Ausgabe 
24.3.1931
 
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den Rest der Welt liberal ist.Daily Er­preß" (fünf.) sagt: Veste Wünsche für Deutschland und Oesterreich! Die Bildung um­fangreicher, in sich abgeschlossener Freihandels­gebiete ist gerade das, was die Welt braucht, selbst wenn es, wie im vorliegenden Falle, die allmähliche Isolierung Großbritan­niens ankündigt. Jeder Druck dieser Art macht cs nur um so klarer, daß die Zukunft Englands, welches sich zwischen einem sich zusammenschließcn- dcn Europa und einem bereits zusammenge­schlossenen Amerika befindet, im Britischen Reich liegt.Financial TimeS" sagen: Die Vereinbarung wird bei ihrem Inkrafttreten zweifellos die Märkte beider Länder vergrößern, wenn sie auch vielleicht durch Steigerung der Konkurrenz auf gewisse Industrien einen nach­teiligen Einfluß ausüben wird.

Ein lehrreiches Beispiel".

Freundliche Aufnahme in Amerika.

R e u h o r k, 23. März. (TU.) Die deutsch-östev- reichische Zollunion wird hier, soweit Presseäuße- rungen vorliegen, im allerfreundlichsten Sinne b e g r ü ß t. DieReuhork Times" ist so­gar begeistert. Das Blatt spricht von einer mu­tig e n L a t, die zweifellos für beide Länder vor­teilhaft und für die übrigen Rationen ein lehr­reiches Beispiel sei. Das Abkommen sei der erste praktische Schritt rein wirtschaftlicher Art zur Bildung der von Briand angestrebten Ber­einigten Staaten von Europa. Die Befürchtungen gewisser europäischer Mächte, daß die unfehlbare Folge derpolitischeAnschluh sein werde, bezeichnet dieLimes" unter Hinweis auf den Versailler Vertrag als ungerechtfertigt. Die durch den Friedensvertrag gewährleistete Unabhängigkeit Oesterreichs gebe der Wiener Re­gierung das unanfechtbare Recht, derartige Zoll­abmachungen zu treffen. Deutschland und Oester­reich hätten jetzt mit der Riederlegung der Zollmauern begonnen. Jetzt müsse man der Wa­shingtoner Regierung zurufen:Gehe hin und tue desgleichen."

Das neue Mitteleuropa.

Eine Mindcrheitenstimme aus der Tschechoslowakei.

Prag, 23.März. (TU.) ImBrünner Tagesboten" setzt sich der erste Wirtschafts­führer der deutschen Rationalsozialisten in der Tschechoslowakei, Senator Franz Iesser, mit der tschechischen Ansicht über Mitteleuropa aus­einander. Wenn Deutschland mit Frankreich und dem Südosten in engere Verbindung treten soll, dann muß es auch die Gewißheit haben, daß jene Staaten frei sind von allen offenen und ge­heimen Verpflichtungen, sich in den Dien st einer französischen Vorherrschaft in Europa zu stellen. Der Gedanke einer Ueber- prüfung der Friedcnsverträge im Sinne einer Wiederherstellung der Vorkriegszustände muh dem Gedanken Platz machen: Umbau und Reuaufbau auf der Grundlage der natür­lichen wirtschaftlichen, kulturellen und geschicht­lichen Zusammenhänge einschließlich der Anerken­nung der sogenannten Minderheiten als staatlich anerkannter nationaler Körperschaften. Senator Iesser schließt: Wir lehnen daher nicht nur eine französische, sondern auch eine deutsche Dorherrschaft ab. Die Brücke zwischen Deutschland und dem nichtdeutschen Mit­teleuropa bilden die Deutschen in Oesterreich und die vielen Millionen Deutschen in den Rach- solgestaaten. Wer sie in den Dienst eines deut­schen Imperialismus stellen will, gefährdet ihr politisches, wirtschaftliches und kulturelles Leben. Wer sie aber in den Dienst der Pflege der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen In­teressengemeinschaft stellt, erhebt ihr t einsames Dasein zu weltgeschichtlicher Bedeu- y.hmg.

Zurückhaltung in Rom.

Man wartet ab

Rom, 23. März. (TTl.) In italienischen amt­lichen Kreisen und in der Presse wird dem deutsch-österreichischen Zollabkommen in Erwar»

Deutschland feiert den Zehnjahrestag der oberschlesischen Abstimmung.

tung umfassenderer Mitteilungen starke Zu­rückhaltung entgegengebracht. Das halbanrt- licheG i o r n a l e d ' 2 t a l i a" erklärt die Mit­teilungen nicht für ausreichend, die über da« Abkommen von zuständiger Stelle mit großer Sparsamkeit und von der deutschen und öster­reichischen Presse mit größerer Ausführlichkeit, aber geringerer Zuverlässigkeit gemacht worden seien. DasL a v o r o F a s c ist a" gibt die Mel­dungen seiner Berichterstatter über die Aufnahme des deutsch-österreichischen Abkommens in den air- deren Ländern ausführlich wieder, ohne sich zu dem Abkommen zu äußern. Da es in diesem Falle sehr auf die Form des Abkommens ankäme, müsse man mit seiner Stellungnahme warten und sich von ausländischen Kommentaren nicht beeinflussen lassen.

Wenn die Abrüstungskonferenz scheitert.

Seeckt über das deutsch-französische Verhältnis.

Paris, 24. März. (WTD Funkspruch.) Dem Exelsior" erklärt der Reichstagaög. General- oberst v. Sceckt, Deutschland und Frankreich könn­ten wirksam aufwirtschaftlichemGebiete zusammenarbeiten. Bedauerlich sei jedoch, oah derartige Versuche fast immer auf denWr- d e r st a n d d e r P o l i t i k e r st i e h e n. Die Be­sorgnisse Frankreichs und Deutschlands lägen in der gleichen Richtung, nämlich in der Sorge um die Sicherheit. Sollte die Abrüstungskonfe­renz einen Mißerfolg bringen und der Völker­bund seine alte Politik fortsehen, dann müßte Deutschland ohne Zögern aus dem Völker­bund austretcn. Zwischen Frankreich und Polen eingekeilt, müsse Deutschland dann Ver­bindungen mit den Sowjets anknüp­fen, obwohl man in Deutschland sehr wohl wisse, daß diese den Feldzug gegen die sogenannten kapi­talistischen Länder predigten und dabei kaum einen Unterschied zwischen Deutschland, Frankreich oder England machten. Zum Schluß erklärte Seeckt, wenn er für den Krieg wäre, dann würde er sich nicht mit der Lösung der theoretischen Probleme abgeben.

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Der preußische Innenminister S e v e r i n g, Reichs­kanzler Dr. Brüning, Oberpräsident L u k a s ch e k bei der Feier.

Blick auf die Tribünen des Hindenburg-Stadions in Beuthen während der Feier.

Annahme der sozialdemokratischen Steueranträge im Reichstag.

Ein Tag -er Abstimmungen.

Schnelles Fortschreiten der Etatsarbeiten.

WER. Die heutige Reichstagssihung hatte sich mit einer Fülle von Anträgen und Vorlagen zu beschäftigen, die in mehr oder minder engem Zusammenhang mit der zweiten Etatsberatung stehen. Von einer lexRemarque" kann man bei einem sozialdemokratischen An­trag zum Lichtspielgeseh sprechen, der besagt, daß auch verbotene Filme auf Verlan­gen eines geschlossenen Personenkreises zugelas­sen werden müssen. Mit der Aenderung, daß es sich um eine Kann- und nicht um eine Muß- Vorschrift handeln soll, wurde die Rovelle an­genommen. Angenommen wurde eine Ro­velle zum Fleischbeschaugesetz, die Ver­längerung der P a ch t s ch u tz o r d n u n g bis 1932 und eine Rovelle zum Gesetz über die privaten Versicherungsunternehm un gen, die die Bausparkassen einbezieht und eine Verschär­fung der Versicherungsaufsicht bringt. Der von den Sozialdemokraten beantragte Gesetzentwurf über die Erhöhung der Aufsichtsrats­steuer von 10 auf 20 Prozent wurde endgültig mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommu­nisten. der Christlich-Sozialen und eines Teiles des Zentrums und der Bayerischen Dolkspartei angenommen, ebenso der sozialdemokratische Entwurf eines zehnprozentigen Ein­kommensteuerzuschlags bei Einkom­men über 20 000 Mark und eine kommu­nistische Entschließung auf Offenlegung der Ste uerlisten.

In namentlicher Abstimmung' wird mit 189 gegen 149 Stimmen eine von den Kommunisten beantragte und von den Sozialdemokraten unter­stützte Entschließung angenommen, wonach zur Senkung der Reubaumieten für alle nach dem 1. April 1924 erstellten Wohnbauten

eine Befreiung von der Grundsteuer der Länder und Gemeinden ab 1. April 1931 in Kraft tritt. Der volle Betrag dieser Steuer­senkung muß restlos von der Miete ab­gesetzt werden. Weiter soll zur Senkung der Altmieten auf den Stand der Friedensmiete d i c Hauszins st euer um 20 Prozent ge­senkt werden.

Der Reichstag beschäftigte sich dann mit An­trägen der Justizbehörden auf Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeord­neten. Es handelt sich dabei um nicht wen' 'C als 75 Abgeordnete. Der größte Teil da», .t wurde ohne Ausschuhberatung geneh­migt.

Das Kabinett lehnt die neuen Steuern ab.

Doppelvorlagc an den Reichsrat.

Berlin, 23.Mär;. (TU.) Roch der Annahme der sozialdemokratischen Steueranträge im Reichs­tagsplenum kam es am Montagabend zu einer erneuten Fühlungnahme zwischen dem Reichskanzler und den Vertretern der Volks­partei und der konservativen, die nach wie vor mit großer Entschiedenheit die Steuer- Projekte bekämpfen. Dem Schritt bei vr. Brüning schlossen sich u. a. auch Vertreter der christlich-sozialen Fraktion an, von der verschiedene Mitglieder für die Steueranträge ge­stimmt hatten. Der Reichskanzler ist mit dem Finanz- Minister nach wie vor der Meinung, daß die beschlossenen Steuererhöhungen untragbar sind. Die Reichsregierung wird deshalb dem Reichs­rat eine Doppelvorlage zuleiten, in der sie die Ablehnung der Steuererhöhungen fordert. Da es aber nicht sicher ist, ob der Reichsral

Afrika lacht!

Von Afrikaforscher Hans Schomburgt.

Ist wirklich der erste Eindruck, den ein Reisender von einem neuen Land gewinnt, für dos Land maß­gebend, so muß Afrika das Land des Lachens sein.

Fremder, ob du am Morgen oder Abend, bei Tage oder bei Nacht das Land betrittst, ein Lachen wird dich begrüßen. Lachende Sonne am stahlblauen Himmel. Schelmisch lächelnder Mond. Lächelnde, strahlende silberne Sterne.

Und lächelnd auch die Menschen. Alle! Sie scheinen zum Lachen geboren. Schwarz und glänzend dos Ge­sicht. weih die blitzenden Zähne, rot die breiten Lippen.

Fährst du mit dem Boot an den Strand, ein Lachen schallt dir entgegen. Lachende Gesichter trifft dein Blick.

Kaum ist der Zoll passiert, da stürzen schreiend, brüllend und immer lachend farbige Träger auf das Gepäck. Womöglich entspinnt sich eine Schlägerei. Aus dem schwarzen Menschenknäuel bringt manchmal ein Wehlaut, immer aber ein Gelächter. Lachend betrachten die schwarzen Zuschauer das interessante Schauspiel. Würdig erscheint ein schwarzer Polizist. Kaum sieht er das Schauspiel da verzieht sich auch sein Mund zu einem breiten Grinsen. Mit kräftigen Schlägen, dabei lächelnd und fluchend zugleich, treibt er die Kampfhähne auseinander. Die das Gepäck erwischt haben, sind die Sieger. Lochend und singend ziehen sie ab. Aber auch die Erfolglosen stieben lochend auseinander.

So begrüßt Afrika den Fremdling, der an seiner Küste landet. Und auch im Innern des Erdteils ist ein frohes Lachen die Begrüßung. Lachen ist in Afrika mehr als in irgendeinem Land der Welt ein Zeichen von Freude und Freundschaft.

Nähert sich im Innern eine Expedition, eine Karawane, einem Dorfe, so kommen Männer, Weiber und Kinder heraus, laufen den Ankömmlingen ent­gegen, begleiten sie unter Gesang und Lochen in das Dorf. Jeder erfahrene afrikanische Reisende weiß, daß dort, wo ihm ein solcher Empfang zuteil wird, Friede herrscht, daß er dort nichts zu befürchten hat. Aber in dem Dorfe, wo die Männer schweigend vor ihren Hütten sitzen, keine Frauen und Kinder zu sehen sind, da heißt es auf der Hut fein, da droht Gefahr.

Nun zeigt cs sich, ob der Expeditionsleiter die Seele Afrikas versteht. Gelingt es ihm, den Ein­geborenen in dem jetzt entstehenden Palaver durch

geschickte Redewendungen auch nur ein Lächeln ab­zugewinnen, so hat er gewonnenes Spiel.

Waffen und Soldaten sind sicher angenehme Reise­begleiter, aber wichtiger ist zur rechten Zeit ein fröh­liches Lachen. Wie manche Expedition, die in uner­forschte Gebiete vordrang, dort Eingeborene traf, die den Weißen feindlich waren, und in die Situa­tion tarn, wo Krieg und Frieden auf des Messers Schneide stand, ist durch ein fröhliches Wort im rechten Augenblick, das die Eingeborenen zum Lachen brachte, gerettet worden.

Aber nicht nur mit feindlichen Eingeborenen, son­dern auch mit den Trägern ergeben sich häufig Situationen, die das Wohl und Wehe einer For­schungsreise in Frage stellen. Man kann unbesorgt schlafen, wenn vorn Lagerfeuer der Träger Singen und Lachen erschallt, aber wehe, wenn der Neger anfängt zu grübeln.

Meine erste wirkliche Forschungsreise unternahm ich im Jahre 1904 zur Entdeckung der Quelle des Kambompo-Flusses an der Wasserscheide des Kongo und Zamdesi. Es war eine schwere, anstrengende Expedition, mitten in der großen Regenzeit. Feind- liche Eingeborene, die uns umlauerten. Verlassene Dörfer, in denen keine Verpflegung für die Träger zu haben war. Täglich desertierten einige unserer Leute.

Und dann kam kurz vor Weihnachten die Entschei­dungsstunde. Geschlossen kamen die Träger in unsere Zelte und weigerten sich' weiter zu marschieren. Und da hatte ich ein Beispiel vor mir, das mir in meiner ganzen späteren Afrikazeit vor Augen stand. Der Bezirksamtmann M., ein alter erfahrener Afrikaner, ließ die Leute ruhig reden, sah sich nur forschend im Kreise um; ich sah. wie feine Nerven gespannt waren, wußte auch, was es für ihn bedeutete, wenn er die Expedition hätte abbrechen müssen. Sein Blick fiel auf einen Träger, der ruhig dasaß und sich seinen Rücken kratzte. Der-Neger legte beim Kratzen eine solche Andacht an den Tag, daß er daraus fast eine feierliche Handlung machte. Diesen harmlosen Mann machte M. zum Ziel eines Witzes. Mitten in der ernsten Verhandlung, von der für uns der ganze Erfolg unserer Reise abhing, fand er das treffende Wort, alle Köpfe wandten sich nach dem ahnungslos Dasitzenden um. Die eben noch s* finsteren Gesichter erhellten sich. Ein breites Grinsen erschien auf den wulstigen Lippen, um gleich darauf in ein befreien­des Lachen überzugehen. Die Situation war gerettet. Ein Lachen hatte es uns ermöglicht, trotz allen Schwierigkeiten, die Quelle des Kabompo-Flusfes zu entdecken.

Der Neger ist zum Lachen geboren. Ein Spaß- macher in einer Karawane ist mehr wert als der fleißigste Arbeiter. Der Neger liebt es, feine Er­zählungen mit Gesten zu begleiten, und die drasti­schen Scherze der Neger am Lagerfeuer sind nichts für empfindliche Ohren.

Die feine Pointe eines europäischen Witzes wird der Neger nie erfassen. Er findet nur Gefallen an möglichst drastischen, mit vielen Bewegungen be­gleiteten Erzählungen. Andererseits ist der Neger wie ein Kind. Für ihn gilt in Wahrheit das Sprichwort: Schadenfreude ist die reinste Freude. Nie wird man einen Neger so von ganzem Herzen lachen hören, als wenn einem Kameraden ein Mißgeschick zustößt. Wenn bei einer Reise die Sümpfe überschritten wer­den, und einer der Neger verliert das Gleichgewicht, so entsteht über dies Unylück ein brüllendes Ge­lächter. Wohl helfen ihm feine Kameraden sofort aus der gefährlichen Lage, aber auf ein Bedauern darf er nicht hoffen. Er sieht seine Kameraden, die sich brüllend vor Freude den Bauch halten, und nachdem er sich den beißenden Schlamm aus Augen und Ohren gewischt hat, stimmt er selbst in das Gelächter mit ein.

Die größte Freude für den Neger ist es aber, wenn er Gelegenheit hat. über feinen weißen Herrn zu lachen. Er wagt es nicht in dem Augenblick, wo dem Weißen durch feine Ungeschicklichkeit ein Miß­geschick widerfährt. Dazu ist er zu klug, denn er weiß, daß mit dem Europäer in solchen Fällen nicht zu spaßen ist. Aber abends am Lagerfeuer, wenn die Ereignisse des Tages durchgesprochen werden, wenn man den Herrn in gebührender Entfernung glaubt, bann tritt bestimmt ein guter Schauspieler auf, um den Unfall des Weißen in allen Einzelheiten nach- zuahmen. Es erschallt dann ein Jauchzen und Schreien, ein Lachen und Wiehern, und wenn der Europäer, der die Karawane führt, feine schwarzen Kinder liebt und begreift, dann wird er zu ihnen hinausgehen, sich den Scherz noch einmal vorführen lassen und in das Lachen mit einstimmen. Mit diesem Lachen hat er dann bestimmt die Herzen seiner Schwarzen erobert.

Auch der mehr oder weniger zivilisierte Neger der Küstenstädte hat für europäischen Humor wenig Sinn. Dies kann man besonders gut beobachten, seitdem der Film nach Afrika gekommen ist.

In Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, be­suchte ich eines Taaes eine Filmvorführung. Es wurde ein amerikanisches Lustspiel gezeigt. Die Ne- ger betrachteten die Vorgänge auf der Leinwand ziemlich gleichgültig. Als aber der Liebhaber die Liebhaberin küßte, brach ein schallendes Gelächter

los.Sieh' mal, die Europäer beißen sich". Der Kuh ist in Afrika unbekannt, lieber diese Handlung leg­ten sich erst die Wogen der Begeisterung nach langer Zeit. Wenn sie auch den Film nicht verstanden hat­ten, so war diese Episode sicher noch lange das Ge­spräch in den Negerhütten.

Lachen ist auch in den zivilisierten Ländern der beste Passierschein. Aber in Afrika kann man mit einem Lachen zur richtigen Zeit auch den wildesten Kannibalen zum freundlichen Kinde machen.

Tonfilm:Einbrecher".

Dadurch, daß sich der Titel dieses Tonfilms (Manuskript von Robert Liebmann und' Louis V e r n e u i I) sowohl auf leerstehende Woh­nungen als auch auf leerlaufende Ehen bezieht, das heißt also durch die Ueberfchneidung von Kriminalstück und Liebesgeschichte, ergibt sich eine von der Regie (Hanns Schwarz) sehr geschickt ausgenuhte, natürliche Spannung. Man hat nun längst herausbekommen, uaß im Film mit der sogenannten neuen Sachlichkeit nicht besonders viel anzufangen ist; diesemusikalische Ehekomö­die", so lautet der Untertitel, ist kein Doku­mentenstück und keine Reportage, sondern ein ganz romantisches Stück (typisch dafür: das hübsche Marionetten- und Spieluhr-Motiv!) ein ©tüd also, welches seine Szenerie auf die einfachste und herkömmlichste Weise vor aller unerwünsch­ten Realistik bewahrt, indem es in den verfäng­lichsten Augenblicken ganz harmlos und vperetten- mäßig in eine Schlagermelodie, ein kleines Ehan- son und ein paar Tanzschritte abbiegt und ein* mündet. (Musik von Friedrich Hollaender: gefällig, aber nicht so einprägsam wie etwa die Partitur derTankstelle" oder desLiebes­walzers"; Texte von Liebmann: man muß nicht so genau hinhören.) Der Schluß der ein­fallsreichen und gut photographierten Bild folge ist, wirkungsvoll inszeniert, nicht nurhappy", sondern auch noch überraschend moralisch, so daß jedermann aufatmend und befriedigt nach Hause geht. Eine ausgesuchte Besetzung. Das Liebespaar FritschHarvey sicht man immer wieder mit Vergnügen. Zwei gute Komiker: Rühmann (aus derTankstelle") und Ralph Arthur Ro­berts. Außerdem: Oskar Sima, die verstor­bene Margarethe K o e p p k e (ein sehr merk­würdiger Eindruck!), Gertrud Wolle, Ger- rort und Henckels. Der Film läuft seit gestern im Lichtspielhaus. -r- .