Deutsche Siedlungsarbeit in Ostasrika
Wenn Ihre
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dann geben Sie sie bitte spätesten* Im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags In der oeschÄftsstelle auf
' Eine öffentliche An Mahnung zur Zahlung von Wohnungsmiete und Schulgeld be- findet sich im heutigen Anzeigenteil. Interesfen- tcn seien besonders daraus aufmerksam gemacht.
• • Neubesetzung der Schlachthvf- d i r e k t i o n. Die Stellung des Schlachthof- direktors und Leiters des Siebener Vieh- und Schlachthofes ist zur Wiederbeschung im heutigen Anzeigenteil ausgeschrieben Tierärzte seien be- sonoers darauf hingewiesen.
• • Stadttheater-Abonnement. Die Einlösung des sechsten Abschnittes des Stadt- theater-Abonnements für Dienstag-, Mittwoch- und Freitag-Abonnement hat demnächst zu erfolgen. Näheres im gestrigen Anzeigenteil.
• * Renten . Auszahlung. Die Auszahlung der Militärrenten jür März findet, wie uns vom Postamt mitgeteilt wird, am 27. Februar, der Unsoll. und Invalidenrenten am 28. Februar statt.
Schweine-Zwischenzählung am 2. März. Das KrciSamt Diesten teilt im AmtS- vertündigungsblatt vom 24. Februar mit, dah
am 2. März wieder eine Schweine - Zwischen» zählung stattsindet. Mit dieser Zählung ist ein« Ermittlung der nicht beschaupflich'igen Haus- schlachtungcn in der Zeit vom l. Dezember 1930 biS 26. Februar 1931 verbunden.
— Ausbruch der Maul-und Klaurn- f e u ch e. Zn Rodheim v. d. H. (Kreis Friedberg) und in Gelnhaar (Kreis Büdingen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
•• Grotzcr ZigarettendiebstahL 3n der Nacht zum Dienstag drangen Einbrecher in das Lager der Zasconsa-(Zigaretten-)Hpeditions» gesellschast in der Dämmstrahc ein. Die unerwünschten nächtlichen Besucher kletterten über die Llmfasfungsmauer und dann über eine Leiter zum ersten Swekwerk empor, wo sie sich durch Eindrücken eines Fensters Zugang zu dem 2n-
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eitnter Ost Tiessigcr Südsüdwest
in der Freitags- oder In der Samstagsnummer des GleBener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame SatzausstattunO
werben soll
ncren deS LagergebaudeS verschafften. AuS den Vorräten stah.en sie etwa 11 000 Zigaretten der Marken Ova. Salem-Auslese. Atikah-Auslese, lllmenricd und Mercedes. Wohin das Diebesgut verschleppt wurde, steht bisher noch nicht sest. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
(Strafkammer Gießen.
* Dietzen, 24. Febr. Ein Schuhmacher und Händler aus einem Landort war zu 80Mark Geld st rase verurteilt worden, weil er vor der Konkurseröffnung verschiedene Gläubiger in unzulässiger Weise sichergestellt hatte (8241 Konkursordnung). Die Straskammcr hielt es heute für erforderlich, noch verschiedene Ermittlungen vornehmen zu lassen und vertagte deshalb die Sache.
Ein Kraftwagenführer war am 18. Aug v. 3. gegen 18 Ahr die Ostanlage nach der Bürgermeisterei zu gesahren. Plötzlich sah er — nach seinen Angaben — ein kleines Mädchen, das vorher auf dem Bürgersteig gelaufen war, vor seinem Wagen. Wie cs da.)in gekommen war. will er nicht bemerkt haben. Trotz Bremsen- wurde es überfahren und getötet. Das Schöffengericht hatte in dem Verhalten des Angeklagten eine Fahrlässigkeit in der Ausübung seines De- russ gesehen und ihn an Stelle eines Monats Gefängnis zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Strafkammer bestätigte das Urteil.
afrika nach ben\ Kriege. Seine Darlegungen waren aufgebaut auf den Feststellungen gelegentlich einer grasten Rundreise, die er im Jahre 1929 durch Ostafrika gemacht hat. Von der einstigen, glänzend blühenden deutschen Arbeit in unserem alten ostafrikanischen Besitz, der zweimal größer ist als Deutschland, ist heute leider nur noch wenig vorhanden. Den größten Teil der ehemaligen deutschen Besitzungen haben sich die Engländer angeeignet, daneben ist es der Inder, der feine wirtschaftliche Geltung und seinen Einfluß im öffentlichen Wirken in der Kolonie ganz erheblich gestärkt hat. Dadurch ist die Lage der Deutschen heute natürlich eine ganz andere und wesentlich schwierigere als früher, trotzdem sind aber seit 1925 26, von wo ab den Deut- scheu wieder Landerwerb gestattet wurde, sehr er frculidje Ergebnisse der deutschen Siedlungsarbeit- zu verzeichnen, und daraus ergeben sich verheißungsvolle Ansätze zu weiterem Aufbau der deutschen Kolonialwirtschaft. In gewissen Landesteilen sind schon geschlos- jene deutsche Siedlungen vorhanden, das deutsche Schulwesen als bedeutsamer kultureller Faktor ist wieder sehr gut entwickelt, das Verhältnis zu den Eingeborenen ist gut, und die Arbeitsmöglichkeiten sind trotz der schweren Zeit, immer noch aussichts- voll. Angesichts dieser Verhältnisse empfahl der Redner dringend eine
starke, aktive fiofonialpolltif und die weitere Ansiedlung deutscher Landwirte, Handwerker und Kaufleute in Ostafrika, wo für tüchtige, vorwärtsstrcbende Männer noch Raum genug vorhanden sei.
Eine wirksame Unterstützung dieser Werbung für rege deutsche Kolonial arbeit brachte der Vortragende noch durch die Vorführung zahlreicher guter Lichtbilder von deutschen Siedlungen und Pflanzungen in den verschiedenen ostasrikani- schen Landesteilen, die eindrucksvoll Zeugnis ablegten von der starken, ausbauenden Straft des deutschen Fleißes und Willens zum Wieder- emportommen in unserer alten Kolonie.
Der sehr interessante Vortrag, sür den Frau Prosestor Kuhn dem Redner namenS der Versammlung herzlich dankte, kann als ein starker AktivpostenfürdieKolonialfreund- schaft in unserer Stadt bezeichnet werden. Die noch junge Gießener Abteilung des Kolonial- Frauenbundes kann es sich als schöne« Verdienst anrechnen, durch diesen Abend daS koloniale 3nbereffc in unserer Bürgerschaft kräftig belebt zu haben.
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Wettervoraussage.
Die Nandstörungen des im Norden vorüberziehenden Tiefdruckgebietes haben den hohen Druck im nördlichen Deutschland bereits abgeschwächt. Dort hat milde ozeanische Luft die Temperaturen über Null gehalten und ferner trübes Wetter mib Niederschlägen verursacht. Hingegen stehenMittel- und Süddeutschland noch im Zeichen hohen Druckes, welcher weiter zu Frost führte. In München zeigte heute morgen das Thermometer wieder — 9 Grad an. Die Nandstörungen werden sich weiter südwärts durchsetzen und auch in unserem Bezirk nächtliche Milderung biS um den Gefrierpunkt und etwas darüber bringen. Weiter führt die ozeanische Luft neben Eintrübung auch Nie- deickchläge mit sich, die auf den Bergen alS Schnee niedergehen.
Aussichten für Donnerstag: Meist wollig und bedeckt, nachts milder, zeitweise Niederschläge, in höheren Lagen als Schnee, südwestliche Winde.
Ganz merkwürdig mögen dem Laien althergebrachte Sähe klingen wie: »Eisern Vieh stirbt nicht", dah die wiederkehrende Erneuerung des lebenden Zubehörs eine« Gutes kennzeichnet, oder wie „öer Tote ernt den Lebendigen', womit der unmittelbare NechtS- und Pslichtenübergang gemeint ist: vergangenen Anschauungen entsprungen ist die Negcl: „Das Kind folgt der ärgeren Hand", waS auf die ungünstige Rechtslage der Eprötzlinge aus .standeswidriger" Mißheirat ab- zielt.
Recht zu haben ist iedermann zu gönnen, der sich im Streit seiner Haut zu wehren hat, aber stets Recht haben zu wollen und niemals Milde, niemals Nachgiebigkeit gegen einen Widersacher walten zu lassen, bringt in den Verdacht, ein: „Prozeßhansel", ein rechthaberischer Mensch zu fein. Wie man hierüber auch denken mag, die Wechselfälle eines Prozesses sind unberechenbar, so wenig Wert auch auf das Sprichwort gelegt werden soll, daß das Recht eine wächserne Nase habe. Dem geneigten Leser sei von Herzen gewünscht, daß er stets bann Recht bekommt, wenn er Recht hat. 2-
Pornotizen.
— Tageskalc n dersür Mittwoch. Stadttheater: „Der Misanthrop', 20 bis 22.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebeswalzer".
-- Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr. unter der Spielleitung Walter Bäuerles die von ihm inszenierte Molidre-Dearbeitung ..Der Misanthrop". — Freitag. 27., 20 Uhr, Wiederholung der erfolgreichen Aufführung „Volpone", eine lieblose Komödie von Ben Ionsen in der Bearbeitung von Stefan Zweig: Spielleitung Peter Fassot. — Sonntag. 1. März, 15 il&r, geschloßene Vorstellung, „Nachtasyl" von Gorki. 18.30 Uhr, als Fremoenvorstcllung unter der Spielleitung des Intendanten das Schauspiel „Marius ahoi!' von Marcel Pagnol. — Am Donnerstag. b.März, 19.15 Uhr. im Mittwoch-Abonnement einmaliges Gastspiel des Darmstädter Landes- thcaters mit der Mozartvper „Die Hochzeit des Figaro": Opcrnpreise.
— Vom Konzertverein wird unS mit» geteilt, daß Herr IustuS F.Laun infolge Erkrankung verhindert ist, die Tenorpartie im „Messias" zu fingen und daß an seiner Stelle Herr August Jordan aus Frankfurt verpflichtet worden ist.
Kommunisten geschossen wurde. Eine Person erlitt schwere Verletzungen. Eine von den Nationalsozialisten in einen Saal einberufene 03er- fammlung verlief ruhig, jedoch wurden im An- fchftih hieran obmarschrerende Nationalsozialisten von Kommunisten beschossen. Als in später Nachtstunde die Polizei aus der Geismarer Landstraße einen etwa 150 Mann starken kommunistischen Zug auslösen wollte, wurde sie ebenfalls beschossen. Die Polizei räumte die Gegend von den Demonstranten.
Grohherzog Friedrich August von Oldenburg f.
Oldenburg, 24. Febr. (TL1.) Der letzte regierende ©roßberjog von Oldenburg, Friedrich August, ist am Dienstagvormittag gestorben. Der Erzherzog war 1852 als Sohn des GrohherzogS Peter geboren. Nach militärischer Ausbildung in der preußischen Armee wandte er sein 3n- teresse vor allem schiffsbautechnischen Fragen zu. Für die Konstruktion einer neuartigen Schiffsschraube wurde er von den Technischen Hochschulen in Danzig und Hannover zum Dr. ing h. c. promoviert. Seinem Vater folgte er 1900 in der Regierung des Drohherzogtums Oldenburg nach. Auch als Regent betätigte er fein lebhaftes Interesse für die Entwicklung der deutschen Seeschiffahrt. Do war er u. a. Vorsitzender des Deutschen Schulschiff-Vereins. 3n erster Ehe war cr mit der Prinzessin Elisabeth, einer Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, verheiratet. Die einzige Tochter dieser Ehe ■ ist die ehemalige Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen. Aus feiner zweiten Ehe mit der Herzogin Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin entsprossen zwei Töchter und ein Sohn.
' Jrau Geheimrat F. A. Krupp f.
Frau Geheimrat F. A. Krupp ist am Dienstagnachmittag im 77. Lebensjahr plötzlich gestorben. Margarete Krupp, geborene Freiin v. Ende, wurde in Breslau als Tochter des Polizeipräsidenten Karl Ludwig August Freiherr von Ende geboren. 1882 tourte sie die Gattin Friedrich Alfred Krupps. Wegen ihrer Großherzigkeit und ihrer Verdienste um die Stadt Essen — erinnert sei nur an die zahlreichen Stiftungen sür die Werksangehörigen und ihre Familien — wurde ihr 1912 der 2 h r e n b ü r g e r b r i e f der Stadt Essen überreicht. Sie hat ihren Gatten, der 1902 gestorben ist, um säst 30 Jahre überlebt
Muller und Zwillingskinder durch Gas gelölel.
3n Harburg-Wilhelmsburg wurde die 23jährige Ehefrau Nuthmann mit ihren zweijährigen Zwillingskindern von dem heimkehrenden Ehemann in der Wohnung mit Gas vergiftet, tot aufgefunden, toäbrenb ein drittes Kind der Eyeleute, ein vierjähriger Junge, noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Der Zunge wurde in ein Krankenhaus geschasst und konnte am Leben erhalten werden. Nach den polizeilichen Feststellungen hatten sich die Frau und die beiden Kinder in der Küche aufgehalten. Dabei hatte eines der Kinder auf dem Küchentisch gespielt und heimlich den von dort erreichbaren Gashahn geöffnet. Da die Frau keinen Geruchssinn hat und schwerhörig ist, ist ihr das Entweichen des Gases nicht ausgefallen.
Immer noch Lawinengefahr in Tirol.
Im ganzen Tiroler Alpengebiet gehen ständig neue Lawinen nieder, doch sind Menschenleben nicht mehr zu beklagen gewesen. Die Schneemengen haben jedoch große Verwüstungenaufden Eisenbahnstrecken angerichlet. Der Verkehr auf der Strecke Linz —Franzens feste mußte vollständig eingestellt werden, da eine sieben Meter hohe Lawine in der Nähe der österreichisch-italienischen Grenze den Bahnkörper vollständig verschüttet hatte. Auch aus Südtirol liegen Nachrichten über starke Schneefälle und Schneeverwehungen vor.
Die Voruntersuchung
gegen den Dersicherungsbetrüqer Tetzner.
Nach mehr als einjähriger Voruntersuchung konnte dem Kaufmann Kurt Tetzner aus Leipzig und seiner Frau wegen je eines Verbrechens, des versuchten und des vollendeten Mordes, sowie eines Vergehens des versuchten Versicherungsbetruges bzw. der Beihilfe hierzu, die umfangreiche Anklageschrift zugeftellt werden Zur Hauptverhandlung am 23. März vordem Schwurgericht Regensburg find 21 Zeugen wnb fünf medizinische Sachverständige geladen. Nach der Anklage soll Tetzner, der sich bei mehreren Versicherungsgesellschaften für insgesamt 1 45 000 Mark versichern ließ, in der Nähe von Ettershausen bei Regensburg am 26. No- veinber 1929 einen noch unbekannten Handwerksburschen mit seinem Wagen verbrannt haben. Nach der Tat floh Tetzner nach Paris, während die von ihm eingcweihte Ehefrau ihren Mann als tot bei den Verficherungsgefell- schäften meldete.
Schöne weiße Zähne: Chlorodont
Recht", ganz zu schweigen von dem seltsam klingenden und doch so gedankentiesen Faust-Worte:
„Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen."
Er mutet dem Hörer juristische Llngeheuerlichkci- ten zu und verdient trotzdem ernstliche Beachtung.
3n der täglichen Rede tauchen auf Schritt und Tritt Ausdrücke aus dem Rechtsleben auf: der Dolksredner, der Schriftsteller, der ZeitungSleser beherrscht sie und macht sie sich zu eigen. Man macht sich zum Anwalt einer guten Sache, man plädiert sür sie, man wird ihr Fürsprecher, tritt für sie in die Schranken und sucht ein günstiges Urteil über sie zu erlangen, ilnb wer herüber zu Gericht sitzen soll, der darf sein Ohr nichr einseitig einer Partei leihen, denn
„Sines ManneS Rede
Ist keines Mannes Rede,
Man soll sie billig Horen alle Heede."
Wer einen anderen verteidigt, wird nur selber noch dessen eingedenk sein, daß die altdeutsche Gerichtsstätte („Lhie" oder „Thing" genannt) mit den darüber rauschenden Zweigen einer ehrwürdigen Linde das Stammwort für die von ihm im wirklichen oder im figürlichen Sinne ausgeübte Tätigkeit bildet. Wenn man jemanden beschwört, etwas zu tun ober zu unterlassen, so ist der Zusammenhang mit dem Prozeßverfahren ebenso unverkennbar wie bei der Redensart, daß man für eine Behauptung feine Hand ms Feuer legen wolle. Mit den ehemaligen Gottesurteilen, auf die man bildlich noch heute zurückgreift, stand die Feme in enget Beziehung. Die Erinnerung an sie ist lebendiger als je zuvor, und wer sich als verfemt betrachten muh, dem fällt es schwer, gegen die Dolksstimmen auszukommen.
Der Begriff des Prozesses ist von den verschiedensten ^russzweigen aus dem Rechtsverkehr übernommen. Vorgänge des Wirtschaftslebens wie die Aufsaugung von Kleinbetrieben, medizinische Beobachtungen am gesunden und kranken Körper, wichtige naturwissenschaftliche Beobachtungen in der Entwicklung des Tier-, des Pslanzen-, des Mineralreiches, Wandlungen und Uebcrgänge im Lehrfach, in der Industrie, der Technik und anderwärts werden als ..Prozesse" anschaulich bezeichnet. Dah ein mageret Vergleich besser sei als ein fetter Prozeß, hören wir alle Tage von kundiger Seite, auch aus Anwaltskreisen.
Die Reihe der Rechtssprichwörter ist schier endlos: nur einige davon mögen herausgegrisfen werden. Sie treffen in ihrer knappen Fassung oft den Nagel auf den Kopf, daß der Hehler so gut ist wie der Stehler, scheint dem einfachen Manne sehr begreiflich, auch wenn die Gtrafbor- schristen etwas anders lauten. Mit Rechten und Pflichten stimmt eS gut überein, wenn uns gesagt wird, dah jeder, der den guten Tropfen genießen will auch den bösen mit hinnebmen muh. 3m Handel und Wandel gilt die herbe Wahrheit, daß man den Beutel auftun muß, wenn man seine Augen nickt aufgetan hat, und dah man seinen Glauben da suchen soll, wo man ihn gelassen hat. Die sorgsame Treue im Rechtsverkehr klingt uns entgegen, denn „Hand muß Hand wehren", aber „Borgen macht Sorgen" und „der Abwesende muß manchmal Haare lassen". Nur sehr bedingungsweise gilt die Regel: „Not kennt kein Gebot", während wir es leider oft genug erfahren, „bafj Gelegenheit Diebe macht", aber auch dah „unrecht Gut nicht gedeiht" und dah „Lügen kurze Füße" Habern
Aus Der Provituiofbaupfftaöi
Gießen, den 25. Februar 1931.
Das Hecht im Vo'lsmunde.
Das Rechtsbewußtsein deS deutschen Volkes kommt in der mannigsachsten Weise zum Ausdruck, öS zeigt sich in Sprichwörtern und landläufigen Redensarten, in Dergleichen und Bildern, bei denen oft die übertragene Bedeutung den ursprünglichen Sinn verdrängt hat. Es liegt eine Rückkehr zum natürlichen Empfinden darin, wenn wir aus der Verfassung des Reiches entnehmen, daß alle Gewalt und alles Recht vom Volke aus- geht, in dessen Namen die Gerichte ihr Urteil er- lassen, und wie ein Fels im brandenden Meere des Parteienstreits und der Tagesmeinungen steht der Satz: „Recht muß doch Recht bleiben." Nur aus einer galligen Mißstimmung heraus ist der Vers zu crTlärcn:
„Es erben sich Gesetz und Rechte Wie eine ew'ge Krankheit fort."
Wir lernen es schon früh, dah Gerechtigkeit ein Volk erhöht, und frische jugendliche Kehlen singen es mit den ergrauten alten Herren zusammen, dah unserem Vaterlande, „geliebt durch Redlichkeit und Recht", eine neue Blüte ersehnt werde
Nicht ganz im Einklang mit den Einrichtungen der Ersetzung und Verjährung steht der Spruch: „Tausend Jahre Unrecht machen noch kein 3ahr
Die Abteilung Giehen des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft veranstaltete am Montagabend im großen Saale des Studentenhauses einen ausfchluhreichen Vortrag über die deutsche Siedlungsarbeit im heutigen Ost afrika. Welch grobem 3ntereffe das Thema begegnete, war aus dem auher- ordentlich starken Besuch — der Saal war voll besetzt, trotz mehrerer Veranstaltungen am gleichen Abend — ersichtlich.
Die Vorsitzende der Gießener Abteilung, Frau Pros. Kuhn, leitete den Abend ein mit einem kurzen Bericht über das Werden und Wirken des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesell- schalt, dessen Ziel die tatkräftige Förderung des Deutschtums in unseren ehemaligen Kolonien ist und der in dieser Arbeit schon sehr ansehnliche Leistungen vollbracht hat. Zutreffend betonte die Rednerin, daß es Ausgabe jeder deutschen Frau fei, diese Arbeit zur Förderung des Deutschtums tatkräftig zu unterstützen, damit für die deutschen Siedler in den Kolonial ländern noch mcchr als bisher getragen werden könne.
Der Redner des Abends, Ministerialrat Dr. Mickcl (Berlin), ein alter und begeisterter Afrikaner, sprach sodann in mitreißender Weise über die deutsche Äolonialarbeit in Afrika einst und jetzt, ins- besondere über die deutsche Siedlungsarbeit in Oft- afrika unter der Mandatsoerwaltung der Engländer. Zunächst gab der Vortragende in großen Strichen ein Bild des deutschen kolonialen Wirkens bis zum Kriegsausbruch, das gekennzeichnet war durch eine glänzende Aufwärtsentwicklung des deutschen Kolo- nialbcsitzes unter der sorgsamen und weitausschauen- den Verwaltung durch die deutschen Kolonialbehörden. Er ließ dabei erkennen, mit weich' großer Be- geifterung die Pioniere Deutschlands sich ihrer hohen zlufgabc in den Kolonialländern widmeten, mit welchem feinfühligen Verständnis sie den Eingeborenen begegneten und dadurch erreichten, daß der Deutsche von der schwarzen Bevölkerung allgemein hochgeachtet wurde und sich ein festes Treuverhältnis her- ausbildete, das ja dann während des Krieges in Ostasrika aller Welt deutlich sichtbar wurde. Durch diese Tatsachen wird die Lüge von der „deutschen Unfähigkeit zur Kolonialarbeit" am besten widerlegt, und wir können daraus, wie auch aus der ent- schädigungslofen Wegnahme unseres Kolonialbesitzes durch die Weltkriegsieger die Forderung an den Völkerbund ableiten,
Deutschland mit der Verwaltung kolonialen Lefitzes zu betrauen.
Sodann berichtete der Redner cin^cfjcnb über den Wiederbeginn der deutschen Stolomalarbeit in Ost-
inoö
Oslo
Mambo.
Koruna


