Helene Sockel, die fesche Wienerin, auS der Schule geplaudert haben sollte ...
Jedenfalls tut sie S jetzt. SS spielt da noch ein anderer Mann herein, ein reicher Engländer, der sie im Grand Hotel in Tripolis kennen und lieben lernte. Da sie immer außerordentlich beschäftigt war. muhte er sich jedes Liebesstündchen geradezu erfaufert, dem Professor für seine Versuche an abgelegenen Orten t ü ch t i g R e i s e- g e l D verschieden. Dreifache Arbeit mache «hm das, wenn er sich ohne seine einges«bulte Sekretärin behelfen müsse, und dreifach zahlte ohne Wimperzuckcn der Engländer. Run daS Geld war ja nicht verloren, der Professor konnte eS mit ZinS und Zinseszins zurückzahlen und ouherdem machte sich der Engländer um die Wissenschaft verdient.
Immerhin, einige Tage vor der Hochzeit kam er von einer Reife nach Tripolis zurück und suchte den Professor auf, heiht das, er suchte ihn. DaS Fräulein, die Mih, die Signorina, suchte ihn auch. Die italienische Äolonialrcgierung desgleichen. Wie eS scheint, sogar die D 0 liKel...
Run, um die Sache kurz zu machen, hier die Deichte des schönen Raketenfräuleins .Professor Lion? Ist ja gar kein Professor! Air gewesen. Seine Diplome waren immer gerade in einem Koffer, der unterwegs war. Rockfellerinsti- tut? Eolumbia-Universität? Alles Flausen Gewiß, ja, in Wien hat er eine Sekretärin gesucht und ich meldete mich und wir gingen nach Libyen. Aber nicht eine einzige Rakete hat der Schwindler losaeschossen. Wie, sogar Tote und Verwundete habe cs bei einem mißglückten Versuch gegeben? Hat sich was! Gr selbst telegraphierte das an die amerikanische Presse. Stratosphäre? Schmarren. Gr liegt jetzt in Wien in einem Sanatorium. Sonst war es allerdings ganz nett da unten, wir haben fidele Tage verbracht — und Kamele gibt es da, Kamele! Wollen Die ein paar Photos sehen?"
Kamele hin, Kamele her, das Wiener Madl ist jedenfalls auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege über die Stratosphäre zu einem Mann gekommen.
Ulrich von Hutten.
3m Oberhessischen Geschicht»verein sprach am ersten Vortragsabend Unioersitätsprofes- sor Dr Götze über den Dichter Ulrich von Hutten. 3n einer kurzen Einleitung berührte der Vortragende die allgemeinen Gründe für den Verfall des Rittertums, und stellte dann an Hand seines Lebensgangs, seines Werdens und seiner literarischen Werke die Gestalt Huttens dar, den man weder als Politiker, noch als Vorkämpfer von Luthers Reformation, sondern in erster Linie als Dichter und humanistischen Schriftsteller betrachten mutz. Ulrich von Hutten, am 21. April 1488 auf der Burg Steckelberg nicht weit von Fulda geboren, gehörte einem alten reichsritterlichen Geschlecht an; daraus lassen sich für ihn, der sich allezeit als Ritter gefühlt und bezeichnet hat. Stärke und Schwäche seiner Persönlichkeit, Vollbringen und Tragik seines Lebens ableiten. Dieser an der Grenze unseres Landes geborene Edelmann, der zeitlebens mit hessischen Machthabern und Gelehrten Verbin- düng hatte, der mit der Gründung der Universität Mainz verknüpft ist und Erlebnissen in Worms und auf der Ebernburg die entscheidenden Eindrücke seines Lebens verdankt, ist in unfern Tagen Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen gewesen. Das Huttenbild des 19 Jahrhunderts hat David Friedrich St rauh 1858 mit seinem Buch .Ulrich von Hutten" bestimmt, das noch 1914 eine Neubearbeitung durch Otto Siemen erfahren hot die wohl im einzelnen manches berichtigt, aber die Grund- auffaHuna bejaht Das aber ist die Auffassung der romantischen Geschichtsschreibung Gegen sie richtete Paul Kalkoff 1920 sein Buch „Ulrich von Hutten und die Resormation", in dem er zeigt, wie der | Humanist, von Luthers religiöser Fragestellung un- I
Am Gesauenen Ehrenmal in der -schmleßu/en Wach unter oen Linden in Berlin zog am Totensonntag ein riesiger Strom von Besuchern vorüber, die an dem schlichten Denkstein Kränze zu Ehren der gefallenen Helden des Weltkrieges niederlegten.
berührt, nur die grob äußerlichen Züge reformatorischen Kamvfes versteht und aufnimmt. Ein zweites Buch Kalkoffs, „Huttens Vagantenzeit und Untergang" (1925) trägt Luthers Kennzeichnung des Ritters auf dem Titelblatt „Ein stolzer, frecher, freue- ler Mensch", und zeigt schon damit, in welchem Sinn das romantische Huttenbild zurechtgerückt werden soll
Der Vortrapende zeigte in gerecht abroägenber Darstelluny, wie beide Auffassungen Hutten Unrecht tun. Er will nicht als gläubiger Anhänger der Reformation gewürdigt fein und nicht als Politiker, sondern als Dichter Seine Stärke ist eine außerordentliche formale Begabung die ihn erst in lateinischer. dann in deutscher Dichtung das Höchste leisten läßt, zu dem ein deutscher Dichter seiner Tage vordrang Seine Tugend ist rückhaltlose Offenheit, der sittliche Zorn gegen das Schlechte, die unbeirrbare, tapfere Gesinnung, die liebt, was einzig liebenswert ist: „die göttliche Wahrheit, die gemeine Freiheit". Darum hat Ulrichs von Hutten Feder, der einzige Besitz, den er auf Erden zurückließ, als er 1523 auf der 3nfel Ufenau im Zürcher See starb, unsichtbar sichtbar alle die großen Kämpfe der Deut- schen fortan mit durchfochten
3m Anschluß an den mit starkem Beifall aufgenommenen Vortrag, für den der Vorsitzende, Uni- versitäts Bibliotheksdirektor Prof. Dr. Ebel, dem Vortragenden dankte, fand die diesjährige Haupt» verfammlung des Vereins statt. Der Vorsitzende berichtete über die Arbeit des abgelaufenen Jahres, die Vorträge und die Verbandstagung der hessischen Geschichtsvereine Sodann sprach er über den Mitgliederbestand und die Kasienlage und bat die Versammlung, durch Anerkennung der bereits geprüften Rechnung die beiden Rechner zu entlasten Mit dem Dank an die Mitglieder und der Ditte, dem Verein auch in dieser schweren Zeit die Treue zu halten, schloß er die Versammlung
Dbert>effen.
Bäder-Zusammenschluß.
2S. Dad - Rauheim. 2l.Rov. Die allgemeine Rotlage der deutschen Däder hat heute, nachdem im September schon die erste Besprechung stattgesunden, endgültig zu ei .em in c.xf anten Zusammenschluß geführt. Die drei yrohen Taunusbäder Wiesbaden, Dad-Rauheim und Dad Homburg haben eine Interessengemeinschaft der Heilbäder Wiesbaden. Dad-Rauheim und Dad Homburg gegründet mit dem Zwecke gemeinsamen Vorgehens in allen verkehrswirtschaltlichen und werbetechnischen Fragen. Dem Arbeitsausschuß dieser Interessengemeinschaft. die sämtliche an der Kurindustrie interessierten Kreise unb Verbände der drei Heilbäder in sich schließt, gehören Vertreter der Aerztcfchaft, der Kurverwaltungen, sowie der Hotels und der Kaufmannschaft an. Der Vorstand seht sich zusammen aus Stadtrat Glücklich (Wiesbaden), Kurdirektor Hosner (DadHomburg! und Dipl.-Ina. Weniger (Bad-Rau- heim). Am 5. Dezember findet in Frankfurt a. M. eine Desprechung der Interessengemeinschaft mit dem Reichsfinanzminister statt.
Landkreis (Bietzen.
(D ©rüningen, 22. Nov. Die auf den 6. Dezember angesctzte Bü r pe r m e i ste r wa h I braucht nicht stattzufinden, da für die Wahl nur e i n Vorschlag, der auf den bisherigen Bürgermeister Eu- I e r lautet, eingereicht worden ist. Bürgermeister Wilhelm Euler gilt somit als für weitere 9 3ahre gewählt. Es ist hier das erstemal seit 50 3ahren, daß für die Bürgermeisterwahl nur ein Vorschlag abgegeben wurde
Lich, 23. Rov. Der Licher VvlkSbil- dungsverein veranstaltete am vorigen Freitag ein K o n z e r t. das wohlgelungen und gut
besucht war. DaS vielseitige Programm brach!» nach der eiirleitenden Ouvertüre zu .Goriolan' von Beethoven, wechselnd Gelänge und 3nftriN mental-Vvrträge in bunter Folge. Frl. Drücket- Dad-Rauheim (Mezzosopran und Herr Kruger-Steinfurth (Tenor» fanden für ihre Lieder und Arien (Schubert. Beethoven. Mozart und Tuceini) ein dankbares Publikum. Frl. I ä g e t (Klavier) und die Herren Hinkel (Woline) und Knodt (Gello! spielten zwei Sähe aus dem Trio Rr. 2 von Beethoven und das Trio Rr. 6 von Haydn. Die Begleitung der Gesänge führte Herr Lehrer Stein in hervorragender Weise durch, während Frl. I ä g e t die Händel-Sonate für Violine, von Herrn Hinkel ausgezeichnet vorgetragen. auf- beste begleitete.
j Lauter 23. Nov 3n unserem Orte hielt in diesen lagen das Schiedsgericht im Feld- bereinigungso erfahren eine Sitzung ab. 3n der Hauptfache beschäftigte sich das Schieds-g. richt mit den Reklamationen wegen der hier fo zahlreichen Obstbäume, den Klagen einiger Unzufriedener und der Zuteilung eines Duellgebiets unter- i halb der Bingmühle an den hessischen Staat E» ban- ! beit sich dabei um an und für sich minderwertiges j Wiesengelände, da» aber, weil in ihm 17 Quellen : zutage treten, nach Ansicht der seitherigen Be- ! sitzer für den Staat, der bekanntlich von hier aus einen großen Teil der Wetterau und Bad Nauheim mit Trinkwasser versorgt, einen höheren Wert bat । Die Vertreter des Staates lehnten bei den Verband- j lungen Ersatzansprüche der Altbesitzer ab und diese I verlangten entweder Ankauf der Quellen durch den Staat ober Wiederzuteilung ihre» Geländes.
Jttrcie Büdtngcn
L Dobenhausenl. 23.Rov Auch in unserem Orte würbe auf Veranlassung des Landes- ausschusses der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in Hessen für die Wi nter- not Hilfe 1 9 31/32 ein örtlicher Ausschuß gebildet. dem Bürgermeister HaaS. Lehrer 3 a* k o b i, Karl Ries III. und Gustav Wacker an- gehören. Auf Grund einer inzwischen abgeschlossenen SinzeichnungSliste wurden insgesamt I Zentner Kartoffeln. 3 Zentner Gemüse, 4 Zentner Obst und Hülsenfrücht«, sowie ein kleiner Geldbetrag von den hiesigen Einwohnern zur Verfügung gestellt. Die Lebensmittel werden der Stadt Offenbach überwiesen.
e. Hirzenhain. 23. Rov. Bei Einbruch der Dunkelheit sammeln sich zur Zeit allabendlich Hunderte von Krähen Über dem Ort. um mit viel Geschrei in stets dem gleichen Fichtenbestand "zu horsten. Bei Tagesanbruch löst sich dir Schar wieder in einzelne Trupps auf, die nach den verschiedensten Himmelsrichtungen a wie in* an verfliegen.
Kreis Schotten.
Schotten, 23. Nov Die Kulturfilm- stelle beim hiesigen Kreisschulamt bringt Im Laufe dieser Woche den Kulturfilm „Eine Reise unter der Mitternachtsonne" in den Schulen des Kreise» zur Vorführung 3n einer Zeit, die der Erforschung der Arktis größte Aufmerksam- reit entgegenbringt, wird diesem Film, der die Ei», und Schneewüsten des Nordens als Hintergrund hat, besondere Bedeutung zuzumessen sein. Ein zweiter Film zeigt den Kamps ums Dasein auf dem Meere», gründ. 3n Ulrichstein Ruppertsburg. Ober Schmit, ten, Burkhards und Over Seemen finben auch Abend- Vorführungen für Erwachsene statt.
V Gedern, 23.Rov. Im nähsten Iahre werden cs 90 Iahre, daß der hiesige Mannergesangverein .Liederkranz" gegründet wurde. Diesem Iubiläum will der Verein durch ein WertungSsingen besondere Bedeutung verschaffen. Der Beschluß dazu wurde in einer am Samstag abgehaltenen außerordentlicher Generalversammlung herbeiaeführt. Als Termin wurde der 12. Iuni 1932 festgesetzt. Am
Wessen Knd bin ich?
Vornan von Fr. Lehne
(Urheberschutz durch E. Ack.rmann. Romanzentrale Stuttgart.)
11. Fortsetzung Nachdruckoerboten
Hanno hatte auf Bitten der Frau Lenz auf dem Sofa Platz genommen, dem „Ehrenplatz", wie er lächelnd bemerkte. Zum ersten Male war er ja nicht im Lehrerhaus, und er konnte sich der Gemütlichkeit nicht verschließen, die besonders im Wohnzimmer mit den Möbeln aus Birkenholz, den schneeweißen Vorhängen und den vielen Familienbildern an den Wänden herrschte. Ein Vogelbauer am Fenster war mit einer gestickten Decke verhüllt, und die größte Zierde des Zimmers bildete ein hübsches Klavier
Die mit einem toten Seidenschleier verhüllte Lampe warf einen rosigen Schimmer auf Ebbas holdes Gesicht. Er mußte sie immer ansehen, die ihm schräg gegenübersah, mit einer feinen Handarbeit beschäftigt Wie schön war das Mädel, wunderschön — und alle diese Süße gehörte ihm! Heiß strömte ihm daS Blut durch die Adern, wenn er daran dachte.
„Fräulein Ebbas Zusage kann ich also bestimmt für Mamsell mitnehmen?"
..3a. Herr Graf!" cntgegenetc sie mit niedergeschlagenen Augen, „ich komme morgen zeitig und werde bleiben, solange man mich braucht! Ls freut mich, wenn ich Mamsell Auguste, bei der ich soviel gelernt, einmal gefällig fein kann!"
»Die größte Freude wird Inga haben."
„UnÄ beiden wird der Abschied sehr schwer werden!"
„Es ist ja nicht für ewig! Die paar Winter- monate werden vergeben, und im Sommer sind die Eltern mit Inga ja wieder hier! Außerdem werden Sie Inga in Dresden doch besuchen, wie alles schon besprochen ist!" lächelte Hanno sich erhebend
„So, jetzt werde ich über den „Hohen Rücken" heimkchren: dort stehen ein paar kapitale Böcke! Einen davon habe ich mir für übermorgen aufgehoben. einen darf Graf BalSberg schießen —"
„Der „Hohe Rücken" ist ein großer Mmtoeg, Herr Graf! Unb diese späte Stunde —“
Hanno lachte
-Soll ich mich fürchten, Herr Lenz? Wahrscheinlich werde ich den Förster treffen — wir haben so halb und halb eine Verabredung —"
Er gab Frau Lenz die Hand, dann Ebba — „auf morgen. Fräulein Ebba —**
ilnb dabei glänzten feine Augen und leuchteten und lachten in die ihren Ach. welche Macht ging doch von diesem sonnenfrohen Menschen auS!
Als Ebba in ihrem Ziinmerchen war. mußte sie immer an ihn denken. Unb wie sie sich gefunden!
Eines Abends hatte er sie ganz einfach in die Arme genommen, hatte sie geküßt und gesagt „Du, ich hab' dich lieb, kleine Ebba, und du sollst mich auch lieb haben!" Ihr Widerstreben hatte er mit seinen Küssen erstickt! Es war vor acht Tagen gewesen. Eie hatte die Freundin, die an einer kleinen Erkältung litt, besucht, und Hanno hatte sie heimgeleitet, da man doch die Zeit verplaudert und Ebba in der früh einfallenden Dämmerung nicht allein nach dem Dorf zurück- gehen sollte.
Wie verzaubert war sie: feine herrische Art hatte sie bezwungen, wie ein gefangenes Vögelchen war sie in seiner Hand
Unb sie konnte es nicht fassen, daß Hanno von Reinshagen sie liebte — und zu seiner Frau begehrte! Denn in ihrem romantischen, welt- unkundigen Sinn betrachtete sie sich nun als feine Braut — man küßt doch kein Mädchen, das man nicht heiratet!
Auf eine ganz leise schüchterne Bemerkung, was Inga wohl sagen würde, hatte er sie gebeten, vorläufig zu schweigen — „laß erst Die Ucbcrfieblung der Eltern vorbei sein! Es gibt jetzt noch vielerlei zu erledigen und zu bedenken —" und sie fügte sich feinen Bestimmungen
Hanno war rettungslos in Ebbas blonde, berauschende Schönheit verliebt, und mit der ganzen Kraft feiner starken, leidenschaftlichen Ratur begehrte er sie. Wie ein Blitz hatte es ihn getroffen, als er den nie besonders beachteten Backfisch aus dem Lehrerhause als eine fo wundervolle Mädchenblüte wiedergefehen
War Ebba bei Inga zu Besuch, so verstand er es einzurichten, daß es in der Rähe der beiden jungen Damen immer etwas für ihn zu schassen gab. Er brachte Ebba nicht aus feinem Sinn: feine Leidenschaft wuchs, und da er kein Mann der unerfüllten Wünsche war, fo suchte er bald nach einer Gelegenheit, Ebba für sich zu gewinnen
Er wußte wohl, daß sie anders war alS die meisten jungen Mädels, so rein, fo unerfahren: für eine unbedenkliche verliebte Tändelei war fic nicht au haben — dazu war sie viel zu schwerfällig und dachte in ihrer Unwissenheit gleich an Verlobungsring und Standesamt.
Er überlegte nicht, was er in ihr zerstörte und auch wachrief! Er war sich selbst nicht klar, was er wollte — wie ein Fieber hatte es ihn erfaßt — ihren weichen, süßen Mund zu küssen, war fein unwiderstehliches Verlangen, an dem er krank werden würde, fände es keine Erfüllung. Der Mittelpunkt seines Denkens war einzig und allein Ebba Lenz!
Viele Mädchen hatten seinen Weg gekreuzt: die chm gefallen, hatte er einfach genommen, und am nächsten Tage waren sie vergessen! Aber die Ebba. daS war etwas ganz anderes, das sah tief im Herzen! Und ihre Reinheit, das schrankenlose Vertrauen, daS sie ihm entgegenbrachte, rührte chn — nein, die Sbba mußte
ihm heilig sein — seine Wünsche durften nicht weitergehen — denn sie war eine von denen, mit denen zu spielen eine Todsünde war: solchen Mädchen wie Ebba gab man auch den Ramen! Alles das sagte er sich, die Vernunft gebot ihm, Ebbas Herzensfrieden nicht zu stören -- aber sah er sie. war alles vergessen! —
Fleißig hatte <3bba der Mamsell geholfen, sie war müde geworden von dem vielen Hin und Her, wenn ihr das Arbeiten auch Spaß gemacht.
Es wurde Zeit für sie, zu gehen, und mit dem Versprechen, am nächsten Tage sehr zeitig wiederzukommen. verabschiedete sie sich Hanno hatte sich erboten, sie nach Hause zu begleiten.
„Endlich!"
Gr hatte den Weg durch den Park gewählt, obwohl es schon ziemlich dunkelte: aber an feiner Seite brauchte fic sich nicht zu fürchten — oder doch — ?
Ihre Schritte raschelten im Herbstlaub, daS rot und gelb und braun den Boden deckte. Kühl strich der Abendwind über die regenfeuchten Wipfel der Bäume, daß die Tropfen mit leisem Klatschen herunterfielen.
„Es hat ausgehört zu regnen! Morgen wird sicher das Wetter gut fein; wir haben zunehmenden Mond", Ebba beutete aus die schmale Mondsichel, die am blaffen Abendh.mmel hing — „bann wird zur Iagd die Sonne scheinen!" 3bre Stimme xitterte ein wenig: das Herz klopfte ihr bang in ber Brust.
„Das interessiert mich augenblicklich gar nicht!" meinte Hanno in titxf nem Tone. Er blieb stehen unb faßte sie sest an oecde Oberarme „mich interessiert nut dein Mund, lieber Schatz, überhaupt deine ganze süße Perlon! Du bist meine Lonne, du Liebste, du mein scheues Lchmaltierchen! Sine schönere 3agt>beute als ich wird niemand haben —"
Und Sbba muhte geduldig feine Küffe über sich ergeben lassen: in süßer Hilflosigkeit lag fic an feiner Brust, bis er fic endlich freigab. Ties aufatmend stand er da. den Aufruhr feiner Gefühle niederzwingend: er dur'te fein kleines Reh nicht au lehr erschrecken! Sie sah ihn so erschrocken und hilflos an. daß er leicht über ihr Gesicht strich — „lleines dummes Ding."
Mit erglühendem Gesicht lief fic ihm davon, fast alS fürchtete sie sich vor sich selbst. Gleich hatte er sie wieder eingeholt
„Bist du mir böse. Liebes?"
Die Wangen brannten ihr: fie wagte nicht, ihn anzusehen: ein leiser Seufzer zitterte über ihre Lippen Sr hob ihr Kinn in die Höhe.
„Sbba -r
Wie weich und bittend feine sonst fo herrische Stimme Hingen konnte! Wieder suchte er chren Mund
„Richt — o nicht! Ditte nicht!" wehrte sie.
Sin fremdes, ängstliche- Licht stand vor chren Augen. Sie versuchte sich sreizumachen
Ob er ahnte, waS in ihr vorging? Scheu sah
fie ihn an, mit heißen roten Wangen. daS blonde, goldige Haar verwirrt von feinem Ungestüm. Fester preßte er fie an sich
„Wir muffen es doch erst tagen. Hanno", meinte fie schüchtern.
sagen — wem sagen —? Unsere Liebe ist unser Geheimnis! Wissen andere darum, ist der süße Reiz verschwunden! Rärrchen, du —"
Hätte Ebba ein wenig mehr Weltklugheit besessen. würde sie ihn verstanden haben! Vorsichtig mußte er gehen. Schritt für Schritt, sie immer fester an sich zu ketten und seinem Willen gefügiger zu machen: er fühlte ja. wie sie chm verfallen war!
In süßem Getändel. Arm in Arm. gingen sie nach dem Dorfe. Kurz vor den ersten Häuser» löste sie sich auS seinem Arm. Scherzhaft blieb er einige Schritte hinter ihr ein treuer Diener seiner Herrin!"
Doch dann packte er sie wieder — „den Ab- schiedSkuh nicht vergessen, Liebste —" reichlich nahm er sich — es war kein AbschiedSkuh. es war noch immer nicht der letzte, bis fie sich ihm entwand — er war doch zu unvorfichtig! Den» man fie nun fah —?
Still und menschenleer war die Dorfstraste. AuS den niedrigen Häuserfenstern fiel daS Licht der Lampen und spiegelte sich in den W""er* pfützen. die vom Regen deS vorhergehenden Tages noch dastanden
„Run werde ich dich bei deinen Eltern abliefern und ihnen Guten Qlbenb' sagen!"
AlS Hanno m:t Sbba im L- h erhauS verschwunden war. huschte auch Lotte Mähler vorsichtig in ihr HauS. Wie eine wildernde Katze war sie schon den ganzen Rachmittag foerumge ft reift, um Sbba Lenz ja nicht zu verfehlen. Ihre Ausdauer wurde auch von Erfolg gekrönt — fie hatte das Paar. endlich kommen fehen. Heimlich war fie hinter beiden hergefchlichen. um fie au beobachten. Wie der Dra' in Sbba Lenz. diese- langweilige blonde Ding, verliebt war! Reid, ganz wütender Reid erfüllte fie.
Run hatte fie Sbba Lenz ganz in der Hand, und sie wollte sie treffen. Alle möglichen Pläne wälzte fie sich durch den Kopf, tote fie es am besten und sichersten tun könne, ohne dast Verdacht auf fie siel. Lange lag sie wach, sich in dem warmen, dicken Federbett behaglich dehnend unb ein Donbon nach Dem anderen lutschend und mit den weihen spitzen Zähnen zerbeißend, daß es splitterte.
Endlich hatte sie eine Lösung gefunden — ja. fo würde es gehen? Sie hatte ja Zeit und überstürzen durfte man nicht«
Warte du! Scheinheilige Kröte! Wirst schon sehen!" dachte sie befriedigt. Sie haßte nun einmal die Sbba. obwohl diese ihr nicht daS Ge» rtngfk zuleide getan. SS war der dumpfe Hast, mit dem niedrigdenkende Menschen da« Gute und Sdle hassen, ohne einen Grund angeben -» können (Forschung folgt)


