Ausgabe 
23.12.1931
 
Einzelbild herunterladen

7 Z

Gießener Winternothilfe 1931/32

Geschichten aus aller Welt

t

5 niffii

Helft den Aotleidenden!

Jede Gabe ist willkommen!

Sachspenden an das Glädt. Wohlfahrtsamt Gartenftraße 2, Zimmer 9, erbeten? auf Wunsch erfolgt Abholung. Telephon 2856.

Geldspenden nehmen auch die Äanlen und Sparkassen entgegenferner sind Anzahlungen aus das Wintemothllfe-Konto Nr. 3372 bei der Sezirkssparlasse Gießen möglich.

irrer Qüi»!

1. Da

k2

7 ?.y°l5| Jjj Noi

,r j I Rb

eN^t'loma den <F

^Wfijtrinc

Seme

- @rünb | Ci|-ngbei k btr6.cn: 6

xiraf die Ko Nr ßonboder ?i$ Wnbcti

3af b;c 3eM I rrtilalung zu [ Vgb. kah i(ine : Turbe vom

?ir6 Meleüi tÜirg und 0

3n Ctelle b- Nr. ocralteten [Jirgemeiftet Inarltorbn

De Seme | tirbe ähnlich |-*mb 10 Dai btn dritter

Wann bt|< r gleich des ; bm Djtltgun

T::an^)'ag ei \ a r k auftoe:

HitJ ist r r i^Wran I b t'< bebtulet

4 V? Dark. I Wall von 6 Morbnung b I Latten für I <n*etb<lofe 1 S j'.rlaibifnft

'bene Kapit : an Ok

f»ifle fleinerc '' r anderlei!- | ^tetbrunq eir

3n polen

fcW*"«

« batte n 1V" 2lala -t ,?*<ln- Cbe K« X*Tm

oi, rotwc"

n beferen <

dem er dem Kinderkrankenhaus non Hollhwvoö alljährlich lOOCO Dollar überweist. Seine mensch­liche Geste begeht ferner darin, daß er am Hei­ligen Abend 2000 Bewerber abfpeift. Feiner ge­tagt bewirtet. Natürlich findet die Massenspeisung nrcht etwa in der Privatwohnung von Charlie, fonbem in einem Restaurant start.

Greta Garbo verteilt, im Sinne der Parole, daß nur ein Schuft mehr geben kann als er hat, stilgemäßerweife Weihnacht-küsse! So stand es zumindest schon am ersten Advent in den Zei­tungen zu lesen. Man kann sich vorstellen, welche Menschenmenge zu benf Äuhiabrmarft erschienen war. Leider wurden die Liebe-Hungrigen von dem Sekretär der nordischen Schönheit aufgeklärt, bah es sich um einen kleinen Scherz der Herren Jour­nalisten handele. Die Schwerenöter muhten un­verrichteter Stüffe wieder abziehen...

Der Komiker Harold Lloyd hat auch für die ernsten Seiten des Lebens Verständnis. Gr tut

Deutschlands Opfer seit Versailles

Was jeder Deutsche sich merken sollte.

*» bi-lcrb

s-r $ !*^rCt N*Kbö. £ N ^,,.ngcnc bcfch'

Sorg/ 'j den I KhnachE

ricdilt

ohne dich leben! AlleS will ich für dich tun. alles nur versprich mir, baft du mit allein geborkt, dah du mir treu sein wirst! Wenn ein anderer sich dir nähert, ein anderer eS wagen mürbe, auch nur mit einem Hauch feiner Lippen bete Haar zu streicheln DoloreS,' ich könnte nicht für mich stehen. ®r ober ich! Für beide zugleich wäre kein Raum auf der Welt! Hütet euch. Dolores, hütet euch beide! Wer mir In den Weg tritt, der..."

Wieder erklang da- betörende Lachen der schönen Frau. Sie fuhr mit der schlanken, weihe» Hand, an der kostbare Brillanten in gleißende» Feuer auslohten, dem Manne sanft über Auge» und Stirn.

.Böser Mann!" sagte sie zärtlich scheltend .Warum diese tragische Miene? Ist das mei» ergebener Ritter, den ich allein lieb habe? Das ist ja ein Ungeheuer aus dem Märchen, ein Ritte« Blaubart, der jeden Augenblick bereit ist. mit Schwert und Blut und Mord zu wüten. Peggy, sogar Peggy hast du aus bem Schlaf geschreckt Sieh nur, wie er in die entfernteste Öde bd Zimmers geflohen ist und bich mustert! Un) warum das alles? Weil ich einen Abend mit bn dicken Bankier (Briefen nett getan habe? Aber du weiht doch, dah er einer der Hauptaktionäa der argcntinifdxn Darieteunternchmung ist, t* mir ein fo glänzendes Angebot nach den füb> amerikanischen Staaten gemacht hat. Glaubst bu. auS einem anderen Grunde hätte ich mich mir dem Alten abgegeben? Aber mit den Wöllr« muh man heulen, mein Lieber, und die Kunst fjdf nach Brot. Wirst du das endlich ein,ebenT*

.Rie werde ich einsehen. dah ein wildfremder Mann dir anbieten darf, sich mit dir bei MatthU dem Juwelier, zu treffen, um einen Schmuck f» dich auszukuchen Glaubst du, dah (Briefen ea Mensch ist. der einer schönen Frau, wie dir, ein« Schmuck umsonst verehren würde? Ob! ich fbnr* wahnsinnig werden bei dem Gedanke««, dah.

Das soeben noch lächelnde Gesicht der ?anyriC bekam einen bösen, eisigen Ausdruck. .Run hörn aber, bitte, mit diesem Unsinn auf, mein liebet- Freund!" tagte sie scharf. .Wir sind hier «ddc auf der Bühne und ich habe keine Luft, a» frühen Morgen auf nüchternem Magen bram»* tische Szenen anzuhören. Gs ist weder notwend'» dah bu bich aufregft. noch bah bu. wie du bi® so schön ausbrückst, wahnsinnig werden fönntet- Wenn der dicke (Briden mir einen Schmuck bietet, so weih er genau, warum er das maflt- 3e kostbarer und reicher ich in den fübameru«* Nischen Staaten auftrete, um so größer wird M»2 der Ruhm sein, den ich ernte. Dort unten atu* nur die Schönheit und der Reichtum einer .yra«- 3e mehr ich aber gelte, um so vollere^ ' haben ©riefen und seine Gesellschafter. Und b® Kapital, das er in Schmuck anlegt, wird schon bezahlt machen.

(Fortsetzung folgt)

nach amtlicher Aufstellung bis Ende 1922 48 Mil­liarden Doldmark.

Rach dem Zusammenbrechen deS ..passiven Widerstandes" wurde 1924 von dem Sachvcrftän- digenauSschuh unter dem Borsitz des amerikani­schen Generals Dawes der sog. Dawes-Plan geldjaffen, der bi» 1929 in Wirkung blieb Hier­nach hat Deutschland in den Jahren 1925 biS 1929 insgesamt 7,67 Milliarden Mark gezahlt.

Die Sachverständigen deS DaweS-KomiteeS be­tonten schon am Schlüsse ihre- Berichtes, dah ihr Plan nicht als endgültige Lösung der Repara­tionsfrage zu betrachten sei, und so kam im Jahre 1929 der Poung-Plan zustande, der Deutsch­land zu Tributzahlungen bis zum 3ahre 1988 ver­pflichtete, d h Deutschland sollte noch 59 Jahre lang durchschnittlich etwa 2 Milliarden entrichten. Die Gesamtsumme des Doung-Plan» beträgt 117,395 Milliarden Reichsmark. waS eine Srmähigung gegenüber dem Dawes-Plan von 1,948 Milliarden bedeutet

3n Deutschland wurde irrtümlicherweise bei Festlegung deS PlancS mit mindestens zehn 3ahren Dauer gerechnet, Amerika gab ihm

prrW

(auch 6t |j?000 6d)iflvT IVia Tmefmi . frt Drud i i sirt einaefchrl -erden die ni vmädift i® $ ' Hoffentlich fall

zur Weihnachtszeit ein gutes Werk? er tut es aber mit der Manier des Humoristen. 1929 ver­teilte er 1500 Paar Handschuhe, im letzten 3obre ebensoviel Stiefel. Diesmal werden eS vielleicht Westen sein, wenn nicht gar noch intimere Be­kleidungsstücke ...

Am individuellsten mutet die Weihnachtsgo» pflogenheit von 3ohn Gilbert an. Der Film­liebhaber ist der akkreditterte .Schrecken der Poli­zeigarnison" von Hollywood: Gr leistet sich näm­lich nls Herrenfahrer jahrein jahraus die tollsten S.ücke Am Rachmittag des Hl.:nd» versuckl er, seine diesbezüglichen Sünden wettzumachen. Ohne dabei fein 100-?5-3ch zu verleugnen. Gr rast mit seinem Tourenwagen durch alle Straßen und legt, richtiger schmeißt allen Derkehr-polizisten überaus wertvolle Weihnachtspakete zu. So wird Gilbert wenigstens an diesem einen Tage bei 3ahres nicht wegen Schnellfahrens aufgeschrieben.

Lausvubcnerzichung in Bogota.

(a) Bogota.

Diele Städte in der Welt glauben In ihren Mauern die frechsten Lausbuben zu beherbergen. Es fei nur an den Berliner Schusterjungen und den Parisergamin erinnert. Sie alle scheinen aber Waisenknaben gegenüber der hoffnungs­vollen 3ugenb zu fein. oie ihren Litern und oct- Polizei in Bogota, der Hauptstadt der hib** amerikanischen Republik Columbia, das Leben schwermachen. Die Streiche und Frechheiten dieser Bengel haben in der letzten Zeit derart überhand genommen und die Polizei sah sich ihrem Treiben gegenüber so machtlos, dah sie schiiehlich auf einen eigenartigen AuSweg ge­kommen ist:

Eines schönen DormittagS erschienen in ben

einzige Zuflucht, wenn der einsame Knabe von der Stiefmutter zurückgestohen wurde? 3ch weih, wie ich auf 3hre Treue bauen kann. Aber..." und er sah ihr scharf in das angstvolle Ge­sicht »Sie wissen etwas, und Sie verschweigen es mir, um mich zu schonen."

Die alte Frau sah ihn wortlos an. Tränen stürzten ihr aus ben Augen. Sie muhte sich abtoenben.

Gras Friebrich von Rauenstein lachte bitter auf.

»Wozu habe ich noch gefragt?" sagte er leise vor sich hin. »Lassen Sie mich allein, meine gute Fieken". fuhr er fort,unb sagen Sie über diese Angelegenheit kein Wort zu irgend jemandem"

Sie nickte und ging langsam hinaus, nicht ohne noch einen trauervollen Blick auf den Grasen au werfen, der auf einem Sessel zufammenge- sunken war.

Ein leises girrendes Lachen tönte hinter der rosenfarbigen Seidenportiere hervor, die das Ankleidezimmer der Tänzerin Dolores bei Fonza von ihrem lauschigen Bouboir trennte. Dieses Bouboir war eingerichtet mit allem Raffinement, beffen eine fo verwöhnte Frau, wie die schöne DoloreS. fähig war. Rosenfarbene Seide bespannte die Wände des Heinen Gemaches, von denen Bil­der verführerischer Lebensfreude blickten. Kleine Sofas, tief schwellende Sessel auf zierlichen, ver­goldeten Fühen standen zwanglos in dem schonen Raum verteilt da. Ueberall dufteten Blumen in silbernen Schalen. Puppen mit srechlächelnden Gesichtem schlenkerten ihre überlangen, seiden- bekleideten Glieder über Lehnen unb Polster. Kurzum: in bem ganzen Raum zeigte sich der verwöhnte Geschmack der erotischen Tänzerin. Unb über allem lag der Duft von Weiher 3ris. jenem Parfüm, das Dolores nur für sich in einer der ersten französischen Parfümfabriken Herstellen lieh und dessen Zusammensetzung ihr Geheimnis war.

3n bem niebrigen Armsessel vor einem für zwei Personen gedeckten üppigen FrühftückStisch sah Graf Hans Egon von Rauenstein. Seine schlanke, geschmeidige Gestalt kam in einem vor­nehmen. grauen Anzug aus englischem Stoff besonders zur Geltting. Sein schönes, leichtsinniges und etwas weichliches Gesicht zeigte die Spuren von Uebermüdung und Rervosität. Unruhig klappte er sein goldenes Zigarettenetui auf unb zu. bas Etui mit bem Wappen ber von Rauen- stein: bret aufragenbe Tannen in blauem Felde, darüber ein Helm mit einem Falken. Gr nahm sich hastig eine Zigarette auS dem Etui, zündete sie an, warf sie aber nach den ersten Zügen schon unwillia beiseite.

DaS girrende Lachen tönte zum zweiten Male unb kam nun näher, unterbrochen von dem grellen Kläffen eines SchohhündchenS.

Graf Hans Egon wandte sich hastig um. Die Abspannung seiner Züge war einer leidenschaft­lichen Erregung gewichen, und mit einem Blick brennender Glut umfaßte er jetzt das Bild der

S?fn i

bet sein Vergnügen darin, sich in der Christnacht: als Dagabund zu verkleiden und diese weihevol­len Stunden im Asyl für Obdachlose zu verbrin­gen. Zwei alte Damen liehen früher in jedem Sommer sieben junge Tauben ausziehen, die sie am Weihnachtsabend abholten? sie befestigten an einem Dein jede- DogelS ein Goldstück und lie­hen die Tiere dann fliegen in der Hoffnung, sie mochten von armen Familien gefangen werden. Es gibt in England einen Klub, dessen Mitglie­der am Heiligen Abend die Gefängnisse besuchen und dort Gaben verteilen.

Ter Filmstar als Weihnachtsengel.

(a) Reuy or L

Dos Fest ber Liebe wird auch in den Bereinig­ten Staaten im Zeichen ber Woh'tätigkcit began­gen und insbesondere die Sterne auf dem Flimmer- wandhimmel geben sich redlich Mühe, auf eine großzügige Art ben Weihnachtsmann zu spielen. So verschickt Mary P i ck f o r d alljährlich rund 2000 We hnachtss.rampfe an u.vbemiLe h Kinder. Der Strumpf enthält, nach altem amerikanischem Brauch, Sühigleiten und praktische Gebrauchs­gegenstände. Äe schöne Mary arbeitet an ber Spitze einer Heinen Schar freiwilliger Mitarbeiter wochenlang persönlich an der .ökonomischen" Fül­lung ber Liebesgabenpakete. 3n diesem 3ahr stellte sich die Filmdiva auch an die Spitze einer anderen, recht originellen Wohltätigkeit-aktion. 3n Los Angeles wurde ein GeschäftScreen Stars Shop eröffnet, in dem die Liebhaber die abgetragene Garderobe ihrer Filmhelden und Filmheldinnen preiswert erwerben können. Den Ertrag dieser grotesken Auktion bekommen die Armen. Die Star ÄleiberDcrfteigerur.g in der North Cahuenga Avenue wirft mehrere tausend Dollar ab: die amerikanischen .Sammler" sind auch für .historische" Reliquien dieser Art zu haben. Cs muh doch ein zu schönes Gefühl sein, irgendein Krönungslleid der Polo Regri ober Brautkleid ber 3eanette Macdonalb zu besitzen! 3ntercffentcn können sich an die angegebene Adresse wenden: die Hausnummer beträgt 161'4 ...

»Fil nfürst" Charlie Chaplin llquidiertWcih- nachten mit einer wahryast fürstlichen Geste, in­

höchstens zehn bis fünfzehn Jahre. Jetzt find knapp anderthalb 3ahre verflossen, unb schon ist

Deutschland nicht mehr in der Sage, weitere Zahlungen -n leisten.

Boraussichtlich wirb Deutschlanb auch nie mehr in die Lage kommen, diese politischen Schul­den, die schiiehlich mit die Ursache der auher- ordentlich schweren Wirtschaftskrise sind, zu be­zahlen. Amerikanische, englische und italienische Staatsmänner haben längst eingesehen, dah die Reparationen, die einen Fremdkörper im weltwirtschaftlichen Kreislauf darstellen, unter allen Umständen fallen müssen Rur Frankreich besteht nach wie vor auf dem Standpunkt der ..Heiligkeit der Verträge", ob- wohl von Deutschland bis jetzt weit höhere Leistungen geschehen sind, als wirklicher Schaden nachweisbar ist. Man stelle dem immer wieder die deutschen Bedingungen und französi­schen Leistungen von 1871 gegenüber!

Erfreulicherweise bildet sich in Deutschland eine Immer größere Front für

Einstellung

jeglicher weiterer Reparationszahlungen, unb es ist zu hoffen, bah dies auch in Frankreich nicht ohne Eindruck bleibt

KriegSschuldlüge und Reparatio­nen werden bei deutschem EinheitS - willen bald der Vergangenheit ange­boren.

Don der 3ndustrie- und Handels­kammer Giehen wird uns geschrieben:

3n bem Augenblick, ba bas Reparations­gespräch zwischen Deutschlanb und seinen Gläubi­gern wieder begonnen hat toirb es gut sein, immer und immer wieder sich ins Gedächtnis au» rückzurufen, welche Opfer das deutsche Dolk seit dem Diktat von DersailleS gebracht hat.

Die Reparationsverpflichtungen Deutschlands basieren auf ben bekannten 14 Punkten WilsonS. 3n bem 7., 8. und 11. Punkt forberte er bie Räumung unb Wiederher­stellung der besetzten Gebiete in Frankreich. Belgien, Rumänien. Serbien unb Montenegro. Keine weiteren Entschädigungen sollten gefordert werden. Roch in seiner Kongrehbotschaft vom 11. Februar 1918 erklärte W i 1 s o n, dah es weder Anneffionen, noch Kontributionen, noch einen Straffrieden geben dürfe. Deutschland erklärte sich bereit, auf dieser Grundlage den Frieden zu schliehen. _ , .

WaS für ein Dokument voll Schmach unb Schande, daS in ber Weltgeschichte nicht seine-- gleichen kennt, würbe aber geschaffen in bem sog. Frieden von DersailleS"!

Deutschland wurden entrissen, gemessen an seinem Besitzstand von 1913:

«/, seiner Bobensläche --- 70000 Quadratkilometer 7,0 feiner Bevölkerung = 6 470 000 Einwohner «/< feiner Steinkohlenförderung 49 000 000

Tonnen

3/4 seiner Eisencrzerzeugung = 21300002 Tonnen /i seiner Zinkerzeugung = 440 000 Tonnen ,/T feiner Erzeugung an Weizen unb Roggen

= 2 600 000 Tonnen

1seiner Kartoffelerzeugung = 9 700 000 Tonnen, /io feiner Handelsflotte = 5100 000 Brutto- Register-Tonnen

unb ber gesamte Kolonialbesitz im Umfange von 3 000 000 Quabrattilometer, d. i. bie 5V,sache Aus­dehnung beS früheren Reichsgebiets. Auherbern mclbeten bie Feindmachte 186 Milliarben Golb- mark für angerichtete Schäden an, die von der ReparationSkornrnisfion mit 132 Milliarden an­erkannt wurden und dann die Grundlage für die Festsetzung ber deutschen Reparationsschuld bil­deten. 3n dem sog. Londoner Ultimatum vom 5 Mai 1921 wurde diese Summe unter An­drohung schwerster Sanktionen von ber deutschen Regierung angenommen.

Die deutsche Regierung versuchte, den ihr aus- gezwungenen Bedingungen zu entsprechen. Da­mit begann eine solche Aufsaugung Deutschlands, dah bie Regierung nach kurzer Zeit um Zah­lungsaufschub bitten muhte. Fran.reich entnahm hieraus, dah Deutschlanb nicht zahlen wolle, unb nun begann eine- ber büfterften Kapitel ber beut- schen Geschichte: der Ruhrkampf.

WaS Deutschland allein b i S zurSchaf- fung deS DaweS-PlanS geleistet hat, mögen folgende Zahlen beweisen:

Die deutschen Leistungen werden vom Reichsfinanzministerium auf rund 57 Milliarden Mark geschäht. 3n dieser gewalti­gen Summe find aber nicht die Werte Elsah» Lothringens und der deutschen Kolonien enthalten. Man kann die deutsche Gesamtleistung auf fast das Doppelte dieser Summe schätzen.

Rach e ner amerikanischen Schlitzung hat Deutsch­land vom ll.Rovember 1918 bis zum 30. Sep­tember 1922 Werte in Hohe von 25 biS 26 Mil­liarden abgeführt, ebenfalls ausschließlich Kolo­nien. Gebietsabtretung, Besatzungskosten, Unter­haltung der Kommissionen. Rückerstattungen ufw. Allein die Besatzungskosten verschlangen

Frau, bie ba eben, ein kleines, schneeweißes Pekinesenhünbchen auf bem Ann, zwischen ben rosenfarbenen Seibenvorhängen erschien.

3hre schlanke, knabenhafte Gestalt war einge­hüllt in einen kostbaren Pyjama von golbfarbenet Seide. Das um die schmalen Hüften eng an­liegende Beinkleid fiel an den zierlichen Knöcheln fächerartig auseinander. Das fune, ärmellose Jäckchen war mit leuchtend grünen Seidenmotiven bestickt. Unter diesem Zäckchen aber schimmerte in hauchfeinen, zartgelben Spitzen ein Untergewand, das die finnverwirrende Schönheit dieses Frauen­halses. der Anne wie ber Büste mehr enthüllte als verbarg. Auf dem schlanken, bräunlichenHalse, der von einer schweren, funkelnden Kette von Goldtopasen umschimmert war, sah ein schmaler, dunkler Kopf mit glutvollen, tiefschwarzen Augen, die jeht, als sie auf Hans Egon blickten, voll zärtlicher Schelmerei schienen. 3edoch ein gewisser Zug um das kleine, rotschwellende Lippenpaar und ein leichter Schatten um bie haarfein nach­gezogenen. klassisch geschwungenen Brauen moch­ten dem Menschenkenner zeigen, dah dieS schöne Antlitz wohl auch einen anderen Ausdruck zu tragen vermochte.

Jetzt aber lächelte bie schöne, bunkelhaarige Frau wie ein harmlos scherzendes Kind. Und zwischen den rosensarbenen Tapeten lugte ihr Kopschen hervor wie ein Bild, von einem gott­begnadeten Künstler in einer Weihestunde erschaut und erschaffen. HanS Egon wollte aussprinqen. aber schon war bie Tänzerin mit einem graziösen Sprunge bei ihm.

Mit einem silberhellen, übermütigen Lachen warf sie bad weihe Pekinesenhündchen auf HanS Egons Knie, wo es liegenblieb und es sich bequem machte. Sie selbst aber schlang ihre nackten Arme, die zart und elfenbeinfarben au- den weiten Aermeln ber Spitzen hervorblühten, um den Hals des Mannes.

»Run, bu Böser!" flüsterte sie dicht an feinem Cbr. und fchob Peggy, ba# Hünbchen, zur Seite. .Bist du endlich zur Vernunft gekommen? Siehst du ein, dah du ohne deine DoloreS nicht au leben vermagst? Haft bu bich nach mir gesehnt, bu böser, böfer Mann?"

Hans Egon vermochte nicht zu sprechen. Er prehte DoloreS heih unb heiher an sich. Gr fühlte, wie er durch bie Tage ber Trennung dieser Frau nur noch willenloser verfallen war, dieser Frau, deren berauschender Körver sich dicht an ihn schmiegte, deren seidenschwarze. Weiche Haare einen sinnverwirrenden Duft auSftrömten, deren Lippen den kaum gestillten Durst immer neu entfachten, dieser Frau. bie. je nach Willen und Laune. Engel oder Teufel sein konnte.

»DoloreS. Geliebte!" flüfterte er. indem er für einen Augenblick seine Lippen von dem schwelleir­den Munde der Tänzerin löste.

Sanft bog er sie in seinem Arm zurück und !ah mit heißem Entzücken in da- schöne, bräun­liche Antlitz. »Dolores. Geliebte! 3ch kann nicht

I av 7 Uni

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kurioje Wcihnachtss.enden.

(k) London.

Die meisten Menschen feiern daS Weihnachts­fest im Kreise der 3hrigen in froher Geselligkeit: eS gibt aber auch Sonderlinge, die ihre Weih- nachtSfreude auf höchst eigentümliche Weise suchen. Solche .Auhenseiter" sind in England, dem Lande des .Spleens", besonders häufig, und einige wun­derliche Schrullen, bie sich beim Christfest bort ausleben, sind in einer Londoner Wochenschrift Aufammengeftellt worden. Diele 3ahre hindurch stellte in der Heiligen Rächt ein alter Herr an einer belebten Stelle ber Londoner City ein Fern­rohr auf und blickte aufmerksam hindurch, bis der Morgen graute. Er hielt eifrig Ausschau nach einem neuen »Stern auS dem Osten", ähnlich bem, der den Heiligen Drei Königen den Weg nach Bethlehem gewiesen. Er glaubte, dah das Erscheinen dieses Sterns das Ende der Welt be­deute, und wollte über diesen wichtigen Dorgang sofort unterrichtet fein. Wenn am ersten Feier­tag die Tore eines großen Londoner Friedhof- geöffnet werden, dann wartet bereits eine tief verschleierte Dame, die als erste Besucherin den Kirchhof betritt: sie legt auf jedem Grabe, auf bem sich keine Blumen oder sonstige ErinnerungS- Aeichen befinden, einen Cpheu-Zweig nieder: bann schreibt sie sich bie Ramen von ben Steinen ber betreffenden Gräber auf und verläßt bqit Fried- Hof als letzte, nachdem sie dort den ganzen Tag verbracht hat. Die Heilige Rächt in einer Ge­fängniszelle zu feiern, ist gewiß eine kuriose Laune, aber nach einem Bericht der Londoner Polizei ist in den letzten 3ahren mehrfach ein Mann verhaf­tet worden, der sich wegen irgendeines geringen Vergehens auf die Polizeiwache bringen ließ. Der Verhaftete weigerte sich, seinen Ramen und Adresse anzugeben, und verlangte, in eine Zelle gebracht zu Werdern Dort blieb er die Rächt über, machte am nächsten Morgen bie gewünschten An­gaben und wurde entlassen. Man vermutet, daß es sich dabei um eine freiwillige »Buße" han­delt, die sich dieser Sonderling für die Weih­nachtsnacht auferlegte. Ein anderer wieder fin-

Zchhabdirverziehn!

Vornan von Clotilbe von Stegmann«Stein.

Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.

Rachdruck verboten!

Durch die hohen Fenster von Schloß Tannen­aue flutete die goldene Oktobersonne. Wie bunte Riesensträuße leuchteten bie üppigen Kronen ber Kastanien unb Buchen beS ParkeS herein. Der schwermütige Duft der letzten Rosen mischte sich mit dem herben Geruch deS welkenden Laubes.

Herbstfäden segelten silbern über da- weite Grün der Rasenflächen und wehten in dem linden Winde hinüber über ben schimmernden Fluh, an dessen Ufern bie Motoren bes großen Mühlen- gebäudeS ihr gleichmäßiges Lied fangen.

Es war ein Bild von Herbstschönheit unb fried­licher Reife, aber bie beiben Menschen, die in dem hohen Bibliothek-raum des Schlosses standen, fühlten nichts von der Schönheit dieses Herbst­tages.

Die getreue Wirtschafterin des Hause-, Mam­sell Stülpnagel, stand mit angstvollem Gesicht neben bem großen, breitschultrigen Manne, ber, trotz seiner einfachen Kleibung. in seiner stolzen Haltung unb mit seinen rassigen Zügen in seiner ganzen Art ben Schloßherm von Tannenaue er­kennen lieb.

Finsterer Ernst lag um seinen festgeschlossenen Mund, und mit drohend zusammengezogenen Brauen musterte er die Wand gegenüber der Tür. Dort war die goldglänzende Lebertapete an einer Stelle dunkler Ein leerer Ragel zeigte, daß hier noch vor kurzer Zeit ein Bild gehangen haben muhte.

.Seit wann fehlt da- Bild?" wandte er sich an die zitternde Frau. »Dor meiner Reise war es bcftimmt noch ba."

Mit tränenerstickter Stimme gab Mamsell Stülpnagel zur Antwort:

.Herr Graf wissen doch, baß 'ich jeden Freitag mit ben Frauen vom Mühlenhofe bieten unbe­wohnten Teil bes Schlosses reinige. Am letzten Freitag war alle# unverändert. 2llS ich heute früh durch die Räume ging, um sie au lüften, sah ich die leere Stelle. Welch ein Glück, daß Herr Graf heute morgen gekommen sind! Da» Herz steht mir still bei dem Gedanken, daß irgendein Verdacht auf mich..."

Die barten Züge des Grafen Friebrich von Rauenstein. der ihr aufmerllam zugehört hatte, wurden für einen Augenblick weich.

.Auf Sie treue Seele ein Verdacht? Wenn ich mich auf alle Menschen so verlassen könnte, wie auf Sie, meine gute Fielen, dann wäre mein Leben hier sorgloser. Haben Sie nicht Mutter­stelle an nur vertreten, al» die Geliebte mir so zeitig entrissen wurde? Waren Sie nicht die