Samstag, 24. Januar
Nr 20 Erstes Statt
M. Jahrgang
SS
um von diesem sicheren Wicderaufbaufundament an die Wicderausbauarbcit heranzugchen. Je mcljr cs gelinge, daß alle Berufsgruppen unter Hintansetzung ihrer Sonderinteressen sich aus einer gemeinsamen großen Linie zusammensinden, um so besser rönne der Vormarsch zum wirtschaftlichen Wiederaufbau angetretcn werden, und der wirtschaftliche Wiederaufbau werde dann den Weg zu aktiverer Außenpolitik und zu wirtschaftlich produktiver Arbeit und finanzieller Entlastung der Wirtschaft frei machen.
Die Veranstaltung war ein lebendiges Spiegelbild der gegenwärtigen Wirtschaftslage und der in_ den Kreisen der Unternehmerschaft herrschenden Stimmung. Die Gereiztheit, die sich in den Reden und mehr noch in den Zwischenrufen mit deutlicher Spitze gegen die Reichsregierung und den Reichskanzler Luft machte, legte sich jedoch während der Rede des Kanzlers mehr und mehr, der sehr temperamentvoll und frei sprach und bald volle Auf» merksamkeit gewann. Zum Schluß erntete der Reichskanzler außerordentlichen Beifall.
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Chefredakteur:
Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen
Der polnische Außenminister Z a l e l k i, dem es — ■ । vor dem Dölkerbundsrat
Freundschaft in Paris und noch weniger in London von diesen Extratouren des polnischen Der- bünde'.cn im Augenblick nicht übermäßig entzückt ist und daß man die 2Ninderheitcnbeschwerce vor dem Dölkerbundsrat als unbrquem empfindet. Er wird ihm auch einige Verhaltungsmaßregeln mit aus den Weg gegeben habm, um die peinliche Angelegenheit möglichst schnell der öffentlichen Diskus ion zu entreißen und in einer Kommission verschwinden zu laisen. Zaleski wird dieses Rezept anscheinend brauchbar gefunden haben. Anders ist es kaum erklärlich, wie er in seiner vorher bereits formulierten Erklärung vor dem Rat ohne aus die Rede des deutschen Außenministers einzn» gehcn, auf allen Theaterdonner und Entrüstungssturm verzichtete, mit einigen Wenn und Aber einen großen Teil der ausgeführten Vorfälle zugab. auch einräumte, daß gewisse Destimmungen der Minderheitenverträge verletzt worden seien und schließlich Genugtuung und Schadenser atz zu- sagte. Dabei liefen dem Polen allerdings einige üble Entgleisungen unter, deren gröbste, die Gleichstellung des polnischen Ausständischenver- bands und seines Ehrenvorsitzenden Graczynski mit dem deutschen Stahlhelm und seinem Ehrenmitglied dem Reichspräsidenten von Hindenburg, Dr. Curtius in seiner erheblich schärferen 2tef>lil sofort als durchaus ungehörig und in der Sache völlig verfehlt gebührend anprangerte und mit Empörung zurückwies, daß die in seinem Verantwortungsgefühl und Gecechtigkeitslinn verehrungswürdige Gestalt Hindenburgs mit einem 2n- dividuum wie Graczyniki in einem Atemzuge genannt werde, wie er es sich überhaupt verbat, das Staatsoberhaupt in die Debatte zu ziehen. Es ist erfreulich, toenn auch eigentlich selbstver-
G en f, 23. Jan. (IU.) Der Völkerbunds, r a k hat in seiner Geheimsihung am Freitag nach mehrstündigen Beratungen beschlossen, die Welt- abrüftungskonferen; 3 um 2. Fei) ruar 1 932 nach Genf einzuberufen. Der Rat hat sich ferner auf den Standpunkt gestellt, daß der Rat und nicht die Abrüst ungskoufe- ren; selb st die Wahl des Präsidenten vorzunehmen hat. Die endgültige Dahl des Präsidenten ist auf die Ratstagung im Mai verschoben worden.
Der Völkerbundsrat beauftragte ferner den Berich t e r st a t l e r für die Abrüstungsfragen im Völkerbund, den Spanier Ouinones de Leon, gemeinsam mit dem Generalsekrelarial die gesamten technischen Vorbereitungen für die Einberufung der Konferenz zu leiten. Zu den Vorbereitungen gehört auch die Klärung der aus der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz noch unentschiedenen Fragen, darunter die Anträge über die VffenlegungderRü st ungen der sämtlichen Mächte. Die deutsche Abordnung hat schließlich dem Termin vom 2. Februar gleichfalls zu ge- st i m m t.
Der Beschluß wird in der Samstagsihung des Rakes in ösfentlicher Sitzung verhandelt und angenommen werden. Der hierfür einzubringende Bericht von Quinones de Leon bildet zugleich die Grundlage für die Einberufung und vorberei- tung der Konferenz. Auf deutscher Seile wird jedoch entscheidender wert darauf gelegt, daß der in diesem Bericht enthaltene Abkommensentwurf der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz n i ch l a l s di e alleinige Grundlage der Konferenz- Verhandlungen angefehen wird, da die deutsche Regierung diesen Entwurf abgelehnt und gefordert hat, daß die Abrüstungskonferenz an
keine vom Völkerbundsral vorher ausgcarbeitele Grundlage gebunden ist.
Dek» viel erörterte Vorschlag, einen engeren Ausschuß mit dem tschechoslowakischen Außenminister Benesch an der Spitze zur politischen Vorbereitung der Konseren; cinzusetzen. ist im Völkerbundsrat auf starken deutschen Wider- st a n d g c st 0 ß e n u n d a b g e l e h n t worden. Dec Zweck dieses Vorschlages war, die Wahl Bc- neschs zum Präsidenten der Ab- rüftungskonseren; sicherzustellen. Der auch vom Rat anerkannte deutsche Standpunkt ist der, daß eine politische Vorbereitung in keiner weise notwendig ist. Vielmehr können die Hauptfragen des ziffernmäßigen Rüstungsstandes der einzelnen Länder sowie des militärischen Systems e r st in der Konferenz selb st behandelt werden. Denkbar wäre lediglich, daß in den direkten diplomatischen Vorverhandlungen einzelne grundsätzliche Fra- gen, darunter auch die der ausgebildeten Reserven, eingehend erörtert und versucht werden wird, eine Aebereinstimmung wenigstens zwischen einzelnen Gruppen von Mächten hierüber zu erzielen.
Die Richt Mitgliedsstaaten des Völkerbundes, vor allem die amerikanische, die sowjetrussische und die türkische Regierung, werden ersucht werden, ihre Zustimmung zu der im Mai statt- sindenden Wahl des Präsidenten der Konserenz zu geben. Ls bestehl übereinstimmend der Eindruck, daß die von französischer Seite bis in die letzten Stunden mit allen Mitteln betriebene sofortige Wahl des tschechoslowakischen Außenministers Benesch an der Haltung des deutschen und italienischen Außenministers gescheitert ist. Die Schwierigkeiten sind jedoch nur vertagt, nicht überwunden. Auf der Maitagung werden sie in aller Breite erneut ausgerollt werden.
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Ehemnih, 23. Ian. (WTD.s Der verband sächsischer Industrieller veranstaltete eine außerordentliche Hauptversammlung unter dem Motto: »Sachsen braucht Ar - beit", zu der sich neben den Mitgliedern des Verbandes auch zahlreiche Gäste aus dem Reich, u. a. R e i ch s k a n z l e r D r. V r ü n i n g und der sächsische Ministerpräsident Schieck eingejunden hatten. Ministerialdirektor Dr. Klien (sächsisches Wirtschaf tsministeriuml wies zunächst darauf hin, daß Sach en 13 Prozent der Industriebevölkerung des Reiches habe, allo 350 Prozent mehr, als seine Fläche erwarten lasse, und daß 3 9 Pr 0 z. der sächsischen Industriearbeiter- schäft zur Zeit arbeitslos seien. Als Hauptursachen der Wirtschaftsnot bezeichnete er u. a. die Erschwerung der Ausfuhr, die Sachsen mit seiner Ferligindustrie besonders schwer treffe, die hohen Frachten und die ungün- stige Kreditlage. Das Reich müife der sächsischen Wirtschaft in einem ihrer Bedeutung entsprechenden Umfange Aufträge zu ließen lassen. Die Ausgleichsstelle der Länder sollte in das gesamte Dergebungswe en des Reiches organisatorisch eingegliedert werden. In der Handelsvertragspolitik verlangt er ebenfalls eine stärkere Beachtung der sächsischen Interessen.
Reichskanzler Or. Brüning
gestatteten Aufständischenverband unter Führung seines Ehrenvorsitzenden, des Woiwoden von Schlesien Graczynski alles nur Erdenkliche zur Einschüchterung und völligen Unterdrückung des Deutschtums getan hatten. Dr. Curtius schloß daraus auf die wohlüberlegte Absicht der polnischen Regierung, jetzt in einem ihr günstig dünken- den Augenblick eine entscheidende politische Schwächung des deutschen Volkstums herbeizusuh- ren zu dem an dieser Stelle naturgemäß nicht weiter erörterten Zweck, bei der drohenden Debatte über eine Revision der Grenzen und des deutsch-polnischen Verhältnisses ü^rhaupt auf den rapiden Rückgang des deutschen Clements m den von Deutschland losgerissenerl Gebieten: und„au eine »Versöhnung" der restlichen deutschen Min-
Drr Mkerbimdsrai beschließt die Lmbewsung der WettnWngslonserenz zum 2.3cbniarl932 0er Präsident wird vom Bölkerbundsrat auf seiner Maitagung bestimmt werden.
ging dann in seinen oft von lebhaften Beifallskundgebungen unterbrochenen Ausführungen von der Weltwirtschaftskrise aus und stellte fest, daß alle Regierungen, gleichgültig in welchem Lande, mit Ausnahme vielleicht eines einzigen (Frankreich) in außerordentliche Schwierigkeiten gemeinsam mit der Wirtschaft ihres Landes geraten feien. Das Wort Weltwirtschaftskrise soll keine Entschuldigung für die Fehler der Vergangenheit bedeuten; aber ganz isoliert von der Tatsache ihres Bestehens könne man an die Fragen der Politik und der Wirtschaft nicht Herangehen. Er erinnerte an Ausführungen Mussolinis, der im Dezember davon gesprochen Hape, daß alle Wiederaufbauarbeit in Italien plötzlich durch den Einschlag der Welt-, Wirtschaftskrise erschüttert worden sei. Diese Erschütterungen, die von den Vereinigten Staaten ausgegangen seien, haben, wie Mussolini ausführte, denselben Eftekt nach der wirtschaftlichen und psychologischen Seite wie seinerzeit der Tod Rapoleons gehabt. t
Es gebe fein Land in der Welt, so fuhr Dr. Brüning fort, das s 0 viele Fehler vergangener Jahre auf einmal wiedergutzumachen habe wie Deutschland. In der Forderung einer Herabsetzung der Tri- b u t l a st e n sei sich das ganze deutsche Volk einig. Aber es wäre falsch, wenn man alles Heil von der unbedingt notwendigen Minderung der Tributlasten erwarten wolle. In dem Tempo, m dem cs gelinge, die wirtschaftlichen und finanziellen Sanierungsbestrebungen zum Erfolge zu führen, könnten wir auch außenpolitisch wieder freie r, aktiver und erfolgreich auftreten. Die Selbstk 0 sten der Industrie mühten weiter gesenkt werden, damit Die deutsche Wirtschast unter allen Umständen rechtzeitig den Anschluß an den Weltmarkt erhalte. Als ein Unglück bezeichnete der Reichskanzler die Tatsache, daß der selbständige Unternehmer in den letzten Jahren immer mehr hinter den großen Konzernen zurückgetreten sei
Auch andere größere Länder feien zweifellos :m Tempo und Ausmaß der Rationalisierung der Landwirtschaft und Industrie den Be-
derheit mit dem polnischen Staate Hinweisen zu können Dabei hat der Minister geschickt dem zu erwartenden Vorwurf die Spitze abgebrochen, als ob Deutschland sich in eine innerpolnische Angele- gcnheit einzumifchen strebe, da ]a die Minderheiten nicht anders behandelt worden feiert als die ebenfalls zur Diktatur Pilsudskis in Opposition stehenden polnischen Parteien (siehe Brest°Li° towsk> Curtius kam auch dem Einwand zuvor, daß der systematische Unterdrückungs^ldzug gegen die Deutschen in Oberschlesien, Posen und .Pommerellen lediglich eine Reaktion sei auf Die auf Revision der Ostgrenze gerichtete Bewegung im Reich. Er bekannte freimütig, wie das deutsche Volk über die Ostfrage denke, aber Jo einig wie es sich über die politischen Ziele selbst fei, so einig fei es sich auch darüber, diese nicht mit anderen als vertraglichen Mitteln zu erreichen.
Em Ansang.
Ein großer Tag in Genf. Das will im allgemeinen nicht allzuviel besagen, wir haben uns in Deutschland daran gewöhnt, allzu wort- und phrasenreiche Berichte leicht entflammter Völker- bundsjournalisten mit zurückhaltender Skepsis aufzunehmen. Und wir taten recht daran, denn allzu oft hat der Ausgang denen recht gegeben, die kühl und beherrscht abwarteten, was von dcm laut aufprasselnden rhetorischen Feuerwerk zurückblieb, wenn der Dunst sich verzogen und die Genfer Akteure mit dem auf die Bühne treten mußten, was sie hinter den Kulissen zusammen- gebraut hatten. Cs wird gut fein, es auch diesmal nicht anders zu halten, wo im Völkerbundsrat eine Angelegenheit zur Sprache gebracht ist, die uns in besonderem Maße Herzenssache ist. Ge-
Oer Weg aus der Krisis.
Reichskanzler Or. Brüning spricht vor den sächsischen Industriellen
nausgehen. Nivea* nz zu hinterlassen, rstandsfähig gegen lern Schlafengehen ■reuden können Sie dig Ihre Haul sfcj ■selzen können1 S« die Eucenl enlhalL „RN 0.50 a. 0.80
stündlich, daß, soweit wie wir sahen, die deutsche Presse wie ein Mann bei diesem Protest gegen polnische Anmaßung hinter Euriius stand.
Sache des Völkerbundsrats ist es nun. nicht nur Polens Bereitwilligkeit zu den Akten zu nehmen, Genugtuung und Entschädigung zu leisten, sondern, wie der deutsche Außenminister mit Recht nachdrücklichst betont hat. neben der Feststellung von schweren Verletzungen der Minderheitenverträge und der Genfer Konvention über Oberschleiien, Sicherheiten dafür zu schaffen, daß Polen sich nicht seiner Verpflichtung zur Schadenser'ayleistung und Bestrafung der Beamten entzieht und schließlich — und das ist die Hauptsache — ausreichende Garantien sestzülegen, die ähnliche Vorkommnisse in Zukunft unmög.ich machen. Das ist für den Völkerbundsrat, der in seiner Mehrheit trotz des Eindrucks des An- klagemoteriais doch zweifellos Polen nicht weh tun möchte, eine heikle Sache. Deshalb auch die Bemühungen, die Fortsetzung der Diskussion hinter die Bühne zu legen. Hinter verschlossenen Türen glaubt man anscheinend eher zu einem Arrangement zu kommen. Aber die Ratsmltglle- der sollten sich gesagt sein lassen, daß es der V ö l k e r b u n d s e l b st i st . der mit der Minder- heitenbe'chwerde für Deutschland zur Debatte steht und daß die Konsequenzen unabsehbar fern könnten, wenn der Völkerbund in dieser ihm durch seine Satzung zur eigensten Pflicht gemachten Angelegenheit versagen wurde, ebenso versagen toürbe, wie er bislang in der Frage der Abrüstung und bei der Bekämpfung der Welt- wirtschaftskrifis versagt hat. Sein Kredit ist nicht mehr so unerschütterlich, daß er noch Diete Enttäuschungen vertragen könnte. Das deutsch«
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20. CJan. Am Samslagabi.j chaft Panz die Teuere > 5 Mönnergesangve, )ende Rückert begrütztk 1 Ifang des ldeschästsberiljv ■ erfolgte Die fiofienpnift: Sah der Berein einen -7. t hat, der zur I verwaudl werden soll. ?<nl iftung erteilt 3hi An|ch!ez irsitzende die neu aufgefttL ■1 deren Inhalt beifällig ach öielfcitigcn Wunsch und J.- lung erhielt der Verein kn
bürfniffen vorausgeeilt. Aus diese übertriebene Rationalisierung sei auch ein Teil der heutigen großen Wohlfahrt sla st en zurückzuführen, der Saldo der Rationalisierung sei nicht befriedigend. Der weg, aus den Schwierigkeiten der Gegenwart, zu denen noch Fehler der Vergangenheit treten, herauszukommen, werde ein sehr harter sein.
Aufgabe der gegenwärtigen Regierung fei es, unpopuläre Ein- und Durchschnitte zu machen, und mehr denn je gelte heule der Grundsatz, mit ro c ‘ n i g Geld möglich st viel zu erreichen. Auch in der Vergangenheit hätte man mit weniger, unter gleichzeitiger Senkung der Steuern, einen viel größeren Rutzefjekt erzielen können. Sehr scharf wandte sich der Kanzler sodann gegen Agitatoren und Fllusoren, die cs heute im Volke, in der Politik und in der Wirtschaft nicht mehr geben dürfe. Die Krise in Deutschland sowohl wie überhaupt die Weltwirtschaftskrise zwinge die Staatsmänner, der Wirklichkeit rücksichtslos in die Augen zu sehen und auf diese Weise dicWahrheitzu erkennen,
rabe in solchen Dingen schlägt uns Deutschen das Gefühl allzu gern ein Schnippchen. Wit wähnen, schon alle Welt überzeugt zu haben, wir meinen den Sieg schon im ersten Anlauf in der Tasche zu tragen, allzu fest bauen wir auf die rosigen Berichte übereifriger Korrespondenten, denen die lauen Lüfte der Völkerbundsstadt am Genfer See, die unwahrhaftige, schillernde Atmosphäre dieser großen Meinungsbörse zu oft schon eine lockende Fata Morgana vorspiegelte, die, wollte man sie mit Händen greifen, in schemenhaftes Richts zerfloß. Große Erwartungen, durch voreilige und aufgebauschte Berichte auf Grund mangelhafter oder einseitiger Informationen genährt, mußten bitter enttäuscht werden, durch Ergebnisse, die bei der Konstellation, die Deutschland im Völkerbund vorsand, nur winzige, Schritt für Schritt zäh erkämpfte und mühsam festgehaltene Anfangseriolge sein konnten. Dies tragische Mißverstehen zwischen Voltsmeinung in Deutschland und deutscher Dölkerbundspolitik. vielfach verursacht durch ein salsches Spiel auf dem komplizierten Instrument der Presse, muß uns Warnung sein, diesmal, wo es für uns in Gens um Großes geht, nicht wieder, wie so oft schon, die Ouvertüre für die ganze Oper, einen guten Start für das ganze Rennen, ein erstes Aufhorchen, ein sympathisch zustimmendes Lächeln, einen höflichen Applaus der großen Herren in der Glasveranda des Völkerbundspalais für einen großen Erfolg, ja schon für den Sieg auf der ganzen Linie zu nehmen. Auch die Plädoyers im deutfch-Polni- schen Minderheitenkonflikt sind nur ein Anfang. dem harte und zähe, kluge und geschickte Arbeit folgen mußte und noch weiter folgen muh, wenn ein trotz schlechter Auspizien glücklich und geschickter erster Schritt sich für die deutsche Politik zu einem bescheidenen Erfolg ausweiten soll. Die Verlegung der weiteren Debatte hinter die Bühne mag schon als Zeichen dafür gewertet werden, daß das polnische Fort — und mehr rst das Minderheitenproblem nicht im Rahmen der ganzen Ostfrage — nicht im ersten Ansturm zu nehmen ist. daß die Verteidiger vielmehr recht- zeittg starke Gegenminen ausgelegt haben und auf Entsatz durch mächtige Verbündete hoffen. Also keine törichten Erwartungen, die bei der gegenwärtigen weltpolitischen Lage niemals erfüllt werden können, aber auch kein Rückfall in das andere Extrem übler Krittelei ober Besserwisserei, bas nicht minder oft, wie voreiliges Siegesgeschrei dem im vordersten Graben stehenden Leiter deutscher Außenpolitik im kritischen Augenblick den Boden unter den Füßen wegzog.
Diese einschränkende Vorbemerkung war erforderlich. um von vornherein für die deutsche Mi,i- derheitenbetchwerde in ®enJ und ihre Vertretung durch den Reichsaußenminister Dr. Curtius die richtige Einstellung zu finden. Das darf nicht hm- dem, dem Außenminister für sein erstes Plädoyer und nicht minder für die Replik auf 3alefns Antwortrede Anerkennung zu zollen. Die betonte - Sachlichkeit, mit der Dr. Curtius das gesamte An- klagematerial klar und geschickt gegliedert Punkt für Punkt vor dem Völkerbundsrat und damit vor dem größeren Forum der Weltöffentlichkeit ausbreitete, war in der gegebenen Situation gewiß der beste Anwalt für die Interessen ber deutschen Minderheit in Ost-Oberschlesien. Aus den vielen Einzelfällen unerhörten Terrors brutaler Drangsalierungen, schikanöser Rechtsbeugungen und willkürlicher Gewaltakte, denen die deutschen Volksgenossen in den zu Polen geschlagenen Teilen Oberschlesiens, in Posen und Pommerellen Monate hindurch wie einem Trommelfeuer ausgesetzt waren, formte der Außenminister seine Anklage gegen Polen auf gewissenlose ^Mißachtung und gröblichste Verletzung der in den Minderhe^ tenoerträgen vom polnischen Staat feierlich ick»er- nommenen Verpflichtungen. Dabei unterstrich^r besonders das unqualiflzierbare Dcshnlt^n der polnischen Behörden, die nicht nur £!n^€r gerührt hatten, um die polnischen
deutscher Zunge in ihren feierlich verbrieften staatsbürgerlichen Rechten zu schützen^ arva?
gegen'die wohlbegrünbete beutsche Anklage zu verteidigen. hatte von vornherein einen schweren Stand. Die Polen, seit der Herrschaft der rullckchni Knute über Kongveßpolen die verhätschel.en -*eb- linge aller für 'Dölkerbefreiung und nationales Selbstbestimmungsrecht schwärmenden -^r lse in beiden Hemisphären, haben durch die zügellose Ge- waltpolittk des Diktators Pil^udsli ihrem Rus sehr geschadet. Sie haben allen Anlaß, das schlupfrige Genfer Parkett mit Filzpantvifeln zu betreten, ilnb Herr Zaleski tat gewiß gut daran, den ümtoeg über Paris nicht zu scheuen, um vor feinem Debüt in Genf zu sehen, wie dort das Barometer steht. Driand wird in einem Gespräch unter vier Augen Zaleski vermutlich darüber nicht im unklaren ge- laffen haben, bafc man bei aller traditionellen
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