Abg. Warnke (Z.) weist auf die national- politische Gefahr einer weiteren Abwanderung der Bevölkerung aus dem volksarmen Osten hin. Trotz der katastrophalen Lage der Landwirtschaft sei auch heute noch eine großzügige Siedlung erwünscht, vor allem durch die Bauernsöhne und Landarbeiter. Die Wohn- und Stallgebäude müßten durch die Siedler selbst errichtet werden. Dann könnten sie zweckmäßiger und billiger her- gestellt werden. Die Rechtsopposition fei daran schuld, daß nicht schon 1930 ein ähnlicher Osthilse- gesetzcntwurf verabschiedet worden sei. Es gelte, im deutschen Osten eine zufriedene Bevölkerung zu schaffen, die sich auf der Scholle wohlfühle und nicht daran denke, die Heimat zu verlassen. Die Regierung möge sich leiten lassen von dem Motto: „Dies Land bleibt deutsch!"
Abg. Stelling (Soz.) erklärt, seine Fraktion habe sich eine Osthilse anders vorgestellt als das vorliegende Gesetz. Man hätte nicht nur der Landwirtschaft, sondern der ganzen Wirtschaft des Ostens Hölsen sollen. Die Landwirtschaft müsse endlich an die Vcrpslich- tung erinnert werden, die eigene Kraft zur Rettung aus der Krise aufzuwenden. Die Sozialdemokratie verlange, daß auch dem Klein- und Mittelbesitz geholfen wird, und daß bei der Durchführung der Osthilfe eine scharfe Prüfung der Einzelfälle vorgenommen wird. Anter den heutigen Berhältnissen werde die Sozialdemokratie trotz aller Bedenken dem Osthilfegesetz zu stimm en.
Abg. Hönnekes (Z.) erklärt, die Senkung der Reallasten werde von der ostpreußischen Landwirtschaft außerordentlich dankbar empfunden. Aber die sozialen Lasten seien unerträglich hoch. Zahllose Bauern seien genötigt, ohne fremde Hilfe auszukommen. Die Frachtcnerleichte- rung müsse weiter ausgestaltet werden: auch Kohle und Eisen seien in die Frachtensenkung einzube- zichen. Die Wirtschaftsferne Ostpreußens sei noch immer der Hauptgrund für die Unrentabilität der dortigen Wirtschaft. (Zustimmung.) Die Siedlungsgröße sollte nicht schematisch festgesetzt werden; entsprechend der Bodenbeschaffenheit seien auch größere Siedlungen bis zu 180 Morgen anzu- setzen. '
Abg. Dr. Pfleger (Bayr. 23p.) berechnet den Aufwand des Reiches für das Osthilfegebiet aus dem Osthilfgesetz und aus den Etatsmitteln des Reiches auf weit über 1100 Millionen allein aus Reichsmitteln. Angesichts dieser gewaltigen Opfer der Steuerzahler des ganzen Reiches für den Osten könnte man erroartm, daß die aus dem Ostgebiet kommende Kritik e t w a s bescheidener ausfiele. (Lebhafte Zustimmung.) Die frühere Ostpreußenhilfe habe in der Zeit, wo sie von Hugenbergs politischen Freunden durchgeführt wurde, ganz ausgesprochen den Großgrundbesitz begünstigt und die bäuerliche Wirtschaft zurückgesetzt.
Reichsminister Treviranus erklärt, der Ent- schuldungsplan der deutfchnationolen Fraktion sei trotz des Fernbleibens der Befürworter von der Regierung geprüft, aber diese Prüfung habe die U n - durchführbarkeit und Unzweckmäßigkeit des Projekts ergeben. Abgesehen von allem andern würde dieser Plan nach Hugenbergs eigenem Zugeständnis jährlich mehrere hundert Millionen kosten. (Abg. Iadasch (Komm.): Sie haben aber den Hugenberg-Plan übernommen!) Rur d i e guten Seiten unter peinlicher Vermeidung der schlechten! (Abg. Iadasch: Also übernehmen Sie doch deutschnationale Ideen!) Ich weiß nicht, ob Ihnen klar ist, daß die Regierung jenseits von gut und böse im Parteis snne steht. (Sehr gut!)
Oie Lleberfüttung der höheren Schulen.
' Der Deutsche Philologenverband zu den t Leitsätzen des Neichsinnenministeriums. j-. Berlin, 24.März. (TA.) Der Deutsche
Philologenverband teilt mit: „Anter der t Aeberschrist „Schulaufbau, Berufsauslese, Berechtigungswesen" veröffentlichte das Reichs- ministerium des Innern vor Monaten Leitsätze, die sich mit der Aeberfüllung der höheren Schulen, ihrer Arsache und Mittel zur Anhilfe beschäftigen. Als Arsache dieses Andranges zu den höheren Schulen und Hochschulen wurde „eine in Deutschland von jeher übliche und deute noch nicht überwundene Aeberschähung der schulmühigen Bildung in ihrem Werts ür die Praxis" bezeichnet und als „das entscheidende Mittel zur Entlastung der höheren Schulen der Ausbau der Volksschule, die Kräftigung der Mittelschule nach dem preußischen Borbilde, die Entwicklung der Berufs- und Fachschule" empfohlen.
Dazu hat der Deutsche Philologenverband in einer einstimmig angenommenen Entschließung seine Stellung folgendermaßen festgelegt: Die durch das Reichsministerium des Innern veröffentlichten Leitsätze nehmen nur die äußeren Auswirkungen einer all- 9 eme inen Wirtschafts- und bevölkerungspolitischen Erscheinung zum Gegenstand ihrer Behandlung, ohne zu dem Kern des Problems, dem mangelnden Lebensraum der deutschen Jugend, vorzudringen. Der Gedanke, einer solchen Erscheinung mit formalen Beschlüssen in bezug auf die „Gleichwertigkeit" verschiedener Bildungsgruppen beikommen zu können, ist nur geeignet, über die Notwendigkeit wirklicher Ab- Hilfemaßnahmen hinwegzutäuschen. Der Deutsche Philologenverband erhebt demgegenüber mit aller Entschiedenheit die Forderung, daß die verantwortlichen Landes, und Reichsbehördcn sich mit der Frage beschäftigen, wje die allgemeine Arbeitslosenfürsorge und das Arbeitsbeschaffungsprogramm auch auf die auf den höheren Schulen und Hochschulen befindliche intellektuelleIu- g e n d ausgedehnt werden kann."
Oie Löhne -er Reichsarbeiter.
Berlin, 25.März. (ERB.) Die in der letzten Wocke abgebrochenen Lohnverhandlunge,^ für die Reichsarbeiter sind gestern wieder aufgenom- gi c n worden. Nach dem „Vorwärts" haben sie wiederum zu keinem Ergebnis geführt. Die Regierung habe jetzt einen lOprozentigen Lohnabbau verlangt. Die Organisationen hatten im Verlauf der Verhandlungen der Regierung einen Gegenvorschlag gemacht, die Arbeitszeit allgemeinaus40Stundenfe st zusetzen, was ohne weiteres einen Lohnabbau von mindestens 6 Prozent bedeuten würde. Nach längeren Derhand- langen erklärten die Regierungsoertreter, einen weiteren Vorschlag nicht machen zu können. Die Angelegenheit müsse nunmehr das Kabinett beschäftigen.
Duisberg fordert den mitteleuropäischen Wirtschastsdlolk.
M ü n ch e n, 24. März. (WTB.) Auf der Mitgliederversammlung des Bayrischen Industriellenverbands sprach u. a. das Präsidialmitglied des Reichsverbands der Deutschen Industrie, Geh. Rat Prof. Dr.-Ing. e. h. Dr. K a r l D u i s b e r g über Gegcnwarts- und Zukunftsprobleme der deutschen Industrie. Rach einem kurzen Aeberblick über die Konjunkturlage führte Geh. Rat Duis- berg aus, daß vereinzelte Anzeichen die baldige Sprengung des Krisendrucks erhoffen lassen. Aber ebenso wichtig wie neues Wollen und Wagen unternehmender Menschen sei eine klare Wirtschaftspolitik des Staats, die aus den Fehlern des vergangenen Jahrzehntes gelernt habe und die Arsachen beseitige, die uns in die schwere Krise hineingetrieben hoben. Zwei Forderungen seien für die Neugestaltung der Wirtschaftspolitik zu erheben^
1. Maßnahmen, die die innerdeutschen Hemmungen beseitigen und eine Belebung einleiten;
2. internationale Maßnahmen zur Aeberwin- dung der Hemmungen der weltwirtschaftlichen Belebung.
In der Konsumtion sei die Folge ein ständiger Kaufkraftschwund, in der Produktion sei zusammen mit dem zu hohen Lohn, den- gesteigerten Sozialabgaben und dem zu hohen Zins eine ruinöse Existenzgefäh'rbung eingetreten. Die Rotlage der Landwirtschaft sei neben der Steuerlast durch ihre Verschuldung und Absahnot bestimmt, die nicht durch ein dauerndes Erhöhen der Zölle au beseitigen sei. Die deutsche Landwirtschaft müsse sich auf agrarische Veredelungsproduktion um stellen, um so wieder zur Rentabilität zu gelangen. Zur Behebung der Absatznot sei die Einschaltung des Arbeitslosenheeres und dadurch die Steigerung der Kaufkraft der Massen notwendig. Zur Belelmng der industriellen Produktion sei eine Senkung der Selbstkosten unerläßliche Voraussetzung. Die Aeberlastung mit Zinsen müsse durch Konvertierung erleichtert werden. Wir mühten zu einer einfacheren Lebensführung gelangen. Dies gelte insbesondere für den Staat und seinen Finanzbedarf. Zur Beseitigung unserer privaten Verschuldung und der 2lb- hängigkeit vom Auslandskapital, die einen jährlichen Zinsendienst von über einer Milliarde erfordern, müsse die Kapitalbildung im Inlande gefördert werden. In der internationalen privaten Verschuldung seien Konvertierungen notwendig.
Die politische Verschuldung sei der eiserne Vorhang, der dem Aufblühen der niedergebrochenen nationalen Wirtschaft im Wege stehe. Ein Moratorium mit feiner lediglich aufschiebenden Wirkung sei bedenklich, ebenso im gegenwärtigen Zeitpunkt dieAnrufungdesSonder- a u s s ch u s s e s, obgleich hier wenigstens Der- handlungsmöglichkeiten gegeben seien, während die Zerreißung des Vertrags, ganz abgesehen von den politischen Folgen, uns jeder Kreditsicherheit berauben würde. Die
widersinnigen Zollschranken in der Welt müßten beseitigt werden. Statt der Enge des nationalen Wirtschaftsraumes seien übernationale Wirtschaftsräume anzustrebrn. Im Südosten bahne sick» hier eine aussichtsvolle Entwicklung an, zu der durch das Zollabkommen zwischen 'Deutschland und Oesterreich der erste Schritt getan werde. Zur endgültigen Regelung des europäischen Problems sei allerdings noch die Frage der wirtschaftlichen Verständigung mit Frankreich zu lösen und ein geschlossener Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Odessa als Rückgrat Europas zu schaffen. Die Völker Mitteleuropas hätten zu wählen zwischen Errichtung einer besseren Zukunft durch vertrauensvolle wirtschaftliche Zusammenarbeit und der gegenwärtigen Zerrissenheit, in der sie eine willkommene Angriffsfläche für fremde Rassen und fremde Mächte böten.
Oie Organisierung der Markte.
Schacht sieht nur diesen Ausweg aus der Krisis.
Bern, 25. März. (WTB.) Auf Einladung der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Bern sprach der frühere Reichsbankpräsi- dent Dr. Schacht in einer zahlreich besuchten Versammlung über das Thema „Arsache und Heilung der Weltwirtschaftskrise". Als Zeichen der bestehenden strukturellen Weltwirtschaftskrise erwähnte der Vortragende die große Arbeitslvsennot, das Fallen der Rvhstvffpreise und die völlige Anordnung auf den: Kapitalmarkt. In Deutschland habe man versucht, durch eine künstliche Belebung der Konjunktur der Krise beizukommen. Die Mittel zu dieser Maßnahme habe sich der Staat teils durch übertriebenste- Steuerung, teils durch ausländische Anleihen, die den Staat außerordentlich schwer belasteten, beschafft. Das einzige, was die deutsche Wirtschaft nicht brauche, das sei ausländisches Kapital. Kein Industriestaat dürfe ausländische Schulden haben. Das richtige Mittel zur Behebung der Krise liege in der Auswer tung der Absatzmöglichkeiten und der R o h st o f f b e s ch a f f u n g. Die Wegnahme der deutschen Kolonien bezeichnete Dr. Schacht als einen wirtschaftlichen Fehler, der wieder gutgemacht werden müsse, toenn die Weltwirtschaftskrise Erleichterung finden solle. Eine Exportsteigerung sei für Deutschland eine Rotwendigkeit, wenn es seine ausländischen Anleihe/! verzinsen und amortifieren und seinen Repärat.onsverpflichtungen nachkommen solle. Allgemein gesprochen gebe es nur einen Ausweg aus der Krise, die Organisierung der Märkte. Die D2Z. sei für diesen Zweck ins Leben gerufen worden. Sie habe aber bisher in in dieser Richtung n i ch t s g e t a n. Richt Deutschland brauche Geld, sondern die Länder, die Rohstoffe erzeugen und die für den industriellen Absatz erschlossen werden müßten.
Der Kamps um die ZollermWigmg.
Berlin, 24. Warz. (VDZ.) Im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstages führte Reichs- ernährungsminister Schiele zur Begründung der Zollvorlage aus, daß die rapiden Preisrückgänge auf dem Weltmarkt es notwendig machten, der Reichsregierung die Ermächtigung zu geben, bei plötzlichen Preisschwankungen die Zollsätze für einzelne Waren sofort den dringenden wirtschaftlichen Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Wenn auch auf gewerblichem Gebiet ein unmittelbarer Anlaß zu solchen Maßnahmen im Augenblick nicht gegeben sei, so sei damit zu rechnen, daß für gewisse landwirtschaftliche Produkte namentlich der Veredelungswirtschaft alsbald von dieser Ermächtigung Gebrauch zu machen sein werde. Die deutsche Landwirtschaft sei im großen Umfange zu Amstellungsmahnahrnen geschritten. In diesem Jahre seien allein 5000 Sjeftar nicht mehr mit Roggen, sondern vornehmlich mit Weizen bestellt worden. Mit den Zollmaßnahmen wolle die Reichsregierung der Landwirtschaft für die -Ueberg angsz ei t Anterstüt- zung gewähren. Die Reparationsverpflichtung nötige uns, die Einfuhr zu drosseln und den Verbrauch inländischer Produkte zu steigern.
Abg. Frau Sender (Soz.) lehnte es ab, daß sich die Ermächtigung auch auf die Industrieprodukte erstrecke. Sie verlangt, daß angesichts der drohenden Brotpreissteigerung ein allgemeiner Schutz der Verbrauch.erkreise eingeschaltet werde.
Abg. Graf Westarp (Volkss.) war bereit, an einer Formulierung mitzuarbeiten, die den entgegengesetzten Interessen Rechnung trage. Das Gesetz dürfe aber keine Fassung erlangen, durch die jedes Vertrauen zu seiner Wirksamkeit und Durchführung genommen werde. Die Einschaltung des Reichsrates würde das ganze Gesetz wertlos machen, da bei Preiszusammen- brüchen schnell und kurz entschlossen gehandelt werden müsse.
Das Kompromiß.
In der Rachmittagssihung legten Zentrum, Staatspartei und die Deutsche Volkspartei gemeinsam einen vermittelnden Antrag zur Zollvorlage vor, wonach die Reichsregierung verpflichtet sein soll, einer Erhöhung des Brotpre ises über den durchschnittlichen Brotpreis der fünf größten deutschen Städte in den letzten sechs Monaten vorzubeugen. Ferner soll die Reichsregierung nur ermächtigt fein, landwirtschaftliche Zolle selbständig zu verändern, nicht aber Industrie- zolle. Dabei soll sie die bestehenden handelspolitischen Beziehungen sorgfältig schonen. Von dieser Ermächtigung soll die Regierung n u r m i t Zustimmung des Reichsrates Gebrauch machen dürfen. Dem Reichstag sind Aen - derungenvon Handelsverträgen vorzulegen und auf sein Verlangen aufzuheben; hier ist der Reichsrat nicht eingeschaltet. Die ganze Zollermächtigung soll bis zum 31. März 19 32 gelten. Durch Zollherabsetzungen oder andere Maßnahmen soll die Reichsregierung dafür sorgen, daß der Cr- nährungsindex nicht länger als drei Monate
über 133 bleibt. Die ganze Zollermächtigung wird nur auf d ie jetzige Regierung Brüning beschränkt.
Reichsernährungsminister Schiele bat, die Bezugnahme auf die Brotpreise der fünf größten Städte fallen zu lassen und der Reichsregierung die Ermächtigung zu erteilen^ ausgehend von dem jetzigen Brotpreis jeder weiteren Verteuerung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln vorzubeugen. Es sei damit zu rechnen, daß schon bald durch eine Verordnung d ie Ausmah-. lungsquvtefürRoggenvon 60 a uf 7 0 Prvzenterhöht wird. Die stärkere Ausmahlung würde einen Mehrertrag an Mehl aus derselben Roggenmenge zur Folge haben, und zwar in dem Ausmaße, daß selbst bei etwa 15 Mark höheren Roggenpreisen je Tonne der Mehlpreis immer noch auf der gcgentoär- tigenHöhegehalten oder bei gleichbleibendem Roggenpreis der Mehlpreis entsprechend gesenkt werden konnte, ohne daß die Pkehlqualität wesentlich leidet.
Die Weizenversorgungslage macht nach Ansicht des Ministers gegenwärtig noch keine Schwierigkeiten. Falls aber gegen Ende des Erntejahres eine Verknappung der Weizenvorräte eintreten sollte, würde man zunächst eine Lockerung des Vermahlungszwanges für Inlandwei- zen, d. h. eine weitere Herabsetzung der vom 1. April ab ohnehin von 75 auf 65 Proz. sinkende Vermahlungsquote vornehmen müssen, ehe man an einen Abbau des Weizenzolles denken könne. Die neue Fassung der Zollvorlage enthält zwei Sicherungsklauseln für die Verbraucher : einmal die Bindung an den gegenwärtigen durchschnittlichen Brot preis und dann die Rücksichtnahme auf die Ernährungsindexziffer. Dieser Index darf nach der Vorlage nicht dauernd über 133 steigen. Er steht gegenwärtig auf 131 und befindet sich seit längerer Zeit dauernd im Sinken, so daß diese Klausel einstweilen kaum zur Anwendung gelangen dürfte.
Mit allen Stimmen bei Stimmenthaltung der Kommunisten wurde die Brotpreisklausel des gemeinsamen Antrages entsprechend den Ausführungen des Ministers mit der A e n d e r u n g a n g e n o in in e n , daß die Reichsregierung verpflichtet ist, „mit den ihr zur Verfügung stehenden* Mitteln eine Erhöhung des Brotpreises über den vom Statistischen Reichsamt ermittelten mittleren Brotvreis der letzten sechs Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes vorzubeugen".
Die übrigen Bestimmungen des gemeinsamen Antrags blieben im wesentlichen unverändert. Vor der Abstimmung über das ganze Gesetz erklärte Abg. Hepp (Lv.), die Person des Ministers Schiele biete eine Sicherheit dafür, daß das Gesetz auch in der geeigneten Form zur Durchführung komme. Durch die eingefügte Rücksichtnahme auf den E r - n ä h r n n g s i nd e x verliere aber das Gesetz die Bedeutung, die es haben müßtet um bet Landwirtschaft zu helfen. Daher halte er es für seine Pflicht, bei der Gesamtabstimmung gegen das Gesetz zu stimmen. Abg. Graf Westarp (Kons.) schloß sich dieser Erklärung an. In der Gesamtabstimmung wurde der Gesetzentwurf in der neuen Form mit 12 gegen 8 Stimmen angenommen, bei einer Stimmenthaltung.
Aus aller Well.
Elly Beinhorn in Timbuktu.
Am Donnerstag voriger Woche startete die Afrika» fliegerin Elly Beinhorn von Bammako nach Timbuktu, wo sie aber am Abend nicht eintraf. Volle 4 Tage herrschte völlige Ungewiß» beit über das Schicksal der deutschen Fliegerin. Montag mittag traf sie endlich hier ein, nachdem sie einen Fußmarsch von über 50 Kilometer hinter sich hatte. Elly Beinhorn berichtet, daß sie 50 Kilometer vor Timbuktu wegen O e l • rohrbruches notlanöcn muhte. Es gelang ihr zwar, ihr Flugzeug unbeschädigt zu landen, aber sie mußte feststellen, daß ein Start von dem Landeort unmöglich war. Unter Zurücklassung ihres Gepäcks und des Flugzeuges machte sie sich auf den Marsch auf Timbuktu, um Hilfsmannschaften zum Erdtransport herbeizuholen. Unter größten Strapazen marschierte sie in vier Tagen die 50 Kilometer bis Timbuktu, währenddessen völlige Ungewißheit über den Verbleib der Fliegerin hier herrschte. Elly Beinhorn will versuchen, sich dort eine Startbahn zu schaffen oder aber das Flugzeug an einen anderen Platz zu bringen, um von dort dann wieder starten zu können. Sollte dies nicht gelingen, so ist leider mit dem Verlust des Flugzeugs zu rechnen.
Der Zusammenbruch _
der Berliner Beamlenvereinigung vor^berichl.
Von der Sonderabteilung für Konkursvergehen beim Schöffengericht Berlin-Mitte wurden die wegen Bilanzverschleierung, nicht rechtzeitig <m- gemeldeten Konkurses und unordentlicher Buchführung angeklagten Vorstandsmitglieder der im Jahre 1929 zusammengebrochenen Berliner Deamtenvereinigung von Iakoby und Genossen in später Abendstunde freigesprochen. Präsident a. D. v. Iakoby und Direktor Seiffert wurde der Ersah der ihnen entstandenen Prozehkosten zugcbillig'.
Sechs Tote bei einem Autounglück.
In der Rähe von Montpellier (Süd- srankreich) ist aus bisher nicht aufgeklärter Ursache das Auto des Grafen d'Artois, der selbst steuerte, in den Kanal gestürzt. Der Wagenführer, sowie die fünf übrigen Insassen (zwei Diener, zwei Kammermädchen und ein kleines Kind) kamen ums Leben.
Rückgang dec Einkommen- und körperschaftrsteuer in den Bereinigten Staaten.
Rach einer Mitteilung des amerikanischen Schatzamtes werden sich die Erträgnisse aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer Ende Marz schätzungsweise auf nur 350 Millionen Doll ars belaufen, was im Vergleich zum ersten Vierteljahr des Vorjahres einen Rückgang um 4 0 ö. §. bedeuten würde. Damit würden die Erträgnisse um nahezu 100 Millionen Dollars gegenüber den vor einiger Zeit gemachten Voranschlägen zurückbleiben. Auch diese Ziffern zeigen, daß die allgemeine Depression in den Vereinigten Staaten noch nicht überwunden ist.
Eine schweizerische Stiftung für da» SentFenberg-THufeum.
Der Ende Januar d. I. in Schaffhausen verstorbene Direktor der Heilanstalt Rheinau (Schweiz) Dr. med. Fritz Ris, ein Entomologe von Weltruf, hat seine berühmte Sammlung von Libellen dem Senckenburg-Museum in Frankfurt a. M. vermacht.
Fünf Tote beim Sturz eine» Feuerwehrautos.
In Malvern (Pennsylvania) stürzte ein Wagen der Feuerwehr aus der Fahrt zu einer Brandstätte um. Fünf Feuerwehrmänner wurden getötet und neun verletzt. Als der Vater eines der ums Leben Gekommenen die Todesbotschaft erhielt, rührte ihn der Schlag.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Das neue Hochdruckgebiet, in dessen Bereich bereits unsere Wetterlage mit hineinfällt, hat sich weiter ausgedehnt, südöstlich verlagert und im Kerngebiet noch gekräftigt. Der damit stattfindende Kaltluft- einbruch hat sich bereits über den größten Teil Deutschlands fortgesetzt, so daß Temperaturrückgang bei den heutigen Morgentemperaturen wahrzunehmen war. Wir verbleiben die nächsten Tage unter dem Einfluß hohen Drucks und seiner ausfließenden Luftmassen, die uns trocknes, aber vorerst noch etwas wolkiges und vor allen Dingen kühleres bis zu Nacht, frostgefahr neigendes Wetter bringen werden.
Aussichten für Donnerstag: Kühles, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter mit leichter Nachtfrostgefahr, trocken.
Lufttemperaturen am 24. März: mittags 15 Grad Celsius, abends 10,4 Grad; am 25. März: morgens 6,5 Grad. Maximum 15,3 Grad, Minimum 3 Grad.— Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. März: abends 10,8 Grad; am 25. März: morgens 5,4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 2Vz Stunden.


