Ausgabe 
25.11.1931
 
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Nr. 276 Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Mittwoch, 2'. November 1931

Aus dem Reiche der Frau.

Neue Weihnachtshandarbeiten.

XSon Margret Halm

Es wird Zeit, meine Damen, an die Weihnachts­geschenke zu denken. Warten Sie lieber nicht, wie üblich, damit bis zu den letzten Tagen vor dem Fest. Denn nicht allein, daß Sie sich so das regel­mäßige Gehetze sparen, das doch allemal die letzte Weihnachtsvorfreude stört, verlängern Sie im Ge­genteil diese Vorfreude dadurch, daß Sie bei Zeiten mit den Arbeiten beginnen und sich schon jetzt in Weihnachtsstimmung verletzen. Endlich aber kommt es den Gaben selber seyr zu gute, wenn man sie in Ruhe ausdenken und anfertigen kann.

Wollarbeiten stehen heute im Vordergrund des Interesses. Da sind vor allem die reizenden Pullover, die es uns heute selbst zu stricken lockt. Für Damen, Herren, Mädels und Buben. Es ist eine so lohnende leichte und hübsche Arbeit. Na­türlich auch Westen mit und ohne Aermel, ja ganze Kleider.

S h a w l s und Mützen in dickerem sportlichem Charakter werden gehäkelt oder gestrickt und mit ' Fäden dann noch einmal durchzogen. Man kann auch einen gekauften Shawl in Maschinenarbeit auf diese Weise sehr hübsch und wertvoll gestalten.

Weiter sind E i n s a tz w e st e n mit Kragen und Manschettstulpen für Kleider ein sehr geschmackvolles Geschenk. Man muß das natürlich im Einklang mit der zu Beschenkenden arbeiten, daß es auch zu einem bestimmten Kleid paßt. .

Kragen und Manschetten in Wollarbeit, | die zum Neusten zählen, was die Mode bringt, sind so einfach zu stricken; oder man stickt sie aus Geor­gettegrund, indem man in einfachen Stichen Woll- säden durch das feine Gewebe zieht.

Auch Handtaschen werden in Wollarbeit sehr geschätzt und zwar in ziemlich großen halben Sti­chen, die dicht auf Stramin gesetzt die ganze Tasche bedecken, das heißt das Jnnenf'.'tter, das man fertig kaufen kann. Das Aufnähen der beiden Außen­platten ist dann eine Kleinigkeit.

Immer gleich beliebt bleibt ein molliges Bett- j ä ck ch e n in Wolle gehäkelt oder gestrickt. Fabel­haft die Schlaf- oder Autodecke in einfachen Stäbchen oder im Rosenstich in dicker dochtiger Wolle, ein herrliches Stück, das sich noch auf Kin­der und Kindeskinder vererbt. Tee- und Kaffee­wärmer, Eierhütchen, auch Sofa kiffen hat man in Wolle schon immer gearbeitet.

In bunten Stoffen lassen sich mit der Nähmaschine eine ganze Reihe reizender Geschenke so rasch und einfach Herstellen. Vor allem liebt man es heute sehr, Sofakissen nur einfach mit bunter Seide zu über­ziehen. Auch Leinen, oder Cretone natürlich. T e e - oder Bridgedecken aus farbigem Voile, Ba­tist oder dünnem Leinen mit Spitze umsäumt, einem Tüllrand oder auch vielleicht mit einer stumpfen Kante aus anderem Material sind sehr beliebt und wieder überaus leicht herzustellen. Vielleicht in rosa mit hellblauem Rand oder zartfarbig mit weiß, in uni mit geblümtem Rand oder umgekehrt sehr hübsch auch in bedrucktem Voile nur einfach in sich gesäumt. Immer mit vier passenden Serviettchcn. B e t t k i ß ch e n liebt man meist in weißem Linon mit feiner Handarbeit, auch in zartrosa oder zart­gelb, sehr elegant in Crepe de Chine, der ganz glatt oder auch mit feinen Hohlnähtchen gearbeitet sein kann. Und immer wieder all die aus Brokatstoffen mit Goldborten verbundenen und umrandeten so wunderhübschen Sachen: Schreibmappen, Bücher st änder, Telephonbuchhüllen, Tabletts, Zigaretten- oder Keksdo­sen ja ganze Schreibtischgarnituren und Rauch­service lassen sich in Kleb - und Näharbeit in dieser Weise anfertigen, die zumal für Herren besonders schöne Geschenke werden. Für die Flur­garderobe hat man heute gerne auch in dieser Art oder mit Samt bezogene Kleiderbü g e l und

Vorschau auf Weihnachten.

Winke für die Hausfrau.

Von Hildegard G. Fritsch.

(Nachdruck verboten.)

Wir nähern uns mehr und mehr dem Weih­nachtsfest. Darum sorgt die kluge Hausfrau schon rechtzeitig vor, um nicht im letzten Augenblick alles erledigen zu müssen. Hast bringt Halbheit und Störung. Aber gerade zu diesem wichtigen Fest ist sorgsame Vorbereitung besonders nötig.

Es gilt in erster Linie, so früh wie möglich kleine Rücklagen vom Wirtschafts- g e l d zu machen, um die nötigen Geschenke und Gaben kau, en zu k nnen. Die Männer werden leicht ärgerlich und schimpfen, wenn sie kurz vor dem Fest um größere Summen gebeten werden. Sie seufzen und stöhnen, denken am Fest an die vielen Ausgaben und hängen den Sorgen nach. Das ver­dirbt die Harmonie der Feiertage. Es ist also gut, beizeiten vorzusorgen und sich nach und nach die nötigen Mittel zu sparen.

3n zweiter Linie ist das Großreinema- chen eine spezielleFestarbeit". Die Hausfrau kann sich Erleichterung verschaffen, wenn sie sich einen bestimmten Tagesplan zurechtmacht und die Arbeiten auf mehrere Tage verteilt. Ein Zim­mer wird nach dem andern erledigt, und auf diese Art wird es nich' zuviel für ihre Kräfte. Nichts ist häßlicher für die Familie als eine kranke oder mürrische, abgearbeitete Hausfrau.

Auch die näheren Verwandten sollen mit einer kleinen Aufmerksamkeit bedacht werden! Was zu schenken ist, muß gleichfalls vorher bedacht wer­den. Man kann durch stille Beobachtung die klei­nen Wünsche und Notwendigkeiten leicht feststel­len, etwa bei einem Besuch. Es ist nicht leicht, jedermann gerecht zu werden oder der Gefahr auszuweichen, etwas Doppeltes zu schenken. Ein Umtausch ist immer etwas peinlich. Deshalb sollte man nicht direkt nach den Wünschen der Betreffen­den fragen, sondern selbst auf kleine Stoßseufzer, auf Mängel, geäußerte Wünsche und dergleichen achtgeben, sich diese notieren und dann auswählen und kaufen! Dazu gehört Zeit, und es gilt dar­um, frühzeitig an die Geschenke, also an das Was?" zu denken. _

Außerdem gilt es, sich über die Einkaufsgele­genheiten zu unterrichten. Ein oder mehrere freie Nachmittage müssen in den Lagesplan einkalku­liert werden, um die Geschäfte und Schaufenster

dazu passend Hutständerchen und Kleiderbürsten.

Wäschebehälter für Reise und Kleider­schrank werden heute folgendermaßen bevorzugt und sehr leicht selbst gearbeitet: man überzieht Brettchen, bzw. Kartons in verschiedenen Größen für Taschentücher, Handschuhe, Strümpfe, Combi­nationen, Nachthemden oder Schlafanzüge mit bunt­bedrucktem Batist, umrandet das Brettchen mit schmalen Rüschen, die man aus dem gleichen Batist genäht und strammt quer über zwei überzogene Gummibändchen, die die Wäsche festhalten

Filetarbeiten werden heute nur in ganz grobem Netz gemacht, das meist mit halben Stichen gestopft wird. Tülldecken sind weiter sehr beliebt so­

wohl für'Herrenzimmertische, wie auch in klein als Tablett-, Teller- und Cocktaildeckchen.

In Klebarbeiten lassen sich sehr einfach hübsche Notizbücher, Geburtstags- und Adressenbücher, Ständer für Papierservietten, Kalender, Ka­sten aller Art und Bridgeblocks, wie über­haupt all die kleinen so beliebten Dinge, die man zum Bridgespiel gebrauchen kann, Herstellen. Lam­penschirme faltet man heute in einfarbigem Papier oder Karton mit großen Falten und bindet sie mit einer großen Atlasschleife im gleichen Ton.

So lassen sich ungezählte reizende, moderne Ge­genstände leicht und billig selber anfertigen, die zum Weihnachtsfest große Freude bereiten.

Honigkuchen,Lebkuchen,Makronen

Erprobte Rezepte für die Weihnachtsbäckerei.

Wenn auch die weihnachtlichen Näschereien gut und preiswert gekauft werden können, so kommt die richtige Weihnachtsstimmung doch erst auf, wenn Mutter mit den selbstgebackenen Leckereien herausrückt. Nachstehend einige Rezepte:

Weihnachtsschaumgebäck. j2 Pfund zu Sahne gerührte Butter, 5 Ei r, 3/4 Pi und Zucker und l'/a Pfund Mehl we den gut miteinander ver­rührt und eine Weile stehengelassen. Hierauf wird der Teig auf dem Nudelbrett dünn ausgerollt und mit Blechsormen allerhand Figuren, wie Hunde, Schäfchen, Hasen usw. ausgestochen, die mit Ei be­strichen und mit buntem Zucker bestreut auf ge­wachstem Blech in nicht zu heißem Ofen gebacken werden. Es macht den Kindern viel Freude, die selbstgebackenen Tierchen am Weihnachtsbaum zu sehen.

Haselnuhkonfekt. Auf 3/4 Pfund ent­kernte Haselnüsse nimmt man 1/4 Pfund feinen Zucker, schlägt 1 Eiweiß zu Schnee und rührt es mit dem Zucker schaumig, tut 1 Messerspitze Zimt darunter und schüttet die Haselnüsse in die Masse. Dann tut man alles in eine eiserne Pfanne und läßt auf ganz schwachem Feuer unter stetem Tlin- rühren den Zucker antrocknen. Cs hängen dann immer mehrere Nüsse aneinander und bilden ein kleines Häufchen. Statt des Zimts kann nach Be­lieben auch Vanille oder 1 Teelöffel Himbeer- oder Zitronensaft genommen werden.

Honigkuchentorte. 1 Pfund Bienenho­nig, je 1/2 Teelöffel Zimt, Nelken und Kardamom, 75 Gramm kleingeschnittenes Zitronat, 1/8 Pfund süße und einige bittere gewiegte Mandeln, 10 Gramm Hirschhornsalz und 15 Gramm Pottasche in Rum ausgelöst, 5 ganze Eier, iy2 Pfund bestes, gesiebtes Roggenmehl. Dieses alles 1/2 Stunde tüchtig gerührt, auf gut gefettete, mit Mehl be­stäubte Form gestrichen, reich mit halbierten Mandeln und Zitronatscheiben garniert und braun gebacken, gibt eine gute, lange haltbare Pfeffer­kuchentorte.

Weiße Nürnberger Lebkuchen. Ein Pfund gesiebten Puderzucker richrt man mit 8 ganzen Eiern eine Stunde schaumig. 1/2 Pfund Kartoffelmehl, l/a Pfund Weizenmehl werden dann hinzugerührt. Ferner 15 Gramm feinen Zimt, 8 Gramm Nelken, 4 Gramm Kardamom, 75 Gramm grobgewicgtes Zitronat, etwas abge­riebene Zitronenschale gibt man ebenfalls hinzu. Tags vorher bereitet man 1 Pfund Mandeln vor, welche gebrüht, geschält, feingeschnitten und auf einem Blech im Backofen lichtgelb geröstet werden. Diese kommen zuletzt in den Teig, eben­so wie eine Prise Salz und 1 Teelöffel in Rum gelöste Pottasche. Nachdem man die Masse gut miteinander vermengt hat, werden auf rechteckigen Oblaten fingerdicke Lebkuchen aufgestrichen, die man mit Mandeln und Zitronat an allen vier Ecken verziert und in mäßig heißem Ofen schön lichtgelb backt.

besichtigen zu können. Der vorteilhafte Einkauf ist sehr wichtig. Ist die günstige Gelegenheit er­mittelt, wird gekauft. Das Fest ist viel schöner, wenn an all diese Notwendigkeiten rechtzeitig ge­dacht wird und keine Heberst ürzung die Harmonie beeinträchtigt!

Das erkalieie Kind.

Von Or. med. W. Schweisheimer.

Kinder find im allgemeinen häufiger erkältet als Erwachsene. Manche Kinder sind sozusagen alle Augenblicke von einem Schnupfen, einer Halsentzündung oder einem Husten betroffen. Ist es nun so, daß Kinder an und für sich mehr zu Erkältungen neigen oder sind sie häufiger der Erkältungsgefahr ausgesetzt? Wahrscheinlich ist das letztere der Fall. Die Kinder ziehen sich nicht richtig an: Mäntel und Mützen sind ihnen lästig, den Mantel schließen sie nicht, auch wenn starker Wind weht. Oder sie erhitzen sich über­mäßig beim Spielen und Herumlaufen, achten dabei nicht auf Zug und Wind.

Die kalte Jahreszeit ist auch die hauptsächlichste Zeit für die Erkältungen. Gelegenheit dazu ist immer in reichem Maße gegeben. Ein Kind geht zur Schule, durch nassen Schnee, es trägt keine Heberschuhe, bekommt nasse Füße, am nächsten Morgen liegt es mit Halsentzündung im Bett. Das ist ja charakteristisch für Erkältungskrank­heiten, daß nicht die Stelle der Schädigung er­krankt, hier also die Füße, sondern irgendein ferner Körperteil, im vorliegenden Fall die Schleimhaut des Rachens. Ein Kind hat beim Turnen ein leichtes Trikot angezogen, es ist recht während der starken Körperbewegung, das Kind denkt aber nicht daran, sich beim Fortgehen wär­mere Kleidung anzuziehen, die Folge ist ein heftiger Schnupfen. Dabei neigen die Kinder zu Fieber, sogar zu hohem Fieber, während Er­wachsene im leichten Krankheitsfall normale Kör­pertemperatur haben. Ein leichter Schnupfen, eine geringe Darmstörung kann bei Kindern sofort zur Erhöhung der Körperwärme auf 39 Grad führen. Aber ebenso schnell geht das Fieber bei Kindern wieder zurück. Das Kind hat heute mor­gen noch normalerweise 36,7 Grad, heute abend vielleicht 39,2 Grad und morgen früh wieder 36,6 Grad, inzwischen hat sich ein Schnupfen aus­gebildet. Bei Schnupfen sind die Bindehäute des Auges häufig in Mitleidenschaft gezogen. Der

Zum gefüllten Honigkuchen, der be­deutend feiner ist, wird 1 Pfund Honig erwärmt, in ihm V2 Pfund Zucker aufgelöst, das Ganze mit sechs ganzen zerquirlten Eiern vermischt und in dieser Mischung zunächst 21/» Pfund Mehl un­tergearbeitet. Es werden dem Teig Vi Pfund geriebene Mandeln, 1/l Pfund feingeschnittenes Zitronat, 2 Teelöffel voll Zimt, ein Teelöffel voll englisches Gewürz, ein Teelöffel voll Nelken, ein Teelöffel voll Ingwer hinzug:fügt. Der Teig bleibt dann zugedeckt bei Zimmertemperatur stehen. Später wird er dann mit zwei Teelöffel voll aufgelöster Pottasche und einem Teelöffel voll Hirschhornsalz verarbeitet. Am einfachsten ist es, nun von ihm zwei Teile zu machen und jeden Teil für sich einen halben Zentimeter dick aus­zurollen. Der eine Teil wird dann auf ein be­stäubtes Blech gelegt und mit nachfolgender Mischung bestrichen; die angegebene Teigmasse füllt gerade ein großes Backblech. Zu der sehr fein schmeckenden Füllung werden 3/4 Pfund Scho­kolade erweicht und mit einer kleinen Tasse Milch, Vs Pfund geriebene Mandeln, 1/2 Pfund geschnit­tenes Zitronat, V2 Pfund Zucker, V2 Pfund Sul­taninen zu einem leicht streichbaren Teig ver­rührt. Diese Füllung wird auf den Boden ge­bracht, gleichmäßig ausgestrichen und die Decke übergelegt. So wird der Kuchen abgebacken und später in beliebig große Streifen geschnitten.

Schokoladenmakronen. 1 Pfund fein­geriebene süße und etwas bittere Mandeln mischt man mit 1 Pfund geriebener Schokolade, 1/2 Pfund Zucker und 6cm au Schnee geschlagenen Weißen von 10 Eiern. Von dieser steifen Masse formt man kleine Häufchen, seht diese auf ein gewachstes Blech und läßt sie 15 Minuten im Baao,en trock­nen, nicht backen, bis die Makronen sich gut mit einem Messer vom Blech lösen lassen.

Zuckernüsse. 1 Pfund Zucker und 4 Eier rührt man schaumig, tut 1 Pfund Weizenmehl. 3 Gramm in Rum aufgelöste Pottasche, 40 Gramm gehacktes Zitronat, gehackte Apfelsinenschale, et­was Zimt und Nelken hinzu, dreht haselnuhgroße Klößchen und backt sie lichtgelb.

Anisbretzeln. 100 Gramm feinstes, ge­siebtes Mehl, 70 Gramm Butter, 50 Gramm Pu­derzucker, 15 Gramm pulverisiertes Anis und 5 Eigelb werden zusammen geknetet und an küh­lem Ort 1 Stunde ruhengelassen. Dann formt man kleine Brezeln, die, mit Eiweiß bestrichen, mit grobem Zucker bestreut, in mäßig warmem Ofen hellgelb gebacken werden.

M ü r b k u ch e n. 3/4 Pfund Butter wird sahnig gerührt, 2 Eigelb dazugegeben, ebenso 1/2 Pfund Puderzucker, 1 Eßlöffel süße Sahne und 1 Pfund Mehl und alles gut miteinander verrührt kühl stehenlassen. Hierauf wird der Teig dünn aus­gerollt und Figuren ausgestochen, die man auf unbestrichenem Blech hellgelb backt.

Husten weist auf eine Reizung oder katarrhalische Entzündung in Kehlkopf und Luftröhre hin. Manche Kinder leiden jahrelang in der kalten Jahreszeit an solchem Reizhusten, alle Vorsicht und alle Abhärtung ist vergeblich, erst im Laufe der Jahre verschwindet die Neigung von selbst. Fieber ist damit fast nie verbunden.

Dagegen tritt Fieber häufig auf, wenn die Bronchien, die tieferen Luftwege, ergriffen sind. Hohes Fieber ist fast immer mit Hals- und Mandelentzündungen verknüpft. Sie bedürfen sorgfältiger Ausheilung, namentlich wenn sie mit der Bildung von Belägen und Eiterpfropfen auf der Mandel einhergehen, sonst können Nach­krankheiten die Folge sein. Seltener als beim Erwachsenen treten rheumatische Erkrankungen der Muskeln, Nerven und Gelenke auf. Dagegen sinh die kindlichen Verdauungsorgane gegen Erkäl­tungen sehr empfindlich. Magen- und Darm- störungen und schmerzhafte Darmkoliken können sich unmittelbar an eine Erkältung anschließen. Hier wie sonst bei kindlichen Erkrankungen kann Erbrechen das erste Zeichen der beginnenden Störung fein. Freilich beginnen manche infek­tiöse Kinderkrankheiten zunächst unter ganz ähn­lichen Erscheinungen.

Kälte und Nässe werden besonders dann wirk­sam, wenn sie auf eine günstige Disposition des Kindes für Erwerbung einer Erkältungs­krankheit treffen. Ein übermüdetes Kind ist zu Erkältungen mehr geneigt, als ein ausgcschla- fenes.

Falsche Ernährung bereitet den Boden der Erkältungskrankheiten vor. Dabei handelt es sich seltener um Unterernährung als um Heber» fütterung der Kinder, oder um eine allzu eiweiß­reiche. reizhafte Kost. Zu enge Schuhe behindern den Blutkreislauf, die Füße werden kalt, und diese Art der Blutverteilung ist immer beson­ders ungünstig für die Abwehr von andringenden Schädlichkeiten.

Man wird frühzeitig danach trachten, eine vorhandene Neigung der Kinder zu Erkältungen zu vermindern. Abhärtung ist aber ein Schlagwort, das bei falschem Gebrauch viel Un­heil anrichten kann. Die übliche Reinigung des Gesichtes, der Hände usw. mit Wasser von Zimmerwärme ist gut. Darüber hinaus wird man aber kaltes Wasser nicht mehr wie früher zu Abhärtungskuren verwenden. Richtige Abhärtung macht in hohem Maße von der Lust Gebrauch. Kinder können fast bei jedem Wetter an die

Advent im Kinderzimmer.

Von Elsb.th Unverricht.

(Nachdruck verboten.)

So selig noch einmal auswachen können, wie das Kind am ersten Advent! Die ganzen Tage vorher hatte man gezählt: jetzt nur noch dreimal aus­schlafen, dann, jetzt nur noch einmal, und wenn man dann aufwacht ... Abends zeigte das Kinder­zimmer noch das alte Gesicht; aber man war ganz sicher: der Nikolaus würde einen nicht vergessen; alles würde wieder da (ein: Adventskranz und -Herzen und vor allem die himmlische Adventsschnur ... Und man wurde nicht enttäuscht: es war wirklich wieder alles da und viel schöner, als es früher war.

Man sollte sie zu erhalten suchen, alle die alten, fröhlichen Bräuche. Kinder brauchen Erwartung und Wunderglauben. Und wie wenig gehört dazu, ein Kind zu beglücken, Kinderaugen leuchten zu machen! Was ist schließlich dieser ganze Advents- zauber für die nüchterne Realität der Erwachsenen: ein Korb mit Tannengrün, ein paar bunte Bänder, ein paar fartrge Kerzen, zwei Tüten mit Näsche­reien, einige kleine Spielsachen, die für wenige Pfennige zu haben sind! Aber der ganze weihnacht­liche Zauber darum, die liebevollen Zurichtungen der Mutter das macht es.

Zunächst der Adventskranz. Man umwickelt ein starkes Drahtgestell mit frischem Tannengrün, die schönsten Zweige nach außen, ganz fest und eng, daß feine Zweige abstehen. Dann befestigt man vier schöne, dicke Kerzen, weiß, gelb oder rot, und um­windet den Kranz mit dazu passendem Band oder einem Seidenband in kleinen Streublümchen. Zuletzt bringt man noch einige goldene Kugeln, kleine bron­zierte Mohnkapseln, und einige Aepfelchen, eben­falls bronziert, daran. Dann wird der Kranz an langen Seidenbändern unter der Krone befestigt.

Der Adventsleuchter, den jedes Kind be­kommt, ist eine einfache Flasche, die ganz mit Tan­nengrün umwunden ist, und zwar so, daß einige Zweige auf der Tischplatte aufliegen, die den Fuß markieren. Dann wir6 aus Silberpapier ein festge- drehter Bügel angemacht und eine Kerze hineinge- steckt.

Zum Schluß die A d v e n t s s ch n u r. Dazu be­sorgt man zunächst starken Gold- oder Silberdraht, der in Schnüren durchs Zimmer gezogen wird. (Für jedes Kind ist eine Schnur gedacht.) Dann einige Bogen buntes Seidenpapier ober Glanzpapier, viel­leicht auch einen silbernen ober goldenen Bogen, und macht für jedes Kind vierundzwanzig kleine Pakete. Für die Tage vom ersten Advent bis zum Heilig­abend. In jedes Päckchen kommt eine kleine Näsche­rei: ein paar Nüsse, ein Stückchen Marzipan, ein Pfefferkuchen, ober auch ein kleines Spielzeug: ein Püppchen, ein Taschenmesser, ein kleines Notizbuch, ein bunter Stift, ein paar farbige Kerzen, ein Weih­nachtsengel unb ähnliches. An ben vier Abvents- fonntagen ist bas Paketchen befonbers üppig. Da enthält ein Päckchen Näschereien unb Spielzeug. Unb jeben Abenb, wenn bie Abventskerzen an- gebrannt werben, bars bas Kinb von seiner Schnur ein Päckchen nehmen. Manchmal, wenn es sich am Tage etwas zuschulben kommen ließ, finbet sich anstatt ber erwarteten Ueberraschung ein Zettel vom Niklas vor:Lottchen war heute unartig!" Aber bas ist eine furchtbare Schande und passiert auch nur sehr selten.

An den übrigbleibenden Päckchen kann man dann immer abzählen, wie viele Tage noch bis Heilig­abend sind. Ja, in solch einem Adventszimmer machen sich die Weihnachtsarbeiten nach einmal jo aut da fallen auch den Erwachsenen die schönsten Geschichten wieder ein da wächst der Wunschzettel lang und immer länger, weil doch dem Weihnachts- mann nichts unmöglich ist ... Von diesem bunten, lustigen Fleckchen ergießt sich der alte, ewig neue Adventszauber über das ganze Haus.

Luft, aber die Kleider sind unbedingt dem Wetter anzupafsen.

Mjt vorgefaßten Theorien, etwa der Ansicht, daß die Kinder das ganze Jahr mit bloßen Knien laufen soUen, wird man bei den meisten Kindern Mißerfolge erzielen, sie werden sich oft erkälten. Kleine Kinder geben verhältnis­mäßig viel Wärme an die Umgebung ab, sie wer- den darum auch rascher kalt als Erwachsene, wenn sie nicht zweckmäßig angezogen sind. Von einem Jahr an sollte jedes Kind, solange es gesund ilt immer im ungeheizten Zimmer schlafen, auch im kalten Winter. Dagegen wird man das Fenster nur in der wärmeren Jahreszeit nachts geöffnet halten. Schlafen im ungeheizten Zimmer fördert den Schlaf und ijt infolge der langen, gleichmäßigen Einwirkung eines der besten Abhärtungsmittel für die At­mungsorgane.

Heberheizung der Zimmer dagegen macht zu Erkältungen besonders geneigt. Man muß be­denken, daß Kinder nur selten längere Zeit ruhig dasihen, sondern im Zimmer herumspringen; schon deswegen darf das Zimmer nicht zu warm ge­halten fein. In überheizten Zimmern ist die Luft meist zu trocken, darunter leiden wieder alle Schleimhäute, und ein plötzlicher Kälteüberfall läßt sie rasch erkranken.

Richtiges Verhalten läßt zahlreiche Erkältungs­krankheiten noch im Entstehen verschwinden. Naß gewordene Strümpfe müssen alsbald gegen trockene umgetauscht werden. Bei nassem Schneewetter sind Heberschuhe oder Gummischuhe für Kinder unent­behrlich, die zu Erkältungen neigen. Am wich­tigsten ist Wärme, von innen und von außen. Die warm gebadeten Kinder kommen ins Bett, bekommen dann heißen Tee zu trinken, gleichviel welcher Art, oder wenn sie das nicht wollen, heiße, gezuckerte Zitronenlimonade.

Hals- und Brustwickel helfen vorzüglich zu raschem Abheilen der Anfangserscheinungen. Der Berliner Chirurg Bier hat empfohlen, zu Be» ginn eines Schnupfens einen Tropfen Jodtinktur in einem Glas Wasser zu trinken, und das- tigenfalls nach einem halben Tag noch einmal zu wiederholen. Das Mittel ist in vielen Fällen wirksam, in allen ohne Schaden. Gegen starken Reizhusten können Medikamente nötig werden namentlich um ruhigen Schlaf zu erzielen. Ber- dunsten von Fichtennadel- oder Kiefernöl übt auf die oberen Luftwege einen beruhigenden und heuenden Einfluß aus.