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Rcichsregierung ßat dieses VesetzgebungSwerk in engster Zusammenarbeit mit den maßgebenden Vertretern der Land­wirtschaft ausgearbeitet uno in der Erwar­tung beschlossen, daß nunmehr auch gerade von genossenschaftlicher Seite noch mehr a.s bisher getan wird, um die Selbsthilfe auszudehnen. In der Frage der Zinsl^iste u wird die Reichsregierung zusammen mit dem Reichsver- band der Deutschen Landwirtschastlichen Ge- nossenschaften und mit einem zur Nachprüfung der Zinsspanne eingesetzten Ausschuß sofort die crfortarliu/cn Verhandlungen cin.eitcn.

Agrarpolitik sei heute in erster Linie ein Gebot staatspo.itischer Verantwortlichkeit gegenüber der Zukunst des Volkes. Deshalb toerce die Reichs- regicrung auch unbeirrt von falsch verstandenen Konsurncntenwünschen und parteipolitisch über­spitztem Agrarradilalismus entschtcs en in sach­licher Arbeit dasjenige tun, was zum Wiederauf­bau der deutschen Wirtschast und Landwirt­schaft notwendig ist.

Der Minister widerspricht dem Vorwurf, daß die Agrarpolitik die Lebenshaltung in unerträg­licher Meise verteilte. 3m Januar 1931 lag der Agrarindex bei 107, der Jndustrielndex bei 142, der Lebenshaltungsindex bei 140 und der Lohn­index der gelernten Arbeiter bei 168. Daraus ergebe sich eindeutig, daß die Landwirtschast in der Preissenkung allen anderen Wirtschafts­zweigen weit voraus sei.

Darüber hinaus sei man mit Erfolg bemüht ge­wesen, die Spanne zwischen Erzeuger- unb Verbraucherpreisen für Agrarerzeug­nisse zu verringern, um auch die Konsumenten in den Genuß der ungewöhnlich niedrigen Erzeuger­preise gelangen zu lassen. Der Minister weist darauf hin, daß auch dieses Gesetz selbstverständlich keine Zauberformeln in seinem Schoße berge, daß es aber die entscheidenden Probleme an den Wurzeln packe und bis an die Grenze dessen gehe, was zur Zeit gesetzgeberisch auf agrarpotttt- schem Gehiet überhaupt möglich sei. Im Einver­nehmen mit der Grünen Front habe er sein Amt als Ernährungsminister übernommen, und in voller Einmütigkeit seien die Grundlagen für das neue Agrarprogramm geschaffen worden. Ich weiß, so erklärte der Minister, daß viele meiner Berufs­genossen unter dem furchtbaren Druck unmittelbar­ster Bedrohung ihrer Existenzen dem Staate voller Mißtrauen und meiner eigenen Politik voller Un­mut und Argwohn gegenüberstehen. Ich verstehe die schwarzen Fahnen der Verzweislung und Empörung als schwere Krankheitssymptone der um das Leben ringenden Landwirtschaft. Mögen manche Kreise für die Agrarpolitik der Regierung nicht mehr das notwendige Verständnis aufbringen, ich halte trotzdem fest an meiner 21 uf gäbe als verantwortungsbewußter Reichsminister für die deutsche Landwirtschaft. Ich werde meinen Platz solange behaupten, als ich der Ueberzeugung bin, hier nm b e ft e n der deutschen Landwirtschaft und unserem Vaterlande zu dienen.

Die Ministerrede findet am Schluß den Beifall der Mittelparteien. Abgeordnete des Landvolks und des Bayerischen Bauernbundes beglückwünschen den Minister Schiele.

Oie Aussprache.

Abg. Tempel (Soz.): Wir stimmen mit dem Minister nicht voll überein in seiner Einschätzung der wirtschaftlichen Gesamtstruktur, aber auch wir wissen, daß die Landwirtschaft einer der wesent­lichsten Sektoren der Wirtschaft ist und daß jede Einschränkung dieses Sektors sich vergiftend und zersetzend auswirken muß auch auf das Ganze der Wirtschast. Darum ist die Sozialdemokratie bereit zur positiven Förderung der Agrarwirtschaft im wohlverstandenen In­teresse der Arbeiterschaft. Zugunsten der Land­wirtschaft ist die Verbraucherschaft heute mit Zöl­len doppelt so stark belastet wie vor dem Kriege. 3,5 bis 4 Milliarden werden jährlich an direkten und indirekten Subventionen für die Landwirt­schaft aufgebracht. Die Steuerleistung der Land­wirtschaft wird immer geringer. Die Aufwendun­gen der Volksgesamlheit für die Landwirtschaft betragen das fünf- bis sechsfache dessen, was die Landwirtschast für die Gesamtheit aufbringt. Wir sagen das nicht im Tone des Vorwurfes, denn wir halten aus wirtschaftlichen und sozialen Grün­den die Förderung der Landwirtschaft für not­wendig. Wir müssen aber von den Landwirten mehr Anerkennung für die Tatsache verlangen, daß seit 1 00 Iahren niemals s oviel für die deutsche Landwirtschaft gc- t a n worden ist, wie vom jetzigen Landwirtschafts­minister und von seinem Vorgänger.

Aicht einverstanden sind wir mit den Plänen des Ernährungsministeriums, die unseren Außenhandel in Gefahr bringen. Wir brauchen eine Verbilligung der Futter­mittel und eine Verbesserung der Ab - satzorganisation in der Landwirtschaft. Wir müssen auch bei den Agrarprodukten dahin kommen: deutsche Ware, beste Ware. Der Weg zwischen Erzeuger und Verbraucher muß abgekürzt werden.

3d) bin zu der Erklärung ermächtigt: wenn landwirtschaftliche Organisationen sich bereit­erklären, Butler in gleicher Qualität und gleicher Aufmachung ständig in großen Wengen unseren Genossenschaften anzubieten, dann wird diese Butter abgenommen werden, denn auch unsere Genossenschaften ziehen selbstverständlich deutsche Ware und deutsche Butter der Auslandsware vor. (Beifall.) wir haben mit größter Energie in der Arbeiterschaft die Erkenntnis verbreitet, daß sie sich mit der deutschen Landwirtschaft verbunden fühlen muß.

Cs stände besser um die Landwirtschaft, wenn die Führer der landwirtschaftlichen Berufsorgani- sationen auf das gleiche Ziel nur einen Bruchteil der Energie verwandt hätten, mit der sie uns und den neuen Staat bekämpft haben. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Blum-Krefeld (Zentr.): Wie der Re­gierung. so bringt das Zentrum auch dem Land- wir scha Ln.i ist r Schie.e vollesVertrauen entgegen. Wir würdigen den Eifer und die zähe Energie, mit der er das Hilfswerk für die Land­wirtschaft durchführt. Während die deutschen Agrar- und Gartenbauprodukte schwer verkäuf­lich sind, sehen wir in den Auslagen der Fein- kostgeschäfle die Kapitalflucht durch die Küche. Tlnsere Futtermittel müssen wir im eigenen Lande erzeugen. Die dänischen und hol­ländischen Frischeier werden sich nicht so leicht verdrängen lassen, aber das deutsche Ei sollte die aus Rußland, Aegypten und China im­portierten Eier verdrängen, die durch den langen

Transport natürlich auch in ihrer Qualität leiden. In der Milchwirtschaft muß durch Ausbau des Genossenschaftswesens und durch engere Ver­bindung mit den Konsumentenvereinigungen der Absatz verbessert werden. Die Grundlage dafür haben wir jetzt in dem neuen Milchgeseh. Die geistige Erweckung des Bauernstandes muß durch Ausbau der Bauern schulen geschehen. Der deutsche Bauer muß zum Regenerator des deutschen Volkslebens werden.

Abg. Dr. Schlitten bau er (DDP.): Die deutsche Volkswirtschost muß die richtige Diago­nale ziehen zwischen Industrie und Landwirtschaft. 80 bis 85 Prozent der deutschen Industrieerzeug­nisse sind vor dem Kriege nicht im Export, son­dern auf dem Binnenmarkt verbraucht worden. Der Hauptkonsument war vor dem Kriege der deutsche Dauer. Heute hat die deutsche Industrie erst recht ein Interesse daran, wieder

über einen kaufkräftigen Bauernstand als Ab­nehmer zu verfügen. Die Minderung der drückenden Z i n s l a st e n ist entscheidend für die Lage der Landwirtschaft. Die Landwirt­schaft muß heute für ihre Schulden um 30 Pro­zent höhere Zinsen gegenüber früher zahlen und das von Preisen, die unter dem Dvrkriegsniveau liegen.

Abg. Meyer- Hannover (D.-Han.) fordert vor allem eine kräftige Siedel ungspol- t i k. Der Redner bedauert, daß gerade Vertreter des Ostens wie unartige Kinder den Reichstag verlassen hätten, statt mitzuwirken bei der Be­ratung dieser für den Osten besonders wichtigen Fragen. Ein Verwendungszwang für deutsches Holz fei berechtigt, schleppe man doch selbst im Harz russische Hölzer für Hotelbauten die Berge hinaus.

Was sagt die presse?

Berlin, 25. Febr. (TU.) Zu der programma­tischen Rede des Reichsernährungsministers nehmen eine Reihe Berliner Blätter ausführlich Stellung. DieGermani a" (Z.) hebt als besonders bedeu­tungsvoll hervor, daß Schiele ausdrücklich betont habe, daß die Reichsregierung nur insoweit von einer Ermächtigung zum Schutz der Landwirt­schaft Gebrauch machen wolle, als es mit den G e - fnmtintereffen der deutschen Volkswirtschaft in Einklang gebracht werden könne. Eine solche Sicherung fei um so notwendiger, als durch einen einseitigen Gebrauch der neuen Ermächtigungen nur zu leicht eine erhebliche Gefährdung unserer wirt­schaftlichen Auslandiitteressen, die unsere Jndusirie- krise verschärfen müsse, herbeigeführt werden könne. DieD c u tf d) e Tageszeitung" (Landvolk­partei) ist der Auffassung, daß die Vorlage nur die Basis und Möglichkeit, iwd) nicht die letzte Entschei­dung und Wirklichkeit schasse. Ohne Zweifel bedeute es einen großen Erfolg der zähen Arbeit und klugen Taktik des Reichsernährungsministers^ daß er diese Vorlage im Kabinett zur Annahme ge- brod)t habe. Der zuversichtliche Grundton seiner Rede deute darauf hin, daß er nach dieser grundsätz- ließen Entscheidung im Kabinett die Durchführung der einzelnen Maßnahmen nicht mehr für bc^nbers schwierig halte. Aber alles hänge von der Art ab, wie die Ermächtigung tatsächlich gehandhabt werde. Die Notlage der Landwirtschaft erfordere rasche und wirklich durchgreifende Maßnahmen. DerL o - k a l ° A n z." (Hugenberg) ist der Meinung, daß von der von Schiele ursprünglich verlangten Zollermäch- tigung für den Minister nur eine sehr bedingte Er­mächtigung für das Kabinett übriggeblieben fei, eine

Ermächtigung, die bis auf weiteres auf dem Papier stehenbleibe. DieDeutsche Zeitung" (deutschnatl.) bezeichnet die Agrarvorlage als eine Sammlung von Unverbindlichkeiten, die bisher un­erfüllt gebliebenen Versprechungen seien in Gestalt von Ermächtigungen wiedergekehrt, von denen heute noch kein Mensch wisse, ob und wie sie wirksam würden.

In der »Vos fischen Zeitung" (Ullstein) weift der Reichstagsabgcordnete Dr. Reinhold darauf hin, daß die Einigung über das Agrar- programm in den wichtigsten Punkten keine Eini­gung, sondern eine Vertagung bedeute. Rur, wenn die Fragen der Rückwirkung cluf die Handelspolitik und die Preisent­wicklung im Innern befriedigend gelost seien, erscheine überhaupt die Möglichkeit ge­geben, daß die Regierung von einer Ermächtigung Gebrauch machen könne. Wenn die Regierung unter diesen Voraussetzungen die erbetenen Er­mächtigungen anzuwenden bereit sei, werde sie die Unterstützung der Staatspartei haben, wenn sie dagegen die großen Linien der bisherigen Handelspolitik abbiegen wolle, werde sie niemals auf die Gefolgschaft der Staatspartei rechnen können. DerVorwärts" (soz.) bezeichnet den Abschnitt des Schiele-Programms als den bedenklichsten, in dem die Regierung ermächtigt werden soll, gleitende Zölle, die bis Zer nur für Getreide bestanden, für alle agrarischen Pro­dukte einzuführen. Damit wäre eine Durchbre­chung unseres gesamten Handelsverlragssystems verbunden.

Me Mdermg des Wohnungsbaus in Seifen.

Aus dem Finanzausschuß des Landtags.

Darmstadt, 24. Febr. (WHP.) 3m Finanz­ausschuß wurde von der Regierung mitgeteilt, daß die für den Wohnungsbau 1931 Aur Verfügung gestellten 5 Millionen Mark in Zu­kunft durch eine zentrale Landesstelle unabhängig vom örtlichen Aufkommen zur Deckung des drin­gendsten Bedarfs verteilt werden. Cs sollen au c Unterbringung minderbemitt etter und be dürftiger Volksschichten Reu- wohstungen mit einer Wohnfläche von 32 bis 45 Quadratmeter zu einem Mietpreis von 20 bis 40 Mark erstellt werden. Für die Verzinsung und Tilgung der früher aufgenommenen Wohnungs­bauanleihen werden die zur Verfügung stehenden 5 Millionen völlig ausgcbraucht. Aus den Rück­flüssen und den Zinsen der früheren Darlehen stehen 1,5 Millionen für den Reubau zur Verfügung. Rach Abzug der bevorrechtigten 'Beträge für Instandsehungsdarlehen, Zusahdar- lehen für Kriegsbeschädigte, Kinderreiche, Tuber­kulöse und landwirtsa-aftliche' Siedlungen ver­bleibt nod) 1 Million, die f ü r Bau darlehen an den Bauherrn oder für Zinszuschüsse zu ver­wenden sind. In Hessen dürfen die Gesamther­stellungskosten pro Wohnung 7500 Mark nicht übersteigen. Zur Erstellung tragbarer Mieten ist ein Baudarlehen von 3300 Mark je Wohnung erforderlich, so daß unter dieser Voraussetzung 300 Wohnungen im Iahre 1931 beließen werden können.

Wirtschaftsminister K o r e l l erklärte auf eine Anfrage nach dem Ergebnis seiner Verhandlun­gen mit den Danken und Sparkassen, daß ein Vorgehen der Hess Ischen Institute zur Zins- ermäßigung wenig Erfolg verspreche, wenn nicht auch die hessen-nassauischen Geldinstitute ihre Zinsfüße senkten. Die geforderte Sen'- kung der Bauarbeitertarife könne nur von Berlin aus erfolgen und habe zur Voraus­setzung die Senkung der wichtigsten Lebensmittel- Preise, bei denen heute die Derdienstspanne zwi­schen Produzent und Konsument immer noch zu hoch sei.

Finanzminister Kirnberger erklärt, daß entsprechend der Dezembernotverordnung nur die Hälfte des im Rj. 1930 für den Wohnungsbau bestimmten Betrages zur Steuersenkung verwendet werden müsse. Das sei in Hessen geschehen. Die Grundsteuer wurde um 6 Prozent, Die Gewerbesteuer um 12 Prozent gesenkt. Eine entsprechende Verordnung über die Senkung dieser Steuer in den Gemeinden ergehe in den nächsten Tagen.

Auf volksparteiliche Anfrage wird von der Regie­rung erklärt, daß die Höherbesteuerung bei der Sondergebäude st eueer nach dem De- zcmbergesetz nicht unbeträchtlich sei, und nach den bisherigen Erfahrungen ersuche die Regierung um die Ermächtigung, eintretende Härten jetzt schon beseitigen zu können. Von den etwa 200 000 Gebäuden Hessens kämen etwa 10 000 für die Höher- besteuerung in Frage. Die Landgemeinden blieben davon fast völlig verschont. In den Städten seien die Verhältnisse sehr verschiebe^. Rad) vorläufigen Schätzungen kämen z. B. in Mainz 80 Prozent, in Offenbach etwa 60 Prozent, Darmstadt etwa 40 Pro­zent, im Bezirk Worms 22 Prozent, im Bezirk Gießen 16 Prozent, Bingen 4 Prozent, im Bezirk Bad-Nauheim dagegen fast keines der ge­samten Gebäude für die Höyerbesteuerung in Frage.

Bei Kapitel 15, Ruhegehalte und So­zialfürsorge (80 941 Mark Einnahmen, 18 263 210 Mark Ausgaben), kritisiert der Land- bundvcrtreter die neue Steigerung deS Pen­sionsetats und fordert eine Erhöhung der Alters­grenze. D'.e Regierung begründet die Pensions­steigerung durch die Vermehrung der Staats­beamten, insbesondere durch die Verstaatlichung der Polizei, außerdem übersteige der Iahres- zugang an Pensionären den Abgang sehr erheb­lich, weil sich die Lebensdauer der Bevölkerung stark verlängert habe. Eine Erhöhung der Altersgrenze von 65 auf 68 Iahre würde auf die Dauer eine Einsparung von 500 0 0 0 Mark bringen.

Hitlers Absage an Hindenburg.

Der Auszug der Nationalsozialisten aus dem Reichstag.

München, 25. Febr. (TU.) Aus Anlaß des 11. Jahrestages der Gründung der NSDAP, fand im Bürgerbräukeller eine Kundgebung statt, in der Adolf Hitler entschieden bestritt, daß der Aus­zug der Rechtsopposition aus dem Reichs­tag gegen seinen Willen erfolgt sei.Es geschieht nichts, ohne daß ich es weiß ober billige, noch mehr: Es geschieht nichts, ohne daß ich es wünsche. Wir werden jedes Mittel ergreifen, um das gegenwärtige Regime zu beseitigen." Die Na- tionalsozialisten würden fid) and) durch den Brief des Reichspräsidenten von Hin­denburg in ihrer Taktik nicht irres ü h - r e n lassen. Hindenburg sei wohl ein Schlachten­lenker gewesen, aber er sei kein politischer Lenker, sondern er werde selbst gelenkt. Wenn der Reichs- präfibent hoffe, daß eine nationale Opposition seine Politik rette, so erklärten bie Nationalsozialisten, baß sie b i e f e r Brief eisigka11 lasse. Sie gingen in ben Reichstag in bem Augenblick wleber hinein, in dem es ihnen für das deutsche Volk zweckmäßig erscheine. Die im Reichstag verbliebenen bürger- lichen Parteien machten zwei Drittel Ihrer Politik mit ben Marxisten, sie sollten aud) bas letzte Drittel mit ihnen machen. Man rechne scheinbar nicht mit ber Zähigkeit und grenzenlosen Verbissenheit ber Natio­nalsozialisten, bie heute schon ihres endgülti­gen Sieges gewiß seien.

KlabundsDreiköstgS"-Gedicht.

Brauns Antwort an das Zentrum.

Berlin, 25. Febr. (ERB.) Aus das Schrei­ben des Vorsitzenden der preußischen Zentrums- fraftion, Abg. Dr. Heß, an den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun wegen eines Hohngedichtes auf den Dreikönigstag hat Mi­nisterpräsident Dr. Braun folgendes Antwort­schreiben gesandt:

Sehr verehrter Herr Doktor! Bei Durchsicht der bei mir infolge meines Urlaubs aufgehäuften Korrespondenz finde ich auch Ihren Brief vom 8. v. M. Ich kann Ihnen nur mitteilen, daß ich in der Verurteilung des geradezu unflätigen Klabundschen Gedichtes über dieHeiligen Drei Könige" mit Ihnen völlig überein stimme und nur auf das tiefste bedauern kann, daß dieser quasi dichterische Erguß in einer von der Sozialdemokratischen Partei her­an sgegebenen Zeitschrift abgedruckt worden ist.

Ich glaube Ihnen versichern zu können, daß von dem Vorstand der Sozialdemokratischen Par­tei alles geschehen ist, um eine Wiederholung eines derart ärgerlichen Vorkommnisses zu ver­meiden Denn bereits vor Eingang Ihres Brie­fes ist durch Schreiben vom 5. Ianuar d. I. der Redaktion vonVolk und Zeit" durch den Partei­vorstand mit aller Deutlichkeit klargemacht wor­den, daß derartige, Andersdenkende auf das schwerste verletzende literarische Unarten unter­bleiben müssen. Damit darf ich die Angelegen­heit wohl als erledigt ansehen."

Antrag auf Zulassung des Remarque-Films abgelehnt.

Berlin, 24. Febr. (DDZ.) Jrn Haushalts- a u s f d) u ß des Reichstages standen am Dienstag auch die tommunistischen Anträge über den Re- marqueftlm zur Entscheidung. Der erste Antrag ver- langt einfach die Aufhebung des Filmver- b o t e s, während ein Eventualantrag die Reichs­regierung ersucht, darauf hinzuwirken, baß das Verbot aufgehoben wirdi In ber Aussprache erklärte Frau Abg. Bohm-Schuch (Soz.), bie Sozial- bemotraten mürben nicht für bie Anträge ft i m men, ba es sich um ein höchstrichter- l i ch e s Urteil handele und ein Eingreifen des Ministers gesetzlich nicht zulässig sei. Abg. torg« l c r (Korn.) widersprach dieser Auffassung und ver- wies auf die Handhabung beim Potemkin-Film. ber auch zunächst zugelassen unb später auf ben Druck einiger Regierungen hin verboten würbe. Die kom­munistischen Anträge auf Aufhebung bes Film-Ver­botes würben gegen bie Stimmen ber Kommunisten abgelehnt.

Oer neue Kurs in Südtirol.

Bozen, 24. Febr. (TU.) Am 20. Februar, dem Todestag Andreas Hofers und seines Kampfgenossen Peter Mayer, ist es seit langen Iahren Brauch, an dein neben der Bo­zener Pfarrkirche befindlichen Grgtzpenkmal des letzteren einen Kranz aufzuhängen, der frei­lich, seitdem die Italiener am Ruder sind, jedes­mal entfernt wurde. Als aber zum dies­jährigen Gedächtnistag um 2,30 Llhr früh junge Bozener den Kranz mit der weiß-roten Schleife am Grabdenkmal anbringen wollten, fielen Schüsse aus dem benachbarten Feuer­weh r l o k a 1, in dem sich Agenten der Staats­polizei aufgestellt hatten. Die Bozener mußten flüchten, wurden jedoch verfolgt. Dabei tarn einer von ihnen, Iosef Rizzi, zu Fall und wurde verhaftet. Kurz darauf wurden noch zwei weitere Beteiligte festgenommen. Die drei Bozener befinden sich noch in Hast.

Kunst unb Wissenschaft.

100-3afjr-$eier ber Berliner Universitätsbibliothek.

Mit einem feierlichen Festakt beging in ber Alten Aula ber Universität bie Universitätsbibliothek ihr 100jähriges Bestehen. Der Rektor ber Universität, Geheimer Konsiftorialrat Prof. Dr. D e i ß m a n n , überbrachte bie Glückwünsche und ben Dank ber Universität unb des Senats an ben Direktor ber Bibliothek unb feinen Mitarbeiterftab. Ministerial- bireftor Prof. Dr. Richter sprach für ben ver­hinderten Minister, ber Generalbirektor ber Staats­bibliothek, Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Krüß, im Auftrage bes Kollegiums ber Staats­bibliothek unb als Vorfitzenber des Beirates für Bibliotheksangelegenheiten. Die Festrebe hielt ber Direktor ber Universitätsbibliothek, Dr. Hoecker, ber einen historischen Rücllstick über bie Entstehung unb Entwicklung ber UnivGrsitätbibliothek gab.

Der Ständige Literatur- unb Kunstausschuß des Völkerbundes.

Der Präsident des Ausschusses für geistige Zu- fammenarbeit des Völkerbundes, Gilbert Murray, gibt bie cnbgültlge Zusammensetzung bes von ber ietzten Völkerbundsversammlung eingesetzten Stau­bigen Literatur- unb Kunstausschusses bekannt. Dem Ausschuß gehören u. a. an: Der ehemalige Direktor bes Internationalen Institutes für geistige Zu­sammenarbeit, Julien Luchaire (Frankreich), Thomas Mann (D e u t f d) l a n b), Fräulein Helen Wacaresco (Rumänien) unb Professor be Reynolb (Schweiz).

Pariser Kirchentagung.

Seit bem 18. Februar tagt in Paris ber Voll­zugsausschuß bes Oekumenischen R a - t c s für praktisches Christentum (Stock­holmer Bewegung) unter bem Vorsitz bes schwedi­schen Erzbischofs Soederblom. Als deutsche Delegierte nehmen an ben Verhanblungen teil: Dekan Ihmels, Lanbesbischof von Sachsen, De­kan H o s e m a n n, Oberfonfiftorialrat, Direktor bes Deutschen Evangelischen Kirchenbunbesamtes in Berlin, Professor Titins - Berlin, Professor Di- b e 11 u s Heibelberg, Pfarrer Stange, Reichs- roart ber evangelischen SungmännerDcrbänbe Deutsch- lanbs in Kassel unb Pfarrer Dr. rer. pol. Schön- selb, beutscher Vertreter im 9nternationalea Sozialwissenschaftlichen Institut in Gens.

Aus aller Welt

Die Beisetzung der Opfer in Eschweiler.

In Eschweiler fanb in ber großen, schwarz dra­pierten Schützenhalle bie Trauerfeier für die 32 Opfer ber'Eschweiler Bergwerkskata- strovhe statt. Generalbirektor Westermann gab im Namen bes Eschweiler Bergwerksvereins bas Versprechen ab, alles Menschenmögliche zu tun, um von ben Hinterbliebenen bie schwerste Not abzu- tuenben. Nachbem bann Vertreter ber Gewerkschaf­ten unb bes Betriebsrates ben Toten letzte Grüße nachgerufen hatten, sprach Ministerialbirektor Dr. ©tiefer vom Reichsarbeitsministerium im Namen bes Reichspräfibenten unb ber Reichsregierung ben Angehörigen bie wärmste Anteilnahme aus. Zum Schluß hielten noch Weihbisckof Dr. S t r a e t e r für bie katholische Kirche unb Konsiftorialrat Schrö - ber im Namen bes protestantischen Konsistoriums Ansprachen. Dann würben bie Särge unter unge­heuerer Beteiligung ber Bevölkerung, Geistlichkeit, Schulen unb Vereine, zum Friebhof gebracht. Dort kam es nach ben Einsegnungsfeierlichkeiten unb An­sprachen ber Geistlichkeit zu einem Zwischenfall. Ein Vertreter ber Revolutionären Gewerk­schaftsopposition hielt an ben Gräbern eine Rebe, b1e sehr scharfe Wenbungen enthielt. Von ben anwesenben Polizeibeamten würbe er jeboch am Weiterreben verhinbert unb schließlich genötigt, den Friebhof zu verlassen. Dann sprach an ben Gräbern ber Opfer ein zweiter kommunistischer Redner in ähnlicher herausfordernder Weise. Auch diesem wurde das Weitersprechen von Polizeibe- amten untersagt. Da bie Menge mit Pfeifen und Pfui!-Rufen zu einer ©egentunbgebung schritt, würbe berFriebhofvonberPolizei geräumt. Die Kommunisten marschierten hierauf unter Vorantragung einer roten Fahne zum Markt­plätze in Nothberg, wo sie eine Sunbgebung veran­stalteten. Nach kurzer Zeit löste sich bann bie Menge auf.

Schwere politische Zusammenstöße in Göttingen.

Rachdem bereits am 23. Februar abends ein Stahlhelmangehöriger unb ein Rationalsozialist von Kommunisten überfallen und schwer verletzt worden waren, dauerten die Sim ruhen auch den ganzen Dienstag über an. Die Kommunisten versuchten das Parteibureau der Rationalsozialisten zu stürmen. Die Polizei mußte wiederholt mit dem Gummiknüppel einschreiten. Gegen 16 Ußr kam cs zu einer Schlä­gerei auf der Rikolai-Straße, wobei von dem