Ausgabe 
25.7.1931
 
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Wirtschaft.

Oer Status der Reichsbank am 23. Juli

Berlin, 25. 3uli. (WTB. Drahtmeldung.) Bach dem Ausweis derRcichsbankvom 2 3. 3 u I i hat sich in der dritten Juliwoche die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wech­seln und Schecks, Lombards und Esfekten um 243,5 Millionen auf 3485,2 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Bestände für Handelswechsel und Schecks um 186,9 Millionen Reichsmark auf 2863,7 Millionen Reichsmark, uird die Bestände an Rcichsschatzwechseln um 126,3 Millionen auf 202,9 Millionen Reichsmark zu- genommen, die Lombardbestände um 69,6 Millio­nen auf 315,4 Millionen Reichsmark abgenommen.

2ln Reichsbanknoten und Renten­bankscheinen sind 28,1 Millionen Mark in den Verkehr abgeflossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 32,8 Millionen auf 4194,6 Millionen Mark erhöht, der­jenige an Rentenbankscheinen um 4,7 Millionen auf 409,8 Mark vermindert. Unter Be­rücksichtigung, daß in der Berichtswoche Renten­bankscheine in Höhe von 0,1 Millionen Mark getilgt worden sind, hat sich der Bestand der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 17,9 Mil­lionen Reichsmark erhöht.

Die fremden Gelder zeigen mit 585 Mil­lionen Reichsmark eine Zunahme von 277,9 Mil­lionen Reichsmark.

Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen haben sich um 21,9 Millio­nen auf 1512,3 Millionen Reichsmark erhöht. Im einzelnen haben die Goldbestände um 13,3 Millionen auf 1352,8 Millionen Reichsmark ab- gcnommen, die 'Destäirde an deckungsfähigen De­visen um 35,2 Millionen auf 159,5 Millionen Reichsmark zugenommen.

Die Deckung der Roten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 36,1 v. H., gegen 35,8 v. H. in der Vorwoche.

Wochenbericht

vom Frankfurter produktenmarkt.

Am Produktenmarkt machten sich auch in der ab- erlaufenen Woche die Einflüsse der schwierigen deut­schen Geld- und Kreditlage stark fühlbar, und das Geschäft zeigte einen immer größer werdenden Rückgang. Infolge der erschwerten Auszahlunys- beftimmungen bei den Banken war das Geschäft dauernd vor größere Schwierigkeiten gestellt, hinzu kam, daß man angesichts der Lage fast ausnahmslos Barzahlung verlangte und sich auf die Deckung des dringendsten Bedarfes beschränkte. Die Preisgestal­tung blieb in starkem Maße von den Witterungs- Verhältnissen abhängig; die Regenfälle in der letzten Zeit haben nicht nur eine hemmende Wirkung auf die Zufuhren ausgeübt, sondern ließen auch ver­schiedentlich die Meinung aufkommen, daß eine qua­litative Verschlechterung des Getreides dadurch her- ovrgerufen werden könnte.

Das geringe Angebot von Brotgetreide hatte ein Anziehen der Preise, namentlich für Weizen, der um fünf Mark höher bezahlt wurde, zur Folge, während Roggen nominell unverändert blieb. Bon Weizen neuer Ernte lag bisher überhaupt kein nennenswertes Angebot vor. Auch Futter- g e t r e i d e erfuhr eine Befestigung. Am Hafer- markt bestand Nachfrage des Konsums, doch mür­ben die höheren Forderungen nur zögernd bewilligt. Wintergerste neuer Ernte zeigte bei kleinem Geschäft eine Preiserhöhung um 2,50 Mark. Am Mehlmarkte blieb dos Angebot in Weizen- unb Roggenmehl prompter Lieferung knapp, die Preise zogen für Weizenmehl um 0,75, für Roggen­mehl um 1,50 Mark an. Der Konsum nahm auch hier nur die nötigsten Bedarfskäufe vor

Die Woche schloß mit folgenden Notierungen: Weizen 290 bis 295 Mk. norn.; Roggen 240; Win­

tergerste neuer Ernte 190 dis 192,50; Hafer (inländ.) 200 bis 205; Weizenmehl, füdd. Spezial 0 41,25 bis 42; Niederrhein. Spezial 0 41,25 bis 41,75; Roggen­mehl 60proz. Ausmahlung 33,75 bis 34,50; Weizen- kleie 10,75, Roggenkleie 11,25; Erbsen je nach Qua­lität für Speisezwecke 32 bis 36; Linsen je nach Qualität für Speisezwecke 25 bis 68. Heu, südd. gut, gesund und trocken 3,50 bis 4; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepr. 3; gebündelt 3; Treber ge­trocknet 10,50 bis 11,50 Mark.

Wochenbericht vom Sranffurtcr Schlachtviehmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt hatte im Derichtsabschnitt infolge Bargeldmangels inso­fern unter Schwierigkeiten zu leiden, als die Landwirte als Lieferanten der Händler auf Bar­zahlung der verkauften Stücke beharrten, wo­gegen die Abnehmer nicht genügend Mittel be­saßen, um neue Käufe vornehmen zu können. Da die Beschickung der Märkte allgemein gegen­über der Dorwoche eine Steigerung aufzuweisen hatte, gaben die Preise bei allen Viehgattungen nach. Der Rindermarkt hatte ruhiges Ge­schäft. Der Auftrieb stellte sich auf 1502 Stück,

Regimentssportfest

-es 15. Infanterieregiments.

Sie Gießener Soldaten erfolgreich.

Die Zusammenziehung des Regiments auf dem Truppen-älebungsplatz wird alljährlich dazu be­nutzt, sportliche Meisterschaften auszutragen. Es entspricht hierbei sowohl dem Gedanken des Heeressporte« als auch den gesteigerten körper­lichen Anstrengungen, bei diesen Wettkämpfen weniger die einzelne Leistung als den breiten Durchschnitt in Wettbewerb treten zu lassen, vor allem aber die speziell mllitär sportlichen ilebutv* gen zu pflegen.

Die Wettkämpfe wurden auf dem Truppen- älebungsplatz Senne durchgeführt und mit einem Hauptsporttag in Anwesenheit zahlreicher geladener Gäste abgeschlossen. Das Gießener Grenadier-Bataillon konnte mit vollem Erfolg auf treten und einige der wertvollsten Wett­kämpfe an sich bringen:

Sie Ergebnisse:

Turnen (Sechskampf): 1. älntfz. Burkart, 2. Komp., 105 P.; 2. ilntfto. Gvetsch, 16. Komp., 104 P., 3. O.-Gren. Decker, 4. Komp., 94 P.

Wasserspringen: 1. O.-Sch. Rosin, 4. Komp., 46.76 P.; 2. Tlntfz. Keil, 14. Komp., 41.2.7 P.

Streckent a uch e n: 1. O.-Sch. Schwallh, 1. Komp., 50 Meter in 42,5 Sek.; 3. älntfz. Beit- ter, 2. Komp., 50 Meter in 50,8 Sek., 4. O.- Gefr. Kunert. 4. Komp., 50 Meter in 50,5 Sek.

Rettungsschwimmen (30 Meter): O.- Gefr. Fohr, 3. Komp., 1:11 Min. 0 Fehler.

Einzel-Fünfkampf: Schießen: 1. O.- Gefr. Seipp, 2. Komp., 91 P.; 2. Gren. Dredler, 1. Komp., 91,5 P. Hdgr.-Werfen: 5. O.-Gren. Weicker, 1. Komp., 112 P.; Weitsprung: 7. Ilntfz. Deitter, 2. Komp., 123 P. 200-Meter-Lauf, 90 Teilnehmer: 10. Gren. Lorch, 3. Komp., 133,5 P.; 12. O.-Gren. Dietz, 1. Komp., 135,5 P.; 15. Gren. Schmidt, H., 2. Komp., 146,5 P.

Gruppen-Fünfkampf (wie oben): 1. Erste Kompanie, 13 P.; 3. Dritte Kompanie, 20 P. (10 Teilnehmer je Gruppe, 1 Unteroffizier und 9 Mann.)

Leichter M. -G. -Hindernislauf: 1. Zweite Kompanie, 1:19,3 Min.

war also um nahezu 200 größer als in der Woche vorher; es entfielen auf Ochsen 312, Bul­len 157, Kühe 496, Färsen 404 Stück. Die Preise erfuhren für alle Arten eine Abschwächung um eine Mark. Am Kälbermarkt, wo der Auf­trieb die gleiche Höhe wie im letzten Derichts­abschnitt zeigte, konnte sich das Geschäft nur schleppend entwickeln. Das Angebot wurde bei 1 bis 2 Mark niedrigeren Preisen geräumt. Auch am Markt für Schafe, wo 262 Stück auf getrie­ben waren, gegen nur 193 in der Vorwoche, vermochte das Geschäft nur schwer in Gang zu kommen, und das Preisniveau erfuhr eine Sen­kung umi 2 bis 3 Mark. Am Schweinemarkt herrschte mittelmäßiges Geschäst. Der Martt wurde ausverkauft, die Preise gingen jedoch auf Grund der stärkeren Beschickung (6797 Stück ge­gen 5132 Stück) auch hier um 2 bis 3 Mark zurück.

Im einzelnen notierten pro Zenter Lebend­gewicht in Mark: Ochsen al) 44 bis 47, a2) 39 bis 43, bl) 32 bis 38. Dullen a) 36 bis 39, b) 31 bis 35. Kühe a) 34 bis 36, b) 30 bis 33, c) 22 bis 29. Färsen a) 44 bis 47, b) 39 bis 43.

c) 32 bis 38. Kälber b) 50 bi« 55, c) 44 bis 49,

d) 35 bis 43. Schafe al) 40 bi« 44, b) 33 bis 39.

Schweine b) 46 bis 48, c) 46 bis 49, d) 46 bis

49, e) 44 bis 47.

Sch werer M.-G.-Hindernislauf: 4. Kompanie (MGK.), 2:18,3 Min.

Manns ch. -Hdgr. -Weitwurf (felbm): 2. Dritte Kompanie, 25,39 Meter; 4. Erste Kom­panie, 51,36 Meter.

7Xl00-Meter (Dienstgradstaffel): 2. Erste Kompanie, 1:23,6 Min.

OlympischeStaffel:3. Dritte Kompanie, 4:00,2 Min.

4x100-Meter-Stafsel: 2. Erste Kom­panie, 47 Sek.

Gr. -Hochsprung: 1. Erste Kompanie, 151,5 Meter.

Gr. -Weitsprung (felbm ): 1. Zweite Kom­panie, 5,79 Meter.

5-krn-Waldlauf (Mannsch.): 2. Erste Kompanie, 17:13,9 Min.

60X50-Meter-Schwimm staffel: 3. Zweite Kompanie, 53,20 Min.

Deitkonkurrenzen:

Dressurprüfung f. Off*.: 2. Hauptm. v. Stockhausen, 1. Kompanie (Pferd: Srneco), 1,5.

Jagdspringen: 3. O.-Lt. Münch, 4. Kom­panie (Pferd: Eneco), 4 F. 1,17; 4. Hauptm. Hofmann, 4. Komp. (Pferd: Windspiel II), 5 F. 1,1.

Vielseitig keitsprüfung: 2. Feldwebel Funk (Pferd: Edelmann), 4,28; 3. Gefr. Euler (Pferd: Freiherr), 4,39.

Geländeritt: 2. älntfz. Fischbach (Pferd: Hella), 1,42; 3. O-Feldw. Durkholz (Pferd: Attila), 2.0; 4. Feldw. Funk (Pferd: Edelmann), 2,46; 5. Gefr. Euler (Pferd: Freiherr), 2,86; 7. St.-Gefr. Bender (Pferd: Inka), 3,48. Jagdspringen für Unteroffiziere und Mannschaf­ten: 5. Feldw. Funk (Pferd: Edelmann), 0 F. 1,45. Sämtliche Teilnehmer gehören der 4. Kom­panie an.

Eignungsprüfung für Reitpferde: 3. Hauptm. v. Stockhausen, 1. Kompanie (Pferd: Betty).

Gruppenspringen: 2. O.-Lt. Münch, O.-Lt. Doigtsberger, 4. Kompanie, 5. F. 0,59,2.

Fahrprüfung für Zweispänner: 1. O - Gefr. Essinger, 4. Kompanie (Pferd: Falke-Jlse), 3,9; 2. O.-Gesr. Eckerh, 4. Kompanie (Pferd: Hertha-Hanna), 4,1.

Eva am Strand

Vornan von Hermann Weick.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

So sprechen Sie doch, gnädiges Fräulein!" drängte d'Alvez.

Eva blickte auf. Unklares Dangen regte sich wieder in ihr, als sie die Augen des Vicomte in begehrlichem Glanze auf fich gerichtet sah. Dann aber schüttelte sie diese Hemmung von sich ab.

Was hatte sie zu befürchten, wenn sie zum Schein aus d'Alvez' Wünsche einging? Sie würde schon darauf bedacht sein, daß er ihr nicht zu nahe käme.

Die Hauptsache war, daß Helbing seine Strafe fand ...

Wenn Sie so großen Wert auf meine Ge­sellschaft legen, Herr Vicomte", sagte sie mit starrem Lächeln,wäre es gefühllos von mir, sie Ihnen zu verwehren."

XV1IL

Ich glaube, ich sehe da doch schärfer als du, Stefan", hatte Hanna Moest vor einigen Tagen zu Helbing gesagt, als wieder einmal die Rede auf Eva Witter gekommen war.Das unfreund­liche Benehmen, das Fräulein Witter dir gegen­über zur Schau trägt, erscheint mir nicht echt. Ich habe einige Male Blicke von ihr aufgefangen, mit denen sie dich, als sie sich unbeobachtet wähnte, betrachtet hat; die waren alles andere als un­freundlich!"

Warum dann dieses verletzende Fremdsein? Warum dieser Männerbetrieb gerade vor meinen 2Iugen?"

Sie wird dich eifersüchtig machen wollen, Ste­fan! Frauen haben oft ganz eigene Wege, um zu ihrem Ziele zu gelangen! Vielleicht haft du Fräu­lein Witter nicht ganz nach ihren Wünschen be­handelt; du darfst nicht vergessen, daß sie eine sehr verwöhnte junge Dame ist, die allem Anschein nach bisher die Männer, die sich um sie scharten, nach ihrer Pfeife tanzen lieh. Wie ich dich kenne, Stefan, hat bei dir ihre Pfeife versagt! Run will sie dir zeigen, daß sie dich nicht braucht, daß sie genug andere Verehrer hat, wenn sie es will! Dieses offensichtliche Zurschaustellen ihrer Erfolge vor deinen Augen beweist aber, daß sie einen ganz bestimmten Zweck damit ver­folgt. Ich glaube, sie will es auf einen Kampf ankommen lassen, wer von euch beiden der Stär­kere ist . . ."

Diese Worte Hannas gingen Stefan Helbing nicht aus dem Sinn. Je mehr er darüber nach­dachte, desto einleuchtender erschienen sie ihm.

Gewiß, er hatte Eva Witter nicht Immer mit

zarten Händen angefaht; es war nun einmal nicht seine Art, einer Dame nur Gefälliges, Schmeichel­haftes zu jagen. Sie muhte auch ein offene« Wort ertragen, selbst wenn es ihr im Augenblick nicht gerade gefiel.

Daran schien es aber bei Eva Witter zu fehlen.

Sein letztes Zusammensein mit ihr, als er ihr die Fähigkeiten für den Aufenthalt in Afrika ab­gesprochen hatte, hatte mit einem Mißklang ge­endet; seine Worte, die scherzhaft gemeint waren, hatte sie sichtlich als kränkende Geringschätzung aufgefaßt.

Seit jenem Tage hatte Eva dann das abwei­sende Benehmen angenommen...

Sie ist noch ein richtiges eigensinniges Kind! dachte Helbing, dessen gute Laune sich wieder ein­gestellt hatte. Ich muß sie gewähren lassen, als ob mich ihr Treiben nicht im geringsten berühre. Sie wird dann am schnellsten wieder vernünftig werden!

Seine Sicherheit schwand auch nicht, als er in den nächsten Tagen Eva öfter in Gesellschaft eines sehr eleganten dunkelhaarigen Herrn von unver­kennbar ausländischem Typus sah, den et bis jetzt unter den Hotelgästen nicht bemerft hatte.

Erst als er die Wahrnehmung machte, daß Evas übrigen Kavaliere verschwunden waren und nur noch der Fremde sich an ihrer Seite zeigte, wurde er stutzig.

Er erkundigte sich beim Portier nach dem Herrn; es sei der Vicomte Raimond d'Alvez, wohnhaft auf Schloß d'Alvez in Südfrankreich, sagte man ihm.

Ein Bicomte, sieh mal an! Eva hat hochflie­gende Pläne! dachte Helbing in überlegenem Spott.

Aber eine Unruhe, die er sich nicht erklären; konnte, wich von diesem Augenblick an nicht mehr von ihm. Ihm war manchmal zumute, als drohe von diesem Franzosen eine Gefahr, der er vor­beugen müsse.

Unauffällig beobachtete er die beiden aus der Ferne.

Ein herzlicher Ton schien zwischen ihnen zu herrschen. Mit sichtlichem Eifer war der Vicomte um Eva bemüht; lächelnd ließ sie sich seine Auf­merksamkeiten, seine Huldigungen gefallen.

Eifersucht sprang Helbing an.

Am liebsten wäre er zwischen die beiden getre­ten und hätte Eva von der Seite dieses hübschen Elegants hinweggerissen. Aber Gva hätte ihn dann vielleicht verlacht...

Geflissentlich vermied Helbing eine Begegnung mit Eva und d'Alvez. Er gönnte Eva nicht den Triumph, sie in Gesellschaft des Herrn Vicomte grüßen zu müssen.

Eines Rachmittags sah er sich auf der Strand- Promenade ihnen doch gegenüber.

Mit undurchdringlicher Miene zog Helbing den Hut. Eva Witter neigte unmemid) aas Haupt.

Aus d'Alvez' Augen traf ihn ein kurzer, durch­dringender Blick. Dann war man aneinander vor­bei.

Rach wenigen Schritten blieb Helbing stehen. Wie unter einem Zwange blickte er zurück.

Ihm war, als habe er dieses hübsche, hochmü­tige Männergesicht schon einmal gesehen. Er suchte in feinen Erinnerungen; fieberhaft dachte er nach. Vergebens.

Ich verwechsle ihn wahrscheinlich mit einem an­dern, sagte sich Helbing und schritt mißgestimmt weiter; diese Südfrorizosen mit ihren braunen Gesichtern und schwarzen Haaren ähneln sich mehr oder weniger alle...

XIX.

Es ist, als feien all' die bangen, schweren Wochen nicht gewesen, dachte Jörg Leupold, der an Hanna Moests Seite ging. War es nicht gestern erst, daß wir miteinander in bk Dünen wanderten, daß ich Hanna malte, mich ihr ver­bunden fühlte wie vordem keinem Menschen?...

Ist es nicht seltsam, daß dieser Mann sich mir wieder nahte, von dem ich mich doch rücksichtslos abgewandt hatte, als Stefan kam? dachte Hanna Moest. Warum trägt er mir die Enttäuschung, den Schmerz, den ich ihm zugefügt habe, nicht nach? Warum umgibt er mich aufs neue mit seiner sorgenden Güte?...

Bestürzt war Hanna Moest gewesen, als Leu­pold sie vor einigen Tagen im Hotel angerebeti hatte; nicht anders hatte sie gedacht, als daß er ihr zürne, daß er fte vielleicht ganz aus seinen Gedanken gestrichen habe.

Mit scherzenden Worten hatte Leupold ihr über die erste Befangenheit hinweggeholfen. Seitdem hatten sie sich noch einige Male tm Hotel unter­halten.

An diesem Morgen war Leupold zögernd mit dem Vorschlag herausgerückt, nach Tisch einen Spaziergang zu machen; Hanna Moest hatte ein- gewilligt...

Wie von ungefähr schlugen sie den Weg in die Dünen ein. Das Gespräch, das anfangs etwas gezwungen geführt worden war, verstummte nach intb nach.

Ueber den Sandwellen der Dünen flimmerte im grellen Sonnenlicht die Luft. Kein Mensch war weit und breit zu sehen.

Leupold blieb stehen.

Hier habe ich Sie gemalt, Frau Hanna!"

Ohne ein Wort zu erwidern, ließ Hanna Moest sich nieder. Leupold setzte sich an ihre Seite.

Ein langes Schweigen eütstand.

Hier haben Sie mich gemalt, sagte dann Hanna leise, als fände sie jetzt erst eine Antwort aus Leopolds vorherige Worte.Erinnern Sie sich noch des letzten Tages?"... Sie fanden mich damals verändert... froher geworden..

Er nickte zustimmend.

Das Gesamtergebnis ergibt für das hiesige Bataillon bei 29 Wettbewerben 9 erste, 13 zweite und 9 dritte Plätze.

Don bet internationalen Alpenfahrt des A. v. O.

Wanderer vertritt Deutschland.

Ser A. v. D. setzt die großen automobilistischrn Veranstaltungen mit der am 31. Juli 1931 begin­nenden Internationalen Alpenf ahr t fort. Die Fahrtroute ist von München über Inns­bruck, St. Moritz, Turin, Rizza, Genf nach Bern feftgelegt. Die Sportleitung des QI. v. D. verlangt Höchstleistungen bis 40 km/st auf schwierigen Alpenstraßen, mit großen , langen Steigungen, enaen Kurven, Alpenpässen und in Kehren. Inner­halb fünf Tagen sind 2405 Kilometer nach be­stimmter, genau vorgeschriebener Zeiteinteilung zu fahren.

Es haben 70, davon 24 deutsche Fahrer ihre Teilnahme für diese Fahrt gemeldet. Leider beteiligen sich beim Kampf um den Alpenpokal von deutscher Seite nur die Wanderer- Wer ke mit einem Team. Auf Wanderer starten Graumüller (Dresden), Major San­der (Berlin), Dau (Chemnitz, außerdem Major G u t k n e ch t (Berlin) und R u h st r a t (Göt- ttngen).

*

Rundfunkprogramm.

Sonntag, 26.Juli.

7.00 Uhr: Don Hamburg. Hafenkonzert auf dem DampferHamburg" der Hamburg-Amerika- Linie. 8.15: Katholische Morgenfeier (aus der Blütezeit spanischer Mystik). 11.00: Deutsches Eck, Koblenz: Festakt am Deutschen Eck, Reichs- verbandstagung des Reichsverbandes Deutscher Sanitätskolonnen. 12.00: Schallplattenkonzert (Johann Strauhsche Operetten). 14 00: Stunde des Landes. 1500: Stunde der Jugend. 16.00: Don Wiesbaden: Konzert des Kurorchesters. 18.00:Ein Mann wartet auf feinen Tod", Er­zählung von Willi Schäferöick, vorgelesen vom Verfasser. 18.25:Rheinische Charakterbilder: Friedrich von Spee, Mensch und Dichter", Vor- trag von Dr. Rielen. 18.50: Don Wien: Fußball- Finale der Olympia-Meisterschaft. 20.00: Cann­statt: Konzert des Philharmonischen Bläser- Orchesters. 21.00: Grotesken und Anekdoten (Zwischenmusik auf Schallplatten). 22.00: Mann­heim: Studentenlieder. 22.35 bis 24.00: Tanz­musik.

Montag, 27.3uli.

7.30 Llhr: Bad Ems: Frühkonzert des Kur­orchesters. 12: Schallplattenkonzert. 15.50:Die Kinderrepubllk im Lahntal", Mikrophonbericht von Dr. Emsheimer und Paul Laven. 16.30: Bad Liebenzell: Konzert des Kurorchesters. 18.15: Hat es noch einen Zweck, Teater zu spielen?", Vortrag von Dr. Werner Thorrnann. 18.45: ..Vom täglichen Schwindelfirmenunwesen", Vor­trag von Dr. jur. Helmuth Grimm, Hamburg. 19.15: Englischer Sprachunterricht. 19.45: ..Shaw- Anekdoten", gelesen von Max Koninski. 20: Bon Köln: Konzert. 20.45: Von der Deutschen Welle: Das Kinderelend in Rußland". Vortrag von Felix Stöhinger. 21.15: Klavier-Musik.

Dienstag, 28. Juli.

7.30 Llhr: Bad Ems: Frühkonzert des Kurorchesters. 12.00: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rachmittag. 16.30: Freu­denstadt: Rachmittagskonzert der Kurkapelle. 18.15:Reise durch die deutschen Tanzschulen", Vortrag von Elinor von Obstfelder. 18.45: ..Bei Odenwälder Landsleuten in Guttenbrunn", Vor- trag von Prof. Maenner, Weinheim. 19.15: Mannheim:Ein Oratorium von Joseph Haas", von Dr. Karl Laux. 19.45: Soldatenlieder aller Länder aus dem Weltkrieg. 20.30; Don Wien: Schubert-Sttauß-Adend. 22.20 bis 24.00: Tanz­musik.

Eie hatten recht gesehen, Herr Leupold, ich war wirklich in jenen Tagen eine andere geworden... eine Hoffnung, die ich jahrelang sehnsüchtig ge­hegt hatte, schien ihrer Erfüllung nahe zu fein... Es ist aber dann anders gekommen..."

Leupold machte eine Geste der Abwehr.

Warum sprechen Sie von diesen Dingen, die Sie nur wieder traurig machen, Frau Hanna?"

Sie machen mich nicht mehr traurig... ich glaube aber, Ihnen eine Aufklärung schuldig zu sein, Herr ßeubolb!... Sie hatten sich damals so freundlich meiner angenommen, Sie hatten sich die große Mühe mit meinem Porträt gemacht... und ich kehrte Ihnen von einem Tag zum andern den Rücken..

Er sah sie ernst an.

Sie brauchen mir nichts zu sagen, Frau Hanna! Ich weih, was Ihnen widerfahren ist."

Sie wissen?...

Wenn man einen Menschen liebt, sagte Leu­pold statt einer Antwort,dann kann man wohl nicht anders, als nur an diesen Menschen zu denken; alles andere versinkt. Ich bin Ihnen nicht gram, weil Sic sich in jenen Tagen ganz von mir abgewandt haben; Sie konnten nicht an­ders."

Hanna Moest hchte den Kopf gesenkt. Ein Zucken ging über ihre Züge. Es schien, als über­manne sie nun doch die Erinnerung an das Schwere, das hinter ihr lag.

Wollen wir weiter gehen?" fragte Leupold in dem Bestreben, Hanna Moest dieser quälen­den Stimmung zu entreißen.

Lassen Sie uns doch noch etwas bleiben!" ant­wortete sie, nun wieder gefaßt.

Ihre Stimme klang ruhig, als sie dann fortfuhr:

Sie wissen von meiner unglücklichen Ehe, Herr Leupold. In den letzten öebenäjobren meines Mannes lernte ich Stefan Helbing kennen. Als ich dann allein stand, war er mein einziger Trost, meine einzige Hoffnung. Zwei Jahre lang war­tete ich auf feine Rückkehr aus Südamerika. Als er endlich kam, glaubte ich mich am Ziele meiner Wünsche. Aber Helbing war inzwischen ein an­derer geworden... vielleicht batte auch ich mich in der Zwischenzeit verändert... ich fühlte bald, daß etwas Trennendes zwischen uns war, un­sagbar litt ich barunter, vor allem, als ich die Wahrnehmung machte, daß Helbings Interesse sich Fräulein Willer zuwandte."

Hanna machte eine kurze Pause.

Was sollte ich tun? sprach sie bann, und ein wehes Lächeln huschte über ihr Antlitz.Sollte ich Helbing zu halten versuchen? Ihn an seine frühe­ren Worte von Liebe und Treue erinnern? Was wäre dadurch gewonnen gewesen?... Seine Liebe hatte ich verloren, aus Pflichtgefühl ober Mit­leid sollte er nicht an mich gefesselt sein. So gab ich Helbing frei...

(Fortsetzung folgt.)