältnismäßig große Anzahl Rennen belegten. Das Hauptkontingent stellten aber die Frankfurter Bereine, von denen wiederumEin­tracht" Frankfurt und Sportklub 1830 Frankfurt und dann noch der S. G.-Sportverein mit ganz vorzüglichem Menschenmaterial aufzuwarien ver- * mochten. Das Programm des Abends, das sich sehr r flüssig abwickelte, brachte neben den Läusen und

dem Kugelstoßen auch zwei Ballspiele, die durch ihren dramatischen und spannenden Verlauf auf das denkbar beste unterhielten.

Sn der Zeit von 17 bis 20 älhr wurden die Dorläuse erledigt, in die die Gießener kurz nach ihrer Ankunft um 17.30 älhr sofort eingriffen. Mit allgemeiner, mit besonders großer Span­nung wurden von den Sportlerinnen und Sport­lern zunächst die Vvrkämpfe beobachtet und hier­bei schon manche ausgezeichnete glänzende Lei­stung festgestellt, die die Qualifikation für den Endlauf brachte. Viele muhten sich allerdings mit dem Bewußtsein zufrieden geben, gegen scharfe Konkurrenz wenigstens den Mann gestanden zu haben. Gegen 20 älhr füllte sich das Haus, jeder Platz bis hinaus zur Galerie war besetzt. Dann wurde die eigentliche Veranstaltung eröffnet und eingeleitet mit dem Aufmarsch sämtlicher Teil­nehmerinnen und Teilnehmer. Die bunte Fülle der jungen Menschen bot ein prächtiges Bild. Eine kurze Ansprache leitete sodann zum Beginn der Wettkämpfe über. Das bedeutsamste der sport­lichen Darbietungen sei herausgegriffen:

Sm 800-Meter-Lauf entwickelte sich ein spannendes Rennen, das Aber (Reckarau) in einem bestechenden Stil in der Zeit von 2:09,3 Minuten an sich brachte. An fünfter Stelle des Endlaufes passierte Peters (1900 Gießen) das Ziel. Peters griff leider nicht früh genug in den Kampf ein, konnte aber trotzdem den Sieger der beiden letzten Säfjre (Kaufmann, Fuhballsporj Darmstadts hinter sich lassen. Heini Simon von VfB. Gießen hatte sich im Dorlauf für die 800 Meter qualifiziert, versäumte aber den Start. Säger, Müller, Schneider (DfB. Gießen) dran­

gen nicht bis in Sen Endlauf vor. Der 5 0- Meter-Lauf für Frauen sah die Frankfurte- rinnen in Front. Frl. Lösch (1900 Gießen) konnte sich für den Zwischenlauf qualifizieren, schied jedoch im Zwischenlauf durch eine Sehnenzerrung aus.

2Nit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgte man bann den ersten SO-lHeter-Cauf des Sprinter- breifampfes, bet zu einer Angelegenheit bes Dreigestirns Körnig, Lammers unb Ianaths würbe.

Mit knappem Vorsprung verwies Körnig den Tur­nermeister Lammers in diesem ersten Lauf auf den zweiten Platz. Die zweiten 50 Meter des Sprinter- drcikampses holte Lammers als erster, während Körnig einen sehr schlechten Start hatte und da­durch ins Hintertreffen kam, sich aber schließlich dach noch vor Janath an die zweite Stelle setzen konnte. Der dritte Lauf sah bann abermals Körnig als den sicheren Anwärter auf dem ersten Platz. Allerdings nur mit einem Punkt Unterschied in der Gesamt­wertung ging er aus diesem überaus scharfen Ren­nen vor Lammers als Sieger hervor. Körnig, Lam­mers, Jonath (neben denen aber Mähren-Mainz, Buthe-Pieper-Duisburg und Metzner-Frankfurt im­mer noch gute Figuren machten) überraschten wie­der durch blitzschnelle Starts, burd) eine überragende Lauftechnik, an die auf dieser tunen Strecke die denkbar höchsten Anforderungen gestellt wurden.

In der nun folgenden 10X50° Meter-Pen- delstaffel für Jugendliche waren die beiden hie­sigen Vereine vertreten. 1900 kam in den Endlauf, ebenso wie die Jugend des VfB., die ihrerseits schwere Gegner in den Vorläufen (1880, Eintracht, Sportverein Darmstadt) aus dem Felde zu schlagen hatte. Im Endlauf den bie 1 9 0 0er in großer Form bestritten und in der Stabübergabe auf das exakteste arbeiteten, wurden sie denn auch

1. Sieger in bet Zeil von 1:03,8 Minuten.

Den 2. Platz belegte Sportverein 1880 Frank­furt. DfB. Gießen fiel durch schlechte Stab" Übergabe auf den letzten Platz zurück. Die 1900er errangen in diesem Rennen in der Besetzung Koch II.. Felsing, Oster, Frihges, Lippert, Gräf, Baumstieger, Mooh, Reiß, Betz einen ein­drucksvollen viel beachteten Sieg.

Die 3000 Meter liefen die beiden Brüder H e l b e r, Stuttgart, überlegen vor etwa zehn Konkurrenten. Helberll. hielt mit großer Zä­higkeit den 1. Platz während des ganzen Rennens, lief einen wohlabgewogenen gleichmäßigen Stil und machte dabei noch in feinem schneidigen End­spurt einen überraschend frischen Eindruck. Etwa eine halbe Runde zurück folgte Helber L Eine 4X2 -Runden-Staffel entschied die ^-Mannschaft von SE. Frankfurt für sich.

Die 5 0 Meter sahen wiederum einige Gieße­ner am Start. Müller, Weilburg, vermochte für die Farben des DfB. im Endlauf einen­ehrenvollen 3. Platz sicherzustellen Dieser Sieg verdient, da für dieses Rennen 48 Teilnehmer gemeldet waren, alle Beachtung. Für 1900 star­tete Geist im Dorlauf, wurde aber auf den 3. Platz verwiesen, obwohl man allgemein der Meinung war, daß er als zweiter das Ziel passierte. D o g t lief im Zwischenlauf, mutzte sich aber geschlagen bekennen, so daß Müller unsere Stadt allein in-dieser Disziplin vertreten mußte.

Don den 17 gemeldeten Mannschaften der 5X5 0-Meter-Staf f el für Frauen ver­mochten sich die DfB.erinnen in der Aufstellung H. Luh, H. Krause, M. Wäller, E. Schmidt und Fr. Fischer für den Endlauf zu qualifizieren, ver­loren dabei aber leider durch wiederholten schlechten Stabwechsel den Platz. Die Damen von 1900 schieden infolge eines Mißgeschicks schon im Vorlauf aus.

Die nächste Rümmer des Programms brachten sodann die Konkurrenzen im Kugelstoßen. Hierzu traten H i r s ch f e l d, Allenstein (stürmisch be­grüßt), S ö l l i n g e r, Darmstadt, Drechen­macher. München, Berg, 1880 Frankfurt, Schneider, Rüsselsheim, undWengenrvth

Die kleine Motette.

Vornan von Paul Hain

28 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Was was wissen Sie, Doktor?"

Er führte sie behutsam in die Tiefe des Zimmers.

So nun sehen Sie sich, Rico hübsch ruhig, und ich setz' mich daneben so und will Simen mal gleich zu Anfang sagen, damit Shr armes Herzchen ruhiger schlägt: Glauben Sie an Hubert Wördehoff! Er ist ein ganzer, aufrechter Wann! Wenn er Sie belog, so geschah das weil er eigentlich nicht gut anders konnte. Wie nun mal hier die Dinge lagen"

Mit feiner väterlicher Zärtlichkeit strich seine Hand über ihr Haar.

Doktor sind Sie denn der liebe Gott?"

Ganz leise, scheu und unendlich rührend kamen diese Worte von Ricolettes Lippen.

Da mutzte Windthorst lächeln.

Ach nein, kleine Rico aber dah Sie und der Wördehoff einander lieb haben das tonnte wohl auch ein anderer als der liebe Gott sehen"

Glühende Röte schoß ihr ins Gesicht.

So und nun noch eins: Sie wollen tapfer zu Wördehoff halten! Was auch kommt"

Ricolette flüsterte erregt:

Es es darf doch nicht fein, Doktor. Gr ist ja"

Die Tränen kamen ihr wieder.

Er ist nicht frei, weih ich, Rico, älnd noch viel mehr. Rorma Relson hat es sich also nicht versagen können, Shnen das mitzutellen. älnd wahrscheinlich in einer Art na

Es war furchtbar", stieh Ricolette hervor, und das Schluchzen erschütterte sie von neuem.

Ruhe Ruhe Rico. Sehen Sie: Mir hat Wördehoff alles schon vorher erzählt. Don seiner Liebe zu Shnen hat er gesprochen und von dem andern. Mir hat er sich anvertraut, da Shr Vater plötzlich krank wurde. Sonst hätte er es ihm gesagt, älnd ich habe chm meine Hilfe ver­sprochen bin ihm beigestanden mit Rat­schlägen glauben Sie nun noch, dah er nur aus Leichtsinn gehandelt hat?"

Da hob Ricolette den Kopf.

Roch waren ihre Augen tränenverhangen, aber schon flimmerte ausbrechende Hoffnung im Blick

Rein, Doktor!" sagte sie taut, und in diesen Worten schwang schon die neue Hoffnung.

Ra Gott sei gedankt, Ricolette", rief Windthorst aufatmend aus.Das wollte ich auch meinen! älnd nun werde ich Shnen er­zählen, wie es um Wördehoff steht und wie alles gekommen ist. älnd wie es werden wird, wenn Shrc Liebe ihm schützend strahlt auch

in Zukunft, älnd ich denke, daß es fo kommt, wie es kommen muh: Der aufrechte Mensch ist immer stärker in seiner Ehrlichkeit als derjenige, der mit vergifteten Waffen kämpft."

Ricolette hatte unwillkürlich die Hände im Schoß gefaltet Run war ihr so wundergläubig froh zumute.

älnd Dr. Windthorst erzählte mit leiser Stimme, was Wördehoff ihm einst im Walde anbertraut hatte, erzählte von seinem Glückstraum und wie der Glücksrausch des Erfolges ihn in den Srrtum dieser Ehe mit Rorma Relson stürzte. Wie er Ricolette zum erstenmal sehend tief in der Seele neu zu träumen begann, seinen Srrtum er­kennend und entschlossen war, ihn auszulöschen und das große Glück, das für ihn immer nur Ricolette heißen würde, zu erringen. Viele Einzelheiten flocht Windthorst ein, die ein feines Mosaikbild von Huberts Persönlichkeit und Rorrnas preziösein, extravagantem, allzu frei* zügigem Frauentyp gaben und deutlich die äln- möglichleit dieser Ehe klarlegten, die für Rorma Relson nur noch darum galt, weil der große Rame Wördehofss pnd fein Einkommen ihr mehr waren als seine Person.

Ricolette hörte still zu, ohne ein Wort einzu­werfen.

Aber in ihrem Herzen hob ein feines, reines Klingen an über dem neuen Wissen, das sie mählich erfüllte: Meine Liebe soll ihn befreien aus dem bösen Srrtum seines Lebens. Mir war es bestimmt, ihn zu retten und fein Dichterherz zu bewahren, dah es nicht weiter Schaden nehme. Sch will ich kann ihn nicht verlassen! Wie lieb will ich ihn haben!

18.

Rorma Relson ging gerade über die Stein­brücke vor demBraunen Hirsch", als Wördehoff auftauchte. Sie fah ihn von weitem kommen.

Auch er erkannte sie und verlangsamte den Schritt, da sie ihm entgegenkam

Run waren sie einander ganz nahe.

Aber Rorma wo steckst du nur so lange?" Sie lachte leise auf.

älngeduldig geworden, mein Lieber?"

Gott, es hätte doch was passiert sein können, Darnowsky, dein getreuer Ritter, ist ganz un­glücklich"

Sieh an. Ra ja, passieren kann überall was", sagte sie ironisch.Aber du darfst beruhigt sein, ich habe nur eine Kleinigkeit, die mir am Herzen lag, erledigt. Run ist alles in Ordnung. Wir kommen ja noch immer zurecht es treibt uns keiner."

Eine boshafte Freude war in ihr. Run würde sie ein, zwei Stunden lang mit Hubert gemeinsam einen Spaziergang machen, und er ahnte nicht, daß sie inzwischen sein Geheimnis erforscht hatte. Er würde sich hüten, ihr nachher Vorwürfe zu

machen. Was konnte sie dafür, daß er diesem kleinen Fräulein Kinna mit den blauen äliv schuldsaugen nichts von ihr erzählt hatte!

Wördehoff fragte nicht, welcher Art diese Kleinigkeit" war, die sie hatteerledigen" müssen. Es interessierte ihn nicht. Aber er war nachher verwundert, wie ausgelassen luftig Rorma sich zeigte, als- sie zu viert ihren Spaziergang antraten.

Um die Mittagszeit kehrten sie zurück.

Wördehoff hatte es eilig, den Schloßberg hin­aufzukommen, denn er hatte gehofft, früher zu­rück zu sein.

Ricolette wäre noch im Garten, sagte Frau Marthe, wie er nach ihr fragte.

Er suchte sie dort auf.

Sie- sah unten am Bach, schien sein Heran­kommen nicht zu hören und blickte unverwandt in den Himmel.

Da drehte sie den Kopf zu ihm.

Es war ein eigenes Glänzen in ihren Augen, das er bisher an ihr noch nicht kannte.

Sch habe auf dich gewartet, Hubert", sagte sie innig. Er setzte sich zu ihr auf die Dank! Be­wegt von dem tiefen Klang ihrer Stimme.

Sie sah ihn an. Es war ein langer, zärtlicher Blick, der so dünkte es ihm bis in feine Seele tastete. Er sah ganz still. Versunken in die Sähe ihres Gesichts.

Da legte sie die Arme um seinen Hals.

älnd Auge in Auge mit ihm sagte sie leise:

Sch weiß alles du und ich halte zu dir in Rot und Freude."

Du weiht

Er stockte. Was bedeuteten ihre Worte?

Plötzlich sprang ihn Angst an.

Rorma! Was hatte sie getan?

Aber da legte Ricolette schon ihre Wange an sein Gesicht und flüsterte:

Rorma Relson war bei mir. Ganz still sein, Liebster. Sie hat mir wehgetan aber der Schmerz ist schon vorüber. Dr. Windthorst hat mir alles erzählt. Sch weiß, warum du schwiegst und ich liebe dich unendlich, Hubert! Wir wollen getrost warten, bis wir glücklich fein dürfen! Sch glaube an dich!"

Cs gab Wördehoff einen Ruck.

Zorn quoll in ihm hoch. Zorn über Rorrnas Bosheit! Run wußte er, warum sie sich so sehr verspätet hatte. Warum sie alle nach der Dank im Wald hinbestellt hatte. Warum ah. er ballte die Faust.

Aber Ricolette flüsterte an feinem Ohr:

«Dicht diese Falten, Hubert! Richt böse wer­den! Es ist vielleicht gut, daß es so kam! Glaubst du nicht auch? Run ist kein Schatten zwischen uns. Setzt kannst du ganz ruhig sein. Meine Liebe wird dich nie verlassen, älnd nun wollen wir fein Wort mehr davon reden!"

1860 Darmstadt an. Hirschfeld schoß, tote nicht anders zu erwarten war, den Bogel ab. Rach einem 1. Wurf von 13,16 Meter folgten.

würfe mit 15,55, 15,31 und 15,49 Meter,

Leistungen, die von keinem der Gegner erreicht wurden: Schneider, Rüsselsheim, folgte mit 14,29 Meter als zweiter, Brechenmacher brachte es trotz bildschöner Technik nur auf 14,08 Meter. Hirschfeld wurde viel gefeiert.

Einen sehr interessanten Kampf stellte der 6 0- Me ter-Hürdenlauf dar, den der deutsche Meister Welscher. Eintracht Frankfurt, sicher gewann. Zeit: 8,6 Sek. Shm folgte der Turner- meister Prieh, bann Zohlen (S.-G.) und schlieh- lich Hopfenmüller, 1900 Gießen, als vier­ter. Hopfenmüller hatte einen schlechten Start, der ihn in das Hintertreffen brachte.

Schließlich aber kam, allgemein mit größter Spannung erwartet, der 1000-Meter-Einladungs- lauf, der von Dr. Peltzer, Wichmann, Danz, Reu, Paul, Leunig l. u. a. bestritten wurde. Sm An­schluß an den Start hielt Wichmann die Füh­rung, während Dr. Peltzer etwa 3 Runden lang als letzter lief. Dann aber begann Peltzer inner­halb einer Runde alle Konkurrenten hinter sich zu bringen, verwies auch Wichmann aus berti zweiten Platz, der sich während der nächsten zwei Runden sehr um den Anschluß bemühte. Die Distanz zwischen Peltzer und Wichmann vergrö­ßerte sich jedoch von 4 auf 8 Meter^knd nachdem der Weltmeister im Spurt alle Minen seines phänomenalen Könnens springen lief), passierte Wichmann erst 20 Meter hinter ihm das Ziel­band. Der Sieg Pelhers war keinen Sekunden­bruchteil fraglich.

Sn der 5 X 50°Meter-Pendelstaffel kämpften die Mannschaften der S.-G. erfolgreich gegen Ein­tracht Frankfurt.

Die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer riß dann noch einmal der 3X1000-Meter°Lauf an sich, in dem Eintracht nach hartem Kampfe den Sieger stellte. Einen sehr ehrenvollen dritten Platz behaup­teten die 1900er Gießen in der Aufstellung Glagow, Gerhardt, Peters, vor der 2. Mannschaft von Ein- . tracht Frankfurt und DJK. Frankfurt. Den Abschluß der Rennen bildete eine sehr lebendige 10X2-Run» benftaffel.

Betrachtet man das Fest in seiner Gesamtheit, so läßt sich sagen, daß das 3. Frankfurter Hallensport- fest ein einziger großer Erfolg war. Erfreulich war es dabei, die gemeldeten Prominenten alle am Start zu sehen. Die gezeigten Leistungen ließen erkennen, daß die deutsche Leichtathletik über Kräfte verfügt, die keinerlei Bedenken um die Zukunft der deutschen Leichtathletik wach zu werden lassen brauchte. Für unsere Gießener Mannschaften, die unter sehr ungünstigen Voraussetzungen (Unkenntnis der Bahnverhaltnisse, mangelnde Routine auf der Holzbahn, mangelnde Hallentrainingsmöglichkeit) zu dem Feste fuhren, darf man die Teilnahme an die­sen Konkurrenzen gegen schwerste Gegner als einen

Schritt nach vorwärts

betrachten, der in zweierlei Hinsicht von Nutzen war: die Gießener Sportlerinnen und Sportler mußten erkennen, daß es noch viel zu arbeiten gilt und daß andererseits durch diesen Tag das Ver­trauen zur eigenen Kraft aus den erzielten einzelnen Leistungen eine berechtigte Stärkung erfahren hat. Weiter auf diesem Wege!

*

Oie Ergebnisse.

Sprinterdreikampf: 1. Körnig, SC. Char° lottenburg, 17 Punkte; 2. Lammers, Oldenburg, 16 P.; 3. Jonath, Hannover, 12 P. 1. Lauf, 50 Meter: 1. Körnig, 5,8 Sek.; 2. Lammers, Brust- breite; 3. Jonath. 2. Lauf, 50 Meter: 1. Lam­mers, 5,9 Sek.; 2. Körnig; 3. Jonath. 3. Lauf, 60 Meter: 1. Körnig; 2. Lammers, } Meter zurück; 3. Jonath. 1000 Meter: 1. Dr. Peltzer, Stettin, 2:43,4 Min; 2. Wichmann, SC. Charlottenburg, 8 Meter zurück; 3. Danz, SCC.; 4. Paul, Stuttgar­ter Kickers. 60°Meter°Hürden: 1. Welscher, Eintracht Frankfurt, 8,4 Sek.; 2. Prieß, Tv. Kreuz-

Da zog er sie sacht an sich, bog ihren Kopf zurück und sah in ihre hellen, blanken Kinder- augen, die ihn bis auf den Grund ihrer Seels blicken ließen. Andacht und Ehrfurcht und Hin- gende Seligkeit war in ihm.

Du mein Königreich", raunte er innig. Wie will ich dir das danken!"

Als er am Rachmittag wieder mit Rorma und ihren Freunden zusammentraf, sagte er kein Wort über den Streich, den sie da aus dem' Hinterhalt gegen ihn geführt hatte. Er hatte! cs Ricolette versprechen müssen, und er selbst hielt es für besser, als daß er Rorma Vorwürfe machte oder auch nur diese Angelegenheit er­wähnte.

Rorma beobachtete ihn im Stellen und gab ihm! reichlich Gelegenheit, unter vier Augen mit iHv darüber zu reden, älnd da er beharrlich davon schwieg, ja übet allerlei belanglose Dinge; plauderte, so. als wäre nicht das mindeste bor-' gefallen, begann sie selbst innerlich erregt zu« werden.

Schließlich sagte sie:

Sch wollte dich heute vom Schloß abholen. Aber du warst schon fort"

Sa ich weih, Fräulein Äicolette erzählte mir davon", antwortete er lächelnd.

Rorrnas Erregung stieg. Das sagte er fo rubig, als ob ja, als ob Ricolette nicht erschrocken gewesen wäre!

Sie wußte gar nichts davon, daß ich deins Frau bin."

..Rein ich weiß. Run ist sie ia aber im Bilde."

Er lieh sich nicht aus der Ruhe aufftöten.

Rorma verlor die Geduld. Sie hatte sich den Erfolg" ihres älnternehmens so ganz ander« vorgestellt.

Sch finde es emborenb, dah du dem Mädchen Hoffnungen machst, da du doch nicht frei bist! Sie tat mir unendlich leid"

Hm über dasLeidtun" wollen wir bin- Weggehen, Rorma. Es ist Wohl nur so eine Re­densart von der Bühne her. Aber ich bin keineswegs empört, dah du Herrn Darnowsky. mit dem du offenbar recht innig befreundet bi ft, Hoffnungen machst, da du doch nicht frei bist!"

Du!" _ r

Rorma stampfte mit dem Fuß auf. Diese eiserne, höfliche Ruhe ihres Mannes ärgerte sie mehr als alles andere an ihm Sie vergaß ganz, daß sie selbst dieses Gespräch provoziert hatte und stieh hervor: ,

Was sollen diese Andeutungen? Sch verbitte mir diese Sronie, Hubert. Darnowstz tft etn Künstler von Rang und Temperament Sch werde mir wohl erlauben Braten* >

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