Ausgabe 
24.1.1931
 
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Doll sollte aber nicht vergessen, daß, wie Cur- tius' Plädoyer nur ein Anfang war, Hinte« dem die eigentliche Arbeit erst folgen muhte, die ganze Minderhcitenbeschwerde in Genf nur ein Dorpostengefecht ist, auch nur ein Anfang, über dessen, wie wir hoffen und wünschen, glück­lichem Gelingen wir nicht das weitergesteckte, größere Ziel aus dem Auge verlieren wollen: unsere Grenze im Osten, ohne deren Revision wir ein sterbendes Volk sind.

Noch kein Beschluß über die Minderheitenbeschwerde.

Schwierige Verhandlungen über den Ratsberick t.

Genf, 23. Jan. (DTR.) Die Arbeiten des japa­nischen Berichterstatters Zoshisawa über den Bericht zu den deutschen Beschwerden dauerten den ganzen Tag an und waren kurz vor Mitternacht noch nicht beendet. Man glaubt, daß der Be­richterstatter seine Bemühungen auch am Samstag­vormittag noch fortsehen wird. lieber die Formu­lierungen des Berichtes und über die Ergebnisse, die bisher erzielt worden sind, sind die verschiedensten Gerüchte im Umlauf. Alle diesbezüglichen Meldun­gen müssen deshalb mit größter Vorsicht ausgenommen werden. Bis jetzt scheint lediglich festzoslehen, daß der polnische Außenminister dazu gebracht werden wird, in dem Bericht anzuerkennen, daß Verstöße gegen die Artikel 75 und 83 der Genfer Konvention vorgekom­men sind, und daß der Rat darüber seine Mißbilligung aussprlcht. Der polnische Außenminister soll sich auch weiter bereitgefundea haben, dem Rate in der Mailagung zu berich­ten, was zur Vermeidung solcher Vor­fälle inzwischen unternommen wor­den ist. Schließlich wolle er keine Einwendungen erheben, wenn der Rat verlange, daß die polnische Regierung die Zusage geben müsse, aufprivate Organisationen" Zaleski betrachtet den Aufständischenverband als solche Organisation einzuwirken, daß sie sich solcher Handlungen, wie sie den Aufständischen zur Last gelegt werden, enthalten. Was den vierten Punkt der deutschen Forderung betreffend die Garantie für die Zukunft angehl, so wird zwar der Rücktritt des Woiwoden Graczynski nicht direkt angeführt, jedoch erklärt, daß die Untersuchung über die Vorgänge und die schuldigen Beamten nicht vor denhöch- ften Stellen halt machen würde.

Wie der Vertreter der Telegraphen-Union von maßgebender Seile erfährt, ist ein am Freitagabend der deutschen Abordnung übermittelter Entwurf für den Bericht des völkerbundsrales von deutscher Seite ab gelehnt worden, da er den deutschen Forderungen in den Hauptpunkten in keiner Weise Rechnung trug. In diesem Entwurf war es der polnischen Regierung überlassen, ohne jede Kontrolle die notwendigen Maßnahmen zu treffen, von anderer Seite verlautet, daß die polnische Vertretung selbst den die deutschen Forde­rungen nicht entscheidend berücksichtigenden Punkten des Berichtes neue Schwierigkeiten entgegensetzt. Es muß also doch noch mit sehr hartnäckigen und länger dauernden Verhandlungen gerechnet werden.

Die Beschießung des Dampfers Vaden" vor dem Seeamt.

3m großen Schwurgerichtssaal des Hamburger Strafjustizgebäu^s trat das Seeamt zur Behand- tung des FallesBaden" zusammen. DenBor- sih führt Direktor Dr. Schoen, als Beisitzer sind . drei Kapitäne und ein Kaufmann anwesend: als Reichskommissar ist Vizeadmiral a. D. von Uslar .zugegen, als Schiehsachverständiger Korvetten- ^kapitän Kienast von der Marineleitung Berlin. , Zu den Vorgängen im Hafen von Rio de Janeiro am 24.Oktober 1930, während der letzten Revolution in Brasilien, äußert sich zu­nächst Kapitän Rollin. Mit Rücksicht auf die durch die Tlnruhen geschaffene ungewöhnliche Lage habe er sich zu dem üblichen Passierschein der Hasenpolizei nocheinen besonderenPas- sierschein erbeten, um alle Schwierigkeiten zu vermeiden. Der Schein besagte, daß keine Bedenkengegen die Ausfahrt derBa­den" beständen. Den Vermerk, sich mit dem Kommandanten des zu passierenden Forts in Verbindung zu sehen, hat Rollin übersehen. Das Schiff hatte alle üblichen Flaggen gesetzt. Eine Meile vor dem Fort Santa Cruz wurde Signal gegeben, um die Aufmerksamkeit auf dieBaden" zu lenken. Der Dampfer war bereits zehn Minuten am Fort vorbei, als man einen Schutz hörte. Es folgte eine zweite Detonation, und während man von oer Schiffsbrücke das Fort beobachtete, folgte der dritte Einschlag, der die schweren Brrwüstungen auf dem Hinterschiff anrichtete. Diesen Schuh hatte das Fort Vivia abgegeben. Man hätte das Schiff auch anders zum Stoppen bringen kennen, des scharfen Schusses hätte es nicht bedurft. Kapitän Rollin war stets der Meinung, daß die Schüsse gar nicht der Baden" galten.

Der Erste Offizier Camm ann, der nach dem Kapitän gehört wird, hatte von der Ausstellung des Sonderpasses gehört und dämm ebenfalls an keinerlei Gefahr gedacht. Das Signal vom Fort hat er für ein nationales Signal gehal­ten, das derBaden" nicht gelten konnte.

Der deutsche Bordarzt erklärte, daß er bei der Behandlung der Verletzten von seinem portu­giesischen Kollegen imStichgelassen worden sei. Der spanische Arzt habe sich krank ge­meldet; vom Hafenkapitän in Rio sei dem Bordarzt kein Kollege zur Verfügung gestellt worden.

Nach Anhörung des Schießsachverständiaen und längeren Ausführungen des Reichskommissars, die sich im wesentlichen mit dem nachfolgenden Spruch decken, verkündete das Seeamt seinen Spruch. Der Spruch besagt, daß der traurige Vorfall zunächst durch die Besatzung des Forts Santa Cruz verschuldet worden sei, deren nicht ver­ständliches Signal erst die Möglichkeit zu dem schlecht gezielten Warnungsschuß des Forts Vigia schuf, durch den dann 31 Menschen getötet und 39 verwundet wurden. Neben den Besatzungen der beiden brasilianischen Forts trage Kapitän Rollin von derBaden" insofern einen Teil der Schuld, als er den Passus in seinem

Noch kein neues Kabinett in Frankreich.

Bemühungen um eine Konzentration. Wird Briand die Regierung bilden?

Paris, 23.Jan. (WTB.) Allgemein wird an­genommen, daß vor morgen der Präsident nicht diejenige Persönlichkeit berufen wird, der er die Kabinettsbildung zu übertragen gedenkt. In den Wandelgängen des Parlaments herrscht die Erre­gung, die eine Ministerkrise sonst im Gefolge zu haben pflegt. Es scheint, als ob man einen neuen Konzentrations ° Versuch unternehmen möchte. Man erklärt nämlich, daß die parlamen­tarische Lage einen derartigen Versuch notwendig macht; denn man müsse unverzüglich das Budget und auch den Wirtschaftsreformplan zur Verabschie­dung bringen. Außerdem sei die Annahme der Ko­lonialanleihe ein dringendes Bedürfnis. Von An­hängern des linken Flügels der Mittelparteien wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Betrauung Steegs ja auch keinen anderen Zweck gehabt habe, als den normalen Verlauf des Parlamentslebens sicherzustellen. Aus allen diesen Gründen sei es not­wendig, daß die verschiedenen Fraktionen der Mitte ihre persönlichen Ansichten zurückstelltcn, und sich, wenn möglich, mit den Radikalen zu einer gemeinsamen Anstrengung vereinigen. Es ergeht also aus den Reihen der Fraktion Loucheur, die gestern zum Sturze des Kabinetts dadurch beigetragen hat, daß acht Mitglieder sich enthielten und vier an der Ab­stimmung nicht teilnahmen, da sie abwesend waren, der Ruf nach einem erneuten Versuch republika­nischer Konzentration, die von den Radika­len bis zu der Maginot-Gruppe gehen soll.

Senator Victor Berard erklärte beim Ver­lassen des Elysöes, er sehe nur zwei Möglichkeiten, entweder Aussöhnung der Parteien oder Auf­lösung der Kammer. Paul-Boncour er­klärte beim Verlassen des Elysöes, er habe den Präsidenten der Republik auf außenpolitische Er­wägungen aufmerksam gemacht. Eigentlich müßten die außenpolitischen Probleme die Bil­dung der Regierung bestimmen; denn einzig und allein über diese Probleme gebe es in der Kammer eine feste Mehrheit, und trotzdem gelinge es nicht, eine Regierung 311 bilden, die diesen Ge­danken zum Ausdruck brachte, weil persönliche und parteipolitische Intrigen es verhinderten. Man müsse unter diesen Umständen das Land selb ft auf­fordern, sich auszusprechen.

Die Agentur Havas will erfahren haben, daß man heute abend in politischen Kreisen allgemein Briand als den geeignetsten Politiker für die ^lebernahme der Kabinettsbildung ansieht, da er infolge seiner Autorität und seiner Erfah­rung die Schwierigkeiten der gegenwärtigen po­litischen Lage am besten meistern könnte.Matin" schreibt aber, es sei zweifelhaft, ob Briand an-

Ausfahrtsschein, welcher ihn anwies, sich mit Santa Cruz in Verbindung zu setzen, übersah. Mit Rücksicht auf die unruhige Lage hätte er ohnhin besser getan, schon sogleich nach dem unverständlichen Santa-Cruz-Signal zu stoppen. Die nach dem Vorfall von der Schiffsleitung und dem Bordarzt veranlaßten Maßnahmen erkennt das Seeamt als ordnungsgemäß an.

Verbotene

Reichsgründungsfeiern.

Scharfe Mißbilligung des Verbots durch den Minister.

Berlin, 23. 3an. (WTB.) 3n Frankfurt u.O. hatte die Regierung die von einer Rektorenkonferenz beschlossenen Reichsgrün­dungsfeiern in den Volksschulen verboten und bereits in Gang befindliche Feiern abbrechen lassen. Wie amtlich mit» geteilt wird, hat die Untersuchung der Vorgänge ergeben, daß die Regierung in der Tat e i n Verbot der Schulfeiern sowohl schriftlich wie telephonisch ausge­sprochen hat. Der Minister für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung hat daraufhin am 23. d. M. in einem an die Regierung in Frankfurt a. O. gerichteten Erlaß das Verhalten der Regierung auf das schärfste mißbil­ligt und im übrigen zusammen mit dem Mi­nister des Innern das Erforderliche ver­anlaßt. Dabei war gleichzeitig entscheidend, daß der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung als selbstverständlich vorausgesetzt hatte, daß des Reichsgründungstages auch ohne besondere Anordnung gedacht würde. DieGermania" erfährt, daß der für den Zwischenfall verantwortliche Beamte, der Leiter der Schulabteilung des Regierungspräsidiums in Frankfurt a. O., versetzt werden wird.

Frick über die nationalsozialistischen Ziele

K ä s s e l, 23. 3an. (TLl.) Am Donnerstagabend sprach der thüringische Staatsminister Dr. Frick in Kassel. Er führte u. a. aus:Wir Rational­sozialisten, die wir grundsätzliche Anhänger det Diktatur sind, wollen diese Verfassung dazu be­nutzen, um die Diktatur Brüning zu stürzen, weil sie nicht zum Besten des deutschen Volkes ausgeübt wird, sondern ^diglich, um wei­ter Erfüllungspolitik zu treiben." Der Redner po­lemisierte scharf gegen den Reichsinnenminister Wirth und den Prälaten Kaas. Wenn man glaube, heute noch mit den Rationalsozialisten eine Regierung bilden zu können, so irre man sich. Rach dem 14. September hätten sich die Ratio­nalsozialisten noch mit den beiden Ministerien des Inneren und der Reichswehr begnügt. Heute seien sie dazu nicht mehr bereit, sondern heute laute ihre Forderung, daß dasDolkbe- fragt werden muß, wie eine neue Regierung aussehen soll. Die RSDAP. verlange daher Auflösung des Reichstages und des Preußischen Landtages. Die Finanzen könnten erst gesunden, wenn die deutsche Wirt­schaft von den Tributen befreit wäre. Er habe kürzlich Gelegenheit gehabt, vor Indu­striellen des Ruhrgebietes über den Rationalso­zialismus zu sprechen. Man habe ihn da nach dem Wirtschaftsprogramm der Ratio­nalsozialisten gefragt. Hierzu sei zu sagen, daß den Rationalsozialisten die großen Richt­linien genügten, die sie in den bekannten 25 Punkten festgelegt hätten. Eine engeAmgren- zung sei angesichts deS ständigen Wechsels der Wirtschaftserfvrdernisse nicht möglich. Die

nehme. Er habe als Außenminister eine un- gehenre Aufgabe zu erfüllen, für die er seinen Ramen eingesetzt habe und die ihm am Quai d'Orsay und in Genf festhalte. Diese Aufgaben unter den gegenwärtigen Llmständen noch mit der arbeitsreichen Aufgabe der Ministerpräsident­schaft zu vereinigen, verlange Rachdenken und rechtfertige ein Zögern. Sollte Briand sich wei­gern, diese Aufgabe zu übernehmen, so scheine zunächst Senator Pierre Laval in Frage zu kommen. Die Bestrebungen der Mittelparteien würden jedoch auf Widerstand stoßen in dem Augenblick, in dem man an die Zusammen­setzung des Kabinetts denkt. Louis M a - r i n habe bereits gestern in einer Erklärung an Pressevertreter die Radikalen provoziert, selt­samerweise solle sich die Fraktion Maginot mit der Fraktion Marin solidarisch erklärt haben. 3n diesem Falle wäre die Lage klar: das Ver- ständigungskabinett, von dem man spreche, würde also von denRadikalen bis einschließ­lich zu den Linksrepublikanern gehen und eine Mehrheit von 40 bis 50 Stimmen haben, wenn man mit den stets zu erwartenden Ab­splitterungen rechnet. Auch bei dieser Kombinat tion*gebe es ein Aber, und dieses Aber heiße: Tardieu.

Oie Kandidatur Briands.

Keine Unterbrechung oer Arbeiten in Genf.

Genf, 23. 3an. (TA.) Briand beabsichtigt, am Samstagnachmittag nach Paris zurück» zukehren, auch wenn die Tagung des Volker- bundsrates bis dahin noch nicht abgeschlossen ist. Der Außenminister soll vom Präsidenten der Re­publik in der Freitagnacht sogleich nach dem Sturze des Kabinetts telephonisch ersucht worden sein, nach Paris zurüazukehren, Hut jedoch dieses mit dem Hinweis auf die schwebenden Ver­handlungen über die deutsche Beschwerde in der Oberschlesienfraae abgelehnt. Wie in gut- unterrichteten Kreisen jedoch verlautet, soll an maßgebender französischer Stelle der Wunsch be­stehen, Briand die Kabinettsbildung zu übertragen. Briand soll dies ablehnen, aber das Portefeuille des Außenministers beibehalten wol­len. Briand soll erklärt haben, er hoffe, daß bis zu seiner Abreise die Hauptpunkte der jetzigen Ratstagung erledigt werden können. Durch seine Abreise würden im übrigen die Genfer Arbeiten nicht beeinflußt. Für den Rest der Tagung würde M a s s i g l i, der Direktor der Völkerbundsabteilung im französischen Außen­ministerium, seine Vertretung im Rate über­nehmen.

deutsche Wirtschaft sei heute abhängig von der deutschen Politik. Tributlasten und Zinsen be­trögen den Volksgenossen um den Ertrag seiner Arbeit.

Adolf Hitler hat aus Anlaß der einjährigen Ministertätigkeit von Staatsminister Dr. Frick in Weimar folgendes Telegramm an den Mini­ster gerichtet:Aus Anlaß Ihrer nunmehr ein 3ahr währenden Ministerschaft drücke ich Ihnen namens der nationalsozialistischen Bewegung mei­nen tiefgefühlten Dank für Ihre Arbeit in der Vergangenheit, mein unbedingtes Vertrauen zu Ihrem Werk in der Zukunft aus."

Aus aller Welt.

Der Reichspräsident Protektor der internationalen Automobilausstellung Berlin 1931.

Der Reichspräsident hat dem Reichsver­band der Automvbilindustrie, dem Veranstalter der internationalen Automobil- ausstellung Berlin 1931, mitteilen lassen, daß er das Protektorat über die Ausstellung am Kaiserdamm übernommen habe.- Der Reichs­verband der Automobllindustrie bemerkt dazu: Es ist das e r st e Mal während seiner Amts­tätigkeit, daß der Herr Reichspräsident das Protektorat über eine intern atio - nal« Ausstellung übernimmt. Diese Tat­sache erhellt die große Bedeutung, die man in Regierungskreisen dem Kraftfahrwesen als einem der entwicklungsfähigsten Zweige unserer Wirt­schaft beimißt. Krastfahrzeugindustrie und Han­del glauben daraus den Willen der Regierung erkennen zu können, dem deutschen Krastfahr- wesen als einem in volkswirtschaftlicher und sozialer Hinsicht besonders wichtigen Zweige der Gesamtwirtschaft künftig mehr als bis­her Förderung und Unterstützung zu­teil werden zu lassen.

Ellh Beinhorn im Sandsturm nach Rio d'Oro.

Die Afrika-Fliegerin Ellh Beinhorn geriet auf der Flugetappe Iu b hC i s n e r o s in einen sur die dortige Gegend typischen Sandsturm, dem sie nur durch Umfliegen auf das Meer hinaus entgehen konnte. Sie konnte vorher nichts über ihren Verbleib melden, da die Küsten­stationen teilweise durch die Stürme der letzten Tage gestört waren. Elly Beinhorn, die am Donnerstag um 9.30 Uhr von Cap Iuby ab-- geflogen war, ist ohne Zwischenfall in Rio dOro gelandet.

Wieder drei Lawinenopfer.

Ein bedauernswertes Unglück ereilte am'nnere- tag sechs junge Leute in den französischen Alpen bei Saint Jean de Maurienne Auf einem schmalen Felsweg wurden sie von einer Schneelawine überrascht, die alle sechs unter sich be­grub. Drei von ihnen gelang es, sich selbst zu be­freien. Die übrigen drei liegen unter einer derartigen Masse Schnee, daß es den sofort herbeigeeilten Hilfs­mannschaften nicht möglich war, bis zu ihnen vorzu­dringen. Es besteht keine Hoffnung mehr, die Opfer lebend zu retten.

Zwei Skifahrer in Tirol von einer Lawine verschüttet.

Zwei an einem Skikurs in Kühtai teilneh­mende Herren, Oberregierungsrat Anders aus Wuppertal und ein Ingenieur Kaspar aus Prag, bestiegen, obwohl sie davor ge­warnt worden waren, den Dirschkogel. Beim Ueberfahren eines Grates löste sich eine Lawine und verschüttete beide Skifahrer. Dis Donnerstagabend war es noch nicht gelungen, die Verunglückten zu bergen.

Erdbeben auf Java.

Oluf Mittel-Java tn der Rahe der Residenz Teghal und de- Vulkan- Slamet wurde ein

schweres Erdbeben verspürt. Bereits am Don­nerstagabend wurde mitgeteilt, daß achtzehn Personen ums Leben gekommen sind. Hunderte von Wohnungen der Eingeborenen finb schwer beschädigt oder vollständig zertrümmert. Der Schaden wird auf 100 000 Gulden geschäht. Sämtliche Verbindungen sind unterbrochen. Auch in der Rächt zum Freitag wurde ein neues Erd­beben verspürt. Die ganze Luft war von starken Schwefeldämpfen erfüllt.

Feuer in einem rheinischen Kinderheim.

Im katholischen Kinderheim St. Michael in W u p° perthal brach aus noch unbekannten Gründen im Dachstuhl Feuer aus, das bei dem herrschenden Sturm sich bald über das ganze Dachge­schoß ausdehnte. Da das Feuer rechtzeitig entdeckt wurde, konnten alle 200 Kinder im Alter von 2 bis 14 Jahren gerettet iverden. Dem Eingreifen der gesamten Elberfelder Feuer­wehr gelang es, den Brand auf das Obergeschoß des Hauses zu beschränken, das vollkommen zerstört wurde. Der Schaden ist beträchtlich.

Der Prozeß gegen den Goldmacher Tausend.

Im Prozeß gegen den Goldmacher Tausend wurde der Präsident des Verwaltungsrates der Deutschen Rentenbank, Geheimrat von Lentze, gehört. Er bekundete, daß nach einem Besuch des Fabrikanten Mannesmann dieser später mit Tausend zu ihm gekommen sei, um ihn für das Verfahren zu inter­essieren. Es wurde ihm dabei ein Goldklum­pen etwa in der Größe eines Enten­eies gezeigt, der aber eine anbex^e Struktur aufwies als reines Gold. Er, Geheimrat Lentze, habe sich aber ablehnend verhalten, da für ihn als Präsidenten des Verwaltungsrates der Deutschen Rentenbank eine private Beteiligung nicht in Frage tarn. Als weitere Zeugen wurden der Fabrikant Peter aus Köln, sein Stiefvater W a t r i n - Köln, Fabrikant Fritz v. Winkler- Dresden und Fabri­kant Eicken- Hamburg, die sich durch die ihnen vorgeführten gelungenen Versuche zu Geldeinlagen in die Gesellschaft 164 haten bestimmen lassen, ver­nommen. Sie erklärten ausnahmlos, daß die Versuche einwandfrei waren. Einige dieser Zeugen wohnten dann noch späteren Versuchen Tausends bei, die immer glänzendere Erfolge hatten. So berichtet Watrin über einen Versuch Mitte des Jahres 1928, wobei aus 3 Kilogramm Ma­terial 750 Gramm Gold ausgeschmol- 3 e n wurden. Der Zeuge Peters erklärte u. a., daß er feine persönliche Einlage von insgesamt 80 000 Mark im vaterländischen Interesse her- gegeben habe und auf die Wiedererstattung verzichte. Er zeigte auch einige kleine Goldkügelchen vor, die er von Tausend als Andenken bekommen habe.

Schiffskalaslrophe auf dem Schwarzen Meer.

Auf dem Schwarzen Meer ist ein Passagier- und Frachtdampfer im Sturm gesunken. 18 Fahrgäste und 36 Mann Besatzung sind er­trunken. Richt weniger als 17 Fischer- bvvte werden vermißt. Zur Hilfeleistung der in Seenot befindlichen Fifchdampfer sind sow­jet-russische Kriegsschiffe ausgelaufen.

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©wolkenlos. O netter O nato Bedeckt ® wolkig. Bedeckt »Regelt

* Schnee c» Graupeln Neoei "K tewitter.(§)Wind$tiiie. «O> sehr (elchter Osi _p massiger Südsüdwest Q stürmischer Hordwes» bie Pfeile fliegen mit dem Winde Oie oeioen Stationen stenenden zsh» len gehen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichen* auf MeeresmVeau umgerechneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Mit der südöstlichen Bewegung der Nordmeer- störung hat sich ihr Einfluß bereits über ganz Deutschland ausgedehnt. Dabei haben besonders im Bereich der Warmluft die Temperaturen ihre Werte so erhöht, daß sie heute morgen nur noch im nord­östlichen Teile des Reiches etwas unter Null lagen. Der Nachschub milderer ozeanischer Luft dauert an, wenn auch mit dem Drehen der Winde nach Westen zu eine Auffrischung eintritt. Die Wetterlage bleibt vorerst unbeständig, wobei zeitweise die Luftbe­wegung zunimmt. Die Niederschläge, welche in Form von Schauern auftreten, dürften nur leichterer Art fein/

Aussichten für Sonntag: Veränder­liches Wetter, wechselnd bewölkt mit leichten Re­genschauern und vorübergehendem Aufheitern, mild, aber im ganzen etwas frischer, zeitweise leb­hafte westliche Winde.

Aussichten für Montag: Mehr auf­heiterndes, aber noch wolkiges Wetter bei Aus- klaren, Temperaturen nachts unter Rull.

Lufttemperaturen am 23. Januar: mittags 7,4 Grad Celsius, abends 6,8 Grad: am 24. Januar: morgens 6,7 Grad. Maximum 8,9 Grad, Minimum 3,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Januar: abends 0,6 Grad; am 24. Januar: mor­gens 1 Grad Celsius. Niederschläge 1,3 mm. Sonnenscheindauer 1% Stunden.

Amtliche Allntersportnachrlchten.

Vogelsberg, Hoherodskops: Klar, 1 Grad, 10 cm Schnee, verharscht, nur im Wald Sportmöglichkeiten.

Schwarzwald: Schneeregen, 1 Grad^ 90 cm Schnee, Ski und Rodeln gut.

Alben, Garmisch-Partenkirchen: Bewölkt3 Grad. 19 cm Schnee, gekörnt; Ski und Rodeln gut