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Harrs« befördert. Weine 'Xnhinft in Görlitz, 6er Stadt, In der meine Ettern damals lebten, erfolgte kurz vor dem Weihnacht-fest. Wein Datei war sehr böse aus mich: ich hatte di« Hoffnungen, die er auf mich gesetzt hatte, vernichtet: ich wollte weder Ingenieur noch Kaufmann werden, son­dern entweder Seemann oder Schauspieler. Ich war eben ein« Vagabund.«nnatur. und ein Vagabund bin ich eigentlich mein ganzes Leben geblieben.

Aber ich wollte ja von diesem Weihnachtsfest sprechen, da- kurz nach der Zeit meines Londoner Abenteuer- fiel. SS war ein schönes Weih- nachtSsest, wie alle anderen vorher, ich wurde beschenkt wie meine Vrüder und Schwestern, es gab keine Wort des Vorwurf- und keine Wihstimmung. wir sangen WeihnachtSlieder. srcm- tcn uns und vergasten, dast es eine Welt gibt, die erfüllt ist von Hast und Kamps.

Da- war das letzte Weihnacht-fest meiner Kindheit. im Elternhause. Da­nächste schon verbrachte ich irgendwo tn Lüd- deutschland bei einer Schmiere. Es waren traurige Weihnachten. Wir durften am Heilig­abend nicht spielen und hatten also keine Ein­nahmen. Unser Direktor kam un- verdächtig vor. wir hatten den Eindruck, al- wollte er sich mit unserer kärglichen Dag« au- dem Staube machen. Unser Eindruck hatte unS leider auch nicht getäuscht ...

Diesmal kommt das Christkind nicht zu euch!"

Don Henny Porten.

Ich habe sicherlich in meinem Leben viele schöne Weihnachtsabende gehabt. Wenn ich aber nach dem eindrucksvollsten meine- Lebens gefragt werde, so ist es einer, an den ich mich, trotzdem ich erst ein Kind von vier Jahren war, ewig er­innern werde. Ä

Mein Vater hatte als Theaterdirektor in Dort­mund kläglich Schiffbruch erlitten, und wir kamen um die Weihnachtszeit n a ch D e r l i n: die Ettern und drei kleine Kinder. Wir kannten niemand in der Riesenstadt, Geld hatte Vater auch nicht, und erst nach stundenlangem Umherivren gelang e- uns. in einer Pension unterzukommen. Es war wohl die traurigste Zeit, die wir j« durchmachen muhten.

Der Refrain, den wir Kinder immer wieder zu hören bekamen, lautete:Diesmal kommt das Ehristkind nicht zu euch: es weih ja nicht, wo wir wohnen!" Schließlich wollte der Vater uns doch nicht ganz ohne Geschenke lassen, und eS gelang ihm wie er uns erst in glück­licheren Tagen erzählte durch Versetzen einer Uhr. un- doch noch etwa- zu schenken. Und zwar entdeckte er in einem Spielwaren­laden. in dem Feuer ausgebrochen war, einige leicht angebrannte und darum ganz billige Gegenstände. Weine Schwester Rosa bekam eine kleine Zither, ich eine kleine Wobrenpuvpc in einem roten Kleid, das leider halb angebrannt war und einen recht penetranten Geruch ver­breitete. Di« Pension spendierte un- ein kleine- Bäumchen, und fo feierten wir Weihnachtsabend.

Aber diese kleine Mohrenpuvpe habe ich in mein Herz geschlossen, und auch später, als es uns wieder besser ging, hatte sie den Ehrenplatz in meinem Spi</sachenschrank.

Das Glück fügte es, daß Vater am 1. Feiertag durch einen Agenten ein Engagement als Sänger an einem Vorstadttheater bekam. und so verwandelte sich, wenn auch verspätet, dieser traurige Heilige Abend für meine Eltern in ein Freudenfest.

Aus der Pwvinzialhauptstadt.

Dieben, den 24. Dezember 1931.

Weihnachten.

Am Schlüsse de- Evangeliums Matthäus ver- heiht Jesu- seinen Jüngern, dah er bei ihnen sein werdealle Tage bis an der Welt Ende". Dieses Wort ist nicht zeitlich, sondern räumlich zu verstehen, über den ganzen Erdkreis hinweg werden Jesu Boten gehen, aber der Meister wird mit ihnen sein, sie mit Geist und Kraft ausrüsten. Am Weihnachtsfeste werden wir inne, dast Jesu Machtvollkommenheit sich tatsächlich biS an daS Ende der Welt erstreckt. Man feiert Weih­nachten. das Geburt-fest Jesu, im bayerischen Hochgebirge, wo die Frommen in der stillen, schweigenden Rächt zur Ehristmette nach dem lernen, vom Schnee bedeckten Kirchlein gehen, lieber die Insel Rügen klingen die Weihnacht-» glocken, wie über hie baumlose spanische Hoch­ebene. Der Rundfunk vermittelt unS Weihnachts­feiern auS Berlin. London und Rom. In hessi­schen und thüringischen Dorskirchen schauen blonde, rotbackige Kinder mit leuchtenden Augen nach dem Ebristbaurn. der neben dem Altäre steht: in den Missionsgemeinden an der Goldküste und der Gesellschaft-Inseln singen Reger und Poly­nesier deutsche und englische Weihnacht-lieber, die man in ihre Sprache überseht hat. Der Ehristbaum leuchtet auf den Ozeandampfern und in den Krankensälen, er leuchtet dem deutschen Reiter, der zur Stallwache besohlen ist. Wahr­lich. Weihnachtenbi- an der Welt Ende".

In dieser Tatsache liegt beschlossen, dast Iesu- Bedeutung für die ganze Welt und für die ganze Menschheit hat. Unsere Vorfahren redeten von den zwölf heiligen Nächten, die in die Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar fielen, und be­gingen in dieser Zeit das Fest des zunehmenden Lichtes. Jeder Mensch sehnt sich nach dem Licht. Wer jetzt stundenlang über verschneite, toinb- durchwehte Straßen wandert, durch die Rächt, über da- Feld, über dem die Raben krächzen, der ist froh, wenn er bl« Lichter einer Stobt auf- blitzen sieht unb in ben Strahlenkranz ber Straßenbeleuchtung cintrltt. Roch dem Dunkel des Winter- grüßt unS ber lichte Frühling. DaS gilt auch im übertragenen Sinne. Wir sehnen unS auS Gram. Rot. dunklen Sorgen nach Licht, Freude, Frieden. Leben. Diesem Sehnen kommt ber entgegen, beß Geburtstag wir jetzt wieder feiern. Unter feinen großen Worten ragt eins hervor ..Ich bin das Licht der Welt: wer mir nachfolgt, der wird nicht wan­deln in der Finsternis, sondern wirb ba» Licht des Lebens haben." Ein gewaltiger Anspruch wird in diesem Worte erhoben, aber Geschichte und Wirklichkeit bestätigen, daß er berechtigt ist. Mit IesuS trat in die Wett der Vergänglichkeit eine neue, ewige, au- Gott stammende Welt herein. Luther drückt da- mit den Dorten auS: .Das ew'ge Licht geht da herein, gibt der Wett

Weihnachtsgniß an Hessens Zugend!

Liebe Freunde?

Oft haben wir uns g fragt, ob wir ein Recht ha­ben in dieser Zeit auf Feste und Feiern, ob wir sie noch begchen können mit gutem und unbefangenem Gewissen. Es gibt nur wenige Tage, in denen wir fo nicht zu fragen haben, und nur wenige fest­liche Stunden, deren Feier nicht gerechtfertigt zu werden braucht, sondern, da wir selber ge- rechtfertigt werden, durch das rechte Erleben des Festes. Weihnacht spricht uns nicht vom Recht, sondern von ber Pflicht zum freudigen Be­gehen.

Jahr für Jahr haben wir nun unsere Wünsche unb Gedanken ausgetauscht für die still« Zeit vom Weihnachtsabend b s zum Beginn des neuen Jahres. Weihnacht 1931 wollen wir nicht ab» lassen von unserem Brauch.

wir empfinden da» Jeff der Freude und de, Frieden» nicht als Gegenfoh ,u unserer Zelt der Lasten und des Unfrieden», weil roir rolffen, daß ohne den rechten welhnachtsgelst weder unser Dolf, noch der einzelne hindurchkommen kann.

Indem wir diesen Glauben varanstellen den Glauben an das H e i l, da- erschienen ist, sind unsere Sinne nicht blind gegenüber den Zuständen des Unheils. Wir verschließen uns nicht ben zweifelnden Fragen, die von außen her bas In­nerste bestürmen. Wir streichen viel ab von dem. was landläufig sich mit dem Begriff Weih­nacht verbunden hat: alles vor altem was Be­triebsamkeit. Industrialisierung. Sattheit und Ungeist dem Feste angeheftet haben, um vor­stoßen zu können zu seinem inneren Wesen. Wenn es durch die Rot unserer Zeitläu'te wieder weiterhin offenbar würde, dah das Heil, von dem Weihnacht spricht, nicht in eine Welt des lleberslusseS. sondern der Entbehrung und des Hunger - erschienen ist. dann müßte viel wegsallen von Festfremdem in Gesinnung und äußerer FesteSfvrm. Jugend, die nach der Wahr» hafttgkeit strebt, wird durch persönliches Bei­spiel. wird in Familie und Bund mithelfen, daß Weihnacht wieder Weihenacht werde und alle Zweifel und alle Zweifler überwinden, die aus ber llnwahrhaftigkeit ihs« Kritik nur allzu oft mit Recht beziehen.

Weihnachtsreichtum in der Welt der Armut, diesen Gegensatz empfinden wir diesesrnal be­wußter al- je, empfinden ihn nicht als Wider-

fpruch, sondern al- Geschenk ber göttlichen ©nabe, deren wir uns würdig zu erweisen haben. AuS der inneren Wahrheit, die aus solchem Gegen­satz spricht, wollen wir stärker noch al- sonst tc Folgerungen ziehen, in denen wir untere WeihnachtSauf gabe zu sehen haben. Auch dieses Mal werden wir in diesem Sinne auch dem Weihnacht-fest gegenüber un- die Frage stellen nach dem guten Gewissen bei dem Feste» f eiern, und werden uns Antwort dahin zu geben haben, dahwire-innerlichnichtertra« gen können, das Fest losgelöst zu feiern von der Rotvirklichkeit. Wir denken an die Mütter, di« Tränen in den Augen haben, im Gedanken an ihr Kind, bas fich in seiner Dürftigkeit verstoßen fühlt, an die freudlosen Freund«, an die vielen unver­schuldet in Rot und Arbeitslosigkeit Geratenen. Wir wollen mit unserer ganzen Liebe dabei sein, wenn eS irgendwo zu helfen gibt.

Und der zweite Gegensatz, der sich in diesem Jahr uns so überstark aufdrängt:

wcihnachtssrieden in ber Welt des Unfrieden» und de» Haffe».

Auch hier sehen wird die Wirklichkeit und wollen unä nicht mit flüchtigen Feststimmungen darüber hinwegtäuschrn. Jugend erlebt den Gegensatz nicht nur im Blick aus das Tagesgeschehen der politi­schen und sonstigen Welt. In ihren eigenen Reihen hat sich ber Geist der Gesinnung-Härte und ber Herzenskälte, bi« den andere» nicht neben sich dulden kann, breit zu machen versucht. ES ist der Geist, der den Unfrieden will. Wir können das Fest deS Frieden« und der Liebe nicht ruhi­gen Gewissens begehen, wenn wir nicht guten Willens sind zum Miteinander. Wir wollen den Weihnachtsfrieden nicht beschräntt wissen auf einige Kalendertage deS Jahre-, Wir wollen We hnachtsgeist wirlsam wissen, al- dau­er n d e S Gut für unser Volk. Wir wollen Drücken schlagen, wollen uns entgegenstemmen alten Versuchen, niederzureihen wo Aufbau und Versöhnung das Gebot unserer Stund« heißt.

Das ist der Geist, den Weihnacht 1931 von uns fordert, und den wir hineintragen wollen in das kommende Jahr:

Ihr alle aus den Bünden und Verbänden der hessischen Jugend gemeinsam mit euerem Freund

HeinrichHassinger.

Ser Weihnachtsmann mit dem m

Eine Hechisplauderei für die Feiertage.

Weihnachten was hat da« mit dem Rechts­leben zu tun? Sogar eine ganze Menge! Da steht z. D. der Weihnachtsbaum, natürlich in ber Ecke, am liebsten dicht bei ber Fenstergardine. Eine Kerze ist in Verbindung mit einem trocke­nen Zweig manchmal heimtückisch: die Flamme schlägt hoch, und es entsteht ein Brand. .Ist nicht so schlimm!" sagt ber Hausherr, der sich während ber Feiertage nicht ärgern will:wir sind ja versichert" Aber die Versicherung zahlt auch auf Klage hin nichts, wenn sie nachweisen kann, daß man fahrlässig gehanbelt hat. Man sei also lieber etwas vorsichtig!

Ja, und nun die Geschenke. Trotz der schlechten Zeiten ist doch immer noch etwas vom Weihnachtsmann unter ben Baum gelegt worben: nützliche unb praktische Gegenstände, da unb dort wohl auch noch ein bißchen Luxus. Einer aber, ber Sohn des Hauses, hat von seinem Paten­onkel ein nennenswertes Geldgeschenk be­kommen, auf daß er sich in feinem Berus, in fei­nen Neigungen weiter ausbilden könne. Groh ist die Freud« am Heiligen Abend. Am nächsten Tag prüfen schon meist weibliche Hände ihre Ge­schenke auf die besondere Geeignetheit. Und ba erlebt man allerhanb Überraschungen, die man in ber ersten Festesfreude gar nicht geahnt hat. Dieser Gegenstand ist ja viel zu groß und jener entspricht nicht dem persönlichen Geschmack. Die kluge Hausfrau weiß Rat: Wirtauschenum!

Wie ist bas mit dem Recht des Umtau­sches? In vielen GeschästShäusern findet man es ja angeschlagen: Umtausch gestattet. Da ist die Rechtslage einfach man kann nach Her­zenslust Umtauschen, unb die Damenwelt macht davon auch genußsüchtig Gebrauchs Kein Rechts­anspruch besteht allerdings aus Rückzahlung deS Gelbes: der Verkäufer ist berechtigt, für eine zurückgegebene Ware einen anberen Gegenstand au verkaufen. Kostet er mehr, muß man notge­drungen zuzahlen: kostet er weniger, hat man

ein neuen Schein, es leucht t wohl mitten in ber Nacht unb uns bes Lichtes Kinder macht" Jesus war ganz anbere als die übrigen Men­schen. In dem Dunkel moralischer Verkommen­heit blieb er die Reinheit unb bie Güte Am Ende seines Lebens schlug man ihn in Kelten und Banbe, ihm blieb seine königliche Freiheit. Leid und Not liefen ihn von allen Seiten an, aber sie gewannen keinen Einfluß auf ihn Sein irdisches Leben ging unter, er starb im Glauben, in das Paradies zu Gott zu kommen Rach allen Richtungen ging Lickt von ihm aus. Die Trauernden wurden durch ihn mit Frieden erfüllt, die Mutlosen zu neuer Hoffnung auf- gerufen. Denkende Menschen haben sich oft um den Nachweis bemüht, daß es wirklich eine ewige Welt gebe Die Shristusgläubigen erbringen dielen Nachweis Gerhard Tersteegen hat gesagt: ..Keine Bücher halte ich für überflüssiger in ber Wett als solche, die beweisen wollen, daß ein Gott sei. Nachdem fo viele Millionen Leute in Amerika gewesen sind, bedarf man keine Bücher mehr zum Beweise, daß es eine neue Welt gibt "

Mag man Jesu AuSspruch. ..Ich bin daS Licht der Welt" als seltsam anlehen, noch merkwürdiger ist ba» an seine Anhänger gerichtete Wort . Ihr seid da- Licht ber Welf Unter denen, die an ihn glauben, soll einer dem anderen ein Licht, ein Freudebringer, ein Friedensstifter fein. Zu dieser heiligen Aufgabe ist die heutige Mensch­heit viel untüchtiger, al- ihre Vorfahren vor hundert oder vor fünfzig Jahren. In der ganzen Welt herrscht heute nicht bie Lieb«, fonbem die Gewalt Mit Recht dringen deshalb einsichtige unb gutgesinnte Menschen auf eine Revision ber Gesinnung unter Hinwendung tu den Geboten der Liebe, die IesuS in so reichem Maße der Menschheit vorgelebt hat. H. B.

keinen Anspruch auf Bargeld, sondern nur auf einen in bestimmter Frist einzulösenden Gutschein.

Belm Einzelhandel ist die Sache etwa- an­ders. Wohl kann man als vorweihnachtlicher, vor­sichtiger Käufer vereinbares, daß man um­tauschen darf, wenn da- Geschenk auS irgend­einem Grunde nicht behagen sollte. Wo aber da- nicht ausdrücklich festgelegt wurde, ist der Ge­schäftsmann zum Umtausch nur dann verpflichtet, wenn sich offensichtliche Mängel seiner Ware nach­weisen lassen. 3n jedem anderen Falle kann er unfulant" sein und sich auf feinen erfüllten Ver­trag berufen.

Wir sagten schon davon: »der.Sohn des Hau­kes hatte ein Geldgeschenk bekommen. Einen »nennenswerten" Betrag, da« ist einer, der über die gewohnten Verhältnisse und über ben Wert der üblichen Geschenke hinausgeht. Zur berechtigten Freude bringt der Weihnachts­mann mit den Gesetzbüchern eine wenig erfreu­liche Ueberraschung. Diese Summe stellt nämlich eine Schenkung dar: von einem Patenonkel, also einem weitläufigen Verwandten. Das be­deutet. bah auch berSteuerfiskuS seinen Teil haben will. Bel der nächsten Steuererklä­rung muß ber Empfänger dem Finanzamt die Summe bekanntgeben, und bann wirb die Steuer festgesetzt Zahlt sie der Beschenkte nicht, so kann ber freundliche Geber dafür haftbar ge­macht werden. Er hat in seiner Steuererklärung ebenfalls angeben müssen, wann und wem er eine Schenkung gemacht hat und welchen Wert diese hatte.

Der Weihnachtsmann muß ein tüchtiger Jurist sein. Eine Menge rechtlicher Fragen werden zum 'Feste laut. Und es ist ein Glück, daß bie meisten unbeantwortet bleiben können, weil die Mensch­heit bas Wort vom »Frieden auf Erden" er­freulicherweise immer noch ernst nimmt Wenig­stens für den Bereich der Familie.

AröhlicheWeihnachlen-GesundkAeiniage

Bon Or. meb. (Surf Naysei-.

Weihnachten ist in erster Linie ein Fest der Kin­der, denen das bißchen Freude mehr al» je zu gönnen ist. Leiden doch ohnehin die Kinder oft am meisten unter der durch die wirtschaftliche Not her­vorgerufenen Nervosität und Gereiztheit der Ettern.

Der Weihnachtstisch wird zwar in diesem Jahre wohl allenthalben bescheiden ausfallen, aber mit wie wenigem kann man ein Kinderherz erfreuen!

Ein Paar Schuhe oder Handschuhe, eine neue Mütze, ein gutes Buch, ein Paar schttUschuhe, ein Ball zum epieten, ein wenig Obst oder Zuckerwerk unb strahlende Kinderaugen werden allerwärts Freude verbreiten. In dieser Art vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit ausgewähtte Weihnachtsgeschenke werden auch der Gesundheit förderlich lein.

Was für die Kinder gilt. das gilt ebenso auch für den Erwachsenen. Für ihn sollen yeicrtagc wirkliche Feiertage fein, d. y., sie sollen ihm für Leib und Seele Erholung und Entspannung bringen. Bielen ist es dienlich und zugleich erfreulich, sich in den Feiertagen einmal richtig aus-chlafen zu können. Manchem wird es Freude machen, mit .Kind und Hegel hinauszuziehen ns Freie und Geist und Körper Mb ei *>u erfrischen. Bei schlechtem Wetter wird der Besuch einer guten Vorstellung Im Theater, im Kino oder ein gutes Konzert, Musik zu Hause aus der Geige, auf dem Klavier oder der Harmonika, die zu Zeiten un'ercr Großeltern überhaupt zu einem richtigen Weidnachtsfest gehörte, manche froh- liche Stunden bereiten, trotz aller Ebbe Im Geld­beutel.

Daß aber der weihnachtliche Frohsinn keine Störung erleide, vor allem nicht an der Gesund­heit. dafür muh man gleichfalls Sorge tragen.

Der verdorben« Magen dürft» bx diesem Jahre,

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chatten.

Eine stattliche Anzahl vorzüglicher Doktordifser- tationen ging aus Engels Schute hervor, wie er überhaupt seinen Schülern ein höchst anregen­der Lehrer ist. Aber nicht nur ein treuer Lehre« ist Engel seinen Schülern, sondern auch ein war­mer Freund in alten Lebenslagen. Manchem Verlassenen und Bedürltlgen innerhalb und außerhalb des Kreise- seiner Studenten leisten er und seine treue Lebensgefährtin in der Stille mit Rat und Tat Beistand. Sr ist ein gern ge»

einzige Tochter nach jahrelangem Siechtum ge­nommen, hat allgemein Anteilnahme erregt. Wäh­rend des Kriege- war er, ein warmer Patriot, Führer einer Landsturmkompanie in Gießen. Mit den Fachgenossen Engels werden weite Deoölle- rungefreite, namentlich der Stadt Gießen, an seinem Ehrentage des aufrichtigen Mannes mit herzlichen Wünschen für weitere fruchtbare Arbeit zum Wahle der Wissenschaft und der Universität und einen harmonischen und gesegneten Lebens­abend in Treue und Verehrung gedenken. F.

Wietzener tzZochenmarttpreise.

Gießen, 24 Dez. Ss kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt daS Pfund: Kochbulter von 1.10 Mk. an: Butter 120 bis 130; Matte 25 bis 30; Käfe (10 Stück) 50 btA 120. Wirsing ?bisS; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut Z bis 8; gelbe-

sebener und gern kommender Gast bet geselligen Zusammenkünften der Studenten.

Engel, der Gelehrte von Weltruf, Ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig, korrespondierendes Mitglied der Russi­schen Akademie der Wiffenschafteir, ausländisches Mitglied der Mathematilch-Raturwifsenschaft- licken Klaffe der Norskc Vidcnskaps Akademi in Oslo und wurde ausgezeichnet durch Verleihrmg der goldenen Lobatschefsky-Medaille, die er dann

Beginn des Krieges dem Vaterland zum Opfer brachte.

Profeffor Friedrich Engel erfreut sich infolge feines treuherzigen Wesens und feiner außer­ordentlichen Gewiffenhaftigkeit großer Beliebtheit im Kreife feiner Bekannten und Kollegen. Das schwere Geschick, das ihm und seiner Gattin die

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wo Schmalhans überall Küchenmetster ist, kaum eine Rolle spielen. ES gibt aber noch eine ganze Anzahl anderer weihnachtlicher, durchaus ver­meidbarer Unfälle.

Sv versuchen z. B. viele Menschen oft in fal­scher Sparsamkeit die Kerzen des Deihnachts- baumes sämtlich mit einem einzigen Streichholz anzuzünden. Das Hölzchen brennt dabei rasch herunter, und als Folgen bleiben nicht selten schmerzhafte Brandwunden an den Fängern zurück. Mitunter kommt es vor, daß durch unoorsichttaes Anzünden der an der Spitze des Baumes be­festigten Lichter der brennend« Daum umstürzt. Darum befestige man lieber ein kleines Licht an einem langen Stocke, der ein bequeme* und ungefährliches Herauf reichen zur Spitze gewähr­leistet.

Sind am Weihnachtsbaum irgendwelche Lecker- biffen befestigt, fo ermahne und baullichtige man die Kinder ganz befonders. Denn Kinderart ist es, oft heimlich dieses und jenes vom brennenden Baume abzurupfen, und nur zu leicht passiert es, daß auch bei dieser Gelegenheit der brennenix Daum umfällt.

Nicht feiten rennen kleine Kinder im Ucber* schwung der Freude blind in den Baum hinein, dessen Radeln ihnen dann leicht eine schmerzlich« und nicht ungefährliche Augenverletzung ver­ursachen, die fofortiaer, ärztlicher Hilfe bedarf.

Allen diesen Fährnissen kann man mit ein wenig Vernunft und Ueberlegung leicht ent­gehen. und so dürste es auch in diesem Jahr« nicht schwerfallen, sowohl selbst Freude zu haben, als auch andern Freude zu bereiten und dafür zu sorgen, daß In Erfüllung gehe unser aller Wunsch: »Fröhlich« Weihnachten Gesund« Feiertage!"

Znednch Engel.

Am 26. Dezember begeht Dr. Friedrich Engel, ordentlicher em. Professor der Mathe­matik an unserer Landesunlverfttät, seinen sieb­zigsten Geburtstag. Er wurde geboren tn Lugau in Sachsen al-Sohn des dortigen Pfar­rers, späteren Religion-lehrers am Gymnasium in Greiz, besuchte bte Schule in Greiz und stu­dierte an den Universitäten Leipzig und Berlin. 1883 in Leipzig zum Doktor promoviert, habili­tierte er sich 1385 an dieser Universität für das Fach der Machematik. Hier wurde er 1839 Extra­ordinarius: 1904 folgte er einem Ruf als Ordi­narius sRachfolger Eduard StudyS) nach Greifs­wald, wo er acht Jahre hindurch eine höchst fruchtbare Lehrtätigkeit au-übte. 1912 übernahm er den Lehrstuhl Eugen Netto- an der Universität Gießen, die ihn noch heute mit Dankbarkeit und Stolz den ihrigen nennen darf.

Schon in feiner Doktordifsertation »Zur Theori« der Derührungstran-formationen" zeigt sich sein« Derbundenbeit mit dem wissenschaftlichen Ar­beitsgebiet des norwegifcken Mathematiker- So- phuS Lie. Ein längerer Aufenthalt in O-lo 1834 hat dann auch persönliche Beziehungen an­geknüpft, die sich später nach Lies lleberflcblung nach Leipzig noch vertteften. Bereit- in O-lo wurde der Grund gelegt zu dem in den Jahren 1888 biS 1893 erschienenen dreibändigen gemein­samen Werk der beiden Mathematiker .Theorie der Tran-sormatton-gruppen", da- eine zusam- menfassende Darstellung dieser Lieschen Theorie liefert. Eine Neuausgabe dieses Werkes, mit zahlreichen wertvollen Anmerkungen versehen, hat Engel vor kurzem abgeschlosscm.

Sine große Zahl eigener Arbeiten, sowie von Arbeiten seiner Schüler, endlich auch die HerauS- fiabe der gesammelten mathematischen Äbhand- ungen von SophuS Lie, die Engel seit 1924 in oft mühevoller und entsagung-reicher Arbeit ver­anstaltete und die nun mit überau- gründlichen Anmerkungen des Herau-geber- fast vollständtg vorliegt, zeigen, daß ein wesentlicher Teil seiner Lebensarocit dem genialen norwegischen Meister gewidmet ist, dessen Gedanken er mit Eigenem durchsetzte, ausbaute und sichtete. Aber auch auf andere mathematische Gebiete, insbesondere da- der nlchteull'.dischen Geometrie, erstreckt sich Engels schriststelterische Tätigkeit. Gewinnt feien nur »Urkunden zur Geschichte der Richteulllbischen Geometrie" und da- mit Paul Stückel verfaßt« Werk »Theorie der Parallellinien von Euklid bi< Gaus; ferner die Herausgabe zweier geometrischer Abhandlungen N. 3. LobatscheffkyS iauS dem Rus­sischen), der gesammelten mathematischen und phy­sikalischen Werke von Hermann Graßmann, schließlich die im Druck vorliegenden Gedächtnis­reden auf feine Freunde S. Lie und E. Study, erstere in norwegischer Sprache vor der Nor­wegischen mathematischen Vereinigung am 9. Sep­tember 1922 in O-lo, letztere am 8. Februar 1930 im mathematischen Seminar der Universität Bonn