Der Sonderausschuß der VZZ.
ÄupenpolMscye Umschau.
Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universitär Äerlin.
Am 20. November erfolgte der deutsche Antrag, den Sonderausschuß der BIZ. einzuberufen. Damit geschah, rotrs nach unserer Auffassung gar nicht ,311 vermeiden war. Entweder wollte man den ^ounfl- plan und die Schuldenlast einfach einseitig als nicht mehr bestehend erklären, oder da Deutschland offen1 sichtlich das weder wollte noch konnte, war und blieb das Gegebene, den Wagen auf dieses Geleis zu bringen in der Verbindung der U n • tersuchung von Reparationsfrage und privater Verschuldung Deutschlands. Die dafür entscheidenden Sätze im deutschen Antrag sind absolut zutreffend und zwingend. Man soll sich aber nicht darüber täuschen, daß Frankreich nach dieser Fassung, wenn es ihr auch zugestimmt hat, nicht gebunden ist und daß daher schwere Kämpfe im Ausschuß bevorstehen. Diese Ausschuß- beratung ist, um das Bild zu wiederholen, lediglich die Ansahrt des Wagens, die so schnell wie möglich weiter z urinternationalen Regierungskonferenz führen muh. Heute wird man verstehen, warum wir immer so sehr auf die Kürze der Zeit hinwiejen. Schwerlich wird die Konferenz vor Weihnachten zusammentreten können. Wird es Januar, so kommt man ganz knapp an den Schlußtermin des Stillhaltc- abkomm ens heran und kommt dabei noch mit der Abrüstungskonferenz durcheinander. Das ist eine sehr unerfreuliche Lage, an der die deutsche Führung der Sache durchaus nicht unschuldig ist und die sie nun hoffentlich durch verdoppelte Energie überwindet. Ueberwindet zu dem Ziel, über das die Deutschen doch im Grund alle einig sind.
Zu vermerken ist dabei nur noch das Folgende: Ein neues amerikanisches Memorandum (17. November) hat die Bereitwilligkeit Amerikas zur Herabsetzung der Kriegsschulden erklärt, sobald sich Europa über die Reparationen einig sei. Beides wird drüben immer noch getrennt gehalten, um die Beratung im Kongreß nicht zu er- schweren, der mit Reparationen formell nichts zu tun hat und hoben will. Diese Kongreßberatung Anfang Dezember kann aber ebenfalls recht schwierig werden und so den an sich schweren Gang der fanzen Sache hemmen. Sodann — für Eng - and hat Baldwin die englische Linie so festgelcgt: Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich und „im gegebenen Moment" englische Vorschläge, jedenfalls sei ohne englische Zustimmung kein Ab- schluß möglich. Das letztere hat niemand bestritten, ober aus Baldwins Erklärung geht hervor, daß die ersten Kämpfe zwischen Frankreich und Deutschland allein durchzufechten sind.
Frankreich kann sich der Untersuchung von Reparations- und privaten Schulden juglcid) nicht widersetzen. Der Streit um die Priorität aber ist akademisch. Ganz richtig formuliert das die Times: „Entweder laßt man Deutschland den Weg zur Solvenz zurücksinden, oder die Welt wird den Weg zur Gesundung in der Wirtschaft überhaupt nicht mehr finden." Sie sagt das ausdrücklich in bezug auf die Frage, ob Reparationsschuld oder kommerzielle Schuld zuerst käme. Das ist auch unsere Meinung. Frankreich aber spitzt heute die Frage so zu, daß es unter allen Umständen die bekannte „indemnitte nette“ erhalten will, roh gesprochen: ein Drittel des Reparationssatzes im Poungplan, während die anderen Zweidrittel weiterhin gestundet werden könnten. Denn, wie Sauerwein mit größter Offenheit lagt: „Der amerikanische Staat kan sich dieses Opfer auferlegen, weil seine Bürger durch die kurzfristigen Kredite gewonnen haben". Zusammenhang und Absicht Frankreichs sind so ohne weiteres klar. Sein Schlachtplan liegt zutage und wir würden uns selbst die Position verschlechtern, wenn wir ihn nicht so vor uns sehen würden. Es ist ein sehr schwerer Kampf, der jetzt eröffnet ist, aber wir begrüßen es, daß er nun endlich mit dem deutschen Schritt ausgenommen worden ist. Und bas deutsche Volk hofft nicht nur, sondern cs fordert vom Kanzler und den anderen, die mit ihm verantwortlich sind, daß nun- mehr auf der gegebenen Linie mit äußerster Energie und Beschleunigung die Sache
Bach, Mozart, Beethoven.
Znm bevorstehenden Lnnipßonic>Kon;ert bco ÄonzcnvcreinS.
Die volkstümliche Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts war beherrscht von der Orchester- Suite. d. h. einer Aneinanderreihung von Tänzen bzw. Musikstücken mit Tanzchar aller. die sämtlich durch die ihnen zu Grunde liegende gleiche Tonart zusammen e aßt waren. Die innere iSinbeit dieser e nzelncn Sä e wurde erst dadurch verstärkt, daß die Themen der weiteren Sähe aus dem Thema deS Kopssahcs organisch gewonnen wurden. Die ältere Orchester-Suite diente vorwiegend der Straßen- und Platzmusik der Stadtkapellen bei festlichen Gelegenheiten, sie fiel darum den Blasinstrumenten zu. Erst in einem weiteren Stadium der Entwicklung schrieb man Suiten auch für Streichinllrumente unter H nzusügung einer De- neralbaßbegleitung, die e:wa durch ein Eembalo oder ein anderes Akkordinstrumcnt ausgeführt wurde.
Gegen Ende des 17. Jahrhundert- geriet die deutsche Suitenkomposition unter den Einfluß Frankreich-, insbesondere Lullys und Ramcaus, da die Bevorzugung de- Ballett- in der tranV?- fischen Oper die charakteristische Durchbi düng musikalischer Tanzsormcn begunstizte. — Kennzeichnend für die französische Suite war besonders die Ouvertüre, die aus einem lcbhastcn, sugicrten Mitteisatz bestand, der von zwei langsamen Sähen eingcschlossen wurde.
Daß Johann Sebastian Bach in der ©ulten- Komposition eine besonders hervorragende Stellung einnimmt, mag neben seiner persönlichen Künstlerschaft auch darin begründet sein, daß in seiner Familie schon seit Generationen der Kunst- psciserberus auSgeübt wurde, und bei ihm dieser also seit langem gepflegte Zug zur volkstümlichen Musik seine meisterliche Zusammenfassung erfuhr. Unter seinen vier Orchester Suiten hebt' sich besonders die in l)»Dur C2lr. 3* hervor, die mit der andern Suite in der gleichen Tonart wahrscheinlich in dem Te'.cmannscheu Musikverein. den Bach eine Reihe von Jahren in seiner Leipziger Zeit leitete, zur Ausführung gelangt ist. iDie volkstümlich Bach mit feinen Suiten-Kompolitionen geworden war. dafür spricht eine Schilderung dec Kirmes zu Eutritzsch, die einem .Tableau von Leipzig im Jahre 1783 entstammt .Das Chor von Mulikanten streicht wacker ju: debütiert mit Sonaten von Bach und schließt mit Gassenhauern.' Unter
2lIS Beethoven im Jahre 1817 einmal von dem Dichter Lhristoph Äuffncr gefragt wurde.
vorwärts getrieben wird und daß in ihr, da sie nun klar liegt, auch der Konflikt, auch die schwere Entscheidung nicht gescheut wird!
diesen „Sonaten" sind zweifellos Teile seiner Suiten zu verstehen. ES ist ein Verdienst Felix Mendelssohns, daß er 1838 die 0 - Dur - Suite in einem Gewandhauskonzert w eder zur Ausführung brachte und dieses Werk damit dem Konzertsaal wieder zugängig machte. Unter dem Eindruck dieser Ausführung äußert sich damals Robert Schumann: „Er wiegt uns samt und sonders auf dem kleinen Finger."
Die zur Aufführung gelangende Suite gehört zu den sog. „Trompeten"-Suiten. In ihren Formen folgt sie dem französischen Vorbild. Dem Kopf- sah lOuoerture) gibt Bach eine innerliche Vertiefung einmal durch die pompöse geballte Kraft der Außensähe und durch die energievoll bewegte, eingeschaltete Fuge. Der zweite Sah („Air“) entfaltet breite Rentabilität, getragen von der Wärme reich strömenden Gefühls. (Wie innerlich reich dieser Sah ist, zeigt die Tatsache, daß er zeitweilig in einer ileberarbeitung zu einem bevorzugten Stück der Diolinsolisten geworden war.) Die Darauf folgende Gavotte erhebt sich durch ihre geistvolle Markierung über das Traditionelle dieser vom Tänzerischen herkommenden Form.
Oie Berufsgenossenschasten.
Die die Vereinigung berufsgenossenschaftlicher Verwaltungen für Hessen. Hessen-Rassau und Waldeck mitteilt, wäre es unverständlich, wenn die Reichsregierung bei den notwendigen Reformen der Krankenkassenorganisation auch Aende- rungen in der Organisation der g e- werblichrn Unfallversicherung vornehmen wollte. Von allen Zweigen der Sozialversicherung habe sich die Organisation der gewerblichen UnfallDertidjerung den Schwierigkeiten der Rachkriegszeit am meisten gewachsen gezeigt. Weder sei eine Leistungsunfähigkeit von Berufsgenossenschaften eingetreten, noch hätten sich Mißstände irgendwelcher erheblicher Art in der Verwaltung gezeigt. Man könne auch nicht sagen, daß etwa die Rotwendigkeit, kleine leistungsschwache Organisationen zu unterstützen, hervorgetreten wäre. Gerade manche kleinen Deruss- genossenschasten, die häufig zum Beweise mangelhafter Organisation herangezogen werden — es sei nur an die Schomsteinfeger-Derufsgenossen- schoft erinnert — hätten sich finanziell vollständig auf der Höhe gehalten. Ratürlich würden, wenn die traurige Wirtschaftslage anhält, auch die Derufsgenossenschaften in Bedrängnis geraten, aber das feien dann Erscheinungen, die von keiner Art von Organisation verhütet und die nur durch 2Tbbau der Leistungen und durch Erholung der Wirtschaft allmählich wieder beseitigt werden könnten. Selbst wenn aber gewisse Organisationsverbesserungen an und für sich wünschenswert wären, so sei der Zeitpunkt einer wirtschaftlichen R 0 11 a g e, in der jeder Detriebsunternehmcr die größten Anstrengungen machen muß, sich über Wasser zu halten, am ungeeignetsten, solche Aenderungen in der Organisation vorzunehmen, die zunächst doch nur eine 11 n f u m m e von unproduktiven Verwaltungsarbeiten und erhebliche Mehrkosten verursachen toürben. Man solle daher die bisherige Organisation bestehen lassen, bis ruhigere Zeiten kommen, damit sei allen Beteiligten am besten gedient. Unverantwortlich wäre es lediglich aus politisch taktischen Erwägungen, solche Experimente jetzt vorzunehmen.
Soll man heutzutage sparen?
In der Gegenwart hört man oft die Frage: Soll man fein Geld ausgeben oder soll man sparen? Oft wird dann geantwortet: Ausgeben! Zur Begründung dieser Antwort wird meist angeführt: Jede Mark, die ausgegeben wird, schafft neue Arbcits» und Verdienstmöglichkeiten. Viele Geschäftsleute fördern natürlich im eigenen Interesse durch Reklame diese Ansicht: „Kaufen, nicht sparen."
Und doch, diese Ansicht ist nicht richtig. Die Sparkassen stecken ja das bei ihnen gesparte Geld nicht in den Tresor, sie geben es weiter. Sie leihen es aus an Handel, Gewerbe und Landwirtschaft. sie geben Kredite an die kleineren und mittleren Betriebe. Auch bei diesen wird das Geld nicht aufgehoben, sondern es dient dazu, um Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen. Land, Saatgut, Gebäude zu kaufen, um Arbeiter und Angestellte zu bezahlen usw. Kurz, es wird auch hier au6- gegeben.
Sparen und Ausgeben ist also gar kein Gegensatz, wohl aber gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Sparen und Ausgeben: Das Geld, das der einzelne von seinem Einkommen leicht ausgibt, dient im allgemeinen dem Verbrauch, d. h. dem Kauf von Verbrauchsgütern. Das Geld hingegen, das der einzelne bei der Sparkasse spart, dient — bis er es wieder braucht — der Kapitalbildung, d. h. der Schaffung neuer Arbeitsplätze und Ec- werbsmöglichkeiten. H er zei't sich die Unentbehrlichkeit, die Lebensnotwendi^keit des Sparens, des richtigen Sparens, freilich nur nicht des Hamsterns. Wer Geld hamstert, spart zwar auch: aber das ist ein Sparen, von dem die Gesamtheit und damit auch der Betreffende selber nicht Ruhen, sondern Schaden hat.
Unter den Klavierkonzerten Mozarts nehmen die beiden Konzerte in D-Moll und L-Moll eine Sonderstellung ein, indem sie in ihrer subjektiven Haltung von der damaligen konventionellen Deseilschaftsmusik her in ein Reuland vorstohen. das Dann später Beethoven Den geeigneten Boden zur völligen endgültigen AuSw r ung gab Gegenüber den voraus.egangencn Vio inlonzer.en verlieft Mozart ganz besonders in diesen beiden Moll- Werken den oialoghaften Charakter des Konzertes. Wie Mozart in Der si mphonischen Verwebung von Solistenpart und solistisch geführten Orchesterstimmen neue Wege bahnt, darauf konnte schon bei früheren Be'prechungen Mozartscher Konzerte verwiesen werden.
Der erste Sah des v-Moll -Konzerte- ist mit einem leidenschaftlich drängenden Grundton erfüllt, zeitweilig mit einem Zug inS Klagende. Flehende. Die in Wohllaut getauchte Romanze will besondere Gelegenheit für das kantable Spiel geben. Das Schiußrondo blickt mit kinem stark gesteigerten Tempo (Prcstissimo) auf Beethoven voraus, in der Coda wendet sich Die Mollstim- mung deS Satzes dem lösenden Dur zu.
Wirischast.
• Der Zusammenbruch der Berliner Dank für Handel und Grundbesitz. Die Staatsanwaltschaft hat im Verlauf der Untersuchung wegen des Zusammenbruchs der Bank für Handel und Grundbesitz jetzt auch das Ermittlungsverfahren auf weitere Mitglieder des Aufsichtsrates ausgedehnt, um völlige Klarheit über die Geschäfte der Bank zu schaffen. — Der bisherige Vorsitzende der wirtschaftsparteilichen Fraktion im Preußischen Landtag. Abg. Laden- d 0 r s s, hat in der Fraktionssitzung am Dienstag milgeteilt, daß er seine sämtlichen Parteiämter, insbesondere auch das des Vorsitzenden der Landtagssraktion. bis zur restlosen Klärung des gegen ihn im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz eingeleiteten Verfahrens niedergelegt habe.
• Hoesch-Köln-Reuessen A G. für Bergbau und Hü 11 e n b e t r i e b. Dortmund. Die vom Aufsichtsrat genehmigte, der Generalversammlung vorzulegende Bilanz weist nach Ab'etzung der Unkosten einen Rohgewinn von 7 532 C96 Wk. auf. Rach Abschreibungen auf Werkanlagen von 10 ^46 801 Mk.. sowie nach Abschreibungen auf eigene Aktien von 769 247 Wk. und nach Zuweisung von 2 095 926 Mk. an eine neugebildete Ärifcnrüdlagc ergibt sich ein Verlust von 5 807 235 Mk. Der AufsichtSrat wird der Generalversammlung Vorschlägen, diesen Verlust aus der mit 33 822 280 Mk. ausgewiesenen gesetzlichen Rücklage zu entnehmen. (3. V. verteilte Hvesch 6 v H.. Kcln-Reuessen 6.5 v. H. Dividende auf die Stammaktien.)
4,8 »onen Arbeitslose im Reich.
Zunahme seit 1. November rund 220 000.
Berlin. 24. Rov. (WTD.) Rach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. Ro- vember belief sich die Zahl der Arbeitslosen am 15. Rovember nach den vorläufigen Meldungen der Arbeitsämter auf rund 4844000. Sie hat seit dem 1. R o v e m b e r, ^nicht zuletzt infolge der Einstellung der meisten Außenarbei- ten, um rund 220000 zugenommen. Die Zunahme in der gleichen Zeit des Vorjahres war um etwa 12 000 höher, wenngleich der Stand der Arbeitslosigkeit damals um rund 640 000 niedriger lag.
Am 15.Rovember wurden in der Arbeitslosenversicherung rund 1 248 000, in der Krisenfürsorge rund 1 383 000 Hauptuntcr- stühungsempfänger gezählt. Die Zunahme seit dem 1. Rovember belief sich auf rund 63 003 in der Arbeitslosenversicherung und rund 33 000 in der Krisenfürsorge.
Don den am 31. Oktober gezählten rund 4 623 000 Arbeitslosen erhielten rund 17 v. H. wegen mangelnder Bedürftigkeit für Krisen- oder Wohlfahrtsunterstützung, oder weil ihre Wartezeit für die versicherungsmähige Arbeitslosenunterstützung noch lief, oder aus anderen Gründen keine Unterstützung. Don den zu jenem Zeit
punkt unterstützten Arbeitslosen entfielen etwa 66 v. H. auf die Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge, etwa 34 v. H. auf die öffentliche Fürsorge.
* Detriebseinschränkungen bet den Kruppschen Erzgruben im Bctzdorser Bezirk. Wie WTB.-Handel-dienst von zuständiger Stelle erfährt, ist die Verwaltung der Kruppschen Eisensteingruben im Detzdorser Bezirk nicht in der Lage, den Betrieb der Erzgruben in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Di- jetzt haben die werkseigenen Hütten zur Stützung de« Rotstandsgebietes die gesamte Förderung der Gruben abgenommen und — bei dem ständig $u- rückgehenden Roheisenabsah — die Hälste der Förderung auf Lager nehmen müssen. Die aufgefta» pelten Vorräte an Siegerländer Erz sind infolgedessen auf weit über 1 Mill. Mk. angewachsen, die in einer so kapitalarmen Zeit wie heute zinslos dem Kapitalumlauf entzogen sind. Diese- Verfahren weiter durchzuhalten, sei selbst einer Firma wie Krupp heute nicht mehr möglich. Don den beabsichtigten Einfchränkpngsmaßnahmen werden rd. 600 Bergleute betroffen.
Englische Gorgen um das Pfund.
Oie Londoner City gegen Paris verstimmt.
London. 24. Rov. (WTD.) Der neue Rückgang des Pfundes allen führenden Devisen gegenüber hat das seit einigen Tagen in der Londoner City herrschende Gefühl der Desorgnis noch erheblich verstärkt. Es waren auch heute wieder in der Hauptsache Abgaben des Kontinents zu beobachten, die das Pfund drückten. Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß bei Den Verkäufen für französische Rechnung — die Hauptverkaufswelle geht zweifellos von Paris aus — in hervorragendem Maße politische Motive eine Rolle spielen. Man weist in Finanzkreisen daraus hin, daß säst vor jeder internationalen Konferenz, auf Der zwischen Frankreich und England Meinungsverschiedenheiten herrschten, die englische Währung auf französische Manipulationen schwach veranlagt ist. Anderseits beginnt man auch zu verstehen, daß die augenblickliche englische Handelspolitik kaum dazu angetan ist, das Vertrauen des Auslandes zu stärken. Man versucht auf der einen Seite den Wert des Pfundes künstlich hochzuhalten, durch die Einführung von Zöllen und durch die „Kauft britische Waren"-Bewegung, anderseits sucht man wiederum ein erhebliches Anziehen des Pfundes zu vermeiden, um nicht der Vorteile der Exportprämien verlustig zu
welche unter feinen bis dahin geschriebenen acht Symphonien ihm die liebste sei, antwortete er ohne Besinnen: „Die Eroica." Kussner: „Ich hatte gedacht, die L-Moll." Beethoven: „Rein, die Eroica!" Und mit Recht. In dem gesamten Schaffen des Meisters bedeutete kein Werk einen so gewichtigen Schritt vorwärts wie diese Symphonie. Ja, dieses Werk leitet eine neue Epoche in Der Geschichte der Symphonie ein. Hatten alle Doraudgcganqcnen s mphonisben Werke m hr oder minder Der Musik an sich gedient, indem sie musikalisches Erleben in musikalische Formen brachten, so macht Beethoven hier zum ersten Male Die Musik dem Erleben des Menschen in seiner ethischen Haltung zugängig. Es gibt Dem Heldischen, so wie er es subjektiv erschaut (die ursprüngliche Beziehung auf Rapoleon mußte dem symbolischen Allgemeinbegriff des Helden weichen) eine Verkörperung im Musikalischen, indem er die Kausal» bezogenheit Der Außenwelt mit ihrer Zielstrebigkeit zum erstenmal in den Ausdrucksbereich deS Mu'ika ischen e nb z eht. Dabei werden die inneren Gesetzlichkeiten der Musik mit ihren Spannungen und Lösungen zu ausdrucksstarken Symbolen außermusikalischen Geschehens.
Es erübrigt sich, auf den Gedankengang de- Werkes im einzelnen einzugehen, da die Symphonie innerhalb Der letzten Jahre zum dritten Male auf Dem Programm erscheint.
Es wird den Besuchern des Konzertes aber sicherlich interessant sein, zu beobachten, welche Entwicklung Die Inßrumcn ierung-Iu: st von Der orgelmäßig gedachten Koppe ui g der O.chcster- stimmen bei Bach hin zu der cigenklanglichen Bewertung Der Instrumente bet Mozart und weiter ZUM symbolischen AuSdru lswert der Klangfarbe bei Beethoven genommen hat. Dr. H.
tiodifcbulnotbrirfffen.
Dr. Hans EheloIs, Honorarprofessor an der Universität Berlin und Kustos bei dcr Sammlung der 'Vorderasiatischen Altertümer der Staatlichen Museen, hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Afsyriologie an der Universität Breslau als Nachfolger von Profesior A. Ungnad obgelehnt.
Dr. phil. Wolter Fuchs In Berlin, der zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Aachen berufen wurde, übernimmt am 1. April 1932 den Lehrstuhl für technische Chemie an der Aachener Technischen Hochschule.
gehen. Die Position deS LondonerDevifen- Marktes ist jedenfalls sehr schwach, er hat die Führung an die kontinentalen Plätze abgegeben. Die Schwäche deS Pfundes hat alle Hoffnungen auf eine baldige Herabsetzung des englischen Diskontsatzes vernichtet, im Gegenteil, man rechnet jetzt sogar wieder mit einer Erhöhung.
Oer gestrige Devisenmarkt.
An den internationalen Devisenmärkten hat sich gestern vormittag der R ü ck - gang deS englischen Pfundes we.ier fortgesetzt. Rachdem es gegen Den Dollar zunächst mit 3,65 nur eine Kleinigkeit leichter eii - gesetzt hatte, ging es im Laute des Vormittags auf 3.62’ , zurück, uni sich Dann wieder leicht auf 3.62' , zu erholen. In Amsterdam ging es auf 9.04' ... zurück. Man wollte Verkäufe der Riederländischen Bank festftellen. Gegen PanS schwächte sich das Pfund auf 92,71 ab. gegen Zürich auf 18,70 und gegen die Reichsmark auf 15,32' 2. gegen Madrid auf 42.93 und gegen Brüssel auf 26’ „. Der Dollar blieb weiter fest, die Reichsmark hat sich wieder gut erholen können In Amsterdam zog die Mark auf 59' s. in Zürich auf 122,20 an. während sie sich in Paris mit 605 eine Kleinigkeit niedriger
„Oer Kongreß tanzt-'.
So gut besucht wie gestern bei der Premiöre dieses Charell-FilmS hat man das Lichtspielhaus lange nicht gesehen, und eS scheint fast, als ob der Publikumserfolg den der .Tankstelle" noch überbieten sollte. Man wird nicht erwarten, ein annähernd historisches Bild des berühmten Wiener Kongresses von 1814 vorzufinden. Die Autoren Rorbert Falk und Robert Liebmann haben die diplomatische Episode fast ganz in die Atmosphäre deS galanten und amoureufen Abenteuers. in die Wiener H:urigen-Slimmung hin- übergeschoben, die wir auS so vielen Filmen. Lustspielen und Operetten kennen. Man erlebt Den Kongreß gewissermaßen im Dreivierteltakt, und im Mittelpunkt steht Die bittersüße Liebesgeschichte deS weiland Zaren Alexander, der damals der schönste Mann von Europa gewesen sein soll, mit einem süßen Wiener Mädel, der Handschuhverkäuferin Christel Wcinzinger. Die Inszenierung. Die in gewissem Sinne für Den Regisseur Erik Ehare11 typisch ist, muß ein enorme« ®eID gekostet haben. Sie ist ganz auf pompöse Ausstattung. auf gror;c Szene, weiträumige- Schaubild und effektvolle Mas cnauftritte gestellt, mit einet Entfaltung von Kolorit unD Kostüm. Die oft verblüffend wirkt. Der Film ist auf einen heiteren, beschwingten, manchmal fast ope.eltenhallen Ton gestimmt. Der nur gegen Ende einmal flüchtig durch den von 2'ba her drohenden Schatten Rapo- leons getrübt wird. Die Mu.ik von H e y m a n n hat zwei fanfbare und stimmungsvolle Hauptmotive und wird durch die Verwendung von Altwiener Kompositionen iw e des Militär- morsche- von Schubert) stilgerecht ergänzt. Da- ungleiche, bittersüße Liebespaar spielen Willy Fritsch, die-mal in einer Doppelrolle, und Lilian Harvey: al- Metternich. Den .Kutscher Europas . sicht man Conrad T> e i D t ; au« Dem großen Aufgebot Der übrigen sind hervorzuheben: A'eronders Ad utant V.b.koif. demWal Iburg sein sprudelndes Temperament und eine etwa- unmilitärische Leibe-sül e verleiht: Lil Dago- ver: Hörbiger als gemütvoller Heurigen- fänger; Schroth: ©ülftorff; Falken- stein: Die 3 a n D r o d. Die Liedertexte schrieb Robert Gilbert. — AIS hübsche und luftige Neuerung im Beiprogramm läu t einer ter unter Gerrons Leitung von der Uia herausgebrachten Kabarett Tonfilme, wobei Hellmuth Krüger witzig konferiert und unter anderem die begab.c Kate Kühl ein Volkslied aus de« Knaben Wunderhörnchen' sehr gefühlvoll zum Besten gibt . -r-


