Gründungsversammlung
-es Sängergaues „Ri--atal^.
Ql i b b a , 22. Sept. Oluf Einladung der beiden Sängerbünde „Ribbatal" und „QR ittle - res Qlibbatal" versammelten sich am Sonntag die Delegierten der angeschlossenen Bundesvereine, um die Gründung des neuen Gaues „01 i d d a t a l" vorzunehmen. 17 Vereine hatten ihre Vertreter entsandt. Der Gesangverein „Sängerkranz", Olidda, eröffnete die Tagung mit dem „Deutschen Sängergruß" und Arnim Knabs „Tagelied", das unter Leitung von Lehrer Dietrich, Rodheim, vollendete Wiedergabe fand. Auch im weiteren Verlaufe nahm der Verein Gelegenheit, die Sänger durch einwandfreie Chordarbietungen zu erfreuen.
Die von Lehrer Lenh, Geih-Ridda, geleitete Versammlung schritt zuerst zur V o r st a n d s - Wahl. Sie hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender 3. Diehl, Ober-Schmitten: 2. Vorsitzender Lehrer Otto Lentz, Geih-Ridda: Schriftführer Stadtsekretär Emrich, Nibda: Schatzmeister Heinrich Lind. Geih-Ridda: Beisitzer Louis S ü h e l, Schotten, und Otto Lenz, Wallernhausen: Gauchormeister Lehrer Kaiser. Wallernhausen: stellvertretender Chormeister Lehrer W o l l. Unter-Schmitten.
Der neue Gau fetzt sich aus 20 Vereinen zusammen, die mit Ausnahme von Rieder-Rlockstadt den beiden Unterbünden „Riddatalsänger- bund" und Sängerbund „QUittleres Rid- datal" angehören. Es wurde beschlossen, jedes zweite 3ahr eine Gauveranstaltung (Wertungssingen) abzuhalten. Die geraden 3ahre sollen für Veranstaltungen der LInterbünde freibleiben. Die Vertreterversammlung werden abwechselnd in beiden Bünden abgehalten. Als Tagungsort für 1932 wurde Ober-Widdersheim bestimmt. Als Gaubeitrag werden jährlich pro Sänger 15 Pf. erhoben. Mit diesem Betrag sollen die Unkosten gedeckt werden, die bei den QDertungs- singen entstehen. Ein Antrag, auf eine Senkung der Beiträge zum Hessischen Sängerbund hinzu» wirken, wurde allgemein begrüßt.
Landkreis Gießen.
00 Klein-Linden, 23. Sept. Trotz der überaus guten Ernte an Aepfeln und Birnen wurden bei der hiesigen Versteigerung des G e - meindeobstes hohe Preise erzielt. Es galten ein Zentner Aepfel am Baum, je nach Qualität, 3 bis 8 Mark. Honigbirnen kamen durchschnittlich auf 1 bis 1,50 Mark, während Tafelbirnen sich auf 2 bis 4 Mark für den Zentner stellten. Für Zwetschen, die nur wenig vorhanden waren, wurden bis zu 10 Mk. bezahlt. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf ein Mehrfaches des Erlöses im Jahre 1930, der nur 118 Mark betrug.
△ Langd. 23. Sept. Qlltbürgermeister Otto R o n t h a l e r feierte am Sonntag mit seiner Ehefrau Katharine, geb. Henk, das F e st der DiamantenenHochzeit. 3m engsten Kreis der Familie fand eine schlichte kirchliche Feier statt, bei der das 3ubelpaar durch Pfarrer Dock (Hungen) nochmals eingesegnet wurde. Der Geistliche überbrachte dem langjährigen Mitglied des Kirchenvorstandes die Grüße des Kirchenvorstandes Langd, er übergab eine Ehrenurkunde des Landeskirchenamts und übermittelte die Grüße des Dekanats Ridda. Der 3ubilar steht im 85. Lebensjahre, seine Frau im 87. Beide Ehegatten sind noch sehr rüstig. Die Mutter des 3ubilars hmtte ein Alter von 102 3ahren erreicht.
Kreis Friedberg.
X Dad-Rauheim, 23. Sept. Gestern wurde hier die hessische Wanderaus st ellung „Gesundheitspflege und soziale Für- s o r g e", die auf acht Tage im Baöehaus 1 untergebracht ist und in den nächsten Wochen und Monaten in weiteren oberhessischen Städten ge»
Das bißchen Erde.
Vornan von Richard Slowronnek.
Copyright by I. Engelhorns Nachf., Stuttgart.
40 Fortsetzung Nachdruck verboten
Später, als er mit Peter Rägelein auf der Diele beim Frühstück saß, spann er denselben Faden weiter. Daß er sich einen tüchtigen Landwirt zum Verwalter nehmen wollte, wenn sich hier seine Verhältnisse endlich geklärt hätten. Bei dem aber gedächte er in Schule zu gehen wie ein richtiger Lehrling: denn das wäre der Fehler der meisten Herren ringsum, daß sie an die Verwaltung ihrer Güter mit mangelnder Vorbildung gingen. Auf dem Kasernenhofe oder dem Exerzierplätze könnte man keine Landwirtschaft lernen, aber bei ihm wäre es ja noch nicht zu spät. Und einen gewissen Schimmer hätte er schon, allzu viel brauchte er nicht nachzuholen ...
Der kleine Maler langte nach dem gewaltigen Schinken, für den er seiner vortrefflichen Eigenschaften wegen noch vom Qlbend vorher eine heftige Zuneigung empfand: „Lobenswert, sehr lobenswert! Und ich wünsche 3hnen von Herzen, daß es dazu kommt. 3n 3hrem 3nteresse und dem meinigen ... es wäre schandbar, wenn wir aus diesem gelobten Land wieder auswandern mühten! ... Und eine erfreuliche Mitteilung kann ich 3hnen jedenfalls heute schon machen: wir haben eine ganze Menge Geld gespart. Die Berliner Reise fällt weg" ...
Malte hob argwönisch den Kopf: „Wie meinen Sie, Peterchen?"
Der Kleine zögerte ein wenig, über sein vertrocknetes Gesicht flog es wie ein mitleidiger Schimmer.
„Run ... ich bin heute schon recht früh aufgestanden, überall herumgekrochen in meinem neuen Quartier, von außen und innen ... herrlich ist das alles! Das efeubewachsene kleine Schloß, das mal' ich uns heute noch zum Andenken Und was da alles so unbeachtet herumsteht ... Mensch, Gräflein, die alten Zinnkrüge allein sind ja ein Vermögen wert! Wenn wir die in Berlin verkloppen, können wir zwei 3ahre davon leben!"
„Gehören leider nicht mir", warf Malte ein, „die muh ich bei der Uebergabe alle abliefern. Qlber Sie wollten mir doch was von der Berliner Reise erzählen?"
„3a richtig", sagte Peter Nägelein und schlug sich vor den Kopf. „Also ich war auch nach dem Dorf hinausgepilgert, und da habe ich eine ganz scharmante ältere Dame kennen gelernt, die Frau des Försters Schwarz. Der geräucherte Schweineschinken, den sie mir vorsehte — sie sah nämlich gerade mit ihrem Manne beim Kaffee, als ich meinen Besuch machte, und ich lieh mich nicht nötigen — ja also, der Schinken
zeigt werden soll, in Gegenwart der Aerzteschaft und der städtischen und staatlichen Behörden eröffnet. Bürgermeister Dc. Ahl und Sanitätsrat Dr. H a h n wiesen in ihren Eröffnungsansprachen auf den Zweck der lehrreichen Ausstellung hin. "Während der Ausstellunaswoche finden im Vortragssaal des Kerckhofs-3nstituts mehrere Vortragsveranstaltungen statt. U. a. wird auch Geheimrat Prof. Dr. S o m m e r (Gießen) über „Psychiatrie und psychische Hygiene" sprechen.
Kreis Büdingen.
A Ql i b b a, 23. Sept. Am Montag unb Diens- tag würben hier bie Aepfel unb Dirnen von ben stäbtischen Baumanlagen versteigert. Die meisten Däume zeigten einen sehr reichen Behang. Die Preise waren befriedigenb. Der Zentner ber besten Tafeläpfel, wie Schöner von Boskop, Golbparmäne, Golbreinette von Blenheim, kostete am Baum durchschnittlich 5 Mark, die übrigen Tafeläpfel kamen auf 3,50 Mark bis 4 Mark, Wirtschaftsäpfel auf 2 Mark pro Zentner. Auch für Tafelliirnen waren die Preise mäßig. Anschließend an die Versteigerung des städtischen Obstes ließen einige Private die Aepfelernte von ihren Daumstücken öffentlich versteigern. Sie erzielten noch geringere Preise als die Stadt. Letztere erlöste in den beiden Versteigerungstagen für Aepfel und Dirnen annähernd 1800 Mark.
Kreis Tllsfcld
* Höingen, 21. Sept. Durch die V e r k r a f - tung der Landpost im Bezirk Grünberg sind den Landgemeinden zweifellos verschiedene Vorteile verschafft woroen, so insbesondere der der zweimaligen Briefzustellung. Für die hiesige Gemeinde und für die Gemeinde Wer- mertshausen brachte die Derkraftung aber den großen Rachteil, daß die Kraftpost direkt von Deckenbach nach Rüddingshauscn fährt, ohne die Orte Höingen und Wermertshausen zu berühren. Zwar würde die Linienführung über die beiden letztgenannten Orte eine Verlängerung der Fahrtstrecke um etwa 3 Kilometer bedeuten, die allerdings um so weniger ins Gewicht fallen dürften, als doch auf anderer Seite, insbesondere in der Driefzustellung, so wie sie jetzt geschieht, Einsparungen gemacht werden können. Don den beiden, von jedem Verkehr abseitsliegenden Gemeinden würde es sehr begrüßt werden, wenn die Kraftpost auch über die Orte Höingen und Wermertshausen geführt werden würde. Für die Einwohnerschaft dieser beiden Gemeinden ist das Fehlen jeder Verkehrsmöglichkeit um so schmerzlicher, als die nächste Bahnstation nicht weniger als 9 Kilometer entfernt liegt. Es würde allgemein begrüßt werden, wenn die Postbehörde dem nach der Lage der Sache berechtigten Wunsche nachkommen würde.
preutzew
Winterhilfe
der evangelischen Gemeinden.
Der Evangelische Oberkirchenrat hat die Konsistorien angew esen, den Kirchengemcinden durch die Geistlichen die Pflicht zurbrüder- lichen Hilfe in dem bevor stehenden R o t w i n t e r nahe zu legen. „Es gilt", heißt es in dem Erlaß, „die offenbare Rot zu lindern und die verborgene aufzusuchen, alle vorhandenen Kräfte und Einrichtungen erfinderisch in den Dienst der inneren und äußeren Hilfe zu stellen. Die Verbindung von Person zu Person ist in mitfühlender Hingabe und Geduld vor allem zu suchen und zu pflegen." Durch Zusammengehen mit Verbänden, namentlich der freien Wohlfahrtspflege, müsse Doppelarbeit vermieden werden. Die eigene Bedrängnis der Kirchengemeinden dürfe die Entschlossenheit zur Hilfeleistung nicht lähmen. „Durch persönliche Opfer und treue Fürsorge im kleinen wollen wir das GottesgebotderBruder-
toar mindestens so gut wie dieser hier! Der alte Herr mußte gleich nach dem Frühstück ins Revier, Bäume pflanzen, glaub' ich, und ich benutzte die Gelegenheit, mich bei seiner behäbigen Gattin ins Vertrauen zu schleichen. Es bauerte auch nicht lange, unb sie erzählte mir allerhanb. Wie hieß boch gleich bas Nachbargut, auf bem bieser Berliner Dankdirektor bie wenig vorzügliche 3agb gepachtet hat?" ...
„Alten-Krakow", erwiberte Malte. Unb mit einer wegwerfenben Hanbbewegung fügte er hinzu: „Die gute Frau Försterin klatscht gerne ein bißchen. 3ch kann mir schon benken, was Sie 3hnen erzählt hat. Aber ich kann ihr nicht Helsen, es ging bamals nicht anbers. Auch heute würbe es nicht gehen ... Wenn man mit allen Fasern an einer hängt! ... Der einen Einzigen, ba müßte man boch ein Schuft sein, wenn man vor eine anbre hintreten würbe ... na, ist gut, Schluß! Sie soll mich bamit in gruben lassen"...
„3a natürlich", versetzte ber Kleine, „habe ich mir auch gebacht!" Unb er machte sich eifrig über seinen Schinken her. Es tat ihm leib, bah er angefangen hatte. Er hatte ja gestern gesehen, wie schwer ber arme Kerl ba drüben an dem leidigen Liebeshandel trug. Und wer mochte wissen, was besser war! Eine solche Wunde sich selbst zu überlassen oder einen Heilungsprozeh zu versuchen, dessen Ausgang zum mindesten zweifelhaft war ...
Malte fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als mühte er törichte Gedanken verscheuchen, und plötzlich schien er sich auf etwas zu besinnen: „3a aber, ba war noch etwas anbres" ...
„Nein, wirklich nicht" ...
„Nee, Peterchen, so kommen Sie mir nicht weg! Sie hatten boch was vorhin ... ja richtig, bie Berliner Reise! ... Also weshalb soll bie jetzt mit einemmal wegfallen?"
„Nun benn" — ber kleine Maler atmete tief auf — „Sie erfahren es wahrscheinlich boch einmal ... unb vielleicht ist es besser, Sie wissen es jetzt gleich ... Also, Sie erzählten mir boch gestern, Sie hätten es nicht begreifen können, bah Sie auf 3hren Brief nach Berlin ohne Antwort geblieben wären. Unb Sie wühlen sich bas nicht anbers zu erklären, als bah man bie junge Dame bort unter strenger Bewachung hielte?" ...
„Allerbings" ...
„Also benn ... also benn, bas stimmt nicht ganz. Frau Steinfelb ist seit brei Tagen toieber in Alten-Krakow. Ganz allein. Von irgenbeinem Kerkermeister ober so was ähnlichem ist weit unb breit nichts zu sehen!"
Malte sprang auf. Dunkelrot färbte ber Zorn sein Gesicht.
„Das ist eine Lüge! Eine ganz gemeine, nieber» trächtige Lüge" ...
Peter Nägelein zuckte mit ben Achseln.
„Es ist die lautere Wahrheit! Die Frau Försterin ist dieser Dame ja nicht sonderlich wohlgesonnen, aber wie sollte sie wohl dazir kommen, etwas in die Welt zu setzen, was nicht wahr
liebe erfüllen unb bem Angriff ber Not eine geschloffene Front helfender Treue entgcgenftellen. Das Wort Gottes mahnt: Lasset uns Gutes tun unb nicht mübe werben."
Schneedecke in der Rhön.
WSN. Von der Rhön, 23. Sept. Das Dammersseld zeigt bis auf etwa 800 Meter herab eine leichte Schneedecke. Dabei stehen noch über zehn Tagwerk Haser auf dem Halm, der erst noch reifen muh!
Kreis Wetzlar.
# Wetzlar, 23. Sept. Lanbwirtfchaftslehrer Dr. S o e h r i n g von ber Lanbwirtschaftlichen Schule in Wetzlar ist von ber Landwirtschafts- kammer in Bonn zu in Direktor ber Lanb- wirtschaftlichen Schule in Rieberbie- b e r (Kreis Qleutoieb) ernannt worben. Dr. Soehring tritt am 1. Oktober feine neue Stelle an.
3 Krofdorf, 23. Sept. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister B r o ck m e i e r sand heute nachmittag eine Sitzung ber Amtsvertretung des Amtes Atzbach statt. Die Tagesorbung lautete: 1. Antrag ber Fraktion ber Sozialbemokrati- schen Partei auf 30prozentige Kürzung ber Beamtengehälter: 2 Anregung ber Regierung auf Zahlung einer Sonberzulage an bie Polizeibeamten: 3. Mitteilungen. Als Vertreter bes Lanbrats war Regierungsafseffor Dr. L o e r, Wetzlar, erschienen. Der neu eingetretene Amtsverorbnete Weller, Atzbach, wurde ein» geführt und verpflichtet. Sodann begründete Verordneter 3 u n g, Krofdorf, den von ber Fraktion der SPD. eingebrachten Antrag auf 30prvzenti- gen Gehaltsabbau der Beamten unb gab bekannt, bah burch ihren Antrag nicht alle Beamten, fonbern ber Bürgermeister, ber Rentmeister unb bie zwei Oberfelretäre erfaßt werden sollten. Regierungsassessor Dr. L o e r teilte mit, dah nach der Notverordnung der preußischen Staatsregierung vom 12. September 1931 und der dazu ergangenen Ausführungsbestimmungen die Amtsvertretung für den vorliegenden Antrag nicht zuständig ist. Bürgermeister unb Kreisausschuh finb zu- stänbig unb verpflichtet, bie Beamtenbesolbung innerhalb vier Wochen nachzuprüfen unb evtl, zu änbern. Die Fraktion ber SPD. bestaub auf ihrem Antrag, unb es erfolgte bie Abstimmung barüber mit bem Ergebnis, bas 6 Stimmen für bie Annahme bieses Antrages waren. Bei ber Gegenprobe sowohl, als auch über bie Stimmenthaltung würbe in beiben Fällen keine Stimme abgegeben. Der Dorsihenbe stellte bann b i e Ablehnung bes Antrags ber SPD. fest. 3m weiteren Verlauf ber Versammlung kam mit 13 gegen 7 Stimmen folgender Beschluh zustande: „Die Amtspertretung stellt mit Bedauern fest, dah in dem Zetta ter des Gedenkens des Freiherrn vom Stein, bes Grünbers ber Selbstverwaltung, bie Selbstverwaltung immer mehr ausgeschaltet wirb, bah aber nach ben Ausführungen bes Regierungsaffeffors Dr. L o e r gemäß ber Notverordnung der preußischen Staatsregierung vom 12- September 1931 und ihrer Ausführungsvorschriften die Amtsvertretung für die Festsetzung der Beamtenbesoldung nicht zuständig ist und die Vertretung daher ben bafür zustänbigen Stellen auch bie Verantwortung überlassen muh." — Der Antrag auf Zahlung einer monatlichen Sonbervergütung ber Polizeibeamten für Fahrt- unb Zehrkosten usw. würbe einstimmig abgelehnt. — Aus bem bekanntgegebenen Schularztbericht 1930 ist zu entnehmen, bah von 1541 untersuchten Kinbern 949 im Ernährungszu- stanb I, 483 im Ernährungszustanb U unb 109 im Ernährungszustanb IIl befunben würben.
3 Vetzberg, 22. Sept. Die hiesige Turnverein hat feine Bezeichnung inTurn- unb Sportverein geändert unb entfaltet nach jahrelanger
wäre? Lügen haben kurze Beine ... Sie brauchten ja nur einen Boten nach Alten-Krakow zu schicken, um sestzustellen, was an ber Geschichte bran ist" ...
Malte stöhnte auf.
„Drei lange Tage, unb ich fitze hier wie ein Narr" ...
Der Kleine trat zu ihm, legte ihm in ehrlicher Teilnahme ben Hanb auf ben Arm.
„So was tut weh, lieber alter 3unge, ich kenn' bas! ... Qlber jetzt nehmen Sie 3hr Herz in beibe Hänbe — ber schwerste Hieb kommt noch! ... Nämlich bie Frau Förster hat ihren Mann auf Kunbschaft geschickt, um sestzustellen, ob an einem ganz bestimmten Gerüchte etwas Wahres wäre. Zugleich mit ber heimlichen Nebenabsicht, ihm eine gesunbe Kur angebeihen zu lassen. Der alte Herr hatte sich nämlich lächerlicherweise in bie verführerische junge Same arg verschossen und ging ganz kopfhängerisch umher" ...
„Weiter!" brängte Malte ungebulbig.
„Es ist nicht mehr viel zu sagen. Gestern spät abenbs ist ber Alte kuriert nach Haufe gekommen. Frau Steinfeld war nach der andern Seite hinausgeritten von Alten-Krakow, nach dem kleinen Städtchen" ...
„Friedeberg?" ...
„Ganz recht, so heiht es. Der Förster war ihr nachgegangen, und es fiel ihm nicht schwer, sich auf ein paar Dutzend Schritte heranzupirschen. Drei Pferde standen auf einer Chaussee, ein Bursche in Dragoneruniform hielt sie am Zügel. Die beiden aber" ...
Aus ber Kehle bes anbern kam ein gurgelnber Laut, er beckte bie Hanb über bie Augen unb brach schwer aus bem Stuhle zusammen. Der kleine Maler stanb mit mitleibigem Herzen ba» neben. Zu helfen aber war ba nichts. Solche Dinge mußte jeder für sich allein abmachen, zu- fehen, wie er mit ihnen fertig wurde ...
Malte erhob sich schwerfällig, ein wehes Lächeln glitt über fein Gesicht.
„Entschuldigen Sie, Peterchen ... es ist mir nur eben ba brinnen etwas kaput gegangen. Unb jetzt lassen Sie mich" ... Er toanbte sich zur Tür, griff auf ber Borbiele nach Reitstock unb Mütze, ging langsam bie Dammallee entlang, beten Bäume schon bie ersten krausen Blätter zeigten. Wie zarte grüne Spitzen stauben sie an ben bräunlich schimmernden Zweigen ... Der kleine Maler ließ ihn allein gehen, machte nicht erst den Versuch, ihm zu folgen. Er konnte sich ungefähr denken, wohin er wohl gehen würde. Cs war eine Kur auf Tod unb Leben. Kam er zurück, konnte er sich vielleicht langsam aus- heilen ...
Der alte Diener trat ins Zimmer, um bas Frühstücksgeschirr abzuräumen. Er blickte ver- tounbert auf, wo fein Herr geblieben wäre, unterließ aber zu fragen. Unb währenb er schweigenb am Tische hantierte, formte sich in bem rastlos schaffenben Kopfe bes Malers ein Bilb ... „Treue" wollte er's nennen, unwillkürlich aber
Pause im Tum- unb Sportwesen wieder aktive Tätigkeit. Der Verein ist bestrebt, passenbes Ge- länbe zur Anlegung eines Spielplatzes zu gewinnen unb ist mit biesbezüglichem Antrag an bie Gemeinde herangetreten. Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung den Antrag zunächst zurückgestellt, da die Gemeinde nur geringen Grundbesitz hat und sie bei aller Bereitwilligkeit nicht weiß, wie sie dem Antrag entsprechen soll.
O Hochelheim, 23. Sept. 3n einer Gemeindeversammlung wurde über die Unterhaltung und Finanzierung ber seit 1. August errichteten Krankenpflege st ation unserer Gemeinde verhandelt. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schneider, teilte mit, daß ber Gemeinberat beschlossen habe, einen jährlichen Zuschuß von 300 Mk. zu leisten, auch ber Kreis habe eine jährliche Unterstützung ton 300 Mk. zugesagt. Die restlichen Kosten müßten von ben Gemeinbe- gliebern aufgebracht werden. Nach eingehender Besprechung wurde beschlossen, durch freiwillige Spenden von 1 bis 10 Mark je Familie ben fehlenben Betrag aufzubringen.
Kreis Biedenkopf.
T Walbgirmes, 23. Sept. Unß>r letzter Gemeinbeschäfer 3ohann Georg iLch äfer ist gestern im nahezu vollenbeten 81. Lebensjahre gestorben. Er war nie krank, erlitt aber vor einem halben 3ahre einen Schlaganfall. 65 3ahre hat er hier bie Schafe gehütet. Schäfer war auch ber letzte 1870/71er Veteran unseres Ortes.
Kreis Marburg.
WSN. Marburg, 22. Sept. Im Alter von 72 Jahren ft a r b auf seinem Gute in Schweinsberg (Kreis Kirchhain) Oberst a. D. Schenk zu Schweinsberg. Sein Name dürfte jedem ehemaligen Marburger Jäger bekannt fein, war er es doch, der im Oktober 1914 das in Marburg meist aus kriegsfreiwilligen Studenten neu formierte Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 24 bei Langemarck in den Kampf führte. Oberst a. D. Schenk zu' Schweinsberg wurde am 26.Oktober 1914 so schwer verwundet, daß er für dauernd eine Schulterlähmung erlitt und die Führung des Batail- lons abgeben mußte. Bis zum Kriegsende war er dann Kommandeur des Ersatz-Bataillons Landwehr- Jnf.-Regts. 32 in Mühlhausen (Thüringen). Am 1. Januar 1929 konnte er fein 50. Militär-Dienstjubi- läum begehen.
Kirche und Schule.
ch Weltershain, 22. September. Die Arbeitsgemeinschaft ber 3unglehrer bes Bezirkes Grünberg hielt Im hiesigen Schulhause eine Arbeitstagung ab, zu ber auch eine Anzahl älterer Lehrer aus ber weiteren Umgebung erschienen war. 3n Vertretung hes erkrankten Leiters ber Arbeitsgemeinschaft begrüßte hoffen Stellvertreter, Lehrer Paul (Trohe), bie Besucher. Lehrer Seipp (Wettershain) zeigte in seiner Klasse an mehreren Unterrichtslektionen bie Verwirklichung bes Arbeitsschulgeban- k e n s. Anschließenb folgte eine Aussprache, in ber bie Vorteile bieser neuen Unterrichtsweise betont würben.
O Holzheim, 23. Sept. Die hiesige Evangelische Gemeinschaft feierte am Sonntag ihr 3 ahrsfest, bas sich eines sehr guten Besuches erfreute. Nach einleitenbem Posaunenvortrag des Chores, Psalmverlesung und Gebet durch Prediger T r i p p l e r (Groß-Rechtenbach) unb gemeinsamem Gesang prebigten Stadtmissionar Schöpfwinkel (Offenbach) und Prediger Petersen (Lich). Der Ortsgeistliche, Pfarrer Schmidt, sprach das Schlußwort. Gesangsvorträge des Gemischten Chores (Leitung: W. Engel) umrahmten die eindrucksvolle Feier, die mit Gebet des Lehrers Ratz (Oberhörgern) geschlossen wurde.
legte er's in längst vergangene Zeiten zurück. Vielleicht weil der Qllte da ihm erzählt hatte, nach der Ueberlieferung wären seine Vorfahren mit ben Grafen Römnitz zugleich hier ins Land gekommen, als Dienstleute ... Ein junger Reitersmann lag erschlagen im Dlachfelbe, sein reisiger Gefolgsmann faß am Wegrain, bas Haupt bes Herrn in seinem Schoß gebettet. Mit gramerfüllten Augen sah er in bie fintenbe Sonne, unaufhaltsam rannen ihm bie Zähren über bas verwitterte Gesicht, in bem sich ein kurzer weißer Schnurrbart sträubte ...
Unb ber Alte ließ sich gerne von ihm zeichnen. Der kleine Malersherr wußte bei ber Arbeit gar zu luftige Schnurren zu erzählen. Nur vermochte er sich nicht zu erklären, weshalb er babei in einer ganz bestimmten Stellung im Graben sitzen mußte unb ein trauriges Gesicht machen. Die Miken auf ihrem Stuhle hatte es bebeutenb bequemer gehabt unb lachen dürfen, soviel sie wollte ...
Del der Arbeit verfloß die Zeit, es ging schon auf Mittag, als Malte auf schaumbedecktem Gaule wieder vor der Freitreppe hielt. Er schwang sich aus bem Sattel, bie Augen tagen ihm tief in ben Höhlen in bem Hagern Gesicht.
„Es stimmt, Peterchen", sagte er heiser, „sie ist da." „Waren Sie benn brübert im Schloß?' Malte lachte ingrimmig auf.
„Da ist mir seit eimer gewissen Zeit der Eintritt verboten — ich erzähl' es 3hnen mal bei Gelegenheit! 3ch hab es anders geschafft ... ich traf einen alten Bekannten, einen Hütejungen aus Alten-Krakow, der mir schon 'mal eine Nachricht gebracht hatte. Mittlerwelle ist er zum Stallburschen aufgerückt, ja, und der erzählte mir ... na ist gut! ... Und nun rasch, Kleiner, ziehen Sie sich um! 3n fünf Minuten hält hier Der alte Fuhbel mit dem Wagen. Wir find bald wieder zurück, ich hoffe, das andre ... na, wir werden's schon 'rauskriegen. Qlber rasch, rasch" ...
Peter Nägelein sah mit trübem Blick auf sein schäbiges Röcklein hinab: „Umziehen? 3ch fürchte, wegen allzu großen Längenunterschiedes dürfte mir 3hre Garderobe nicht recht passen. Unb meine eigenen Sachen ... ja ... bie finb noch unterwegs ... Wenn es also bei bieser Gelegenheit auf ein besonbers festliches Gewand ankommen sollte, möchte ich wohl lieber zu Hause bleiben“ ...
Malte legte ihm bie schwere Hanb auf die Schulter.
„Das wäre vielleicht das allergescheiteste, auch für mich. 3ch hätte an den drei Tagen ohne Nachricht eigentlich genug haben müssen! Aber ber Mensch ist ein komisches Tier ... er kriegt nie genug, wenn es auch bitter schmeckt wie Galle! ... Das Festgewanb aber — trösten Sie sich, Kleiner — In ben Augen der Herrschaften, die wir da treffen werden ... also ich könnte mich in schneeweißes Seinen kleiden, ich hätte vor ihnen boch einen Klecks am Rock" ...
(Fortsetzung folgt)


