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Nr. 30t Zweites Blatt

Donnerstag, 24. Dezember (931

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefien)

Wett-Weihnacht 1931.

Don Sven Hedin.

Copyright by Nordische Gesellschaft. Lübeck.

Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.

An dieser Stelle veröffentlichten wir vorige Weihnacht einen Festaussatz aus der Feder des damals mit dem Friedensnobel­preis ausgezeichneten schwedischen Erz­bischofs Nathan Söderbio m. Sein großer Landsmann, der Forscher Sven Hedin, verbindet mit den nachfolgenden Weihnachtsgedanken eine Ehrung für den inzwischen verstorbenen protestantischen Kirchenfürsten.

Ich bekenne mich als ein Saulus unter den Propheten, denn meine Wanderung dur ch das Leben folgt anderen Dahnen. Ich bin eben nur ein Pilger in den Wüsten, den einzigen Gebieten der Erde, wo der Friede souverän herrscht, vom Morgenrot bis zur Abenddämmerung, und nur deshalb. weil hier keine Menschen wohnen... Denn sonst ist unsere ganze alte, müde und abgequälte Erde ein großes Kriegstheater, ein endloses Schlachtfeld, ein Kirchhof ohne Grenzen über ge­fallenen Kämpfern.

Wo ist der Friede, der in hochtrabenden Phrasen allen Völkern der Erde nach dem großen Kriege gelobt wurde? Wie konnten verantwortliche Staatsmänner über die ganze Welt diese Flut von Lügen verbreiten, die noch jetzt nach 13 Jahren die Entwicklung hemmen und jeden Wohlstand ver­hindern!? Eine Saat von Lügen konnte zu keiner andern Ernte reifen als jener, die wir nun täg­lich bergen. Nach jenem furchtbaren Vulkanaus­bruch folgt nun eine ununterbrochene Kette von Erdbeben. Wenn man keinen besseren Anlaß für einen Streit finden kann, so bietet sich immer noch ein elendes ütüd vereister Polarmeerküste. 3m äußersten Osten sind wir Zeuge, wie ein großes Volk, dem es innerhalb seiner eigenen Grenz­marken zu eng ist, ein friedliches Nachbarland besetzt.

Die Staatsmänner Europas und Amerikas konnten die neuen Grenzen zwischen den verschie­denen Völkern damals vor zwölf Jahren gar nicht bessev ziehen, um einem keimenden neuen Kriege Nahrung zu geben. Das grcße und edle Werk, das von der Kirche zu Nutz und Frommen des Friedens getan wurde, wird durch diesen un­sinnigen und unnatürlichen Zustand erschwert und gehemmt, der damals mit raffinierter, ja teuf­lischer Kunst geschaffen wurde. Man versteht das Mißtrauen und die Gleichgültigkeit, mit denen die Bewohner eines verstümmelten Landes die Frie­denspalmen entgegennehmen, jene Menschen, die durch bewaffnete Gendarme und Grenzposten von ihren Anverwandten getrennt sind. Damals wurde ein Haß gesät, der nun immer mehr vor unfern Augen wuchert. Wollen wir doch einmal klar und ehrlich aussprechen, daß keinwahrhaftiger, sicherer Friede in Europa denkbar ist, be­vor jene künstliche Grenzen, die in Versailles geschaffen wurden, beseitigt und durch neue, natürliche, gerechte und ver­nünftige erseht sind. Denn, wenn der Krieg das größte Massenverbrechen war, das je­mals in der Weltgeschichte begangen wurde, so war dieserFriede" die gigantischste Dummheit, die sich Staatsmänner je leisteten, indem sie eine schon hinreichend geprüfte Mensch­heit noch obendrein mit Prügeln bedachten.

Wo sind die großen erhabenen Gestalten, die an das Wohlergehen aller denken und nicht nur an Gewinn und Vorteil des eigenen Volkes!? Wo sind die mächtigen, zur Sammlung rufenden Stim­men, denen alle mit Vegeisterung lauschen möchten wie einem erlösenden Evangelium? Der Prophet

Die Christrose im Meinhardwald.

Von Friedr ch Freksa.

Nach Lisch waren wir von Stuttgart aufge­brochen, um in den Meinhardwald zu fahren. Dort wollten wir in dem schönen Jagdhaus un­seres Freundes inmitten des tiefen Forstes Weih­nacht feiern Aber während der Stuttgarter Kessel in regnerischer Feuchte gar nicht wintermäßig er­schien, hatte der mächtige Hochwald den Schnee aufgefangen, und richtig, kurz nach Sonnenunter­gang, etwa um vier Uhr, saßen wir auf einem schmalen Seitenwege in einer Wehe fest. Der Schnee hatte schon die blaue Farbe der Dämme­rung angenommen, die hohen Tannen mit den vom Schnee niedergedrückten Aesten standen wie weiße Säulen; kein Vogelschrei war zu hören. Wir stiegen aus, stapften an zwanzig Minuten den Weg weiter und gelangten auf eine Höhe über einem Tal, auf dessen Hang zur Nechten, eine Viertelstunde Fußwegs entfernt, Häuser mit ihrem goldenen Fensterlicht lockten. Dahinter konnten wir mit dem Glase ein paar Lelegraphenstangen der verfehlten Straße erkennen. Dahinaus also mußten wir geben, und das war ein mühselig Ding in dem tiefen, kniehohen Schnee. Während wir noch Ausschau hielten und auszumachen such­ten, wo am besten durchzukommen sei, sahen wir zur Linken in einer Waldlichtung Lichter aufflam­men. Eine kleine Tanne schien sich in einen Weih­nachtsbaum zu wandeln, der in das stärker wer­dende kobaltblaue Dunkel hineinwuchs.

Paul, der Chauffeur, reichte mir das Glas. 3ch schaute mir dies Wunder an und erkannte, daß um diesen seltsamen Christbaum eine Äeihe von Kindern standen, die sich an der Hand angefaßt hielten, und nun hörten wir auch, von einem leich­ten Winde getragen, g-isterhaft die Worte des schönen Liedes:Es ist ein Nos' entsprungen!"

Aber selbst dieseckeierliche Stimmung konnte uns über die Kälte der Füße und die Nässe unserer Hosen nicht Hinwegbringen.Also los!" mahnte Paul. Und da er hohe Schnürstiefel anhatte, trat er uns die Dahn, und wir folgten ihm. Eine Weile noch begleitete uns der Schein dieses Lich­terbäumchens, dann tauchten wir in das Bleigrau zwischen den weißen Wänden des enger werden­den Tales. Endlich, ganz heiß vom Stapfen, über­sprangen wir einen kleinen, vereisten Dach und turnten auf verschneiten Holzstufen empor zu einem Fachwerkhaus, das sich zum Glück als ein Gasthof auswies. Wir traten in die große, rauch- braun gefärbte Stube ein als einzige Gäste. Die Wirtin, in der Unruhe des kommenden Abends und der Bescherung, sorgte eilig und nach Kräf­ten für uns. Ein Knecht und Paul wurden als­bald zurückgeschickt mit zwei Ochsen, um den Wagen herauszuziehen. Wir drei andern saßen mit Behagen am Tisch neben dem grünen Kachel-

Nahum sprach zu Ninive zu dem Assyrer-König: Deine Hirten werden schlafen, o König zu Assur, deine Mächtigen werden sich legen: und dein Volk wird auf den Bergen zerstreuet sein, und niemand wird sie versammeln. C'^'uni 3,18.) Während des Krieges suchten die Völker sich gegenseitig mit Waffen zu vernichten. Nu., ^ekämpck man sich mit Schuldzetteln und Kriegsreparati- onen und dem unnötigen Gvlde. Kein Gott be­herrscht in unfern Tagen die Menschheit mit stär­kerer Hand als Mammon. Täglich tröstet uns die Presse mit neuen Botschaften, Verschiebungen der Figuren in dem großen Schachspiel zwischen Öen verschiedenen Nationen, denen es darauf ankommt, auf Kosten anderer für sich selbst viel Gewinn ein­zustreichen und den Besiegten genau so sorglos auszupressen, wie man es mit dem Saft einer Zitrone macht. Wollen wir ehrlich bekennen, daß kein Friede zwischen den Nationen denkbar ist, bevor die Kriegsschulden be­seitigt sind, vor allen Dingen auch das in einer Stunde der höchsten Not erzwungene Be­kenntnis der Schuld am Kriegsaus­bruch. Die Völker und ihre Führer treiben mit dem Strom. Cs kommt einem vor. als rase man blindlings einem Abgrund entgegen. Es ist keine Krise, in der wir leben, es ist eine Ka­tastrophe. die Spenglers Prophezeiung vom Untergang des Abendlandes wahrzumachen droht. Vielleicht kann dieses erschütternde und ungezü­gelte Geschehen in der Weltentwicklung einen Wendepunkt bedeuten, nach dem vielleicht etwas Neues vnd etwas Besseres kommen wird.

Wie ein schwaches Echo bringt von Zeit zu Zeit ein Wort des Trostes von Amerika an unsere Ohren um von der Westküste Europas wieder über die Wogen zurückgeschleudert zu werden. Unter Gott Mammons Fahnen nahm Amerika am Weltkriege teil, denn niemand wird wohl glauben, daß Amerikas Zweck und Absicht darin bestand, die hohe Kultur zu vernichten, die uns u. a. Luther und die Neformation geschenkt hat, während Ame­rika selbst der Alten Welt als Gegenleistung dafür Barbarei und Unkultur in Presse, Literatur, Film, 3azz und anderen Erfindungen schenkte, die dazu angetan sind, Geschmack und Urteil der Jugend von dem hohen Ideal und der Bereitschaft auf eine große und hohe Zukunft abzulenken. Gerne wollen wir andererseits auch anerkennen, daß Amerika uns unvergängliche Werte geschenkt hat.

In einem Zeitgeschehen, so voll von Düsterem, da die Menschheit vor eine n Wirrwarr von Wegen steht, die dunkler sind als je zuvor, überragte Nathan Söderbloms Haupt alle Führer. Wer ihn schon zu einer Zeit kannte, als er noch Pastor der schwedischen Gemeinde in Paris war, hat mit Freude und Bewunderung verfolgt, wie er mit den Jahren und mit der Größe und Man­nigfaltigkeit der Aufgaben wuchs. Als diese Auf­gaben nach dem Kriege in übermenschlichem Maße größer wurden, fand man einen wachsamen und weitschauenden Wächter auf Zions Mauern, grö­ßer als je zuvor, und kein Ziel schien ihm zu hoch. Während Staatsmänner und Pfennigfürsten Pläne für die Bezahlung der Kriegsschulden ausheckten, während man glaubte, daß internationale Strei­tigkeiten von einem Tribunal geschlichtet werden sollten Wilna, Korfu und die Mandschurei sind Marksteine traurigen Gedenkens -, trat Söder­blom mit seinem großen weltumfassenden Gedan­ken hervor, dem einzigen, der Aussicht hatte, zum Ziele zu führen, weil er direkt zu den Herzen der Menschen sprach. Durch seine Oekumenische Be­wegung suchte er den Kirchen ihre Solidaritäts­pflicht nahezulegen, nicht nur unter sich allein, sondern auch unter den Völkern in ihrer gemein­samen Not.

Mit Freude und Begeisterung ging er an sein großes Werk. Er arbeitete selbst mit unermüd­licher Intensität, und durch feine sprudelnde Le­bendigkeit, seine gediegenen Kenntnisse, seine

ofen. Einige Tannenzweiglein mit Silber, auf die blanke Holzplatte gestreut, waren Symbol der Christnacht. Wir aßen ein Vesperbrot und tran­ken dazu unser Schöpplein Waldulmer, trockneten- das nasse Zeug und die Strümpfe und wurden froh im Tabakrauch.

Der Wirt, ein großer kräftiger Mann in Hemd- änneln, dem Winter zum Trotz, kam ins Zim­mer und setzte sich freundlich zu uns. Im Flur hörten wir das Getrappel von Kinderfüßen. Ein paar kleine Männlein und Weiblein mit Ka­puzen über den Köpfen traten ein, als wäre es ein Zwergenvolk, ilnb während sie die Hände am Ofen wärmten, fragte sie der Vater:Habt ihr 's gesehen?"

Und das kleine siebenjährige Mädchen rief mit heißen, roten Backen:Ich Habs zuerst ge­sehen, das Enalein, das den guten Zeller Kin­dern geholfen I"

Ich Habs aber auch geseh'n!" versicherte das eine Düble. Und die Kinder riefen durcheinan­der, es wäre weiß gewesen und hätte goldenes Haar gehabt, das Englein!Nein, es waren schwarze!" sagte das Düble.

Die Hauptsache ist, daß ihrs gesehen habt!" sagte die Mutter, um sie zu beruhigen.Aber nun kommt und macht euch fertig. In einer hal­ben Stunde wird beschert!" Da lief das kleine Volk eilig, erregt davon.

Ich fragte den Wirt, was das wäre mit den Zeller Kindern, wir hätten die Tanne mit den Lichtern droben gesehen.

Ist eine Geschichte", erzählte er,die vor sech­zig Jahren geschehen ist. Die Zeller Kinder im Duchenhof verloren ihre arme Mutter, und der Vater kam in die Stadt ins Krankenhaus. Sind sie also untergebracht worden hier bei der Muhme, die das letzte Haus am Hang hatte. Die Muhme war eine arme Frau, die wohl ein Bäum­lein gehabt zur Weihnacht, aber keine Kerzen. Drum sind die Kinder am Nachmittag hinauf­gegangen zum Hof und haben sich von der Alt- magd Kerzen geben lassen. Wie sie zurückgegan­gen sind, kam ein Schneetreiben. Der Wind pfiff durch die Schluchten von Süden nach Norden, und die Kinder sind vom Weg abgeraten und wußten nicht vor- und rückwärts droben auf der Lich­tung. Haben sie sich im Schuh des Waldes hin- gesetzt und gewartet. Und es ist dunkler gewor­den und dunkler, und die Christnacht ist herauf- gekommen. Sie haben sich gewärmt, so gut sie konnten, und das Mägdlein, das kleine, hat ge­weint, weil es keinen Christbaum hätte. Hat das Düble die Kerzen genommen und aus eine kleine Tanne gesteckt, und sie haben sie angezündet. Und der Wind hat nachgelassen. Da haben sie sich in den Schnee gelegt, haben die Tanne angeschaut und sind eingeschlafen. Der Wind hat die Lich­terlein nicht fassen können. Das Schneegestöber ist von dannen gezogen. Alsbald konnte die

Menschenliebe, seine Demut und nicht zuletzt durch seine lichte, strahlende Persönlichkeit riß er alle an sich und mit sich. Er war davon überzeugt, daß er selbst dazu berufen war, mit Gottes Hilfe sein großes Werk durchzuführen, und so entfachte er die gleiche Begeisterung bei den Führern der Kirche der einzelnen Länder und Konfessionen wie bei den Massen. Seit Luthers Tagen hat kein protestan­tischer Kirchenfürst eine größere Macht über die Seelen der Menschheit gehabt wie er. Als ihm mitten in feinem Siegeslauf, auf der Höhe feiner Bahn ein Ziel gesetzt wurde, fühlte man deutlich, daß ein mächtig brennendes Licht verlöscht war und daß sich wieder die Dämmerung über die Welt ausbreitete.

Bereits vor Kriegsende, auf der Konferenz in Upsala im Dezember 1917, wurden von dem Erz­bischof u. a. folgende Grundsätze für die Wirk­samkeit der Kirche während des großen Unfrie­dens auf gestellt:Die Kirche, die leider nicht selten das Trennende stärker betont hat als das Verbindende, muß dem Ideal der christli­chen Brüderschaft Geltung verschaffen und mit ganzer Kraft an der Beseitigung der K r i eg s u r s a ch e n mitwirken, gleichgültig, ob diese sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Na­tur sind. Die Christen müssen eingedenk fein, daß sie sowohl für die allgemeine Meinungsbildung und für das öffentliche nationale und intematio-

Muhme, die schon in Aengsten war, in der Ferne den Lichterschein sehen. Und sie ist mit anderen herzugegangen und haben die Kinder droben vom Schnee warm zugedeckt gefunden. Sie haben Gott gedankt, daß alles so gut ausgegangen ist und er sich der Kinder in der Christnacht erbarmt hat. Und seit der Zeit gehen die Kinder hier jede Christnacht hinauf, schmücken eine kleine Tanne mit Lichtern und fingen das Christlied."

Wir sannen noch dem Märlein nach, als Paul kam und meldete:Der Wagen steht glücklich auf der Straße." Wir warteten, bis er sich ge­stärkt. In der Nebenstube wurde der Christ­baum angezündet, wir hörten noch den Jubel der Kinder. Und als wir das Haus verliehen, folgten uns die Klänge nach:Es ist ein Ros' entsprun­gen!"

Die Scheinwerfer unseres Wagens flammten über die weiße, glitzernde Straße. Wir fliegen ein, und nach kaum einer Stunde schon waren wir da, wo wir' für das Fest hingehörten, rind haben es also an diesem Abend zweimal ge­feiert!

O Tannenbaum" als Studentenlied.

Unsere Weihnachtslieder, die uns so eng zu dem Fest zu gehören scheinen, haben z. T. eine eigen­artige Geschichte, die von ihrem jetzigen Sinn weit abführt. Das beste Beispiel für ein solches Weih­nachtslied-Schicksal ist die Wandlung vonO Tan­nenbaum", das von Studenten bei ihren Trink­gelagen und von Liebenden gesungen wurde, bevor es seine Heimat unter dem Christbaum fand. Die älteste Form des Tannenbaum-Liedes, die uns überliefert wird, und die Uhkand in feiner Volkslieder Samm ung mitgetcilt hat, stammt von einem fliegenden Blatt des Jahres 1550. Cs ist einN e i t e r l i e d l e i n", das ein Stallknecht feinem Mägdlein fang, und beginnt mit den wenig stimmungsvollen Versen:Es hing ein Stallknecht feinen Zaum gar hoch an einen Tannenbaum." Erst in der 9. und 10. Strophe kommt der Anklang an unser Lied.O Tanne, du bist ein edler Zweig, Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit. Wenn alle Bäume dürre fein, So grünest du, edles Tannenbäumelein!" Aus diesem Keim ent­standen dann verschiedene Tannenbaum-Liei. er, die auch zum Tanze gelungen wurden und sehr beliebt waren. Im 18. Jahrhundert hatten sich die Stu­denten dieses bekannten Volksliedes bemächtigt. Wie uns in einer Schrift von 1719 berichtet wird, ist es zu Altdorf Brauch gewesen, daß die Herren Studiosi auf Markt und Gassen Tische gesetzt und dabei geschmauset, alltoo sich dann auch die vorbeigehenden Proscssores nicht erwehren konn­ten, mitzumachen und die alten Stückchen, z. B. OTannenbaum" .anzustimmen. Es gab damals geradezu unter den Trinkgebräuchen der Musen- söhne einen .Lannenbaum - Komment".

nale Leben mitverantwortlich sind als auch für das persönliche, und die Voraussetzungen zu verstehen suchen, die für das Deden, Denken und Handeln anderer maßgebend sind."

In einer solchen Zeit wie der heutigen Dertlin- gen die weichen Töne wie die Stimme des um Hilfe Düsenden in der Wüste, wo niemand ist, der lauscht. Cs wirkt ermunternd, daß in dem ange­führten Wort des Erzbischofs aus dem Jahre 1917 ausgesprochen ist, wie nach seiner Ansicht die Kirche das Urteil über die auslöfenden und eigensüchti­gen Kräfte wecken und schärfen soll, die Zwietracht, Neid und Haß unter den Völkern der Erde säen. Vor einer Stimme wie der Luthers, die donnert, macht selbst der Ungerechte und Nicht-Bußfertige halt und lauscht.

So möchte ich in meiner bescheidenen Eigenschaft als einsam wandernder Pilger die warme und innerliche Hoffnung aussprechen, daß der Ewige in feiner unendlichen Güte und Gnade unter allen Nationen Propheten und Apostel erwecken und be­rufen möge, die Nathan Söderbloms Weg folgen und von feinem Geiste, seiner Treue, Begeisterung und Siegesgewißheit beseelt, gleich ihm das be­gonnene Werk fortsetzen und vollenden und damit das unter namenlosen Prüfungen zerrissene Band zwischen den Tollem wieder anknüpfen und sein großes Ziel verwirklichen möchten: das Bruder- reich der Zukunft!

Bei diesem beliebten Trinkspiel mußte einer das Lied fingen, und wenn er bis zu dem VerseSo grünest du dennoch, du edler Tannenbaum" ge­kommen war, dann mußte er das Glas ansetzen, während die andern fortsangen, und so schnell trinken, daß er mit dem WorteBaum" in den Gesang wieder einfallen konnte. Als Liebeslied ist dieser Volksgesang um viele Strophen bereichert worden und wurde erst durch den Leipziger Lehrer Ernst A n s ch ü tz , der die zwei weihnachtlichen Strophen hinzufügte, zum Christlied gestempelt.

Kinderspielzeug vor 5000 Jahren.

In den Schaufenstern der großen Warenhäuser und Spielwarengeschäfte prangen zur weihnacht­lichen Zeit modernste und allermodemste Kinder­spielzeuge in Hülle und Fülld, um die kleinen Herzen groß zu erfreuen. Für das nötige Klein­geld können opferfreudige Eckern ihren verwöhnten Sprößlingen die neuesten Wunderwerke zeit­gemäßer Technik unter den Weihnachtsbaum legen; stilgerecht atmen auch die Spie z:ugeZeit­geist" aus. Kinder Dadio, Kinder-Zeppelin, Kin­der- DoX: Alles ist da ... Und doch behält Ben Akiba Necht: es gibt nichts Neues unter der Sonne. Denn die Babys spielen auch anno 1931 mit der Klapper. Und möge die Klapper noch so raffiniert gearbeitet fein; die ausgegraberen grie­chischen Siedlungen im heutigen Südrußland aus dem 7. Jahrhundert vermitieln den Drweis, daß die Kleinen schon damals den ganzen lieben Tag herumklapperten. Aehnliche F nde aus p ähistori- scher Zeit in der Schweiz bestärken die Annahme von der damaligen Weltverbreitung und Welt­geltung der Klapper!

Die verschiedenartigsten Tiere aus Ton und Bronze gelten als uralte Vorläufer der heutzutage sehr beliebten Miniaturtiere, und in Tell- el-Amarna, der zwischen Memphis und Theben gelegenen oberägyptischen Nuinenstadt, fand man die für Kinder hergestellten Nachbildungen der um 3800 v. Chr. s.zufagenlan'.es. bckch.n' Verkehrs­mittel; einen Wagen mit sechs Maultieren ...

Die jungen Damen von anno dazumal spielten, ebenso wie die aufgeweckten Mädels des Bubi- kopfzeitalters, mit Puppen, Puppengeschirr und Puppenherden. In Brescello (Italien) fand man erst kürzlich in einem Iungmädchengrab Puppen­möbel. ein beinahe sogar für heutige Begriffe komplettes Puppenservice und sonstige Kleinigkei­ten, die zu einer vorbildlich geführten Puppen- Haushaltung nun einmal gehören.

Flugzeug und Nadio? Gewiß. Aber jeder Junge spielt auch heute gern Kutscher und jedes Mädel absolviert auch heute ihr einschlägiges Dor- studium als Puppenmutter. Genau wie vor fünf Jahrtausenden! ...

Weihnachtsstunden,die wir nichtvergeffen!

Kindheitserinnerungen berühmterKomödianten".

(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten!)

In dem Kinde erkenne ich mein Glück wieder, es hat sich nicht verändert. Weih­nachten in der Jugend, das war die Freude ohne bittere Beimischung, ohne den Schatten, den die Zukunft wirft, ganz Licht, ganz Mühelosigkeit und be­schenktes Kind, ganz Freude ...

Heinrich Mann.

Arme kleine Ieanne!"

Von Grock, dem genialen (Slotvn.

Jahre und Jahrzehnte sind seit jenem Weih- nachtsfest meiner Kindheit vergangen, trotzdem steht es mir vor Augen, als sei es gestern ge­wesen.

Meine Eltern waren arme Leute, und mein Vater war daher gezwungen, außerhalb un­seres Schweizer Heimatdorfes zu ar­beiten. Das Weihnachtssest war wieder einmal in greifbare Nähe gerückt und wir meine sechsjährige Schwester, die kleine Scanne, und ich, meine damalige Wenigkeit von sieben Jahren, äußerten den verständlichen Wunsch, auch einen Christbaum zu besitzen wie die wohlhabenden Bauernkinder unserer Nachbarschaft.

Da kamen wir aber bei unserer Mutter schön an.Wo sollen wir denn das viele Geld her­nehmen?", fragte sie entrüstet.Wir sind doch keine reichen Leute, die 1,50 Franks (soviel kostete damals ein Baum) übrig haben? Nein, nein, es muß auch ohne gehen!" Wir wagten nicht, soviel Autorität zu widersprechen!

Meine kleine Schwester brach in bittere Tränen aus, und diese Tränen brachten mich dazu, Ieanne k einen Vorschlag zur Güte zu machen. Wir wollten ' in den zwei Stunden entfernten Wald gehen und uns selbst ein Bäumchenverschaf- f e n". Sie war einverstanden, und bei heftigem Schneetreiben und eisiger Kälte machten wir uns einen Tag vor Weihnachten auf den Weg.

Nie werde ich die Strapazen dieses Marsches vergessen. Unterwegs verlor die arme, kleine Ieanne einen ihrer Gummischuhe, und bald fin­gen ihre Füßchen an zu frieren. Ich selbst hatte mich mit einem großen Tischmesser bewaffnet, und als wir endlich am Walde angelangt toaren, machte ich mich, zitternd vor Aufregung, daran, mit diesem unzulänglichen Instrument das er­sehnte Bäumchen abzuschneiden.

Nach langer, langer Anstrengung glückte es mir tatsächlich! Im Besitz der kleinen Tanne waren wir nun endlich, aber die Furcht, auf dem Heimwege ertappt und als Diebe festgenom­men zu werden! Wir beschlossen daher, einen Umweg zu machen und auf anderen Pfaden in unser Dorf zurückzukehren.

Ieannes Füßchen schmerzten immer heftiger, und so schleppte ich nicht nur den Daum, sondern streckenweise auch mein Schwesterchen. Um 7 Uhr waren wir aufgebrochen, 14 Uhr war es, als wir uns der elterlichen Hütte wieder näherten. Das ganze Dorf war bereits in Aufregung und auf der Suche nach uns. Aber was wollte das gegen unseren Stolz sagen,wir hatten ein Weihnachtsbäumchen wie die an­deren Kinder auch.

Und siehe da: man brachte uns ein paar Ker­zen, ein Päckchen Watte und einige Stückchen Zucker. Mit diesen Herrlichkeiten putzten wir unser so schwer erobertes Bäumchen aus, und noch heute kann ich sagen, daß dieser Weih­nachtsabend im Elternhaus der schönste war, den ich erlebte.

Derverlorene Sohn".

Von Emil Zanningel.

Das schönste Weihnachtssest meines Lebens verbrachte ich als heimgekehrterverlorener Sohn"!

Ich war einmal wie man so schön sagt ausgerückt, wollte Seemann werden und kam | bis London. Dort wurde ich aufgegriffen und nach